finale Fassung dieser Seite vom: 10.10.2023


Ende April 2023 breche ich zu einer längeren Reise in die USA auf.
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Den ersten Teil der Reise seht ihr hier.
Um die Seite nicht zu groß und lang werden zu lassen findet ihr Teil 2, ab dem 28. September 2023, hinter dem Button: USA 23/24

 Reiseroute und besuchte Orte

1. Woche vom 27. April bis 3. Mai 2023
Nachdem ich meinen Camper am 13. April zur Verschiffung in Hamburg abgegeben habe, geht mein Flug mit Condor am 27. April nach New York. Dort ein kurzes, aber intensives Gespräch an der Passkontrolle, dann stehen 6 Monaten erlaubter Aufenthalt in meinem Pass. Recht entspannt gelingt mit einer Kombination aus Air Train und U-Bahn der Transport zur Airbnb Unterkunft. Die liegt zwar in der Bronx, ist aber nur durch eine Brücke von Harlem getrennt. Freitag gleich rein nach Manhattan. Das Programm typisch für einen Touristen: Central Station, St. Patricks Cathedral, Crysler Building, Empire State Building, National Library, Bryant Park, The Vessel und natürlich der Times Square. Letzterer verschafft eine komplette Reizüberflutung. So viel Werbung, übergroß auf so vielen Screens in so schnellem Wechsel. Da tut es gut den Tagesabschluss im Central Park zu suchen. Puh, das waren schon mal viele Asphaltkilometer zu Fuß. Samstag regnet es wie aus Eimern. Auf den Straßen und Fußwegen riesige Pfützen und selbst nach dem kurzen Gang zum Supermarkt ist man pitschnass. Einkaufen schockt etwas. Die Preise liegen sehr deutlich über europäischem Niveau und die Liste der Inhaltsstoffe bei vielen Produkten ellenlang, meist angeführt von Zucker.

Skyline New York Downtown

           Times Square

   St Patricks Cathedrale, märchenhaft von außen wie innen

Am Sonntag bleibt es wenigstens ein paar Stunden trocken, das reicht für einen Spaziergang durch Harlem. Montag bei tollem Wetter die nächste Runde in Manhattan. Zuerst mit der Staten Island Fähre übers Wasser. Fotos von der Freiheitsstatue sucht ihr vergebens. Die hatte ich mit der Kamera gemacht, doch mein Laptop hat die Formatierung der SD-Karte abgelehnt. Damit sind die ersten 40 Fotos futsch :-(. Die Fähre zurück war übrigens ganz schön abgewirtschaftet, wie auch ein Großteil der hiesigen Infrastruktur. Weiter zu Fuß. Wall Street, der futuristische Oculus, die Gedenkstätte vom World Trade Center und die Brooklyn Bridge. Sagenhaft mit wie viel “Anlauf” sie sich hoch über dem Wasser von Ufer zu Ufer schwingt. Außerdem ist da richtig was los und die Touristen schieben sich über den schmalen Fußweg. Mehr Platz, aber nicht weniger Eindrücke bekommt man vom High Line Trail. Ein umfunktionierter Schienenstrang führt in ca. 10 m Höhe abwechslungsreich quer durch einen Teil der Innenstadt. Genial und verkehrsfrei. Kleiner Sidekick: Little Island, eine super gestaltete künstliche Insel. Als heute vorerst letztes der Gang durch Chinatown und Little Italy. Das war mehr als genug für nur einen Tag in der Stadt die niemals schläft. 

statt dem Original

Chrysler Building

One World Trade Center

tolle Architektur

   The Vessel

 Central Station

Oculus Center

       an der Wall Street

         Brooklyn Bridge

   auf der Brooklyn Bridge

Dienstag werde ich von einer ehemaligen Arbeitskollegin aus meiner Luzerner Zeit abgeholt. Ich verbringe ein paar Tage bei ihr und ihrem Mann. Die beiden hatten vor 5 Jahren in der Green Card Lotterie gewonnen und sind ausgewandert. Nun haben sie ein Haus in Guilford, ungefähr 150 km nördlich von New York im Staat Connecticut. Nette Gegend, viel Grün und angenehme Nachbarschaft. Trotz ihrer Hilfe bleibt es schwierig eine Autoversicherung für mich abzuschließen. Das macht einige Sorgen.

2. Woche vom 4. bis 10. Mai 2023
Nach vielen Absagen hilft mir nur noch Seguro Gringo, eine Versicherung mit Sitz in Mexiko. Nur Haftpflicht, aber immerhin zu annehmbaren Konditionen. Fast einen Tag brauche ich um die nächste Woche mit Transport und Übernachtung zu planen bzw. zu buchen. Freitag bringt mich Christa nach New Haven, dem Sitz der Yale Universität. Es bleibt etwas Zeit über den alten Campus zu spazieren bis ich mit dem Bus nach Philadelphia fahre. Die Stadt macht von Beginn an einen sehr guten Eindruck. 

in Guilford

       New Haven, Teile der alterwürdigen Yale Universität

  erster Eindruck Philadelphia

Samstag bei tollem Wetter ein ausgedehnter Stadtbummel durch Philadelphia. Die Großstadt wirkt sehr entspannt, genau wie deren Bewohner. Für amerikanische Verhältnisse steht hier viel historisches: die älteste dauerhaft bewohnte Gasse; das Haus von Betsy Ross, die wohl die erste Flagge des Landes nähte; die Freiheitsglocke usw. Daneben wurden viele leere Hauswände mit riesigen Bildern bemalt, richtig cool. Am Kunstmuseum die berühmten Treppen von “Rocky” nebst seiner Statue. Ich schlafe im Apple Hostel, ein sehr gutes Haus mit vielen Annehmlichkeiten. Da trifft man auch auf andere interessante Reisende. Später ein Besuch auf einem Strassenfestival ein paar Blocks weiter. Dort sehe ich dann den ganzen Mix aus der hiesigen Bevölkerung  

         riesige Wandbilder

 Zentrum Philadelphia

           Elfreths Alley

 Liberty Bell

einfach cool

Sonntag nach dem Frühstück schnell ins Zentrum von Philadelphia. Neben dem eindrucksvollen Rathaus, das ist größer als das Capitol in Washington, der Mansonic Temple von den Freimaurern. Was für ein Bau! Die Logenräume ihrem Namen nach gebaut, wobei der ägyptische auf mich den größten Eindruck macht. Da sieht man mal was die (nur früher?) für einen Einfluss hatten. Hinterher schnell zum Bahnhof. Leider muss ich heute schon weiter. Das ist der Nachteil wenn man Transport und Unterkunft schon im voraus buchen muss. Am Nachmittag kommt mein Bus in Washington an, wo ich mich in einer Art Hostel einrichte.  

Philadelphia, Rathaus

     davon gibt es dutzende

Mansonic Temple, im 18.Jh von der Loge der Freimaurer gebaut

Montag bei sehr schönem Wetter der erste Rundgang in der Hauptstadt. Am Capitol sind überraschend wenig Leute unterwegs, wie man auf dem Foto sieht. Dahinter beginnt die National Mall, ein großzügig angelegtes Gelände mit einer Vielzahl an Museen, Memorials und Monumenten. Erstere lasse ich vorerst aus, dafür ist das Wetter zu schön. Vorbei am National Monument und dem Reflection Pool sind es über 4 km bis zum Lincoln Memorial. Weitere Memorials betreffen die Kriege in Vietnam, Korea und WWII. Das ist fast ein bisschen zu viel des guten. Auf dem Rückweg doch der Gang ins Air and Space Museum, um der Sonne zu entfliehen. Nett gemacht und interessant, wenn auch ein wenig zu viel Effekthascherei, Amerika eben. Tags darauf regnet es zeitweise. Ich beschäftige mich mit der Abholung vom Auto. Das Schiff hat in Baltimore angelegt, nur kann mir keiner sagen wann der Zoll die Freigabe erteilt. Also in Geduld üben und weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Betracht ziehen. Nachmittag wieder ins Zentrum, heute zum Naturkundemuseum. Auch da ist der Eintritt frei. Viele Ausstellungsräume, viel zu sehen. Das bekannteste Exponat ist der Hope Diamant, geschätzter Wert: 250 Millionen. Mittwoch bei Sonnenschein eine weitere Runde in der Stadt. White House, National Archives, Supreme Court, Library of Congress. Viel Geschichte, aber auch tolle Architektur.  

Washington, das Capitol

       auf der National Mall

         Lincoln Memorial

National Monument

der Hope Diamant

       Kongressbibliothek

           das Weiße Haus

   Washington kann auch so

3. Woche vom 11. bis 17. Mai 2023
Die Hafenbehörde in Baltimore konnte mir gestern nicht zusichern das mein Auto heute freigegeben wird, also habe ich mir eine bezahlbare Übernachtung in Baltimore organisiert, was schwierig war. Mittag steige ich in Washington in den Amtrak Zug. Die Waggons erinnern stark an eine Aluminium Röhre und die Fenster sind so schmal das man kaum was von der Gegend sieht. In Baltimore ein Stadtbummel. Ganz nett, vor allem um den Inneren Hafen herum. Am Nachmittag sind die Papiere im e-mail Fach und ich kann für morgen früh einen Termin im Hafen machen. Das gebuchte Gästehaus liegt etwas außerhalb und auch wenn die Gegend keineswegs gefährlich wirkt bin ich froh nur eine Nacht zu bleiben. Freitag sehr früh zum Hafen von Baltimore. In der Stadt ist trotz Rush Hour überraschend wenig los, U-Bahn und Bus sind fast leer. Anderthalb Stunden dauert es, dann sind alle Formalitäten erledigt und ich kann meinen Camper unversehrt in Empfang nehmen. So kann der Roadtrip beginnen. Erst mal Wasser fassen, einkaufen und das Auto grob einräumen. Beim Tanken, das Auto musste fast leer abgegeben werden, erwische ich bei Shell wohl richtig schlechten Diesel, denn der Motor läuft nicht richtig rund und bringt weniger Leistung. Immerhin zeigt keine Kontrollleuchte größere Probleme an. Ich komme heute bis Hagerstown und übernachte am Cracker Barrel Restaurant, die haben extra Parkplätze für Camper. Samstag regnet es und ich bleibe in Hagerstown. Weitere Erledigungen und voraus planen. Sonntag bei tollem Wetter den Gebirgszug der Appalachen queren. Unterwegs eine schöne Pause im Rocky Gap State Park und  später in Cumberland. Eine nette Stadt die zum Bummeln einlädt. Kirchen, schöne Häuser und ein alter Kanal machen was her.

Baltimore

       durch die Appalachen

Pause im Rocky Gap State Park

     idyllisches Cumberland

Montag auf der Interstate 68 nach Westen. Der Dieseltank leert sich dabei viel schneller als sonst, also bald tanken. Der Diesel scheint besser zu sein, denn der Motor fängt an ruhiger zu laufen und mehr Leistung zu bringen. Mittag erreiche ich Ohiopyle. Ein kleines Nest mit Charme, dazu im angrenzenden Naturschutzgebiet ein schöner Fluss mit Wasserfällen. Übernachtet wird in Triadelphia. Tags darauf weiter. Der AAA (Amerikanischer Automobilclub) versorgt mich als ADAC Mitglied kostenlos mit Karten, das erleichtert trotz Navi die Orientierung und Planung. Dann auf der 250 durchs Hinterland. Schöne Gegend, viele verstreut liegende Grundstücke, die meisten ohne Zaun und mit perfektem Rasen. Ein Halt in Cadiz. Beeindruckendes Rathaus und der Geburtsort von Clarke Gable. Am Nachmittag im Amish County. Da leben viele noch nach den alten Prinzipien, lehnen Technik und Fortschritt ab. So stehen auf dem Parkplatz vom Supermarkt in der Kleinstadt Berlin, davon gibt es im Land einige, so wie auch viele andere europäische Stadtnamen, eben auch Pferdekutschen. Die Nacht bleibe ich in Columbus. Mittwoch auf der I-70 weiter nach Westen. In Dayton ein Besuch im US Air Force Museum. Das ist riesig und beherbergt in fünf riesigen Hangars hunderte von Flugzeugen. Da ist von den Gebrüdern Wright bis zur Air Force One von John F Kennedy alles dabei. Die Technik lässt staunen, und man darf auch in die Präsidentenmaschine sowie ins ausgestellte Space Shuttle. Das ist ein Mega Museum.

Ohiopyle

                 Cadiz

Im Air Force Museum von Dayton, Hangars voll mit Flugzeugen

           Amish County

   die Air Force One von JFK

     Tradition und Moderne

         das Space Shuttle

4. Woche vom 18. bis 24. Mai 2023
Nach einer recht kühlen Nacht in Richmond fahre ich auf der Interstate 70 weiter nach Westen. Die Kilometer summieren sich auf, aber ich will so bald wie möglich in den Nationalparks im Westen eintreffen. In 10 Tagen beginnt die Hochsaison und es wird zunehmend wärmer. Heute liegt Indianapolis am Weg. Dort will ich mir den berühmten Rennkurs samt Museum anschauen, aber offensichtlich ist Rennwoche und nirgends ein freier Parkplatz zu finden. Ansonsten wird die Landschaft zunehmend flach und der Highway schnurgerade. Freitag: Nach den Staaten Maryland, West Virginia, Pennsylvania, Ohio und Indiana bin ich nun schon in Illinois. Als erstes die Uhr eine Stunde zurück drehen, jetzt gilt Central Time. Inzwischen wurde die I-74 meine zweite Heimat, nur durch Pausen in recht schönen Parks unterbrochen. Nach einer Nacht in Peoria schaue ich mir die Stadt an. Die ist aber wie so viele hier in meinen Augen nicht besonders sehenswert. Besser wird das in den Quad Cities, vier zusammengehörige Städte am schon hier erstaunlich breiten Mississippi. Interessant ist der John Deere Pavillon in Moline, eine der vier Städte. Von den Anfängen als Traktorenhersteller bis zu ultramodernen Mähdreschern mit nun 18 m Schnittbreite gibt es da viel zu sehen.   

schnurgerader Highway

           am Mississippi

     im John Deere Pavillon

   ein Monstrum an Maschine

Sonntag fahre ich zuerst nach Mount Vernon. Die Kleinstadt wirbt mit einem historischen Zentrum, doch das befindet sich wohl schon auf dem absteigenden Ast. Auch Iowa City hält mich nur kurze Zeit. Auf dem ruhigen Highway 6 rolle ich dann zu den Amana Dörfern. Einst von Deutschen gegründet ist diese Kommune etwas mit den Amish zu vergleichen, nur wird hier Technik und Fortschritt nicht abgelehnt. Schöne Dorfstrassen mit sehenswerten Gebäuden. Witzig: ein Restaurant heißt Ronneburg, na das klingt wie Heimat ;-). Auf dem angenehm zu fahrenden Highway 6 bleibend komme ich bis Newton. Montag zur Hauptstadt von Iowa, Des Moines. Am gleichnamigen Fluss gelegen macht die Skyline schon mal was her. Der schöne asiatische Garten mit entsprechender Architektur wird vom Capitol des Landes getoppt. Der Bau mit dezentem Prunk und viel Stil. Die Bibliothek ist ein Juwel und der Gang bis rauf in die Domkuppel eröffnet fantastische Perspektiven. Dieser Besuch hat sich wahrlich gelohnt.

