Mein Winter 2024/25 auf den Kanaren

finale Fassung

1. Woche vom 30. Oktober bis 5. November 2024
Mittwoch Vormittag startet der Flieger vom Berliner Flughafen. Das Terminal 2 entspricht bei weitem nicht meiner Vorstellung von einem neu gebauten, internationalen Drehkreuz, aber das nur nebenbei. Für mich hatte Ryanair das beste Angebot, nur 130 € mit 20 kg Gepäck. 16 Uhr Ortszeit die Landung in Teneriffa-Süd. Viel Betrieb hier und nur wenige Transportmöglichkeiten. Dann steht der Bus im Stau und  so bricht bei der Ankunft in Santa Cruz de Tenerife schon der Abend an. Schönes Hostel, nur wird die Straße davor gerade heute Nacht neu asphaltiert. An Schlaf ist bei den schweren Baumaschinen kaum zu denken... :-(. Neuer Tag, neues Glück. Bei sonnigen 25°C drehe ich erste Runden durch die Hauptstadt der Insel.

meine Reisereoute

Santa Cruz kann sich durchaus sehen lassen. Die Fußgängerzone im Zentrum lädt zum Bummeln ein, auch wenn kaum Highlights zum Fotografieren verleiten. Unten am Meer die architektonische Perle der Stadt, das Auditorio. Für einen Überblick muss man steile Wege in Kauf nehmen, an die raue und zerklüftete Topographie der Kanaren sollte ich mich bald gewöhnen. Süßwasser scheint übrigens knapp zu sein, die Badelandschaft Parque Maritimo wie auch das große Becken am Plaza de Espana sind leer.

Santa Cruz de Tenerife

der Himmel hängt voller Schinken

 Markthalle der Stadt

das Auditorio

 Barranquito, hiesiger Klassiker

Freitag ein Ausflug nach San Andres. Die Buslinien zweckmäßig und Dank aufladbarer Plastikkarte ziemlich preiswert. Das Dorf “klebt” sehenswert an einem trockenem Felshang, wobei enge Gassen und Treppen auch hier steil nach oben führen. In der Bucht davor der Playa de las Teresitas, 1973 als Touristenattraktion mit Sand aus der Sahara aufgeschüttet. Zurück in Santa Cruz ein Spaziergang bei schönstem Sonnenschein zum Hafen. Im Schnitt ankern hier meist drei Kreuzfahrtschiffe, an einem Wochenende im November sogar mal acht (!). Da wird klar warum die Einheimischen immer wieder gegen den Massentourismus demonstrieren. Samstag ein lohnender Besuch auf dem Mercado de Nuestra Senora de Africa. Neben frischen Sachen und einer großen Auswahl an allen Arten von Meeresbewohnern liegt der Fokus auf lokalem Kunstgewerbe. Ich komme zu meinem ersten Barranquito, eine geschichtete Kaffeespezialität die mit Likör, Kondensmilch und Co. lecker, wenn auch recht süß daher kommt. 

Hauptkirche von Santa Cruz

San Andres

San Andres

Playa de las Teresitas

Montag die Sachen packen und mit der einzigen Schienenverbindung auf den Kanaren, einer Straßenbahn, nach San Cristobal de La Laguna fahren. Im Prinzip bilden beide Städte ein gemeinsames Siedlungsgebiet mit 360.000 Einwohnern, was mit viel Verkehr und verstopften Straßen einher geht. La Laguna hat ein sehenswertes Zentrum mit vielen Gebäuden aus dem 17. Jh. Gemütlich kann man da durch die verkehrsberuhigten Gassen spazieren. Die meisten dieser Häuser sehen äußerlich eher einfach und schmucklos aus. Ihre wahre Schönheit zeigt sich erst im Inneren. Überraschenderweise gilt das auch für die spartanisch wirkenden Kirchen, was wohl daran liegt das die Kanaren auch heute noch als weit ärmer gelten als das spanische Festland.   

älteste Kirche von La Laguna

Theater La Laguna

 in den Gassen der Stadt

La Laguna

 Camino Largo

Am nächsten Morgen auf zu einer Tageswanderung in die nahen Anaga Berge, geologisch der älteste Teil von Teneriffa. Weiter hinein fährt leider nur selten ein Bus, so brauche ich länger als gedacht bis nach Bailadero. Unterwegs sieht man schon die tief eingeschnittenen Täler mit dichtem Bewuchs. Auf den Kanaren existieren mit die letzten Bestände von Lorbeerwald in Europa, die auf dem Festland schon längst und auf Grund natürlicher Auslese von anderen Pflanzen verdrängt wurden. Verwachsen und voller Flechten erscheinen diese immergrünen Bäume wie aus einem verwunschenen Land. Ich laufe mittels Mischung aus Pfad und Straße zurück nach La Laguna, bleibe dabei auf dem Gebirgsrücken und kann zu beiden Seiten häufig bis zum Meer sehen. Wolken kommen und gehen im Rekordtempo, womit sich auch schnell wechselnde Aussichten erklären. Der dichte Wald ist teils nur als wundervoll zu beschreiben. Begegnen tun mir nur wenige, was sich ab dem Mirador Cruz de Carmen schlagartig ändert.

*Panorama Anaga Berge

super Aussichtspunkt

toll gemachter Hohlweg

im Lorbeerwald

2. Woche vom 6. bis 12. November 2024
Mittwoch gleich der nächste Ausflug. Mit dem Bus runter nach Punta del Hidalgo. Da nehme ich erst einen ungekennzeichneten Pfad mitten durch die Steilküste nebenan. Gefährlich, aber schön. Danach auf offiziellen Wegen hinauf auf die Klippen. Es ist sehr warm und schattenspendende Bäume wachsen erst ab ca. 700 m Höhe. Nichts desto Trotz eine schöne Wanderung im und über den Barranco del Rio nach Las Carboneras und weiter durch den Wald zum bekannten Cruz del Carmen. Am nächsten Morgen ein früher Bus an den Stadtrand von La Laguna. Weiter als Tramper, meine einzige Option, in mehreren Etappen bis ans Ende der Straße nach Chamorga. Der Himmel trübt sich leider komplett ein, was schöne Fotos verhindert. So viel ist am und um den Leuchtturm Faro de Anaga und Roque Bernejo auch nicht zu sehen. Immerhin gelingt trotz weniger Autos auch der Weg zurück als Tramper. Witzig: 5 Autos nahmen mich mit, 4 davon waren deutsche Urlauber. Freitag will ich eigentlich nach La Orotava, aber das Hostel sagt meine Reservierung aus fadenscheinigen Gründen kurzfristig ab. Eine passable Alternative finde ich mit etwas Mühe in der Nähe von Tejina. Etwas abgelegen, dafür ruhig, mit Pool und die schroffe Küste nur 1 km weit weg.   

Anaga Gebirge

Las Carboneras

Blick runter nach Taganana

Hostel Lagarto

Die nächsten Tage passiert recht wenig. Es ist ziemlich warm, um nicht zu sagen heiß. Da faulenze ich gern im Garten am Pool. Am späten Nachmittag meist ein paar Spaziergänge am Meer. Bei Jover locken halbwegs natürliche Pools, die badefreundlich ausgebaut wurden, ins Wasser. Ansonsten ärgert mich mein alter Laptop. Der will nun teilweise gar nicht mehr und verweigert die Mitarbeit. So kann ich auch nicht an der Homepage arbeiten und ihr müsst länger als geplant auf die ersten Bilder warten.   

3. Woche vom 13. bis 19. November 2024
Mittwoch wird es Zeit für einen Ortswechsel. Ich fahre nach La Orotava in das Hostel welches letzte Woche geplant war. Die Volontäre dort haben auch jetzt keinen Durchblick bei ihrer Belegung, so das ich meinen Aufenthalt auf drei Nächte reduzieren muss. Gleich eine Erkundungstour. La Orotava ist sehenswert und lädt zum Bummeln ein. Wahrzeichen sind die vielen Balkone an den Häusern. Darüber hinaus gefällt mir vor allem der Botanische Garten sowie gleich nebenan der Garten Quinta Roja. Am Donnerstag fahre ich mit dem Bus hinauf ins nahe Aguamansa. Hinter dem Dorf steigen die Felswände weitere 1.000 m an. Ich wandere quer durch den Wald, ignoriere dabei absichtlich einige Sperrschilder. Dahinter haben Waldbrände deutliche Spuren hinterlassen und manche Pfade sind in einem schlechten Zustand. Gefährlich ist das keineswegs und ich komme gesund zurück.

Casa de los Balcones

in den Gassen von La Orotava

 Liceo de Taoro

Iglesia de Santo Domingo

 Plaza Fernando Fuentes

Freitag ein früher Start. Mit dem Bus bin ich bereits halb acht in Aguamansa. Dann dauert es eine Stunde bis ein Auto hält und mich 33 km später an den Roques de Garcia absetzt. Die erodierten Felsen sind Ziel vieler Touristen, von denen heute Morgen bei Wind, Wolken und 5°C nur wenige da sind. Im Nebel taucht ein Wahrzeichen von Teneriffa auf: der Roque Cinchado, Finger Gottes oder Steinerner Baum genannt. Mein Ziel ist aber der Vulkan El Teide, mit 3.715 m höchster Berg Spaniens. Bald bleiben die Wolken spektakulär hinter mir zurück. Mäßig steigt der Pfad zwischen Lavagestein und dünnem Bewuchs zum Pico Viejo an. Hinter dem Krater auf 3.000 m Höhe wartet eine heftige Steigung über schroffe Felsen die rauf zum windumtosten Gipfel des El Teide führt. Gefühlt sind hier nur 0°C. Der tolle Blick über die riesige Caldera lässt das aber vergessen. Nach dem Abstieg über Montana Blanca stehe ich halb vier an der Straße und komme mit viel Glück schneller als gedacht zurück nach La Orotava. 

rechts der Roque Cinchado

Roques de Garcia bleibt zurück

Vulkan El Teide

eine riesige Caldera

Tolles Wetter auch am Samstag. Ich nehme Mittag den Bus ins nahe Puerto de la Cruz. Mein Hostel da ist ungewöhnlich, statt Doppelstockbetten stehen abgeschlossene Kapseln im Zimmer. Darin technische Spielereien und mehr Platz als im Standard Bett. So was möchte ich nicht dauernd haben, aber für zwischendurch ist das okay. Das Haus hat eine tolle Dachterrasse und steht im Zentrum der Fußgängerzone. Erster Stadtbummel: oh je, so viele Touristen! Das verleidet mir Puerto de la Cruz etwas. Sonntag entspannt auf der Dachterrasse frühstücken, dann an der Küste lang nach Westen laufen. Die Strände am Weg sind wegen gesundheitlicher Gefährdung gesperrt. Obwohl seit Jahren bekannt ist das 30% aller Gebäude ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten wurde nichts unternommen und man ließ die Leute in der Kloake bis vor kurzem noch baden. Etwas außerhalb beginnt der schöne Weg Rambla de Castro mit toller Sicht auf die Küste. Ich drehe erst am Fortin de San Fernando um. Zurück werde ich Zeuge einer eindrucksvollen kirchlichen Prozession und klappere am späten Nachmittag einige Aussichtspunkte ab.

