Im Mai 2022 breche ich zu einer längeren Reise nach Italien auf. Hier könnt ihr mit leichter Verzögerung die Ergebnisse sehen.      Letzte Aktualisierung: 20. November 2022, danach alles weitere auf der nächsten Seite

Italiens Norden mit Reiseroute, Frankreich war so nicht geplant

1. Woche vom 9. bis 15. Mai 2022
Am Montag geht es ab in den Süden. Über den Fernpass nach Österreich, dann Samnaun, wo steuerfreier Diesel 1,51 € kostet, bis in die Schweiz nach Pontresina. Dort liegt noch ein Teil meiner Sachen, die ich am Ende der Wintersaison hier ließ. Nachdem mein Camper nun voll bestückt ist, fahre ich tags darauf über den noch vom Schnee umrahmten, 2.300 m hohen, Berninapass.

Morgens bei Pontresina

     Sicht auf den Piz Palü

 noch Schnee am Berninapass

         Puschlaver See

Die lange Abfahrt endet am Grenzübergang nach Italien. Ich bleibe zur Eingewöhnung zwei Tage in Tirano. Die Stadt ist schön, so wie das Wetter, und ich komme zu meiner ersten Radtour durch das Veltlin. Interessant zu sehen: Züge aus der Schweiz fahren genau durch Tirano an der Kirche vorbei. Donnerstag weiter nach Aprica und von da aus eine schöne Radtour durch die Berge. Geschlafen wird im Dorf Corteno Golgi, wo eine überaus prächtige Kirche steht. Freitag die erste Bergtour zu Fuß. Leider ist die Sicht schlechter als die letzten Tage, so ist der Eindruck vom Gipfel des 2.308 m hohen Piz Tri kaum überwältigend.   

         mitten in Tirano

Blick auf Tirano

           Blick ins Veltlin

       Radtour über Aprica

Samstag die nächste Radtour, ich brauche Trainingskilometer. Ziel ist der berüchtigte Passo Mortirolo. Geht ordentlich bergauf. In zehn Tagen rollen die Profis bei dem Giro d’Italia über diesen Pass. Sonntag fahre ich weiter nach Capo di Ponte, bekannt für geritzte Felsbilder, die nachweislich bis zu 7.000 Jahre alt sind. Gut, die kann man nicht mit Steinmetz Arbeiten von heute vergleichen, trotzdem recht interessant. Auffällig: es wird immer wärmer und schwüler, meist über 30°C, dazu ständig Gewitter

Corteno Golgi

           die Dorfkirche

  geritzte Felsbilder von Naquane, teils aus der Jungsteinzeit

2. Woche vom 16. bis 22. Mai 2022
Montag weiter nach Darfo Boario Terme. Nettes Städtchen. Etwas weiter oben am Berg der sehr schöne Lago Moro. Auf dem Rückweg holt mich ein Gewitter ein. Dafür gibt es dann aber einen perfekten doppelten Regenbogen zu sehen. Am nächsten Tag wieder aufs Rad. Immer leicht bergan zieht sich die Straße durch eine Schlucht langsam das schöne Val di Scalve hinauf.

Capo di Ponte

             Lago Moro

             Val di Scalve

           Angolo Terme

Mittwoch sind es nur 15 km bis zum Lago Iseo und dem schönen Städtchen Lovere. Da bleibe ich gern und schaue mich etwas genauer um. Donnerstag habe ich soweit alle Informationen beisammen und gehe auf die nächste Radtour. Einmal um den See in Uhrzeigerrichtung, das ist eine schöne 60 km Runde ohne erwähnenswerte Steigungen. Vor allem der nördliche Teil mit den

Lago Iseo

steil abfallenden Felswänden gefällt mir. Was mir noch gefällt, sind die überaus vielen Rennradkollegen die im nördlichen Italien unterwegs sind. Manche Autofahrer können allerdings nicht damit umgehen und so geht es auf der Straße manchmal knapp zu.Station mache ich dann in Pilzone. Der Campingplatz Olivella kommt entspannt daher und ich stehe unter Olivenbäumen. Am Samstag ein Ausflug nach Bergamo. Die Altstadt dort auf einem Felsplateau wird viel gelobt. Das erste was ich dort bemerke sind allerdings die Unmengen an Besuchern. Da geht es in den Gassen ganz schön eng zu. Abgesehen davon ist Bergamo wirklich schön, egal ob Basilica, Dom oder die Capella Colleoni.  

  traumhafte Buchten am See

die Altstadt von Bergamo mit Festung, schmalen Gassen,

 dem Dom mit beeindruckendem Eingang und die Capella Colleoni

Sonntag geht es gleich weiter mit Kultur und Besichtigung. Brescia steht auf dem Plan und überrascht mich sehr positiv. Sehen kann man da fast so viel wie in Bergamo, aber es sind viel weniger Touristen unterwegs und alles kommt natürlicher und ohne Druck daher. Hoch droben die wehrhafte Burg, wo bei meiner Ankunft eben hunderte Biker auf ihren heißen Öfen in einer Parade durch die Stadt cruisen. Ansonsten gibt es viel um die Piazza della Vittoria und die Piazza Paolo VI. zu sehen. Am meisten überrascht mich das Teatro Grande mit seinem einzigartigen Foyer. Das stand nicht mal im Reiseführer, ist aber um so schöner.

wehrhaftes Brescia

       Piazza della Vittoria

Duome Nuovo, Duomo Vecchio

           Teatro Grande

3. Woche vom 23. bis 29. Mai 2022
Tagsüber wie auch nachts wird es leider immer wärmer, das macht mir zu schaffen. Montag fahre ich weiter an den Gardasee und besuche dort zuerst Sirmione. An der engsten Stelle der Halbinsel liegt eine märchenhafte Burg mit einer hübschen Stadt dahinter, nur sieht man das kaum vor lauter Menschen. Unglaublich was hier los ist. Da fahre ich bald weiter und campiere in Pacengo. Am nächsten Tag aufs Rad und hinter Torri del Benaco in die Berge. Der letzte Kilometer hinauf mit 20% Steigung. Das geht in die Beine. Ansonsten kann ich dem Gardasee bisher nicht abgewinnen. Zu viele Menschen, zu viel Verkehr und die Wasserqualität vom See überzeugt auch nicht. Mittwoch die Fahrt nach Verona, wo ich den Camper etwas außerhalb in Caselle

Sirmione

       der Blick auf Verona

           Castelvecchio

         Arena di Verona

abstelle und mit dem Rad ins Zentrum fahre. Das erspart mir den Stress mit dem Parken und ich komme schneller und leichter zu den Sehenswürdigkeiten. Verona kann sich wirklich sehen lassen. Ich fange beim Castelvecchio an und arbeite mich von da aus durch die Altstadt. Zwar sind viele Leute unterwegs, aber bis auf wenige Stellen ist es erträglich. Arena di Verona, Palazzo della Ragione, Piazza dei Signori, Ponte Pietra, Teatro Romana, Ponte Scaligero, Arche Scaligere und kein Ende. Ein toller Tag. 

Verona

     Palazzo della Ragione

       die Gerichtstreppe

         Piazza dei Signori

Donnerstag gleich weiter. Das Reisetempo ist leicht erhöht, denn ich möchte so schnell wie möglich die drückenden Hitze in der Poebene hinter mich bringen. Die 40 km bis Mantua sind schnell erledigt. Ein erster Bummel durch die Stadt die auf der UNESCO Liste steht zeigt nichts Besonderes und die Bauten sind wenig beeindruckend. Da macht sich schon leichte Enttäuschung breit. Immerhin beeindruckt die Basilica di Sant’Andrea mit viel Glanz. Gleich nebenan das fast 1.000 Jahre alte Gegenstück, Rotonda di San Lorenzo. Damals musste es noch ohne Schnickschnack gehen. Um den Touristenströmen auszuweichen besuche ich den Palazzo Ducale erst am späten Nachmittag. Der Plan geht auf, es sind nur wenige Besucher da. Was die Gebäude von Außen vermissen lassen holen sie im Inneren locker wieder raus. Was für eine Pracht. So viel Stuck, so viel Deckenmalerei, eine Wucht 

Basilica di Sant’Andrea

     Rotonda di San Lorenzo

         Palazzo Ducale

 Palazzo Te, Sala dei Gigante

Stimmung, Licht und Ort passen

         Sala dei Cavalli

  das Lustschloss von außen

           Teatro Bibiena

Freitag Morgen versuche ich das mit den ungewöhnlichen Besuchszeiten gleich noch mal am Palazzo Te, ein Lustschloss aus dem 16. Jh. Ich bin der erste am Einlass und hole etwas später sogar eine Putzfrau bei ihrer Tätigkeit ein ;-). Immerhin kommt mir so keiner in die Quere. Das Innere übertrifft den Eindruck von außen erneut bei Weitem. Zwar sind da keine Möbel oder sonstiges, aber das brauchen diese Räume gar nicht. Wirklich fantastisch ist Sala dei Gigante, in dem die oberen Zimmerecken für eine bessere Darstellung abgerundet wurden. Echt stark. Ein abschließender Stadtbummel zum Teatro Bibiena, ein Tipp von einem deutschen Touristenpaar. Guter Hinweis, denn beim Betreten entfährt mir gleich ein: WOW. Nachmittags die kurze Fahrt nach Sabbioneta. Die Stadt wurde im 16. Jh., für damalige Verhältnisse recht modern, am Reißbrett entworfen. Heute kommt dort schnell das Gefühl einer Geisterstadt auf, was aber auch an der Hitze liegen kann. Ein schöner, sehenswerter Rundgang. 