Amana Dorf

           schöne Häuser

             Des Moines

       Robert D. Ray Garten

das Capitol von Iowa in Des Moines

           das Parlament

die Bibliothek mit genialen Wendeltreppen

150 km weiter übernachte ich bei Hancock auf einem sehr schönen Campingplatz. Dienstag regiert wieder die Strasse. Auf der I-29 durch flaches Land nach Nordwesten. Unterwegs mal wieder tanken. Die Gallone Diesel (3,78 Liter) kostet meist knapp unter 4 USD, also im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Ich gebe inzwischen ein Additiv hinzu, das hebt die Cetanzahl und hilft dem Motor. Die anfänglichen Spritprobleme sind Geschichte und mein Camper läuft ruhig und gut. Vorbei an Sioux City wird die Kleinstadt Vermillion mein nächster Übernachtungsort. Mittwoch bleibe ich vorerst auf Nebenstrassen. Die 19 führt quer durch ländliches Gebiet. Erstaunlich wie weit weg von allem manche ihr Grundstück haben. Da dauert die Fahrt zum nächsten Supermarkt wenigstens eine halbe Stunde. Bei Humboldt auf die vielbefahrene Interstate 90 abbiegen. Nächster Halt in Mitchell wo ein Corn Palace steht. Die wurden Ende des 19. Jh. erbaut und waren Ausdruck gut laufender Geschäfte. Heute sind leider nur noch wenige davon übrig. In Mitchell steht wohl einer der schönsten. Die riesigen Wandbilder außen wie auch innen werden jährlich mit neuen Motiven gestaltet. Als Material wird Mais und Stroh verwendet. Ersterer wird extra dafür farbig gezüchtet. 100 km weiter schlage ich mein Lager in Oamaca auf, direkt am Flussufer des Missouri. Das fühlt sich richtig gut und frei an.

Mitchell, Corn Palace

Kilometer, Kilometer, Kilometer

     recht unberührte Prärie

nun beginnt der Wilde Westen

5. Woche vom 25. Mai bis 31. Mai 2023
Donnerstag der erste Halt bei Al’s Oasis. Scheint als beginnt hinter dem Missouri der Wilde Westen, jedenfalls sind nun einige Gebäude touristenwirksam auf alt getrimmt. Dann auf der Interstate 90 weiter nach Westen. Felder machen nun scheinbar unberührter Prärie Platz, sehr angenehm fürs Auge. Bald muss ich erneut die Uhr eine Stunde zurück drehen. Nun gilt Mountain Time, sprich 8 Stunden Differenz zu Deutschland. Beim Meilenstein 131 die Kreuzung zur 240. Auf der einen Seite das frühere Kontrollzentrum der Minute Man. In Zeiten des Kalten Krieges waren hier viele unterirdische Silos mit Interkontinentalraketen bestückt, die Atomsprengköpfe innerhalb von 30 Minuten bis nach Moskau schießen konnten. Lieber nicht darüber nachdenken. Auf der anderen Seite führt die 240 in den Badlands Nationalpark. Ich hole mir für 80$ den Jahrespass für alle Nationalparks der USA. Ein Schnäppchen bei einem durchschnittlichen Eintritt von 30$. Die Badlands sind eine wahre Mondlandschaft. Trocken erodierte Canyons und Kliffs mit farbigen Schichten, ganz besonders bunt am Yellow Mouth. Staunend laufe und fahre ich da durch, halte an vielen Aussichtspunkten. Die Temperatur liegt bei 30°C, dabei ist der Hochsommer noch weit weg. Am Ausgang des Parks grasen friedlich ein paar Bisons. Etwas weiter kann ich mit Blick über die Badlands über Nacht stehen bleiben, so cool

Badlands Nationalpark

 auf der Strasse mitten durch

           Yellow Mouth

   mein Platz für die Nacht

Am nächsten Morgen weiter nach Wall. Der kleine Ort besteht aus ein paar Strassen. Mitten drin Wall Drug, eine Touristenfalle die bereits seit 200 Meilen am Highway Werbung macht. Viel Souvenir und Kitsch mit einem Hauch von Wildem Westen. 80 km weiter liegt Rapid City, für amerikanische Verhältnisse eine durchaus sehenswerte Stadt. Verteilt an der Hauptstrasse stehen die Bronzen von 42 amerikanischen Präsidenten, das nenne ich Geschichte zum Anfassen. Abends ziehen ordentliche Gewitter durch, glücklicherweise ohne Hagel. Samstag das profane Camperleben. Der Waschsalon hier kostet mit Trockner nur 5$, das ist günstig. Abends erneut starke Gewitter und Regenschauer, das scheint hier Dauerprogramm zu sein. Sonntag die Fahrt in die Black Hills, nur 40 km weiter. Die erheben sich wie eine Insel in der ansonsten flachen Landschaft. Nachmittags zum Horse Thief Lake wandern. Dabei entwickelt sich rasend schnell ein heftiges Gewitter mit Hagel im Gepäck, der bald 3 cm hoch liegt. Mich weicht es bis auf die Haut ein, das Auto hat es wohl unbeschadet überstanden. Montag ist Memorial Day, Feiertag. Das Wetter wieder schön, aber ich traue dem Frieden nicht. Gleich früh zum Mount Rushmore, wo überdimensional die Köpfe von vier US-Präsidenten in den Fels gehauen wurden. Das macht Eindruck. Hinterher meine erste Radtour im Land. Auf der Ironroad bergauf und -ab durch die Wälder, schmale Tunnel und 360° Kurven inklusive. Schon Mittag ziehen Wolken auf, mein Signal die Black Hills zu verlassen. Ein Halt noch in Keystone, wo Dahl, Meister seines Faches, mit der Kettensäge wahre Kunstwerke aus Holz schafft. Tolle Ausstellung. In der Hitze des Nachmittages fahre ich weitere 100 km durch flache Landschaft bis Chaldron.   

Rapid City, Lincoln und ich

 Keystone, Dahl’s Chain Saw Art

         Mount Rushmore

 Rapid City, George Bush Sen.

   Nebraska, 3 Einwohner/km²

             Black Hills

             Carhenge

Dienstag auf der 385 weiter in Richtung Süden. Sehr wenig Verkehr auf der Strasse. Kein Wunder wenn man bedenkt wie dünn besiedelt der Staat Nebraska ist. Bei Alliance eine Pause mit besonderer Kunst: im England Urlaub war einer so begeistert von Stonehenge, das er selbiges mit Autos nachgestellt hat :-). Auch heute drückt die Sonne heiß vom Himmel und eine Pause im Schatten ist bitter nötig. Spät am Nachmittag in Bayard, wo die Gemeinde drei Wohnmobilstellplätze mit Strom und Wasser für  zwei Nächte kostenlos zur Verfügung stellt. Inzwischen ziehen dunkle Wolken auf. Ungewöhnlich,aber hilfreich: Radioprogramme werden mit speziellen Tönen unterbrochen und der Wetterdienst gibt Warnungen durch. Bayard wird von schweren Unwettern nur leicht gestreift, da hab ich viel Glück gehabt. Mittwoch mehr Autobahnkilometer. Die Interstate 80 fühlt sich teils an wie in der DDR, sprich Betonplatten mit spürbaren Absätzen. Das nervt! Ich komme bis Fort Collins, die 320 km reichen für heute. 

Bayard, gefährliche Unwetter

  letzter Blick auf die Ebene

  friedlicher Abend in Boulder

 Schneeregen in den Rockies

6. Woche vom 1. bis 7. Juni 2023
Donnerstag sind es “nur” 100 km bis Boulder, wo ich mich um WLAN, Informationen, Lebensmittel und die Aktualisierung meiner Homepage kümmere. Kleiner Spaziergang in den nahen Bergen, die sich von der Ebene schlagartig in die Höhe schwingen. Nach einer regnerischen Nacht streife ich am Freitag den Stadtrand von Denver und nehme den alten Highway 6 rein in die Berge der Rocky Mountains, der dann in die Interstate 70 mündet. Was nett beginnt, wird mit zunehmender Höhe leicht dramatisch. Erst Sonne, dann Wolken, dann Regen. Auf dem Pass in knapp 3.400 m Höhe sind nur noch 1°C und es fällt Schneeregen. Geplante Pausen entfallen bei den Bedingungen und ich halte praktisch erst nach 390 km in Grand Junction, wo wieder die Sonne scheint Samstag die spontane Entscheidung: ein Tag Pause. Gleich neben Grand Junction liegt das Colorado National Monument, eine Canyonlandschaft. Genau richtig für eine tolle Radtour. Es sind ordentlich Höhenmeter dabei, doch die Ausblicke entschädigen. 

Radweg am Colorado River

  rein in die Canyonlandschaft

   das Colorado National Monument mit herrlichen Eindrücken  

Sonntag folge ich weitere 100 km der Interstate 70 bis ich auf die 128 abbiege. Die Straße führt bald sehenswert am Colorado entlang durch so manchen Canyon. Nördlich von Moab dann zum Canyonlands Nationalpark (NP) abbiegen. Um Entfernungen verständlich zu machen: von der Straße bis zum Eingang des NP sind es 20 km, danach zum interessanten Teil weitere 35 km ans Ende einer Sackgasse - also den selben Weg auch wieder zurück, wobei nicht mal ein Haus zu sehen ist. Ich laufe bis zum Grand View Point mit genialem Ausblick auf die sehr trockene und zerklüftete Canyonlandschaft. Weitere Highlights: Mesa Arch, eine Naturbrücke am Abhang und der Blick auf Dead Horse Point, Schauplatz der finalen Szene von “Thelma & Louise”. Abends zieht bald Ruhe ein. Schlafen kann ich gleich außerhalb der Parkgrenzen, ohne Lichtverschmutzung unter tollem Sternenhimmel.

am Colorado entlang

         Canyonlands NP

         *Grand View Point

             Mesa Arch

Montag 5 Uhr aufstehen. Ich fahre zum Arches Nationalpark. Der wird so stark besucht das man ein Ticket mit Zeitfenster im Internet buchen muss. Selbst dann wartet man durchaus noch eine Stunde am Parkeingang. Vor 7 Uhr braucht man das nicht, weshalb überraschend viele schon, so wie ich, 6 Uhr da sind. Der Park ist für seine Vielzahl von Naturbrücken bekannt. Von den mehr als 2.000 sind längst nicht alle sehenswert, aber die Delicate Arch hat es auf jedes Prospekt und Nummernschild von Utah geschafft. Zu der laufe ich zuerst. Beeindruckend wie sie da auf einem abschüssigen Plateau steht. Weiter folgt in der Hitze der Sonne eine Wanderung nach der anderen. Die Landschaft ist atemberaubend und voller Überraschungen. Staunend blicke ich auf das zerklüftete Fiery Furnace, laufe bzw. klettere durch Devils Garden bis zur Double O Arch und sehe dabei die Landscape Arch mit über 100 m Spannweite, die trotz wenig Material noch immer hält. In der Hitze des Nachmittages zu den Windows. Dort steht auch die Double Arch, ein wahres Monstrum das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Auf jeder meiner Reisen gab es so etwas wie einen Zündfunken, der alles richtig ins Rollen gebracht hat: der Arches NP könnte es für mich sein.

Arches NP, Park Avenue

Landscape Arch

     am Devils Garden

 Delicate Arch

             Double Arch

     North and South Window

           Double O Arch

 geniale Farben

           Turm zu Babel

Dienstag auf der 191 gemächlich nach Süden. Die Sonne brennt heiß vom Himmel, da ist es umso schöner bei Monticello auf eine kleine grüne Oase zu treffen. Am Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, ich bleibe aber von Gewittern verschont. 170 km nach dem Start halte ich bei Bluff. Neben dem Dorf kann man am San Juan River auf BLM Land (Regierungsland) campen. Weit und breit ist kein anderer zu sehen, das ist Abenteuer. Tags darauf ist es noch etwas mehr als eine Stunde Fahrt, vorbei am Mexican Hat, zum Monument Valley. Schon der erste Anblick beeindruckt, es ist das Setting aus “Forest Gump”. Demzufolge filmen sich auch viele wie sie die Strasse entlang rennen... Kurz darauf mitten im von Navajo verwalteten Park. Das Licht passt gar nicht, also lange Mittagspause. Danach stimmt alles und mein Fotoarchiv füllt sich mit sehenswerten Aufnahmen. Es sind dann weitere 90 km bis zum Navajo National Monument am Betatakin Canyon. Etwas neben dem Highway liegend lohnt sich der Abstecher. Eine geniale Landschaft auf 2.200 m. Der einfache Campingplatz da bietet viel Raum, Ruhe und ist sogar kostenlos.  

bei Monticello

Regen der unterwegs verdunstet

             *Panorama Fotos vom Monument Valley

   wie in “Forest Gump”

       West und East Mitten

   Betatakin Canyon mit uralter Siedlung auf dem Talgrund

7. Woche vom 8. bis 14. Juni 2023
Auf dem Campingplatz begegne ich einem jungen Paar aus Mittweida, die auch mit einem VW Camper unterwegs sind, Sachen gibt’s. Mir gefällt der Platz so gut das ich eine zweite Nacht bleibe. Nur schade das man ohne Ranger nicht in den Canyon zu der alten Navajo Siedlung darf, die Touren sind erst nächste Woche möglich. Freitag früh sind nur 8°C, die Höhe macht’s. Auf fast leeren Strassen fahre ich nach Page. Kurz vor der Kleinstadt am Antelope Canyon halten. Der soll super sein, nur kostet im Internet die Tour zwischen 100 und 150$ und viele Termine sind bereits vergriffen. Vor Ort nachgefragt die Überraschung: ein Ticket ist kein Problem und kostet cash nur 66$. Zwanzig Minuten später steige ich mit 13 anderen und der Führerin Carmelita in den Canyon. Von oben unscheinbar, betritt man 20 m tiefer eine phantastische Welt. Wasser fließt hier nur selten durch, so hat es hunderttausende von Jahre gebraucht diese Formen aus dem Fels zu schleifen. Das wenige Licht was eindringt lässt die orange/roten Felsen in allen Schattierungen erglühen. Staunend laufen wir durch dieses Naturspektakel. Carmelita erklärt und zeigt sehr viel, außerdem macht sie von sich aus mit unseren Handys an den richtigen Stellen Fotos von uns. Absolut genial.   

der Antelope Canyon, unscheinbar von außen, fantastisch von innen

   der Windows Screensafer wurde hier fotografiert

So ein Knaller gleich am Morgen, das braucht erst mal Zeit zum “verdauen”. In Page einkaufen, tanken und mittags einen der seltenen Schattenplätze für eine längere Pause nutzen. Wir sind bei 34°C im Schatten, doch die Vorhersage meldet ab nächste Woche noch 5°C mehr. Am Nachmittag zum nahen Glen Canyon Dam. Der hat einen 150 km langen Stausee geschaffen, dessen “Arme” sich in jeden kleinen Seitencanyon verzweigen. Die Brücke daneben, hoch über dem Fluss, sieht aus wie an die Wand geklebt. Als nächstes südlich von Page zur Horseshoe Bend, eine eindrückliche Schleife des Colorado River. Die Stadt verlangt inzwischen 10$ Eintritt, doch auch wenn man schon das Foto gesehen hat, so ist der Eindruck vor Ort ziemlich überwältigend. Die Sonne brennt und langsam sehne ich mir Kühlung herbei. Ein durch Bergrücken nötiger, 40 km langer, Umweg führt auf der 89A zum Marble Canyon mit seinen senkrechten Wänden. Auf den nächsten 65 km steigt die Strasse von 1.000 m auf 2.300 m an und ich bin im Kaibab National Forest. Auch ohne Schatten ist es hier angenehm und man darf praktisch überall, allgemeine Regeln beachtend, campen. So stehe ich dann mitten im Wald, keine Menschenseele weit und breit. Das nenne ich Freiheit!   

Horseshoe Bend

 der Glen Canyon Dam und  die Brücke daneben

   Campen im Kaibab Forest

 Marble Canyon

Samstag früh die Fahrt zum Grand Canyon North Rim. Das sind vom Abzweig am Jacob Lake noch ganze 90 km! Und wenn wir bei Distanzen sind: Vom Nord- zum Südrand des Grand Canyon sind es Luftlinie 16 km - auf der Strasse jedoch ganze 340 km! Am Strassenrand sieht man noch Schneereste, kein Wunder bei 2.700 m Höhe und 0°C am Morgen. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen. Am Visitor Center führt ein Pfad zum Bright Angel Point, von dem man eine tolle Sicht auf den Canyon hat. Bei der gemäßigten Temperatur hier mache ich spontan eine Radtour zum Cape Royal. Dahin sind es 35 km, wobei die Strecke im steten auf und ab durch den Wald führt und immer wieder Blicke auf den Grand Canyon frei gibt. Zum Übernachten muss ich wieder raus aus dem Nationalpark. Sonntag zeitig auf und schon 7 Uhr am North Kaibab Trail, dem einzigen Weg runter in den Canyon. Nur ist der wegen schwerer Winterschäden noch gesperrt und ein Ranger passt auf das sich alle daran halten. Schade Also eine kleine Alternative suchen und mir später bei Jacob Lake einen gemütlichen Nachmittag im Wald machen. Montag die Fahrt hinunter nach Kanab. Dort einen Waschsalon nutzen, Informationen sammeln und mit denen die nächsten Tage planen.  

