Meine Reise durch Südamerika von November 2009 bis März 2010

Das ist er also, mein Trip durch Südamerika.
Nebenan schon mal eine Karte des Reisegebietes. Ja, dieser dünne schwarze Strich ist die Route. Das dient nur dem Überblick, für jedes Land gibt  es dann noch eine Karte extra.
Also, los geht es mit dem Abenteuer fern der Heimat

Am 10. November 2009 der Start nach Lima, Peru...
...die Anfahrt zum Flughafen mal mit der Bahn. Sehr leicht, recht billig, nur mit etwas mehr Zeitaufwand. Der Flug mit TAM ohne viel Worte. Einfach und zuverlässig. Nach 12 Stunden Flug umsteigen in Sao Paulo, Brasilien, und noch mal 6 Stunden bis Lima, Peru.
Lima hat zwar über 7 Millionen Einwohner, doch davon spüre ich wenig, abgesehen von den verstopften Strassen. Die ersten Tage eingewöhnen, das Tempo des Landes aufnehmen. Zu sehen gibt es noch nicht so viel, das wird erst ein paar Tage später anders. Von Lima aus auf nach Nazca, ein ehemals kleines verschlafenes Dörfchen, das erst durch die riesigen Bilder in der Wüste zu Bekannheit gelang. Auch wenn es nicht billig war, ein Überflug musste für mich drin sein. Hat sich auch gelohnt, vor allem weil die kleine Maschine Manöver flog die einer Achterbahn gleichkamen. Die Nacht darauf Weiterfahrt nach Arequipa. Schon in den Bergen, aber mit 2.300 m Höhe noch im verträglichen Bereich. Die Landschaft nach wie vor grau in grau, viel Wüste mit nur wenigen Oasen. Keine Ahnung wie die so ihre Leute und uns satt bekommen. Ach ja, Essen: preiswert, wenn man dahin geht wo die Einheimischen essen. Das Menu mit Suppe und Hauptgang so großzügig das man davon mehr als satt wird: 1 bis 2 Euro. Und der Magen verträgt es bisher, toi, toi, toi...

Shopping Mall am Ozean, Lima   Palast des Erzbischofs, Lima    erste Inka Ruinen, Pachacamac       Nazca, Spinnenbild

Nazca, Hände ???                   Arequipa, die Kathedrale              der Colca-Canyon, 1.000 m tief und fast fruchtlos

Arequipa besticht durch , ich würde sagen, koloniale Architektur. Viele Gebäude hübsch anzusehen, weiss und viktorianisch. Ich bleibe trotzdem nur eine Nacht, dann die nächste Busreise. Hinein geht es zum Colca Canyon ins peruanische Hinterland nach Cabanaconde, ein Dorf mit vielleicht 1000 Einwohnern. Die Strasse der Hit, wir werden durchgerüttelt und geschüttelt wie ein Martini, ganz zu schweigen von dem Staub den wir aufwirbeln. Für die 240 km braucht der Bus 6 Stunden, das sagt wohl alles...
Dem Zufall verdanke ich es (musste anderen Bus nehmen als geplant, hatte damit “herrlichen” 5 stündigen Aufenthalt im Busbahnhof), das ich während der Fahrt einen Einheimischen von Cabanaconde kennenlernte, Remi (46 Jahre), Wanderführer. Wir führen ein interessantes Gespräch, doch dazu später. Zuerst war da diese eine Tagestour durch den Colca Canyon, gepriesen als 2. tiefste Schlucht der Welt. War hübsch, da über 1000 m in den Abgrund zu steigen, unterwegs ein paar Dörfer zu besichtigen und in der Oase (Sangalle) auf dem Grund der Schlucht baden zu gehen. Wirklich aufregend war das für mich nicht (Tigersprungschlucht China war besser), und nebenbei die von Trekking Büros angebotene 2 Tages Tour lief ich in 9 Stunden, inclusive der Badepause.
Was blieb mir da anderes übrig als auf Remi zurückzukommen. Schnell waren wir uns einig und anderthalb Tage später zogen wir los. Es sollte eines meiner bisher aufregendsten Trekkingabenteuer werden. Glücklicherweise hatte mich Remi überredet einen Packesel zu nehmen, anders wäre die 4tägige Strecke wohl nicht machbar gewesen. Wir starten auf 3.200 m Höhe bei 32°C und treffen nach 4 Stunden die letzte Menschenseele für 3 Tage. Am ersten Abend das Lager auf 4.800 m Höhe. Eigentlich zu viel und zu hoch für einen Tag, vor allem weil der Körper neben der Höhe auch noch den Verlust von 30°C hinnehmen musste - wir hatten nur noch 2°C. Es hatte am Nachmittag zu regnen begonnen. Doch dann sollte glücklicherweise nur noch Sonne mit ein paar wenigen Wolken folgen. Egal, Warmduscher und Weicheier können sich ja wo anstellen, ich vertraute auf meine Physis und Psyche. Die Symptome der Höhe blieben für mich mild, Gott sei Dank. Am 2.Tag über einen 5.200 m hohen Pass und nach 5 Stunden Laufen erneutes Lager auf 4.900 m - inmitten der Weite der peruanischen Anden.
Am 3. Tag um 3.30 Uhr los. Das Ziel unseres Ausfluges stand bevor: der 6.288 m hohe Ampato!!! Mein erster 6.000er und wahrscheinlich eine Höhe die ich nie wieder übertreffen werde. Er war schwer, er war hart. Zwar brauchten wir keine spezielle Ausrüstung, doch die Luft da oben ist so dünn, die Anstrengung dabei so groß, das ich teilweise alle 10 Meter eine Pause brauchte. Der Triumph dann endlich da oben zu stehen, herabzublicken auf die Welt und all die “kleinen” Berge ringsum - ich sage euch das war all die Mühe wert. Nicht darüber reden das wir nach dem Abstieg unsere Sachen packten und noch 3 Stunden weiterliefen - an dem Abend war ich weit über die Grenze meiner Belastbarkeit gegangen und trotzdem glücklich. Am nächsten Tag vorbei an einem riesigen See und mit einem langen Abstieg zurück nach Cabanaconde. Leute, das war ein Abenteuer, und zwar eines der Extraklasse.  

Trekking, so begann es

das erste Basislager auf         4.800 m Höhe, kalt

 meine zwei Begleiter                      Ziel der Begierde, der 6.288 m                                           hohe Ampato

Basislager 2, rechts unten       es ist geschafft - ich bin oben    zu Fuß oder im Bus: peruanische Anden - unendliche Weite

Zugegebenermaßen war ich ziemlich fertig nach dieser harten Körperbelastung. Doch da war noch eine Idee im Kopf die mir wenig Zeit ließ, also hieß es noch am Tag unserer Rückkehr aus den Bergen packen und den nächsten Bus zurück nach Arequipa nehmen - morgens um 2.00 Uhr!!! Ankunft in Arequipa um 7.10 Uhr - kurze Abfrage der Busunternehmen und Weiterfahrt nach Cusco um 7.20 Uhr. Nur keine Zeit verlieren :-) Angekommen um 17.45 Uhr in Cusco war ich wirklich fertig mit der Welt und todmüde. Der Tag darauf (25.11.) fand im Prinzip nur im Bett statt. Am 26. organisiere ich den Transport nach Aguas Caliente, auch Machu Picchu Village genannt. Auf der Fahrt lerne ich zwei Jungs (19) aus den USA und Neuseeland kennen. Wir suchen eine gemeinsame Unterkunft und stehen am 27.11. um 3.30 Uhr auf um zu Fuß den Machu Picchu zu besteigen. Das gelingt prächtig und wir sind ganz vorn in der sich bald bildenden Schlange am Eingangstor. Geöffnet wird 6.00 Uhr und nur 5 Minuten später stehe ich als aller erster des Tages an der Hütte vom Wächter und kann das recht bekannte Postkartenmotiv schießen. Die beiden Jungs haben übrigens zur Feier des Tages (mein Geburtstag immerhin) eine Flasche kolumbianischen Rum organisiert und wir stoßen erst mal an. Nicht nur wegen mir, sondern auch wegen dem Erreichen vom Machu Picchu. Hier auf die Ruinen der ehemals heiligen Inka Stadt zu blicken ist aber auch der Hammer. Schwer zu beschreiben was einem da durch den Kopf geht, doch das Empfinden ist einfach nur stark und spirituell. Ich könnte davon eine Stunde erzählen, doch das würde hier wohl zu weit führen. Wir stromern herum, schauen uns alles an, bewundern Architektur, Statik (das meiste steht trotz Erdbeben seit ca. 800 Jahren) und umgebende Natur (alles grün, steile Klippen und Felsen zu welcher Seite man auch schaut) - ein Traum. Das Timing passt. Beim Besuch auf dem nahen Wayna Picchu (so steil das man fast nach oben kriechen muss) fängt es an zu regnen und wir treten um Mittag herum den Heimweg an. Abends ein gemeinsames Essen und noch ein paar Bierchen hernach in der Bar - das war mein Geburtstag. Überwältigend, das alles so ausgezeichnet geklappt hat. 