*Panorama Puerto de la Cruz

gesperrter Playa Jardin

 Ruine Gordejuela

Atypicap Capsule Hostel

 tolle Wohnlage

Dienstag packe ich und fahre Mittag die Küste entlang nach Garachico. Das kleine Dorf nimmt mich sofort für sich ein. Kleine Gassen, ein schattiger Platz neben der Kirche wo die Einheimischen sich treffen und wenn abends die Tagestouristen weg sind zieht himmlische Ruhe ein. Schwer vorstellbar das Garachico, jedenfalls bis ins Jahr 1706, der größte und geschäftigste Hafen von ganz Teneriffa war. Dann jedoch brach der Vulkan Montana Negra aus und verschüttete mit seiner Lava die halbe Bucht. Passend zur Ruhe hier habe ich übrigens das Hostel zwei Tage lang ganz für mich allein.

Garachico

Iglesia de Nuestra Senora de los Angeles

in den Gassen von Garachico

uralter Drachenbaum

4. Woche vom 20. bis 26. November 2024
Mittwoch Mittwoch ein Ausflug ins nahe Icod de los Vinos. Auch da kann man schön durch ein paar Gassen des alten Zentrums spazieren. Die Meisten kommen aber, so wie ich, wegen dem Tausendjährigen Drachenbaum. Laut Botanikern ist er zwar nur rund 400 Jahre alt, Eindruck macht er trotzdem. Donnerstag ein Ausflug an den nordwestlichen Zipfel von Teneriffa. Nach dem Umsteigen in Buenavista del Norte kreuzt der Bus auf abenteuerlicher Straße die Steilküste hin zum Punta Teno. Nach einem Besuch am Leuchtturm wandere ich hinauf nach Teno Alto. Die kleine Hochebene im  Gebirge ist sehenswert, auch wegen der farbenfrohen Felsen und Erden. Runter nach Barlavento führt der sehr steile Risco Steig, tolle Schluchteindrücke inklusive. 

bei Teno Alto

 Leuchtturm Punta Teno

farbenfrohe Landschaft

auf dem Risco Steig

steile aber schöne Pfade

Am nächsten Tag wandere ich nach dem Frühstück gleich von Garachico aus. Hinter dem Dorf ist eine fast senkrechte Wand zu bezwingen, weshalb ich nach 3 km schon 500 Höhenmeter eingesammelt habe. Gut das dies noch im Schatten passiert, warm genug ist mir nun auch so. Der weitere Weg wird nur minimal flacher, dafür aber bald um so schöner. Ab ungefähr 900 m Höhe dominieren Kiefernwälder. Die Bäume unterscheiden sich von denen in Deutschland. Die Rinde ist dicker, erste Äste bilden sich bereits kurz über dem Boden und die Nadeln sind um die 15 cm lang. Letztere bilden häufig einen dicken weichen Teppich auf der Erde. Am Montana Negra, einem alten Vulkankegel, stehen die Bäume teils sehr vereinzelt im sonst grau/schwarzen Kies und bieten tolle Fotomotive. Ich umrunde bald darauf den 1.550 m hohen Vulkan Chinyero, dessen letzter Ausbruch am 27. November 1909 endete. Unerlaubterweise besteige ich den Krater auch, was einen super Ausblick auf die Gegend eröffnet.  

am Montana Negra

Aufstieg zum Chinyero

*Panorama Chinyero Gipfel

im Hintergrund der El Teide

Samstag verlasse ich Garachico, war echt schön hier. In Icod de los Vinos umsteigen. Auf kurvenreicher Straße überwindet der Bus das Teno Gebirge, schraubt sich bis 1.100 m Höhe rauf und später ans Ziel Los Gigantes wieder auf Meeresniveau runter. Es ist warm, heftig warm hier. Mein Hostel ist klein und gemütlich, mit einer richtig gut ausgestatteten Küche. Nachmittags ein Bummel durch Los Gigantes. Von britischen Investoren begonnen, dominieren heute viele Hotel- und Apartmentanlagen das Stadtbild, die dazu auf den steilen Hängen immer höher hinauf „klettern”. Viel Beton, wenig Charakter. Aber die Klippen sind eindrucksvoll. Praktisch senkrecht steigen sie über 500 m aus dem Ozean. Sonntag mit Melda aus Lettland wandern. Um sie nicht zu überanstrengen nehmen wir den Bus bis Tamaimo und laufen von da über das Cruz de los Misioneros zum El Agujero, ein Felsentor weit oben auf einem schmalen Grat. Toller Ausblick auf Los Gigantes wie auch über das Meer nach La Gomera.

Los Gigantes, Playa Chica

die Klippen von Los Gigantes

der Blick bis La Gomera, links El Agujero, die Küste in Sicht

Am nächsten Morgen stehe ich erneut mit dem ersten Tageslicht am Bus, allerdings allein. Eine Stunde später in Santiago del Teide aussteigen. Zu Fuß folge ich der Straße über einen kleinen Pass zur Masca Schlucht. Auf deren Grund führt ein hier sehr bekannter Wanderweg zum Meer. Problem: man muss sich Wochen vorher mit gewünschter Zeit anmelden und die Kombination mit einer Schiffsfahrt ist Pflicht, sprich man darf die Schlucht nicht rauf UND runter laufen. Ich finde das zu touristisch, auch weil sich die Kosten auf 60 € summieren. Meine Alternative: ein inoffizieller Pfad ab Casas de Araza, der auf einem Felsgrat oberhalb der Masca Schlucht entlang führt. Der Weg ist teilweise richtig gut und mit viel Aufwand ausgebaut. Die Aussicht ist gigantisch schön und ich begegne nicht einer Menschenseele, also alles top. Nach meiner Rückkehr am Nachmittag das Gepäck schnappen und mit dem Bus an der Küste entlang an die Costa Adeje. Dabei wird das Teneriffa welches ich bisher kenne immer mehr von einer schier endlosen Zahl von Hotels, Ressorts und Apartmentanlagen abgelöst, sprich Massentourismus pur.

Aussicht vom Mirador Cherfe

 in Santiago del Teide

Masca Schlucht

 Blick in die  Masca Schlucht

immer an der Wand lang

Mein gewähltes Hostel, das Duque Nest, passt voll in dieses Schema. Zahlreiche Betten verteilen sich über mehrere Gebäude. Viele Partyleute, Betrunkene, Bekiffte usw. Dementsprechend sehen auch die Bäder und Küchen aus. Da zeigt sich wie unschön es ist wenn man praktisch gezwungen wird die Unterkunft vorab im Internet zu reservieren wie auch zu bezahlen. Gut das ich nur zwei Nächte gebucht habe. Dienstag passiert bei mir wenig. Bei schönem Wetter und sommerlichen Temperaturen ein paar Spaziergänge durch den, bestimmt am Reißbrett geplanten, Ort bis runter zu den immerhin sehenswerten Stränden.

5. Woche vom 27. November bis 3. Dezember 2024
Mittwoch fällt es mir aus sichtlichen Gründen leicht das Duque Nest Hostel zu verlassen. Im Zickzack fährt der Bus die Küste ab, wo es hinter Playa de las Americanas und Los Cristianos ruhiger wird. Passend dazu mein nächstes Ziel: Costa del Silencio. Im Duendes (zu deutsch: Elfen) del Sur Hostel sind die Wände fast komplett mit Elfen und Zwergen Szenen bemalt. Das gefällt neben angenehmer Atmosphäre und dem großzügigen Innenhof mit Hängematten. Genau richtig zum Abhängen. Abendessen, ich habe schließlich Geburtstag, im besten Restaurant der Gegend, dem Sabor Canario. Guter Service, leckere Spezialitäten der Kanaren, das macht mich satt und zufrieden. In den nächsten zwei Tagen ruhe ich mich aus, gehe spazieren und besuche den Playa de Amarilla, wo vor allem zur Zeit der Ebbe die sogenannten Versteinerten Dünen gefallen. Die ausgewaschenen Felsen sind Dank klarer farblicher Trennung ein echter Hingucker. Ansonsten herrscht Calima, eine sporadisch auftretende Wetterlage. Der heiße Wind aus der Sahara bringt viel Sand und Staub mit und schränkt so die Sicht teilweise stark ein.

Costa Adeje, Playa El Duque

:-)

Playa Amarilla an der Costa del Silencio, bei Ebbe eine Schau

Samstag ein früher Start um mit dem Bus rechtzeitig in Los Cristianos zu sein. Halb zehn verlasse ich dann Teneriffa mit der Fähre. Obwohl die Überfahrt nach La Gomera mit 50 Minuten recht kurz ist, kostet sie 43 € . Mit einem Auto wären es nur 20 € mehr, verstehe einer diese Preispolitik. Einheimische zahlen für die Überfahrt übrigens nur ein Viertel, spricht 11 €. Bei Ankunft in San Sebastian lasse ich mir Zeit und verpasse absichtlich einen der wenigen Busse. So bleibt Zeit für die Hauptstadt der Insel mit 9.300 Einwohnern. Die gleich an der Küste steil aufragende Landschaft sehr trocken, erst weiter „oben“ steht teils dichtes Grün. Nettes Städtchen mit etwas Historie: Kolumbus hat hier vor seinem Aufbruch in die Neue Welt Station gemacht. Nachmittag fahre ich mit dem Bus nach La Calera, im Valle Gran Rey. Gelegen auf der anderen Seite der Insel sind das per Luftlinie 20 km, auf der Straße 64 km. Die zerklüftete Topographie erschwert den Bau von Straßen erheblich. Meine Unterkunft, ein eigenes Zimmer mit Balkon hoch oben am Hang, toller Ausblick inklusive. Luxus nach einem Monat in Mehrbettzimmern.

Playa de la Cueva

San Sebastian de la Gomera

in den Gassen der Stadt

da hat Kolumbus gewohnt

Sonntag nach dem Frühstück gleich in die Wandersachen und los. Hinter La Calera steigt der Pfad steil an und überwindet auf weniger als 3 km gleich 570 Höhenmeter. Gut das es die Sonne erst später über die hohen Berge schafft. Oben auf dem Riscos de La Merica steht einsam ein Baum. Ringsum keine “Kollegen”, nicht mal ein Busch. Die Aussicht wäre herrlich, wenn nicht mal wieder Calima herrschen würde. Weiter laufe ich auf der Hochebene zur Ermita del Santo. Diese Kapelle ist wunderbar an/in die Felswand gebaut. Schon unterwegs gelingt der Blick in tiefe Barrancos wie auch ins große Tal mit dem Dorf Taguluche. Hinter dem Aussichtspunkt folge ich weiter dem spektakulären Höhenweg und treffe auch einige kleine Ziegenherden. Die sind scheu, lassen aber doch ein paar recht nahe Fotos zu. Über das Dorf Arure steige ich dann ins sehenswerte Tal Valle Gran Rey ab. Bei El Guro ein Abstecher zu einem kleinen Wasserfall, der sich in einem immer enger werdenden Tal versteckt, ein echt toller Tag.  

