Im Mai 2025 breche ich mit dem Campervan zu einem neuen Abenteuer durch Europa auf. 
finale Fassung vom 30. September 2025

1. Woche vom 13. bis 19. Mai
Am Dienstag sind alle Sachen im Camper verpackt. Los kann ich jedoch noch nicht, beim letzten Test läuft kein Wasser mehr im Bordsystem. Ein Freund hilft mir aus der Patsche und baut eine Zwischenlösung ein. Nachmittag dann endlich los. Ohne Stau komme ich bis Fulda. Kleiner Abendspaziergang durchs schöne Zentrum, dann etwas außerhalb ans Schloss Fasanerie stellen. Mittwoch ein intensiver Stadtbummel. Viele alte Gebäude, viel Barock. Das Stadtschloss beeindruckt ebenso wie das Ensemble aus Dom und Martinskirche. Ersterer pompös mit viel Prunk, letztere mit sehr einfacher, sprich spartanischer, Ausstattung.      

Fulda, Stadtschloss

Dom und Martinskirche

 am Stadtschloss

Schloss Fasanerie

 im Dom

Mittag fahre ich weiter nach Hanau und besuche eine Restaurantleiterin, mit der ich in der Schweiz zusammen gearbeitet habe. Schön sich nach langer Zeit mal wiederzusehen. Hanau an sich ist recht hübsch, vor allem das Schloss Philippsruhe. Das kann ich mir Donnerstag früh nur von außen anschauen, es öffnet erst nach meiner Weiterfahrt. Vorbei an Mainz geht es dann nach Bingen, gelegen am schönen Rhein. Auf und an dem ist ordentlich Betrieb. Viele Schiffe, deren wummernde Diesel man weit hört, sowie stark benutzte Straßen und Schienen. Etwas Ruhe finde ich oberhalb der kleinen Stadt neben der Rochuskapelle. Freitag nehme ich als Fußgänger die Fähre nach Rüdesheim. Nun, die Stadt zeigt sichtbare Spuren vom Massentourismus. Bin etwas enttäuscht und kehre bald auf die andere Rheinseite zurück. Nachmittags eine Tour mit dem Rad am Rhein entlang. Echt schön, weil man weg von der Straße einen Radweg gebaut hat. Der Fluss zeigt sich von seiner besten Seite und neben den deutlich sichtbaren Kilometersteinen, sie werden flussabwärts gezählt, stehen weiter oben auf den Felsen Burgen und Ruinen. 

Hanau, Schloss Philippsruhe

malerischer Rhein

 Burg Rheinstein

Burg Reichenstein, teils Hotel

 Ruine Burg Fürstenberg

Tags darauf folge ich gemütlich dem Rhein stromab und halte des Öfteren. Die Burg Rheinstein hat leider noch geschlossen. Zur Ruine der Burg Fürstenstein laufe ich wunderbar durch Weinberge. Gegen Mittag in Bacharach, ein sehr eindrückliches Dorf mit vielen alten Gebäuden sowie Resten von Stadtmauer und Wachtürmen. Weiter oben am Berg die dazugehörige Burg Stahleck, heute eine Jugendherberge. Weiter am Rhein entlang steht da pittoresk eine Burg mitten im Fluss, die Pfalzgrafenstein. Ein Halt in Oberwesel. Ganz nett, nur der Blick auf die Sieben Jungfrauen, Felsen im Rhein, macht wenig her. Das Programm geht weiter in Sankt Goar, wo ich mit der Fußgängerfähre übersetze. Da stehen die Burgen “Katz” und “Maus”, erstere nach dem Grafen Katzenelnbogen benannt, letztere eigentlich Sankt Peterseck. Die ganze Geschichte auf Wikipedia. Ich laufe zur Loreley. Schon am Flussufer steht eine Skulptur von ihr, was sich oben auf dem berüchtigten Felsen als neuzeitliche Darstellung wiederholt. Ein kurzer Besuch der Burg Rheinsfels, teils Ruine, teils Hotel, dann findet der aufregende Tag im ruhigen Werlau sein Ende.  

Bacharach

Pfalzgrafenstein und Gutenfels

 Burg Katz(enelnbogen)

Blickvom Loreleyfelsen

 Loreley

Der Sonntag beginnt grau und kühl, was meinen heutigen Plan verändert. Vormittag fahre ich nach Boppard. Nettes Städtchen ohne groß heraus zu stechen. Als es Nachmittag schöner wird laufe ich rauf zum Gedeonseck, von wo aus man schön auf die Rheinschleife sieht. Etwas weiter der Vierseenblick, doch man gewinnt nicht wirklich den Eindruck vier Seen statt einen Fluss zu sehen. Auf der hinteren Seite der Hügel wandere ich in die Hunsrück Berge bis zum Hubertusviadukt, wo passend gerade ein Zug darüber fährt. Nach einer wunderbar ruhigen Nacht am Waldspielplatz Mühlenthal radle ich nach Koblenz. Wieder schön am Rhein entlang geht es schnurstracks zum Deutschen Eck, was echt beeindruckt. Darüber hinaus enttäuscht mich Koblenz mit nur wenigem was sehenswert ist. So bin ich früher als geplant wieder am Camper in Rehns und fahre über die Hügel zur Mosel. 

Blick vom Gedeonseck

Koblenz, Deutsches Eck

Koblenz, Historiensäule

Cochem in morgendlicher Stille

 Cochem, Reichsburg

2. Woche vom 20. bis 26. Mai
Nach einer Nacht in Löf folge ich am Dienstag der Mosel stromauf. Am Fluss herrscht friedliche Ruhe, welch großer Unterschied zum betriebsamen Rhein. Von Klotten aus mache ich eine Radtour. Um in Form zu kommen sind Trainingskilometer nötig und die steilen Hänge der Flusstäler bieten ein gutes Gelände. Am Nachmittag fahre ich mit dem Camper nach Cochem. Schöne Stadt mit der präsenten Reichsburg. Leider aber auch ziemlich überlaufen. Ich nehme es mit Gleichmut. Immerhin kann ich direkt an der Mosel stehen und erlebe wie am Abend Ruhe einzieht, die auch am nächsten Morgen länger bestehen bleibt. Weiter dann nach Beilstein, ein sehr beschauliches Dorf wie aus dem Märchen, dazu passt auch die Burgruine. An der Mosel entlang säumen immer wieder Weinberge den Weg. Bremmer Castel ist dabei die steilste Weinlage Deutschlands (Europas?) mit krassen 72% Steigung. Von Alf aus, ja so heißt der Ort, laufe ich zum Aussichtsturm Moselschleife. Echt schöner Ausblick. Das Panorama Foto war schwierig zu machen, musste dafür um den halben Turm laufen und wollte möglichst keine Touristen im Bild haben.    

unterwegs im romantisch beschaulichen Beilstein

Bremmer Castell, echt steil

die Mosel, gleich vier Mal

Donnerstag ist es noch ein Stück bis Trier. In der Stadt brauche ich Glück und Geschick um einen raren kostenlosen Parkplatz zu ergattern. In Trier kommt man ansonsten schnell auf 15 € Parkgebühr. Gleich ums Eck steht das schöne Kurfürstliche Palais samt Garten. Der Rote Turm ist leider eingerüstet, aber es gibt genug anderes zu sehen. Ein Beispiel: die “Doppelkirche” mit dem Dom St Peter zu Trier und der Liebfrauenbasilika. Der beste Blick darauf gelingt vom Kreuzgang, der sich praktisch hinter den Kirchen befindet. Im Dom kann man lange zubringen, überall gibt es was zu bestaunen: die Orgel wie ein Raumschiff, die Krypta geheimnisvoll. Sonst ist da auch noch eine schöne Altstadt mit der Porta Nigra aus Römerzeit als Höhepunkt, sowie hier und da Hinweise auf einen berühmten Sohn der Stadt, Karl Marx. Am frühen Abend treffe ich eine ehemalige Schulkameradin, die inzwischen hier wohnt, und wir gehen gemeinsam feine spanische Tapas essen sowie dazu guten deutschen Wein trinken. 

Trier, Porta Nigra

“Doppelkirche”, Dom, Basilika

 die Orgel im Dom

Kurfürstliches Palais

 tolles Licht in der Basilika

Nach einer recht frischen Nacht treffe ich bei der Weiterfahrt bald auf die Saar. Auf der geht es noch ruhiger als auf der Mosel zu. Mein erster Halt in Saarburg. Wider Erwarten ein wirklich schöner Ort. Die Leuk fließt mittendurch und bietet sogar einen Wasserfall im Stadtzentrum. Dazu schöne Häuser und über allem thront die Ruine der Saarburg. Echt toll hier. 20 km weiter, jedenfalls wenn man den Biegungen des Flusses folgt, liegt Mettlach, Sitz von Villeroy und Boch. An einigen Fabrikhallen nagt der Zahn der Zeit, aber der Hauptsitz, gebaut in alten Tagen, beeindruckt. Der Werksverkauf fast wie eine Kunstausstellung, was man bei den Preisen auch erwarten kann. Auf dem Gelände steht auch der Alte Turm, Überrest der alten Abtei und wohl gebaut ums Jahr 990. Am Nachmittag laufe ich bis Cloef. Von da hat man den absolut fantastischen Blick auf die Saarschleife, wie er auch als Windows Screensaver benutzt wird. Der Rückweg entlang der friedlichen Saar, wo nur zwei kleine Hausboote unterwegs sind. Eins sorgt dafür das ich dann die Mettlacher Schleuse, rund 10 m Höhenunterschied, in Aktion erleben kann.  

Saarburg

bei Villeroy und Boch

 Burgfried der Saarburg

Saarschleife Cloef

 der Alte Turm

Nach einer frischen Nacht brauche ich am Samstag Morgen die Standheizung für gemütlichere Temperaturen. Das Wetter ist noch schön, später soll es sich aber eintrüben. Ein kurzer Halt in Saarlois, der sich praktisch nicht lohnt. Erwähnenswert ist nur die Kirche Sankt Ludwig. Äußerlich neugotisch, huldigt sie seit dem Umbau in den 60ger Jahren im Inneren dem Brutalismus. Ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Das Foto dazu weiter unten. Am frühen Nachmittag tauche ich an der Völklinger Hütte auf. Das ehemalige Eisenwerk wurde 1994, nach Produktionsschluss 1986, zum UNESCO Weltkulturerbe. Heute kann man die Industrieruine besichtigen, sollte aber Zeit mitbringen. Das Gelände ist riesig. Man darf fast überall hin, sprich praktisch bis tief in die “Eingeweide” oder rauf bis über die Hochöfen in schwindelerregende Höhe. Das ist toll und macht mir einen Heidenspaß. In den Werkhallen monströse Maschinen und Apparaturen, daneben wechselnde Ausstellungen, eine rundum gelungene Sache.

Völklinger Hütte, Schrägaufzug

gigantische Gebläsehalle

Hängewagen zur Bestückung

in luftiger Höhe über den Hochöfen

In der ruhigen Nacht nahe Völklingen hat sogar eine Rotte Wildschweine bei mir vorbei geschaut. Nach einigem Regen beginnt der Sonntag trüb und ich fahre weiter nach Saarbrücken. Der Stadtbummel bleibt kurz, abgesehen vom imposanten Rathaus hat sich mir von der Stadt wenig eingeprägt. Am frühen Nachmittag überquere ich die fast unsichtbare Grenze und bin nun in Frankreich unterwegs. Auf ruhigen Nebenstraßen komme ich nach Bitsch, ein Dorf in den Vogesen. Über dem Ort thront wie eine “Titanic” aus Stein die um 1740 erbaute Zitadelle. Schön da herum zu spazieren und sie aus allen möglichen Blickwinkeln zu betrachten. Die fünf kostenfreien Stellplätze gleich nebenan reichen aber bei weitem nicht. Zusammen mit 10 anderen stelle ich mich auf den großen Schotterplatz daneben. Dachte gar nicht das hier in der ”Pampa” so viele Touristen unterwegs sind.

Saarbrücken, Rathaus

Bitsch, die Zitadelle

 Saarlouis, St Ludwig Kirche

imposante Mauern und Festungsanlagen

Montag sind es dann anderthalb Stunden Fahrt bis Straßburg. Die Stadt hat was für Touristen übrig, das merkt man gleich. Um ein Verkehrschaos zu verhindern, das alte Zentrum liegt auf einer Insel, hat man einige P+R Parkplätze geschaffen. Von denen kommt man bequem mit der Straßenbahn überall hin. Der Clou: ein Tag Parken kostet 4,20 € und man kann mit dem Ticket alle Busse und Bahnen nutzen. Genial. Ich parke in Poteries und bin keine halbe Stunde später mit der modernen Straßenbahn im Zentrum. Der erste Eindruck vom Vauban Wehr ist schon mal toll. Schleusen, Kanäle, kleine Inseln und alte, wunderschöne Architektur. Das kleine Viertel Petit France trägt den Namen zurecht. Dahinter kann man schier endlos durch die Gassen stromern, wobei sich die hohe Anzahl von Touristen gut verteilt.

meine ungefähre Reiseroute in Frankreich

Als nächstes zum Liebfrauenmünster. Ein gewaltiger Bau mit enormen Ausmaßen. Einprägsam die Asymmetrie, weil nur ein Turm fertig gebaut wurde. Viel Bildhauerei, viel verspielte Eleganz. Ich mache als Extra den Gang über das Dach, rund 350 Stufen auf engen Wendeltreppen. Toller Blick über Straßburg und auf Details die einem von unten verborgen bleiben. Nach der Historie zum modernen Geschehen. Mit der Straßenbahn raus zum Europäischen Parlament. Derzeit gibt es keine Tagung, also dürfen auch “normale” Menschen nach einer intensiven Sicherheits- und Passkontrolle ins Zentrum der Macht. Die schiere Größe ist überwältigend, auch wenn der Sitzungssaal derzeit renoviert wird. Echt abgefahren da zu stehen wo Ursula & Co die Geschicke Europas leiten. Nach diesem tollen Tag in einer grandiosen Stadt finde ich später 30 km weiter in Bischofsheim meine Ruhe.  

Straßburg, vom Vauban-Wehr

das Europäische Parlament

in der Altstadt

im Zentrum der Macht

Liebfrauenmünster, was für ein Bau; die Tour über das Dach bringt ganz neue Eindrücke

da wird gerade gemalert

Europäischer Gerichtshof f. M.

3. Woche vom 27. Mai bis 2. Juni
Nun bin ich im Elsass unterwegs, welches in seiner wechselvollen Geschichte mal zu Frankreich, mal zu Deutschland gehörte. Als Erbe tragen viele Orte zwei Namen, wobei der französische meist bevorzugt benutzt wird. Elsässisch ist ein Mix aus beiden Sprachen, welche sich im Laufe der Zeit zu einer ganz eigenen entwickelt hat. Mein Besichtigungsprogramm startet in Obernai. Was ich erst später bewerten kann: das ist der (für mich!) schönste und ursprünglichste Ort im Elsass. Die Stadtmauer noch in Teilen erhalten, altes Fachwerk, das im Gegensatz zum bei uns üblichen recht farbig daher kommt, schöne Architektur und eine imposante Kirche (Peter und Paul). Klar sind da viele Touristen und Schicki-Micki, aber der Ort hat seine Identität behalten.   

Unterwegs in Obernai (Elsass), mit Stadtmauer und 

hübschen alten Häusern

Am Nachmittag weiter nach Mittelbergheim. Nettes Dorf mit viel alter Bausubstanz, aber weit weniger in Schuss gehalten wie Obernai. Hinter dem Friedhof laufe ich durch schöne Weinberge zur Ruine vom Chateau du Haut-Andlau, die recht sehenswert ist. Später ein kurzer Dorfbummel in Dambach-la-Ville und Weiterfahrt bis Chatenois. Dort ist die St.Georgs Kirche mit dem sehr alten Dorfkern interessant, vor allem weil sie eine, damals wohl nötige, Wehrmauer umgibt. Die alten Zeiten waren auch selten friedlich. Was man erstaunlich oft hört und sieht sind zahlreiche Störche, die mit viel Aufwand wieder hier angesiedelt wurden. 