Festungsmauer Sabbioneta

Palazzo Giardino

         Teatro all’ Antica

 bin allein auf weiter Flur

Das Wochenende verbringe ich in Parma. Richtig, wie der Schinken. Die Stadt ist das Epizentrum dafür, wie auch für Parmesan. Darüber hinaus eine schöne Stadt in der man gern etwas Zeit verbringt. Keine großen Highlights, weshalb sich wohl auch die Zahl der Touristen in Grenzen hält. Bisher war es auf dieser Reise immer so: entweder zu viele Leute oder fast gar keine. Was auffällt: die Italiener tragen noch sehr häufig die Maske, obwohl die Vorschrift seit Wochen aufgehoben ist. Die Pandemie hat das Land wohl an der Psyche getroffen und vor allem drinnen, wie z.B. im Supermarkt, tragen 90% der Leute eine Schutzmaske Das Wetter hat auch endlich ein Einsehen und nach kleinen Gewittern kühlt es sich so weit ab das der Körper zur Ruhe kommt.

4. Woche vom 30. Mai bis 5. Juni 2022
Der Montag beginnt aufregend. Bei der Fahrt raus aus Parma passiert ein Unfall. Auf der vollen Hauptstrasse außerhalb nimmt mir ein Hundefänger, der linksabbiegend darauf will, die Vorfahrt und trifft mich seitlich, auch Ausweichen und Bremsen nützt da nichts. Es scheppert ordentlich, ein Verkehrsschild rechts verpasse ich denkbar knapp, doch wie durch ein Wunder bleibt bei mir alles heil. Riesen Glück gehabt. Trotz durchatmen bleibt das Erlebnis eine Weile an mir hängen. Bald geht es aus der Ebene hinein in die Apenninen. Ich mache Station in Berceto und radle tags darauf eine Runde durch die Berge. Mittwoch die Fahrt über den Passo della Cisa ins nette Pontremoli, ein hübsches uriges Städtchen. Von da die nächste Radtour zum Passo Cirane. 

Parma - wie Schinken

     Piazza Duomo, Parma

         Passo della Cisa

       Freiheit die ich meine

Bei den Straßen ist mit dem Rennrad höchste Vorsicht geboten. Der Asphalt ist häufig schlecht und neben Schlaglöchern gibt es auch immer wieder gefährliche Längsrisse im Belag. Donnerstag rolle ich mit dem Camper Richtung talabwärts und besuche die Orte am Weg. Nach einer Nacht in Albiano Magra weiter in die Hafenstadt La Spezia, ein Marinestützpunkt. Im Zentrum eine sehr große Fußgängerpassage, um die sich der Verkehr herum quält. Die Temperaturen sind nun wieder hoch und sinken auch nachts kaum unter 25°C. Trotzdem Samstag eine große Runde mit dem Rad. Das Ziel: die Dörfer Cinque Terre. Ich fange mit dem südlichsten, Rio Maggiore, an. Das liegt schön auf den Klippen über dem Meer. Weiter in einem steilen auf und ab nach Manarola. Oh je, da sind so viele Menschen unterwegs. Am Bahnhof und in den Gassen geht es zu wie in der Sardinenbüchse.

die Küste der Cinque Terre

           Rio Maggiore

               Manarola

         Klippenspringer

Manarola ist für mich das schönste Dorf der fünf, aber bei diesen Menschenmassen hält sich das Erlebnis in Grenzen. Immerhin bin ich als Radler auf den Straßen außerhalb fast allein. Erneut ist es ein steiles Stück bis nach Corniglia. Das ist ohne Zugang zum Meer und weit weniger besucht. In Vernazza hingegen drängen sich die Leute erneut durch die teils sehr schmalen Gassen Doch da finde ich so manch abgeschiedenen Bereich. Ein Stück weiter nördlich liegt Monterosso al Mare, fast schon eine Stadt Großer Strand, viele Hotels und ein mäßig sehenswertes Zentrum. Noch einmal muss ich steil hinauf zur Panoramastrasse, dann rollt es sich trotz Hitze recht angenehm zurück nach La Spezia. Tourdaten: 100 km mit 2.500 Höhenmetern. Nicht alltäglich.

             Vernazza

 Corniglia

Vernazza

Monte rosso al Mare

5. Woche vom 6. bis 12. Juni 2022
Nach einer Nacht in Borghetto di Vara folge ich der kurvenreichen Strasse durch die Berge nach Deiva Marina, wo ich auf dem Campingplatz Arenella eine Pause einlege. Wäsche waschen, Ausruhen und im Meer baden. Mittwoch weiter. An der Küste lang sind die Straßen schmal, noch schmaler die teils langen Tunnel. Mit Ampeln geregelt lassen manche nur alle zwanzig Minuten kurz Autos durch. Nächstes Problem: Parkplatz. Ich fahre an einigen schönen Stränden vorbei, kann aber nirgends parken. Erst in Sestri Levanti klappt das, wo auch die sehr schöne Bucht von Portobello liegt. Mit Baden und Bummeln geht der Tag herum. 

Portobello, Baia del Silenzo

                       in den Straßen der Altstadt

   Piazza Giacomo Matteotti

Donnerstag fahre ich an der Küste entlang bis Rapallo und biege kurz davor nach Sant’Ambrogio ab. Schmale Strassen führen mich hinauf zur Kirche des Dorfes. Der Parkplatz dahinter ist super: ruhig, schattig und mit tollem Blick über Rapallo. Danke an Park4Night dafür. Am Nachmittag ein Ausflug mit dem Rad nach Portofino. Am Weg Santa Margherita Ligure, der Treffpunkt für Schöne und Reiche. Die liegen dann auch mit ihrer wirklich fetten Yachten im und vor dem kleinen Hafen von Portofino. Die Bucht spricht dann einfach für sich. Ich mache einen Rundgang durchs Dorf, über das Castello Brown bis raus zum Leuchtturm. 

bei Parragi

         leichte Dekadenz

             Portofino

           Castello Brown

Die Nacht in Sant’Ambrogio bietet sogar Entertainment. Morgens 3 Uhr versucht ein Wildschwein die angebundenen Mülltonnen 10 m weiter umzuwerfen um ans Innere zu kommen. Laut, aber vergeblich. Freitag die kurze Fahrt bis San Rocco di Camogli, ein Dorf hoch oben auf den Klippen. Von da zu Fuß durch den Regionalpark zur Abtei San Fruttuoso di Camogli. Es ist wieder heiß und der Pfad führt teils spektakulär und steil zur kleinen Bucht. Das erholsame Bad dort ist bald vergessen, denn der Rückweg verlangt von mir alles ab. Am späten Nachmittag ein Bummel durch Camogli, der die Strapazen des Tages wieder vergessen läßt

Strand bei Rapallo

Camogli, der Strand

     Regionalpark Portofino

  die Abtei San Fruttuoso di Camogli, versteckt in einer Bucht

Der Besuch in Camogli war schön und ich kann ein Stück über der Stadt ganz in Ruhe übernachten, der Blick über die Bucht inklusive. Samstag die Fahrt nach Genua. Der Verkehr verlangt höchste Wachsamkeit, denn die Italiener machen ihre eigenen Regeln. Vor allem die Motorroller, von denen viele zu laut sind, quetschen sich an den unmöglichsten Stellen vorbei und ich warte nur darauf einen davon auf der Motorhaube zu haben. In Genua ist es dann sogar etwas einfacher. Die Parkplatzsuche nimmt einige Zeit n Anspruch, endet aber schattig oberhalb in der Nähe vom Stadion Ferraris. Hier wächst die Stadt die Hügel hinauf, an schmalen Strassen ein Hochhaus neben dem andern

       Camogli, der Hafen

Ich starte gleich den ersten Stadtrundgang und versuche einiges zu erledigen. Die richtige Tour dann am Sonntag. Wegen den Temperaturen beginne ich schon 7 Uhr, da ist es noch sehr ruhig. Genua hat schon seine Reize, ohne es zu übertreiben. Der Piazza de Ferrari mit den Palästen und Kirchen, dazu das Theater. Die ehemals tolle Galerie ums Eck ist nicht mehr “en vogue”.

Genua, mein erster Eindruck

         Piazza de Ferrari

       Palazzo Doria-Tursi

       Palazzo San Giorgio

Den alten Hafen hingegen haben sie ordentlich aufgefrischt, mit Biosfera, Bigo und Acquario de Genova. Die Galeone Neptune ein wenig wie aus “Fluch der Karibik”. Als Kontrastprogramm ein Gang durch das enge Labyrinth der Gassen im “Ghetto”. Statt Romantik eher Unwohlsein, denn dieser Stadtteil scheint vergessen und aufgegeben - mit all seinen Nachteilen. Besser dann die herrliche Basilica Vastato und die Paläste an der Via Giuseppe Garibaldi. Zum Abschluss ein Blick vom Belvedere Luigi Montaldo.

alter Hafen Genua

         Galeone Neptune

       am Weg gesehen

Basilica Vastato

(M)ein Highlight bietet Genua noch: den Friedhof. Etwas außerhalb gelegen nimmt er ein riesiges Gelände ein und hat sogar gleich mehrere Bushaltestellen. Ihn ganz zu erkunden dauert wohl wenigstens einen Tag. Ich beschränke mich aufs zentrale Feld, das von endlos langen Galerien umgeben ist. Darunter liegen die wichtigen und auch alten Gräber, hunderte an der Zahl. Geschützt vor den Elementen haben Bildhauer Monumente der Ewigkeit geschaffen, einige erzählen ganze Geschichten. Diese überwältigende Zahl und Qualität lässt mich staunen, viele Museen können nur einen Bruchteil davon bieten was man hier sieht Ich verlasse am späten Nachmittag Genua und fahre 30 km weiter bis Arenzano. Netter Strandort mit entspannter Atmosphäre.