La Calera, meine Basis

unterwegs

in Arure

ganz einsam steht er da oben

 unterwegs getroffen

Valle Gran Rey

der Blick nach Taguluche

 Ermita
 del Santo

Barranco de Arure mit dem Salto de Agua

Montag gleich die nächste Runde. 8 Uhr mit dem Bus ins Zentrum der Insel. Auf den schmalen Straßen dauert es anderthalb Stunden bis zum Kreisverkehr Parajito. Von da läuft man nur zehn Minuten bis zum höchsten Punkt von La Gomera, dem recht unscheinbaren Gipfel des 1.485 m hohen Alto de Garajonay. Schöne Aussicht nach Westen, in andere Richtungen trübt leider der Calima das Erlebnis. Danach steige ich zum Flecken El Cedro ab. Der Pfad führt mitten durch den Wald, der leider weniger aufregend ist wie der gesehene von Teneriffa. Auch El Cedro begeistert kaum, so das ich recht bald schon wieder aufsteige. Die Strecke macht nun einiges mehr her, und spätestens mit den Roques, im Prinzip die übrig gebliebenen Kerne alter Vulkane, ist meine Begeisterung zurück. Vom Mirador del Morro de Agando gelingt der beste Blick auf den genialen Roque de Agando.    

Blick vom Alto de Garajonay

Vulkanturm Roque de Agando

 Lorbeerwald

Playa de Ingles bei La Calera

 manchmal muss es in s/w sein

Am nächsten Morgen steht schnell fest: ich brauche rein körperlich eine Pause. Die letzten Tage mit vielen Kilometern und vor allem Höhenmetern haben müde gemacht. So bleibt es heute vor allem bei einem Besuch des nahen Playa de Ingles. Der dunkle Sand dort mag nicht jedem gefallen, für mich macht das bei glasklarem Wasser keinen Unterschied zu den anderen Stränden.

6. Woche vom 4. bis 10. Dezember 2024
Mittwoch weiter La Gomera erkunden. 8 Uhr die Busfahrt nach Vallehermoso. Bergan tauchen ab 800 m Höhe Wolken auf, kurz darauf beginnt es zu regnen. Auf der anderen Seite der Insel hört es bergab wieder auf, und bald nach der Ankunft sieht man erste blaue Lücken in der sonst grauen Wolkendecke. Frohgemut wandere ich los. Ein unbezeichneter Aussichtspunkt über der Stadt beeindruckt mit Blick über die Berge und einen Stausee. Quer durch diese Berge führt mein Weg zum Mirador de Abrante. Kurz vor dem überrascht der Wechsel zu einem fast leuchtend roten Untergrund. Ansonsten besticht der Aussichtspunkt mit einem gläsernen Balkon der ein Stück über die Kante der Steilwand reicht und mächtig Eindruck macht. Dann auf einem schier unmöglichen Pfad praktisch senkrecht durch die sogenannte “Rote Wand” hinunter nach Agulo. Stück für Stück schaffe ich es dann als Anhalter hinauf ins Zentrum der Insel und weiter bis La Calera. Die seltenen Busse verkehren nicht auf dieser Strecke.

bei Vallehermoso

durch die Berge

überraschender Farbtupfer

Mirador de Abrante

Mein recht kurzer Besuch auf La Gomera neigt sich damit dem Ende. Donnerstag stehe ich früh auf, nehme den 5 Uhr Bus nach San Sebastian und steige dort in die 7 Uhr Fähre nach La Palma. Armas fährt den Umweg über Teneriffa, aber damit lässt sich leben. 11 Uhr in Santa Cruz (de la Palma). Nicht wundern, Ortsnamen wurden auf den Kanaren teils mehrfach vergeben. Gleich weiter mit dem Bus ins 25 km entfernte Los Sauces, wo ein sehr gutes Hostel, Bubango, steht. Typisch für die steil aufragende Insel hängen dunkle Wolken in den nahen Bergen, das Ergebnis rasch aufsteigender feuchter Luftmassen. Tief eingeschnittene Barrancos wie der nahe “del Agua” machen so den Eindruck einer vergessenen Welt. Spaziergänge, auch am Freitag, lassen mich die nähere Umgebung erkunden. Nur wenige, aber steile, Kilometer entfernt liegt an der Küste San Andres. Neben dem hübschen Dorf schöne, halb natürliche, Felsenpools: Charco Azul. Ohne Sonnenschein erstrahlt deren Farbe leider nur mäßig.

Barranco del Agua

 punktierte Felsenrose

Teil von Charco Azul

Iglesia San Andres Apostol

Samstag wandere ich nach dem Frühstück in die nahen Berge. Von Beginn an geht es mit stetig 20 % Steigung bergauf durch sehr dichten Wald. Ab 1.000m Höhe wird es durch die Wolken noch dunkler und es nieselt. Spaß macht es bisher kaum. Ab der Casa del Monte, 1.300 m hoch gelegen, geht es fast eben weiter und plötzlich kämpft sich sogar die Sonne durch die Wolken. Damit beginnt der tolle Teil des Tages. Mit dem Ziel Naciente de Marcos e Corderes folge ich einem kleinen Wasserkanal. Der windet sich sehenswert durch die schroffe Landschaft, wobei auch 13 Tunnel zu queren sind. Deren Länge variiert zwischen 15 und 347 m. Meist sind sie eng und die längeren stockduster, was sich wie richtiges Abenteuer anfühlt. An steiler Felswand lang kreuzt der Wasserweg tiefe Schluchten und die Eindrücke sind grandios. Im Tunnel 12 kommt das Wasser von allen Seiten und auch die Füße werden nass. Dahinter schöne Wasserfälle und das Ende des Pfades. Erdrutsche und Felsstürze verhindern seit Jahren den eigentlich möglichen Rundweg über Los Tilos. Egal, ich kehre glücklich und zufrieden nach Los Sauces zurück.   

Kanal, gebaut im 16. Jh, der die Menschen mit Wasser aus den Bergen versorgt

kurze, wie auch lange Tunnel

geniale Sonne/Wolken Spiele

 Naciente de Marcos

Die nächsten Tage gibt sich das Wetter recht durchwachsen. Ich bleibe in Los Sauces und erkunde auf kurzen Spaziergängen die Gegend. Fasziniert bin ich vor allem, und immer wieder, von den tief eingeschnittenen Barrancos, wie dem “de Herradura”. Dienstag packe ich meine Sachen und ziehe weiter. Nach dem Umsteigen in Barlovento kämpft sich der kleine Bus auf schmalen Straßen sowie durch viele Kurven im Auf und Ab durch die Berge. Bei Roque de Faro steig ich an einer unscheinbaren Kreuzung aus und laufe bergab nach El Tablado. Glücklicherweise hält bald eines der seltenen Autos und nimmt mich mit. Das erspart mir 6 km, 800 Höhenmeter und einen Regenschauer :-). El Tablado: rund 50 Häuser, kein Laden, derzeit kein Restaurant, aber ein Hostel mit Blick über Gegend und Ozean. Bald kommt heraus: ich bin heute der einzige Gast und habe das Haus für mich allein. Nach einigen Schauern beruhigt sich das Wetter und ich wandere am Nachmittag durch den Barranco de los Hombres hinüber nach Franceses. Es erübrigt sich zu erwähnen wie sehr ich mich für diese schroffe und grüne Landschaft begeistern kann. 

7. Woche vom 11. bis 17. Dezember 2024
Mittwoch schlüpfe ich erneut in die Wanderschuhe. Heute geht es in Richtung Westen. Auch da wartet gleich hinter El Tablado ein großer Barranco. Steil führt der Pfad 300 Höhenmeter hinunter - und auf der anderen Seite ebenso steil wieder rauf. Tolle Eindrücke entschädigen für die Anstrengung. Weiter geht es weniger spektakulär in einer Schleife zum Montana de la Centinela und wieder zurück. Donnerstag Vormittag nehme ich den einzigen Bus des Tages nach Puntagorda und lasse mich dort nieder. Das Hostel gleicht eher einem Schulheim, aber nette Leute und viel Platz für jeden ermöglichen einen angenehmen Aufenthalt.

bei El Tablado

Barranco de los Hombres

Cueva (Höhle) del Canga

Barranco de Fagundo

 einfach schön

Freitag früh gleich die nächste Tour, das Wetter soll bald umschlagen. Weil auf der gewünschten Strecke erst spät und nur auf einem Teil ein Bus verkehrt muss ich es als Anhalter versuchen. Das funktioniert nur mäßig und mit Wartezeiten, aber trotzdem stehe ich 10 Uhr in 2.426 m Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Punkt auf La Palma. Kein wirklicher Gipfel, sondern Teil der riesigen Caldera mit 8 km Durchmesser und 1.000 m hohen Steilwänden. Der Grund ausnahmsweise mal einen Berg nicht zu erklimmen, sondern per Auto viel schneller oben zu sein, ist leider schon da: Wolken. In der Caldera kondensiert die nach oben gezwungene feuchte Luft während drum herum noch die Sonne scheint. Dem wollte ich mit einer frühen Ankunft zuvor kommen, was nicht ganz klappt. Das ist zwar schade weil es den Blick in die Tiefe behindert, andererseits verschafft mir das spektakuläre Eindrücke. Im Schatten hält sich übrigens noch der Reif und es sind nur 5°C. Ich wandere ein Stück auf dem “Rand” der Caldera entlang und mache mich dann schließlich auf den langen Abstieg hinunter nach Puntagorda.       

Observatorium La Palma

es ist kalt auf 2.426 m

Mirador de Los Andernes

der Gang in die Wolken

kurz öffnet sich der Blick

Samstag ist das Wetter noch schön genug für einen Spaziergang. Der angrenzende Barranco ist wegen Hangrutsch gesperrt, also außen herum. Bei El Castillo stehen einige alte Drachenbäume sehr fotogen herum. In der Nähe eine typische Windmühle, die Molino de Buracas. Am Mirador de Hiscaguan ein Wegweiser zum Polarstern, wo neben der Richtung auch die Entfernung angegeben ist: 4.077.487.635.167.800 km ;-). Zurück rettet mich nur Rennen vor einem schnell aufziehenden Gewitter. Das Wetter bleibt zwar theoretisch schön, aber ein Sturm hält zwei Tage die Insel im Atem. Unser Haus ächzt häufig als würde bald etwas einstürzen und beim Nachbarn fegt es das Garagendach auf die Straße. Zum Glück kommt dabei niemand zu Schaden. An einen Aufenthalt im Freien ist erst wieder ab Montag Nachmittag zu denken. Dienstag auf der Weiterreise eine Pause in El Pueblo. Da führt eine kleine Straße steil, teils mit 30 % Gefälle, hinunter zum Meer. Der Wind ist nach wie vor stürmisch und Calima macht es drückend warm. Unten angekommen öffnet sich der Blick in eine versteckte Bucht: Poris de Candelaria, früher Zuflucht für Piraten. Abgeschieden ist der Ort auf jeden Fall, aber somit auch echt sehenswert. Am Nachmittag erreiche ich mit Los Llanos de Aridane mein nächstes Ziel. Nette Stadt. Etwas touristisch, aber günstig gelegen um La Palma zu erkunden.   

Molino de Buracas

Drachenbäume bei El Castillo

in der Piratenbucht Poris de Candelaria

8. Woche vom 18. bis 24. Dezember 2024
Mittwoch ziehe ich in und um Los Llanos größere Kreise. Dabei gibt es Schönes, wie den El Jardin de las Delicias zu entdecken. Klein aber fein überzeugt der Park mit Farben und einer überraschenden Anlage. Weiter draußen vom Castillo de la Virgen der Panoramablick auf die Gegend, geschmälert von letzten Ausläufern des Calima. Auf abenteuerlichen Wegen, die sich manchmal gar nicht mehr sicher anfühlen, ins nahe Tazacorte. Warum das Dorf in den Reiseführern beworben wird eröffnet sich mir nicht wirklich, so bleibt mein Besuch da recht kurz. Immerhin können eine alte Villa und ungewöhnliche Weihnachtsbäume punkten. 