Elsässer Landschaft

Chateau du Haut-Andlau

in Dambach-la-Ville

 die “Bommel” ein Storchennest

Der Mittwoch beginnt grau und regnerisch, weshalb ich erst am späten Vormittag in Selestat auftauche. In einer Regenpause schaue ich mir die größte Stadt (19.000 Einwohner) der Gegend an, deren Geschichte bis zum Karl dem Großen 775 zurück reicht und als “Erfinder” des Weihnachtsbaumes gilt. Wieder stehen da viele schöne alte Fachwerkhäuser, dazu die imposanten Kirchen St. Georg und Sainte-Foy. Echt schön. Den Abend und die Nacht verbringe ich in Bergheim, ein weiteres Beispiel der schönen Dörfer hier. Ratschlag: Vorsicht mit dem Navi. Das schickt dich schon mal durch winzige Gassen, die dann auch noch aus Mangel an sonstigen Gelegenheiten halb zugeparkt sind. Donnerstag scheint die Sonne wieder störungsfrei am Himmel und meine Tour durch das Elsass geht weiter. In Ribeauville steht der große Andrang noch bevor und ich kann recht ungestört die Gassen entlang stromern. Die schönen Gebäude können meiner Meinung nach nicht darüber hinweg täuschen das mehr oder weniger alles auf Touristen zugeschnitten wurde. Das beraubt dem Ort seine Ursprünglichkeit und ich kehre mit überraschend wenig Fotos zum Auto zurück. Mittag ein Radtour. Über Bergheim rein in den Wald und die Berge. Das Ziel: Chateau du Haut Königsbourg. Massen von Leuten, Parkplatzchaos und eine größtenteils eingerüstete Burg lassen mich aber schnell umkehren.   

Selestat

Sankt Georg und Sainte-Foy

in Ribeauville

 Tiny House ;-)

Es ist noch genug vom Tag übrig und ich setze die Tour durch die schönen Dörfer fort. Hunawihr ist klein und übersichtlich, das für mich Beste dort ist die Wehrkirche Chateau de l’Eglise, inmitten der Weinberge gelegen. Der Halt in Riquewihr, ähnlich stark beworben wie Ribeauville, fällt aus. Menschenmassen und nirgends ein freier Parkplatz, also lieber durch das nette Kientzheim bummeln. Weil das fix geht hänge ich den Spaziergang nach Kaysersberg ran. Das Dorf sticht wieder sehr positiv heraus. Viele Touristen sind schon wieder weg, so kann ich in relativer Ruhe durch die Gassen, teils entlang dem Dorfbach La Weiss, bis rauf zur Ruine Chateau de Kaysersberg stromern. Von da ergibt sich ein wunderbarer Blick auf die nähere Umgebung und das Dorf. 

Hunawihr, Chateau de l’Eglise

Kaysersberg

am Flüsschen La Weiss

wie aus dem Bilderbuch

Freitag brauche ich erst mal eine Waschmaschine. Die Campingplätze der Gegend sind übervoll, aber es gibt ja den Supermarkt Intermarche. Vor dem steht meist eine Station mit zwei Waschmaschinen und einem Trockner. Letzteren brauche ich bei dem tollen Wetter nicht, die Sachen trocknen innerhalb von drei Stunden auf der Leine. Am Nachmittag eine Radtour in die nahen Berge, genauer gesagt zum Col de Freland, nette Trainingskilometer. Nach einer Nacht in Ingersheim bin ich schon recht früh in Colmar. Die Erfahrung der letzten Tage hat mich gelehrt so dem Touristenansturm etwas aus dem Weg zu gehen. Es klappt. Herrlich mit so wenigen durch die wunderschönen Gassen zu spazieren. Die Häuser halbe Meisterwerke und manch Ensemble wie aus einer anderen Welt. Nicht umsonst trägt das Viertel Krutenau den Beinamen “Klein-Venedig”. Ich bin ehrlich begeistert, muss aber miterleben wie eine Welle von Leuten nach der anderen im Zentrum auftaucht. Ich hatte meinen Spaß und fahre zu einem Kreisverkehr außerhalb, wo zu Ehren von Bartholdi, Sohn der Stadt, eine 12 m hohe Kopie “seiner” Freiheitsstatue steht. 

Colmar zur frühen Stunde

12 m hohe Kopie

Colmar, an der Markthalle

Nachmittag parke ich in Turckheim zufällig neben dem Werksverkauf von Staub, Gusseiserne Töpfe made in France. Die halten wohl ein Leben lang, sollten sie auch bei Preisen um 250 €. Der wettermäßig bisher wunderschöne und recht heiße Tag entlädt sich dann in einigen Gewittern. In einer trockenen Phase bummle ich durch Türkheim. Das ist richtig sehenswert und muss sich vor den anderen Dörfern keinesfalls verstecken. Sonntag zum Campingplatz Beau Rivage in Gunsbach. Das lange Wochenende ist fast vorüber und ein freier Platz kein Problem. Eine Nacht kostet mich gerade Mal 11 €, campen in Frankreich kann richtig günstig sein. Bei schönem Wetter schwinge ich mich aufs Rad und erklimme hinter Münster den Col de Wettstein. Weil das gut läuft ziehe ich die Schleife über Lac Noir und Lac Blanc bis zum Col de Schlucht, schöne 60 km Runde. Montag wird das Wetter zunehmend schlechter und bald ziehen Regenschauer über das Land. Ich komme bis Ruffach und bleibe dann auch gleich dort.

unterwegs in Türkheim

 hübsches Hotel

Vogesen, Soldatenfriedhof

 in Münster

4. Woche vom 3. bis 9. Juni
Der Dienstag beginnt trüb, die Berge ringsum sehen aus wie in Watte gehüllt. Das hält mich nicht von einer Radtour ab. Hinauf auf den 1.340 m hohen Grand Ballon steigt die Straße über 16 km teils heftig an, gutes Training. Ich bleibe trocken, aber auf Grund der niedrigen Wolken kann man fast nichts von der Gegend sehen. Nachmittag ziehen Schauer durch. Ich setze mich in Hartmannswiller ins Cafe und suche intensiv nach lohnenden Zielen im französischen Jura, mein nächstes Ziel. Mittwoch bleibe es regnerisch und wechselhaft. Mittag treffe ich in Belfort ein. Erwähnenswert ist das Fort über der Stadt mit dem riesigen Löwen. Die 20 m breite und 10 m hohe Figur war die Idee von Bartholdi (Freiheitsstatue) zum Widerstand 1870 gegen deutsche Truppen. Die Nacht verbringe ich am schönen Etang des Forges See vor den Toren der Stadt. Am nächsten Vormittag sind es 90 km bis Besancon. Über der alten Stadt, deren Geschichte bereits vor den Römern begann, thront heut ein imposantes Fort. Neben einigen Museen existiert ein seltsamer Zoo. So laufen im ehemaligen Burggraben Affen und Steinböcke frei herum. Was für eine Mischung. In der sehr schönen Kathedrale ein wahres Monstrum von Uhr. Gebaut 1860 und 6 m hoch zeigt sie Datum, Zeit, Gezeiten für 8 Häfen, den Stand der Sterne und das Sonnensystem. Problem: seit 2021 läuft das Wunderwerk nicht mehr.

Die Zitadelle von Belfort mit der gigantischen Löwenskulptur

Besancon, Kathedrale Saint-Jean mit der astronomischen Uhr, die aus über 30.000 Teilen besteht

Nachmittag verlasse ich Besancon und fahre 25 km weiter zur Grotte d’Osselle. Schmale Straßen führen mitten durchs Grüne zu einem kleinen Parkplatz der fast leer ist. An der Kasse bekommt man eine Erklärung in bevorzugter Sprache mit Information zur Höhle und was es wo zu sehen gibt. Toll organisiert. 1.200 m führt der öffentlich zugängliche Weg in den Berg und es gibt wahnsinnig viel Schönes zu entdecken. Bin total überrascht, auch weil anscheinend nur wenige hier her kommen. Viele Farben, Felsformationen und klarstes Wasser in dem sich alles spiegelt. Das ist einfach super! Übernachtet wird im schönen Quingey. Freitag Morgen ein paar Regenschauer, danach bleibt es vorerst trocken. Ich radle etwas durch die Gegend, am Weg kleinste Dörfer, viel Grün und steile Felswände, typische Karstlandschaft. Die Nacht verbringe ich 10 km weiter an den Salinen Royale. 

Grotte d’Osselle, ein kaum besuchtes Kleinod

der “See der Säulen”

Landschaft bei Quingey

Sonnabend Vormittag ziehen erneut Schauer durch. Ich fahre weiter nach Arbois, erledige einige Einkäufe und bummle in einer Regenpause über den hiesigen Töpfermarkt. Nachmittag wird das Wetter besser und ich fahre nach Les Planches-pres-Arbois. Auf schlammig glitschigen Pfaden zu den Cascades des Tufs laufen. Die sind richtig schön, mitten im Grünen gelegen, und das Wasser läuft einfach überall die bemoosten Felsen herunter. Sonntag Vormittag verlasse ich das kleine Tal und fahre nach einer Pause in Arbois 15 km weiter nach Poligny, die “Hauptstadt” der Region. Na, da hätte ich mehr erwartet. Viel alter Stein, aber ohne Charme und irgendwie etwas heruntergekommen. Bemerkenswert sind die vielen Schornsteine die praktisch jedes Haus krönen. Eine kleine Radtour zu Dörfern ringsum, sowie 17 Uhr eine “Führung” durch die Maison du Comte, wo alles um den hiesigen Käse erklärt wird. Das Tageslicht reicht dann noch für eine Besteigung des Croix du Dan mit Blick über die Stadt. Am Pfingstmontag tolles Wetter. In Saint-Germain-les-Arlay steige ich vom Auto auf das Rad um. Meine Tour führt hinauf ins kleine Chateau Chalon, wo ein sehr besonderer Wein aus Savagnin gekeltert und in ungewöhnliche 62 cl Flaschen abgefüllt wird.    

Cascades des Tufs bei
Les Planches-pres-Arbois

Blick auf Poligny

zufällig gerate ich ins Oldtimer Treffen im Chateau Chalon

Nun, das Chateau Chalon macht von “unten” einen besseren Eindruck als vor Ort und aus der Nähe. Den hiesigen Vin Jaune konnte ich letztens erst in Deutschland bei einem Freund probieren, ein besonderer Wein von ganz eigener Art. Vor der Kirche treffen sich gerade ein paar Leute mit ihren Oldtimern, das ist eine richtige Show! Runter vom Felsen folge ich dem schmaler werdenden Tal bis an sein Ende hinter Baume-les-Messieurs. Da wieder das inzwischen fast übliche Parkchaos, wobei ich mit dem Rad keine Probleme habe. Zu sehen gibt es, ähnlich denen vorgestern, die Cascades des Tufs. Für einen guten Blick über das Tal radle ich noch die heftige Steigung (10%) nach Granges-sur-Baume hoch und kehre dann zum Auto zurück. Den Rest vom Tag verbringe ich  in Lons-le-Saunier. Nette Kleinstadt, aber man trifft überraschend viele abgerissene Typen bei einem Bummel durch das Zentrum. Nebenan der sehr schöne Parc des Bains, und mit dem Glanz alter Zeiten die Thermes Ledonia.   

Chateau Chalon

die hier typische Landschaft

Cascades des Tufs

Lons-le-Saunier,Thermes Ledonia

5. Woche vom 10. bis 16. Juni
Dienstag Vormittag fahre ich nach Sur Roche, praktisch an der Felskante über Baume-les-Messieurs. Toller Blick in den Canyon. Ich steige dann in den selbigen ab und gehe zu den Grottes de Baume. Die sieht man nur mit Führung. Insgesamt enttäuschen die Höhlen. Ja, sehr hohe Räume, aber eher Spalten. Kaum Felsformationen, das Wasser trüb grau/braun. Ewig lange erklärt der Guide, aber nur in französisch, und das in einer Touristenhochburg. Bin froh als die Tour zu Ende ist. Auf der D39 weiter nach Ilay und dort in die Wandersachen schlüpfen. Am Fluss Le Herisson liegt praktisch ein Wasserfall am nächsten. Meine Favoriten sind der Grand Saut und der L’Eventail. Klasse. Abgesehen davon sind trotz vorgerückter Stunde so viele Leute unterwegs das es manchmal schon nervt. Ruhe finde ich gegen Abend am Pic de l’Aigle, wo man als Wohnmobil für eine Nacht geduldet mitten in der Natur steht. Der Ausblick vom Gipfel eher mau, viel Dunst und unpassendes Licht. Das wird am nächsten Morgen besser, als ich nur wenige Kilometer weiter nach einer kurzer Wanderung am Ausblick über drei, bzw. sogar vier, Seen stehe. 

das Tal von Baume-les-Messieurs mit wunderschönem Fluss

Grottes de Baume, für mich eher eine Enttäuschung

Grand Saut

der mächtige L’Eventail

der Saut Girard

*Vier-Seen-Blick

Zwanzig Autofahrminuten weiter in Les Planches-en-Montagne wartet schon die nächste Attraktion: Gorges de la Langouette. Über 400 m hat die La Saine eine tiefe, überaus schmale, Schlucht in den Fels geschnitten. Bewundern kann man das fast nur von oben, was jedoch genug Eindruck macht. Dazu tosen nahe dem Dorf halb versteckt Wasserfälle in die Tiefe. Echt schön. In Foncine-le-Haut halte ich am Campingplatz der Kommune. Die haben schöne Wiesenplätze mit Schatten, dazu alles was ich brauche (auf externen Strom kann ich wegen dem Solarfeld verzichten) und verlangen gerade mal 6,66 € die Nacht. Da bleibe ich gern. Nach einer Maschine Wäsche laufe ich am späten Nachmittag zur Quelle der La Saine. Die sprudelt sehr kräftig unter den Steinen einer wunderschönen Schlucht hervor. Donnerstag die nächste Radtour. Zuerst entlang der Bergkette des Jura, dann biege ich in Rochejean zu einem unscheinbaren Pass ab. Ohne nennenswerten Verkehr erklimme ich die Almwiesen. Gutes Aufwärmprogramm, denn es folgt der Aufstieg zum Mont d’Or. Kurz vor dem Ziel in 1.420 m Höhe hat die Strecke eine Steigung von 20%! Das verlangt noch mal alles von mir. Oben angekommen ist es nur ein kurzer Weg zur Kante, wo die Felswand fast senkrecht 300 m abfällt. Das macht mächtig Eindruck und man kann von hier problemlos bis hinüber in die Schweiz schauen.    

an der Quelle der La Saine

die Gorges de la Langouette

Blick vom Mont d’Or

das ist mal ne Felswand

Nachdem ich nun zum ersten Mal auf dieser Reise länger als eine Nacht, nämlich zwei, an einem Ort geblieben bin, geht es am Freitag Vormittag weiter. Bin schnell in Morez, wo die Parkplatzsuche schwierig ist. Überall nur pralle Sonne, dabei werden heut schon im Schatten 33°C. Kleine Radtour auf den Col de la Savine, was bis Mittag erledigt ist. Außerhalb von Morez findet sich dann ein Waldweg, wo ich eine lange Siesta einschiebe. Am späten Nachmittag zur Via Ferrata Roche au Dade. Fast drei Jahre sind seit meiner letzten Klettertour vergangen, was ich heute schnell merke. Zu Beginn stehen vier Brücken unterschiedlicher Schwierigkeit zur Wahl, später sind Überhänge zu meistern. Spaß macht es trotzdem, und die Aussicht tut ihr Übriges. Für die notwendige Abkühlung nach diesem Tag sorgt ein “Pool” im La Bienne Fluss. Das Wasser hat keine 10°C, da bahnen sich schon bald mögliche Krämpfe an. Nach einer ruhigen Nacht der nächste frühe Start um der Hitze zu trotzen. Kurz vor Saint-Claude parke ich und drehe eine Runde mit dem Rad. Leichte Steigung hinauf nach Cinquetral. Nicht aufregend, was auch mal gut tut. 