Friedhof Genua

schier endlose Galerien

     besser als ein Museum

 so lebensecht

6. Woche vom 13. bis 19. Juni 2022
Montag langsam weiter die Küste entlang in Richtung Westen. Erneut scheitert der Versuch in der Nähe einiger schöner Stellen das Auto zu parken. Das klappt dann in Savonna. Nette Stadt, wenn auch etwas zu hektisch. Die überaus große Festung am Meer, Fortezza del Priamar, ist allerdings weniger interessant wie beworben. Tags darauf weiter die Küstenorte abklappern. Noli ist sehr schön. Gute Atmosphäre, ein Labyrinth von schmalen Gassen und die tolle Cattedrale di San Pietro. Nachmittags bin ich in Finalborgo mit seiner sehenswerten Altstadt, die mehr als einen Bummel lohnt. Vom nahen Strand in Finale Ligure ist fast nichts zu sehen, weil von privat geführten Abschnitten praktisch zugebaut. Der einzig öffentliche Strand ist sage und schreibe 10 m breit. Mittwoch schon früh aufstehen. Ich will in die nahen Berge und die Temperatur steigt wie all die Tage schnell über 30°C. Trotz der Hitze wird es eine schöne Wanderung durch die Karstlandschaft mit ihren Grotten, Höhlen und Kletterfelsen.

über Finalborgo

     ligurisches Hinterland

 typische Karstlandschaft

Am späten Nachmittag ziehen in der Nähe ein paar Gewitter durch. Richtigen Regen habe ich seit Wochen nicht erlebt. Es ist beunruhigend andauernd über trockene Flussbetten zu fahren, was mir seit Mantua und dem Po ständig widerfährt. Mein Halt in Albengo wäre heute zu erwähnen. In der Altstadt stehen noch einige Türme aus dem Mittelalter und geben Albengo eine außergewöhnliche Note. In Alassio kämpfe ich verzweifelt mit dem Verkehr und bleibe beim Versuch einen Parkplatz zu finden fast in den engen Gassen stecken. Im Gegensatz dazu ist es in Andora überhaupt kein Problem ein Plätzchen zu finden. Der Donnerstag verläuft vorerst so wie die letzten Tage. Nerviger Verkehr, zu viele Menschen und die Orte gehen fast nahtlos ineinander über. Doch dann San Lorenzo al Mare. Ein schattiger Parkplatz, ruhig gelegen und nur 300 m zum Strand, der zum größten Teil öffentlich ist. Die Atmosphäre sehr entspannt, die Zahl der Touristen übersichtlich. Dieser Ort passt mir. Das ist auch gut so, denn zufällig stelle ich fest das der Tende Tunnel samt Tal seit 2020 wegen großer Unwetterschäden bis Ende 23 gesperrt ist. Also muss schnell ein neuer Plan her, denn das sollte eigentlich meine Alpenquerung in die Turiner Gegend werden.

     Battistero di Albenga

 die Türme von Albenga

       San Lorenzo al Mare

die sonnigen Gassen der Stadt

Freitag ein Ausflug mit dem Rad ins nahe gelegene Sanremo. Zu meiner Überraschung existiert da ein super Radweg. Nach all den schlechten Straßen und gefährlichem Verkehr radelt es sich hier ganz entspannt ohne Schlaglöcher und weit weg von der Straße. Da überrascht selbst ein ellenlanger Tunnel nur noch bedingt. Sanremo lässt sich schnell abhaken. Die Innenstadt kann überall auf der Welt sein, nur das Casino sticht hervor, und die kleine russisch orthodoxe Kirche. Die stammt aus Zeiten als die Mutter des Zaren hier häufig zu Gast war. Bald befinde ich mich auf dem Rückweg, mache jedoch einen Abstecher ins Dorf Bussana Vecchia. Nach einem Erdbeben praktisch aufgegeben, ist es heute halb geniales Geisterdorf, halb Künstler Kommune.

Super Radweg

 auf dem Weg nach Sanremo

         Casino Sanremo

ein Hauch Russland in der Stadt

 unterwegs in Bussana Vecchia

  längster Radwegtunnel ever

Samstag mal wieder früh aufstehen und schon halb acht auf dem Rad sitzen. Von Arma di Taggia fahre ich ins Val Argentina. Das schlängelt sich am derzeit trockenen Torrente Argentina entlang in die Berge. Bei Molini di Triora steigt die Straße steil an bis ins Hexendorf Triora. Tolle Lage, aber ansonsten nichts was es nicht auch woanders zu sehen gibt. Wieder runter und rauf auf den Col Langan. Trotz schattiger Wälder wird der Anstieg hart und ich bin ehrlich froh ihn bezwungen zu haben. Dann nach Pigna runter rollen. Am Weg weitere schöne Dörfer wie Isolabona und Dolceacqua. Die Tour wird wegen der Hitze immer mehr zum Kampf. Hinter Camporosso wieder am Meer und durch Sanremo zum Auto. Das war heute wirklich fast zu viel des Guten...

Triora

             Isolabona

           Dolceacqua

  Kontrastprogramm: Monaco

Sonntag ist für mich wieder der perfekte Tag eine Großstadt zu besuchen. Nach einer Tropennacht in Arma di Taggia mit 28°C überquere ich hinter dem schönen Ventimiglia die Grenze zu Frankreich und parke bei Menton. Kleiner Schock an der Tankstelle: Diesel 2,36 €/l. Damit hatte ich nicht gerechnet. Egal, aufs Rad und nach Monaco. Am Vormittag geht es dort noch gemächlich zu und ich radle in aller Seelenruhe einmal um den Formel 1 Kurs, Fairmont Spitzkehre und Hafentunnel inklusive. Danach rauf in die Altstadt mit Kathedrale und Fürstenpalast. Mehr ist aber nicht. Der Blick über den Hafen zeigt nur Yachten und Hochhäuser, das ist kein Platz für mich. Kurz nach dem Mittag bin ich wieder am Auto, finde eine Tankstelle mit 2,12 €/l und biege ab in die Alpen. Der Kontrast zu den letzten Wochen könnte kaum größer sein. Die Küste von Ligurien, mit all den Menschen, dem Stress und dem Verkehr war sehr anstrengend für mich. Nun zieht, nur 20 km weiter in Sospel, Ruhe ein. Die Tage sind nach wie vor heiß, aber nachts kühlt es runter auf knapp unter 20°C. Die Straßen viel besser und der Verkehr manchmal kaum noch existent

Blick über Monaco

       Fairmont Spitzkehre

           Fürstenpalast

       Kathedrale Monaco

7. Woche vom 20. bis 26. Juni 2022
Montag eine Runde mit dem Rad durch die nahen Berge. Die Straßen sind meist schmal, aber wirklich gut asphaltiert und nur selten begegnet einem jemand. Später beim Campingplatz am Rande der Stadt einquartieren, dort die Ausrüstung pflegen und auch die Homepage vorwärts bringen. Tags darauf die nächste Runde auf dem Rad. Mir fehlen noch Trainingskilometer und bald stehen die richtigen Berge an. Mittwoch fahre ich nach einem gemütlichen Morgen weiter und komme über kleine Pässe ins Dorf Touet-de-l’Escarene. Mein Gott, wer lässt sich denn solche Namen einfallen. Hier sagen sich Fuchs und Hase “Gute Nacht”. Da leben möchte ich nicht, aber als Besucher hat diese Abgeschiedenheit durchaus ihren Reiz, was ein paar Fotos belegen können.

Sospel

   in den Bergen bei Sospel

es sind die Kleinigkeiten die Touet-de-l’Escarene auszeichnen

Am Donnerstag ist der Himmel ausnahmsweise Wolken verhangen und im Laufe des Tages regnet es sogar einige Zeit. Ich fahre weiter nach Luceram. Das Dorf lässt mich auf Anhieb staunen. Hoch am Hang über der kleinen Schlucht inmitten grüner Wälder. Dazu sind die Häuser sehr ordentlich und die Gassen, obwohl es kein Touristenort ist, mit allerlei Krimskrams ausgeschmückt. Ein guter Parkplatz ist schnell gefunden, die öffentliche Toilette liegt gleich daneben. Das zeichnet Frankreich jetzt schon aus: im kleinsten Dorf findet sich ein sauberes “WC Public”. Spät am Nachmittag kommt die Sonne raus, grad recht für eine Radtour

Col St. Roch

               Luceram

       ein Spaziergang durch das Dorf macht einfach Spaß

Freitag trenne ich mich fast schweren Herzens von Luceram. Auf engen Straßen mit vielen Kurven, Vorsicht bei Gegenverkehr, durch die Berge nach Lantosque. Von da mit dem Rad südlich auf der M2565 bis Saint-Jean la Riviere. In der Schlucht gelegen kann es nur eine Richtung geben: bergauf. Schön windet sich die einsame Strasse vorbei an Utelle auf ein kleines Hochplateau mit Kirche zu Ehren der Madonne de l’Utelle. Das sieht eher aus wie in Mexiko oder Guatemala. Vor den angesagten Gewittern bin ich zurück in Lantosque und fahre bis Roquebilliere. Wer sich übrigens wundert: geplant war nur ein kurzer Abstecher nach Frankreich nebst baldiger Rückkehr nach Italien. Durch die Sperre des Tende Tunnels nun ein neuer Plan: auf der “Grande Tour des Alpes” mitten durch die französischen Alpen. Laut Reiseführer gibt es da auch mehr zu sehen als auf der italienischen Seite 

Val de Vesubie

     La Madonne de l’Utelle

               Utelle

             Lantosque

Samstag ein Ruhetag in Roquebilliere, abgesehen von einem Spaziergang hoch ins Dorf Belvedere wo heute gerade ein Dorffest mit Livemusik statt findet. Sehr schön. Ansonsten überrascht das sehr breite und neben heller Steine und Felsen tote Flußbett. Sonntag eine Radtour auf den Col de Turini, der als Höhepunkt der Gegend immer mal wieder im Programm der Tour de France steht. Ein langer schwerer Anstieg der allerdings sehenswert an Dörfern und Schluchten vorbei führt. Oben angekommen noch die Schleife l’Authion, deren sehr schmale Einbahnstrasse um den Gipfel führt, Ausblick und Festungsruinen als schöne Zugabe. 