*Panoramablick Los Llanos

in Los Llanos de Aridane

 in Tazacorte

El Jardin de las Delicias

 Weihnachtsbaum mal anders

Am nächsten Morgen bin ich bereits mit dem ersten Tageslicht auf der Straße unterwegs. Keines der wenigen Autos hält, also die 4 km bis zum eigentlichen Startpunkt meiner Wanderung laufen. Angekommen auf dem Grund des Barranco de las Angustias folge ich jenem hinein in die Berge. Der Weg durch die Schlucht eigentlich ein Bachbett, welches sich bei Regen schnell mit Wasser füllen kann. Heute besteht dahingehend keine Gefahr, nur ist der Bach immer wieder zu kreuzen. Der Barranco zeigt ein sehr vielfältiges Gesicht, mal sanft, mal abenteuerlich und wild. Gegen elf erreiche ich die Cascada de Colores. Die wurde durch Mineralien gefärbt, was bei dem derzeit geringen Wasserstand allerdings wenig eindrücklich ist. Weiter geht es tiefer hinein in die Caldera de Taburiente. “Hinein” bedeutet in diesem Fall steil bergan. Vorbei an auffälligen Felsen, wie dem Roque Idafe oder dem Roque de Hus durchquere ich den Talboden der Caldera bis hinauf auf 1.100 m Höhe. Unterwegs beeindruckend schöne Ausblicke, wobei sich die Steilwände wie ein Amphitheater um einen schließen. Der rund 200 m hohen Wasserfall Cascada de La Fondada wird zu meinem Wendepunkt. Bei eitel Sonnenschein endet schließlich nach 8 Stunden die tolle 30 km Wanderung. 

im Barranco de las Angustias

Wanderweg mit Aussicht

 Cascada de Colores

über der Cascada de La Fondada

Freitag wechsle ich ins nur 5 km entfernte El Paso. Zum einen ist das Dorf kaum touristisch, zum anderen ein Test vom Hostel dort, um zu entscheiden wo ich um Silvester herum bleibe. Das Gepäck ablegen und gleich los, noch ist das Wetter schön. Mit dem, wieder einmal, deutlich verspäteten Bus zum Jardin Botanico. Von da hinauf nach La Cumbrecita laufen. Auf 1.300 m Höhe wegen vieler hoher Bäume eine nur mäßige Aussicht, aber ich will eh weiter auf den Pico Bejenado. Schmale Pfade am Abgrund garantieren schon unterwegs viele Eindrücke. Das wird auf dem 1.854 m hohen Gipfel noch besser. Freie Sicht auf die gesamte Caldera de Taburiente, das ist einfach famos. Es ist sogar nachvollziehbar wo ich gestern war. Beim Abstieg nach El Paso sieht man in der Ferne wie das Wolkenmeer bereits über die Bergkette schwappt, Anzeichen für einen Wetterwechsel. Der manifestiert sich in einem bald stürmischen Wind, der auch nachts um das Haus heult. Bis zum nächsten Nachmittag beruhigen sich Regen und Wind etwas, doch über den Bergen tiefgraue Wolken und praktisch ein Dauerregenbogen. Die gestrige späte Wanderung also zu Recht. Heute nur ein Spaziergang. 3 km weiter endet die Straße abrupt an einem Lavafeld. Ende 2021 hat ein dreimonatiger Vulkanausbruch das dicht besiedelte Gebiet an der Westküste unter Lava begraben. Einzig zwei wichtige Verbindungsstraßen in den Süden wurden bisher neu gebaut. Am Aussichtspunkt blickt man auf die scharfe Grenze zwischen schwarzer Felswüste und den knapp verschonten Grundstücken, eindrücklicher Beweis von der Macht der Naturgewalten.        

*Panorama vom Pico Bejenado

 da war ich gestern

Vulkan Tajogaite von 2021

das neue Lavafeld

hier endet abrupt die Zivilisation

Nach einem regnerischen Sonntag ziehe ich am nächsten Vormittag weiter. Ab Los Llanos mit dem 210er Bus nach Süden. Der kreuzt kurvenreich das für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, für den Mensch unbrauchbare Lavafeld voller scharfkantiger Felsen und Steine. Mittag steige ich Fuencaliente/Los Canarios aus. Die Unterkunft da ist gut, wenn auch lieblos geführt und mit einer sehr schlecht ausgestatteten Küche. Ich nehme es gleichmütig und arrangiere mich damit. Dienstag, Heilig Abend, bei mäßigem Wetter um den nahen Vulkan San Antonio spazieren. Wenig Bewuchs in der Kraterlandschaft, durchaus sehenswert.

am Vulkan San Antonio

schwieriger Weinanbau

die Salinen von Fuencaliente

seltenes Denkmal für Wanderer

9. Woche vom 25. bis 31. Dezember 2024
Mittwoch nach dem Austausch von Weihnachtswünschen mit Familie und Freunden zu den Salinen an die Küste wandern. Am Weg Weinplantagen die anders aussehen: niedrige Trockenmauern als Windschutz, die Stöcke selbst knapp überm Erdboden. Nach 6 km an den Salinen. Die liegen fotogen neben zwei Leuchttürmen an der felsigen Küste. Produziert wird auf Grund von mehr Sonne und weniger Regen nur im Sommer, was den schönen Besuch heute aber kaum schmälert. Am nächsten Morgen ein früher Wanderstart bei strahlend blauem Himmel. Bergan führt die Ruta de los Volcanes zu einer Kette von Vulkankratern. Der Pfad kreuzt schöne Kiefernwälder. Deren Bäume haben bis zu 20 cm lange Nadeln, um so mehr Feuchtigkeit aus den Wolken bzw. dem Nebel zu ziehen. Sie bewässern sich sozusagen selbst und sehen damit auch irgendwie “plüschig” aus. Gegen zehn auf dem Kraterrand des Volcan de Martin, 1.580 m hoch. Inzwischen hängen in dieser Höhe Wolken an den Berghängen, also mehr Dramatik und weniger Sicht. Auf nur wenigen Kilometern folgen fünf weitere Vulkane und deren Nebenkrater bis ich vor dem “Ende” der Ruta am Duraznero umkehre. Tolle Wanderung, die in einigen Tagen ihre nördliche Ergänzung bekommen soll.   

man sieht noch den Lavafluss

Vulkan Duraznero

Vulkan Martin

tolles Farbspiel

Freitag passiert wenig. Heute entstehen die Wolken früher und hängen niedriger. Nachmittags verleiden sogar einige Schauer den Aufenthalt draußen. Im Gegensatz dazu folgt ein richtig sonniger Tag. Schade das der größtenteils für den Transfer zurück nach El Paso drauf geht. Ich schlafe wieder im bereits bekannten Hostel Encantada. Auch das hat Schwächen, aber insgesamt passt es. Sonntag erneut auf in die nahen Berge. Hinter der Ermita de la Virgen del Pino mit alter, aber wenig fotogener, Kiefer steigt der Pfad steil zum Passo Reventon an. Schon ab 1.100 m immer wieder Wolken, das Ergebnis starker Ostwinde. Am Pass bleibt mir so der Blick nach Osten auf spektakuläre Landschaft nebst Küste verwehrt. Ich steige weiter auf und lasse ab dem Pico Ovejas die Wolken hinter mir. Am Refugio Punta de los Roques (2.040 m) gelingt gerade noch rechtzeitig der Blick in die Caldera de Taburiente bevor auch hier die Wolken schnell dichter werden. Tags darauf erneut kalter Wind und viele Wolken, da kann ich dem Körper mit gutem Gewissen eine Pause gönnen. Zu Sylvester muss er dann wieder was leisten. Heute steht der nördliche Teil der Ruta de los Volcanes auf dem Programm, welche von El Paso aus ab El Pilar beginnt. Trotz guter Vorbereitung überrascht mich die kalte Witterung da oben. Im starken Wind und ohne Sonne liegt die gefühlte Temperatur nur knapp im Plus und die Hände werden sogar steif. Trotzdem laufe ich bis zum Krater des Hoyo Negro und werde damit belohnt das die Wolken in entscheidenden Momenten immer wieder aufreißen. Abends feiern wir Backpacker mit Volontären und Freunden zuerst im Hostel, bevor wir auf dem Dorfplatz gemeinsam mit den heraus geputzten Einheimischen den Jahreswechsel begießen.  

Pico Ovejas

*Panorama Refugio de los Roques

Ruta de los Volcanes

Krater Hoyo Negro

10. Woche vom 1. bis 7. Januar 2025
Nach einer langen Partynacht bleibt es am Mittwoch verständlicherweise lange ruhig im Haus. Ohne Kater kann ich das direkt genießen. Etwas spazieren, etwas an der Homepage arbeiten, das reicht für heute. Am nächsten Morgen heißt es packen und sich endgültig vom Hostel Encantada verabschieden. An der Gebirgskette hängen auch heut dicke graue Wolken, die erst nach queren mittels Tunnel kurz vor der Inselhauptstadt Santa Cruz de la Palma aufreißen. Auf Meereshöhe ist es nun gleich spürbar wärmer. Ich schlafe, wie schon mal auf Teneriffa, in einem Hostel mit futuristischen Kapseln. Das hier macht aber weit weniger Eindruck, bietet nur eine miserable Küche und die Hälfte der Mitarbeiter ist mal so richtig unfreundlich. Letzteres erwähne ich vor allem deswegen, weil mir innerhalb eines Tages auch anderswo in der Stadt einige ebenso unfreundliche Leute begegnen. 

typische Balkone in Santa Cruz

Iglesia de El Salvador, innen wie außen sehenswert

Templo de San Francisco

Davon, und den Massen von Touristen abgesehen, ist Santa Cruz eine sehr schöne Stadt. Tolle Fußgängerzone, sehenswerte Kirchen, das einprägsame Museo Naval in Form eines Schiffes und manch pittoreske Gasse mit verspielten Balkonen. Ich laufe zum Castillo de la Virgen mit Blick über die Stadt, wie auch auf dem Camino Bellido in den Barranco de las Nieves bis zur Ruine einer alten Mühle. Unter strahlend blauem Himmel sorgen die tiefgrauen Wolken in den nahen Bergen für tolle Kontraste. Immer wieder begegnem einem auch Statuen oder Abbilder von Zwergen. Deren Geschichte ist mit der Insel verbunden. Alle 5 Jahre feiern sie das mit der Bajada de la Virgen. Die Hostellage an der stark befahrenen Straße und das hellhörige Haus sorgen leider wie befürchtet für eine recht schlaflose Nacht. Freitag bin ich so schon früh auf und drehe noch eine Runde in der Stadt.

Museo Naval

Blick auf Santa Cruz de la Palma

 einst wohl Karrikatur von Napoleon

Castillo de la Virgen

einfach schön

Am frühen Nachmittag laufe ich gemütlich zum Fährhafen und besteige die Valencia. Nach intensiver Recherche fiel meine Wahl auf die Fähre nach Lanzarote. Zwar braucht die 30 Stunden, aber ich habe ja Zeit. Preislich ist sie mit 52 € sehr günstig, die Überfahrt zur viel näher gelegenen Insel Gran Canaria hätte 125 € gekostet. Flüge liegen bei ca. 90 €, was ich aber ökologisch wie ökonomisch als unnötig betrachte. 15 Uhr legen wir ab. Überraschenderweise sind da kaum andere Fußpassagiere an Bord. 