Morez

Klettersteig: Brückenvielfalt

“mein” eiskalter Pool

unterwegs gesehen

Von meinem Parkplatz ist es nur ein kurzer Weg zur Cascade de Combes. Ein wahres Kleinod, noch dazu mitten in einem von Flechten überzogenen Wald, fast wie im Märchen. Auch heute mache ich ausgedehnt Siesta und wandere erst gegen vier los. Ziel ist die Schlucht vom Fluss Le Flumen, kurz hinter L’Essard. Ganz schön anstrengend, aber es lohnt sich. Da warten gleich zwei sehenswerte Wasserfälle. Der eine recht mächtig, bei dem anderen drückt es das Wasser praktisch direkt aus den Felsen heraus. Echt Klasse. Ich wandere weiter, aber der nächste Wasserfall und ein Aussichtspunkt sind wenig sehenswert. Zurück geht es per Anhalter. Schon das erste Auto nimmt mich mit: ein Rumäne im dicken Audi, der vor 16 Jahren ausgewandert ist. Nach dem Abend an einem kleinen Fluss, dem Le Grosdar, in dem ich mich auch abkühlen kann, eine ruhige Nacht in L’Essard.   

Cascade de Combes, drumherum Märchenwald

das Tal und die Fälle vom Le Flumen

Sonntag weiter in Richtung Süden. Vor Valserhone biege ich am Bergdorf Montanges ab. Kleine Wanderung durch Wiesen und Wald zum Pont des Pierres, eine wilde Schlucht über die sich eine Brücke spannt. Durch nahe Klippen führt ein schwieriger Pfad an den Wasserfall Cascade de la Sandezanne. Sehr schön, aber irgendwann ist auch gut mit Wasserfall Fotos ;-). In schwüler Mittagshitze ein Gewitter, danach erträglichere Temperaturen. Nachmittag wandere ich in Valserhone am La Valserine entlang. Der Fluss hat wunderbare und gänzlich unterschiedliche Abschnitte in seiner Schlucht geschaffen. Am wildesten die Pertes de la Valserine, mit rund ausgewaschenen Kalksteintöpfen. Weiter flussabwärts ein Wasserfall, Ruinen von Industrieanlagen und auch nur ganz einfache Idylle. Bin hin und weg davon. Leute sieht man nur selten, was wohl auch daran liegen kann das ein Teil eigentlich wegen unsicherer Wege für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Gefährlich war es nie, meist nur berauschend schön.  

Pont des Pierres

Valserhone, am La Valserine

so unterschiedlich kann ein Fluss auf kurzer Strecke sein

Montag schnappe ich mir die Klettersachen und fahre mit dem Rad 10 km an der Rhone flussauf an das Fort l’Ecluse, gebaut im 18./19. Jh. Die zweigeteilte Festungsanlage verbindet ein Wanderweg - oder aber direkt über die Felswand ein Klettersteig ;-). Den lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Der Schwierigkeitsgrad hält sich bis auf wenige Stellen in Grenzen und der Blick auf die Gegend nebst Rhone ist einfach nur schön. Am Nachmittag fahre ich mit dem Camper 30 km bis Serrieres-en-Chautagne. Im Dorf ein offizieller Stellplatz, doch der ist mit 11 eng parkenden Wohnmobilen schon übervoll. Da lobe ich mir doch den “kleinen” Campervan und parke etwas weiter unter Bäumen, was auch nachts niemanden stört. Den Rest vom Tag am Badeteich liegen.

6. Woche vom 17. bis 23. Juni
Am Dienstag sind es nur wenige Kilometer bis Culoz. Schon bei der Anfahrt zeigt sich sehr präsent der Col du Grand Colombier. Den Klassiker der Tour de France will ich heute per Rad bezwingen. Das bedeutet auf 18 km 1.300 m Höhendifferenz, macht im Schnitt knapp 8 % Steigung, mit 14 % in der Spitze. Kein leichtes Unterfangen, aber wie im Nachhinein festzustellen ist: ein mögliches, wie das Foto beweist. Die Sicht ist heute übrigens gut genug, so das man den 90 km entfernten Mont Blanc sieht.  

Klettersteig am Fort l’Ecluse

 Blick auf die Rhone

glücklicher Bergbezwinger

Blick vom Grand Colombier

Am Nachmittag trotz Hitze ein schöner Stadtbummel in Culoz. Gegen Abend im örtlichen Badeteich abkühlen und dann zu einer Empfehlung auf Park4Night fahren, Treffer: eine für Wohnmobile wohl zu schmale Straße führt zum Ufer der Rhone. Da kann ich ungestört die Nacht verbringen. Gleich dort ein kleiner Teich nebst steiler Felswand, das lädt zum Spazieren und Fotografieren ein, abends wie morgens. Mittwoch werden 35°C im Schatten. Ich fahre schon Vormittag zum Campingplatz Peupliers du Lac in Chindrieux, wo ich im Schatten der Bäume campieren kann. Trotz Hitze eine kurze Radtour rauf auf den Col du Sapenay, zum größten Teil im Schatten des Waldes. Donnerstag ein früher Start. Ich fahre am See entlang, parke in Brison und schlüpfe in die Wanderschuhe. Gut bergan ist mein Ziel der Col de la Chambotte, von dessen Klippen man einen wundervollen Blick auf den türkisfarbenen Lac du Bourget hat, den größten natürlichen See des Landes der komplett in Frankreich liegt. Den Nachmittag verbringe ich dann in Aix-le-Bains am klaren See und übernachte schließlich an seinem südlichen Ende in Le Bourget-du-Lac.  

stiller Morgen an der Rhone

*Lac du Bourget

der See: klar und kühl

in Chambery

Freitag wartet mit dem Mont du Chat der nächste harte Brocken, bezogen auf das Rad fahren. Die Straße zum 1.486 m hohen Pass steigt im Schnitt 10 % an, was bei der Wärme nicht wirklich Spaß macht. Nach 85 Minuten und 1.254 Höhenmetern kann ich auch daran einen Haken machen. Der Rest des Tages, wenn wundert’s, wird am See verbracht. Am nächsten Morgen mehr zur Entspannung auf den Col du Chat radeln, nicht zu verwechseln mit dem gestrigen Mont du Chat. Gegen Mittag durchkämme ich einige Läden, auch auf der Suche nach Wander- und Sportsachen. Gegen zwei in Chambery. Hitzetechnisch gesehen keine gute Zeit für einen Stadtbummel, das Zentrum wirkt auch teils wie ausgestorben. Egal, der Plan wird durchgezogen. Kurios ist der Elefantenbrunnen, den man eher in Indien vermuten würde. Ansonsten viele schmale Gassen und Durchgänge, meist eher unheimlich als anheimelnd, dunkel, ohne Farbe und mit viel kaltem Stein. Der Besuch bleibt kurz, gebe Gas und bin 16 Uhr an den Grotten von Saint-Christoph. Die Führung in französisch, immerhin gibt es ein ausgedrucktes Pamphlet in deutsch für mich. Die zwei Höhlen sehr unterschiedlich, das spannende die Geschichte ringsum, bereits geprägt von den Römern. Die bauten den schwierigen Weg durch die Steilwand als Straße aus, Teil der Verbindung von Lyon nach Turin. Bewundern kann man das am Ausgang der zweiten Höhle bzw. vom Ort Saint-Christophe aus, hinter dem die Felswand schier unbezwingbar empor ragt.

Chambery, Elefantenbrunnen, Leere, Lichtspiel, ein Farbtupfer

Grotten Saint-Christophe, tolle Höhlen, spektakulärer Ausgang

Nach der wenig erholsamen Nacht, es war zu warm, parke ich Sonntag in der engen Schlucht neben den Grotten und mache eine Radtour durch schöne Landschaft zum Col de la Cluse. Bevor es heiß wird bin ich zurück und spaziere am Nachmittag bei Saint-Christophe. Senkrechte Felswände, eine tiefe Schlucht mit alter Brücke von den Römern und Baden im kalten Le Guiers Vif, früher ein wichtiger Grenzfluss, sind die Eckpunkte davon. Der Montag beginnt mit einer Pechsträhne. Reifen am Rennrad platt, beim Lieblings Radtrikot der Reißverschluss gebrochen (erst letztes Jahr neu machen lassen) und weitere Kleinigkeiten. Angefressen am Vormittag aufs Rad. Die Strecke führt durch eine lange Schlucht nach Saint-Pierre-d’Entremont. Ist nur mäßig interessant und der graue Himmel lässt mich bald umkehren. Gutes Bauchgefühl, es fängt bald an zu regnen. Kühler wird es so nicht, nur schwüler. Ein Bad im kalten Fluss hilft. Später fahre ich über Les Echelles nach Saint-Laurent-du-Pont. Nette Stadt mit der Kapelle Notre-Dame hoch auf einem Hügel und dem sehr guten Parkplatz neben der Kirche. Schatten, Wasser und WC. 

alte Straße

imposante Landschaft bei Saint-Christophe

senkrechte Wände, Römerbrücke

Saint-Laurent-du-Pont

Schlucht Le Guiers Mort

7. Woche vom 24. bis 30. Juni
Dienstag stehe ich zeitig auf und sitze 8 Uhr schon auf dem Rad um der Hitze zu entgehen. Schön durch die Schlucht Le Guiers Mort zieht sich die Strecke bis Saint-Pierre-de-Chartreuse, wo ich wende. Kaum zurück wird der Col de la Placette in Angriff genommen, ein eher leichter Berg. Nachmittag fahre ich 70 km weiter nach Hauterives. Die Orte unterwegs wenig ansehnlich, da erledige ich nur einige Einkäufe. Mittwoch bin ich unter den ersten 20 Leuten am Palais Ideal. Im 19. Jh. hat ein Postbote in 33 Jahren mit viel Fantasie und dem was er auf Postkarten sah, ganz allein einen “Palast” erbaut, eine unglaubliche Leistung. Der Ort füllt sich zusehend mit Touristen, gut das ich früh dran war. In der Hitze des Tages fahre ich dann weiter in Richtung Westen und überquere bei Andance die nun schon sichtlich größere Rhone. Dahinter beginnt bald das Zentralmassiv, wo meine erste Station der Ort Bourg-Argental ist. Auf dem einfachen, aber schönen, Campingplatz kann ich tief im Schatten stehen, was die 35 °C etwas erträglicher macht. Waschmaschine und WLAN sind für den Rest des Tages die an sich wichtigen Sachen.

Hauterives, Palais Ideal, was doch ein Mann allein mit viel Willen alles erschaffen kann

Bourg-Argental

typische Häuser in der Gegend

Tags darauf hat Petrus ein Einsehen, es ist wolkig und das Thermometer schafft es “nur” auf 24°C. Auch heute setze ich mich auf das Rad. Der 1.362 m hohe Cret de l’OEillon gehört zu den höchsten Gipfeln in der Gegend und bei schönem Wetter kann man sogar die Alpen und den Mont Blanc sehen. Nun, Fernsicht ist heute keine, womit ich aber leben kann. Zum Austrudeln die Steigung nach Burdignes, ein weiteres schönes Dorf. Freitag früh eine kleine Radtour auf den Croix de Chaubouret, dann fahre ich mit dem Camper weiter. Vorbei an Yssingeaux steigt die Straße langsam bis Le Pertuis an, immerhin 1.100 m hoch gelegen. Angenehm da im Wald zu stehen. Als die Sonne nachlässt eine Klettertour am Puy des Juscles. Die Via Ferrata zieht sich durch einer schmale Schlucht, das macht richtig Spaß. Zwischendurch ein paar Brücken verschiedener Bauweise. Zum Abschluss eine Höhle durchsteigen und sie mittels senkrechten Kamin verlassen. Das war super und mal ein komplett anderes Klettererlebnis.   

Via Ferrata Puy des Juscles

auf, auf

durch diese Hohle Gasse...

Aussicht gab es auch

 coole Höhlenkletterei

Sonnabend breche ich früh auf und bin schon bald in Le-Puy-en-Velay. Bekannt für grüne Linsen, mit AOC Titel, und vor Jahren groß in der Produktion von Spitze, grüßen mich schon von weitem die sogenannten Puy, Reste uralter Vulkanschlote. In den schmalen Gassen der Altstadt parken und ein Besichtigungsprogramm starten. Auf dem Rocher Corneille steht weithin sichtbar die rosa angemalte Statue Notre-Dame de la France, gegossen aus erbeuteten Kanonen vom Krimkrieg. Man kann in der 16 m hohen Statue bis in die Krone hoch steigen, tolle Sache. Nebenan, auch mit steilen Treppen zu erklimmen, Rocher Saint-Michel mit gleichnamiger Kirche. Im gekauften Kombiticket ist auch die sehenswerte Kathedrale nebst Kloster inbegriffen. Die Stadt an sich macht recht wenig Eindruck, da fehlt das gewisse Extra. Am Nachmittag, es ist wieder heiß, der Rückzug ins gute Museum Crozatier mit recht unterschiedlichen Ausstellungen. Abends entfliehe ich dem Trubel der Touristenhochburg ins nahe Polignac.

Rocher St-Michel

Notre-Dame de la France

Kathedrale und Kloster

Le-Puy-en-Velay, Tradition in der Herstellung von Spitze und eine lange Geschichte, bis zu den Römern nachvollziehbar

Mein Sonntag beginnt mit der Besichtigung von Ort und Ruine Polignac. Auf dem Felsen errichtet und praktisch uneinnehmbar, war die Festung ganze 1.000 Jahre im Besitz der Familie. Die übrigens hatte Verbindung bis hin zu Marie Antoinette und ist der Grundstein des Hauses Grimaldi (Fürstentum Monaco). Auch wenn kaum noch Gebäude stehen macht die Anlage Eindruck. 129 Stufen sind es bis rauf zu den Zinnen des Burgturmes und ganze 83 m tief ist einer der Brunnen. Mittag fahre ich weiter durch das Zentralmassiv. Schmale Straßen, kaum Verkehr. Unterwegs am Chateau de la Rochelambert halten, eine Burg wie aus dem Bilderbuch. Führungen werden leider erst später am Tag angeboten. Am frühen Nachmittag erreiche ich La Chaise Dieu (Stuhl Gottes). Das ursprüngliche Kloster dort wurde im 11. Jh. gegründet und im 14. Jh. groß aufgebaut, maßgeblich auf Betreiben von Papst Clemens VI. der dort auch begraben ist. Rundgang mit Hightech Ausrüstung, der Audioguide in deutsch. Der Besuch hinterlässt einen tiefen Eindruck, egal ob das Kloster an sich, die Kirche mit 144 Chorsitzen, die großen alten Wandteppiche oder, oder, oder. Einzig der Danse Macabre (Totentanz) erfüllt nicht die Erwartung, die Wandmalerei aus dem 15. Jh. ist nur als grobe Skizze erhalten. Nach viel Programm endet mein Wochenende in Vernet-la-Varenne mit Badesee und Sonnenuntergang.   

Polignac, der Ort wie auch die genial gebaute Festung

Kirche Saint-Robert

Polignac, 83 m tiefer Brunnen

Kloster La Chaise-Dieu

Chateau Rochelambert/Montfort

Feierabend

Chor mit 144 Sitzen und Grab

große Wandteppiche, 16. Jh.