Blick vom Col de Turini

     sehenswerte Strecke

       La Bollene-Vesubie

Saint-Martin-Vesubie

8. Woche vom 27. Juni bis 3. Juli 2022
Nach einer Nacht auf dem kleinen Zeltplatz Saint Joseph in Saint-Martin-Vesubie trampe ich am Morgen rauf nach La Colmiane, wo nach kurzer Strecke der Klettersteig zum Baus de la Frema beginnt. Nach den Erfahrungen aus Südtirol traue ich mir den zu Die Via Ferrata beginnt aufregend mit senkrechter Kletterei und einer langen Hängebrücke an den Les Aiguillettes. Passend zum warm werden. Das ist auch nötig, denn beim nächsten Abschnitt, Miejou, muss man schon einen fiesen Überhang hoch klettern Kurzes Stück zum Verschnaufen, dann die Grotte. Da geht quer eine 30 m lange Seilbrücke durch, 20 m über dem Grund. Drei Paare hatte ich über- und eingeholt. Die lassen mir den Vortritt. Mit Herzklopfen geht es. Allerdings zeigt der folgende Blick um die Ecke nur eine glatte Felswand mit Eisenhaken und kleinen Fußplatten. Diese Sektion wurde neu eingebaut und ist absolut heftig. Kategorie “E” oder “K5”. Ich bleibe allein, keins der Pärchen folgt mir. Es braucht all meine Kraft und Geschick um diese lange und sehr schwere Sektion zu überwinden. Der Rest ist im Verhältnis nur mittelschwer. Nach dreieinhalb Stunden und 600 Höhenmetern kommt am Gipfel wahres Siegesgefühl auf. Eine waghalsige Kletterei die in guter Erinnerung bleibt. Der mich dann ins Tal mitnimmt erzählt vom katastrophalen Unwetter im Oktober 2020, als die kleinen Flüsse in wenigen Stunden um 7 m(!) stiegen und die Täler verwüstet haben. Die Aufräumarbeiten dauern an und werden wohl noch Jahre brauchen. Auf Wikipedia gibt es darüber einen Artikel. Darum auch diese mega breiten und toten Flussbetten, am Rand noch teils mit baufälligen Ruinen.

Les Aiguillettes

   die Grotte mit Seilbrücke

40 m über dem Nichts an der glatten Felswand entlang

       Pause...

   ...und weiter

Der Dienstag ist zum Erholen da, die Tour von gestern steckt mir noch in den Knochen. Am frühen Nachmittag fahre ich weiter bis Rimplas, welches wie auf einer Klippe zwischen den Tälern liegt. Ein paar Gewitter kommen und gehen, wobei ich hoch oben einen Logenplatz zur Beobachtung habe. Genialer Stellplatz. Als gegen Abend alles durch ist ein Spaziergang mit tollem Ausblick 

Rimplas, toll gelegen

   abendlicher Spaziergang

geniales Licht und tolle Farben

     weiter, immer weiter

Mittwoch sind es nur wenige, aber steile, Kilometer runter nach Saint-Sauveur-sur-Tinee. Auch dieses Dorf ist sehr angenehm und ein Stellplatz gleich gefunden. Bisher ist das Reisen durch Frankreich sehr entspannt. Fast leere, nur eben häufig schmale, Strassen. Dörfer in denen man einfach Stellplätze findet, dazu gute Infrastruktur mit WC, Trinkwasserbrunnen und öffentlichem WLAN. Heute kommt hier gerade eine Showrallye durch und die Autos müssen an einem Checkpoint halten. Das sind fast nur Ferraris, aus den 60gern bis zu hypermodernen E-Autos. Genuss für Auge und Ohr. Für mich dann eine Radtour auf den Col de Sinne. Der abgelegene Pass wunderschön und praktisch verkehrsfrei, dazu liegt der Ort Ilonse spektakulär auf einem der Gipfel.

eine Bank die sich lohnt

   Showrallye am Checkpoint

   da sind tolle Autos dabei

               Ilonse

Tags darauf fahre ich schon recht früh den Pass rauf zum Col de la Couillole. Das ist gut so, da sind nur wenige unterwegs. Die schmale Strasse führt spektakulär am Rand einer Schlucht nach oben. An einer Baustelle muss ich sogar die Spiegel einklappen und mich vom Bauarbeiter vorbei lotsen lassen. Auf halber Strecke “klebt” das Dorf Roubion am Fels. Das schaue ich mir näher an. Später in Beuil auf das Rad umsteigen. Südlich fahre ich in die Schlucht Gorges du Cians, sehr markant mit den tiefroten Felsen. Bergab nehme ich die schnelle Strecke durch die Tunnel, bis ich umkehre und die Tunnel zu Fuß auf der ursprünglichen Strecke umgehe. Da zeigt sich die Schlucht in ihrer ganzen Pracht, was die Autofahrer praktisch gar nicht mitbekommen. Am Nachmittag fahre ich über Valberg, ein bekannter Skiort, bis ins nächste Tal nach Guillaumes. Die Kleinstadt hat am Fluß extra für Wohnmobile und Camper einen kostenlosen Parkplatz auf Schotter mit ein paar schattenspendenden Bäumen geschaffen :-)

Gorges du Cian

  ein Stück der alten Strecke

Seit drei Tagen zeigt das Display im Auto an, das ich in den nächsten 30 Tagen zur Inspektion muss. Na super! Dabei war ich extra deswegen vor der Reise im VW Autohaus, wo man mir sagte das die nach 30.000 km oder 3 Jahren fällig ist. Nun kommt raus das diese Auskunft falsch war. Es beginnt eine Odyssee mit vielen Telefonaten und e-Mails. Zurück zur Reise. Am Freitag von Guillaumes aus mit dem Rad südlich in die Gorges de Daluis. Da haben die Felsen wie gestern eine intensiv rote Farbe, nur ist die Schlucht viel tiefer und man fährt im oberen Drittel durch sie hindurch. Dafür nutzt man 17 (!) kleine Tunnel. Ich kann mit dem Rad praktisch überall anhalten, klettere auf kleine Felsspitzen und schaue um die Ecken. Eine 2 km Wanderung führt schließlich zu einem tollen Aussichtspunkt. Das alles bei strahlendem Sonnenschein und über 30°C. Tags darauf erobere ich mit dem Rad den Col des Champs und fahre am Abend mit dem Camper gut bergauf bis an die Grenze vom Nationalpark Mercantour

Gorges de Daluis

   Blick vom Point Sublime

     coole Strecke hindurch

         Hochzeitsbrücke

Sonntag aufwachen in 1.850 m Höhe, morgens mit 15°C angenehm frisch. In die Wandersachen und rein in den Nationalpark. Die erste Menschenseele sehe ich drei Stunden später, dafür lassen sich Murmeltiere blicken. Über den Pas du Lausson runter an den wunderschönen Lac d’Allos mit seiner kleinen Kirche. Danach geht es bergauf bis keine Vegetation mehr sichtbar ist zum Gipfel des Mont Pelat, immerhin 3.050 m hoch. Von oben kann man bei gutem Wetter auf der einen Seite bis zum Mittelmeer schauen, auf der anderen bis in die Schweiz. Eigentlich egal, die Aussicht ist einfach atemberaubend. Ein Umweg führt mich an zwei kleinen Seen vorbei und zeigt mehr Bergpanoramen. Eine abschließende Dusche im eiskalten Bergbach erfrischt ungemein. Mit dem letzten Tageslicht über den Col de la Cayolle. Obwohl mein Camper kaum größer als manches Auto ist, fahre ich die schmalen Passstrassen lieber zu verkehrstechnisch ruhiger Zeit und vermeide brenzlige Situationen, besonders mit Motorrädern.

Nationalpark Mercantour

           Murmeltierland

   weiter oben: Steinwüste

       Blick vom Mont Pelat

9. Woche vom 4. bis 10. Juli 2022
Am Montag ausruhen in Bacelonnette. Die Stadt hat ein enges Verhältnis zu Mexiko, was historische Gründe hat. Einige Häuser sehen dann auch eher nach Mittelamerika als nach Frankreich aus, es gibt viele mexikanische Produkte wie auch Essen. Ich kümmere mich erneut um VW, komme aber nicht weiter. Dienstag eine denkwürdige Radtour. Von Jausiers aus sind es 23 km, gewürzt mit 1.592 Höhenmetern, bis rauf zum Cime de la Bonette. Dessen 2.802 m Höhe sind offiziell die höchste Passstrasse in Europa, auch wenn das nur mit einer unnützen Schleife um den Berg erreicht wurde. Die eigentlichen 2.720 m hätten für dieses Prädikat nicht gereicht. Trotzdem eine tolle Auffahrt, die viel abverlangt aber auch mit einem herrlichen Ausblick belohnt

   die Strecke von Jausiers

 das Val L’Ubaye

       der Col de la Bonette

 ich, glücklich auf dem Cime de la Bonette

Ich bleibe gleich in Jausiers auf dem Campingplatz Le Planet. Der ist klein, gemütlich und der alte Besitzer Michel freut sich über jeden meiner Versuche französisch zu sprechen. Mittwoch bei erneut tollem Wetter mit dem Rad die Pässe Col de Vars und Col de Larche erobern. Nachdem ich gestern wieder erfolglos bei VW Deutschland eine Telefonnummer nach der anderen bekommen habe, zeigt sich heute ein Licht am Horizont. Das Autohaus in Saint-Jean-de-Maurienne hat in zwölf Tagen einen freien Termin für die notwendige Durchsicht. Schwierige Verständigung, die mit einigen e-Mails untermauert wird. So habe ich ein Zeitfenster und kann die weitere Route planen. Freitag verlasse ich recht früh Jausiers und halte erneut in Barcelonnette. Von da mit dem Rad (m)eine Königsetappe. Zuerst der Col d’Allos. Die Auffahrt ist jeden Freitag Vormittag nur für Radfahrer erlaubt, die Polizei ist zur Kontrolle vor Ort. Eine tolle Strecke, wie an den Berg geklebt und mit herrlichem Ausblick. Auf der anderen Seite runter rollen und den Col des Champs in Angriff nehmen. Den habe ich letzte Woche schon von der anderen Seite befahren. Waren zu Beginn noch viele “Kollegen” unterwegs, wird es nun immer einsamer. Immerhin einen Radfahrer sehe ich heute mehrfach. Als dritter Berg der Col de la Cayolle, der mir in der Nachmittagshitze alles abverlangt. Die rasende Abfahrt nach Barcelonnette ist durch tolle Schluchten ein würdiges Finish. Bin erschöpft aber glücklich. Das waren 120 km mit 3.566 Höhenmetern, Klasse!     