       der Blick auf Machu Picchu, ohne und mit mir               schmale Pfade am Abhang        jeglicher Blickwinkel

Smile :-)                              Blick in die Tiefe                    mystisch                              ein letzter Blick

Ich kehre am 28.11. zurück nach Cusco. Es wird Zeit ein wenig kürzer zu treten und die nächsten 2 Tage passiert praktisch nichts. Der November war bisher aufregend genug und ich genieße es mich zurückzulehnen. Der Ort gibt es her. Man kann endlos bummeln und durch das Gewirr von winzigen Gassen jeden Tag die Stadt neu erleben. Einen Tag mache ich doch noch auf Kultur und besuche die Ruinen der Inkas in der Nähe von Cusco. Saksaywaman, Qenqo, Pukapukara und Tambomachay. Nach Machu Picchu können diese nicht wirklich begeistern, aber das war von vornherein klar. Ich hänge dann noch einen verregneten Tag in Cusco fest, denn auf der Strecke nach Süden blockieren Streikende die Strassen. So komme ich erst am 2.12. nach Puno.

Cusco, Plaza de Armas            die Gassen von Cusco              Saksaywaman                       Tambomachay

Puno liegt bereits am Titicacasee, kurz vor der Grenze zu Bolivien. Wir haben am Nachmittag einen Kurzausflug nach Sillustani, ein alter Friedhof der Inka und Colla. Die Fremdenführerin kann richtig begeistern und die Natur zeigt ihr aufregendstes Gesicht. Alles in allem besser als erwartet. Einen Tag später der Wechsel hinüber nach Bolivien. Unspektakulär mit gelangweilten Grenzposten. Der nächste Halt gleich hinter der Grenze in Copacabana. Nein, nicht der berühmte Strand. Doch das Städtchen kann sich sehen lassen. An einer Bucht des Titicacasees (der ist rießig und liegt auf 3.820 m Höhe) gelegen, mit einer schönen Kathedrale. Gleich nebenan ein kleiner 4.000er, von dem aus ich einen herrlichen Sonnenuntergang erleben darf.
Mit kleinem Gepäck am 4.12. hinüber auf die Isla del Sol, dem Geburtsort der Inka Legende. Tolles Wetter, herrliche Aussichten und einige Ruinen. Das Licht hier oben hat etwas ganz spezielles und man könnte Fotos über Fotos schießen, was ich auch tue.

Puno                                   Sillustani                                Copacabana                            ohne Worte

  Isla del Sol, Titicacasee        Inkaruinen auf der Isla del Sol   Isla del Sol, Titicacasee           was guckst du???

Mein Plan musste mal wieder kurzfristig umgestellt werden. Durch die Präsidentschaftswahlen gab es am 6.12. keinerlei Transport, und Dank einiger Mühe traf ich bereits am 5.12. in La Paz ein. Die Stadt sollte eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp werden, hat mich aber von Anfang an begeistert. Schon der erste Anblick atemberaubend. In einem steilen Canyon gelegen klettern die Häuser zu allen Seiten die steilen Hänge hinauf. Als würde das noch nicht reichen zeigt sich im Hintergrund immer wieder der Illamani (Hausberg von La Paz, 6.400 m hoch)

 Am 6.12. wie gesagt die Präsidentschaftswahlen. Tolles Wetter, wie für diesen Tag gemacht. Die Stadt selbst wie leer gefegt. Fast alles hat geschlossen und die sonst verstopften Strassen benutzen ein paar Mutige um Ball zu spielen. Am Abend stehe ich
mit am Präsidentenpalast, wo ein gut aufgelegter Vizepräsident nach dem erfolgreichen Ausgang der Wahl inmitten von Einheimischen ein Interview nach dem anderen gibt.
Zwei Tage später mit einer kleinen Gruppe Waghalsiger hin zur gefährlichsten Strasse der Welt. Von La Cumbra (gleich neben La Paz) hinab nach Coroico. Dabei “fällt” man von 4.700m auf 1.100m. Macht summasumarum eine Höhendifferenz von 3.600m auf 64 km. Als würde das noch nicht reichen ist der alte Teil der Strasse (eine neue und viel sicherere wurde gebaut) eine Schotterpiste, teils nur 3 m breit und hinter so mancher Kurve lauert ohne die geringste Barriere ein bis zu 600 m tiefer Abgrund. Wow, was für eine Herausforderung.

 Karte Bolivien mit Reiseroute

Von unseren Guides des Veranstalters Vertigo werden wir komplett ausgerüstet: Helm, Handschuh, Protektoren, sowie regenabweisende Kleidung. Die brauchen wir auch, denn nach den ersten 15 km verschwinden wir in den Wolken. Was folgt ist Moutainbiking wie es sein soll: Nass, schlammig und voller Spaß. Total verdreckt aber glücklich über den Triumph diese Strasse gemeistert zu haben treffen wir am Nachmittag in Coroico ein. Passiert ist nichts, doch der Blick in so manchen Abgrund bestätigt wie schnell sich hier das Blatt wenden kann.

...während                             ...mittendrin                           ...nachher

 vorher...

Einen Tag später ist mal wieder Bus fahren angesagt. Bis Mittag schaffe ich die Strecke hin nach Oruro, wo es nach einem Mittagessen gleich noch 6 Stunden bis hinunter nach Potosi geht. Bekannt geworden im 16. Jh durch reiche Silbervorkommen ist die Stadt dem Bergbau treu geblieben. Handarbeit ist weiterhin das Maß aller Dinge und unter miesen Bedingungen schuften heute noch 5.000 Bergarbeiter unter Tage. Ich habe Gelegenheit an einer Tour in die Tiefe teilzunehmen, ein schockierendes und prägendes Abenteuer.
Wir sind nur eine kleine Gruppe von 4 Leuten mit zwei Führern, die sich in ihrer Welt gut auskennen. Ausgerüstet mit Helm, Grubenlampe und Schutzsachen folgen wir ihnen durch niedrige Gänge, klettern von einem Stockwerk ins nächste, krabbeln teilweise auf allen vieren und treffen bei immer höheren Temperaturen und einer immer größeren Staubentwicklung auf so manchen “Kumpel”. Wie die das hier unten aushalten ist nicht nur mir rätselhaft. Keinerlei festes Licht im Schacht, keine technische Ausrüstung außer einer teils funktionierenden Belüftung und als ingeneurtechnisches Wissen nur die
Praxisschulung durch die Älteren. Den Presslufthammer ersetzt nach wie vor Dynamit, welches wir unter anderem auf dem Markt für Bergarbeiter erstehen konnten. Die Stange mit Zünder und Schnur für 2 Euro. Kaufen darf das hier jeder, doch außer im Berg wird nirgendwo gesprengt (naja, wir waren die Ausnahme. Zwei Stangen durften wir auf einer Halde hochgehen lassen, was für eine Erfahrung)

Eingang zur Hölle                    einzige Technik unter Tage       nix für Klaustrophoben        echtes Dynamit, Lunte brennt bereits

In einem Cafe lerne ich Shannon,eine Neuseeländerin, kennen. Mit ihr reise ich weiter nach Sucre, der heimlichen Haupstadt von Bolivien. Stand nicht auf meinem Plan, genau wie Potosi, hat sich aber gelohnt. Die Stadt selbst ist hübsch, vor allem das Zentrum (keine Angst, nicht noch mehr Fotos von Kirchen). Dazu eine lockere und entspannte Atmosphäre. Von Regenzeit keine (sagen wir kaum eine) Spur, Klimawandel??? Wir bleiben nur eine Nacht, und brechen auf in die nahen Berge. Der Transport schwierig, seltene und falsche Infos begleiten uns die ganze Zeit. Doch die Mühe lohnt. Sehen in zwei Tagen tolle Landschaften, uralte Inka Malereien, steinzeitalte Dinosaurierabdrücke und einen 18 km weiten Vulkankrater. Genial. Ganz abgesehen davon ist unser verfügbares Kartenmaterial nur selten etwas wert und wir klettern durch kleine Canyons, Schluchten, kreuzen einen schlammigen Fluss und müssen so manche Höhenmeter bewältigen. Am ersten Abend erreichen wir das Örtchen Maragua im Dunkeln, nur meine Kopflampe spendete uns Licht. So im Stockdunkel eine Unterkunft zu finden bringt uns an den Rand von Kraft und Nerven. Erst ein altes Pärchen kann helfen und treibt jemand mit Schlüsselgewalt auf. Essen gibts keines und (Trink)Wasser erst am nächsten Morgen, wenn man von dem kleinen Bächlein (3cm Wasserhöhe) absieht. So bleibt Magerhans Küchenmeister, mit etwas mitgebrachtem nebst ein paar Keksen. Wir nehmen es mit Humor und Gleichmut. Zurück in Sucre wird ein Tag Rast mehr als notwendig. Wäscherei, Infos sammeln, nächsten Bus buchen und wieder normal essen ;-)