Montag komme ich ab Issoire wieder in stark bewohntes Gebiet. Einkaufen, Vorräte auffüllen und auf der mautfreien A75 weiter nach Clermont-Ferrand, die “Hauptstadt” des Zentralmassivs. Auch heute sind heiße 35°C, doch nach der Stadt will ich hinauf in die Berge, wo es kühler sein sollte. Der Bummel durch die Straßen und Gassen ist eher ernüchternd, da bieten andere Städte mehr. Immerhin sticht die gotische Kathedrale aus dunkelgrauem Vulkanstein hervor. Von außen mächtig und beeindruckend, durchaus filmreif, im Inneren zaubern die extrem hohen Bleiglasfenster Lichtspiele hervor und bilden hunderte von Bibelstellen ab. Auf dem Place de Jaude eine Statue von Vercingetorix, der Gallier dem es wirklich fast gelang Caesar zu besiegen. Früh am Nachmittag quäle ich mich durch Baustellen und über viele rote Ampeln raus aus der Stadt. Bergauf campiere ich hinter Orcines auf immerhin 900 m Höhe im Grünen. Auch da ist es derzeit noch sehr warm, kühlt aber nach Sonnenuntergang spürbar ab. 

Clermont-Ferrand, die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Assomption

Blick vom Puy de Dome auf die alten Vulkankrater der Gegend

 Vercingetorix, gallischer Held

8. Woche vom 1. bis 7. Juli
Dienstag Morgen rolle ich mit dem Rad hinunter nach Clermont-Ferrand um den bekannten Puy de Dome komplett zu erklimmen. Ganz ehrlich? Eine rechte Quälerei bei der Hitze. 3 km vor dem Ziel eine Schranke: Verbot für alle Fahrzeuge, auch Fahrräder, was videoüberwacht wird :-(. Also Plan B, sprich ich nehme den nahen Col de Ceyssat in Angriff. Zurück von da erst mal eine lange Mittagspause, dann mit dem Auto zum Col de Ceyssat. Von der Passhöhe führt ein steiler Pfad, früher für Maultiere, zum Puy de Dome. Vom 1.464 m hohen Vulkan hat man eine tolle Aussicht auf die vielen Krater ringsum, die zwischen 100.000 und 1.000.000 Jahre alt sind. Von hier starten auch gerade zahlreiche Paraglider. Mittwoch geht es 25 km weiter nach Orcival, ein kleines verschlafenes Dorf. Auch heute ein Radtour. Schöne Strecke rauf zum Lac de Guery, der mich kaum reizt. Besser ist die Gap Guery, praktisch ein uralter Vulkan von dem nur noch zwei Seiten stehen. Da klettere ich später am Tag auf dem östlichen Teil, dem Roche Sanadoire, herum. Nachts ziehen Gewitter durch, sogar mit Hagel, es bleibt aber im Rahmen. Am nächsten Tag deswegen dicker Nebel, der sich nur langsam auflöst. Zum nächsten Ziel, Mont Dore, sind es 10 km. Rad fahren ist heute, bei bedecktem Himmel und 19°C, direkt angenehm. Die Tour zum Banne d’Ordanche und Col de la Croix-Morand eher Entspannung. Abends wird es sonnig und ich spaziere in Mont Dore zum schönen Wasserfall Cascade Grande. Freitag ist wie versprochen das schöne Wetter zurück. Mein Tag mit richtig Kaliber. Von Mont Dore zu Fuß über den Pic du Capucin und Col de Courre auf den höchsten Gipfel im Zentralmassiv, den Puy de Sancy (1.885 m). Die Berge wieder Vulkane, ähnlich alt wie die weiter nördlich. Ganz oben wird die Wanderung spektakulär: zerklüftete Passagen und tolle Ausblicke. Steil führt eine außergewöhnliche Treppe die letzten Meter bis zum höchsten Punkt, wo heftige Winde wehen.

Gap Guery

der Gipfel des Puy de Sancy

das Ziel noch weit weg, aber fest im Blick

Cascade Grande

spannend

Freitag Nachmittag spaziere ich auf der Weiterfahrt noch zu drei kleineren Wasserfällen, bevor es über den Col de la Croix Morand zum Lac Chambon geht. Etwas abseits vom Trubel ein kleiner, sehr ruhiger, Parkplatz, von dem es nur 300 m bis zum Wasser sind. Dort klingt dann auch mein Tag so langsam aus.

das Ziel rückt näher

*Panorama vom Puy de Sancy

Sonnabend, das Wetter auch heute schön und warm, mit dem Rad zum Col de la Croix Saint-Robert und danach weiter ins Tal Chaudefour, die Berge/Vulkane dabei immer im Blick. Der Nachmittag dann zur Entspannung am Strand vom Lac Chambon. Am Sonntag dreht das Wetter und stürmischer Wind bringt Wolken und Schauer. Auch heute liegt mein nächstes Ziel, Besse keine 15 km entfernt. Das Dorf mit viel (ur)alter Bausubstanz. Sieht gut aus, allerdings fraglich wie es mit der Isolierung aussieht, die Winter hier sind durchaus kalt und schneereich. Gastronomisch eher eine Touristenfalle, da gibt es mehr Pizza und Burger als alles andere. Montag ist großer Markt in Besse, der gesamte Dorfkern für den Verkehr gesperrt. Das Schauspiel nehme ich noch mit, kaufe einiges ein und fahre dann einige Kilometer weiter zum Lac Pavin, ein Kratersee. An seinen steilen Flanken kann man schön wandern, der Wald ist genau so be- wie verzaubernd und steht im starken Kontrast zur umgebenden Landschaft. Trotz dunkler Wolken bekomme ich keinen der zahlreichen Schauer ab und kann später einen ruhigen Abend im Dorf Condat erleben.

altertümliches Besse

Kratersee Lac Pavin, ringsum eigentümlicher Wald

offener Horizont

9. Woche vom 8. bis 14. Juli
Dienstag weiter auf kurvenreicher Strecke nach Süden, wo ich kurz vor Murat zum Chastel-sur-Murat abbiege. Auf felsigem Hügel steht da pittoresk eine kleine Kirche/Kapelle. Zur frei zugänglichen Glocke führt eine uralte Steintreppe, die gleichzeitig für einen schönen Rundumblick sorgt. 1 km weiter der nächste Vulkanschlot: Rocher de Bonnevie, mit Statue der Notre-Dame de Haute-Auvergne geschmückt. Zu Füßen breitet sich schon mein nächstes Ziel aus: Murat, keine 2.000 Einwohner. Im Gewirr der schmalen Gassen stehen alte Häuser mit viel Geschichte, schön anzusehen. Fast nebenbei am Nachmittag eine Einheit mit dem Rad zum Col de Prat-de-Bouc, als Einstimmung auf morgen. Die Nächte derzeit übrigens erholsam frisch, meist um 12 °C.   

Blick vom Rocher Bonnevie

am und auf dem Chastel-sur-Murat

Murat

das Rathaus von Murat

Nach einem frischen Morgen steige ich Mittwoch auf das Rad. Gut bergan bezwinge ich den Col d’Entremont und biege danach auf die D680 ab. Hinter Dienne mit seiner schönen romanischen Kirche aus dem 12. Jh. folgt der Col de Serre sowie der Pas de Peyrol. Dort stelle ich das Rad ab und erklimme auf steilen Pfaden/Treppen den Puy Mary, mit 1.783 m der zweithöchste Gipfel, besser gesagt Vulkan, der Monts du Cantal. Diese Vulkane sind mit rund 3.000.000 Jahren die ältesten im Zentralmassiv und in der Form nur schwer als solche zu erkennen. An einem so herrlichen Tag wie heute ist das egal und ich genieße wie so viele andere die tolle Aussicht. Zurück von der Tour fackle ich nicht lange und fahre mit dem Camper weiter. In Saint-Flour Vorräte auffüllen und auf der mautfreien A75 weiter in südliche Richtung. Ein Halt am Garabit-Viadukt, das Ende des 19. Jh. von Eiffel geplant wurde und 25 Jahre lang die höchste Eisenbahnbrücke der Welt war. Mit solch Prestigeobjekten im Rücken durfte Eiffel dann übrigens seinen berühmten Turm für die Weltausstellung 1889 in Paris bauen. Campiert wird heute in Aumon-Aubrac.   

das Ziel, der Puy Mary, im Blick

mitten in den Bergen

Blick vom 1.783 m hohen Gipfel

das Garabit Viadukt

Donnerstag Vormittag fahre ich auf der D50 weiter gen Süden. Das Gebiet gehört zur Hochebene von Lozere, im Schnitt um die 1.000 m hoch. In der Karstlandschaft hält sich wenig Wasser, deshalb nur spärlicher Bewuchs, kaum Dörfer und Landwirtschaft im Kleinen. Tief eingeschnittene Flusstäler durchbrechen spektakulär diese Eintönigkeit. Ich halte in Mende, eine Stadt die sich durchaus sehen lassen kann. Nach dem Stadtbummel eine Runde mit dem Rad, beides sehr entspannt. Am nächsten Morgen sind es kurvenreiche 35 km bis Florac (Trois Rivieres). Bei tollem Wetter aufs Rad und durch die Schlucht vom Tarn Fluss nach Le Pont-de-Montvert und weiter bergan zum Col de Finiels. Schöne Strecke mit Minidörfern und Ausblicken. Florac ist ebenso einen Bummel wert, viel alte Bausubstanz und über allem thronen Felsen, die mit etwas Fantasie wie eine Burg aussehen.  

Le Pont-de-Montvert

in Florac

über Florac

Kirche, Chateau, Burg in einem

Freitag früh sitze ich schon halb neun auf dem Rad. Hinter Florac schwingt sich die Straße auf nur 6 km 450 Höhenmeter nach oben. Gutes Training. Danach folge ich mit dem Camper dem Fluss 20 km durch die Schlucht bis Montbrun. Das Dorf wie aus dem Geschichtsbuch. Kein Laden, kein Cafe/Restaurant und fast alle müssen ihr Auto aus Mangel an Möglichkeiten außen vor parken. Immerhin wohnen hier noch genug Leute und die Häuser sehen gut unterhalten aus. Kaum Touristen, die stürzen sich auf andere Orte. Nachmittags mit dem Rad ins nahe Castelbouc. Wow, das ist noch kleiner, doch genau neben dem Fluss, mit Burgruine auf dem Felsen und uriger Architektur einfach nur wunderschön. Den traumhaft friedlichen Abend verbringe ich dann in Montbrun. Ohne die Sprachbarriere wäre es bestimmt noch zu manch Parkbank Gespräch mit Einheimischen gekommen.   

Castelbouc

Impressionen aus Castelbouc

Montbrun

Derzeit folgt ein schöner Tag auf den anderen, nicht nur wettertechnisch. Der Sonntag setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Schon früh bin ich auf der Straße und fahre nach Sainte-Enimie, das zu den “plus beaux villages de France” (schönste Dörfer Frankreichs) gehört. Um die Zeit ist wenig los und ich kann problemlos parken. Gleich aufs Rad, der Dorfbummel kann warten. Durch die Schlucht des Tarn nach Westen. Erster Halt im Weiler Saint-Chely-du-Tarn. Unter steilen Felswänden kauern herzige Häuschen und eine Kapelle. Zum Fluss ergießt sich ein kleiner Wasserfall, unter dem Boote entlang paddeln. Auf dem Fluss ist übrigens viel los, fast mehr als auf der Straße. Von friedlicher Paddelei im Kanu/Kajak kann da keine Rede sein. Weiter durch die spektakuläre Schlucht. Am Le Pas de Soucy ein toller Aussichtspunkt vom steilen Felsen, der mittendrin steht. In Les Vignes biege ich ab und erklimme auf engen Serpentinen die Hochebene. Bei Le Mas Rouch der Le Point Sublime, wo man weit und tief in die Schlucht schaut, so spektakulär. Steil bergab nach La Malene, womit ich wieder in der Schlucht bin. Gegenüber steil im Zickzack zur Kapelle Notre-Dame de la Malene mit tollem Blick auf das Dorf. Zurück zum Auto halte ich am Chateau de la Caze, umgebaut zu einem Hotel. Das an sich war schon eine tolle 65 km Runde. In Sainte-Enimie ist inzwischen der Teufel los, wahre Menschenmassen drängen sich durch die Gassen und am/im Fluss. Der ist übrigens angenehm erfrischend und mein Auto parkt nur 10 m daneben. Nach einem schönen Spaziergang bis rauf zur Ermitage fällt die Entscheidung dem Trubel zu entfliehen. Die D986 bringt mich aus der Schlucht, am Belvedere du Saltadou ein letzter Blick zurück: was für eine grandiose Landschaft.  

in der Schlucht des Tarn

La Malene

Sainte-Enimie

Blick in die Schlucht

 Saint-Chely-du-Tarn

Chateau de la Caze

Sainte-Enimie

*Panorama der Schlucht

 abenteuerliche Straßen

Belvedere du Saltadou

1897 war es, als Einheimische den (Höhlen) Forscher Armand zu einem verwachsenen Loch brachten, das wohl schon Vieh und Wanderer “verschlungen” hätte. Zusammen mit dem Kollegen Martel seilte sich Armand 80 m in den tiefen Schlund ab und fand eine fantastische Höhle. Später wurde ein 200 m langer Stollen als Zugang gegraben, 1963 durch eine Standseilbahn ergänzt, um den Besuchern 360 Stufen zu ersparen. Weil ich direkt daneben übernachte, bin ich Montag Morgen bei der ersten Tour in die Höhle Aven Armand dabei. Die führt “nur” durch den großen Saal, aber mehr ist auch nicht nötig. Ca. 45 m hoch, 60 m breit und 110 m lang beherbergt er die weltweit größte Dichte an Stalagmiten. Die sind bis zu 30 m hoch und bilden einen wahren Wald. Weil die Wassertropfen wegen der hohen Decke mit Wucht “aufschlagen” sind die Stalagmiten nicht einfach nur glatte Säulen oder Pfeiler, sondern von der Natur speziell gefertigte Einzelstücke. So etwas habe ich noch nicht annähernd irgendwo auf dieser Welt gesehen. Von tollen Lichteffekten begleitet führt unser Weg mitten durch die “vergessene” Welt die aus einem Jules Verne Roman stammen könnte. Zugegeben: nach dem Besuch brauche ich eine Weile um das Gesehene zu verarbeiten.   

die Fotos aus der Höhle Aven Armand brauchen wohl keine größere Erklärung

Am besten gelingt dies bei einer Wanderung. Ich starte mittags und steige auf wenig begangenen Pfaden in die Schlucht des Flusses La Jonte ab und gegenüber wieder steil zum Plateau auf. Das Ziel, auch wenn es nach “Aven Armand” ungewöhnlich ist, die Grotte de Dargilan. Ich habe Glück, gleich nach meiner Ankunft startet eine englischsprachige Tour. Wir sind nur sechs Leute, sehr angenehm im Vergleich zu den viel größeren Franzosengruppen. Die Höhle besteht aus mehreren Abschnitten und bietet so einiges: stille Teiche mit klarstem Wasser, Felsstürze, abgebrochene Stalaktiten enormer Größe und vor allem: Farbe. Sie wird auch als “Rosa Höhle” bezeichnet, weil viel Eisenoxid die Formationen färbt. Am eindrucksvollsten ist eine riesige Wand voller Draperien, ca. 15 m hoch und fast 100 m lang. Verständlich das mich auch dieses Erlebnis tief berührt. Nach so vielen Eindrücken an nur einem Tag campiere ich gern eine weitere Nacht neben Aven Armand. Es ist über alle Maßen friedlich hier, der nächste Ort wenigstens 10 km entfernt und nachts zeigt sich ohne Lichtverschmutzung ein Sternenhimmel der Extraklasse.

in der Schlucht La Jonte

Grotte de Dargilan

riesige Wand voller Draperien

10 m Stalagmit “die Kirche”

Einsiedelei in der Schluchtwand

10. Woche vom 15. bis 21. Juli
Dienstag fahre ich über die Lozere Hochebene, wobei das Morgenlicht eine wunderbare Stimmung erzeugt. Dann bergab in das Dorf Meyruis, wobei es sogar regnet. Kleiner Dorfbummel und die Schauer abwarten, am Nachmittag wird es wieder schön. Mit dem Rad erklimme ich zuerst den Col de Perjuret und danach den 1.565 m hohen Mont Aigoual. Nette Tour, schöne Ausblicke. Mittwoch strahlt die Sonne wieder ungestört vom Himmel und es werden 30°C. Ich folge in der Schlucht dem Fluss La Jonte. Bei Les Douzes eine kurze Wanderung rauf zum Roc Saint-Gervais mit seiner kleinen Kapelle. Die macht einen sehr heimeligen Eindruck und die Aussicht das Tal entlang ist bombastisch. 5 km weiter erneut parken, wo ein halsbrecherisch steiler Pfad rauf zur Felskante führt. An der geht es abenteuerlich immer nah am Abgrund entlang, was den besten Blick auf Felstürme, -nadeln und -formationen garantiert. Die bekanntesten sind Le Vase de Chine und Vase de Sevres. Mir macht das einen Heiden Spaß, auch wenn das Stehen auf dem Balcon du Vertige schon ein veritables Magenkribbeln erzeugt. Am Nachmittag treffe ich dann in Le Rozier ein. Verstopfte Straßen, es ist Markttag. Gut das ich eh auf den Campingplatz will. Der ist noch recht günstig, hat genügend freie Plätze und die sogar mit ordentlich Schatten, was bei den derzeitigen Temperaturen von großem Vorteil ist.   