Col d’Allos

         Col des Champs

erschöpft am Col de la Cayolle

  Abfahrt nach Barcelonnette

Nach der gestrigen Tour geht am Samstag alles etwas langsamer von statten. Gemütlich ausschlafen, einkaufen und dann die 20 km bis Le Lauzet-Ubaye fahren. Eigentlich als Zwischenstopp gedacht steht schnell fest: hier bleibe ich. Ein toller Stellplatz für Camper, kostenlos und nur 100 m vom See entfernt. Ein Spaziergang am Nachmittag bringt mich zu einer Schlucht, einem stillgelegten Eisenbahntunnel und als Krönung die Cascades de Costeplane. Kein großer Wasserfall, dafür ein echt spektakulärer

kein Licht am Ende des Tunnels

Schlucht bei Le Lauzet-Ubaye

         ein Abend am See

 Cascades de Costeplane

Sonntag fahre ich weiter und komme bald an den riesigen Stausee Lac de Serre-Poncon, der wenigstens 25 km lang ist. Dem fehlen schon jetzt rund 10 m Höhe, was bei der Fläche ein gigantisches Volumen ausmacht. Die Wasserknappheit sehe ich nun schon seit dem Beginn der Reise, und ergiebiger Regen ist auch nicht in Sicht. Das macht nachdenklich. Nichts desto trotz ist auf und am See viel los. Bei Embrun fließt die La Durance in den See, wo für Kajakfahrer eine professionelle Wettkampfstrecke gebaut wurde. Macht Spaß da zuzuschauen. In der Gegend sprudeln auch einige Mineralquellen, was die Fontaine Petrifiante de Reotier in der Nähe von Mont-Dauphin im Laufe vieler Jahre zu so etwas wie einem versteinerten Wasserfall werden ließ.  

Lac de Serre-Poncon

         Postkartenwetter

           Kajakstrecke

Fontaine Petrifiante de Reotier

10. Woche vom 11. bis 17. Juli 2022
Montag fahre ich mit dem Camper nach Briancon. Das Wetter ein Traum, mit ein paar Schäfchenwolken am Himmel. Passend für eine Tour mit dem Rad. Das heutige Ziel ist der Col de l’Izoard, ganze 2.365 m hoch. Die Steigung beginnt gemächlich, nimmt aber hinter Cervieres stark zu. Es sind einige Radler unterwegs und trotz Anstrengung macht es einfach Spaß. Abends laufe ich rauf in die Altstadt, hoch oben auf einem Felsen, gekrönt von den Ruinen der Festung. In Briancon ist man schon überall dabei sich auf die Tour de France vorzubereiten, die ab morgen hier gastiert. Tags darauf habe ich in der Stadt einiges zu erledigen.

auf dem Col de l’Izoard

Der Besuch in der Touristeninformation war wichtig, so erfahre ich von den Zeiten der Strassensperrungen wegen der Tour de France. Die sind der Grund dafür das ich Nachmittag aufbreche und hoch auf den Col du Lautaret fahre. Unterwegs stehen an der Strecke schon einige Wohnmobile und mir schwant was am Pass los sein wird. Und genau so ist es. Die Parkplätze bereits voll und auch auf den Schotterplätzen nebenan stehen die Fahrzeuge dicht gedrängt. Doch das Glück ist mir hold. Ein Feldweg als Sackgasse, wo schon Italiener stehen. Freundlich

         Altstadt Briancon

gefragt darf ich sie zuparken, stehe so ruhig, schön gerade und mit dem Ausblick auf alles :-). Der ist übrigens spektakulär, mit dem Massiv des Meije im Hintergrund. Die Nächte hier oben auf 2.050 m Höhe sind mit 12 °C übrigens herrlich erfrischend. Am Mittwoch aufs Rad. Lang ist die Abfahrt vom Col du Lautaret runter nach Le Bourg-d’Oisans, wo der berüchtigte Anstieg hinauf nach L’Alpe d’Huez beginnt. 21 Spitzkehren und 1132 Höhenmeter auf 13 km. Morgen fährt die Tour de France hier lang. An der Strecke feiern schon einige und feuern die zahlreichen Amateure an. Ich bin gut drauf und überhole ungefähr 200 Kollegen. Mit der Zeit von 1:06:20 h bin ich heute praktisch noch genau so schnell wie vor 15 Jahren. Das motiviert ungemein und hilft den anstehenden Rückweg rauf zum Pass zu meistern. Dort kommt heute das Feld der Tour de France auf schneller Abfahrt durch.  

mein Stellplatz am Col du Lautaret, Hintergrund: Meije-Massiv

  Tour de France Feeling auf dem Anstieg nach L’Alpe d’Huez

Donnerstag, 14. Juli, französischer Nationalfeiertag. Heute kommt das Feld der Tour de France von Briancon bergauf. Da lohnt sich das Zuschauen. Ich suche mir einen Platz oberhalb vom Col du Lautaret am Anstieg zum Col du Galibier. Tolles Wetter, wie praktisch jeden Tag. Weit vor dem Feld kommt die kommerzielle Werbetour. Schön anzuschauen, nur das wahllose in die Menge werfen billiger Werbeartikel finde ich unpassend. Von meiner Position aus sehe ich schon aus weiter Ferne die Fahrer kommen. Echt ergreifend, wenn sie dann nur einen Arm weit entfernt an dir vorüber ziehen, was bergan im geringeren Tempo passiert.  

Erst der Kommerz,
dann der Sport

das Feld schon von weitem in Sicht, dann die Fahrer ganz nah, das “Gelbe” vorn dabei

Am frühen Abend fahre ich über den Col du Galibier und übernachte einige Kilometer weiter mitten in der Prärie. Freitag von da zu den Seen Lac Rond, Lac du Grand Ban usw. wandern. Besonders schön: der Lac des Cerces, wobei auch das Bergpanorama  überwältigt. Bei der späteren Weiterfahrt komme ich in Les Verneys zufällig an der Ausstellung von Strohskulpturen vorbei. Toll was man alles aus diesem einfachen Material machen kann. Die nächste Nacht bleibe ich im kleinen Dorf Les Petites Seignieres.

Blick vom Col du Galibier

         Lac des Cerces

     *Panorama der Bergwelt

         Stroh mal anders

Samstag fahre ich weiter nach Saint-Jean-de-Maurienne. Im Tal, die Stadt liegt auf knapp 600 Meter Höhe, ist es wieder heiß. 35°C und ein kräftiger Wind der kein bisschen kühlt. Da trifft es sich, das neben der Stadt ein kleiner See liegt. Sonntag zeitig aufstehen und eine Runde mit dem Rad. Den Col du Glandon bin ich schon früher gefahren und kenne die letzten, sehr steilen und schweren Kilometer hinauf. Heute kommen nach dem Gipfel weitere Kilometer dazu, um auch dem Col de la Croix de Fer (Eisernes Kreuz) einen Besuch abzustatten. Am Nachmittag will ich an den See, doch der ist gesperrt. Ziemlich nah brennt im unwegsamen Gelände der Wald und ein Löschhubschrauber holt ständig Wasser von hier. Das Feuer bleibt so unter Kontrolle.  

11. Woche vom 18. bis 24. Juli 2022
Montag bringe ich mein Auto zur fälligen Durchsicht in die VW Werkstatt. Den Termin hatte ich mir mit viel Kampf und Krampf besorgt. Vom VW Kundendienst Deutschland gab es keine Unterstützung, nicht mal einen Rückruf oder eine Antwort auf meine Mail. Schwache Leistung. Am nächsten Morgen sind es nur 10 km bis Pontamafrey. Von da führt die Straße in 18 engen und steilen Spitzkehren hinauf nach Montvernier. Auf nur 3 km sind 260 Höhenmeter zu überwinden. Das geht fix, so bleibt Zeit für den kleinen Klettersteig nebenan. Der führt senkrecht an einem kleinen Wasserfall hinauf, wobei eine Leiter schräg nach hinten mitten in der Luft hängt. An der langen Hängebrücke übrigens ein XXL Bergtrikot der Tour de France. Coole Sache das alles.

Strecke rauf nach Montvernier,
mit 18 kurzen Spitzkehren

   Klettersteig bei Pontamafrey, die Leiter war das Aufregendste

Am Nachmittag checke ich in La Chambre auf dem Campingplatz Le Bois Joli ein. Auf dem liegen die Plätze großzügig verteilt im Schatten großer Bäume. Bei 38°C hilft das nur wenig. Die Hitze schafft mich, mein Körper ist auch beim nichts tun gestresst. Immerhin bleibt Zeit die Waschmaschine intensiv zu nutzen und an der Homepage zu arbeiten. Donnerstag fahre ich dann nach Albertville. 1994 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt. Viel bieten kann die Stadt nicht, auch die Altstadt Conflans oben am Hang hinkt anderen hinterher. Immerhin hat die Stadt einen schönen Platz für Wohnmobile und Campervans reserviert. Mein Nachbar aus Mönchengladbach ist sympathisch und auch Klettersteigfan. Mit ihm quatsche ich lange bei einigen Bieren. Freitag in der kühleren Morgenluft mit dem Rad auf den Col des Cyclotouristes. Toller Name und schöne Strecke mit Aussicht. Nachmittag mit dem Camper über Ugine nach Flumet. Es geht bergan und im enger werdenden Tal sinkt die Temperatur schnell von 36°C auf 31°C. Auch in Flumet ist der Stellplatz kein Problem. Der liegt am Fluss, nur 300 m neben einem kleinen Badesee. Am nächsten Morgen weiter bergauf. Gleich hinter dem Col des Aravis liegt der Klettersteig Yves Pollet-Villard. Kein leichter, aber ein schöner. Häufig geht es hoch oben an der glatten Felswand entlang oder es sind senkrecht Überhänge zu überwinden.