Schneereste am Grand Canyon

  Blick vom Bright Angel Point

           the place to be

  Grand Canyon im Abendlicht

Dienstag klingelt der Wecker 5 Uhr und bin ich bereits 7 Uhr im Zion NP. Trotz der frühen Stunde sind überraschend viele Leute unterwegs. Wenn man zu spät kommt wird es echt schwierig einen Parkplatz zu finden. Im Park sind keine Autos erlaubt, nur Shuttle Busse und Fahrräder. Gut (m)eins dabei zu haben. Nach einigen Kilometern halte ich am Grotto Point und wandere los. Steil führt der Pfad rauf zum Canyonrand, wobei vor allem Walters Wiggles, 21 enge steile Kehren, helfen. Den schmalen Grat, Angels Landing, darf man nur mit einer Permit besteigen, täglich per Lotterie verlost. Deren Anmeldezeiten sind für mich so unpassend das ich das lasse. Und: am West Rim Trail findet meine Spürnase mit etwas Kletterei einen wahrscheinlich besseren Aussichtspunkt, den ich sogar ganz allein genießen kann. Der Blick von da in den Canyon ist unschlagbar. Dann war der Hidden Canyon geplant, nur ist der wegen Steinschlag gesperrt. Abends findet sich vor den östlichen Toren des Parks ein recht guter Stellplatz. Am nächsten Tag wieder in den Zion NP, wenn auch nur ein Stück. Ich nutze selten begangene Pfade, sprich da ist gar keiner, rauf zum Progeny Peak. Nur die wenigsten bekommen diesen Eindruck vom Park. Später noch der Many Pools Trail, auf dem man einem fast trockenen Bachbett hinein in die Berge folgt. Ein echt sehenswertes Stück Natur. Selbiges kann man von der Bisonherde sagen, der ich am Rande des Parkes begegne. “Sanfte Riesen” trifft als Bezeichnung wohl am besten zu.

Zion NP, ein wundervoller Blick

 “mein” Platz am West Rim

   Aussicht vom Progeny Peak

 Angels Landing

wild aber friedlich

8. Woche vom 15. bis 21. Juni 2023
Die letzten Tage waren anstrengend, was vor allem an der intensiven Sonne liegt. Also Donnerstag eine Pause am Virgin River. Etwas Schatten und bei Bedarf ein kühles, knietiefes Bad, mehr braucht es heute nicht. Am Abend ziehen, recht nah, heftige Unwetter durch, mal wieder Glück gehabt. Freitag zurück nach Kanab, Vorräte auffüllen. Den Plan “The Wave” zu sehen gebe ich erst mal auf. Das Lotterieglück bei der Verlosung, kostet jedes Mal 9$, war zwei Mal nicht auf meiner Seite, und teilnehmen kann nur wer sich im näheren Mobilfunkbereich aufhält. Egal, es gibt genug anderes zu sehen. Bei der Fahrt zurück zum Virgin River besuche ich die Moqui Caverns, Höhlen im 30 m hohen Steilhang, und den Elkheart Slot Canyon. Den Samstag verbringe ich erneut am Fluss, wandere nur mal durch den nahen “Belly of the Dragon”, einen Canyon mit Tunnel. Am nächsten Morgen auf der 89 nach Norden. Vor Panguitch auf den Highway 12 nach Osten abbiegen. Das flache Land steigt kurz darauf steil an und ich komme in den Red Canyon. Der Name ist Programm. Leuchtend roter Fels, in alle möglichen Formen erodiert. Es macht Spaß da herum zu laufen und zu fotografieren. Später findet sich ein schattiger Platz im Wald, wo ich auch übernachten kann.

Belly of the Dragon

Elkheart Slot Canyon

       unterwegs im Red Canyon mit seinen vielfältigen Formen

 Salz und Pfeffer

Montag früh sind es nur 20 km zum Eingang vom Bryce Canyon NP. Gar nicht weit davon stelle ich das Auto ab und laufe zum Sunrise Point. Obwohl ich den Bryce Canyon schon vor 24 Jahren gesehen habe, überrascht und beeindruckt der erste Blick auch heute: unzählige Hoodoos, der Fels in den Farben weiß bis rot und in allen Schattierungen dazwischen. Naturschauspiel ohne gleichen. Komisch, sonst waren immer viele Leute unterwegs, aber hier und heute hält sich das in Grenzen. Kann mir nur recht sein. Mein erster Weg ist der Queen Garden Trail. Das frühe Morgenlicht lässt die Felsen in einem herrlichen Orange erstrahlen, genial. Weiter auf dem Peek-a-boo Trail. Der führt mitten durch den Canyon, wobei sich alle paar Meter komplett neue Aussichten und Eindrücke ergeben. Auch hier begegnen mir nur wenige Leute. Das ändert sich ab dem Navajo Loop. Steil führen Spitzkehren rauf zum Canyonrand, und von da aus ebenso steil durch die Wall Street hinunter. Da kommt so mancher außer Atem, schliesslich liegt der Park über 2.300 m hoch. Ich mache eine Pause im Schatten und setze mich dann aufs Rad. Bis zum letzten Aussichtspunkt, dem Rainbow Point, sind es über 30 km. Nicht nur die Steigungen kosten Kraft, auch der starke Gegenwind. Da heißt es die Zähne zusammenbeißen. Glücklich über die zahllosen Eindrücke endet meine Runde am Inspiration Point mit Blick über die “Silent City”. Ein toller Tag. Nach der Nacht im offiziellen dispersed Campingplatz (ohne Anlagen liegen sehr verstreut einige Stellplätze im Wald) ein weiterer Besuch im Bryce Canyon. Heute die Wanderung auf dem Fairyland Trail bis zur Tower Bridge. Auch da wieder herrliche Felsformationen mit leuchtenden Farben. Dieser Park ist echt der Hammer.     

Inspiration Point: Silent City

           Fairyland Trail

           Peek-a-boo Trail, wie von einer anderen Welt

       Queens Garden Trail

 Peek-a-boo Trail

       Queens Garden Trail

Navajo Loop

Wer nun denkt das nach all den Highlights etwas Ruhe einkehrt, der irrt. Nach einer weiteren Nacht im Wald fahre ich weiter auf dem Highway 12, eine der schönsten Strecken im Staat Utah. Der erste Halt, Mossy Cave, liegt nur wenige Minuten vom Bryce Canyon entfernt. Ähnliche Szenerie, plus Wasserfall. Bei all der trockenen Landschaft ein Genuss fürs Auge. Südlich von Cannonville liegt der Kodachrome State Park. Recht wenige “verirren” sich hier her. Zu unrecht. Vielleicht fehlt das ganz große “Oh” und “Ah”, aber der Park besticht durch vielfältige Farben und Formen. Ich laufe ein paar Stunden vorbei an Felssäulen, Box Canyons und Höhlen, wobei Cool Cave die beste ist, und begegne keiner Menschenseele. Zum Schluss der Gang rauf zum Panorama Point. So schön. Am Parkplatz ein Sanitärgebäude - mit kostenlosen Duschen. Und nicht einfach irgendwelche, sogar mit Regendusche! Außerhalb des Parkes finde ich, inzwischen geübt darin, einen Stellplatz inmitten vom Nichts. Ruhe und Stille, die nächste Ortschaft ganze 15 km weit weg. Dieser Roadtrip verdient sich den Namen Abenteuer mit jedem Tag etwas mehr. 

Mossy Cave

Kodachrome State Park, die Felssäule Ballerina und der Blick vom Panorama Point

9. Woche vom 22. bis 28. Juni 2023
Donnerstag weiter auf dem Highway 12. Die Landschaft echt außergewöhnlich, schade das selbst Fotos nur einen schwachen Eindruck davon vermitteln können. Hinter Escalante wird es dann spektakulär. Eine trockene, aber farbige Felslandschaft, keine Ahnung wie sich da Bäume halten können, wird von Canyons durchbrochen. Zu Fuß folge ich in einem von ihnen dem Escalante River bis zu einer Naturbrücke. Ab und an läuft man im Schatten, was den Hitzestau im Canyon, um die 35°C, nur mäßig lindert. Einige Kilometer danach erneut halten und am Canyongrund mit vielen anderen zum Lower Calf Creek Fall laufen. Senkrechte Felswände säumen den Weg, an dessen Ende ein wunderschöner Wasserfall mit Pool dringend notwendige Erfrischung spendet. Am späten Nachmittag weiter auf der 12. Die steigt rauf zum Canyonrand und verläuft auf der sehr schmalen Hogback Ridge, das ist so genial. Noch mal in die Wanderschuhe und steil runter zum Upper Calf Creek Fall. Den habe ich dann ganz für mich.  

Calf Creek Canyon

     Calf Creek Canyon

 Kakteenblüte

     Lower Calf Creek Fall

 XL-Pusteblume

Nach einer nur mäßig erholsamen Nacht in der Nähe von Boulder ist klar: das war etwas viel Sonne die letzten Tage. Lieber mal  kürzer treten. Da trifft es sich, das Highway 12 über den Boulder Mountain bis in eine Höhe von knapp 3.000 m führt. Dort oben wächst sogar teils dichter Wald mit großen Kiefern. Erstaunlich das die Baumgrenze in Europa über 1.000 m niedriger liegt. Bei kräftigem Wind sind trotz Sonnenschein nur 15°C, zur Erholung genau richtig für mich. Nachmittag nach Torrey runter rollen, wobei sich in der Ferne schon mein nächstes Ziel werbewirksam abzeichnet. Nachts kann ich gleich neben der Kleinstadt auf einem Plateau mit schönem Blick campen. Samstag zeitig zum General Store in Torrey mit kleiner Bäckerei. Frische Croissants und gutes Brot, so lecker. Gleich weiter in den Capitol Reef NP. Inmitten der sehr kargen und trockenen Landschaft liegt im zentralen Bereich Fruta, eine grüne Oase mit vielen Obstbäumen. Man darf kostenlos die Früchte pflücken und verzehren. Nur schade das noch keine reif sind. Bei meiner frühen Ankunft grasen sogar Rehe ungestört auf den Wiesen dazwischen. Meine erste Wanderung führt raus aus diesem Paradies in den Cohab Canyon. Der an sich ist schon sehenswert, aber da führen links und rechts auch noch Slot Canyons tiefer in den Fels hinein. In einem davon ist die Lücke zwischen 30 m hohen Wänden nur 25 cm breit. Das ist nichts für Klaustrophoben, aber für mich ein Spielplatz. Später zur Hickman Bridge, eine recht sehenswerte Naturbrücke und später eine lange Pause in der Oase. Das Licht am frühen Abend ist dann ideal für ein Panorama über einen Teil des Parks. Die Sonne lässt die Farben so richtig leuchten. Sonntag eine weitere Runde im Coral Reef. Vormittag lässt die Sonne noch eine Radtour zu. Bei der befahre ich den Scenic Drive und laufe durch den Grand Wash, ein temporären Fluss der einen über 100 m tiefen Canyon in den Fels gegraben hat. In den “Narrows” bleibt zwischen den Steilwänden nur 10 m Platz. 

Fruta Oase

     im Cohab Canyon

 Hickman Bridge

   Capitol Reef Nationalpark

 Slotcanyon in extra schmal

Montag bleibe ich in Torrey. Das gibt mir die Möglichkeit die nächsten Ziele zu planen und an meiner Homepage zu arbeiten. Am nächsten Tag regiert die Strasse. Die State Route 24 führt langsam in die Zivilisation zurück. Die Städte werden größer, der Verkehr nimmt zu. Gedachte Pausen entfallen. Die Landschaft eintönig und langweilig, die Seen nicht zugängig und nirgendwo Schatten. So fahre ich weiter als geplant und finde erst kurz vor Nephi etwas ansprechendes, das aber gleich in extra schön. Am Mount Nebo Scenic Byway kann ich wie einige andere am Salt Creek stehen. In dem schmalen Tal auf 1.900 m Höhe ist es nachts schön frisch. Mittwoch bleibe ich ungeplant gleich hier. Mit dem Rad geht es hinauf zum Pass, 2.840 m hoch. Heute ist es teils bewölkt. Gut so, sonst hätte mich die Sonne gegrillt. Schöne Aussichten an der Strecke und ein Halt an Devils Kitchen, ein versteckt liegender, erodierter Hang. Am Abend wird im Bach geduscht. Sehr erfrischend, denn das Wasser hat keine 10°C. 

Mormonentempel in Manti

             Mount Nebo

         der Schnee ist echt

           Devil’s Kitchen

10. Woche vom 29. Juni bis 5. Juli 2023
Donnerstag komme ich bei Nephi auf die Interstate 15. Den Verkehr der da auf je 6 Spuren pro Fahrtrichtung herrscht, bin ich gar nicht mehr gewohnt. In Spanisch Fork einkaufen und 15 km weiter in Provo im Park eine Pause einlegen. Die Städte gehen nun ohne sichtbare Grenzen ineinander über, das gehört alles zum Großraum Salt Lake City. Am Nachmittag einen Waschsalon nutzen und denn Abend angenehm im Park am Provo River ausklingen lassen. Östlich von Salt Lake City erheben sich die Berge bis 3.500 m Höhe, aber sie sind fast kahl und üben bei der heftigen Sonne keinen Reiz auf mich aus. Tagsüber sind 32°C, mit der Aussicht auf 5°C mehr, nachts kaum unter 20°C. Da klingen 8 Grad weniger im Grand Teton Nationalpark verlockend. Zuvor noch Salt Lake City. Der Hauptsitz der Mormonen nimmt im Stadtzentrum ganze Strassenblöcke ein. Vieles davon wird derzeit saniert. Offen ist das Tabernakel mit einer riesigen Orgel und grandioser Akustik. 500 m weiter auf einem Hügel das Capitol des Staates Utah. Ein imposanter Bau, die kostenlose Führung bringt wissens- wie sehenswertes mit sich: nach Erdbebenschäden Ende der 90ger Jahre wurde der gesamte Bau saniert und auf 265 Gummi/Stahl Puffer gestellt, was für eine Ingenieursleistung.