Sonnenuntergang von Bord aus

Langweilig wird mir nicht. Ein gutes Buch im Gepäck und sogar kostenloses WLAN an Bord, was braucht es mehr. 22 Uhr legen wir in Santa Cruz de Teneriffa an und bleiben 3 Stunden. Dann weiter durch die Nacht. Samstag 8 Uhr in Las Palmas auf Gran Canaria. Nach dem Mittag weiter und an Fuerteventura sowie dem Großteil von Lanzarote entlang. Leider trübt mal wieder Calima die Luft und die Küsten der Inseln bleiben schemenhaft.

drei Inseln im Blick

Samstag Nacht legen wir pünktlich 22 Uhr in Arrecife, Lanzarote an. Eine Stunde später bin ich am Hostel. Das macht keinen guten Eindruck und ich bin froh nach nur einer Nacht ins viel bessere La Casita umzuziehen. Kleines gemütliches Haus, von sehr sympathischen Leuten geführt. Gleich die Stadt erkunden. Das alte Zentrum rund um die Lagune Charco de San Gines gefällt mir sehr, darüber hinaus verliert die Stadt schnell an Charme. Überraschend wie viele Läden schon lange geschlossen sind und auch am Arrecife Grand Hotel nagt schon sichtbar der Zahn der Zeit. Abends zieht ein großer Festumzug zu Ehren der Heiligen Drei Könige durch die Straßen. Festwagen, Kostüme, Kamele und eine tolle Trommler Gruppe machen den zu einem Erlebnis.      

Lagune Charco de San Gines

Walskelett

Baden auf/in Islote de Fermina

toller Festumzug mit den Heiligen Drei Königen

Am Montag ein Ausflug in den nördlichen Teil von Lanzarote. Mit dem Bus zum Jardin de Cactus. In einem alten Steinbruch hat man Ende der 80er Jahre einen sehr schönen Kakteengarten angelegt. 10.000 Exemplare von 1.400 verschiedenen Kakteen und Sukkulenten sollen da stehen, was ich fast bezweifeln möchte. Nichts desto trotz eine beeindruckende Anlage mit einer Fülle von Formen und Farben. Darüber thront fotogen eine restaurierte Gofio-Mühle (Grundnahrungsmittel der Kanaren: gemahlene Getreidemischung wird zu einem Brei gekocht und mit Gemüse und/oder Fleisch/Fisch aufgepeppt). Mit der Besuchszeit hatte ich Glück, bald wird der Garten von Touristen förmlich geflutet. Ich laufe dann hinter Guatiza zu einem weiteren aufgegebenen Steinbruch, bei dem akkurat rote Blöcke heraus geschnitten wurden. 5 km weiter liegt in der trockenen Landschaft die Ciudad Estratificada, eine durch Erosion geformte Felsenlandschaft die sehr entfernt an eine Stadt erinnern. Schönes Ding am Weg, würde ich sagen. Als Anhalter erreiche ich Teguise und nehme nach einem Stadtbummel den Bus nach Arrecife. Dienstag fahre ich gegen Mittag zum Flughafen und unterbreche die Kanarenreise für einen einwöchigen Besuch in der guten alten Heimat :-)

Jardin de Cactus: eine gelungene Anlage, entworfen von Cesar

 Manrique, dessen Einfluss/Architektur ganz Lanzarote prägt

Dinge die nicht auf den geführten Touren stehen: ein alter Steinbruch

und die Felsen von Ciudad Estratificada

11. Woche vom 8. bis 14. Januar 2025
Nach der Woche daheim fliege ich am Dienstag, 14. Januar 2025, von Leipzig zurück nach Lanzarote. Im Flugzeug sind übrigens geschätzte 95 % der Passagiere schon über 65... Nach der Landung bin ich schnell wieder im Hostel La Casita in Arrecife, wo ich auch mein Gepäcke lassen konnte. Das hat mir jede Menge Schlepperei und ca. 100 € Kosten bei der Airline erspart.

12. Woche vom 15. bis 21. Januar 2025
Mittwoch die nächste Tagestour auf Lanzarote. Mit dem Bus ins nördliche Zentrum nach Haria. Das Dorf ist schnell erkundet, genau wie die nähere Umgebung. Malerisch als grünste Ecke der Insel beschrieben, hinkt das Gesehene ein gutes Stück hinter meinen Erwartungen her. Durch einen kleinen Barranco besteige ich dann die Risco de Famara, eine nach Westen abfallende Steilwand. Von da oben, immerhin 560 m hoch, hat man einen fantastischen Blick über die Küste mit dem mehreren Kilometer langen Playa de Famara, vor allem unter Surfern bekannt. Aufgewirbelter Staub trübt die Sicht, der kräftige Wind erreicht heut locker 60 km/h. Auf dem Felskamm laufe ich zum Mirador de Las Nieves mit der gleichnamigen Kapelle. Letztere steht einsam und verlassen im kargen Nirgendwo. Noch das letzte Stück bis Teguise laufen, von wo aus der Bus zurück nach Arrecife fährt. 

Mirador del Bosquecillo

*Panorama der Famara Küste

Ermita de Las Nieves

das Städtchen Uga

Donnerstag verlasse ich Arrecife in Richtung Norden, diesmal mit Gepäck. Hinter Punta Mujeres eine Pause an der Jameos del Agua, eine teilweise eingestürzte Lavaröhre. Schon den Altkanaren bekannt, wurde sie in den 60ger Jahren unter Leitung von Cesar Manrique zu einer Kunst- und Kulturstätte ausgebaut. Zwei Restaurants, Swimmingpool und der Wasser gefüllte Tunnel als Orchesterraum. Ganz nett, aber auch von Touristen förmlich überrannt. Mittag mit dem Bus zum Tagesziel nach Orzola. Das kleine Dorf mit schöner Badebucht liegt in einer kargen Vulkanlandschaft. Nach einem Bummel am Meer wandere ich am späten Nachmittag hinauf zum Mirador del Rio. Von der 460 m hohen Steilküste ein toller Blick auf die andere Seite, inklusive zur Insel La Graciosa. Die ist bewohnt, aber es gibt kaum Fahrzeuge und außerhalb der Stadt Caleta del Sebo keine richtigen Straßen.  

Jameos del Agua, unterirdisch

Jameos del Agua, oberirdisch

alternative “Strandvilla”

Blick auf La Graciosa

Tags darauf ist das Wetter leider recht durchwachsen und der Himmel zum größten Teil stark bewölkt. Kein Strandwetter also. Ich fahre gegen Mittag mit dem Bus nach Teguise und steige dort für mein Ziel Soo um. Bei dem Wetter macht ein Besuch des bekannten, ultra langen Playa Famara wenig Sinn, also bei Soo wandern. Auch hier eine sehr karge Landschaft, der kleine Ort wirkt da richtig verloren. Irgendwie eine komische Gegend. Samstag die Fahrt ins bekannte Arrecife. In Nazaret steige ich aus und schaue mir LagOmar an. Das Anwesen, in den 70ger Jahren gebaut und nun größtenteils ein Museum, fügt sich perfekt in die zerklüftete Vulkanwand ein. Viel Weiß, runde Formen als Kontrast zu schroffen Felsen und viele Details bieten ein wirklich faszinierendes Ensemble. Es kursiert die Geschichte das es einst dem Schauspieler Omar Sharif gehörte, er es aber am Tag des Kaufes beim Kartenspiel schon wieder verlor. Nachmittag weiter ins bekannte Hostel La Casita, inzwischen mein zweites Heim.

LagOmar, tolles Anwesen mit jeder Menge zu entdeckender Details

Teguise

Sonntag will ich bei richtig schönem Wetter zum Timanfaya Nationalpark mit all seinen Vulkanen. Schwierig, die örtlichen Busse bedienen ihn nicht. Also ab Mancha Blanca trampen, was nach einer Weile gelingt. Den offiziellen Teil des Nationalparks lasse ich aus. Da wird man nur mit dem Bus durch die Landschaft gefahren und bekommt einen künstlichen Mini Geysir und andere Kunststücke mit der unterirdische Hitze zu sehen. Ich will aber die “Feuerberge” richtig erleben und habe mir eine Wanderroute heraus gesucht. Zuerst zum Pico Partido. Der alte Krater heißt wegen der aufgerissenen Seite so. Klasse Blick in manch Spalte, fast wie Tunnel, sowie vom Kraterrand auf die Gegend. Faszinierend diese dunkle, fast schwarze Landschaft mit derart vielen Kratern. Weiter auf schroffen Pfaden zum Montana Blanca. Der überragt die Umgebung um fast 300 m und besteht massiv aus hellem Fels, was ihn an sich schon besonders macht. Große Caldera und wieder ein toller Blick auf farbige Vulkanlandschaft.   

Parque Natural de los Volcanes

Pico Partido

vielfarbige Landschaft

Caldera des Montana Blanca

Nach einem Tag Pause verlasse ich am Dienstag Arrecife zum dritten und letzten Mal. Auch heute unterbreche ich die Fahrt zum eigentlichen Ziel für eine Sehenswürdigkeit. In La Hoya aussteigen und zu den Salinen Janubio laufen. Da kann ich meinen großen Rucksack abstellen und laufe derart befreit weiter an der Küste entlang. Ein sonniger, aber stürmischer Tag, mit hohen Wellen und heftiger Brandung. Zum Baden viel zu gefährlich wirkt die schroffe Küste so jedoch spektakulär. Bei Los Hervideros zeigt der Ozean in Blowholes und engen Felsbuchten was für eine Kraft in ihm steckt. Weiter nördlich komme ich zum Playa de los Clicos mit der magisch grünen Laguna Verde. Mein Eindruck: phantastisch! Dazu ist der Strand praktisch menschenleer, weil es am südlichen Ende keinen Parkplatz gibt und der Abstieg von Norden, da drängeln sich viele Leute auf dem Aussichtspunkt, gesperrt ist. Nach diesem echt tollen Erlebnis fahre ich mit dem Bus ans südliche Ende von Lanzarote nach Playa Blanca.     

hohe Wellen bei Los Hervideros

fotogene Felsklippen

Playa de los Clicos

*Panorama mit Laguna Verde

13. Woche vom 22. bis 28. Januar 2025
Mittwoch ein näherer Blick auf Playa Blanca. Der Ort ist ziemlich touristisch und dehnt sich mit seinen Appartement bzw. Hotel Anlagen immer weiter aus. Positiv ist der breite Paseo Maritimo, ein Fußweg in Ufernähe, der sich weit um die Bucht zieht und die zwei kleinen Stadtstrände Pueblo und Dorada streift. Bei wechselhaftem Wetter mit stürmischem Wind am Nachmittag rauf zum Montana Roja laufen. Der alte Vulkankrater ist ganze 160 m hoch und bietet schöne Blicke über den Süden von Lanzarote wie auch hinüber nach Fuerteventura. Am nächsten Morgen wandere ich zur südlichsten Spitze der Insel, Punta de Papagayo. Unterwegs einige schöne Strände, wie Playa Mujeres oder Playa del Pozo. Die schönste, aus diesem Grund auch überlaufene, Badebucht ist Playa de Papagayo. Der sich schnell zuziehende Himmel entlässt leider einige kurze Schauer. Schutz davor findet man hier keinen, aber es ist ja nur Regen. Mittag bin ich zurück im Hostel und trockne meine Sachen, was eine Weile dauert. 