Route des Aravis

   an dieser Wand klettern

       Klettern mit Ausblick

         Blick vom Gipfel

In La Clusaz wird es mit Parken schwieriger. Einen Platz für die Nacht finde ich erst etwas außerhalb. Tagsüber kann man das große Parkhaus kostenlos nutzen und so der Sonne ein Schnippchen schlagen. Der Sonntag ein denkwürdiger Tag auf dem Rad. Zuerst rauf auf den Col des Aravis, das macht Spaß. Nach einer kurzen Abfahrt lockt der Col de la Croix Fry, der zum Schluss mit über 10% Steigung richtig fordert. Bei der Abfahrt erwische ich mit 60km/h einen größeren Stein, der Vorderreifen ist platt. Kein Problem, ziehe den Ersatzschlauch auf. In La Clusaz will die Klickpedale nicht mehr den Schuh frei geben. Bis zum Radladen  in Le Grand-Bornand ist der Vorderreifen wieder platt. Nächsten Schlauch einziehen. Der platzt beim Aufpumpen. Der Reifen ist wohl innen kaputt. Also alles neu, dazu die Pedale reparieren. Erst in der Hitze des Nachmittags komme ich ins schöne Vallee du Bouchet und auf den Col des Annes, dessen Steigung mir alles abverlangt. Ein 4. Berg war geplant, aber nicht mehr heute. 

Col des Aravis

       Le Grand-Bornand

       Vallee du Bouchet

           Col des Annes

12. Woche vom 25. bis 31. Juli 2022
Montag bleibe ich vorerst noch in La Clusaz, ein wirklich schönes Dorf in dem die vielen Touristen kaum auffallen. Heute ist der für gestern geplante Col de la Colombiere dran. Auch wenn die Beine schwer sind, mit etwas Wille kämpfe ich mich hinauf. Das Wetter wird im Tagesverlauf immer schwüler und drückender, Gewitter gibt es trotzdem keines. Ich fahre mit dem Camper bis Cluses und übernachte dort. Am nächsten Tag gleich weiter bis Samoens, das schon in einer Art Sackgasse zwischen hohen Bergen liegt. Am Mittwoch mit dem Rad zum Klettersteig du Mont. Nette kleine Kletterei mit Blick ins schöne Tal gleich darunter 

La Clusaz

             Samoens

Via Ferrata du Mont,
mit schönem Blick über das Tal

Mit der Via Ferrata bin ich am späten Vormittag fertig und radle bis zum Ende der Strasse am Cirque du Fer a Cheval. Das ist der größte Bergkessel in Europa. Echt beeindruckend, wenn man ringsum die fast senkrechten Felswände sieht die über 1.000m in die Höhe ragen. Im Frühjahr rauschen da zur Schneeschmelze ein Dutzend gigantische Wasserfälle zu Tal. Ich folge zu Fuß dem Fluss Le Giffre ins Tal hinein. Hinter dem Chalet de Prazon führt ein halsbrecherischer Pfad hinauf zum Chalet du Boret. Der Ausblick von da ist schön, aber ich will mehr. Ein kleiner, sehr steiler, Pfad bringt mich 500 m höher zu einem kaum besuchten Kap mit einem gigantisch schönen Ausblick. Wow! Der macht sprachlos. Ist das noch Europa oder etwa schon in Neuseeland? 

am Le Giffre

 Strecke zum Chalet du Boret

   das ist meine Welt, was für eine wunderschöne Landschaft

Donnerstag Morgen mit dem Rad von Samoens aus hinauf auf den Col du Joux Plane. Das sind 978 m Höhendifferenz auf 12 km! Eine wirklich sportliche Herausforderung. Am Ziel liegt ein schöner See in dem sich in der Ferne sogar der Gipfel des Mont Blanc spiegelt. Zurück nach Samoens und gleich wieder mit dem Rad und Wandersachen los. Bei Sixt-Fer-a-Cheval abbiegen und das Tal rauf. Unterwegs der sehr schöne Cascade du Rouget. Am Ende der Strasse in Le Lignon das Rad abstellen und zu Fuß zum Chalets de Sales, fast schon ein Dorf. Am Weg tolle Wasserfälle und so manch unerschrockenes Tier. Beim Gipfelsturm auf den 2.497 m hohen Pointe de Sales sind leider die Wolken schneller als die Vorhersage, aber ich komme trocken wieder vom Berg.

auf dem Col du Joux Plane

     Cascade de la Sauffaz

 Cascade du Rouget

         Glückstreffer ;-)

Am Freitag regnet es sogar einmal für einige Stunden. Das ist der erste richtige Regen seit drei Monaten. Der stört aber kaum beim Besuch des Botanischen Gartens in Samoens. Am Nachmittag habe ich endlich mal eine Massage. Das versuche ich schon seit zwei Wochen, aber nirgends war ein Termin zu bekommen. Locker und entspannt über Cluses bis nach Sallanches fahren, wo man sehr schön und ruhig an drei kleinen Seen übernachten kann. Tags darauf, das erneut schöne Wetter ist wohl kaum erwähnenswert, nach Passy. Bei den Thermen gibt es eine Via Ferrata durch die Schlucht. Ich erwarte nette Kletterei, doch die Erklärung vor Ort spricht von drei Stunden Schwierigkeitsgrad D bis D+. So ist es auch. Schon zu Beginn eine spektakuläre Kombination von Brücken und senkrechtem auf und ab. Dann viele Traversen, häufig überhängend. Der recht geringe Abstand zwischen Haltegriffen und Fußplatten ermüdet die Arme. Beim allerletzten, sehr schweren, Teilstück hänge ich deswegen auch kurz in den Seilen. Aber schön zu wissen das die Technik hält was sie verspricht. Wahnsinnig Spaß gemacht hat das trotzdem.

Via Ferrata du Parc Thermal, eine schwierige Kletterei mit einem spektakulären Blick in die Schlucht

Noch am Abend fahre ich weiter bis Chamonix und kann so am Sonntag schon 7 Uhr zu einer langen Wandertour aufbrechen. Um die Zeit ist noch keiner unterwegs und es wird ein einsamer Aufstieg zum Hausberg Le Brevent, 2.525 m hoch. Nach zwei Stunden stehe ich an der kleinen Bergstation, die wie an den Fels geklebt erscheint. Der Ausblick von da auf Chamonix und den Mont Blanc ist wundervoll, vor allem an einem so strahlend schönen Tag. Der frühe Aufbruch macht es möglich die Strecke an Flegere vorbei bis zum Lac Blanc zu meistern. Ab Flegere, Bergstation der Seilbahn, sind sehr viele Leute unterwegs. Wohl nur wenige davon haben mit dem harten Anstieg zum See gerechnet, der sich allerdings lohnt. Im ruhigen, fast türkisfarbigen, See spiegelt sich die ganze Bergkette des Mont Blanc Massivs wider. Das Panorama habe ich dann fast den ganzen Abstieg vor mir. 

Chamonix und Mont Blanc

       coole Perspektive

       dem Gipfel so nah

             Lac Blanc

13. Woche vom 1. bis 7. August 2022
Montag gemütlich zurück in westliche Richtung nebst einem längeren Aufenthalt in Passy. Tolles Wetter, aber mein Körper hat eine Pause verdient. Später weiter nach Megeve, doch der Ort gefällt mir gar nicht. Gut das Flumet, dort stand ich schon eine Nacht, nur 10 km weiter liegt. Tags darauf über Albertville wieder hinein in die hohen Berge. In Beaufort auf den Campingplatz, auch wenn die nur ein Nacht was frei haben. Gleich eine Waschmaschine starten, die Sachen trocknen durch starken Wind und Sonne in Rekordzeit. Am Mittwoch Vormittag mit dem Rad den Col de Joly erklimmen. Nach 24 km und 1.300 Höhenmetern ein schöner Blick auf den Mont Blanc. Später dann mit dem Camper hinauf zum Lac de Roselend, ein toll gelegener Stausee dessen Wasser fast türkisfarben schimmert. Auch hier fehlt jede Menge Wasser. Hinter der Staumauer finde ich einen tollen Stellplatz.

*das Mont Blanc Massiv

       Blick über La Flegere

         Lac de Roselend

  Blick von meinem Stellplatz

Donnerstag lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad die paar Kilometer bis Plan de la Lai, auch wenn es gut bergan geht. Im Gepäck die Klettersachen, denn am Rocher du Vent wartet eine Via Ferrata. Viel Betrieb dort und man muss teilweise länger warten bis es weiter gehen kann. Die Kletterei ist selten schwierig, bietet aber Nervenkitzel, wie die Seilbrücke, und tolle Aussicht auf den Lac de Roselend wie auch auf den Mont Blanc. Der Nachmittag am See, an dem Baden eigentlich verboten ist

genialer Ausblick vom Gipfel des Rocher du Vent

viele Leute am Klettersteig

   Mut zur Lücke

 immer wieder der Mont Blanc

Nervenkitzel Seilbrücke

Nach der nächsten, herrlich ruhigen, Nacht am Lac de Roselend eine Wanderung auf den Roche Parstire. Nur mäßige Aussicht, da hätte ich mehr erwartet. Gegen Mittag die Weiterfahrt über den Pass bis Les Chapieux, ein kleiner Flecken in einem Hochtal auf 1.560 m Höhe. Für viele der Startpunkt zum mehrtägigen TMB, eine Umrundung des Mont Blanc Massivs. Für mich heut nur schnell rauf zum Col de la Seigne, denn bald soll es gewittern. Schönes Tal, eine tolle Strecke und viele herrliche Ausblicke. Dafür hat manch einer der schwer bepackten Wanderer gar kein Auge, die wollen nur endlich oben ankommen. Ich schaffe es trocken zum Camper zurück und erlebe die Gewitter erst unten im sicheren Bourg Saint Maurice, mein nächster Aufenthaltsort.