Tabernakel, Salt Lake City

       das Capitol von Utah

           im Parlament

   Hightech Erdbebenschutz

Samstag mein erster Halt in Ogden. Die Stadt entpuppt sich als recht sehenswert. Da stehen cool gestaltete Pferdestatuen herum und heute ist gerade großer Bauernmarkt. Frische Sachen werden kaum angeboten, aber neben einigem Kunsthandwerk wird auf Minibühnen Livemusik gespielt. Ein kurzweiliger Tag, an dem ich gegen Abend noch 70 km weiter bis nach Logan fahre. Sonntag führt mich der Highway 89 in und durch den Logan Canyon. Geplant sind einige Pausen am Weg, wobei die erste mit der Wanderung zu den Windcaves schon richtig gut ist. Leider ist alles danach eine Enttäuschung. Die Picknickplätze am Fluss zugewuchert, Parkplätze zu den Wanderwegen gesperrt und vieles macht den Eindruck als wäre der Unterhalt schon vor Jahren eingestellt worden. Schade. Auch der große Bear Lake ist mir nur ein schnelles Foto vom Aussichtspunkt wert. Erst hinter Montpelier wird es schöner und zwischen grünen Hügeln bleibe ich am dortigen Reservoir. Tags darauf rolle ich gemütlich bei sehr wenig Verkehr auf der 89 nach Norden. Afton ist durchaus einen Besuch wert, unter anderem überspannt da der größte Bogen aus Hirschgeweihen, wenn auch mit  Stahlträger unterstützt, die vierspurige Hauptstrasse und durch den Canyon Park am Stadtrand fließt der intensiv rotfarbige Swift Creek. Nördlich davon kann ich am schönen Salt River frei campen, nur die vielen Mücken verleiden den Aufenthalt im Freien. Am 4. Juli ist Feiertag - Independence Day. In der Kleinstadt Thayne ist die Hauptstrasse für einen Festumzug gesperrt. Wohl die Hälfte der Einwohner nimmt daran teil, die andere Hälfte schaut zu. Von fast jedem Wagen werden Süßigkeiten verteilt, für die Kinder mindestens so gut wie Fasching. 30 km weiter finde ich am sehr schönen Palisades Reservoir auf dem Steilufer den idealen Stellplatz. Zu klein für fast alle anderen, stehe ich unter Bäumen mit freiem Blick über den See und die nahen Berge. Abends wird mir sogar noch ein stundenlanges Feuerwerk am Seeufer geboten. 

in Ogden

  der Klassiker steht in Afton

       Festumzug in Thayne

mein Blick auf den Palisades See

Tags darauf sind es noch 70 km bis Jackson, kurz vor dem Grand Teton NP (Nationalpark). Der Ort voll auf Touristen ausgelegt, die scharenweise durch die Strassen pilgern. Hotels, Restaurants, Souvenirshops und immerhin ein paar sehenswerte Galerien. Ich fülle Vorräte auf, hole mir Infos und campe später 40 km weiter im Wald. Die Plätze im Nationalpark sind längst ausgebucht, also muss ich längere Wege in Kauf nehmen. Übrigens Campingplätze: die staatlichen, meist ohne fließend Wasser und nur mit Trockenklo ausgestattet, kosten circa 15$ bis 30$. Private geführt, mit Dusche usw., sind ab 50$ zu haben, wobei auch teurer möglich ist. Dafür dürfen meist bis zu 6 Leute pro Stellplatz campen. Preiswert für Familien, teuer für Einzelreisende wie mich.

11. Woche vom 6. bis 12. Juli 2023
Donnerstag sehr zeitig aufstehen und zum Grand Teton NP fahren. Unterwegs zeigt sich die bis zu 4.200 m hohe Bergkette, die sich wie aus dem Nichts in die Höhe schwingt, in ihrer ganzen Pracht. An der Mormon Row ein Bild von der meistfotografierten Scheune in der USA, malerisch mit den Bergen dahinter. Am Visitor Center vom NP stelle ich das Auto ab und fahre mit dem Rad weiter. Schön das Panorama so ganz in Ruhe genießen zu können. Nach der Scenic Drive Runde das Rad am Jenny Lake abstellen, wo der große Parkplatz längst überfüllt ist. Zu Fuß um den See herum zum Hidden Fall und Inspiration Point. Schön, aber nicht spektakulär. Die Pfade weiter rauf sind nach dem rekordverdächtigen letzten Winter nach wie vor gesperrt, schade. Auf dem Rückweg zum Moose Pond, wo wirklich zwei Elche im Wasser stehen. Klasse. Freitag Morgen das selbe Spiel. Mit dem Sonnenaufgang zur Oxbow Bend, doch Tiere sind da ebenso wenig zu sehen wie an den Willow Flats, wo derzeit wegen akuter Bärengefahr alle Pfade gesperrt sind. An der schönen Jackson Lake Lodge hat man durch die überdimensionalen Fenster einen tollen Blick auf die Berge. Heute erneut eine Radtour. Der Jackson Lake um die frühe Stunde noch spiegelglatt, das Panorama fast unschlagbar. Weiter zum Signal Mountain mit weiteren Eindrücken. Später dann mit dem Auto den NP im Norden verlassen und mit viel Glück an der Grassy Lake Road einen der vier möglichen Plätze am Snake River ergattern. Schön hier, abgesehen von den Mücken. An den Gazefenstern meines Campers hocken mindestens 100 davon und warten gierig auf ein wenig Blut.

in Jackson

         *Grand Teton NP

   *tolle Runde mit dem Rad

         am Jackson Lake

Samstag im Morgengrauen rein in den Yellowstone NP, der sich fast nahtlos an den Grand Teton NP anschließt. In der Höhe ein frischer Morgen, es sind 4°C. Kurze Einführung zum Yellowstone: praktisch die Caldera eines Supervulkanes, ca. 100km x 80 km groß, nur sehr wenige Strassen führen durch, keine Siedlung. Schon am West Thumb des Yellowstone Lake zischt, brodelt und qualmt es. Überall heiße Quellen, Fumarole und Geysire, von denen jedoch die wenigsten spektakulär ausbrechen. Einer der am zuverlässigsten ein Schauspiel bietet ist der Old Faithful im Upper Geyser Basin. Allerdings ist er weiträumig abgesperrt und die wahren Menschenmassen dort tun ihr übriges. Nett als er dann “pünktlich” ausbricht, nur kenne ich so was schon viel besser vom Strokkur in Island. Dafür lohnt der weitere Rundgang im Basin. Manche Geysire pumpen fast pausenlos kleine Fontänen sehenswert hervor, den Sawmill fand ich am besten. Die Teiche der heißen Quellen sind dank Bakterien und Algen farbig, egal ob Square Spring, Crested Pool oder Morning Glory. Letzterer war mal tiefblau, aber der Müll von Touristen, vor Jahren wurden zig Kilo davon heraus gefischt, hat Temperatur und Chemie so verändert das die verantwortlichen Bakterien abgestorben sind.

           Crested Pool

 Old Faithful Geyser

         Morning Gloy Pool

sie haben es versucht...

eine der zahllosen Quellen

Mittag fahre ich weiter, stehe aber bald im Stau. Lange an einer Strassenbaustelle, sowie vor überfüllten Parkplätzen oder bei Tiersichtungen, wo die Touristen für Fotos meist einfach auf der Strasse stehen bleiben. So wird mir die Zeit knapp, denn ich sollte bis 16 Uhr am Backcountry Office in West Yellowstone sein. Das schaffe ich nicht ganz, aber der nette Ranger macht für mich Überstunden. Die Erlaubnis fürs Zelten im Hinterland holen und die Belehrung nebst Video über mich ergehen lassen. Somit steht der Plan für die nächsten zwei Tage. Sonntag, wie inzwischen üblich, mit den ersten Sonnenstrahlen los. Erneut hinein in den Nationalpark und dort weiter machen wo ich gestern aufgehört habe. So früh klappt das ohne Stau und Probleme. Auf dem Scenic Drive durch den Firehole Canyon zum Fountain Paint Pot. Auch hier vielfarbige Pools und kleine Geysire, der Red Spouter mit seinem Schlamm blubbert wie heiße Schokolade. Südlich davon das Highlight: Grand Prismatic Spring. Was für Farben in und an dem Pool! Ich brauche ihn gar nicht zu beschreiben, das Foto sagt alles. Dann in einem Bogen nach Osten. Die Gibbon Fälle liegen am Weg, dann das Norris Becken, erneut voller vulkanischer Aktivitäten. Das Porcelain Becken fast weiß vom Silikat, die Bäche orange und grün von ihren Bewohnern. So cool. Es ist echt schwierig das mit nur wenigen Fotos hier wieder zu geben.

Grand Prismatic Spring

           Porcelain Basin

             Silex Spring

 wildes Bison am Mud Volcano

Das der Nationalpark auch anderes zu bieten hat, zeigt er 20 Kilometer weiter am Grand Canyon des Yellowstone River. Tief hat sich der Fluss in das vielfarbige Gestein eingearbeitet und dabei zwei beeindruckend mächtige Wasserfälle hinterlassen. Ich laufe am Nordrand von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und fahre später zum Parkplatz vom Artist Point. Der Blick von da atemberaubend, nur passt das Licht nicht. Kein Problem, denn ich packe den Rucksack und lasse das Auto stehen. 4 km weiter ist der Ribbon Lake das Ziel. Dank gestern geholter Permit darf ich da campen, meine einzige Möglichkeit im Park zu nächtigen. Vor Ort nur ein kleiner ebener Fleck auf dem Waldboden, kein Mensch weit und breit, dafür hungrige Mücken. Schnell das Zelt aufbauen und rein. Nach einer mäßig erholsamen Nacht zurück zum Auto. Unterwegs erstrahlt der Canyon im Morgenlicht so richtig. Im Camper frühstücken, das wäre am See mit den Mücken die Katastrophe gewesen, und erneut den Blick vom Artist Point genießen. Später halte ich am Lower und Upper Fall, die beide wild tosend zu Tal stürzen. Auf dem Weg nach Süden sind auf den weiten Wiesen immer wieder Bisons zu sehen, so schön. Das nächste aktive Gebiet am Mud Volcano, wo “duftende” Schwefelfumarole und Geysire voller Schlamm blubbern. An einem von ihnen suhlt sich gerade ein Bisonbulle. Genial! Allerdings müssen bald alle Touristen weg, denn der Bulle stößt aggressive Laute aus als sich ein Rivale nähert. Die Straße führt dann am Yellowstone Lake entlang und steigt im Verlauf zum Sylvan Pass an. Ich halte kurz davor und besteige auf steilen Pfaden den Avalanche Peak, 3.182 m hoch. Vom Gipfel eine tolle 360° Sicht auf den Nationalpark und Gipfel mit Schneeresten. Das reicht dann für heute. Ich verlasse den Yellowstone Nationalpark in östlicher Richtung und campiere 20 km weiter am Eagle Creek.     

Blick vom Artist Point

der Canyon im Morgenlicht

 geniale Schlucht

   Blick vom Avalanche Peak

 Lower Fall

Noch etwas zur Tierwelt in der Gegend. Erstaunlich das die Tiere trotz dem vielen Verkehr, wenn auch nur auf den wenigen Strassen, recht unbeeindruckt ihre Bahnen ziehen. Ganze Bisonherden kreuzen manchmal in aller Seelenruhe die Strasse, wohl wissend das man ihnen Respekt und Raum zollt. Moose (Elch), Rotwild und Bären sind da schon schwerer zu “erwischen”, doch gelingt auch das. Vor allem zu Bären soll ein überaus komfortabler Abstand gehalten werden, bei meinem Foto waren sie 100m weit weg und noch ein Fluss dazwischen. Dank Kamera und Teleobjektiv sieht es näher aus. Kleine Nager trifft man praktisch überall. An Picknickplätzen werden sie leider trotz Hinweisschildern von Touristen gefüttert, wofür mir das Verständnis fehlt. Murmeltiere, Chipmunks, Eichhörnchen und andere “süße” Vertreter zaubern einem aber schon ein Schmunzeln ins Gesicht. 

Tiersichtungen der letzten Tage

im Grand Teton und Yellowstone NP (Nationalpark)

Dienstag fahre ich am Shoshone River entlang durchs Absaroka Gebirge. Als “schönste Strecke zum Yellowstone” (Roosevelt) bezeichnet sind die Berge ringsum zwar recht schön erodiert, das schmutzige Braun trifft aber so gar nicht meinen Geschmack. Nach 60 km am Buffalo Bill Reservoir mit seiner beeindruckenden Staumauer in einer engen Schlucht. Gebaut in den 1930ger Jahren eine bautechnische Herausforderung. Kurz darauf erreiche ich Cody, gegründet von Buffalo Bill himself. Die nette Stadt nach wie vor mit Westernflair. Im alten Hotel Irma steht noch immer die 16m lange Bar, ein Geschenk der damaligen englischen Queen. Täglich um 18 Uhr findet vor dem Hotel ein Shot-out statt. Die Vorführung in alten Kostümen mit simplen Requisiten ist vielleicht noch für ein paar Kinder nett, doch Wyatt Earp und Co. haben wohl schon zu viele Jahre auf dem Buckel. Über Nacht kann ich am Walmart Parkplatz stehen. Der ist wohl beliebt, denn außer mir nächtigen da noch 15 andere Wohnwagen/-mobile. 

12. Woche vom 13. bis 19. Juli 2023
Nach einem Tag Pause, ein Reservoir neben der Stadt sorgt für die notwendige Erfrischung, werde ich Donnerstag betriebsam. Waschsalon, Visitor Center, Vorräte auffüllen, Internetrecherche. Da vergeht der Tag im Handumdrehen. Am Abend zum Rodeo Stadion, wo im Sommer täglich eine Show statt findet. Und die wird ihrem Namen mehr als gerecht. Zwei Stunden lang wird einem alles geboten was der Cowboy hergibt. Pferde- und Bullenrodeo; Geschicklichkeitsprüfungen mit Lasso, allein oder im Team; Kälber einfangen; Jagdreiten usw. Echt genial. Mit der Kamera gelingen einige sehr gute Aufnahmen, das Handy hat bei den Geschwindigkeiten keine Chance. Im Sattel blieb übrigens keiner lange und einige Jobs auf dem Feld waren echt gefährlich. 

Jahrhundertalte Bar im “Irma”

       gefährlicher Job

 Buffalo Bill, überall präsent

   noch hält er sich im Sattel

 früh übt sich...

Freitag verlasse ich Cody in Richtung Norden und biege nach 20 km zum Chief Joseph Highway ab. Der schwingt sich auf fast 2.500 m Höhe hinauf in die Berge. Hinter dem Dead Indian Pass, einst Fluchtweg der Indianer vor der Armee, eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt über den Canyon und die Berge dahinter. Das ist definitiv meine Gegend. Ein Stück weiter überquert die Sunlight Bridge spektakulär die steile, sehr tiefe Schlucht. Da schluckt man schon etwas wenn man am Geländer in die Tiefe blickt. Am Nachmittag erreiche ich den Beartooth Highway und finde nur wenige Kilometer weiter einen idealen Camperspot am Clarks Fork Yellowstone River. Schattenspendende Bäume, natürliche Pools im erfrischenden Fluss und der Blick auf Index und Pilot Peak. Was brauche ich mehr. Das gegen Abend die Moskitos sehr zahlreich auftauchen war klar, stört mich aber kaum.  

am Chief Joseph Highway

  am Beartooth Highway

 auf der Sunlight Bridge

       *am Beartooth Pass

 ein Poser, nicht aus Plüsch

Samstag Morgen auf dem Beartooth Highway nach Osten. In der Richtung bin ich der Einzige, fast alle fahren zum Yellowstone Nationalpark. Der Highway steigt bis zum Pass auf 3.336 m Höhe. Trotz Sonne ist es kühl da oben, und ein kräftiger Wind pfeift ums Eck. Davon abgesehen eine atemberaubende Tundralandschaft weit oberhalb der Baumgrenze. Wenig Bewuchs, aber durch viele Seen, Buschwerk und Felsen wirkt es keineswegs karg. Genial. Am Gardner Lake wende ich und halte auf dem Weg zurück für kurze Wanderungen. An so einem schönen Wochenende sind auch unzählige Biker unterwegs. Bei der Vielzahl sehenswerter Motorräder ist eine außergewöhnliche Harley hier und heute etwas ganz normales. Meine große extra Schleife über Cody und die beiden Scenic Highways hat sich echt gelohnt. Den wunderschönen Tag beende ich wieder am idealen Stellplatz am Fluss. 

am Beartooth Highway

so viele (tolle) Motorräder

 umgerechnet 3.336 m

             Long Lake

 Lake Creek Falls

Sonntag zeitig aufstehen und in den Yellowstone Nationalpark fahren. Der ist, wie schon gesagt, riesig groß. Heute komme ich im Nordosten zuerst ins Lamar Valley, wo große Bisonherden leben. So früh sind sie auch noch in der Nähe der, um diese Zeit, wenig befahrenen Straße. Grandios anzusehen wie sie in aller Seelenruhe über die Wiesen streifen. Dann zu den Calcite Springs dem Tower Fall und dem Petrified Tree, ein versteinerter Redwood Baumstumpf, ca. 5 m hoch. Nach dem Mittag erreiche ich Mammoth Springs, ein weiteres aktives Vulkangebiet. Die großen Sinterterrassen trocknen leider seit Jahren immer weiter aus, sind aber nach wie vor sehenswert. Ausgefallenes Kalziumkarbonat hat ganze Hänge leuchtend weiß gestaltet, auch andere Mineralien haben ihre Farbspur hinterlassen. Als ich gerade dort bin läuft ein Reh gemächlich über die Terrassen und nimmt in einem der Teiche sogar ein Bad. Ein tolles Fotomotiv! Über Gardiner verlasse ich dann endgültig den Yellowstone Nationalpark, der weit mehr geboten hat als ich mir je vorgestellt habe. Im nun weiten und baumlosen Tal staut sich die Hitze und ich sehne mir Abkühlung herbei. Die gibt es außerhalb vom Nationalpark bei Carbella auf einem kostenlosen Campingplatz direkt am Fluss. Am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang das Auto starten und die 60 km bis Livingston fahren. Frühstück gibt es erst hier, ich hatte meine Vorräte so weit aufgebraucht. Die Kleinstadt sehr angenehm mit einem großen Park am Fluss. Um all die Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten bleibe ich heute hier, bummle durch die Strassen und mache mir Gedanken wie es die nächsten Tage weiter gehen soll. Nachts verdrücke ich mich aus Mangel an Gelegenheiten in eine der Seitenstrassen, was in den USA nicht ganz einfach ist. Es reiht sich Grundstück an Grundstück und manch Einheimischer wird nervös wenn ein fremdes Auto vor seinem Haus steht. Auf öffentlichen Parkplätzen ist das Parken über Nacht meist verboten, unzählige Kameras sorgen dafür das die Vorschriften auch eingehalten werden. Manchmal ist es ein schwieriges Land für unabhängige Reisende wie mich. 