Playa Blanca

Playa Mujeres und Fuerteventura

Playa de Papagayo

Punta de Papagayo

Am Nachmittag starte ich noch mal, da steht eine letzte Sache auf meinem “Zettel”. Mit dem Bus nach Uga, was keine halbe Stunde dauert. Weiter zu Fuß querfeldein nach La Geria, nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern. Wirklich interessant und einmalig ist die Umgebung, wo Landwirtschaft so ganz anders betrieben wird. Die Pflanzen stehen einzeln in Vertiefungen bzw. werden durch ringförmige Schutzwände vor starkem Wind geschützt. Das sieht vor allem auf schrägen Hängen oder aus einer erhöhten Position richtig ungewöhnlich aus. Ich finde einen Weg durch die Plantagen bis hinauf auf den Montana Chupaderos. Vom Kraterrand, es ist auch hier ein erloschener Vulkan, kann man bis in den Timanfaya Nationalpark schauen. Das ist für mich noch mal ein Klasse Ausflug und ein würdiger Abschluss meiner Zeit auf Lanzarote. Trotz der kargen Landschaft zeigt die Insel ein vielfältiges Gesicht und bietet neben gelungener Architektur auch durchaus schöne Städte und Gemeinden.   

*Panorama La Geria

aufwendige Landwirtschaft

Blick vom Montana Chupaderos

Freitag nach dem Frühstück packen und zum Fährhafen laufen. 10.40 Uhr legt die kleine Personenfähre von Fred Olson mit Ziel Fuerteventura ab. Die Überfahrt nach Corralejo dauert nur eine halbe Stunde. Bei tollem Wetter im Hostel einchecken und am Nachmittag eine Runde spazieren. Ziel ist der sogenannte “Popcorn” Strand. Der Weg dahin führt durch eine karge, langweilige Gegend. Immerhin ist der Strand nett. Die namensgebenden weißen “Kiesel” sind zerfallene Rhodolithen, Behausungen einer uralten Rotalge. Solch einen Strand findet man übrigens auch direkt in Corralejo am Bajo del Medio. Darüber hinaus macht die Stadt einen guten Eindruck. Klar, sie ist voll auf den Tourismus getrimmt, bietet aber auch noch etwas Charme und Charakter.

Tschüß Lanzarote

Blick zur Insel Lobos

 in Corralejo

weiße Kiesel, sehen aus wie Popcorn, am Bajo del Medio

Samstag ist das Wetter ziemlich durchwachsen und somit wenig strandtauglich. Ich gehe einkaufen, betreibe mit den anderen Leuten im Hostel regen Erfahrungsaustausch und bringe diese Homepage ein gutes Stück voran. Sonntag bietet uns Petrus mal wieder Kaiserwetter an, also hin zum Strand. Auf dem Stadtgebiet von Corralejo gibt es deren schon fünf kleinere. Nach den letzten Häusern beginnt dann mit dem Playa del Pozo der erste Große, ca. 2 km lang. Die Dünen dahinter sind recht bewachsen und kaum eindrucksvoll. Schade, ich hatte so was wie eine Wüstenlandschaft erwartet. Ein Bummel bis zum Hotel Riu Palace, wobei der Strand teilweise fast leer ist. Weiter südlich gehen die Strände kilometerlang weiter, doch ich sehe keinen Sinn darin die auch abzulaufen. Montag holen mich Freunde aus Deutschland im Hostel ab. Sie machen gerade Urlaub auf Fuerteventura und wir unternehmen was zusammen. Corralejo, die Dünen, Montana Roja, dann eine 100 km lange Fahrt bis nach Costa Calma. Unterwegs gibt es kaum Gründe anzuhalten, Fuerteventura bietet neben den Stränden überraschend wenig Abwechslung.   

im Hintergrund Isla de Lobos

 Playa del Pozo

schon schön :-)

Costa Calma

Meine Airbnb Unterkunft ist übrigens eine der sehr wenigen Möglichkeiten “günstig” auf Fuerteventura zu übernachten. In dem Sinn ist diese Insel keineswegs Backpacker freundlich. Dienstag drehe ich zuerst eine Runde in Costa Calma, ein Urlauberort der sichtlich aus der Retorte stammt. Danach weiter zur Lagune Sotavento, eine halbe Stunde entfernt. Hier hat das Meer riesige Sandbänke nah vor der Küste angeschwemmt. Bei Ebbe sorgen die für enorm breite Strände nachdem viel Wasser in den Ozean abgeflossen ist, bei Flut zeigt sich die Lagune kilometerlang und nur maximal einen Meter tief. Beste Voraussetzung um sicher zu Baden, und wie man vor Ort sieht: zum Kite Surfen. Als ich dort bin ist die Tide auf dem Weg zur Ebbe und das Wechselspiel vom Vergehen der Lagune gerade in vollem Gange. Die Fotos vermitteln hoffentlich einen guten Eindruck von diesem Traumort.

Lagune Sotavento, enorm breite Strände und tolle Farben

genug Platz für Strandliebhaber, Seevögel und Kite Surfer

14. Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 2025
Mittwoch holen mich die Freunde erneut mit dem Auto ab. Ziel ist der Playa Cofete. Hinter Morro Jable führt eine kurvenreiche Schotterstrasse über die “Berge”. Am Pass Degollada de Agua Oveja überrascht uns der Wind in Sturmstärke. Bis runter an den Strand wird der kaum schwächer. Schade, das schmälert den Besuch und macht Baden praktisch unmöglich. Ein kurzer Besuch der Villa Winter, von Deutschen 1936 im kargen Niemandsland gebaut. Ein paar Legenden ranken sich um das nun recht dem Verfall preisgegebene Anwesen. Auf dem Rückweg machen wir Pause in Morro Jable. Netter Dorfkern, weiter draußen breiten sich Urlauberresidenzen immer weiter aus. Tags darauf endet meine Zeit auf Fuerteventura bereits wieder, was ich nicht mal bereue. Für mich hat diese Insel wenig zu bieten und hinkt im Vergleich den fünf anderen hinterher. Städte und Dörfer ohne viel Charme, keine gelungene Architektur und eine gleichförmig uninspirierende Landschaft in der nur die, zugegebenermaßen teils tollen, Strände hervor stechen. Mit dem Bus bin ich am Vormittag schnell in Morro Jable. Dort will ich nur irgendwo meinen großen Rucksack für ein paar Stunden abstellen - und scheitere. Am Fährterminal, in Hotels, im Supermarkt, einigen Läden, bei der Polizei und im Rathaus schickt man mich, teils sogar rüde, weg. Das habe ich so noch nie erlebt. Derart mit Gepäck beladen fällt Spaziergang und Baden aus. Spät am Nachmittag die Fähre nach Las Palmas, auf Gran Canaria gelegen. Es wird eine raue Überfahrt mit 5 m hohen Wellen und an Bord werden viele seekrank. Ich bleibe verschont, Spaß macht das trotzdem nicht.      

Costa Calma

typisches Fuerteventura

Morro Jable; touristisch, aber auch schön

Nun also die Hauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas. Ich wohne im Stadtteil Las Canteras nahe der gleichnamigen Bucht mit einem langen Strand. Tolle Lage für eine Großstadt mit überraschend entspannter Atmosphäre. Die ersten Tage nur einfaches Programm: Spaziergänge in der näheren Umgebung. Erwähnenswert ist das Auditorio Alfredo Kraus, der schon erwähnte Playa de Las Canteras, der Mirador Cuatro Canones und Parque Doramas mit dem Royal Hideaway Hotel Santa Catalina. Nach all den Erlebnissen der letzten Tage und Wochen brauche ich so was wie eine Programmpause um alles zu verarbeiten und für Neues bereit zu sein. Dazu passt auch das derzeit durchwachsene Wetter mit wolkigen Tagen und einigen Schauern. Zwischendurch ziehe ich ins nächste Hostel, ganz einfach um zu schauen ob das nächste Haus qualitativ einen noch besseren Eindruck macht. 

die Bucht Las Canteras

schöner, großer Sandstrand

5* Hotel Santa Catalina

das nenne ich eine Bar!

15. Woche vom 5. bis 11. Februar 2025
Während der Zeit in Las Palmas plane ich die Erkundung der Insel. Das ist schwieriger als vermutet. Einfache Unterkünfte sind seltener als auf anderen Inseln, und diese häufiger ausgebucht. So puzzle ich mir, was eher ungewöhnlich ist und Spontanität ausschließt, eine “Rundreise” für die nächsten zwei Wochen zusammen. Freitag beginnt diese mit der Busfahrt nach El Doctoral im Südosten von Gran Canaria. Vom Bus sind es 2 km zum Hostel, schweißtreibend mit dem ganzen Gepäck. Nachmittag fahre ich nach Agüimes. Erst ein schöner Spaziergang durch das Dorf, dann eine Wanderung zum Barranco de Las Vacas. Der kleine Canyon erinnert entfernt an Bilder aus Amerika. Auf Instagram und Co wird er heftig beworben, deshalb macht wohl grad eine Gruppe Influencerinnen ihre Fotosession hier :-(. Samstag will ich ein Stück hinauf in die Berge. Mit Bus wird diese Strecke nicht bedient, aber per Anhalter komme ich ins angestrebte Santa Lucia de Tirajana. Tolles Wetter, ein sehenswertes Dorf, der Tag fängt gut an. Weiter mit einer Wanderung durch den Barranco de Tirajana. In der recht trockenen Gegend überraschen Landwirtschaft und dichte Palmenhaine. Leider sorgt dann aufkommender Ostwind dafür das sich der Himmel schnell bewölkt.    

Santa Lucia de Tirajana

 Barranco de Las Vacas

leider dauerhaft geschlossen

dichte Palmenhaine

Ich bleibe trotzdem bei meinem Plan und steige über den nächsten Bergrücken in den Barranco de Fataga. Dort liegt malerisch das Dorf Fataga, im alten Zentrum stehen kaum 50 Häuschen an einer ringförmig angelegten Gasse. Nach einer Pause zurück über die Berge in den Barranco de Tirajana. Schade das der Himmel nun komplett bedeckt ist. Quer hindurch komme ich zu zwei fast trockenen Stauseen und bald darauf zum Felsen La Fortaleza. Der steht gut sichtbar mitten in der großen Schlucht und war der letzte Rückzugsort Einheimischer im Kampf gegen die Spanier. Durchzogen von Höhlen konnte man ihn mit damaligen Mitteln gut gegen Angreifer verteidigen. Ich laufe dann hoch zur Straße und auf der bis zum Mirador El Guriete. Dabei begleitet mich der Ausblick in den riesigen Barranco, nicht zu Unrecht als der “Grand Canyon” Gran Canarias bezeichnet. Ein freundliches Paar aus der Gegend nimmt mich schließlich im Auto mit hinunter nach Sardina, wo ich derzeit ja im Eden Guest House wohne.  