Inka Malerei in Pachamachay    der Krater von Maragua            echte Dinosaurierspuren          geniale Vulkanlandschaft

Am 15.Dezember die Fahrt nach Uyuni. Bis Potosi ist die Strecke bekannt, danach verlassen wir mehr und mehr den bewohnten Bereich und die Strasse wird dementsprechend schlechter. Sechs Stunden braucht der Bus für die 220 km. Kleines Highlight während der Fahrt: Ein paar Wolken leuchten in den Regenbogenfarben. So was habe ich noch nie gesehen. Uyuni selbst ist nur ein Dorf in der Wüste, übersichtlich und gradlinig. Mir bleibt genug Zeit um in Ruhe eine Tour durch die Salzwüste herauszusuchen. Einen Tag später geht es los, zu sechst (Argentinien, Frankreich, 3xSchweden und ich) recht bequem in einem Landrover Jeep. Zuerst zum Lokfriedhof gleich außerhalb der Stadt. Zig teils ausgeschlachtete Dampfloks und Waggons rotten und rosten da vor sich hin. Hat was fotogenes. Danach richtig hinein in die Salar de Uyuni (Salzwüste Uyuni). Ich sage nur ein Wort: Spektakulär. Flach wie ein Brett, knapp 100 km Durchmesser und so leuchtend weiß das ein Abnehmen der Sonnenbrille schmerzt. Mittendrin eine Vulkaninsel mit Kakteen. Ansonsten ein paar Stopps wegen Salzgewinnung, Salzverwendung. Am Abend schlafen wir in einem Salzhotel, aus eben jenem Material erbaut. Tag zwei: vorbei an praktisch ausgestorbenen Dörfern, einigen Vulkanen und viel toter Landschaft hin zu zauberhaften Lagunen die von, man mag es kaum glauben, Flamingos bewohnt werden. Eine Lagune farbenfroher als die andere. Am Abend Rast auf über 4.000m Höhe viel spartanischer als gestern. Am 3.Tag die Abfahrt um 4.30 Uhr morgens um den Sonnenaufgang an einem Geysirfeld in 4.885 m Höhe zu erleben. Da blubbert und raucht es nur so. Dann noch ein Bad in heißen Quellen, weitere Lagunen und für mich gleich neben dem Vulkan Licancabur (knapp 6.000m) der Grenzübergang hinüber nach Chile. Wow, das waren Tage...

Lokfriedhof Uyuni                    Salzwüste Uyuni                   Insel Incahuasi                    enjoy the silence

 Vulkanlandschaft                  knietiefe Lagunen                  wunderschöne Flamingos         Gebilde der Wüste

Nun also Chile. Erlebe einen plötzlichen Wechsel vom dritte Welt Land in die westliche Gegenwart. Auf einmal ist da eine asphaltierte Strasse und man hat sogar Verkehrszeichen aufgestellt, das bin ich seit Wochen nicht gewohnt ;-)) Der Bus ist bequem und alles macht einen sauberen und gepflegten Eindruck.
Nächster Stopp in San Pedro de Atacama. Eine Wüstenoase der so manches Mal das Wasser abgedreht wird. Ich mache mit dem MTB eine kleine Rundfahrt durch die Atacama (bekannt als trockenste Wüste der Welt, es regnet im Durchschnitt alle drei Jahre) und erlebe staubtrockene Landschaft, tolle Singletreks durch so manch schmalen Canyon und das Mondtal (Landschaft wie auf dem Mond). Ganz nebenbei muss ich mir einen Kopf machen wo ich Weihnachten und Sylvester verbringen will. Keine leichte Entscheidung, das muss gesagt werden. Letztendlich gewinnen die Berge gegen den Ozean (was für ein Wunder...) und ich verlasse nach drei Tagen schon wieder Chile. Das Busticket hinüber nach Salta, Argentinien Sch...teuer (35 € für 8 Stunden Fahrt, damit hätte ich in Bolivien eine Woche Bus fahren können). Hilft alles nichts. Während der Fahrt tolle Ausblicke und mal wieder über so manchen Pass mit mehr als 4.300 m Höhe (habe die letzten vier Wochen theoretisch immer zwischen 3.500 und 4.300m Höhe gelebt).

Mondtal, Atacamawüste          mit dem Rad durch Canyons     San Pedro de Atacama            die Fahrt nach Argentinien

Reiseroute durch Chile/Argentinien

Salta, Argentinien. Auf einmal nur noch 1.700 m Höhe. Damit kommt die Hitze. Tags um die 30°C und selbst nachts sinkt das Thermometer kaum unter 25°C. Die Stadt ist überraschend schön. Sie belegt derzeit zusammen mit Sucre, Bolivien und Cusco, Peru, die Top3 meiner persönlichen Best of City Liste in Südamerika. Alles sehr entspannt und typisch spanisch, also Siesta bis 17.00 Uhr (von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr hat praktisch alles zu) und Abendessen ab ca. 21.00 Uhr. Das braucht Zeit zur Gewöhnung. Lerne Anne und Julien aus Frankreich kennen. Mit ihnen nehme ich einen Mietwagen und wir brechen am Morgen des 24.Dezember auf. Durchs Hinterland geht es über Cachi nach Molinos, ein 400 Seelendorf. Machen auf Weihnacht, also spanischer Gottesdienst und danach im einzigen Hotel der Gegend ein tolles Essen mit Wein aus der Region. Die Nacht ein heftiges Gewitter, das sollten wir am nächsten Tag zu spüren bekommen. Am 25.12. weiter nach Süden. Die Strasse durch den Regen der letzten Nacht (alles nur Dreck und Schotterstrasse) arg in Mitleidenschaft gezogen. Der Gol (kein Schreibfehler, Volkswagen vertreibt hier den Gol) muss durch Flussbetten, über Steinfelder und durch schlammige Spurrinnen, sozusagen Rally live.

Richtig hart wird es als sich die gesamte Strasse nur noch als See darstellt, teilweise über 100 m lang. Da war guter Rat teuer. Das Wasser schlammig und recht tief. Well, wir kommen überall durch, graben allerdings einmal einen Kanal um zig tausende Liter Wasser von der Strasse zu bekommen. Der Weg nach Cafayate so in 6 Stunden statt in 2,5!!!
Nebenbei sei erwähnt das wir durch tolle Landschaften fahren die sich alle paar Kilometer verändern. Farbige Felsen, gefaltete Geologie und phantastische Formen.
Cafayate dann hübsch, mit vielen Winzereien ringsum. Wir essen gut (Portion Rindsentrecote um die 300 gr.
pro Person für 4 €) und trinken guten Wein (Malbec - so lecker). So kann man Weihnachten verleben.
Am 26.12. noch ein gemeinsamer halber Tag in welchem wir die Quedraba de Cafayate erkunden. Eine Landschaft wie in den USA am Grand Canyon. Wow, ich muss sagen der Weg nach Argentinien hat sich echt gelohnt. Anne und Julien (die übrigens beide in der Gastronomie arbeiten, was für ein Zufall) fahren dann wieder nach Salta, ich trampe zurück nach Cafayate, denn meine Richtung bleibt der Süden.

     Salta: zwei “heilige” Orte von innen, sowie die Kirche des heiligen Franziskus von außen

mein Weihnachten, kalt, dunkel und weiß ;-)

Park Los Cardones                  Heilig Abend                          Quebrada de Flecha                 unser “Highway”

Quebrada de Cafayate             die “Burg”                              im “Amphitheater”                   mein Weihnachtsessen,26.12.