Lozere Hochebene am Morgen

*Panorama Roc Saint-Gervais

Balcon du Vertige, Le Vase de Chine, Vase de Sevres

Donnerstag klingelt der Wecker sehr früh. Somit kann ich die einzige Waschmaschine des Campingplatzes ohne Warterei nutzen und recht früh auf den Rocher de Capluc, einen Felsen über dem Dorf mit alter Kapelle sowie einigen Häuschen, steigen. Zurück davon die Klettersachen schnappen und nach Liacous wandern. Hinter Gassen und Gebäuden aus Feldsteinen erhebt sich eine imposante Felswand an der ein schöner Klettersteig installiert wurde. Mit den kniffligen Stellen komme ich immer besser zurecht - Übung macht den Meister. Spät am Tag noch mit dem Rad über Peyreleau im Schatten die Serpentinen nach Alayrac hinauf, einfach weil es Spaß macht. Am nächsten Mittag fahre ich auf schmalen Nebenstraßen zum Chaos de Montpellier-le-Vieux, was keine 15 km sind. Ziemlich unzugänglich gelegen, sollen die erodierten Felsen den Eindruck einer verlassenen Stadt vermitteln. Okay, dafür braucht es einiges an Fantasie, aber es macht einfach Spaß durch kleine Schluchten zu wandern und Felsen wie das “Krokodil”, die “Sphinx” oder den “Elefant” zu entdecken. Ich hatte den Besuch extra spät gelegt um Hitze und Touristen aus dem Weg zu gehen. Als alle weg sind parke ich den Camper mit Blick über das “Chaos” und schlafe dann unter den Sternen

das Chaos de Montpellier-le-Vieux, toll erodierte Felsgebilde

La Porte de Mycenes

der “Elefant”

Am Sonnabend bleibe ich am regnerischen Vormittag noch am Chaos und fahre erst Mittag weiter. Das Wetter wird derweil wie versprochen schöner. Keine 10 km weiter der Halt an der Via Ferrata du Boffi. Der Klettersteig beginnt mit einer Hängebrücke, wird aber bald darauf richtig spektakulär. Waagerecht steigt man auf eine senkrechte, ca. 100 m hohe, Felswand. Da bekomme sogar ich “Puls”. Mittendrin geht die Strecke senkrecht nach oben, mit der Wahl dafür so was wie eine “Takellage” zu nutzen. Abgefahren, darin hängt man in luftiger Höhe komplett über dem Abgrund. Daumen hoch für dieses Klettererlebnis. Bald darauf erreiche ich mit dem Camper den Pouncho d’Agast, eine Plateaukante 400 m über der Stadt Millau. Toller Ausblick von da oben, im Gegenlicht sieht man schon das Viadukt von Millau. Derzeit herrscht gute Thermik, bald schweben fast zwanzig Paraglider gleichzeitig über dem Plateau. Ich rolle runter zur Stadt und suche mir einen Platz für die Nacht. Sonntag, traumhaftes Wetter. Mit dem Rad hinauf zum Millau Viadukt, eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Mit 2.400 m die längste Schrägseilbrücke der Welt, dazu mit 343 m die höchste Brücke der Welt und das höchste Bauwerk Frankreichs. Echt beeindruckend. Aus Freude am Fahren durchquere ich das Tal und schaue mir die Brücke auch noch von der anderen Seite an.     

Via Ferrata du Boffi

das ist mal ne Wand!

das Viadukt von Millau

 der 343 m hohe Pfeiler

Montag halte ich auf der Weiterfahrt zuerst in Creissels, hübsches Dorf mit mittelalterlichem Flair. Kurz darauf stehe ich mitten unter dem Viadukt von Millau vor einem der 343 m hohen Pfeiler. Beeindruckend. Die Straße windet sich dann in vielen Kurven durch die Gegend. Neben der D999 taucht bald ein unscheinbares Dorf auf: Roquefort-sur-Soulzon. Da stammt der bekannte Blauschimmelkäse her. Vor ewigen Zeiten haben Erdbeben die Felswand dahinter kollabieren lassen, wobei zwischen den großen Brocken Spalten und Gänge entstanden. Welch Erstaunen bei den Leuten als sie darin Käse lagerten, der dann von speziellem Schimmel durchzogen war. Heute hat man das ganze System ausgebaut um Temperatur und Luftfeuchte regulieren zu können. Die alten Gänge, genannt Fleurine, führen bis zu einen Kilometer in den Berg. Ich besuche eine interessante Tour bei Societe, wo 70% des weltweit vertriebenen Roquefort, also ca. 35.000 Käselaibe, produziert werden. Tolle Sache. Man führt uns auch ausgiebig bei 10°C durch die Gänge und Kellerräume, letztere gehen über 11 Geschosse! Dem reifenden Käse sind wir dabei nah und degustieren zum Schluss ausgiebig. Nach einem Besuch von Saint-Affrique verbringe ich die Nacht in Belmont-sur-Rance. 

Roquefort-sur-Soulzon

11-geschossiger Reifekeller

 das war noch Werbung...

dem Käse so nah

 sogenannter Fleurine

11. Woche vom 22. bis 28. Juli
Dienstag, langsam ist es nervig, geht das Gekurve auf schmalen Strassen weiter bis nach 70 km Mazamet auftaucht. Die Stadt eine ziemliche Enttäuschung. Da passt meine Radtour zum Col de la Prade und Pic de Nore dazu: wenig Aussicht, Straßenbelag schlimm. Spät am Nachmittag wandere ich zum Dorf Hautpol. Die lange Hängebrücke dahin ist schön, der mittelalterliche Ort eher eine Touristenfalle. Tags darauf reise ich gemütlich 40 km bis Villemoustaussou. Netter Ort, gleich daneben der idyllische Canal de Midi. Auf dem kommen kleine Schiffen vom Mittelmeer bis in den Atlantik, ohne Spanien zu umschiffen. Donnerstag zu einer Perle der Region: die Altstadt von Carcassonne. Schon von weitem grüßt die mit zwei Festungsmauern und 52(!) Türmen bewehrte Stadt. Das könnte glatt aus einem Märchen stammen. Der Zauber verschwindet jedoch beim Betreten sehr schnell. Wahre Horden von Touristen (4 Mio. pro Jahr) schieben sich durch die engen Gassen, wo praktisch jedes Haus ein Restaurant, Cafe oder Laden ist. Wirklich genießen kann ich diesen “Themenpark” nicht. Auch auf meiner zweiten Runde gegen Abend ist es keinen Deut besser. Da lasse ich die Spitzen und Zinnen lieber hinter mir und schlafe 10 km weiter am Fluss in Leuc.

Carcassonne

Impressionen von der Altstadt “La Cite”, ohne die  Menschenmassen

Petrus meint es derzeit gut mit mir. Noch vor wenigen Tagen waren hier 36°C, jetzt sind es 10 Grad weniger. Seltene Schauer, manchmal bedeckt, aber sehr kräftige Winde. Nach einem gemütlichen Morgen reise ich Freitag weiter gen Süden. Einkaufen in Limoux und weiter bis Alet-les-Baines. Kleiner ruhiger Parkplatz am Bad, eigentlich. Doch im Laufe des restlichen Tages kommt wohl jeder Dorfbewohner vorbei und füllt alle erdenklichen Behältnisse mit dem Quellwasser, welches hier kräftig sprudelt. Auch ich halte mich daran. Darüber hinaus überrascht das Dorf mit jeder Menge alter, sehr schmucker, Gebäude und der Ruine der Abbaye Notre-Dame. Zusammen mit dem sehr alten Friedhof daneben eine wahre Komposition. Nachmittag eine Radrunde zum Col de l’Espinas, Training für morgen. Samstag tauchen am Horizont die Berge der Pyrenäen auf und die D117 windet sich durch die erste sagenhafte Schlucht. In Axat beginne ich eine 65 km Radrunde mit drei Bergpässen und jeder Menge Höhenmeter. Die Landschaft bergig, die Straßen schmal, die Schluchten tief. Ich finde es toll und freue mich auf das was noch kommen wird.    

Alet-les-Bains, schmuckes Dorf mit sehenswerter Ruine der alten Abtei

die Vorboten der Pyrenäen

 Schlucht vom Fluss L’Aude

Sonntag fahre ich nur 10 km weiter bis Lapradelle. Angenehmer Ort, der einen guten Stellplatz für Wohnmobile bietet. Bin heut der Einzige der hier steht. Bei wechselhaftem Wetter und viel Wind eine Radtour zum Col d’Aussieres bzw. Nachmittag steil rauf zur Ruine der Burg Chateau de Puilaurens wandern. Dies war eine der letzten Bastionen der Katharer, die im 12./14. Jh. von der katholischen Kirche als Ketzer verfolgt wurden. Schöne Ruine, die dramatisch auf einem Felssporn steht. Auch der Ausblick von den Festungsmauern ist nicht zu verachten und geht weit in die umgebende Bergwelt. Nachts strahlt man die alten Gemäuer mit verschiedenfarbigem Licht an, was noch mal einen ganz anderen Eindruck verschafft. Der nächste Vormittag wettermäßig ungemütlich, ich lasse mir Zeit und warte die Schauer ab. Mittags mit stürmischem Rückenwind nach Saint-Paul-de-Fenouillet fahren. Leider schwächt sich der Sturm nicht ab, Klettersteig oder Radtour sind also keine Option und ich mache “Büroarbeit”.

Bergsträßchen

an und in der Ruine vom Chateau Puilaurens

Eisenbahnviadukt Lapradelle

dramatische Lage der Burg

12. Woche vom 29. Juli bis 4. August
Dienstag stürmt es weiterhin, wenn auch in leicht abgeschwächter Form. Ich nehme das Rad und fahre auf der D7 in nördlicher Richtung aus der Stadt. Bald baut sich vor mir eine Felswand auf und erst spät sieht man die kleine Lücke die hindurchführt. Es ist die Galamus Schlucht, teils bis zu 300 m tief eingeschnitten. Mittendrin klebt sehenswert eine Einsiedelei mit kleiner Kapelle am Fels, die hinterlässt Eindruck. Etwas weiter kann ich tief unten am Fluss L’Agly kleine Gruppen beim Canyoning beobachten. Auf der weiteren Runde treibt mich Rückenwind nach Duilhac-sous-Peyrepertuse, wo weit oben am Fels die Ruine der Festung, eine weitere Hochburg der Katharer, thront. Steil bergab nach Maury und dann im heftigen Gegenwind zurück zum Camper. Am Nachmittag halte ich auf der Weiterfahrt in einigen Dörfern. Bei Ansignan lohnt das alte Aquädukt, gleichzeitig Brücke/Tunnel. Caramany und auch Belesta sind durchaus einen kurzen Spaziergang wert, wenn mich auch die Hitze leicht lethargisch macht. Von der Straße D2 aus sieht man dann schon ungewöhnliche Felsformationen, doch die hebe ich mir lieber für morgen früh auf. 

Burgruine Peyrepertuse

die Galamus Schlucht mit einer wahrhaftigen Einsiedelei

Aquädukt bei Ansignan

 Canyoning in der Schlucht

Gleich neben den Les Orgues d’Ille-sur-Tet habe ich geschützt zwischen großen Bäumen eine ruhige Nacht verbracht und bin morgens der erste am Ticketschalter. 2 km weiter tauchen zwischen niedrigen Bäumen die ungewöhnlichen Felsen aus weichem Sandstein auf. Teils verhindert härteres Gestein, das wie ein Schutzschild funktioniert, die sonst relativ schnell fortschreitende Erosion. Daraus ergibt sich dann das Bild von “Orgelpfeifen” auch wenn das Wort in der Geologie normalerweise für Basaltsäulen verwendet wird. Egal, das was ich hier und jetzt sehe lässt mich auf jeden Fall staunen. Farbe und Formen stechen stark aus der umgebenden Landschaft hervor, Klasse. Andere Touristen kommen erst später dazu und so habe ich dieses Naturwunder eine ganze Weile nur für mich :-). Gegen Mittag fahre ich nach Prades, fülle meine Vorräte auf und bummle etwas durch die wenig aufregende Stadt. Mehr erwarte ich 10 km weiter von Villefranche-de-Conflent, aber da ist der Teufel los. Massig Leute und kein freier Parkplatz. Planänderung: ich fahre gleich talaufwärts und lasse mir diese Stadt für später. In Vernet-les-Baines, ein Kurort, findet sich am Stadtrand ein guter Stellplatz. Schattig, ein kühler Fluss und eine Quelle mit feinem Wasser ums Eck.

das macht schon von weitem neugierig

Les Orgues d’Ille-sur-Tet

tolle Farben und Formen

Donnerstag klingelt der Wecker sehr früh, ich habe heute eine lange Wanderung vor mir. Von Vernet-les-Baines laufe ich zuerst nach Casteil. Dort führt ein schmaler Weg steil hinauf zur Abbaye de Saint-Martin du Canigou. Deren Grundstein wurde bereits im 11. Jh. gelegt. Spektakulär wie sie da auf einem Felssporn inmitten der Berge steht. Sie öffnet leider erst in zwei Stunden, also weiter bergan. Zwei Touristeninformationen hatten gestern unabhängig voneinander vehement bestritten das ein Weg von der Abtei zum Pic du Canigou führt, aber ich vertraue auf die Organic.maps App - und gewinne! Klar, der Pfad ist steil und teils abenteuerlich, aber eben auch markiert, also offiziell. Lange entgehe ich im Wald der starken Sonne, Panoramen sind trotzdem zu sehen. Bei ca. 2.000 m Höhe überschreite ich die Baumgrenze und muss über viel Stein und Fels. Kurz vor dem Gipfel eine Kletterei ohne Sicherung, dann ist der für Katalanen so wichtige, 2.785 m hohe, Berg bezwungen. Tolles Wetter und eine Sicht bis hin zum Mittelmeer, was will man mehr. Runter wähle ich einen anderen Weg und bin nach insgesamt 8 Stunden um eine fantastische Erfahrung, gewürzt mit 29 km und 2.400 Höhenmetern, reicher. Das Bad im kalten Fluss ist wohl verdient.