Santa Lucia de Tirajana

der Barranco Fataga mit dem gleichnamigen Dorf

La Fortaleza

Sonntag muss ich wohl oder übel weiter, das Hostel ist die nächsten Tage ausgebucht. Aber ich werde in knapp einer Woche wieder hier sein. Mittags mit dem Bus nach Las Palmas, wo mein Bett im historischen Stadtteil Vegueta steht. Überraschend sind heute nur recht wenig Leute unterwegs, der Bummel durch die alten Gassen ist um so schöner. Das Gabinete Literario ist von außen genau so schön wie im Inneren, neben der Kapelle San Antonio Abad blüht der “Frühling” intensiv und nicht nur am Plaza del Espiritu Santo kann man entspannt seine Seele baumeln lassen. Am Abend fahre ich mit dem Bus zum Parque Santa Catalina, wo für den Karneval, den man hier ganze 5 Wochen feiert, eine große Bühne aufgebaut wurde. Heute findet darauf unter anderem ein Wettstreit um die beste Tanzperformance für Gruppen statt, was richtig für Stimmung sorgt. Klasse so was zu erleben. Mein Besuch der Inselhauptstadt ist nur von kurzer Dauer. Schon am Montag verlasse ich sie wieder in Richtung Westen. Das ist, wie gesagt, dem Umstand geschuldet das an meinen Zielen nur wenige preiswerte Unterkünfte existieren.  

Las Palmas, das Gabinete Literario kann sich sehen lassen

am Sonntag leere Gassen in der Altstadt

Es dauert bis der Bus sich durch die Großstadt gekämpft hat. Danach sind die 35 km bis Agaete schnell Geschichte. Im Hostel einchecken, das Gepäck ablegen und gleich wieder los. Bei schönem Wetter, nur ein wenig durch Calima getrübt, zurück nach Galdar, eine schöne Kleinstadt mit farbenfrohem Zentrum. Auf dem Weg zum nahen Vulkankegel Montana de Ajodar liegt wenig beachtet ein alter Steinbruch, ein fotogenes Abenteuer mit kleinen Höhlen. Vom Gipfel des 420 m hohen Ajodar habe ich dann einen schönen Blick über die nordwestliche “Ecke” von Gran Canaria. Die ist stark besiedelt und von intensiver Landwirtschaft geprägt. Am späten Nachmittag bin ich zurück in Agatete und laufe da eine weitere Runde. Nur ein kleines Stück weiter liegt Puerto de Nieves: kleine Badebuchten, natürliche Felsenpools und eine zerklüftete Küste beschäftigen mich eine Weile. Leider hat da ein Sturm 2005 den 30 m hohen Fels, Dedo de Dios genannt, abgebrochen, was viele als schlechtes Omen ansehen.    

Agaete

Galdar und der Drachenbaum im Hof vom Rathaus

Agaete, Ermita San Sebastian

 abenteuerlicher Steinbruch

Dienstag eine Wandertour, die letztlich größer als geplant ausfällt. Hinter Agaete steigt der Pfad steil an. Am Pass Degollada Abajera schon tolle Ausblicke auf das Tal Valle de Agaete, was in 1.000 m Höhe vom Montana de las Presas noch besser wird. Von der Steilwand enfaltet sich das ganze Panorama. Weil es noch nicht mal zwölf ist laufe ich weiter bergan. Es wird dabei zunehmend kühler in den dichten Kiefernwäldern. Am Gipfel des Tamadaba erreiche ich auf 1.420 m den heute höchsten Punkt. Dahinter der steile Abstieg in den Barranco de Hoyas mit einigen Stauseen, die nur mäßig gefüllt sind. Hinter dem Presa de los Perez wird es dann spektakulär. Steil abfallende Felswände bilden den Beginn des Barranco Agaete. Selbst für Häuser ist kaum genug Platz, weshalb in El Hornillo findige Bewohner Wohnhöhlen in die Steilwand geschlagen haben. Dahin kommt man nur über irrwitzig steile Pfade und Treppen, bestimmt schwierig Einkäufe da hin zu bringen, ganz zu schweigen von größeren Sachen wie Möbel. Schon recht müde kämpfe ich mich auf schmalen Pfaden hinunter nach El Sao. 3 km weiter hält das erste Auto welches vorbei kommt und nimmt mich mit nach Agaete. Puh, das waren zu Fuß 25 km auf schwierigen Pfaden mit 1.960 Höhenmetern.  

imposante Steilwände

Valle de Agaete

El Hornillo

Barranco de Agaete

16. Woche vom 12. bis 18. Februar 2025
Die anstrengende Wanderung gestern hat nicht gerade gegen die leichte Erkältung geholfen mit der ich mich seit Tagen herum plage. Schuld ist anscheinend die Busfahrt letzten Sonntag: offene Fenster und eine Klimaanlage auf Hochtouren waren wohl der Auslöser. Mittwoch verlasse ich Agaete. Der Bus folgt auf kurvenreicher Strecke grob der Küstenlinie, wobei von selbiger wenig zu sehen ist. Die Landschaft recht karg und uninspirierend, da hätte ich besseres erwartet. Das wird nach dem Umstieg in La Aldea de San Nicolas kaum besser. Nachmittag die Ankunft in Puerto de Mogan. Donnerstag kuriere ich mich weiter aus und bummle nur etwas durch den Ort. Zwar ist der deutlich vom Tourismus geprägt, hat aber im alten Kern Charakter und Flair. Freitag geht es mir gut genug für einen Tagesausflug. Mit dem Bus bis Mogan und als Anhalter weiter zu Los Azulejos, farbige Felsen inmitten karger Bergwelt. Zur frühen Stunde bin ich dort noch fast allein und klettere zu ausgewaschenen Gumpen rauf. Die sind derzeit leider fast wasserlos, es herrscht Trockenheit. Der Ort begeistert trotzdem, wo sieht man sonst grüne Felsen.

Puerto Mogan, ehemalges Fischerdorf und heute beliebte Urlauberdestination

Los Azulejos de Veneguera, durch Mineralien gefärbte Landschaft

Nach diesem tollen Erlebnis ist noch genug vom Tag übrig. Ich trampe einige Kilometer zurück und steige auf einsamen Pfaden in die kargen Berge hinauf. Mein Ziel, der 1.225 m hohe Montana de Tauro, ist kein richtiger Gipfel, mehr ein Hügel auf dem Hochplateau. Weit geht der Blick von da oben, in der Ferne sind sogar Teneriffa und der El Teide zu sehen, und die Temperatur ist erträglich. Am Paso de los Laderones der Abstieg direkt durch die Steilwand hinunter nach Mogan. Das war ein sehr schöner Tag voller Eindrücke. Samstag mit dem Bus weiter um Gran Canaria herum. Die Strasse windet sich erneut kurvenreich durch die zerklüftete Küstenlandschaft. In kleinen Buchten eine Bettenhochburg neben der anderen, wem’s gefällt... Eine Pause in Playa del Ingles. Die Touristenhochburg aus der Retorte interessiert mich kein bisschen, einzig die Dünen von Maspalomas sind mein Ziel. Leider besteht nirgends die Möglichkeit das Gepäck für einige Stunden abzustellen, was mir bereits in Morro Jable passiert war. Also schwer bepackt zu den immerhin sehenswerten Sanddünen. Hinterher die Fahrt ins mir bekannte El Doctoral.

Blick vom Montana de Tauro

 alte Mühle in Mogan

die Dünen von Maspalomas

Wie schon vor einer Woche sind zwei Nächte im Eden Guest House gebucht. Sonntag Morgen stehe ich relativ früh an der Straße und werde bald von einem freundlichen Paar Einheimischer ins angestrebte San Bartolome de Tirajana mitgenommen. Bei strahlend blauem Himmel starte ich vom schönen Dorf die nächste Wanderung. Trotz der bereits erreichten 900 m Höhe baut sich vor mir eine steile Felswand auf, die ich ab Cruz Grande auf spektakulären Pfaden bezwinge und so schon auf 1.600 m bin. Nun geht es gemächlicher bergan. Mittags am Ventana del Nublo, ein Felsbogen auf dem steinigen Plateau. Da geht der Blick weit übers Land, das Wahrzeichen der Insel mittendrin. Ich laufe weiter bis zur Abbruchkante des Risco del Laurel, der Roque Nublo nur noch 1 km Luftlinie entfernt. Den zu besuchen macht heute keinen Sinn, seit dem 3. Februar 2025 braucht man eine online zu buchende Reservierung, anscheinend hat der touristische Ansturm auch hier überhandgenommen. Auf dem Rückweg folge ich einem unscheinbaren Pfad und komme so unerwartet zu den schönsten Aussichtspunkten des heutigen Tages. Das nun langsam Wolken herein ziehen, stört kaum. Von San Bartolome gelingt es dann flott zurück nach Sardina zu trampen. 

San Bartolome de Tirajana

tolle Bergwelt

Ventana del Nublo

das Beste zum Schluss

Montag Mittag, Ablauf und Strecke sind bekannt, mit dem Bus nach Las Palmas und im schönen Stadtteil Vegueta das nächste Hostel ausprobieren. Auch das bekommt aus mehreren Gründen nur mittlere Noten. Immerhin sind die ruhigen Nächte da sehr erholsam. Ansonsten passiert außer voraus Planung und dem Voranbringen meiner Homepage nichts was zu Erwähnen wäre.

17. Woche vom 19. bis 25. Februar 2025
Mittwoch nehme ich den Bus in die zentrale Bergwelt von Gran Canaria. Nach dem Umstieg in Vega de San Mateo sind es von der Haltestelle Casa del Cal nur wenige hundert Meter zum Hostal La Casita. Das Gepäck abstellen, die Wandersachen anlegen und los. Auf 1.400 m Höhe werden die Wolken leider bald immer dichter und es fängt sogar an zu regnen. Kurzfristig wird der Plan geändert. Zur Straße sind es im Moment nur 900 Meter. Ein Bus kommt erst in einer Stunde, aber per Anhalter komme ich schnell und problemlos nach Tejeda. Das sind nur 15 km, aber auf der anderen Seite der Berge scheint die Sonne. Spaziergang durch historische Gassen und eine Mittagspause inmitten Scharen von Touristen, so verbringe ich meine Zeit da. Derweil wird das Wetter über den nahen Bergen besser und ich wandere am Nachmittag darüber hinweg zurück zum Hostel. Im Gegensatz zu heute Vormittag ist die Sicht super und Ausblick wie auch Wanderung sind ein Genuss. Abends essen die wenigen Gäste des kleinen Hauses zusammen am Tisch. Wir werden komplett bekocht, die Küche darf hier nur von den Besitzern benutzt werden.

in und um Tejeda

der Frühling ist längst erwacht 

Mirador Degollada Becerra

Felsformation “Mönch” 

Nach einer kühlen Nacht, 5°C sind in dieser Höhe nicht ungewöhnlich, ein leichtes Frühstück im Garten des Hauses, im weiten Umkreis übrigens das einzige Gebäude. Bei tollem Wetter die nächste Wanderung. Über La Cumbre und vorbei am leeren Presa de los Homos Stausee tauche ich 11.30 Uhr am Zugang zum Roque Nublo auf. Da stehen überraschend viele Leute mit langen Gesichtern herum. Die haben keine Reservierung und dürfen nicht weiter. Ich hatte vorgestern mein Zeitfenster problem- und kosten gebucht. Genug Leute sind dann immer noch am imposanten, 60 m hohen, Fels unterwegs, aber ohne Regulierung wäre es wohl chaotisch, auch weil die meisten mit dem Auto kommen und nur wenige Parkmöglichkeiten existieren. Der Roque Nublo steht präsent am Ende eines Felsplateaus und es ist verständlich das dieser eine spirituelle Bedeutung für die Ureinwohner hat. Nach einer Pause unterhalb des Felsens mit Blick bis hinüber nach Teneriffa wandere ich weiter zum Pico de los Nieves, mit 1.949 m als höchster Punkt Gran Canarias beworben. Direkt unterhalb von Straße, Parkplatz und Gipfel führt ein kleiner Pfad gefährlich nah am Abgrund zu grandiosen Felsformationen, wie einem Felstor, dem “Pilzfelsen” und dem Ventana de Morro. Das alles habe ich ganz für mich allein. 99,9% aller Touristen, Luftlinie nur 100 m entfernt, können das auf Grund der Perspektive von oben weder sehen noch erahnen. Für mich der geniale Abschluss eines wundervollen Tages in den Bergen der Insel. 