Nachdem das Trampen am 26.12. so gut geklappt hat, soll das Abenteuer am nächsten Tag seine Fortsetzung finden. Ich sollte lernen das es auch wirklich schlechte Tage geben kann...
Nach einem guten Frühstück (man weis ja nie wann es das nächste mal was gibt) stehe ich 30 Minuten später an der Straße. Vielleicht lag es an der Gegend, vielleicht lag es daran das Sonntag war - praktisch nichts passiert. Fahrzeuge sind selten und halten nicht. Nach zweieinhalb Stunden schaffe ich ein kleines Stück per Bus - danach wieder stundenlanger Frust. Mit Busunterstützung schaffe ich an diesem Tag gerade mal 200 Kilometer. Ein Witz wenn man bedenkt welche Strecke noch vor mir liegt. Durch Sonne und Wind entnervt gebe ich in Tucuman auf und buche einen Nachtbus nach Mendoza. Das sind sage und schreibe mehr als 1.000 km. Auf der Strecke bleiben damit zwei National- und ein Regionalpark. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zwar wäre es schön gewesen das eine oder andere noch zu sehen, doch der Aufwand wäre enorm (trampen war wie gesagt recht erfolglos und auch die Busse sind die nächste Zeit auf Grund der Feiertage häufig ausgebucht) und mich lechzt nach einer längeren Pause. Mit Nationalpark würde ich wahrscheinlich erst am 31.12. in Mendoza auftauchen. Dann wäre keine Chance zum Ausspannen und vielleicht gäbe es auch Probleme ein Bett zu finden. So eben eine 16stündige Busfahrt, die eine große Strecke hinter mich bringt und trotzdem recht angenehm und bequem war. Am 28.12. Ankunft in Mendoza, DER Weinregion in Argentinien. Die Stadt nett, wenn auch nicht so schön wie gedacht. Die Umgebung flach wie ein Brett und trocken. Ich suche mir ein nettes Hostel und schalte ein paar Gänge zurück. Nur Ausspannen, die Gegend so gut es geht genießen und ein paar Tage nicht ein- oder auspacken.
Ach ja, mein Flughafen für den Weg zurück nach Deutschland (Buenos Aires, Argentinien) liegt gerade mal 1.000 km östlich von hier, eine recht kurze Strecke wenn man bedenkt das ich bis zum Wendepunkt meiner Reise (Ushuaia im südlichsten Zipfel von Argentinien) noch mehr als 3.300 km vor mir habe...   
 Sylvester war gut in Mendoza, Argentinien. Haben im Hostel gefeiert. Die Backpacker an einer langen Tafel (um die 30 Leute aus aller Welt) und Rind vom Grill mit viel lokalem Rotwein. Feiern mit den Angestellten vom Hostel bis weit nach Mitternacht. Müde am 1.1. mit dem Bus nach Puente del Inca an der Grenze zu Chile. Musste sein, den am 2.1. blockiert ein großer Friedensmarsch die Gegend. Am Tag darauf zu Fuß in den Aconcagua Parque Provincial. Während drei Tagen Camping und Trekking am Fuße des Berges (6920 m, der höchste Berg außerhalb des Himalaya) zwischen 3.400 und 4.200 m Höhe. Ein Gipfelsturm fällt aus, dauert zu lange und allein die Erlaubnis kostet 500 US$. Haben gigantisch schönes Wetter, zwei Tage keine Wolke am Himmel. Lerne u.a. Alex aus der Schweiz kennen. Wir verstehen uns und ziehen gemeinsam weiter. Er hat ein Auto, was viel Komfort verspricht. Stehen allerdings wie alle anderen am 4.Januar geschlagene vier Stunden an der Grenze zu Chile. Die nehmen es recht genau mit den Kontrollen!!
Nächster Halt in der Stadt Valparaiso, an der Küste des Pazifik gelegen (damit in 12 Stunden aus den Bergen an den Strand, was für ein Wechsel :-) )
Die Stadt präsentiert sich viel schöner als erwartet. Kleine Gassen, hübsche und sehr bunte Häuser. Finden nettes Hostel. Ich bleibe länger als gedacht, genieße die Gegend und fange an einen Plan für das Kommende zu machen. 

Puente del Inca                      auf dem Weg zum Berg            der Aconcagua und ich          Aconcagua und Gletscher

Serpentinen nach Chile             Valparaiso                            Häuser, Farben                       Valparaiso am Hafen

Das mit dem Plan machen war recht schwer, so viele Möglichkeiten und damit die Qual der Wahl. Mit dem Wechsel nach Santiago wird einiges klarer. Ich kann die Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales buchen (eine 3-Tages Cruise mit einem Containerschiff durch die Fjorde von Südchile), womit schon mal ein Datum steht: am 29. Januar bis spätestens 12.00 Uhr am Hafen in Perto Montt. Dann heißt es Santiago zu genießen. Lerne nette Leute kennen, ziehe durch die Stadt am Tage (hübscher Hügel im Zentrum, nur die herrlichen Berge ringsum sind im Smog nur schwer zu sehen; der gigantische Friedhof von der Größe eines Dorfes und Gräbern die mehr einem Schrein oder einer Kirche ähnlich sehen) wie in der Nacht (deutsche Theatergruppe”die Feuervögel” zeigen tolles Programm in den Strassen und der Nachtclub “Blondie” rockt mit Indie-Musik bis weit in den Morgen). Einzig die Dakar Rally, die diesen Winter durch Chile und Argentinien zieht, verpasse ich. Zu diesem Datum findet der Weg nach Süden seine Fortsetzung. Nach der Hauptstadt mit tags über 30°C verblüfft der schnelle Wechsel des Klimas. Spätestens ab Los Angeles (richtig gelesen), 700 km südlich, sind die Nächte trotz geringer Höhe sehr frisch und am Tage schafft nur strahlender Sonnenschein vernünftige Temperaturen. Dazu zeigt sich die Landschaft zwar flach, doch im Osten steigt ein perfekt geformter Vulkankegel nach dem anderen komplett mit Schnee und Eis bedeckt bis zu 3.100 m in den Himmel. Logisch mir solche Sachen näher anzuschauen. Mit lokalen Bussen und als Anhalter schaffe ich es in den Nationalpark Laguna de Laja. Camping und Trekking abseits der Touristenpfade, das paßt.

nochmal Valparaiso                 Santiago                              Show der “Feuervögel”           Museum “prekolumbianisch”

Santiago, Friedhof                   Wasserfall Salto de Laja          Park Laguna de Laja             und immer wieder Vulkane

Seit der Zeit an der Laguna de Laja klappt auch die Anhalter Geschichte viel besser. Es geht meist nur um Strecken bis zu 50 km, doch das funktioniert fast wie am Schnürchen. Bester Beweis: der Conguillo Nationalpark. Nachdem es von der Endhaltestelle des Buses noch 30 km bis zum See und Campingplatz sind, helfen mir insgesamt 3 Autos hinein, und zwei Tage später auch drei Leute wieder bis zurück nach Temuco. Der Nationalpark selbst ist wunderschön. Der See, im Hintergrund der Vulkan Llaima (3.125 m) und ringsum herrlicher Araucaria Wald. Genial. Bleibe zwei Tage und stromer durch die Gegend bis hinauf zur Sierra Nevada. Unterwegs sind hier nur wenige Leute, und das Gleichgewicht Natur scheint zu stimmen. Bei einer Fotopause spaziert ein Salamander über meinen Schuh als wäre es das normalste der Welt...
Zurück nach Temuco am Sonntag, dem 17. Januar - Stichwahl in Chile zwischen Frei und Pinero (eine Art chilenischer Berlusconi). Es gewinnt knapp Pinero und am Abend ist in Temuco die Hölle los. Autokorsos, Gehupe und Party an jeder Ecke. Was für eine Erfahrung zu sehen wie Chilenen abgehen können...
Weiter nach Pucon. Gepriesen als DER Ort im See-Distrikt. Well, weder weis, noch finde ich heraus warum, denn das Städtchen und die Umgebung sind nur Mittelmaß. Okay, ein hübscher See mit Strand (dunkelgrau durch Lavasand), und dahinter der Vulkan Villarica (2.582m) perfekt geformt (dessen Besteigung kostet 60 Euro, die man zusammen mit 200 anderen Leuten erlebt, na bravo und ohne mich). Tue was kein anderer tut, umrunde mit dem MTB den Vulkan. 140 anstrengende Kilometer auf teils haarsträubenden Tracks, doch das war es wert.
Ach ja, finde im “Rap Burger” in Pucon den bisher größten Hamburger meiner Reise. 20 cm Durchmesser und mehr als 10 cm hoch, was für ein Hammer. Apropo Größe: ich dachte schon in Asien, das eine Bierflasche mit 640 ml mächtig ist. Hier in Südamerika hat die Normflasche EINEN Liter Inhalt, das nenne ich ein Bier. Geschmack? Glücklicherweise gab es deutsche Auswanderer. Mein Favorit: Austral Bier, gegründet 1896 von einem Deutschen. Und falls Bier nicht zum Essen paßt bleibt immer noch chilenischer (Carmenere, so lecker) oder argentinischer Wein (am liebsten Malbec).
Zwei Tage später im Huerquehue Nationalpark. Das war schon viel besser. Steige hinauf auf den San Sebastian, immerhin 1.900 m hoch. Vom Gipfel ein herrlicher Blick auf insgesamt vier Vulkane und sieben Seen. Und: Keiner da außer mir, so schön kann es in den Bergen sein.
Nächster Halt in Valdivia, fast an der Pazifikküste. Brauche einen Tag zum Ausruhen nach dem Programm der letzten Woche.