Abbaye de Saint-Martin

die Bergwelt der Pyrenäen

auf dem Gipfel des Canigou

*Gipfelpanorama

Trotz des gestrigen Tages bin ich Freitag recht früh auf den Beinen und fahre schon vor neun nach Villefranche-de-Conflent. Um die Zeit sitzen wohl viele Touristen noch beim Frühstück, so gelingt ein sehr entspannter Stadtbummel in der seit Alters her stark befestigten Stadt. Schöne Gassen, alte Architektur. Dann zum Fort Liberia, vom Baugenie Vauban im 17. Jh. geplant und errichtet. Von unten führen durch den Berg 734 (!) Stufen in den oberen Teil, und das nach meinem gestrigen Programm ;-). Im Hauptteil der Festung mehr Stufen und Treppen, der Komplex zieht sich über drei Ebenen. Interessant, informativ und ein schöner Blick über das Tal. In einer zunehmend drückenden Schwüle fahre ich weiter durch das Tal vom La Tet. Ein Abstecher bei Thues-les-Baines runter in die Schlucht zu einer Hotelruine, ein fast schon unheimlicher Ort. Keine weitere Pause, dunkle Gewitterwolken ziehen auf. Als die sich entladen bin ich schon in Mont-Louis, auch von Vauban zur Festung ausgebaut. Nach dem Regen ist es fast kühl auf 1.500 m Höhe. Sonnabend wieder eitel Sonnenschein. Eine Runde mit dem Rad, dann weiter. Bei L’Ermitage das Musee sans Murs (Museum ohne Mauern), wo Kunstwerke mitten im Wald stehen. Schöne Sache, verbunden mit einem vergnüglichen Spaziergang. 15 Uhr passiere ich die Grenze zu Spanien und campiere dann in Martinet, ein guter Platz.    

Villefranche-de-Conflent

im Fort Liberia

 Stufen, so viele Stufen

gelungene Kunstwerke im Musee sans Murs

Sonntag Morgen ist es noch ruhig auf den Straßen. In la Seu d’Urgell (auch in Spanien haben sie wunderliche Ortsnamen) biege ich ab und passiere bald die Grenze zu Andorra, dem 6. kleinsten Staat Europas. Neben der einzigen Straße stehen bald jede Menge Einkaufstempel, Duty Free Läden und Tankstellen (Diesel 1,25 €), Andorra ist steuerfreie Zone. Damit beginnt das große Aber. 1960 lebten hier 6.000 Leute, heute sind es 82.000. Auf 40 Einwohner kommt ein Laden, rekordverdächtig. Durch das Tal der Pyrenäen führt praktisch nur eine Straße, selbst am Sonntag quält sich eine Autoschlange im Dauerstau voran und ringsum wird alles zubetoniert, wie ein “Monaco” in den Bergen. Parken ist so gut wie unmöglich und kostet ein Vermögen. Die Altstadt Andorra la Vella habe ich in einer halben Stunde gesehen und will nur noch weg. Der Versuch ins Seitental auszuweichen bringt nichts, in La Massana und Ordino das gleiche Bild. Frustriert kurve ich in der Hitze herum. Zurück zur CG-2 und weiter rauf ins Tal finde ich in Canillo einen Campingplatz der keine 50 € verlangt. Zwar liegt er wie alle anderen an der lauten Straße, aber für eine Nacht okay. Nachmittag mit dem Rad zum Coll d’Ordino. Das immerhin ist ein schönes Erlebnis mit tollem Blick in die Berge. 

Willkommen in Andorra

viel Beton und hohe Häuser

seltene Idylle

Canillo

Montag brauche ich keinen Wecker, das übernimmt der Straßenlärm. Nach dem Frühstück mit den Klettersachen zur nahen Via Ferrata. Ich kombiniere zwei kurze Strecken und bin bald wieder am Campingplatz um rechtzeitig auszuchecken. 16 weitere km steigt die Straße 900 m bis zum Port d’Envalira, mit 2.408 der höchste Straßenpass der Pyrenäen, an. Genau darunter gibt es einen großen geschotterten Parkplatz, zur Abwechslung kostet der mal nichts. Von hier hat man einen sehr schönen Blick über ein gutes Stück von Andorra und Dank der Höhe herrschen angenehme Temperaturen. Nachmittag wandere ich einige Kilometer  zur Via Ferrata Bony. Der Weg führt durch ein Skigebiet, im Sommer nie schön anzusehen. Am Klettersteig kein Mensch weit und breit, doch das stört mich kaum. Die Route “old school” mit wenig verbautem Eisen und mehr natürlichen Haltepunkten im Fels. Das macht mir richtig Freude und auf dem 2.681 m hohen Gipfel kann ich mich wie ein König fühlen. Runter kürze ich recht abenteuerlich ab, der normale Weg ist mir viel zu lang. Im Laufe des Abends parken dann schließlich circa 50 Campingmobile jeder Art und Größe am Pass, was bei den wenigen und teuren Möglichkeiten im Tal kein Wunder ist.

das war...

...das kommt

Via Ferrata Bony, in weiß die ungefähre Route

*Panorama vom Bony d’Envalira

Sonnenuntergang am Pass

13. Woche vom 5. bis 11. August
Dienstag Morgen gehöre ich gegen acht zu den Ersten die vom Parkplatz am Pass abfahren. In Pas de la Casa will ich mich kurz umschauen, aber da sorgen einkaufswütige Frauen schon für ein Chaos am Parkplatz, also gleich weiter über die Grenze nach Frankreich. In Porte-Puymorens biege ich ins Vallee Font-Vive ab, ein kleines Naturschutzgebiet das nicht jeder auf dem Zettel hat. Parken am Lac du Passet und in die Wanderschuhe schlüpfen. Gut bergan führen Pfade zum größten See der Pyrenäen, Lac de Lanoux. Daran vorbei und über alpine Wiesen liegt die Baumgrenze bald hinter, und steile Felswände vor mir. Erst spät ist der schmale Pfad zu erkennen der fast gerade im engen Zickzack hinauf führt. Auf dem letzten Kilometer sind ganze 400 Höhenmeter auf losem Untergrund zu überwinden, das schafft. Lohn der Mühe: vom Gipfel des Pic Carlit (2.921 m) genießt man einen atemberaubenden Blick über die Pyrenäen. Nach Osten hin viele Seen und mehr Grün, sonst eine karge Landschaft, was für diese Höhe ja normal ist. Nach 20 km und vielen Höhenmetern bin ich zurück am Camper und rolle bergab zum kleinen Kurort Ax-les-Thermes, in dessen Schwefelquellen sich schon die alten Kreuzritter von ihren Schlachten erholten und pflegten.

Vallee Font-Vive

unterwegs kleine Wasserfälle und alpine Wiesen

*Gipfelpanorama Pic Carlit

Nach nunmehr 12 Wochen Reise mit fast täglichem Programm wird es Zeit etwas kürzer zu treten, damit der Geist wieder bereit ist für neue Impulse. Ax-les-Thermes scheint dafür geschaffen. Ein kleiner, netter Ort ohne zu viel Trubel, aber mit allem was ich brauche. Meinem Körper gebe ich nur einen Tag Pause. Am Donnerstag auf das Rad. Vor mir liegen 36 km Anstieg mit 1.700 Höhenmetern zum Port d’Envalira. Es ist kein schöner Pass, er bietet landschaftlich wenig und der Verkehr ist mörderisch. Weil er aber mit 2.408 m der höchste Pass in den Pyrenäen ist, will ich ihn unbedingt mit dem Rad bezwingen, was mir gelingt. Am Tag darauf “nur” der Col du Chioula (1.432 m) und am Nachmittag eine wohlverdiente Massage. Die ganzen Tage sind um die 35°C, und ich bin froh eine von zwei Parklücken tief unter den Bäumen ergattert zu haben. Fast ganztägig Schatten, viel Ruhe und der klare, kalte, Fluss nur 10 m entfernt. Samstag früh mit dem Rad zum Port de Pailheres, mit 2.001 m der nächste Pass der Extraklasse. Mittag alles in den Camper packen und bergab nach Tarascon-sur-Ariege fahren. Einkauf, Stadtbummel durch schöne Gassen und schnell weiter, um in höheren Lagen ein wenig der Hitze zu entfliehen. Nach einer ruhigen Nacht in Auzat zum Dorf Olbier wandern und dahinter den Klettersteig Vicdessos in Angriff nehmen. Der liegt komplett auf der Nordseite des Berges und bekommt keine Sonne ab, wunderbar. Ins Schwitzen kommt man auch so, teils verläuft die Route auf einer 100 m hohen, senkrechten Wand. Mir macht es Spaß und egal wie haarsträubend die Kletterei auch ist, ich entspanne dabei komplett

Port de Pailheres

am höchsten Strassen Pass der Pyrenäen

Tarascon-sur-Ariege

Via Ferrata Vicdessos - eine herrliche Kletterei

Montag fahre ich gleich zwei Mal auf den 1.517 m hohen Port de Lers. Zuerst mit dem Rad. Eine schöne Strecke. Die Strasse schmal, aber mit gutem Belag, dazu kaum Verkehr. Davon bin ich bereits 11 Uhr zurück, als das Thermometer gerade die 30°C knackt. Kleiner Einkauf und dann mit dem Camper rauf in die Berge. Bis zum späten Nachmittag verstecke ich mich im kühleren Wald und fahre dann erst zum Col d’Agnes. Herrliche Ausblicke von da. 2 km weiter mit anderen auf einem Parkplatz campieren.

14. Woche vom 12. bis 18. August
Der Dienstag Morgen herrlich frisch auf 1.400 m Höhe. Ich schlüpfe in die Wanderschuhe und streife durch die Gegend. Das ist mal eine recht entspannte Angelegenheit. Über den Col de las Fouzes, den Pic des Planes und de Port de Saleix zurück zum Auto. Während der ganzen Zeit liegt eine tolle Landschaft vor mir und die Panoramen sind einfach traumhaft. Nur Schatten gibt es keinen, weshalb ich nach der Wanderung weiter fahre. Unterwegs keine Möglichkeit im Wald zu parken, also muss ich runter bis Aulus-les-Baines. Es ist heiß, 37°C, kein Lüftchen weht. So sitze ich öfters am/im Fluss Le Garbet. Mittwoch Morgen mit dem Rad zurück auf den Col d’Agnes. Andere sammeln Briefmarken, ich Bergpässe ;-). Trotz Steigungsraten von 16% habe ich auch an diesem Berg meine helle Freude und feiere das ganze hinterher mit einer erfrischend kalten Dusche im Fluss. 

Etang de Lers

am Col d’Agnes

*Panoramen rund um den Col de las Fouzes

Nachmittag fahre ich weiter nach Oust. Der Campingplatz dort sagt mir nicht zu, also weiter nach Seix. Da bietet die Gemeinde den Campern einen kostenlosen schönen Stellplatz. Im örtlichen Waschsalon eine Ladung Sachen säubern. Die trocknet gerade so, dann vermiesen Gewitter und anhaltender Regen den Rest des Tages. Während Donnerstag die nächste Maschine läuft ein Bummel durch das nette Dörfchen. Vorräte und Wasser auffüllen, dann wieder auf die Straße. 20 km weiter ist Saint-Lizier mein nächstes Ziel. Auf einem Hügel über dem Fluss Le Salat gelegen, grüßen die Mauern vom Bischofssitz schon von weitem. Auch wenn sowohl Kirche wie auch Abtei und Dorf eine grundlegende Sanierung vertragen würde, so hat das Ganze doch Charakter und Charme. Abends und am nächsten Morgen, da ist großer Flohmarkt, bummle ich herum und finde meine Fotomotive. Ein Abstecher ins nahe Saint-Girons, dann auf der D618 wieder in Richtung Berge. In Alas eine Pause am Jardin de Pieres, wo ein Hobbykünstler mit Stein und Beton einige “Kunstwerke” erschaffen hat. Sicher nichts herausragendes, aber einen Besuch wert.

Saint-Lizier

Kathedrale und Abtei St-Lizier

Jardin de Pierres

Saint-Girons

In Castillon-en-Couserans findet sich glücklicherweise ein schattiger Parkplatz am Flüsschen Le Lez, denn es ist, auch wenn ich mich wohl wiederhole, auch heute heiß. Samstag klingelt deshalb der Wecker schon zeitig und ich sitze bald auf dem Rad. Der Col de la Core steht auf dem Programm. Trotz frühem Start macht das heute irgendwie trotzdem keinen Spaß. Nach einem schönen Dorfbummel fahre ich mit dem Camper weiter. Es geht bergan zum Col de Portet d’Aspet. Trotz 1.000 m Höhe ist es kaum kühler da, worauf ich eigentlich gehofft hatte. Nach einer gefühlt tropischen Nacht rolle ich Sonntag Morgen mit dem Rad runter nach Saint-Lary, wende und kämpfe mich bei teils 16% Steigung wieder hinauf. Schönes Training. Die Sonne ist heute nur ein orange/gelber Fleck hinter der Wolkendecke und es ist so schwül das nach der kleinsten körperlichen Anstrengung der Schweiß läuft. Das hält mich nicht davon ab auch noch den Col de Ares mit dem Rad zu meistern. Nachmittags fahre ich nach Loures-Barousse und übernachte da. Montag beginnt die vorhergesagte Abkühlung, nur das man das bei der Luftfeuchtigkeit kaum spürt. Mein Tagesprogramm beginnt mit der Basilique Saint-Just, eine romanische Kirche aus dem 11./12. Jh. Interessant und sehenswert. Ein Kilometer weiter das Dorf Saint-Bertrand-de-Comminges samt Cathedrale Sainte-Marie. Von außen recht schmucklos, überrascht das Innere. Die Orgel “schwebend” in einer Ecke, der Chor, reich mit Schnitzereien verziert, nimmt fast den gesamten Innenraum in Anspruch und ist in sich abgeschlossen. Prädikat: sehr sehenswert. Im Laufe des Tages regnet es  immer mal wieder, was längere Spaziergänge vermiest. Ich fahre dann bis La Barthe-de-Neste und campiere dort über Nacht.

Saint-Bertrand-de-Comminges

in der Cathedrale Sainte-Marie

schöner Friedhof, gepflegte Gräber, teils mit jeder Menge steinerner “Grußkarten”

15. Woche vom 19. bis 25. August
Der Dienstag beginnt regnerisch und trüb, da bin ich mal faul und lasse mir viel Zeit. Mittags schaue ich am Chateau Mauvezin vorbei. Eine recht imposante Burg, zum größten Teil im 14. Jh. errichtet. Daneben ein sehenswerter, gut gepflegter Friedhof. Das besondere sind die teils zahlreich darauf stehenden “Grußkarten” an/über die Verstorbenen, gefertigt aus Stein und damit unverwüstlich. Am Nachmittag Ankunft in Bagneres-de-Bigorre, ein weiterer Kurort am Rande der Pyrenäen. Einige der Häuser aus der “guten, alten” Zeit sind sehenswert erhalten, an anderen nagt sichtbar das Alter. Die Stadt hat was für große Bäume aus anderen Ländern übrig, da stehen riesige Zypressen und der Sequoia am Rathaus, gepflanzt 1860, ist heute 35 m hoch. In trockenen Phasen mache ich kurze Spaziergänge. Der verregnete Mittwoch verläuft eben so. Ein Besuch vom Marmormuseum ist nett, aber die Präsentation der vielen verschiedenen Proben aus aller Welt erinnert leider eher an einen Baumarkt.    

der Kurort Bagneres-de-Bigorre mit seiner Therme

große alte Bäume von anderen Kontinenten

Donnerstag beruhigt sich das Wetter und wird langsam wieder schöner. Ich fahre ins, unter Pilgern, weltberühmte Lourdes. Die junge Bernadette hatte da in einer Grotte im 19. Jh. ganze achtzehn Mal die Vision der Gottesmutter Maria. Im Laufe der Zeit wurde der Hype darum immer größer. Heute steht über und um die Grotte ein ganzer “Themenpark” katholischen Glaubens. Die Stadt hat nach Paris die größte Hoteldichte Frankreichs und tausende suchen hier nach Heilung oder einem Wunder. Die Zahl der Souvenirläden empfinde ich als normal und auch der Andrang hält sich meist in Grenzen. Beeindruckend sind die Kirchen, 3 an der Zahl und praktisch auf mehreren Etagen fast übereinander gebaut; der Kreuzweg mit lebensgroßen Statuen die bildreich die Geschichte Jesu in Szene setzen; die Kapelle(n) des Lichts, wo jeder seine Kerze entzünden kann (die größten sind 1,50m hoch und wiegen bestimmt 20 kg) und die unterirdische Basilika. Letztere mehr wegen ihrer Größe mit Platz für 25.000 Leute, als wegen ihrem Erscheinungsbild. Viel los ist an der Grotte und den Bädern. Eine schier endlose Zahl blaue kleine Wagen steht davor, drinnen ein Kranker, gezogen von einem Freiwilligen. Überhaupt fühle ich an diesem Ort vor allem Krankheit und Tod, wo ist da Glaube und Hoffnung, so wie ich das an anderen spirituellen Plätzen dieser Welt recht eindrücklich spüren konnte?    