Bisonherde im Yellowstone NP

 manchmal ist es zu einfach...

Sinterterrassen, weiß oder farbig, je nach Mineraliengehalt

         Sinterterrassen

             in Livingston

       beim Baden erwischt

     Livingston, Fotogalerie

Nach einer ruhigen und ereignislosen Nacht fahre ich am Dienstag 40 km weiter nach Bozeman. Die beworbene “Altstadt” dort ist sehr klein und nach 10 Minuten gesehen. Der Rest lädt auch nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Eigentlich hatte ich geplant nun langsamer und in kleineren Schritten weiter zu reisen, doch die Wettervorhersage treibt eher zur Eile an. Es wird die nächsten Tage bis zu 40°C heiß, und auch die Nächte sind trotz 1.300 m Höhe kaum erholsamer. Sogar meine Telefone verlangen von mir gekühlt zu werden, ansonsten wollen sie nicht mehr mitspielen. Also weiter. Nach 110 km am Cottonwood Campingplatz halten. Der ist kostenlos, bietet aber auch nur ein Trocken WC und leider jede Menge Moskitos. Mittwoch früh gleich weiter nach Helena, die Hauptstadt von Montana. Der Bundesstaat ist ungefähr so groß wie Deutschland, und in Helena leben 30.000 Leute. Das sagt wohl genug über die Einwohnerdichte im Nordwesten der USA. Immerhin ist es eine schöne Stadt mit eindrucksvollen Villen im alten Stadtteil und einer sehr entspannten Atmosphäre, selbst in der Nähe vom Regierungsviertel.

13. Woche vom 20. bis 26. Juli 2023
Donnerstag steht nach einem schönen Stadtbummel ein Besuch vom hiesigen Capitol an. Keine Sicherheitskontrolle und freier Zugang zu fast allen Räumen: wie gesagt sind hier alle ganz entspannt. Der Bau ist sehenswert, vor allem wenn man bedenkt wie klein und eigentlich unbedeutend Helena ist. Mittag auf der Interstate 15 weiter nach Norden. 60 km weiter biege ich auf die Recreation Road ab. Die begleitet den hier noch recht schmalen Missouri durch einen schönen Canyon. Das macht Spaß.

Bozeman

       Villenviertel Helena

                           das Capitol in Helena

Am späten Nachmittag muss ich ein Stück zurück und noch ganze 120 km fahren. Die Landschaft nun wieder sehr eintönig, viel Prärie und Felder. Da hatte ich mir weit mehr Wälder vorgestellt. Der erneut heiße Tag findet am Freezeout Lake sein Ende. Ein Stück weg vom State Highway 89 wie auch von Ortschaften ist es ruhig und friedlich, weswegen hier viele Vögel nisten bzw. beim Durchzug rasten. Ich bleibe als Einziger über Nacht und kann den spektakulären Sonnenuntergang ganz allein genießen.   

Montana, teils recht eintönig

Freitag früh sind es 20 km zur Kleinstadt Choteau. Da stehen im City Park große, schattenspendende Bäume, genau richtig fürs Frühstück. Hier kann man auch günstig für 10 $ die Nacht campen, was ohne festgelegte Plätze die Möglichkeit gibt an einem klaren Bach schön im Schatten zu stehen. Nebenan ein WC mit fließend Wasser und die Bibliothek 200 m weiter bietet ein freies WLAN. Genug Gründe für mich hier zu bleiben und die Hitze abzuwarten. Trotzdem sind am Nachmittag 36°C im Auto. Da sitze ich lieber direkt am/im Bach und bewahre kühle Füße. 

   abends am Freezeout Lake

Samstag passiert praktisch gar nichts. Schon Vormittag knacken wir die 30°C und ich entscheide mich eine weitere Nacht hier zu bleiben. Sonntag fahre ich erst am Nachmittag 60 km weiter. Es ist wieder heiß, aber ab Dienstag soll es kühler werden. Die Temperaturen sind übrigens nicht ganz so überraschend. Die kanadische Grenze als nördlichster Punkt in den USA (Alaska mal ausgenommen) liegt auf der selben geografischen Breite wie unser Regensburg. Der Süden des Landes hingegen kann sich mit Assuan, Ägypten, die Hand reichen. Zurück zur Reise: auf Google Earth habe ich bei Dupuyer einen kleinen Park entdeckt und kann vor Ort feststellen das man in dem auch übernachten darf. Am nächsten Tag weiter auf der 89 nach Norden. In Browning eigentlich Vorräte aufstocken, doch die beiden Supermärkte mit einem erbärmlichen Angebot. In East Glacier das gleiche, da muss ich mich die nächsten Tage einschränken. Südlich vom Glacier NP der Halt am Red Creek Campground. Die Rezeption im Moment unbesetzt, also einen freien Platz suchen und Pause machen. Eine Stunde später taucht die Polizei auf, sagt der Platz wäre geschlossen und ich müsste abfahren. Keine weitere Erklärung, aber da muss was passiert sein, denn bald tauchen sechs weitere Polizeiautos auf. Ich fahre zurück nach East Glacier und vertreibe mir dort die Zeit. Nachts parke ich außerhalb neben der Strasse zum Nationalpark, die um diese Zeit praktisch nicht mehr befahren wird. Dienstag zeitig los, denn ab 6 Uhr braucht man für den Glacier Nationalpark ein Zeitticket, welche online verlost werden. Ich bin rechtzeitig vor Ort und mache Frühstück am Two Medicine Lake. Später eine Wanderung zum Two Medicine Pass. Unterwegs der schöne Rockwell Fall und Colbalt Lake. Oben auf dem Pass dann orkanartiger Wind mit locker 120 km/h Spitze. Da weht es mich fast um. Schöner Ausblick, aber die Befürchtung das es mir das Handy aus der Hand reißen könnte. Spät die Rückkehr nach East Glacier, wo ich mich heimlich, still und leise auf den Parkplatz des großen Placier Park Lodge Hotels stelle. Mittwoch einige Sachen erledigen, die digitale Technik macht es mir recht schwer, und in einem 80 km Bogen zum nördlichen Eingang, auch eine Sackgasse, vom Nationalpark fahren. Ab 15 Uhr braucht man kein Zeitticket mehr, das passt mir sehr gut. Ich schaffe heute noch den Trek rauf zum Upper Grinnell Lake. Auf dem Weg kommen mir bestimmt 100 Leute entgegen, dafür bin ich dann am See ganz allein. Tolle Landschaft, wenn auch vom Gletscher nicht mehr viel übrig ist. Beim Abstieg sehe ich zwei Big Horn Sheep, die nach dem Touristenverkehr unter dem Tag langsam wieder hervor kommen. Nachdem es gestern gut geklappt hat, parke ich auch heute vor Ort an der großen Many Glacier Lodge. Die Campingplätze im Park sind schon seit Wochen komplett vorreserviert und keine Option für mich.

Two Medicine Pass, Glacier NP

     im Many Glacier Gebiet

 Upper Grinnell Lake/Gletscher

   Big Horn Sheep oder Ram

14. Woche vom 27. Juli bis 2. August 2023
Donnerstag muss ich nicht ganz so früh aufstehen, denn ich bin ja, wenn auch nicht ganz legal, schon im Nationalpark. Schöne Sicht über das Hotel und den Swiftcurrent Lake, blauer Himmel und angenehme Temperatur. Auf zur nächsten Wanderung. Bei der baut sich vor mir langsam eine riesige Felswand auf, der spektakuläre Hintergrund vom angestrebten Iceberg Lake. Auf dem schwimmen wirklich einige “Eisbergchen”. Abgesehen davon präsentiert sich oberhalb der Baumgrenze eine atemberaubende Landschaft, definitiv eine Belohnung für den nicht ganz einfachen Aufstieg. Am Abend zur Entspannung ein Spaziergang rund um den Swiftcurrent Lake. Dabei zeigt sich ein wirklich großer Elch, der neben dem Wanderweg geruhsam sein Abendessen  einnimmt. Stark. Leider habe ich nur das Handy dabei, das Teleobjektiv der Kamera hätte ganz andere Fotos hervor gebracht.  

an der Many Glacier Lodge

     imposante Felswand

           Iceberg Lake

   ungefährlich für die Titanic

Nach einer weiteren, problemlosen, Nacht an der Many Glacier Lodge klingelt der Wecker halb fünf. Gleich auf und 35 km zur Going-to-the-sun Road (die heißt wirklich so) fahren. 8 km hinter dem Eingang zum Glacier NP halte ich an einem Picknickplatz und mache Frühstück. Dabei lasse ich mir Zeit, der Himmel ist stark bewölkt und die Wolken hängen tief in den Bergen. Nach acht fahre ich weiter und komme 300 m weiter nach einer Kurve zu einem mobilen Checkpoint. Hier, und nicht am Parkeingang, wollen sie das Zeitticket sehen das ich natürlich nicht habe. So ein Mist! Mein Frühstück nur einen Parkplatz weiter, und keiner hätte was sagen können. So aber muss ich nun bis 15 Uhr warten um auf der einzigen Strasse durch den Glacier NP zu fahren. Das Wetter wird dann langsam besser und die Sonne kommt etwas raus. Um drei endlich los. Leider ist der Verkehr sehr dicht, man kommt nur langsam vorwärts und die Parkplätze an den Aussichtspunkten sind brechend voll. So macht das keinen Spaß. Außerdem ist die Strecke längst nicht so sehenswert wie erhofft, da kenne ich Routen durch die Alpen die spektakulärer sind. Spät halte ich für eine Wanderung rauf zum Swiftcurrent Mountain. Der ist anstrengende 2.571 m hoch. Am Gipfel stürmischer Wind, wenn auch nicht so schlimm wie letztens. Nach dem Abstieg sind es weitere 40 km bis West Glacier, davon 15 km wüste Schotterstrecke die nirgends erwähnt wird. Müde und entnervt finde ich erst in der Dunkelheit eine Übernachtungsmöglichkeit.

       mit Geduld erwischt

 ein riesiger Elch!

   Blick vom Gipfel des Swiftcurrent Mountain über den Glacier NP

Nach einer mäßig erholsamen Nacht vor dem Frühstück ins nahe Columbia Falls fahren. Dort findet sich auch eine Autowäsche nebst Waschsalon, beides wird dringend gebraucht. Bis Nachmittag ist alles erledigt und ich kann weiter. Auf 300 m Höhe sind nun wieder über 30°C, nicht meine Wohlfühltemperatur. Neben dem Flathead Lake auf der überraschend stark frequentierten 35 nach Süden. In Polson Vorräte auffüllen und weiter. Ab dem Abzweig auf die 200 ist die Landschaft im Flusstal sehenswert. Nach 230 km campe ich wie einige andere am Clark Fork River. Sonntag bin ich bald auf der Interstate 90 in Richtung Westen. Unterwegs an der 50.000 Dollar Bar halten, wo wirklich so viele Silberdollar in Holz eingepasst die Wände verzieren. Später die Uhr eine Stunde zurück drehen, ab Idaho gilt West Coast Time. Am Nachmittag in Coeur d’Alene, ein durchaus schöner Ort am gleichnamigen See. Das dortige Ressort hat den weltweit längsten schwimmenden Boardwalk (1 km lang) und viele überdachte Bootsanlegestellen. Luxus pur. Ich geselle mich zu den “normalen” Leuten an den Seestrand und genieße den schönen Abend. Montag weiter. Es ist das Wetter was mich treibt. Bis zu den nächsten Bergen ist eine 600 km breite Ebene zu überwinden, für die sind wieder 35°C gemeldet. Mittag eine Pause in Spokane, 1974 als bisher kleinste Stadt EXPO Gastgeber. Im Zentrum die großen Wasserfälle des gleichnamigen Flusses, daneben der modifizierte EXPO Pavillon; viele Skulpturen; das Looff Karussell, original und handgeschnitzt von 1909; und im legendären Davenport Hotel wird noch die Grandessa aus alten Tagen zelebriert. 

Coeur d’Alene

               Spokane

   Looff Karussell von 1909

   im alten Davenport Hotel

Am Nachmittag weiter. Die nächsten 140 km werden von einer sehr eintönigen Landschaft begleitet, riesige Felder und Wiesen unter einem milchig dunstigem Himmel. Dazu ab und an kleine Dörfer, weit draußen immer wieder einsame Farmhäuser. Schwer vorstellbar da zu leben. Am frühen Abend dann in Grand Coulee, wo der landesweit größte Staudamm, gemessen am Volumen, den 250 km langen Lake Roosevelt erschaffen hat. All das Wasser kommt in dieser trockenen Gegend mit dem Columbia River aus Kanada. Nachts werden eine halbe Stunde lang die Überlauftore geöffnet und das über die Mauer sprudelnde Wasser bildet eine riesige Projektionsfläche für eine Lasershow. Das gezeigte Programm etwas altbacken, aber insgesamt eine tolle Erfahrung 

der Grand Coulee Staudamm

   Lasershow am Staudamm

 Damm Tour: der Generatorenraum

           Oldy but Goldy

Das Grand Coulee abseits der Touristenpfade liegt sieht man am nächsten Morgen. Rechtzeitig bin ich für die 9 Uhr Führung am Staudamm - und heute der Einzige. Somit bekomme ich, nach dem Sicherheitscheck a la Flughafen, von Ralph eine VIP Runde über das Gelände bis tief in den “Keller” des Megabauwerkes. Der Staudamm ist im Land der größte Einzelerzeuger von Strom und produziert so viel wie sechs Atomkraftwerke. Beeindruckend, vor allem weil beim Bau in den 1930ger Jahren das Bewässern im Vordergrund stand. Heute versorgt man rund 3.000 km² Ackerland mit dem Wasser von hier. Gegen Mittag breche ich auf und fahre weiter gen Westen. Omak und Okanogan liegen am Weg, bis ich auf die 20 abbiege und langsam an Höhe gewinne. Der Loup Loup Campground befindet sich auf 1.300 m Höhe und wird mein nächster Halt. Eine angenehme frische Brise und der irre Kiefernduft, das regt zum Bleiben an. Mittwoch dem State Highway 20 ins Methow Valley folgen. Der Ort Winthrop ganz im Western Flair, nur die geparkten Autos vermiesen die Sicht auf alte Gebäude. Danach geht es hinein in die Bergwelt der North Cascades. Station mache ich am Lone Fir Campground und erstürme heute noch mit dem Rad den nahen Washington Pass.   

                 echtes Westernfeeling in Winthrop

 Blick vom Early Winters Spires

Schneeziege, eigentlich scheu

15. Woche vom 3. bis 9. August 2023
Die Nacht auf dem Campingplatz war wenig erholsam. Ab 3 Uhr morgens haben einige Nager auf meinem Dach wohl eine Party gefeiert und waren so laut das ich kaum mehr schlafen konnte. Vertreiben ließen sie sich nur wenige Minuten. Beim Frühstück stelle ich fest das sie gestern wohl sogar im Auto waren als es länger offen stand, denn Äpfel und Bananen sind angeknabbert, ein starkes Stück. Ich fahre heute rauf zum Washington Pass und wandere zum schönen Blue Lake. Nett, aber das reicht mir nicht. Also auf dem steilen Pfad für Bergsteiger rauf zum Early Winters Spires. Vom Sattel ein toller Blick in die North Cascades und die Begegnung mit zwei scheuen Schneeziegen. Am Nachmittag die nächste Wanderung rauf zum Maple Pass. Die meisten machen das früh morgens, weshalb ich nur wenigen Leuten begegne. Vom 2.000 m hohen Pass ein gigantisch schöner Ausblick bei strahlend blauem Himmel. Wow, was für ein beeindruckendes Panorama. Vorbei am Rainy Lake geht es zurück zum Camper. Aus Mangel an Gelegenheiten bleibe ich nachts gleich auf dem Parkplatz stehen, was nicht wirklich erlaubt, aber auch nicht generell verboten ist. Nach einer ungestörten Nacht riecht man am Freitag Morgen schon das es irgendwo brennt. Am weiteren Weg halte ich für den Happy Creek Walk, wo alter, ursprünglicher Wald seine ganze Größe und Vielfalt zeigt. Am Ross Lake sind dann schon alle Wanderwege gesperrt und vom wohl wunderschönen Diablo Lake ist im Rauch des Waldbrandes fast nichts zu sehen. Das Feuer “frisst” sich gerade über den Sourdough Mountain, auf den ich heute eigentlich wollte. Immerhin scheint die Feuerwehr alles im Griff zu haben. Ich fahre wieder 15 km zurück und verbringe den restlichen Tag am schönen Canyon Creek.