Auftieg zum Col de la Seigne

     *herrliches Panorama

   Blick nach Les Chapieux

     in Bourg Saint Maurice

Samstag eine wohl verdiente Pause in Bourg Saint Maurice. Es ist wieder heiß, um die 35°C. Immerhin kühlt es sich nachts auf knapp unter 20°C ab. Da schläft es sich gut im “oberen” Stock meines “Palastes”. Sonntag sitze ich bereits 9 Uhr auf dem Rad um der Wärme wenigstens ein bisschen zu entgehen. Ziel ist der Pass Petit Saint Bernard, gleichzeitig Grenze zu Italien. Die Strecke ist sehr gut ausgebaut und die 1.300 Höhenmeter Differenz verteilen sich auf 28 km. Das macht echt Spaß und ist für mich kein bisschen Quälerei :-). Tolle Ausblicke, rauf wie runter, und dazu jede Menge Kollegen am Berg, es ist Wochenende. 

14. Woche vom 8. bis 14. August 2022
Montag bleibe ich in noch in Bourg Saint Maurice. Mit dem Rad heute zuerst am Fluss L’Isere entlang. Da haben sie einen tollen Radweg gebaut - und mächtig gepfuscht. Wie bei der alten DDR Autobahn gibt es teils alle 10 m einen spürbaren Absatz, das macht mit dem Rennrad keinen Spaß. In Aime abbiegen und hinauf nach La Plagne. Die Beschreibung der Auffahrt ist wohl leider geschönt, da hätte ich mehr erwartet. Tags darauf mit dem Camper die nun schon bekannte Strecke bergauf zum Petit Saint Bernard. Oben parken und zu Fuß den 2.936 m hohen Lancebranlette erklimmen. Da sind viele Leute unterwegs, verständlich wenn man schließlich auf dem Gipfel steht. Erst da entfaltet sich ein grandioses Panorama mit dem Mont Blanc im Zentrum.

auf dem Petit Saint Bernard

     Blick bis ins Val d’isere

vom Gipfel des Lancebranlette

     *was für eine Aussicht

Ich fahre dann weiter über die Grenze nach Italien. Die Zeit in Frankreich war phänomenal, wenn auch nicht so geplant. Das Land bietet für individuelles Reisen eine tolle Infrastruktur, für mich die bisher Beste in Europa, mit Stellplätzen, Trinkwasser, WLAN, Toiletten, günstigem Camping. Das Essen ist super und ein Baguette viel besser als das was man uns in Deutschland anbietet. Schon nach wenigen Kilometern der Halt in Pre Saint Didier, ein nettes Dorf mit wohl sehr bekannten Thermalquellen. Mich reizt mehr die Landschaft, mit der tief eingeschnittenen Schlucht, über die eine alte Brücke aus Römerzeiten führt. Weit oben ein neuzeitliches Ingenieursprunkstück. Ein Panoramabalkon der bis zu 15 m ins Nichts ragt und traumhafte Sicht bietet.

Grenzübergang nach Italien

uralte Steinbrücke aus der Zeit der Römer

Panoramabalkon über der Schlucht, gekennzeichnet mit Pfeil, der eine grandiose Aussicht bietet

Mittwoch die Fahrt nach La Palud, bin damit noch näher am Mont Blanc. Das Val Ferret ist leider wegen Aufräumarbeiten nach einem Erdrutsch gesperrt, also mit dem Rad nach Süden ins Val Veny. Schöne Strecke, wenn auch teilweise mit sehr steilen Rampen. Fahrzeuge dürfen nur ein Stück weit ins Tal, welches weiter hinten allein den Wanderern und Radfahrern gehört. Am Tal Ende das Refugio Combal, wo ich noch ein wenig herum spaziere und auf kleinere Hügel klettere. Ein wahrlich toller Ausflug. 

Val Veny

         Refugio Combal

           Lago del Miage

   beeindruckende Bergwelt

Am nächsten Tag, wir haben wieder traumhaft schönes Wetter, lasse ich den Camper vorerst in La Palud und laufe bis Dolonne. Dort führt laut Info ein Klettersteig rauf auf den Mont Chetif. Der recht steile Pfad verläuft teils ausgesetzt und ist mit Ketten gesichert, doch dafür braucht es keine Ausrüstung. Schon unterwegs einige recht spektakuläre Blicke auf die Bergwelt, was auf dem 2.343 m hohen Gipfel noch viel besser wird. Vor mir in ganzer Breite die Südseite des Mont Blanc Massivs, wobei man tief in die Täler Val Veny und Val Ferret blicken kann. Genial. Am Gipfel steht auch eine wohl 10 m hohe Madonnen Statue. Keine Ahnung wie die hier rauf gebracht wurde. Am Nachmittag mit dem Auto wieder nach Pre Saint Didier mit bekanntem Parkplatz. Freitag fahre ich auf der verkehrsreichen SS26 das Aostatal entlang und biege bei Introd ab. Mit dem Rad ein Ausflug ins nahe Valsavarenche, doch davon hatte ich mir mehr versprochen. Da bietet das Städtchen Introd mit einer schönen Abtei sowie der tiefen Schlucht mitten im Ort schon ein ganzes Stück mehr. Ich bleibe heute gleich hier auf dem schönen und ruhigen Parkplatz

Aufstieg zum Mont Chetif

         Blick ins Val Veny

   *das Mont Blanc Massiv

die Schlucht mitten in Introd

Samstag an einem Brunnen den großen Kanister füllen. Auffällig sind die vielen Brunnen hier, die im Gegensatz zu anderswo alle Wasser führen. Außerdem wird überall ständig bewässert, dabei sind Dürre und Wasserknappheit nur 100km Luftlinie entfernt. Trinkwasserflaschen fülle ich in Villeneuve am Automaten. Die, Casa dell Aqua bezeichnet, sind in norditalienischen Gemeinden häufig zu finden und werden rege von der Bevölkerung genutzt. Kostenpunkt pro Liter: zwischen 0 und 5 Cent. In Aymavilles finde ich einen guten, teils schattigen, Parkplatz und starte zu einer Radtour nach Cogne im Nationalpark Gran Paradiso. Die Strecke folgt talaufwärts dem schönen Fluss Grand Eyvia. Vom Dorf Gimillian habe ich einen tollen Blick auf Cogne und die Bergwelt dahinter. Den Plan hier einige Tage zu bleiben gebe ich auf. Es ist Hochsaison und die Plätze quellen förmlich über. Da stehen die Wohnmobile praktisch Seite an Seite teils auf asphaltierten Flächen, was so garantiert nicht mein Fall ist. Sonntag versteckt sich die Sonne doch mal hinter dicken Wolken. Ich mache leichtes Programm und schaue mir ein paar Burgen am Weg an. So geht es langsam bis Aosta. Die Hauptstadt der Region ist recht übersichtlich und bietet Zeugnisse aus der Römerzeit.

im Dorf Gimillian

       *Blick auf Cogne

     Castello di Aymavilles

Blick vom Col Saint Pantaleon

15. Woche vom 15. bis 21. August 2022
Montag registriere ich in Aosta nach einer Weile das heute etwas anders ist - die Italiener haben nämlich Feiertag. Viele Läden sind zu, einige Supermärkte immerhin bis Mittag geöffnet. Ich will in die Berge, Richtung Grand Saint Bernard, nur sind wegen  dem langen Wochenende die Campingplätze übervoll. Unverrichteter Dinge zurück nach Aosta. Am nächsten Tag kann ich in der Stadt Dinge erledigen die gestern nicht möglich waren. Dann 20 km weiter ins Dorf Fenis mit einer tollen Festung. Die Zeit reicht noch um mit dem Rad rauf auf den Col Saint Pantaleon zu fahren, von dessen höchsten Punkt man einen perfekten Blick das Tal hinauf bis zum Matterhorn hat. In der nächsten Nacht besucht mich ein Marder und zerbeißt wie schon in Berlin einen Niederdruckschlauch. Immerhin habe ich ihn gehört und checke das am Morgen. Ersatz hatte ich eingepackt. Im Tagesverlauf fühle ich mich körperlich zunehmend schlechter, was am Donnerstag mit rauem Hals und Gliederschmerzen weiter geht. Fühlt sich an wie ein Infekt. Freitag geht das Fieberthermometer fast bis auf 39° rauf, was mir dann doch Sorgen macht. Inzwischen bin ich in Nuarsaz auf dem Campingplatz Cervino, schiebe ein paar Tage Pause ein und komme auf den Weg der Besserung. 

16. Woche vom 22. bis 28. August 2022
Ab Montag normalisiert sich mein Zustand. Die letzten Tage waren wenigstens nütze Wäsche zu waschen und den Camper mal innen ordentlich durch zu putzen. Dienstag ganz gemächlich weiter im Aostatal. Der Doppelort Verres und Issogne verspricht mit Burgen und Kirchen mehr als er letztendlich hält. Mittwoch komme ich an der sehenswerten Festung Bard vorbei, die wohl schon Drehort zu “Avengers” war. Nachmittag in Ivrea. Die Stadt ist recht schön, vor allem die mit Ziegeln gebaute Festung und der Dom. Gleich vor den Toren von Ivrea ein paar kleine, aber schöne, Seen, die zum Baden einladen. Ganz im Gegensatz dazu wurden nahe dem Stadtzentrum wahrlich gigantische Plätze asphaltiert, sollen hier denn solch großen Märkte stattfinden?