Congullio NP,Truful-Truful Fall  Laguna Verde, Vulkan Llaima                      Araucia Wald und Vulkan Llaima

“Einheimische”, wahrscheinlich ungefährliche Vogelspinne         im Nationalpark Huerquehue: Vulkane, Seen und Wald

und, ist das ein Burger?!          Promenade in Valdivia             in Castro                               Zentrum von Chonchi

Von Valdivia wieder eine längere Strecke mit dem Bus. Ganz ehrlich? Ich brauche mal eine Buspause. Glücklicherweise wird es die demnächst geben. Nach Puerto Montt verlasse ich das Festland und gehe auf die Insel Chiloe. Ist nur ein Katzensprung (vielleicht ein knapper Kilometer) übers Wasser. Die Insel knapp 200 km lang und 50 km breit. Eine Nacht in Castro und gleich weiter an der Ostküste nach Chonchi, ein Ort mit weniger als 5.000 Einwohnern.

Hafen von Chonchi

Das Leben geht hier einen sehr entspannten Weg, und an kaum einem Laden stehen Öffnungszeiten, sprich man öffnet nach gusto. Mein Hostel liegt am Wasser, mit Blick auf den kleinen Hafen. Ich bekomme ein eigenes Zimmer und wohne neben dem Haupthaus in einem Bungalow, Küche und Terasse inclusive. Der richtige Ort zum Ausspannen. Erkunde  die Gegend, streune durch kleine Dörfer mit niedlichen alten Holzkirchen (meist von Deutschen erbaut) und wandere einen Tag im Chiloe Nationalpark am Pazifik. Vier Nächte an einem Ort, das hat es nur selten bisher gegeben.  

Chiloe NP, am Pazifik

Der 23. Januar 2010 war übrigens ein wichtiger Tag: HALBZEIT

 Ja, auch wenn es manchem (oder mancher) schon wie eine Ewigkeit seit meiner Abreise vorkommt, erst die Hälfte der Reise ist um!!!
Und was das für eine Hälfte war! So viele Erlebnisse, so viele Highlights. Nazca Linien, die Besteigung des Ampato, Machu Picchu, Titicacasee, die Minen von Potosi und die Salzwüste von Uyuni - um nur einige zu nennen.
Der Beginn der Reise mit Peru und vor allem Bolivien war Abenteuer pur, seit Chile und Argentinien ist alles drum herum recht europäisch geworden. Nicht etwa langweiliger, eher berechenbarer und geordneter.
Es ist schwer zu sagen wie viele Kilometer bereits hinter mir liegen, geschätzt etwa 10.000. Das sind pro Tag fast 150 km, ausschließlich mit dem Bus (kleines Rechenexperiment: bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h, und schneller war ich bestimmt nicht, macht das insgesamt mehr als 200 Stunden im Bus, oder umgerechnet fast 9 komplette Tage; wobei die vielen Wartezeiten noch gar nicht eingerechnet sind). Da wird klar warum ich eine Pause von diesem Fortbewegungsmittel brauche. Die Natur gab sich bisher recht abwechslungsreich, wobei sich die ersten zwei Monate fast komplett wüstenreich und sehr waldarm dargestellt haben. Was für eine Wohltat nun fast täglich im oder am Wald zu sein sowie jede Menge Wasser zu sehen (oh oh, die letzten Worte könnte ich unter Umständen in den nächsten Wochen bereuen).
Klimatisch war auch schon vieles dabei. Meist Hitze, wenigstens tags über. Die Nächte blieben angenehm, wenn nicht sogar recht kühl. Definitiv viel eher mein Klima als zum Beispiel in Südostasien, wo es dauernd heiß und feucht war.
Ab demnächst wird es einen kompletten Wetterwechsel geben. 1.000 km weiter südlich ist Schluss mit lustig. Aktueller Wetterbericht von Puerto Natales, Chile: 8°C am Tag, nachts um den Gefrierpunkt und jede Menge Regen mit der einen oder anderen Schneeflocke (das nennt sich in dieser Region Hochsommer). Gar nicht auszudenken das ich meinen letzten richtigen Regentag am 29. November 2009 in Cusco, Peru hatte, was nun schon zwei Monate her ist!!!
Wir werden sehen wie ich damit zurecht komme.
Das Tageslicht reicht, je weiter ich in den Süden vorstoße, länger und länger. Das ist sehr praktisch, so bleibt für alles viel mehr Zeit. Aktuell beginnt die Dämmerung gegen 21.30 Uhr. Was für ein Unterschied zu Peru, wo die Sonne um 18.00 Uhr verschwunden war.
Ich hoffe ihr seit genau so gespannt wie meiner einer, was nun alles noch kommt und passiert. Bleibt einfach dabei und erfahrt was es in Feuerland und Patagonien zu erleben gibt.
Am 28. Januar wird es Zeit der Insel Chiloe den Rücken zu kehren. Nach einer mehrstündigen Pause in Ancud mit etwas Sightseeing geht es wieder über den Kanal zurück nach Puerto Montt. Eine Nacht dort und ein ungeplanter halber Tag mehr, denn mein Schiff hat Verspätung (“nur” 9 Stunden). Ab 23.00 Uhr können wir an Bord der über 100 m langen Fähre. In unserem 4er Abteil treffen sich die richtigen Leute. Sarah aus Kanada, Matt und Nicky aus England sowie meine Wenigkeit. Wir verstehen uns auf Anhieb und haben drei schöne Tage an Bord. Die “Evangelista” der Navimag bringt uns in dieser Zeit durch die Fjordlandschaft und Kanäle fast 1.000 km weiter südlich nach Puerto Natales. Das Essen an Bord ist besser als erwartet und auch für Entertainment ist gesorgt. Filme, Vorträge und sogar ein Bingo Abend. Als Anfänger staube ich ein paar Preise ab, muss dafür aber wie jeder Gewinner vortanzen. Was für ein Spaß. Während dessen zieht eine interessante Landschaft vorbei. Wir haben teils Wetterglück, mit einem Tag voll Sonnenschein und insgesamt sehr ruhiger See. Die engsten Stellen die wir passieren sind gerade mal 80 m breit (bei einem so langen Schiff mit 40 m Breite eine haarscharfe Angelegenheit) und wir fahren sogar zu einem Gletscher der in den Ozean reicht. Genial, nur leider war das im halbdunkel morgens um kurz nach 6.00 Uhr. Ansonsten dürfen wir auf dem Schiff in fast allen Ecken rumschnüffeln. Nicht einmal die Brücke ist ausgenommen und wir können dem Kapitän bei seiner Arbeit über die Schulter schauen.
Als wir am 1. Februar in Puerto Natales ankommen, wollen wir gar nicht vom Schiff. Zum einen gefällt es uns an Bord und wir haben viele nette Leute getroffen, zum anderen begrüßt uns das Wetter vom nahen Feuerland. Sprich 8°C am Tag, viel Regen sowie ein eiskalter und stürmischer Wind.