Blick vom Maple Pass

  *North Cascades Panorama

Diablo Lake im Rauch des Waldbrandes

 Happy Creek Walk

Samstag früh liegen deutlich sichtbar Ascheflocken auf dem Auto und kein Fahrzeug kommt mehr vorbei, das bedeutet nichts Gutes. Ich fahre erneut zum Diablo Lake. Der Rauch ist dicker geworden und Tafeln informieren das sich das Feuer ausbreitet. Der Sourdough Mountain ist großzügig abgesperrt und Highway 20 an beiden Eingängen zum Nationalpark geschlossen. Akute Gefahr für mich und die wenigen die noch da sind besteht nicht, aber zu bleiben ist keine Option. Sehr schade, aber nicht zu ändern. Ich halte auf dem weiteren Weg in Newhalem, Marblemount und Rockport, aber die winzigen Orte mit unangenehmer Atmosphäre. Das empfanden auch Kanadier so die ich am Abend treffe. In Concrete wird es besser. Netter Ort, mal neben dem Highway und nicht “darauf”. An der Bibliothek WLAN, das hilft bei der weiteren Planung. Was überrascht: westlich der Berge kann man kaum noch Frei stehen (dispersed Camping). Da muss ich mir für die Nächte was einfallen lassen. Heute bleibe ich in  

Klassiker, fährt wohl noch

Concrete (zu deutsch: “konkret” oder “Beton”). Am Parkplatz keine Verbotsschilder, das sollte passen. Sonntag fahre ich Mittag weiter nach Sedro-Woolley. Einkaufen, Tanken und den Nachmittag am schönen Clear Lake verbringen. Dort ist es am Abend herrlich ruhig, womit ich den nächsten Platz zur Nacht gefunden habe. Montag einige nahe Städte besuchen. Ganz nett, mehr aber auch nicht. Nebenbei die nächste Ziele planen und meine Homepage voran bringen. Tags darauf eine Radtour auf dem Chuckanut Drive am Meer entlang. Gut beworben hält

           mehr Klassiker

die Tour nicht was versprochen ist. Selten der Blick aufs Meer oder eine wilde Küste, meist nur Felder oder dichter Wald. Am Nachmittag mit dem Auto ins Künstlerdorf La Conner. Das ist schon eher erwähnenswert. Am Puget Sound gelegen wird es nun maritim, auch wenn der offene Ozean noch weit weg ist. Nette kleine Läden und Galerien, ein schöner Park und trotz Saison wenig Besucher, das gefällt mir. Übernachtet wird am Kanal mitten im Zentrum, wo es schon vor Sonnenuntergang ruhig ist. Mittwoch sind es nur 30 km bis Anacortes auf der Insel Fidalgo, zu der man über eine kurze Brücke gelangt. Große Marinas, ein Fährhafen und am Westende der tolle Washington Park. Dort spaziere ich an der wilden Küste entlang, wobei ich Erdbeerbäume sehe, deren Stamm eine krasse Farbe hat. Nach dem tollen Sonnenuntergang ums Eck an einer ruhigen Marina das Auto parken

La Conner

  Anacortes, Washington Park

 ein junger Erdbeerbaum

 Sonnenuntergang mal anders

16. Woche vom 10. bis 16. August 2023
Donnerstag bleibt das Auto in Anacortes stehen. Ich fahre mit dem Rad zum Fährhafen und mache heute Insel Hopping auf den San Juan Islands. Die wenigsten der über hundert Inseln im Puget Sound sind bewohnbar und nur zwischen den vier größten besteht Fährverkehr. Leider macht es einem der Fahrplan nicht leicht mehrere Inseln zu besuchen. Mein toller Plan gerät dann unter Druck weil die Fähren durchgängig rund eine halbe Stunde Verspätung haben. Für jemand der Schweizer Pünktlichkeit bei Schiffen gewohnt ist (Vierwaldstätter See) keine gute Erfahrung. Also das Programm kürzen und eine Insel komplett streichen. Auf San Juan Island radle ich um den Südteil herum zur Finlason Ridge mit toller Sicht bis hin zum Cattle Point und weiter zum Lime Kiln Point. Da hat man die Chance Wale von Land aus zu sehen, was heute leider nicht passiert. Trotzdem eine schöne Ecke mit Leuchtturm und dem Blick auf Vancouver Island, Kanada, nur 12 km entfernt. Weiter nach Orcas Island und dort zum Ship Peak auf dem Turtleback Mountain mit Sicht auf die bewaldete Inselwelt. Erst früh am Abend bin ich wieder in Anacortes

Inselhopping mit Fähre

           Lime Kiln Point

 schöne Häuser auf den Inseln

     entspannte Schifffahrt

Am nächsten Tag, bei erneut tollem Wetter, zuerst auf den Mt. Erie wandern. Vom 380 m hohen Gipfel hat man einen schönen Blick auf Fidalgo Island. Weiter zum Deception Pass, ein sogenannter Salzwassercanyon. Darüber führt eine Brücke zur großen Insel Whidbey. Im dortigen State Park kaufe ich den Discovery Pass, der mir für 30$ ein Jahr lang Zugang zu allen Washington State Parks verschafft. Beim üblichen Tagespreis von 10$ ein echter Deal. Den restlichen Tag verbringe ich an den schönen Stränden und Buchten im State Park. Erst spät die Weiterfahrt ins 20 km entfernte Oak Harbour um dort über Nacht zu bleiben

Blick vom Mt. Erie

           Deception Pass

         schöne Buchten

             Strandkunst

Samstag Vormittag sind es nur wenige Kilometer zum Fort Ebey State Park am Westufer der Insel. Alte Bunkeranlagen und die Sicht über den Sound halten mich da ein paar Stunden. Nachmittag weiter nach Coupeville. Am Ortstrand der Price Sculpture Forest, wo schöne und interessante Skulpturen einen Pfad durch den Wald säumen. Einige Objekte muss man richtig gehend suchen. Das ist direkt mal moderne Kunst die mir gefällt. Passend dazu findet im Coupeville gerade dieses Wochenende ein recht großer Kunstmarkt statt. Um die 100 Aussteller zeigen von Trödel bis Kunstwerk ihre Produkte. Nur schade das hinter den Verkaufsständen die alten Fassaden des Dorfes verschwinden. Beim abendlichen Rundgang ist es schon sehr ruhig im Ort, so verwundert es kaum das mir in den Strassen ein Reh begegnet. Der Town Park gleich nebenan wird mein nächstes Nachtlager.

Willkommen in Coupeville

   im Price Sculpture Forest

       Seebrücke Coupeville

gar nicht so scheu

Sonntag ein Ausflug nach Ebey’s Landing. Das große Grundstück als Geschenk früher Siedler nun State Park. Vom Steilufer ein freier Blick aufs Meer und die gegenüber liegende Olympic Halbinsel, mein nächstes Ziel. Um dahin zu kommen brauche ich die Fähre. Vor Ort gilt festzustellen das man die reservieren sollte, um nicht als “Stand by” einige Überfahrten zu verpassen. Doch dabei bin ich längst nicht der Einzige. Die Wartezeit verkürze ich mit einem Spaziergang zum Fort Casey State Park, praktisch liegt der genau nebenan. Auch hier alte Militäranlagen, gebaut um 1910. Ihren Zweck, die Verteidigung vom Großraum Seattle, mussten sie nie beweisen. Mit der 14.45 Uhr Fähre hinüber nach Port Townsend. Sehenswerte Stadt mit alten Ziegelbauten, dazu schöne Villen auf dem Steilufer oberhalb, da macht spazieren gehen Spaß. Neben der recht kleinen Marina des Ortes darf man auf dem ruhigen Parkplatz 24 h stehen bleiben, das nehme ich neben einigen “Kollegen” gern als Übernachtungsplatz an. 

         Olympic Peninsula

 Ebey’s Landing

   alte Villen über der Stadt

 Port Townsend

schöne Marina

Montag ist das Wetter nach wie vor schön und wir haben wieder 32°C. Nach der Nutzung eines Waschsalons fahre ich Mittag weiter und stehe bald auf dem je Richtung nur einspurigen Highway 101 im Stau. Es geht nur im Schneckentempo vorwärts. Nach einer Stunde ein Schild: Brückenbau und Ampelregelung in 5 Meilen (8 km!). Eine Umfahrung ist bei den wenigen Strassen hier nicht möglich, aber Dank maps.me kürze ich als einer der wenigen 7 km Stau ab. Das hat mir wohl fast 2 Stunden erspart, doch am Ziel in Sequim ist nicht mehr viel vom Tag übrig. Tags darauf muss ich mich um mein Smartphone kümmern, das sich nicht mehr richtig einloggt. Im T-Mobile Shop braucht der Spezialist einige Zeit um das ungewöhnliche Problem zu lösen. Dann zum Dungeness Spit. Diese Sandbank, ein Naturschutzgebiet, ragt inzwischen 8 km ins Meer und wächst jährlich weitere 5 m. Abgesehen von einigen Vögeln die man hier beobachten kann, reicht die heutige Sicht bis zum 120 km entfernten Mt. Baker.

den Stadtplan immer dabei ;-)

         Dungeness Spit

Ozean, Leuchtturm, Mt. Baker

             Strandjäger

Mittwoch nach dem Frühstück ins 35 km entfernte Port Angeles fahren. Im Olympic National Park Visitor Center werde ich, wie auch viele andere, davon überrascht das die Hurricane Ridge Road für drei Tage geschlossen ist. Echt schade, vor allem bei dem tollen Wetter mit bestimmt herrlicher Weitsicht. Als Alternative radle ich ins Elwha Tal. Schöne Strecke, an deren Ende der Spillway Overlook wartet. Es stehen noch Reste der alten Staumauer, die ab 2011 zurückgebaut wurde. Umweltgruppen haben das Ende des Stausees durchgesetzt, so das neben der Renaturierung auch wieder zahlreiche Lachse die Flussläufe bevölkern.  

17. Woche vom 17. bis 23. August 2023
Donnerstag ist die Hurricane Ridge Road noch gesperrt. Ich will unbedingt da rauf, also den Tag in der Gegend verbringen, was  einigermaßen sinnvoll gelingt. Am nächsten Morgen kann ich endlich die sportliche Herausforderung angehen: mit dem Rad von Meereshöhe ganze 35 km bergauf zum 1.757 m hohen Hurricane Hill. Die Steigungsrate geht, aber es ist halt eine recht lange Strecke. In knapp zwei Stunden bin ich oben und ernte Beifall von denen die mit dem Auto gekommen sind. Davon abgesehen entfaltet sich eine tolle Sicht über große Teile des Olympic Nationalparks, auch wenn der Rauch von entfernten Waldbränden etwas stört. Nach der körperlichen Anstrengung trifft es sich das in Port Angeles ein Hallenbad steht. Der heiße Whirlpool dort hilft beim Entspannen ungemein. Nachts weckt mich leider auf dem herrlich ruhigen Hospital Parkplatz die Security. Auch wenn da keine Verbotsschilder stehen, weisen sie mich freundlich darauf hin das ich hier nicht parken darf. Also was anderes suchen.

das war mal ein Stausee

     ökologischer Rückbau

     Hurricane Ridge Road

  *Blick über den Olympic NP

Nach einer doch noch erholsamen Nacht fahre ich Samstag weiter. Das Reisetempo ist derzeit niedrig und die Distanzen recht kurz, das tut auch mal gut. 30 km weiter liegt der große Crescent Lake, wunderbar zwischen den Bergen eingebettet. Ich laufe zu den Marymere Falls, doch die sind kaum sehenswert, was auch am fehlenden Wasser liegen kann - es hat hier seit Wochen nicht richtig geregnet. Als nächstes die anspruchsvolle Wanderung hinauf zum Mount Storm King. Viel Staub und schwieriges Terrain, was manch ungeübten Wanderer fast verzweifeln lässt. Lohn der Mühe: der geniale Blick auf den Crescent Lake. Noch ein Bad im See und weiter zum Bear Creek Campground. Mit meinem Discover Pass darf ich da kostenlos campieren. Sonntag halte ich in Forks, schriftstellerisch das Epizentrum der “Twilight” Saga. Der Ort macht wenig her, zieht aber nach wie vor Fans an. Ich starte von hier mit dem Rad an den Ozean nach La Push. Oh je, das Dorf ist echt deprimierend. Dafür sind die Strände toll. Der Rialto Beach ist für mich der Beste. Trotz schwierigen Lichtverhältnissen mit Küstennebel und Rauch setzen die Felsen vor der Küste die Akzente. Man kann hier auch, was selten ist, am Strand campieren, was letzte Nacht wohl viele machten.    

der Crescent Lake

   wilde Küste im Gegenlicht

             Rialto Beach

  *Rialto Beach als Panorama

Nachmittag fahre ich mit dem Auto weiter und finde auf dem Weg in den Hoh Forest eine schöne Stelle zum Übernachten am Hoh River. Montag Morgen ist es dann nicht mehr weit zum Hoh Rain Forest Visitor Center im Olympic NP. Die frühe Stunde hat den Vorteil das erst wenige Besucher da sind, was dem Wald seine ganze Magie lässt. Der nordische Regenwald hier ist dicht, bemoost, voller Flechten und trotz derzeitig geringer Niederschläge intensiv grün. Das sieht so märchenhaft aus das ich mich nicht gewundert hätte einen Hobbit zu sehen ;-). Die Hall of Mosses mit der Maple Grove ist das fototechnische Juwel, doch hier führt praktisch jeder Weg durch einen Wald der mich immer wieder staunen lässt. Abends ergattere ich einen der wenigen Plätze auf dem, mit Discover Pass kostenlosen, Minnie Peterson Campground und schlafe unter dick bemoosten Baumriesen.    

im Hoh Rainforest

         Maple Grove

   der reinste Märchenwald

Dienstag verlasse ich den Hoh Forest und komme wieder auf die 101, ihres Zeichens einzige Strasse rund um die 130 x 130 km große Olympic Halbinsel. Da fährt man lange und viel durch Wald, Wald und Wald. Heute allerdings komme ich vor Kakaloch an den Ozean. Ruby Beach und Kalaloch Beach sind recht schön, wenn auch nicht spektakulär. Der Küstennebel tut sein übriges um den Eindruck zu schmälern. Am Südende der langen Strände will ich campen, aber der “Zeltplatz” ist nur ein staubiger Weg an dem links und rechts fast lückenlos Autos stehen. Außer einigen Toi Toi Häuschen keinerlei Anlagen. Dafür 20$? Da stelle ich mich lieber heimlich still und leise an die Kalaloch Lodge. Es fängt dann an zu regnen und die Gegend versinkt in trüber Tristess.