Lourdes, ein erster Eindruck

Station am Keuzweg

 Kapelle des Lichtes

Mariä-Empfängnis-Basilika über der Grotte

 unterirdische Basilika

Freitag fahre ich weiter das Azun Tal hinauf. An das Wetter, trüb und regnerisch, werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Der Atlantik ist nicht mehr so weit weg und sorgt häufig für wechselhafte Phasen. Ein Halt in Argeles-Gazost, Kur- und Badeort wie manch anderer in der Gegend. Nette Stadt ohne große Sehenswürdigkeiten. Nachmittags in Saint-Savin, nur 4 km weiter. Das Dorf gehört zu den “schönsten Dörfern Frankreichs”, für mich nicht nachvollziehbar. Kein richtiges Gebäudeensemble, die Abtei Saint-Savin en Lavedan sichtlich im Verfall begriffen. Immerhin gehört die Kirchenorgel von 1576 zu den ältesten im Land. In Pierrefitte-Nestalas dann ein sportliches Ereignis. Solisten und Staffeln tragen Bergrennen in verschiedenen Distanzen aus, die härteste Strecke ist 160 km lang, gewürzt mit rund 10.000 Höhenmetern! Dagegen backe ich am Sonnabend kleine Brötchen.    

die Abtei in Saint-Savin

Orgel von 1576

am Gave du Marcadau

Hochtal Pouey Trenous

 Cascade de Bousses

Schon früh bin ich auf der Straße und fahre in ein Seitental nach Cauteret. Da parken und zu Fuß dem Fluss Gave du Marcadau folgen. Das ist schöner und aufregender als vermutet, gut das ich nicht wie viele andere hoch zum Parkplatz Pont d’Espagne gefahren bin. Mitten durch eine grüne Schlucht mit bemoosten Bäumen, vorbei an Stromschnellen und Wasserfällen führt der Weg. Nach einer Stunde an der Pont d’Espagne, früher war die Brücke über der Klamm die Grenze zu Spanien. Den Trubel dort lasse ich schnell hinter mir und folge dem Fluss in seinem nun breiten Tal mit ausgedehnten Wiesen. Letzte Wanderer bleiben nach dem Abzweig rauf in die Berge zurück. Nun erlebe ich die wahren Pyrenäen. Das traumhafte Hochtal Pouey Trenous ein wahrhaft friedlicher Ort, keine Menschenseele weit und breit. Am Talende führt der Pfad erneut steil nach oben zum 2.650 m hohen Pass Col Peyrot. Herrliche Ausblicke auf Bergketten und die Vignemale Gruppe, deren Gipfel Bergsteigern vorbehalten sind. Steil dann der Abstieg zum Lac de Chabarrou, ein weiteres Juwel der Wanderung. Nun treffe ich auch wieder Leute, was im Gaube Hochtal sprunghaft mehr wird. Am Lac de Gaube ist es dann schon ein wahrer Trubel. Egal, mein Tag war trotzdem super. Am Abend ein schöner Stadtbummel durch Cauteret, Urlauberhochburg, bis ich mich neben dem Fluss zur Ruhe begebe. 

Blick vom Col Peyrot

das Vignemale Massiv

Lac de Chabarrou

Lac de Gaube

Sonntag Morgen bin ich schon früh auf der Straße, was sich bezahlt macht. Ohne zählbaren Verkehr gelingt mir eine rasante Abfahrt nach Pierrefitte-Nestalas. Dort ins Haupttal abbiegen und gut bergan ins Städtchen Luz Saint-Saveur, auf rund 700 m Höhe gelegen. Trotz Sonnenschein ein kühler Morgen, da sitze ich lieber erst 10 Uhr auf dem Rad. Der Col du Tourmalet ist das heutige Ziel, eine Ikone der Pyrenäen und häufig im Programm der Tour de France. Fast logisch sind viele Radler unterwegs. 48 davon überhole ich, und habe selbst nur gegen einen das Nachsehen. Ich kann es also noch ;-). Auf 19 km sind 1.500 Hhm zu überwinden. Das ist hart, aber die Landschaft entschädigt dafür mit herrlichen Aussichten. Von mir bekommt der Pass 5*. Das Wetter ist im Moment sehr schön und stabil, deshalb am Montag trotz müder Beine gleich die nächste Tour mit dem Rad. Von Luz Saint-Saveur folge ich der D921 weiter rauf ins Tal. Hinter Gedre auf die D922 abbiegen, womit auch der Ernst beginnt. Die Straße steigt in der Folgezeit häufig um die 10% an, dazu hat der Straßenbau ein längeres Stück zum geschotterten Feldweg werden lassen, ganz mies. Gegen Ende schwingt sich das nun wieder schmale Asphaltband in sage und schreibe 30 Kehren zu einem Parkplatz auf, von dem man einen herrlichen Blick auf/in den Cirque de Troumousse hat. Diesen Bergkessel umschließen bis zu 500 m hohe Felswände, ein imposanter Anblick. Auch heute bleibe ich in Luz Saint-Saveur, der Ort ist eine gute Basis. Man kann schön durch die engen Gassen flanieren und sich die alte Kirche, teils Festung, von den Tempelrittern ansehen. 

die Strecke zum Col du Tourmalet kann sich sehen lassen

So sehn Sieger aus, na nana nana ;-)

*am Cirque de Troumousse

16. Woche vom 26. August bis 1. September
Der Dienstag ist laut Vorhersage der vorerst letzte schöne Tag, also klingelt mein Wecker erneut um sechs. Heute fahre ich mit dem Auto zum Weiler am Talende: Gavarnie. Es heißt das jeder Franzose in seinem Leben den Bergkessel Cirque de Gavarnie sieht oder sehen will. Am Morgen macht er schon aus 4 km Entfernung Eindruck, wenngleich der Himmel grau und bedeckt ist. Zu Fuß steige ich nun auf und schlage dabei einen Bogen, womit mir vorerst der steilste Weg und manch Trubel erspart bleibt. Nach einer Stunde ziehen graue Regenschleier durch, doch ich vertraue darauf das es schön werden soll und laufe weiter. Der Pfad windet sich durch ein grünes Hochtal mit vielen Schafen, bis er kaum sichtbar durch Stein und Geröll steil bergan führt. Als letzte Stufe überwindet man einen Bach, der sich in vielen Armen über steile Felsen ins Tal ergießt. Am Himmel lösen sich in der Zwischenzeit letzte Wolken auf und es wird strahlend schön. Auf 2.580 m Höhe steht die Berghütte Sarradets, dahinter ist bereits die Breche de Roland zu sehen, eine recht große Lücke in der ansonsten unüberwindlichen, ca. 200 m hohen Felswand. Weitere steile 200 Hhm über Geröll, Fels und Schneefelder, die gibt es in dieser Höhe, dann stehe ich staunend in der Bresche, gleichzeitig Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Was für eine sagenhafte Laune der Natur. Ich steige auf der spanischen Seite 300 m ab, bis Vernunft und der Blick gen Himmel mich umkehren lassen. Diese Seite der Pyrenäen ist eh recht eintönig. 

Cirque de Gavarnie aus der Ferne

das Wetter wird besser

Breche de Roland

wie ein Schiff aus Stein

Auf bekanntem Weg geht es erst wieder hinauf zur Breche de Roland und dahinter runter zur Berghütte Sarradets. Dort biege ich ab und laufe direkt zum Bergkessel. Andere Leute sehe ich nach der Hütte nur noch wenige, dabei beginnt bald der beste Teil der Wanderung. Von hoch oben schaut man in den Cirque de Gavarnie mit seinem 400 m hohen Wasserfall und den vielfach gefalteten Schichten der Berge. Grandios ist dafür ein zu schwacher Ausdruck. Ich mache (zu) viele Fotos und bin einfach nur glücklich. Der Pfad wird dann immer unscheinbarer und schmaler, bis er fast senkrecht an den Felswänden entlang nach unten führt. Auf 340 m verliere ich 160 Hhm, das macht rechnerisch eine Steigung/ein Gefälle von 475 %! Sicherungsleinen sind da keine und man muss seine Sinne zusammen nehmen um heil runter zu kommen. Ein Abenteuer wie es im Buche steht. Dabei sieht man die ganze Zeit den herrlichen Bergkessel vor sich, was einem die Anstrengung durchaus versüßt. Auf 1.400 m Höhe erreiche ich das Hochtal, den Gave de Gavarnie und hunderte von Wanderern, besser gesagt Spaziergängern. Nach einem Bad im eiskalten Fluss kann ich mich kurz in der Sonne erwärmen, dann ziehen Wolken und Regen auf. Das Timing hat also gepasst. Die Nacht verbringe ich nur 4 km unterhalb von Gavarnie im Wald. Es ziehen teils heftige Gewitter durch, wobei der Donner im wahrsten Sinn durch das schmale Tal “rollt”. Das hat von Klang und Intensität noch mal eine ganz andere Wirkung.    

spanische Seite der Pyrenäen

der Cirque de Gavarnie mit seinem 400 m hohen Wasserfall

*Panorama Cirque de Gavarnie

Mittwoch Vormittag will ich einen kleinen Klettersteig machen, aber es regnet leider immer wieder. Also fahre ich hinunter nach Luz Saint-Saveur und bleibe den Tag über dort. Geschätzt ziehen um die 25 Schauer und Gewitter bei tief hängenden Wolken durch, kein Wetter für Aktivitäten in den Bergen. Das bleibt bis zum nächsten Mittag so. Mein Körper ist über die Zwangspause ganz froh, die hat er sich in den letzten Tagen aber auch redlich verdient. Donnerstag nutze ich den örtlichen Waschsalon und breche am frühen Nachmittag auf. Bergab rollt es sich gut und schnell nach Argeles-Gazost, der Ort ist ja bereits bekannt. Ein weiterer Bummel durch die Stadt lässt mich schöne Villen und das mondäne Kurhaus entdecken. Freitag bleibe ich im Ort. Es ist erneut sehr wechselhaft, aber schön genug um sich der Pflege der Ausrüstung zu widmen. Am nächsten Vormittag kämpft sich die Sonne wie vorhergesagt durch die Wolken und es wird ein schöner Tag. Ich fahre mit dem Auto 10 km bis Aucan und steige dort auf das Rad um. Die Sicht auf umgebende Berge ist super und motiviert extrem. Nacheinander bezwinge ich den Col des Borderes und den Couraduque. Beides wenig befahrene Strecken auf schmalen Straßen mit steilen Rampen. Schönes Training mit super Aussicht. Alles wieder ins Auto laden und rauf zum Col du Soulor fahren, wo ich erneut auf das Rad steige. Genial zieht sich die Strecke rauf zum Col d’Aubisque, im Cirque du Litor förmlich in den Felshang eingeritzt. Am Pass wenden und auf gleicher Strecke zurück zum Col du Soulor, wo ich mir inmitten der Bergwelt einen ruhigen Stellplatz für die Nacht suche. 

das Kurhaus in Argeles-Gazost

Blick vom Col des Borderes

auf dem Col d’Aubisque

fast schon kitschig schön

Samstag Abend mache ich noch einen Spaziergang, fast eine kleine Wanderung, rauf zum Cap d’Aout. Ungeahnt stoße ich so auf ein kleines Juwel. Das kleine Plateau liegt erhöht und bietet eine grandiose 360° Aussicht auf die Bergwelt. Wunderbar und dabei friedlich still. Bergab rauscht plötzlich 10 m NEBEN mir, ich laufe auf der Kante des Steilhanges, ein großer Geier vorbei, Flügelspannweite bestimmt 1,50 m. Erstaunt gen Himmel geschaut kreisen da weitere zehn. Der Versuch die mit Smartphone zu fotografieren bringt leider kein vernünftiges Ergebnis. Besser gelingt das bei den Eseln die mir kurz darauf über den Weg laufen. Praktisch allein, die Wohnmobile stehen alle weiter unten am Restaurant, genieße ich den Wechsel von Tag zu Nacht. Sonntag früh färbt die Sonne die Berge leuchtend rot. Ich steige erneut auf das Cap d’Aout, es ist einfach zu schön da oben. Vormittag dann mit dem Auto über den Col d’Aubisque nach Gourette, ein leider typischer Wintersportort der wohl schon seine beste Zeit hinter sich hat. Auf der Karte hatte ich einen Fels entdeckt, Pene Sarriere. Dahin geht es über kahle Hänge, dann sehr steil über rutschige Felsen und schlammige Wiesen rauf. Das Ergebnis lohnt kaum den Aufwand, ist aber wenigstens ein Foto wert. Nachmittag zieht der Himmel zu, später beginnt es zu regnen. Passend zum tristen Wetter halte ich in Eaux-Bonnes, früher ein belebter Kurort in dem öfters die französische Kaiserin gastierte. Heute vervollständigen die aufgegebenen ersten Häuser am Platz und das leere Casino den Eindruck eines “Lost Place”. Montag hängt der Nebel noch schwer im Tal. Ich fahre nur ein paar Kilometer bis Laruns und bleibe dort. Das Wetter wird langsam schöner und mein Plan für die nächsten Tage nimmt Gestalt an. 

ein Abend am Col du Soulor

 die haben schön still gehalten

morgendliches Gipfelglühen

*Panorama Cap d’Aout

der Pene Sarriere

17. Woche vom 2. bis 8. September
Dienstag kämpft sich die Sonne bald durch die Wolken. Das wechselhafte Wetter der letzten Tage wird sich wohl fortsetzen je näher ich dem Atlantik komme. Der mischt die Karten schnell neu und lässt kaum längere stabile Phasen zu. Sei es drum, hier und heute passt es. Den Camper in Gabas parken und zu Fuß bergan. Mit dem Lac de Bious-Artigues beginnt die Landschaft der Lacs d’Ayous. Durch den Wald gut bergan liegen bald Lac Roumassot, Miey, Gentau und Bersau am Weg. Dann taucht der Pic Casterau auf. Augenscheinlich für Wanderer unbezwingbar, führt doch ein kleiner Pfad zu seinem Gipfel. Von dem entfaltet sich dann ein grandioses Panorama mit den Seen und dem sehr prägnanten Pic du Midi d’Ossau (2.884 m). Herrlich. Der Weg zurück durch ein schönes Hochtal mit Schafherden und dem Fluss Le Gave de Bious. Wieder am Auto fahre ich das Tal weiter hinauf zum Stausee Lac de Fabreges. Dort ist die Hölle los. Es dauert bis sich alles beruhigt und die Tagestouristen weg sind.  

auf zu den Lacs d’Ayous

Lac Gentau

rechts: Pic Casterau

*Panorama vom Pic Casterau

Nach einer wundervoll ruhigen Nacht bin ich früh auf den Beinen. Die Sonne strahlt ungestört vom blauen Himmel, auch wenn sie eine Weile braucht eh sie das schmale Tal erreicht. Noch bevor die große Welle von Touristen ankommt nehme ich schon die Seilbahn hinauf zur Station d’Artouste. Lange her das ich diesen bequemen Weg gehe. Der Grund wartet oben auf knapp 2.000 m Höhe: der Petit Train. 1920 für die Arbeiter am Staudamm Barrage d’Artouste gebaut, bringt er heute Touristen dahin. Die Wägelchen bieten nur Platz für zwei Leute nebeneinander und die “Lok” ist kaum größer als ein Kleinwagen. Der Tunnel zu Beginn ist auf diese Abmaße +20 cm zugeschnitten, ein beklemmendes Gefühl. Was folgt ist eine Panoramafahrt durch herrliche Bergwelt. Die Wagen sind offen und lassen einen freien Blick zu. Dabei sieht man aber auch wie nah man teilweise am Abgrund entlang fährt. Für die rund 11 km braucht der Zug fast eine dreiviertel Stunde. Am Ziel angekommen läuft nur ungefähr die Hälfte der Passagiere hinauf zum Stausee, den anderen reicht es nach einer Pause mit dem nächsten Zug zurück zu fahren.   