Kirche in Ancud                      Blick über Puerto Montt           die “Evangilista”                     beim Kapitän auf der Brücke

schönes Wetter, ruhige See, ab und an ein Vulkan in der Ferne und sogar ein Regenbogen     windiges Puerto Natales

In Puerto Natales dann das große Rätselraten was weiter tun. Trotz des Wetters entscheiden wir uns (bilde mit Matt und Nicky nach wie vor ein tolles Trio) in den Torres del Paine Nationalpark, eines der großen Highlights in Patagonien, zelten zu gehen. Der Plan sieht ca. 7 bis 9 Tage unabhängiges campen vor, da ist Sorgfalt beim Packen notwendig. Vor allem das Essen muss stimmen und jeder von uns schleppt am Anfang um die 5 kg davon mit. Wir haben die ersten drei Tage für hiesige Verhältnisse tolles Wetter. Viel Sonne, wenig Wind und selbst die niedrigen Temperaturen (Frost am Morgen) und der leichte Schneefall als wir morgens um 5.00 Uhr hinauf zu den “Türmen” laufen um dort den Sonnenaufgang zu erleben ist verkraftbar. Nach ein paar Tagen trennen wir uns, ich habe einen schnelleren Rhythmus und bin längere Laufzeiten gewohnt. Damit bleibt mir auch das schlimme Wetter teils erspart. Zwar muss ich durch so manche Schlammgegend (mehr als Knöchel tief) doch über den Gardner Pass mit 1.200 m Höhe komme ich noch recht trocken. Danach hinunter zum Grey Gletscher, ein Bestandteil des patagonischen Eisfelds, welches ungefähr so groß ist wie die Ex-DDR. Klar das es neben so einem gigantischen Eiswürfel nicht warm ist. Mehr Schlamm, ein steiles Auf und Ab sowie immer stärkerer Wind. Die Landschaft ganz nebenbei wunderschön und wild zugleich. Das Eis vom Grey Gletscher leuchtet selbst ohne Sonne in einem strahlenden Blau und das Tal Francia mit seinen Granithörnern, Granittürmen und vom Wind geformter Flora ist einzigartig auf dieser Welt. Mein Tempo lohnt sich, denn ich bekomme von der nächsten Schlechtwetterfront nur einen halben Tag ab. Doch auch das hat gereicht:
Wenn der Wind mit dir und deinem Rucksack spielt, dich fast umwirft und dabei den Regen fast waagerecht durch die Gegend treibt, du durch Pfützen und Schlamm läufst, auf weiten Wiesen keinen Schutz findest und nur noch von einem warmen und trockenen Ort träumst, dann bist du in Patagonien.
Am 7.Tag beende ich im strömenden Regen den mehr als 100 km langen Trek und kehre nach Puerto Natales zurück. Zwei Tage Pause sind dringend nötig und ich warte auf Matt und Nicky.

Patagonien, erster Eindruck      Start im Torres del Paine NP      Sonnenaufgang a.d.Türmen    wir beim Camping

fast schon kitschig, ein Hotel   häufig Blicke wie diese            Grey Gletscher,ist das ein blau     ein letzter Blick zurück

Weiter führt der Weg kurz nach Punta Arenas, mehr ein notwendiger Zwischenstopp als ein gewolltes Ziel. Der Weg dort hin führt bereits durch die flachen Steppen von Südpatagonien, recht trist an einem regnerischen Tag. Die Stadt dann ansprechend, mit einem hübschen Zentrum und Gebäuden aus der guten, alten und damals recht reichen Zeit. Unbedingt erwähnenswert ist der Friedhof der Stadt. Wow, kommt spielend leicht in die Top ten weltweit. Ein einfallsreicher Gärtner und fantasievolle Architekten schufen einen Ort zum Wandeln und Staunen.

Am Sonntag, den 14. Februar 2010 soll es nach Ushuaia gehen. Aus Abenteuerlust und aus Spargründen verzichte ich auf den Bus, versuche es lieber als Anhalter. Recht spät realisiere ich das es Sonntag ist, denkbar ungünstig zum trampen, vor allem auf den wenig frequentierten Strecken in Patagonien. Doch mein Mut siegt letztendlich. 8 Autos und eine Fähre bringen mich an diesem Tag bis nach Rio Grande auf Feuerland in Argentinien (das sind mehr als 300 km). Zwar muss ich teils lange im kräftigen und kalten Wind ausharren, doch das bringt nun mal das Abenteuer mit sich. Autos sind selten auf den einsamen Strecken unterwegs und ein Stück führt sogar 130 km auf schlechten Schotterstrassen durch die Steppe. Trucker, wilde Gauchos, ganz normale und auch ein wenig unnormale Leute sind meine Helden des Tages. Das letzte junge Pärchen bringt mich sogar bis vor die Haustür eines guten Hostels.
Einen Tag später das Restprogramm bis Ushuaia. Zwar noch mal über 200 km, aber erneut steht mir das Glück zur Seite und ich schaffe es in einem Ritt.
Nun also Ushuaia, die südlichste Stadt der Erde und das Ende landgebundenen Transportes. Die Umgebung wie erträumt. Schroffe schneebedeckte Berge, kleine Inseln im Beagle Kanal und jede Menge Schiffe. Wir treffen Sarah wieder (hatte mit uns ein Abteil auf der Navimag Fähre) und haben einen absolut traumhaften Tag in der Gegend. Mit einem Mietwagen machen wir die Gegend unsicher und besuchen unter anderem eine alte Farm, Estancia Haberton (Buchhinweis: Lucas Bridges, The uttermost part of the earth). Das Wetter für hiesige Verhältnisse ein Traum. Sonne und fast 20°C. Ich fand nebenbei ein kleines und nettes Hostel in Ushuaia mit einem Highlight: Mein Bett steht an dem wandgroßen Fenster mit Blick auf den Hafen und die Bucht. Wohl ein kleines Trostpflaster, denn mit dem heimlichen Traum “Antarktiscruise” wird es nichts. Nur noch 2er Kabinen sind zu haben - Last Minute: 3.950 US$ pro Person für 10 Tage. Nicht schlucken, das ist GÜNSTIG. Normalerweise kostet die Fahrt um die 12.000 US$. Nun ja, mein Budget gibt das nicht her, das von Matt und Nicky reicht dafür. So trennen sich hier unsere Wege. Der Traum Antarktis bleibt jedoch bestehen, das kann ich euch versprechen...

         Friedhof in Punta Arenas, für mich ein Highlight           Villa Braun, Punta Arenas         Hafen von Ushuaia

Kreuzfahrer im Beagle Kanal    das Leben im Süden               windgeformte “Flaggenbäume”   kleine Vogelsafari, Kingfisher

Mein Abenteuer bleibt das Trampen. Am 19.Februar wieder aus Ushuaia heraus. Das Wetter zwar trocken, doch der Wind wieder eiskalt. Der Tag durchwachsen, trotzdem schaffe ich es bis 16.00 Uhr an die chilenische Grenze. Dort scheint mich das Glück zu verlassen. Lange zwei Stunden ohne den geringsten Erfolg. Das Problem: Vor mir liegt der einsamste Abschnitt. Da bleibt die Möglichkeit zu zelten, doch ohne Lebensmittel (chilenische Grenze unbedingt ohne Essen kreuzen!!! Strafe für z.B. einen Apfel im Gepäck: um die 400 US$) oder ein Städtchen in der Nähe kein angenehmer Gedanke. Fortuna zeigt sich in Form eines röhrenden VW mit Ivan und seinem Kumpel, beides Argentinier. Wird wohl DAS Anhalter Erlebnis schlechthin. Wir brettern in Rallye Manier mit häufig 120 km/h über die Schotterstrecke, nebenbei wird Mate (spezieller Tee in Südamerika aus der Stechpalme) serviert. Für die knapp 300 km nach Rio Gallegos brauchen wir mit Benutzung der Fähre und Grenzkontrolle zurück nach Argentinien knapp 4 Stunden, rekordverdächtig.
Bleibe eine Nacht in Rio Gallegos und nehme zur Abwechslung mal den Bus nach El Calafate. Aus der Ebene wieder in die Berge. Der Stopp in El Calafate hat nur einen Grund: Eine Visite am Gletscher Perito Moreno. Als ich vor zwei Jahren Bilder davon sah war klar, wenn eines Tages Südamerika, dann unbedingt an den Lago Argentina.
Der Gletscher hält was er verspricht. Seine 30 - 50 Meter hohe Eiswand schiebt sich in den See und “kalbt” teilweise Tonnen von strahlend blauem Eis ins Wasser, was kleine Tsunamis oder Wasserfontänen bis zu 15 m Höhe verursacht. Bei teils Sonnenschein ein absolut tolles Schauspiel.
Zwei Tage später 220 km weiter nach El Chalten. Der 3.400 m hohe Granitfelsen des “Fitz Roy” lockt mit einer herrlichen Gegend zum Wandern und Campen. Das Wetterglück bleibt mir treu und wir haben vier Tage Kaiserwetter, was hier den ganzen Januar nicht drin war. Sonne, teils T-Shirt Wetter und ein Himmel von magischem Blau. Beim Zelten das zufällige Wiedersehen mit einem bekannten Pärchen aus Belgien, wir reisten gemeinsam vom Titicacasee nach La Paz. Ansonsten treffe ich auch noch ein Pärchen Spechte, nicht nur fototechnisch ein Spaß. Als absolutes Highlight der Morgen mit dem Wecker um 5.00 Uhr, damit genug Zeit blieb um zum See aufzusteigen und am Berg einen sensationellen Sonnenaufgang mit teils feuerroten Felsen zu sehen.
Das Leben kann kaum schöner sein...