fotogener Nurse Tree

         uralte Baumriesen

             Ruby Beach

           Kalaloch Beach

Mittwoch beginnt der Tag stark bewölkt, es reißt aber bald auf. Nach dem Frühstück weiter auf der 101 in südlicher Richtung. 50 km später lichtet sich der Wald am Lake Quinault. Die Lodge am Seeufer wurde 1926 gebaut und versprüht nach wie vor den Charme der damaligen Zeit. Ringsum führen Wege und Pfade in den Regenwald hinein. Der ist hier weniger spektakulär wie im Hoh Rainforest, aber bei weitem interessant und schön genug für ein paar Stunden. Am Weg auch ein wahrer Baumriese, die Sitka Tanne gilt als wohl Größte ihrer Art. Abmaße auf dem Foto daneben, die Angaben in “Fuß”. Den inzwischen sonnigen Tag lasse ich am See ausklingen. Die Lodge kann nur verhältnismäßig wenig Leute unterbringen, so ist es bald ruhig und friedlich.   

           die Quinault Lake Lodge, auch innen sehrenswert

  im Regenwald

als Sitka Tanne ein wahrer Weltmeister

18. Woche vom 24. bis 30. August 2023
Donnerstag weiter auf der 101. Nach einem erneut trüben Morgen erobert die Sonne so langsam den Himmel und wir bekommen wieder 30°C. Ab Hoquiam so was wie die Rückkehr in die Zivilisation. Ich fülle Vorräte auf und fahre ins nahe Aberdeen, eine der ersten Siedlungen die im Westen der USA gegründet wurde. Oh je, was für eine deprimierende Stadt. Anscheinend haben viele der Häuser seit Jahrzehnten keine neue Farbe mehr bekommen und man spürt förmlich so etwas wie Verzweiflung. Da hilft auch nicht der Hinweis auf den bekanntesten Sohn der Stadt, Kurt Cobain/Nirvana. Der kleine Memorial Park am schlammigen Fluss, unter dessen Brücke wie zu seiner Zeit Obdachlose wohnen ist da bezeichnend. Ich fahre bald 50 km weiter bis South Bend. Der kleine Ort am Willapa River recht angenehm, das Pacific County Corthouse zeugt von einer bedeutenden Historie. Am nächsten Tag ist erneut die 101 meine Strecke. Kurz vor der “Grenze” zu Oregon biege ich nach Longbeach ab. Die Stadt wirbt mit dem längsten Strand der Welt, 28 Meilen lang. Komisch, da gibt es doch den 90-Mile-Beach in Neuseeland... In Longbeach findet derzeit ein großes Kite Festival statt. Klasse. Am Strand sieht man viele bunte Drachen, teils bis zu 15 m lang. Daneben finden immer wieder Wettbewerbe statt, wo unter den Augen der Preisrichter Figuren zu fliegen sind, auch mit Musikbegleitung Ein echt cooles Festival. Abends steigen sogar beleuchtete Drachen in die Luft, das sieht dann noch mal ganz besonders aus. Nachmittag unterbreche ich die bunte Zeit am Strand und fahre ans nahe Cape Disappointment. Zerklüftet und felsig thront es über der Mündung des mächtigen Columbia River. Eine schöne Bucht bekam den Namen “Dead Mans Cove”, weil wohl immer wieder tote Seeleute da angespült wurden. Die zwei Leuchttürme auf den Klippen konnten wohl nicht alle Unglücke verhindern. 

Kite Festival in Longbeach

     Massendrachensteigen

         Dead Mans Cove

     North Head Lighthouse

Samstag ist es nur ein kurzes Stück Weg bis zur Astoria-Megler-Bridge, die mit ihrer 4 km Länge den Columbia River überspannt Auf der anderen Seite Astoria, Oregon. Die hübsche Stadt mit sehenswerten Gebäuden wie das Flavel House. Am kleinen Hafen liegen fotogen einige Schiffe und vom Coxcomb Hill samt rundum bemalten Aussichtsturm hat man eine schöne Sicht auf die Landschaft ringsum. Auf dem weiteren Weg nach Süden stehe ich bald im sehr zäh fließenden Verkehr. Die Erklärung folgt in  Seaside. Die Kleinstadt komplett überfüllt mit abwaschbar bunt bemalten Autos. Dazwischen einige Läufer. Wie ich heraus finde endet hier und heute der HTC (Hood to Coast) Staffellauf, bei dem Teams die 180 km Distanz (Luftlinie!) rennend zurücklegen. Hut ab vor der Leistung. Es trübt sich dann leider ein, womit der hier sehr lange und breite Strand an Eindruck verliert. Tags darauf zum südlich gelegenen Ecola State Park. Das bergige Kliff erhebt sich steil 200 m über dem Meer, was heute reicht um es komplett im Nebel versinken zu lassen. Das bleibt so praktisch den ganzen Tag. Sehr schade, aber bei 100 Nebeltagen im Jahr muss man in der Region damit rechnen. Den Nachmittag verbringe ich am Strand von Cannon Beach, seines Zeichens ein Ressort der Reichen und Schönen. Wieder ein toller Strand der bei dem grauen Licht leider nicht sein ganzes Potenzial zeigt.    

normale Gespanngröße/-länge

  zwei eher seltene Fahrzeuge

     Astoria-Megler-Bridge

     am Hafen von Astoria

Der Montag beginnt so trüb wie der Sonntag geendet hat. Südlich von Cannon Beach vertreibe ich mir die Zeit an der und um die Smuggler Cove. Ein schöne Bucht, umgeben von dichtem Wald mit einigen imposanten Bäumen. Am Nachmittag reißt es auf und ich laufe zur Devil’s Cauldron, eine Bucht mit senkrechten Felswänden. Später dann hinauf auf den Neahkahnie Mountain, von dessen 500 m hohen Gipfel reicht der Blick weit die Küste entlang. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich in Tillamook, wo an der Blue Heron French Cheese Company wir Camper gern gesehene Gäste sind. Kostenlos darf man da nach dem Check-in auf der großen Wiese nebenan übernachten, was heute um die 20 Fahrzeuge aller Art tun. Auf dem Gelände stehen wie im Museum alte Vehikel und Erntegeräte herum, das Streichelgehege mit Lama und Co. ist wohl eher was für Kinder. Am nächsten Morgen gleich zur Tillamook Cheese Factory, wo seit Beginn des 20. Jh. Käse und Milchprodukte hergestellt werden. Inzwischen ist sie die größte (Käse) Fabrik des Landes und produziert pro Tag 80 Tonnen! Der Markenname taucht in praktisch jedem Supermarkt auf, wenngleich das leicht gummiartige Produkt ohne viel Eigengeschmack nicht mein Favorit wird. Hier und heute kann ich mir die gläserne Produktion anschauen und einige Sorten probieren. Danach folge ich auf der 6 dem Wilson River nach Osten. Die Strecke führt komplett durch dichten Wald bis sich die Landschaft mit der Ebene und den ersten Vororten von Portland öffnet.

Blick vom Neahkahnie Mountain

 Devil’s Cauldron

   Tillamook Cheese Factory mit Blick in die gläserne Produktion

Mittwoch steht Portland auf dem Programm. Ich parke etwas außerhalb im sehr hügeligen Washington Park, der grünen Lunge der Stadt. Um das Hoyt Arboretum sind Pfade zu den jeweiligen Baumtypen angelegt. Etwas weiter bergab dann der Rose Test Garden. Ich bin kein Blumenfanatiker, aber der beeindruckt mich sehr. 600 verschiedene Rosenarten stehen auf den kleinen Feldern. Da sind alle Farben wie Formen dabei und verleiten zu vielen Fotos, wenngleich die absolute Blütezeit schon ein Stück überschritten ist. Später dann aufs Rad und rein ins Zentrum von Portland. Oh je, wohl selten lag die Wertung im Lonely Planet so weit daneben wie hier. Als sehenswert und äußerst interessant beschrieben finde ich kaum Motive zum Fotografieren. Die Plätze eher unscheinbar, die Architektur kaum erwähnenswert, das Wahrzeichen der Stadt, Portlandia, von Baumkronen teils verdeckt und überall Obdachlose, Gestrandete und Drogenabhängige. In weniger als einer Stunde bin ich da durch und radle lieber noch etwas durch den Washington Park. Die Atmosphäre ist so mies das ich weiter fahre und in Vancouver übernachte. 

Portland, Rose Test Garden

       tolle Fotomotive

  Pioneer Courthouse Square

19. Woche vom 31. August bis 6. September 2023
Donnerstag bleibe ich vorerst in Vancouver, nicht zu verwechseln mit dem in Kanada. Das Wetter druckst herum, da warte ich mit dem nächsten Ziel lieber bis morgen. Als der Regen aufhört, Niesel wäre der passendere Ausdruck, ein Spaziergang zum nahen Fort. Am Nachmittag rechtzeitig vor der Rush Hour durch das dichte Siedlungsgebiet bis nach Troutdale fahren, wo am nächsten Morgen meine Tour durch die Columbia River Gorge beginnt. Der breite Fluss hat sich mit Hilfe von viel Schmelzwasser durch hohe Lavaschichten gekämpft und darin eine herrliche Schlucht hinterlassen. Die Zuflüsse waren weniger erfolgreich, so das sie nun als zahlreiche Wasserfälle zum Columbia streben. Ein erster Ausblick vom Crown Point, danach schlängelt sich der wenig befahrene alte Highway 30 oberhalb der Interstate entlang. Mit kurzen Spaziergängen erreiche ich die Latourell, Coopey und Bridal Veil Falls. Alle schön, alle anders. Danach eine etwas anstrengendere Wanderung hinauf zu Angels Rest mit tollem Panoramablick über die Columbia River Gorge. Weiter zum Wahkeena Falls und von da in einer Schleife “hinten herum” zu einer Serie von Wasserfällen bis zum Prunkstück, dem Multnomah Falls. Genial wie der in zwei Stufen zu Tale braust, noch dazu mit der Fußgängerbrücke dazwischen. Hier halten jährlich 2.000.000 Leute, weshalb für das Parken an der Interstate nun vorab gebuchte Zeittickets notwendig sind. Auf meiner Nebenstrecke bleibe ich davon verschont. Etwas weiter liegt die wohl sehr schöne Oneonta Schlucht, wegen Sturmschäden seit 2017 geschlossen. Man wartet nun auf einen weiteren Sturm der das viele blockierende Totholz hoffentlich zu Tale befördert. Das kann auch noch 20 Jahre dauern... Nach weiteren Wasserfällen halte ich am Ainsworth State Park. Der hat immerhin ein paar Walk-in Plätze für Zelte frei, also schlafe ich mal nicht im Camper

Latourell Falls

  Bridal Veil Falls

 Wahkeena Falls

     Fairy Falls

           Wiesendanger Falls

 Multnomah Falls

Nach einer recht erholsamen Nacht im Zelt geht die Tour am Columbia River weiter. Zuerst zu den Elowah Falls. Nett, aber als ehemaliges Waldbrandgebiet bremsen die nackten, rußgeschwärzten Baumstämme die Euphorie. 5 km weiter ein ungeplanter Abstecher nach Bonneville. Zwischen zwei Inseln im Fluss stauen drei Dämme den Columbia River. Im Visitor Center der Einblick in Bau und Geschichte, dazu die Technik im riesigen Generatorenraum. Nebenan eine sehr lange und breite Fischleiter, wobei einige Fenster im Keller den Blick unter Wasser gestatten. Da schwimmen viele richtig dicke Brocken vorbei, vor allem Lachs. Es gibt sogar jemanden der diese nach Arten unterteilt zählt. Kann man den Zahlen trauen? Egal, die grobe Richtung wird stimmen Weiter zum Eagle Creek, wo wie befürchtet viel los ist und ein Parkplatz erst nach einer Weile frei wird. Die Wanderung zum Devils Punchbowl kaum erwähnenswert, da habe ich gestern viel besseres gesehen. Deswegen breche ich ab, lasse den Rest vom Tal sausen und fahre lieber über die mautpflichtige Brücke in Cascade Locks zum anderen Flussufer. Ziel ist der Beacon Rock, ein einzelner Lavakegel, kaum erodiert. 52 enge Kehren führen steil da rauf und ermöglichen einen tollen Ausblick auf den Fluss. Den ziemlich warmen Tag mit über 30°C beende ich dann auf einem ruhigen Schotterplatz am Stadtrand von Stevenson.

*Blick vom Angels Rest

Bonneville Damm, Generatoren

         der Beacon Rock

       Aussicht vom Gipfel

Sonntag biege ich in Carson nach Norden ab und folge der wenig befahrenen Wind River Road in die Wildnis. 70 km schlängelt sich die Strasse durch Flusstäler, nur selten sind ein paar Häuser zu sehen. Bei Northwoods erfahre ich im Visitor Center das die NF 25 nach Norden gesperrt ist, nachdem vor Monaten Teile der Strasse weggespült wurden. Mist, das war meine geplante Strecke. Umfahrung? Westlich auf guten Strassen, leider mit nerviger Interstate, 240 km Umweg. Östlich sind es 90 km, aber auf wohl teils miesen Schotterstrecken. Das werde ich dann morgen spontan entscheiden. Heute drücken die Wolken immer mehr herein und außer einem Spaziergang am Lewis River wird nicht mehr viel. Montag zuerst ein Ausflug zur Ape Cave, 10 km südlich vom Mount Saint Helens. Die Höhle ist ein Lavatunnel, bei dem die Decke erstarrte während im Inneren die Lava weiter floss. So was habe ich schon mal in Island gesehen. Hier ist die Höhle fast 3 km lang. Teilweise sieht sie aus wie vom Mensch erschaffen mit ebenmäßigem Boden und Wänden, teils sind Stücke der Decke heruntergebrochen und man muss im Schein der Kopflampe über Felsen klettern und sich durch Spalte zwängen. Ein echtes Abenteuer in absoluter Dunkelheit bei dem ich erst gegen Ende auf andere Leute treffe. Auch draußen gibt es was zu sehen: runde Löcher im Boden/Fels, rund ein bis zwei Meter tief. Da standen mal Bäume. Die wurden beim Vulkanausbruch von Lava umschlossen und sind langsam verbrannt während die  

Ape Cave, ein Lavatunnel

 Lava erstarrte. Kurios. Ich nehme dann die Ostumfahrung in Angriff. 20 km davon sind echt heftig und im Camper schüttelt und rüttelt es nur so. Auch davor und danach ist viel Vorsicht geboten, denn der Asphalt hat sich in teils großen Stücken gesenkt oder zu heftigen Bodenwellen verformt. Da komme ich  nur langsam voran. Was für eine Erleichterung endlich den Iron Creek zu erreichen. Verkehr herrscht hier fast gar keiner und  problemlos findet sich ein guter Stellplatz im Wald. Dienstag 

Klettereinlage in der Ape Cave

beginnt der Tag im Wald trüb und duster. Sollte der Aufwand umsonst gewesen sein? Nach dem Frühstück erste blaue Lücken in der Wolkendecke, also auf der FS 99 zum Mount Saint Helens. Langsam und kurvenreich windet sich die Strasse nach oben. Erste Aussichtspunkte zeigen das der Himmel aufreißt und den Blick auf den Vulkan frei gibt. Genial! 1980 ist der Mount Saint Helens spektakulär ausgebrochen und hat dabei 300 m seines Gipfels weggesprengt. Die Auswirkungen waren riesig und sind vor Ort deutlich sichtbar. Ein pyroklastischer Strom hat Bäume bis in 30 km Entfernung komplett umgemäht und der Hangrutsch drückte das Wasser im Spirit Lake 100 m die nächsten Berge hinauf. Beim Rückfluss riss das Wasser die entwurzelten Bäume mit, von denen heute noch tausende im See schwimmen. Echt krass! Den besten Überblick bietet die Windy Ridge, wobei ich auch noch zum Ufer des Spirit Lake und am Vulkan zum Loowit Falls laufe. Was für eine außergewöhnliche Landschaft. Erste Pflanzen besiedeln nun wieder die kargen Böden, die Natur braucht eben nur Zeit, viel Zeit. Den Abend genieße ich vom Smith Creek aus mit dem Blick auf die Vulkane Adams, Hood und Saint Helens. Was für ein toller Tag mit sagenhaften Eindrücken.  