Bergstation Sagette

der Petit Train

Ausblick während der Fahrt

kurz vor dem Lac d’Artouste

Mein Plan ist ein ganz anderer. Ich hatte mir nur ein One-Way Ticket gekauft und bin damit frei von jeglichen Rückfahrzeiten. Am Lac d’Artouste entlang geht es über Stock und Stein durch die in dieser Höhe karge Bergwelt. Andere Wanderer sehe ich bald kaum noch. Über den Col d’Arrious und am gleichnamigen See entlang komme ich zur Passage d’Orteig. Die Warnschilder versprechen Nervenkitzel. In einer fast senkrechten Felswand ist mehr schlecht als recht ein Pfad in den Stein geschlagen, mit Ketten gesichert. Ist nicht ohne, und bei Regen oder rutschigen Bedingungen wirklich gefährlich. Mir macht es hier und heute Spaß, ein wenig Aufregung tut gut. So erreiche ich den Lac d’Arremoulit, mein Wendepunkt zurück zum Stausee. An dem eine beachtliche Zahl von Touristen, die ich schnell hinter mir lasse. Kaum einer ist vom/zum Col de Lurien unterwegs. Der 2.340 m hohe Bergsattel fällt mir nach dem Programm von gestern und heute nicht gerade leicht. Einmal geschafft geht es “nur” noch bergab. Nach kargem Fels wachsen neben lebhaft sprudelnden Bächen bald saftige Wiesen, später tauche ich in den Wald ein. Ganze 1.400 m Abstieg, das geht in die Knochen und Gelenke. Nichts desto Trotz ein genialer Tag in den Bergen. Ich fahre dann wieder talabwärts und übernachte im bekannten Laruns. Der starke Wind brachte heute im Laufe des Tages viel Wärme mit, die im Laufe der Nacht zu einer dichten Wolkendecke kondensiert. Wie gesagt, das Wetter bleibt sehr wechselhaft. 

oh wie ist das schön

Abgründe am Petit Train und der Passage d’Orteig

*Panorama Lac d’Artouste

Pause

Donnerstag macht das Wetter die komplette Kehrtwende. Ein trüber Tag an dem zäher Nebel tief im Tal hängen bleibt und von  Sprühregen begleitet wird. Nach einigen Kilometern talabwärts biege ich in Bielle ab und überquere auf der D294 die Berge. Am Pass Col de Marie-Blanque eine lange Pause, aber auch hier oben bleibt es beim dicken Nebel. Spät am Nachmittag fahre ich ins nächste Tal und übernachte in Sarrance. Am nächsten Morgen sind nur 14°C im Camper, aber kräftiger Wind pustet die Wolken weg. Kleine Radtour. Zum Aufwärmen der Col d’Ichere. Ruhige Straße, schöne Aussicht. Dann der Col de Marie-Blanque dessen Westauffahrt gefürchtet ist. Die letzten 4 km durchweg mit 10-13 % Steigung. Das kneift in der Lunge und den Beinen, macht mir aber trotzdem Freude. Die nächsten zwei Nächte verbringe ich mal wieder auf einem Campingplatz. Der in Bedous ist schon in die Jahre gekommen, aber er ist gut gelegen, bietet alles was ich brauche und große Bäume spenden Schatten. Einzig nervig sind die zahlreichen Falken, die schon früh morgens laut pfeifend umher fliegen. Samstag trotz müder Beine die nächste Radtour. Talaufwärts zum Dorf Etsaut. Das macht leider wenig her. Kurz dahinter eine steile Straße rauf und das Rad abstellen. Zu Fuß sind es nur wenige hundert Meter zum Aussichtspunkt auf das Fort du Portalet. Noch dazu beginnt da der Chemin de la Mature, ein in den fast senkrechten Fels gehauener Weg. Auf dem zu Laufen verursacht schon ein wenig Magenkribbeln. 

Col d’Ichere

bin mal wieder im Nationalpark

das Fort du Portalet, genial gelegen und mit dem Chemin de la Mature gleich nebenan

Für eine Rückkehr nach Bedous ist es mir zu früh und das Wetter zu schön, also fahre ich mit dem Rad weiter bergauf zum Pass Col du Somport, auch wenn das weitere 17 km mit 1.000 Höhenmetern sind. Ungeplant und somit unvorbereitet überrascht die Strecke. Nach dem Abzweig zum Tunnel nach Spanien gibt es kaum Verkehr, die Straße ist super ausgebaut und der Ausblick lässt mich staunen. Da vergisst man glatt die Anstrengung ;-). Der Pass ist übrigens eine wichtige Pyrenäenquerung für den Jakobsweg. Auf dem Rückweg halte ich häufig um Fotos zu machen. Ein kleiner Umweg gegen Ende bringt mich ins Dorf Borce. Das ist im Gegensatz zu seinem Pendant Etsaut richtig sehenswert und das i-Tüpfelchen auf meinem Tag. Sonntag, manch einer mag es gar nicht mehr hören, wieder auf das Rad. Ohne viel Druck den Col de Bouesou bezwingen. Die Straße, nur etwas breiter wie ein Auto, windet sich schön durch grüne Landschaft aufwärts. Eine andere Abfahrt bringt mich zum sehenswerten Dorf Osse-en-Aspe. Erst am Nachmittag verlasse ich den Campingplatz in Bedous, bei den wenigen Gästen in der Nachsaison kein Problem. Talabwärts fahrend campiere ich dann nach 25 km in Oloron-Sainte-Marie. Der Montag wieder regnerisch. Oloron macht wenig her, einzig die Kathedrale Sainte-Marie mit ihrem Portal, original aus dem 12. Jh., ist erwähnenswert. Auf der sehr ruhigen D25 fahre ich heute bis Mauleon-Licharre, wo es zwischen Regenschauern zu einem kurzen Bummel reicht.

Col du Somport

Cirque d’Aspe

 herrliche Strecke

im malerischen Borce

18. Woche vom 9. bis 15. September
Der Dienstag beginnt trüb, doch es bleibt heute trocken und später lässt sich sogar die Sonne blicken. Trotz altem Chateau und einiger Kirchen ist Mauleon-Licharre wenig sehenswert, also fahre ich bald weiter. Von Larceveau eine Radtour durch die Hügel. Baustil und Architektur nun eine andere, dazu alles in baskisch beschriftet, was eine Orientierung schwierig macht. Kein Plan wie man was ausspricht, geschweige denn was es bedeutet. Baskisch hat weder zu Latein noch zu einer anderen Sprache eine Verbindung. Am Nachmittag erreiche ich mit dem Camper Saint-Jean-Pied-de-Port, die letzte Station am Jakobsweg auf französischem Boden. In der schönen Altstadt trifft man viele Touristen, deutlich von den Wanderern/Pilgern zu unterscheiden. Bei letzteren sind überraschend viele Asiaten dabei. Ich bummle durch die Gassen bis hinauf zur Zitadelle mit tollem Blick über die Gegend. Abends lässt der Trubel spürbar nach und ich kann in einer ruhigen Ecke gleich neben dem Zentrum gut schlafen.

Saint-Jean-Pied-dePort

Impressionen der Stadt aus den Gassen, vom Fluss und von der Zitadelle aus

Der Mittwoch beginnt mit 10°C recht kühl, aber sonnig. Mit dem Rad fahre ich über Saint-Etienne-de-Baigorry in die Berge bis Izpegi, Bergpass und gleichzeitig Grenze zu Spanien. Kaum zurück zieht erneut ein Regenschauer nach dem anderen über das Land. Gibt schlimmeres. Ich bleibe noch eine Nacht im schönen Städtchen und fahre erst Donnerstag nach Cambo-les-Baines. Etwas außerhalb des Ortes hat Ende des 19. Jh. der Dichter Edmond Rostand (u.a. Cyrano de Bergerac) die Villa Arnaga bauen lassen. Das Haus ein wahres Schmuckstück. Baskischer Baustil, die Inneneinrichtung wohl durchdacht ohne protzig zu wirken. Dazu ein Garten/Park der im weiten Umkreis seinesgleichen sucht. Es werden nur jede halbe Stunde Besucher eingelassen, was eine Überfüllung verhindert. Dazu in jedem Raum laminierte Erklärungen: was, warum, woher, woraus. Ein echt tolles Konzept.

Cambo-les-Baines, Villa Arnaga

jeder Raum toll, aber anders

auch der Garten/Park ist eine Augenweide

Nach einigen Stunden an und in der Villa zurück ins Zentrum von Cambo-les-Baines. Für mich ein für Frankreich typischer Ort mit seinen knapp 7.000 Einwohnern. Ich fühle mich schnell wohl hier, spaziere durch Parks und Gassen. Keine großen Highlights, eher die kleinen Dinge. Die Kirche Saint-Laurent äußerlich ein einfacher, weiß getünchter Bau, doch innen eine Augenweide mit viel Stuck und Farbe. Gegen Abend probt dann im Parc Saint-Joseph ein ziemlich gutes Orchester. Daumen hoch dafür. Freitag fahre ich erst mal nur 5 km weiter nach Espelette. Das Dorf, samt umliegende Gemeinden, baut einen speziellen Gemüsepaprika an, für den es sogar ein AOC Siegel (kontrollierte, geschützte Herkunft) gibt. Im Herbst werden die Schoten zum Trocknen in und am Haus aufgehängt. Ein Besuchermagnet, wie ich feststellen muss. Ein wirklich schönes Dorf, aber die Vermarktung ist mir fast schon zu viel. Nebenan in Ainhoa läuft es gemütlicher ab, dabei bietet das Dorf ebenso genug für Auge und Gaumen. Gegen Abend fahre ich weiter nach Sare. Auch dieses Dorf ist sehenswert und man hat da gute Möglichkeiten zu übernachten.

Cambo-les-Baines, Eglise Saint-Laurent

in Espelette, wo die Paprikaschoten zum Trocknen auch außen am Haus hängen

sehenswertes Ainhoa

Sonnabend mal wieder auf das Rad. Von Ascain aus über einen kleinen Pass. Nicht hoch, nicht lang aber mit den vielen Kurven recht schön. Kaum davon zurück über Herberu rauf auf den Col Ibardin, ähnlich in Höhe und Erscheinung. Gegen Nachmittag die Weiterfahrt nach Saint-Jean-de-Luz. Vor der Stadt ein längerer Stau. Ein Triathlon Rennen nutzt die gleiche Straße und die Sportler haben natürlich Vorrang. Fußläufig zum Zentrum finde ich an einer Schule, es ist Wochenende, einen Parkplatz. Gleich zur Erkundung ein Bummel. Mit der Hafenstadt erreiche ich übrigens den Atlantik, Möwen, frische Seeluft und Fischerboote gehören nun dazu. Die Stadt recht hübsch, hier hat Ludwig der XIV. geheiratet und Frieden mit Spanien geschlossen. Ein paar Gebäude aus der Zeit stehen noch. Am Abend spielt sich alles an und um den Boulevard de la Mer ab, der um die halbe Bucht am tollen Strand entlang führt. Auch ich sitze im Sand und genieße mit dem Rauschen der Wellen den Sonnenuntergang. 

Biarritz, Grande Plage

Hotel de Palais

 Phare de la Pointe Saint-Martin

Plage de Port Vieux und Rocher de la Vierge

 schöne Strände überall

Sonntag, Kaiserwetter. Ich lasse das Auto in Saint-Jean-de-Luz und fahre mit dem Rad nach Biarritz. Laut Karte eine schöne Tour in Küstennähe. Die Praxis eher ernüchternd. Schlecht ausgeschildert, teils miese Feldwege, immer wieder steil rauf oder runter und nur selten schöne Ausblicke zum Meer :-(. Wenigstens habe ich dann kein Problem in der Touristenmetropole zu parken, was wirklich schwierig ist. Mein Programm beginnt im Norden der Stadt am Leuchtturm Saint-Martin. Weiter zum Hotel du Palais, wo ich jedoch auf dem riesigen Gelände nur bis zum Pförtner komme. Die High Society bleibt halt gern unter sich. An den tollen Stränden entlang nach Süden. Am Weg immer wieder sagenhafte Häuser, eins schöner als das andere. An einem Kap der vorliegende Felsen mit der Statue der Jungfrau, Rocher de la Vierge. Bei Sturm und Wellengang gelingen hier traumhafte Fotos. Nebenan die Badebucht Plage du Port Vieux und auf einem Felsen die Villa Belza, letztere fast wie aus einem Märchen. Den Rückweg lieber auf der Schnellstraße. Viel Verkehr, aber darauf brauche ich nur die Hälfte der Zeit gegenüber dem Hinweg.

Villa Belza

Villa le Goeland

Residence Cap Sud

Saint-Jean-de-Luz

der Blick nach Ciboure

Nach einer weiteren Nacht in Saint-Jean-de-Luz fahre ich Montag weiter. Nur ein paar Kilometer entfernt das Dorf Socoa mit seiner Festung, die praktisch schon fast im Meer steht. Den örtlichen Waschsalon nutzen und danach weiter die Küste lang. Pause am Pointe Sainte-Anne. Schönes Kap mit zerklüfteter Küste. Während dem Spaziergang zeigt sich wie schnell hier das Wetter wechselt. Vom schönsten Sonnenschein zu einem tiefgrauen Himmel braucht es keine zwanzig Minuten. In Hendaye, der letzte Ort auf französischem Boden, campiere ich unterhalb der Stadt am alten Hafen. Gegenüber liegt Spanien, der Ort Hondarribia und der Flughafen von San Sebastian, auch wenn es zur Metropole mehr als 20 km sind. Der Fluglärm hält sich bei geschätzt 15 Starts und Landungen stark in Grenzen. 18 Uhr beginnt es zu regnen, was erst Mitternacht wieder aufhört. 

Socoa

Eindrücke vom schönen Pointe Sainte-Anne

Damit endet meine Zeit in Frankreich vorerst. Ich schlafe zwar noch eine Nacht in Hendaye, verbringe den Tag aber schon in Spanien. Es fällt mir, und das ist ungewohnt, sehr schwer mich von Frankreich zu trennen. Das Land hat immer wieder gezeigt wie ideal es für unabhängige Reisende wie mich ist und egal wie schön Spanien, später wahrscheinlich Portugal, werden sollte, es wird schwer der “Grand Nation” das Wasser zu reichen.
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