Strecke nach El Calafate         der Gletscher Perito Moreno     ein Gebirge aus Eis                 was für eine kalte Wand

 El Chalten, Laguna Torres       Papa Specht                         Laguna Suica                        Mt. Fitz Roy im Morgenlicht

Gürteltier auf Routa 40

Normalerweise geht es mit dem Bus aus El Chalten zurück nach Rio Gallegos. Ein irrer Umweg. 2. Möglichkeit: mit einem überteuerten Bus an ungeraden Kalendertagen hinauf nach Perito Moreno (hier heißt alles so, ein Gletscher, ein Nationalpark, ein Städtchen). Ich bleibe beim Trampen. Manch Vorbeilaufender lächelt, als ich am Morgen des
28. Februar an der Strasse stehe. Nun ja, viel Verkehr ist hier nicht. Doch nach einer Stunde hält ein Citröen C3 mit Magdalena und Jose. Ich kann mein Glück kaum fassen: Sie sind auf dem Heimweg nach Rosario (ca. 3.000 km von hier)

Magdalena und Jose

und nehmen mich 600 km auf dem teils gefürchteten Highway 40 mit. Ein schier unglaublicher Zufall. Zwar wird es eng im Auto, doch wir nehmen es mit Humor. Achteinhalb Stunden kämpfen wir uns auf harten Schotterpisten durch die Steppenlandschaft Patagoniens voran, teilweise mit nur 35 km/h. Andere Autos sind alle halben Stunden mal zu sehen, viel häufiger dagegen Njandus (eine Art Strauss) und Guanacos (schlanke Lamas) sowie manch fremde Kreatur (siehe Foto). Ach ja, bei einer kleinen Pause sehen wir zum ersten Mal Berichte vom Erdbeben in Zentral Chile.
Nach einer Nacht in Perito Moreno Weitertrampen über die Grenze nach Chile Chico in Chile. War nicht geplant, doch Pläne ändern sich eben. Habe nun schon 13 Stempel von Argentinien und Chile in meinem Reisepass. Erlebe in dem kleinen Städtchen ein chilenisches Rodeo und kämpfe mich mit 5 Isrealis tags darauf mit trampen und Bus nach Puerto Rio Tranquilo, wo wir am nächsten Morgen eine Bootsausfahrt zur Capella de Marmol (Marmorkirche) machen. Das ungaublich blaue Wasser des Sees (rießig, heißt in Argentinien: Buenos Aires und in Chile: Carrera) hat über Jahrtausende aus den Marmorfelsen Höhlen herausgewaschen, toll anzusehen. Danach 200 km weiter und in Coyhaique ein ersehnter Tag Pause.

Rahmenprogramm beim Rodeo    chilenisches Rodeo                  Capella de Marmol                 ausgewaschene Marmorhöhlen

Weiter auf der Carreterra Austral. Von Pinochet gebaut, sind Teilstücke asphaltiert. Der Rest teils Schotterstrasse der üblen Sorte, auf welchen sich LKW’s bei 3 Meter Breite aneinander vorbeiquetschen. Und: keine Landanbindung an Chile. Entweder die Fähre oder der Umweg über Argentinien. Dafür ist die Strecke landschaftlich sehr reizvoll und für sich schon eine Reise wert.
Für mich mal wieder trampen. Pause im Queulat Nationalpark. Dort hängt der Ventisquero Colgante als kleines sichtbares Stück eines großen Gletschers über einem steilen Tal. Wow, ein Hingucker. Noch dazu brechen teils größere Stücke ab und erzeugen beim Sturz einen Höllenlärm. Bin für eine Nacht der einzige Camper dort und zelte allein fern ab der Zivilisation.
Dann dauert es seine Zeit bis zum Örtchen Futaleufu, kurz vor der argentinischen Grenze. Fürs trampen praktisch kein verwendbarer Verkehr (alle halben Stunden ein häufig bereits vollgestopftes Fahrzeug) und der Bus fährt nur zwei Mal die Woche.
Auf dem gleichnamigen Fluss soll man Rafting der Weltklasse erleben können - heißt es. Das Dorf Feutaleufu hat vielleicht
1500 Einwohner, und Touristen sind überraschend wenig zu sehen. Ich finde mit drei Amerikanern letztlich ein Unternehmen welches uns am 7.März einen ganzen Tag zum Raften auf den Fluss bringt. Die Angelegenheit ist recht teuer, doch der Aufwand lohnt, wie wir feststellen sollten.
Ich kenne Rafting bereits von ziemlich wilden Flüssen in Neuseeland und Kanada, aber was uns hier geboten wird ist der ultimative Kick. Auf dem kristallklaren Futaleufu gibt es fast kein ruhiges Stück und wir brauchen all unsere Kraft sowie Glück und Geschick um im Boot zu bleiben. Die mehr als 20 (!) Stromschnellen tragen zurecht Namen wie Terminator, Himalaya oder Puma und haben einen Schwierigkeitsgrad von meist 4 oder 5 (6 ist das Maximum). Da pumpt das Adrenalin durch die Adern. Also: wenn Rafting, dann Feutaleufu (war in 2000 Schauplatz der Rafting WM)

Carreterra Austral Autobahn      Ventisquero Colgante              ein Campingmorgen                 unser Raftingteam

Am 8. März endgültige Ausreise aus Chile. Nächster Stopp in Esquel, Argentinien. Bin zwei Tage zelten im
Parques Nacional Los Alerces. Wunderschön. Berge, Wälder, Seen, so mancher Condor. Einige von euch mögen es vielleicht gar nicht mehr sehen, ich finde es genial, wieder und wieder. Die Erstürmung des Cerro Alto el Petizo wird mein letzter richtiger Hike in den Bergen. Noch einmal mehrfach harte 45° Steigung auf knapp 1.800 m. War das schön.
Mit Tramper/Bus Kombi weitere 300 km nördlich nach Bariloche. Ist das Äquivalent zu Pucon in Chile. Touristisch, aber toll gelegen. Mit dem Mountainbike einen Tag auf Rundreise um Berge, Hügel, Seen und Lagunen bis zum berühmten Hotel
Llao Llao. Als kleines Highlight hinauf auf den Cerro Otto, fantastische Aussichten inklusive. Nun ist zu verstehen warum Bariloche auch die Schweiz von Argentinien genannt wird. So manche Ecke hier würde auch problemlos an den Vierwaldstätter See passen. Dann heißt es Abschied nehmen von den Bergen. Am 14.März ein für hiesige Verhältnisse ungewöhnliches Transportmittel: der Zug.

Los Alerces NP                       ein Tag am See Menendez         auf dem Weg                         Llao Llao Hotel in Bariloche

Der Nachtzug nach San Antonio de Oeste wird zu einer einprägsamen Geschichte. In der einfachsten Klasse (war wirklich preiswert) ein Platz gleich neben der Tür an einem nicht komplett schließenden Fenster und nebenan eine Großfamilie mit sage und schreibe sechs kleinen Kindern. So eine Reise vergißt man nicht...
San Antonio de Oeste an der Küste wirbt mit Strand und Grotten. Wegen Saisonende hat schon fast alles zu und ich fahre nach einem halben Tag schon weiter. Puerto Madryn, da ist viel mehr los. Zwar zeigt sich die Gegend trocken und flach, doch auf der Halbinsel Valdez tummelt sich das wilde Leben aus dem Meer. Seehunde, Seelöwen, Pinguine und leider gerade nicht sichtbar Orcas und Seeelefanten (wow, sind das viele “e” in einem Wort). An Land laufen uns Fuchs, Njandu, Guanaca, Wildhase und Gürteltier über den Weg. War mal was ganz anderes.

der Boss ist gut sichtbar          die Halbinsel Valdez                ein Tag am Meer                    Small Talk

Nach Puerto Madryn gehen mir die Ziele im Süden aus. Weil die nächsten Strecken für das Abenteuer Anhalter definitiv zu lang sind nehme ich zur Abwechslung mal wieder den Bus. Und wenn, dann richtig. Abgesehen von einer zweistündigen Pause in Buenos Aires sitze ich geschlagene 43 Stunden (!!!) in zwei Bussen um die mehr als 2.700 km von Puerto Madryn bis hinauf in den letzten Zipfel von Argentinien nach Puerto Iguazu hinter mich zu bringen. Das ist Hardcore.
Dazu trifft mich das Klima im äußersten Norden von Argentinien knüppelhart. Auf einmal sind über 30 °C und es herrscht eine Luftfeuchtigkeit von knapp 100 %. Definitiv nicht meins. Man schwitzt schon vom Nichtstun. Wenigstens haben die Hostels hier als Standard einen Pool. Die Gegend ist von Dschungel bedeckt, Schmetterlinge schwirren einem dauernd um den Kopf und so manches Tierchen läuft mir über den Weg. Hauptattraktion sind natürlich die Fälle. Und seit dem Besuch dort weis ich wie Wasserfall buchstabiert wird: I-G-U-A-Z-U. Das ist der Hammer!!! Die Niagara Fälle sind dagegen langweilig. Über zig Wege stürzt sich das Wasser mit donnerndem Getöse über ein Plateau inmitten des Dschungels. Dauerregenbögen, Gischtwolken und aus jeder Ecke hat man einen neuen Eindruck davon. So schön.