Roque Nublo

*Panoramablick am Roque Nublo

unterm Pico de los Nieves

La Agujereda und Ventana de Morro 

Nachdem ich am Freitag Vormittag noch die Ruhe und den Frieden rings um das Hostal La Casita genießen kann bringt mich am Nachmittag der Bus zurück nach Las Palmas. Mit dem Hello House probiere ich nun bereits mein 5. Hostel in der Stadt aus. Das Haus liegt auf jeden Fall über dem Durchschnitt. Gute Ausstattung, schöne Dachterrasse. Einzig die Nachbarschaft ist nicht so toll und man muss mittels 265 (!) Stufen den Hügel erklimmen. Das macht nicht jedem Spaß, ich verbuche es als Training ;-). Am Wochenende bei schönem Wetter einige Spaziergänge durch Las Palmas. Vor allem Sonntags bin ich erneut überrascht das so wenig Leute im alten Zentrum unterwegs sind. Selbiges trifft auf den Stadtteil San Juan zu, der Hügel mit all seinen bunten Häusern erhebt sich gleich neben dem Zentrum. Einen guten Eindruck macht er aber nur von Ferne. Aus der Nähe fällt auf das da ein großer Sanierungsbedarf besteht und die Bewohner wohl eher der ärmeren Unterschicht zuzuordnen sind.   

Las Palmas, Plaza de Cairasco

Casa de Colon

Catedral de Santa Ana

bunter Stadtteil San Juan

Montag komme ich leider erst am frühen Nachmittag zum geplanten Ausflug. Leider, weil sich nach einem sonnigen Vormittag der Himmel zuzieht. Ich besuche den etwas auswärts gelegenen Botanischen Garten, volle Bezeichnung Jardin Botanico Canario Viera y Clavijo. Der Eintritt zum 27 ha großen Gelände, eröffnet 1952, ist frei. Abenteuerlich führen Pfade an den Steilwänden des Barranco langsam zu Tale. “Unten” warten sehenswerte Themengärten mit tausenden von Pflanzen und Bäumen, echt top.

 Sicht auf den Botanischen Garten

Dienstag der nächste Tagesausflug. Für die Fahrt nach Arucas braucht der Bus etwas mehr als eine halbe Stunde. Der kleine Ort lädt durchaus zum Bummeln ein: Stadtpark, Rumdestillerie und ein kleines historisches Zentrum. Hauptattraktion ist jedoch die Parroquia de San Juan Batista. Die Kirche, keine Kathedrale wie oft behauptet/ beworben, wurde erst Anfang des 20.Jh aus grauem Aruca Basalt erbaut. Über den Hausberg Montana de Arucas, der bietet nur mäßige Aussicht, laufe ich einige Kilometer zum Meer. Wegen kräftiger Winde herrscht heftige Brandung. Die Felsenpools am Playa Los Charcos sind deswegen gesperrt. Kein Problem, die Wellen nebst zerklüfteter Küste sorgen für spektakulären Ausgleich. Immer am Wasser entlang laufe ich gen Osten, wobei jede kleine Bucht etwas bietet. Fotogene Felsformationen, Brandung, alte Salinen, Gezeitenpools, Blowholes und auch Tiere (große Krabben). Vorbei am Punta Camello zur Cueva del Guincho, wo der schmale Pfad zwischen Felswand und der 40 m tiefen Schlucht entlang führt. Da kann man auf einem halsbrecherischen Weg sogar runter bis zum Wasser. Etwas weiter eine weitere Felsbrücke mit Höhle, dann kehre ich sichtlich zufrieden mit dem Tag zur Straße und nach Las Palmas zurück.    

Arucas, Kirche San Juan Batista

tolle Küste um Punta Camello herum, mit Brandung noch sehenswerter

18. Woche vom 26. Februar bis 4. März 2025
Mittwoch erneut ans Meer. Ich steige heute ein Stück südlich von Las Palmas aus dem Bus und laufe nach San Borodon. Außer einigen Buchten mit dunklem Strand ist da ein natürlicher Pool unter einem Felsüberhang, Cueva de La Reina Mora genannt. Der soll vielfarbig sein, was mir verborgen bleibt. Drei Stunden nach der Ebbe und bei kräftiger Brandung aus der falscher Richtung steht der Küstenabschnitt praktisch unter Wasser. Weiter liegen Dörfer, Buchten und Strände am Weg. Für einen Spaziergang ist das richtig nett. Aufregend wird es am Bufadero La Garita, ein sogenannter Brandungsgeysir. Das “Loch” in den Felsen, ca. 25 m Durchmesser, füllt sich bei heftigem Wellengang schnell von unten wie oben. Die unterirdische “Entleerung” erzeugt dann so was wie einen ringförmigen Wasserfall. Das ist richtig genial anzuschauen. Hinterher will ich noch bis zum Playa Tufia, aber ein unansehnliches Industriegebiet liegt im Weg. Keine Lust auf große Umwege, da nehme ich lieber den Bus nach Las Palmas.

bei Mariscalete

 Cueva del Guincho

Playa La Garita

Bufadero La Garita

Auch am Donnerstag ein Tagesausflug. Mit dem 116er Bus, nicht mal zur Hälfte gefüllt, nach Moya. Das Dorf liegt spektakulär an der Abbruchkante des gleichnamigen Barrancos. Das sieht man am besten vom Friedhof aus, mit der Kirche Iglesia Nuestra Senora de Candelaria als vordergründiges Fotomotiv. Danach auf der kaum befahrenen Straße nach Los Tilos laufen. Am Rand des Barranco entlang macht das richtig Spaß. Bei Los Tilos existiert ein letztes kleines Stück Lorbeer Wald, doch das ist weit weniger sehenswert als das was ich auf z.B. auf Teneriffa sah. Über Moya steige ich dann in den Barranco de la Virgen hinab. Auf dessen Grund ein Bach sowie mehrere kleine Wasserfälle. An der anderen Seite der Schlucht steige ich hinauf nach Firgas, ein weiteres sehenswertes Dorf, vor allem um den Plaza San Roque herum. Neben Kirche und Rathaus eine künstlich angelegte Kaskade sowie der Paseo de Canarias, wo die Inseln der Kanaren einzeln als Reliefmodel nebst Wappen abgebildet sind. Das ist beides echt schön gemacht. Für heute war das dann genug Programm und ich kehre am Nachmittag nach Las Palmas zurück.

Barranco de Moya

Moya

in Firgas, mit dem Paseo de Canarias/Paseo de Gran Canaria

Freitag entscheide ich mich dafür die übrige Zeit im Hello House zu wohnen. Zum einen gefällt mir das Haus und zum anderen verlangt der Besitzer für diese Zeit nur noch 15 € pro Nacht, ein sehr guter Deal. Tagesausflüge stehen keine mehr auf meinem Programm und die Reise “tropft” damit langsam aus. Samstag verwöhnt uns Petrus mal wieder mit traumhaftem Wetter. Gegen Mittag laufe ich zum Parque Doramas, wo sich rund um den Park in den abgesperrten Straßen Teilnehmer am Desfile Inaugural sammeln. Der Umzug gehört zu den Hauptattraktionen des hiesigen Karnevals und läutet ein Wochenende voller Jubel, Trubel und Heiterkeit ein. Tausende von bunt und phantasievoll eingekleideten Komparsen formiert sich zu einem Zug der langsam zum Mercado Central zieht. Vorn dran einige Wagen, darauf nur jeweils EINE Person mit komplett durchgestyltem überdimensionalen Kostüm. Das sind die Karnevalsköniginnen dieser und vergangener Jahre. Dahinter viel Farbe, Phantasie und Musik, meist toll von den Gruppen präsentiert. Glück für mich das der Zug hier startet, wo es bei recht wenigen Zuschauern noch möglich ist gute Fotos/Videos zu machen. Schon einige Straßenzüge weiter stehen die Leute am Rand dicht bei dicht. Am Abend findet die Party rund um den Parque Santa Catalina ihre Fortsetzung und auch die riesige Bühne da steht immer wieder im Rampenlicht.   

Fotos vom Karnevalsumzug Desfile Inaugural, ein Fest nicht nur für die Augen

riesige Bühne für den Karneval

Sonntag soll der Karneval eigentlich so weiter gehen, aber schon Vormittag melden die Nachrichtenportale das auf Grund des Wetters die offiziellen Feierlichkeiten abgesagt werden. Im Laufe des Tages ziehen dann immer wieder Gewitterzellen über die Insel. Las Palmas wird nur relativ leicht in Mitleidenschaft gezogen, aber nur 20 km weiter wüten die Elemente zum Beispiel in Telde heftig. Da rasen Schlammlawinen durch den Ort und spülen sogar Autos über den Strand ins Meer. Es bleibt die nächsten Tage bei durchwachsenem Wetter mit einem Mix aus Sonne, Wolken und Schauern. Ich bummle noch etwas durch die Stadt und erklimme dabei unter anderem den Turm der Kathedrale für einen guten Blick über das Zentrum von Las Palmas. 

5. März 2025, letzter Tag dieser Reise
Am Mittwoch endet mein “Winter” auf den Kanaren. Der heraus gesuchte Flug startet zu einer vernünftigen Zeit und ich kann in aller Ruhe mit dem Bus zum Flughafen fahren. Dort das übliche Prozedere und ein ereignislose Rückreise nach Deutschland. 

Kurz und knapp:
Es war eine fast durchweg schöne Zeit für mich auf den Kanarischen Inseln. Ich habe mehr gesehen und erlebt als vorher zu vermuten war. Überwiegend schönes Wetter, eine abwechslungsreiche Landschaft, durchaus interessante Menschen und so manch Überraschung waren die Würze der letzten vier Monate. Schon zwischendurch kam die Frage auf welche der Inseln mir am besten gefallen hat. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, auch weil jede etwas anders bietet. La Palma ist wohl mein Favorit: tolle Vulkanlandschaft, überschaubare Touristenströme, schöne Städte/Dörfer und viel zu erleben. La Gomera zeigt ähnliches, ist aber kleiner und etwas weniger spektakulär. Teneriffa und Gran Canaria bieten viel, sind aber teilweise komplett überrannt. Die Landschaft auf Lanzarote ist zwar sehr karg, trotzdem abwechslungsreich und sehenswert. Dazu eine durchaus  gelungene Architektur und Dörfer mit Charakter. Schlusslicht in meiner groben Übersicht ist Fuerteventura. Abgesehen von den teils ellenlangen Stränden kommt kaum noch etwas. Nach nur einer Woche auf dieser Insel kam bei mir bereits Langeweile auf. 

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