*Panorama von der Windy Ridge

           Spirit Lake

   43jähriges Totholz im See

der Vulkan Mount Saint Helens

Mittwoch verlasse ich den Mount Saint Helens und nehme die abenteuerlich schlechte NF 25 bis Randle. Von da sind es 25 km Luftlinie zum nächsten Ziel, doch auf der Straße ganze 80 km. Glücklicherweise nehme ich den westlichen Bogen, sonst hätte es später am östlichen Eingang zum Mount Rainier NP ein langes Gesicht gegeben: die dortige Canyon Road ist wegen Felssturz gesperrt. Unterwegs unter anderem der Halt in Elbe, ein Dorf mit Minikirche und einem Hotel/Motel, in dem man in ausrangierten Loks und Waggons der Eisenbahn schläft. Bei Ashford finde ich kurz vor dem Nationalpark im Wald einen Platz für die Nacht.

20. Woche vom 7. bis 13. September 2023
Donnerstag beginnt der Tag erneut trüb und grau, aber das kann mich nicht davon abhalten in den Mount Rainier Nationalpark zu fahren. Bei recht kühlen Temperaturen lasse ich mir Zeit und checke gegen Mittag im Cougar Rock Campground ein. Später die geplante Radtour. Leider halten sich die Wolken am 4.392 m hohen Gipfel und geben keinen Blick auf den majestätischen Berg frei. Das ist übrigens häufig der Fall, klare Tage sind in seiner Umgebung selten. Trotzdem wird es eine schöne Tour mit kurzen Pausen an Aussichtspunkten und Wasserfällen bis rauf zu den Paradise Meadows. Freitag das selbe Spiel: Morgennebel. Ich schnüre die Wanderschuhe und starte um neun. Bald verschwindet der Nebel komplett und es wird ein gigantisch schöner Tag in den Bergen. Vorbei am Nirada Wasserfall erklimme ich als einer der wenigen den schwierigen Pinnacle Peak. Das letzte Stück zum 2.000 m hohen Gipfel erfordert echte Kletterei an einer fast senkrechten Felswand. Lohn der Mühe: der freie Blick auf den Mount Rainier in seiner ganzen Pracht. Genial! Nach dem Abstieg zu den Reflection Lakes mit Spiegelbild und weiter zu den Paradise Meadows, wo erwartungsgemäß sehr viele Leute unterwegs sind. Das Postkartenmotiv vom Myrtle Falls ist Pflicht, der erneute Aufstieg bis zum 2.150 m hohen Panorama Point meine Kür. Schön wie sich der steile Pfad über farbige Bergwiesen in die karge Landschaft unterhalb der Gletscher hinauf windet. Diesen tollen Tag beende ich wieder im stillen Wald bei Ashford. 

der 4.392 m hohe Mt. Rainier

auf den Paradise Meadows

 Nirada Falls

         Panorama Point

 Myrtle Falls

Samstag zeitig aus dem Bett und gleich los fahren. Die Frühstückspause hinter Elbe am Alder Lake. Der Stausee mit niedrigem Wasserspiegel, so das alte Baumstümpfe eine coole Geisterlandschaft bilden. 40 km später beginnt mit Vororten der Großraum Seattle. Ich fülle Vorräte wie auch Wasser auf und mache eine lange Pause in einem schönen Park am Lake Washington. Kurz darauf zwingt eine Umleitung alle von der I-405. Trotz Wochenende herrscht viel Verkehr, der sich über Ampeln nur quälend langsam vorwärts bewegt. So braucht es Stunden bis zum Stadtteil Robinswood, wo ich in einer ruhigen Seitenstrasse die Nacht verbringe. Sonntag recht früh aufstehen und zum Evergreen Point Park & Ride fahren. Dort lasse ich den Camper stehen und nehme das Rad um Seattle zu erkunden. Die lange Floating Bridge führt zum Stadtzentrum, von dem wegen der hügeligen Landschaft bisher kaum was zu sehen ist, nicht mal die “Space Needle”. Sonntag Vormittag in Downtown Seattle, das ist eine ziemlich entspannte Angelegenheit. Wenig Verkehr und die Leute in Wochenendstimmung. An und auf den öffentlichen Plätzen wieder zahlreiche Obdachlose, woran habe ich mich inzwischen fast schon gewöhnt habe. Am Wasser steht so manch schönes Pier, dahinter führen die Strassen steil hinauf. Viel Trubel am Public Market Place mit seinen lautstarken Fischverkäufern. Ums Eck die “Gum Wall”. Seit 35 Jahren kleben wartende Theaterbesucher ihre gebrauchten Kaugummis an die Wand. Mehrfach von der Stadt gereinigt, zählt die nun dick überzogene Wand zu einer, wenn auch für manchen widerlichen, Attraktion. Außerdem erwähnenswert: Der Olympic Sculpture Park, das Museum of Pop Art und der Fernsehturm “Space Needle” mit seinem Park, in dem neben Livekonzerten auch vieles andere geboten wird. Nach dem langen Tag in der Großstadt finde ich in Kirkland Ruhe.

       Museum of Pop Art

 Seattle’s Wahrzeichen: Space Needle

       Pier 57 mit Riesenrad

       die Kaugummiwand

Zum Wochenstart lasse ich es ruhig angehen. Der Tag beginnt kühl und ich fahre weiter nach Norden. Dem hektischen Verkehr kann ich auf dem State Highway 9 gut aus dem Weg gehen und komme so bis Arlington. Dienstag taucht bald eine bekannte Gegend auf, hier kam ich Anfang August durch. In Mount Vernon zum Waschsalon, der bisher beste und sauberste in den USA. Den Rest des Tages verbringe ich am Clear Lake, auch der ist mir bekannt. Tags darauf auf der 20 nach Osten bis Marblemount Dort das Auto abstellen und aufs Rad umsteigen. Es geht hinein in die North Cascades, wobei die Strecke am Skagit River nur langsam an Höhe gewinnt. Erst kurz vor meinem Ziel werden die Steigungen knackig und die Aussichten spektakulär. Nachdem Anfang August wegen dem Waldbrand nichts vom Diablo Lake zu sehen war, wollte ich eine zweite Chance nutzen. Das klappt und der intensiv türkisfarbene See zeigt sich malerisch zwischen den Bergen. Viele Wanderwege hier sind noch immer gesperrt, aber darauf war auch nicht zu hoffen. Nach der schönen Radtour finde ich im Wald bei Rockport einen recht guten Stellplatz.

21. Woche vom 14. bis 20. September 2023
Donnerstag nehme ich in der Nähe von Rockport den Sauk Mountain zu Fuß in Angriff. Die ersten 13 km verlaufen durch dichten Wald auf einer Forststraße. An deren Ende ein kleiner Parkplatz. Nun sind es “nur” noch 300 Höhenmeter bis nach oben, wobei sich der Pfad auf dem steilen Wiesenhang in Serpentinen nach oben schwingt. Die Aussicht vom ersten Gipfel ist gut, aber von weiteren kleinen Gipfeln beschränkt. Also ein wenig klettern, was mir ja Spaß macht, und zu einem Punkt kommen wo sich das ganze Panorama von Mount Baker über Mount Shuksan bis in die North Cascades entfaltet. Herrlich. Viele Wanderer sind hier nicht, aber kein weiterer traut sich mir zu folgen. Bergab komme ich mit einigen ins Gespräch. Pete und seine Frau holen mich später mit dem Auto ein, ich war der einzige der die ganzen 1.700 m Höhendifferenz zu Fuß absolviert hat, bieten mir die Fahrt nach unten an und laden mich zu sich nach Nashville, Tennessee ein. Ein toller Tag und coole Leute, was brauche ich mehr. 

Diablo Lake ohne Rauch

     dunstiges Skagit Tal

   Blick vom Sauk Mountain

  *das ganze Gipfelpanorama

Freitag knacken wir bei tollem Sonnenschein wieder die 30°C. Ich habe den nächsten fahrtechnischen Bogen um die Berge vor mir. Erst auf der nun schon mehrfach genutzten Strecke nach Sedro-Woolley, dort nach Norden abbiegen und bei Kendall der erneute Schwenk nach Osten. Hinter Glacier gibt es einige gute Stellen an denen man im Wald frei campen kann. Am nächsten

Mount Baker

Morgen setze ich mich aufs Rad und folge dem Mount Baker Highway bis ganz nach oben. Tolles Wetter und Wochenende, da ist richtig was los auf der Strecke, wobei hier fast alle mit dem Auto unterwegs sind. Die parken dann aus Notwendigkeit schon einige Kilometer vor dem Ende auf beiden Straßenseiten. Ich kann problemlos bis zum Artist Point radeln, doch für einen tollen Blick auf die Berge braucht es noch einige Meter zu Fuß. Die Mühe hat sich gelohnt, die Fotos sind genug Beweis dafür. 

           Mount Shuksan

Sonntag Vormittag ist der Baker Highway für einen Event vorübergehend gesperrt, da hat mein Zeitplan also perfekt gepasst. Ich lasse mir an diesem sonnigen Tag Zeit und fahre gemütlich die 40 km bis Sumas. Bei einem frühen Mittag frische Sachen aufbrauchen, die darf man nämlich nicht nach Kanada einführen. An der Grenze stellt mir ein junger Beamte nur einige Fragen, keine Zollkontrolle, keine Declaration Card, schon bin ich im Land. Warum Kanada? Ende Oktober läuft mein Visum für die USA aus und ich hoffe nach zwei Wochen Ausland auf ein neues für weitere sechs Monate. Für Kanada gibt es keinen großen Plan. Ich war 2006 ein halbes Jahr hier und will diesmal nur einen Bogen durch die grenznahen Berge machen. In Abbotsford bei der Scotiabank gebührenfrei Bargeld beziehen und dann einkaufen, der Kühlschrank ist bekanntlich leer. Die Lebensmittelpreise sind so hoch wie in den USA. Darüber hinaus macht Kanada von Anfang an keinen guten Eindruck und ist meilenweit von dem Land meiner Erinnerung entfernt. Viele Obdachlose und Drogenabhängige, das Visitor Center längst geschlossen, der Rastplatz voll mit alten Trailern und Zelten, öffentliche Sanitäranlagen selten oder gesperrt. 30 km weiter in Chilliwack ist es ähnlich, aber ich finde mit Mühe einen Übernachtungsplatz. Am Montag in Chilliwack einkaufen und planen. Die Wettervorhersage durchwachsen, was vor allem in den Bergen schwierig ist. Der Nachmittag im Stadtteil Vedder mit schönem Park und dem Spaziergang auf den Vedder Mountain. Dienstag regnet es häufig, also in Vedder bleiben und viel an meiner Homepage arbeiten, die einige Wochen im Rückstand ist. Tags darauf kommt bald die Sonne raus. Ich nehme den Trans-Canada Highway nach Osten und halte an den  Bridal Veil Falls, Wasserfälle im nordischen Regenwald. Die nächste Pause im Cheam Wetlands Regional Park, wo viele Vögel an und auf den ruhigen Seen mit Schilfgürtel leben. Am Nachmittag kurz vor Hope ins Skagit Valley abbiegen. Die Campingspots dort im Wald waren wohl mal gut, nun sind sie vermüllt, dreckig und überall stehen abgewrackte Wohnmobile. Man könnte fast vom Slum von Hope reden. Unter den Umständen einen guten Platz für die Nacht zu finden erweist sich als recht schwierig.    

22. Woche vom 21. bis 27. September 2023
Neuer Tag, neues Glück. Nach einer klaren und kalten Nacht scheint die Sonne kräftig vom Himmel. Ich mache die Umgebung von Hope unsicher. Zuerst der Tacker Mountain mit schöner Aussicht auf Hope und die umliegenden Täler. Dann eigentlich der Schkam Mountain, jedoch ist der Parkplatz wie später am Devil Lake abgelegen und voller Autowracks. Da habe ich kein gutes Bauchgefühl und plane um. Auf dem Kettle Valley Rail Trail durch die sehenswerte Schlucht des Coquihalla River zu den Othello Tunnels. Die sind zwar per Tor gesperrt, wohl seit Jahren wegen Unwetterschäden, doch das hält mich nicht auf. Dafür ist die Schlucht zwischen den Tunneln einfach zu sehenswert. Am Abend ein Spaziergang durch Hope, wie die Umgebung Drehort des ersten “Rambo” Films. Damit wird noch heute Werbung betrieben, zum 40. Jubiläum des Films gab es sogar ein großes Fest. 

                 Hope

 bei den Bridal Veil Falls

       Coquihalla Schlucht

Erinnerung an alte Zeiten

Freitag beginnt der Tag wie vorhergesagt sonnig. Ich verlasse Hope auf dem Crowsnest Highway und parke 20 km weiter am Eingang des E.C.Manning Provincial Park. Dort die Wanderschuhe anziehen und den Mount Outram erstürmen. Lange führt der Pfad durch dichten Wald und macht dabei viele Höhenmeter. Als sich dann endlich Ausblicke eröffnen ziehen leider schon erste Wolken herein. Die werden bis ich auf dem 2.457 m hohen Gipfel stehe dichter und schmälern die wohl recht atemberaubende Sicht auf die Bergwelt ringsum. Trotzdem schön, auch wenn der Wind einem kalt um die Ohren pfeift. Bis ich wieder am Auto bin ist der Tag weit fortgeschritten, es bleibt aber noch Zeit für kurze Stopps. Samstag ziehen immer wieder Schauer durch und ich komme nur zu kurzen Spaziergängen am Similkameen Canyon und Lightning Lake. Bei dem kalten Wind macht es wenig Spaß im Freien. Nachmittag ist noch keine Besserung in Sicht, also fahre ich durch dichte Wälder 70 km weiter bis Princeton. Nette Kleinstadt, dazu ist es wärmer und trocken. Etwas außerhalb wird der Campingplatz am Martin Lake mein nächstes Lager.

am Mount Outram

               Aussicht vom Gipfel des Mount Outram

           Martin Lake

Sonntag bei Sonnenschein auf dem Crowsnest Highway nach Osten. Eine lange Pause im Bromley Rock Provincial Park, wo der Similkameen River von sehenswerten Felsen und einem Sandstrand begrenzt wird. Dann nach Keremos. Die Gegend trocken, abgesehen von den vielen bewässerten Plantagen mit allen Arten von Obst und Gemüse. Deswegen ziert auch ein Fruchtstand neben dem anderen die Strasse und die Leute lassen sich was einfallen um markant im Gedächtnis zu bleiben. Der nächste Halt ist Kaleden, ein kleiner Flecken am Skaha Lake. Entspannte Atmosphäre und eine schöne Wasserfront, da bleibt man gern, vor allem als ich den ruhigen Parkplatz oberhalb der Schule mit Blick auf die Umgebung entdecke. Montag Morgen bin ich schnell in Penticton, schön zwischen zwei Seen gelegen. Das Wetter erneut regnerisch, Petrus verwöhnt mich in Kanada nicht besonders Tags darauf bleibt es wenigstens trocken. Stadtbummel, einen Waschsalon nutzen und bereits anfangen die nächsten Ziele in den USA abzustecken. Am Abend ein langer Spaziergang zum Japanischen Garten und am Ufer des Okanagan Lake entlang, wo ein alter Raddampfer, die Sicamous, auf dem Trocknen liegt. Mittwoch bleibt es beim Aprilwetter. Ich kaufe ein und sitze lange in einem Center, nutze das WLAN dort und bummle durch die Läden. Die Nacht verbringe ich an dem bekannten Platz in Kaleden

am Similkameen River

           die Red Bridge

  ein Fruchtstand in Keremos

       am Okanagan Lake

Nach fünf Monaten in den USA ist diese Seite bis zum Rand mit Fotos und Abenteuern gefüllt.
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