ein Teil der Iguazu Fälle            niedliche Nasenbären              bunte Schmetterlinge             an der Teufelsschlucht

Kleine Statistik zu den Wasserfällen: 64 Meter hoch und um die 2500 Kubikmeter Wasser in der Sekunde!!!
Drehe nun zurück nach Süden. Ein Besuch in San Ignacio Mini, einem Dorf an der Grenze zu Paraguay. 1000 Seelen, das Gefühl weit ab der Welt zu sein und ein paar Jesuitenruinen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Hübsch.
Danach mal wieder Reisen pur, was sich so anhört:
Am Morgen des 24.März mit dem Bus nach Posada. Von dort gleich hinüber nach Paraguay um die Ruinen in Trinidad und Jesus zu besuchen. Am Nachmittag zurück nach Argentinien und Stadtbummel in Posada. Mit dem Nachtbus weiter nach Süden und morgens um 5.30 Uhr Aussteigen auf freiem Feld. Zu Fuß und mit dem Vorortbus nach Concordia kämpfen und dort mit dünnen Informationen zum Rio Uruguay, um mit einer kleinen Fähre hinüber nach Salto/Uruguay zu kommen. Dort einen weiteren Bus finden und am frühen Abend Eintreffen in Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Puh, war recht aufregend und aufreibend.
Dafür belohnt das Land. Ich glaube die Leute in Uruguay gehören zu den entspanntesten in ganz Südamerika. Selbst das Leben in einer Großstadt wie Montevideo geht einen sehr gemächlichen Gang und ich werde das Gefühl nicht los das hier wirklich jeder jeden kennt.

die Ruinen Trinidad und Jesus aus dem 17. Jh. in Paraguay      Montevideo, Haupstadt Uruguays, aus zwei Blickwinkeln

Nach Montevideo stand der Plan noch am Meer zu faulenzen. Punta del Este schien mit dem Ruf eines internationalen Strand Resorts genau das Richtige zu sein. Naja. Ich habe keine Ahnung wer solche Titel vergibt und auf welcher Grundlage, doch nachvollziehbar war das für mich nicht. Alle paar Meter ein Wolkenkratzer aus Beton und zwei Strände mit der Note durchschnittlich, das wars. Nach nicht mal einem Tag habe ich genug davon und probiere etwas anderes. Ein paar Busstunden weiter im Osten, kurz vor der brasilianischen Grenze, liegt das kleine Dörfchen Punta del Diablo. Ein Volltreffer. Die asphaltierte Strasse endet bereits am Dorfeingang, der Rest sind Sandwege. Keine Hotels, kein Haus mit mehr als zwei Stockwerken und von Felsen eingefasste Buchten mit Stränden die den Namen verdienen. Mein ausgesuchtes Hostel hat ein Sonnendeck mit Blick über die Bucht und zum Meer sind es 100 Meter. Alles in allem ein Traum. Abschalten, das Tempo runterfahren und Urlaub vom Urlaub machen.
Kurz vor Ostern der Weg zurück nach Argentinien. Es dauert seine Zeit fast die gesamte Küste Uruguays abzufahren und ich mache eine letzte Pause in Colonia. Alte Häuser aus der Kolonialzeit, Kirchen, Ruinen und eine gute Lage als kleine Halbinsel im Meer. Nach nur einer Nacht der Länderwechsel. Ungewöhnlicherweise mit einer Bus-/ Fährenkombination, weil die erste Brücke über den breiten Rio Plata erst viel weiter im Norden steht. Was als normaler Transport gedacht war wird ein wunderschöner Ausflug. Der Bus bringt uns zuerst in das kleine Hafenstädtchen Nuevo Palmira, wo nach unkomplizierter Grenzabwicklung ein recht kleines Schiff wartet. Mit dem geht es durch das Delta des Rio Plata, wobei ein Kanal schmaler ist als der andere. Inseln, Fischer, Boote und Einheimische machen die Fahrt zu einem Erlebnis.
Vom Hafen in Tigre ist es dann recht einfach mit Vorortzug und Metro nach Buenos Aires zu kommen. Meine Wahl für die letzten Tage fiel auf den Stadtteil San Telmo. Nicht weit weg vom Zentrum und als einer der älteren Bezirke mit jeder Menge schöner Architektur, kleinen Märkten und netten Menschen.
Viel Zeit bleibt nicht mehr und ein gut gefülltes Programm lässt mich die Stadt erkunden. Die Casa Rosada mit dem berühmten Balkon auf dem Evita stand (Eva Peron), der alte Friedhof in Recoleta, La Boca mit seinem Fußballstadion (der Plan ein Spiel der Boca Juniors zu sehen scheiterte am ausverkauften Stadion), ein Wissenschaftstunnel (gesponsert von Deutschlands Topunternehmen; es geht um Atome, Quarks, Weltall und Medizin inklusive Nanotechnologie), die Florales Generica (eine, logischerweise künstliche, Metallblüte mit 18 Meter Durchmesser die sich bei Einbruch der Dämmerung schließt) und überall Tango, Tango, Tango.
Nebenbei ein Abend bei “La Bomba del Tiempo”, wo Trommlergruppen ein breites Publikum über Stunden rhythmisch mitreißen und natürlich ein Tangoabend in einer uralten Tanzschule. Apropo: Tango scheint nicht mein Geschmack zu sein. Hübsch anzusehen, aber zu langsam in der Bewegung und zu melancholisch.
Bei melancholisch fällt mir ein: das war es dann mit Südamerika für mich. Der Abschied fällt schwer, so schwer wie seit Neuseeland nicht mehr. Ein Kontinent voller Abenteuer, netten Menschen, einem Klima was mir paßt und einer Lebensart die ohne Anschein von Faulheit trotzdem Gemütlichkeit verspricht. Die besten Voraussetzungen für ein Wiedersehen... 

Hostelbalkon Punta del Diablo  Strand in Punta del Diablo       ein Abend in Colonia, Uruguay    Buenos Aires

Friedhof in Recoleta               don’t cry for me Argentina       farbenfrohes Caminito               Forales Generica

Buenos Aires, der Hafen Puerto Madera

Casa Rosada                          das “Weiße Haus”

Balkon mal anders                  ein Teil von “”La Bomba                 Tango steht auch für Melancholie - so wie Abschied
                                         del Tiempo”

Das war dann also das Abenteuer Südamerika. Ein problemloser Flug bringt mich am 7./8. April und damit rechtzeitig vor der Aschewolke zurück nach Europa. Dort warten Familie, Freunde, Termine und so einige Überraschungen. Trotzdem wird es dauern bis ich in den Alltag zurückfinde, denn die Monate hier haben sich tief eingeprägt.

Wie beschreibt man etwas, was dabei ist zu enden?

Seit ich aus den Bergen von Argentinien heraus bin fing es an, das Gefühl das sich die Reise dem Ende neigt. Und das tut sie, wenn es auch zu dem Zeitpunkt noch drei Wochen bis zum Abflug von Buenos Aires waren. Normalerweise kenne ich diese Zeit und diese Gedanken, schließlich ist das nicht meine erste Reise. Doch diesmal ist es anders. Irgendwie bin ich noch gar nicht bereit nach Europa zurück zu gehen. Irgendwie ist da dieses Gefühl noch nicht fertig zu sein, oder auch das der Zeitpunkt des Rückflugs eine Art plötzliche Überraschung im Terminplan ist. Dabei bin ich durch mit allem. Ich habe mehr gesehen und mehr erlebt als ich mir jemals erträumt hätte. Und ich freue mich auch auf zu Hause und habe keinerlei Probleme damit wieder arbeiten zu gehen bzw. in mein Leben des letzten Jahres zurück zu kehren. Und doch müssen meine Gedanken förmlich in diese Richtung gezwungen werden. Vor Südamerika gab es Momente in denen ich dachte bald genug davon zu haben: einfache Unterkünfte, einfaches Essen, das immer neue einfuchsen in örtliche und ländliche Gegebenheiten. Doch das genaue Gegenteil trat ein. Südamerika gab mir so viel Neues, so viel noch nie Gesehenes, das ich keinesfalls aufhören will.

Neue Pläne, neue Träume. Vielleicht erst mal bis 2015...

Wir werden sehen ob das funktionieren kann.

Gruß Lutz