Burg Fenis

         Castello di Ivrea

Cattedrale di Santa Maria Assunta

Donnerstag Vormittag ein weiterer Spaziergang durch Ivrea, dann bei schönstem Wetter weiter nach Castellamonte. Der kleine Ort recht sympathisch, dazu die sehenswerte Rotonda Antonelliana und überall Kunstobjekte aus Keramik, denen die Stadt eine große Ausstellung widmet. Spät am Nachmittag die Fahrt bis vor die Tore von Turin, genauer gesagt nach Altessano. Da steht neben dem alten Stadtkern der Palast von Venaria Reale, eine Residenz des Hauses Savoyen aus dem 17. Jh. Das schaue ich mir am Freitag an. Schönes Schloss, daneben gigantisch große Gärten und Parks (war als Jagdschloss konzipiert). Ich lerne das das Geschlecht der Savoyer ursprünglich aus Sachsen stammt und hier fast 1.000 Jahre geherrscht hat. Zu sehen gibt es jede Menge, sei es Galleria Grande, Capella Sant’Umberto, herrschaftliche Kutschen, die aus Venedig “importierte” Prachtgondel usw 

Modell vom Reggia di Venaria

       riesige Grünanlagen

     Capella Sant’ Umberto

Galleria Grande

Reggia di Venaria: “rockende” Statuen und steifes Mittelalter

     Turin, Heimat von Juve

       Kirche Santo Volto

Die zweite Nacht in Turin verbringe ich auf einem herrlich ruhigen Parkplatz. Samstag mit dem Rad ins Zentrum der Monopole. Am Weg das Allianz Stadium, Heimat von Juventus Turin. Nicht weit davon die futuristische Kirche Santo Volto aus Ziegelstein. Dann Borgo Dora mit dauerhaftem Flohmarkt. Der hier hat richtig Qualität, da ist so manche Antiquität im Angebot. Am Porte Palatine aus Römerzeiten vorbei ins Zentrum. Der Dom nur mäßig, das Schloss recht schön. Nach gestern lasse ich aber einen Besuch des selbigen aus. Nebenan die tolle Schlosskirche San Lorenzo. Ringsum eine entspannte Atmosphäre. Turin hat kleine Cafes und Galerien mit dem Charme des vorletzten Jahrhunderts. Weiter zum Mole Antonelliana, damals höchster Ziegelbau der Welt. Am Po entlang, der sogar gut Wasser führt, zum Parco Valentino mit Botanischem Garten und dem im 19. Jh. gebauten mittelalterlichen Dorf, ein richtig schöner Tag. Noch am Abend die Fahrt nach Valperga und am Sonntag weiter bis Curgne.      

Turin, Porte Palatine

           Palazzo Reale

           schöne Galerien

  Fontana Monumentale Mesi

17. Woche vom 29. August bis 4. September 2022
Montag in Cuorgne aufs Rad, auch wenn ich nicht weis ob das nach zwei Wochen Pause und dem gerade überstandenen Infekt eine gute Idee ist. Noch dazu ist der Colle del Nivolet das Ziel, sprich 60 km nur bergan bis auf 2.612 m Höhe. Den Plan habe ich allerdings schon länger, also los. Zu Beginn steigt die Strecke nur langsam an. Ungefähr bei km 20 hole ich einen “Kollegen” ein, den sollte ich heute noch mehrfach sehen. Bei Pianchette die ersten steilen Rampen mit 15% Steigung. Das braucht Kraft. Um meinen Körper zu schonen gibt es heute zwei Pausen. Weiter oben wird die Landschaft karger und ich komme an einigen Stauseen vorbei. Mit Kampf und viel Wille schaffe ich es und bin nach knapp dreieinhalb Stunden am Ziel. Der Blick zurück zeigt ein beeindruckendes Panorama. Das hat sich gelohnt, auch wenn es heute, logischerweise, viel schwerer war als sonst.    

auf dem Weg zum Colle del Nivolet liegen viele Serpentinen

     geschafft, bin am Ziel

   der herrliche Blick zurück

Noch am späten Montag Nachmittag fahre ich mit dem Camper weiter nach Ivrea. Die Stadt kenne ich bereits und es ist schön mal schon zu wissen wo man baden und parken kann. Der nächste Tag beginnt mit heftigen Gewittern. Nicht schlimm, brauche eh eine Ruhepause. Am Nachmittag ein Umweg über Pavone Canavese. Den Ort hatte ich gestern aus der Ferne gesehen und bin neugierig. Nun, die Kirche ist zwar dunkel, aber sehenswert. Die tolle Burg über der Stadt ist leider Privatgelände und somit nicht zugänglich. Schade. Am Abend suche ich mir in Occhieppo einen schönen ruhigen Parkplatz und verbringe dort die Nacht. 

Castello di Pavone Canavese

Mittwoch eine, für meine Verhältnisse, längere Strecke mit dem Auto. Dabei einige Pausen zum Einkauf oder einfach mal so. Am frühen Nachmittag erreiche ich Buccione, am Südzipfel vom Ortasee. Der Ort ist schwer zugänglich und somit recht ruhig. Seezugang mit Badestrand, perfekt. Weil das Wetter schön ist aufs Rad und in einer 40 km Runde gemütlich um den See. Da habe ich mir schon einiges für die nächsten Tage ausgeschaut. Donnerstag der Wechsel nach Orta. Die Gemeinde hat auf dem Sacro Monte hinter dem Dorf einen kleinen und kostenlosen   

 Castello di Pavone Canavese

Camperparkplatz geschaffen. Auf dem darf man maximal 48 Stunden bleiben. Mit Schatten spendenden Bäumen, ruhig gelegen, ein sauberes WC neben an. Super! Bei erneut schönem Wetter mit dem Rad über Omegna hinauf nach Quarna Spora, von wo aus man einen schönen Blick auf den Ortasee hat. Nachmittag bewölkt sich der Himmel, später ziehen einige Gewitter durch. Der Freitag steht dann ganz im Zeichen von Orta. Zuerst der Sacro Monte, Heilige Berg, auf dem ich derzeit praktisch “wohne” 20 Kapellen nebst Kirche stehen am Gipfel, zum Großteil im 17. Jh. gebaut. In Etappen wird vom Leben des Heiligen Franziskus erzählt, wobei rund 360 lebensgroße, ziemlich lebensechte, Statuen aus bemalten Terrakotta und zahlreiche Fresken helfen. Bin tief beeindruckt, solch eine Qualität und Quantität. Einfach stark. Später der Gang runter ins Dorf. Schick, wenn auch sehr touristisch. Restaurants, Feinkostläden, Kunstgalerien und viele Boote die Leute zur Isola San Giulio bringen wollen. Ich lasse das auf mich wirken und habe sogar Glück, weil sich zwei Pärchen ziemlich professionell in früherer Garderobe ablichten lassen. 

                       Orta, auf dem Sacro Monte

             viele Fresken, Statuen und tolle Architektur

Isola San Giulio

           Orta Piazza

       Chiesa dell’Assunta

bin zur rechten Zeit am rechten Ort

Tags darauf sind es nur wenige Kilometer Fahrt bis Omegna. Der Tag beginnt trüb, es dauert bis sich die Sonne zeigt. Heute nur etwas durch die nette Stadt spazieren. Sonntag dann mehr Programm. Mit dem Rad über den Passo dell Olma nach Varallo. Auch dort ein Sacro Monte. Allerdings kann bis auf die Kirche alles andere nicht mit Orta konkurrieren. Nicht schlimm, die Tour macht an sich schon Spaß. Zurück über den Pass nach Omegna und später bei schönstem Wetter auf den Mottarone radeln. Der Berg hat es in sich. Steile Rampen mit 15% Steigung werden von fast flachen Stücken abgelöst. Das fährt sich äußerst unrhythmisch. Dazu hält sich die hochgelobte Aussicht über den Lago Maggiore in Grenzen, der Ortasee ist gar nicht sichtbar.

Sacro Monte di Varallo

       Piazzale del Tempio

       Basilica dell’Assunta

 solche Kunst an diesem Ort?

18. Woche vom 5. bis 11. September 2022
Montag fahre ich weiter an den Lago Maggiore und halte am kleinen Städtchen Feriolo. Am folgenden Tag mit dem Rad am See entlang. Baveno ist nett anzuschauen, in Stresa dann mehr Touristen und so manch glamouröses Hotel. Während der ganzen Zeit immer wieder tolle Ausblicke auf den See und die drei kleinen Inseln. Am Nachmittag erneut nach Baveno, diesmal mit den Klettersachen im Gepäck. Die Via Ferrata del Picasass führt rauf auf den Gipfel Monte Camoscio. Schöne Kletterei, bei der sich der Himmel mehr und mehr eintrübt. Donnergrollen am Gipfel, aber ich komme trocken zum Auto. Später heftige Regenschauer. 

Baveno

Lago Maggiore und seine Inseln

               Stresa mit seinen pickfeinen Hotels

Mittwoch bleibt es bewölkt und regnerisch, wobei die heftigen Gewitter und Schauer nachts durchziehen. Ich besuche Baveno und nutze unter anderem den Waschsalon dort. Tags darauf wird es wieder schön, Grund für eine weitere Radtour am Lago Maggiore. Nördlich von Arona steht der sogenannte Koloss von San Carlo, ein Denkmal für den später heilig gesprochenen Carlo Borromeo. Erstaunlich was die im 17. Jh. gebaut haben. Die Figur ist mit Sockel 35 m hoch und kann so der Freiheitsstatue fast das Wasser reichen. Man kann mittels einer abenteuerlicher Leiter sogar innen bis in den Kopf der Figur steigen, echt genial. 

Feriolo

Colosso di San Carlo

erst Wendeltreppe...

  ...dann Leiter...

 ...bis in den Kopf

Nach einer Nacht in Verbania bei schönstem Wetter aufs Rad. Durch das dicht bewaldete Hinterland vom See führt eine kleine Strasse durch abgeschiedene Dörfer wie Aurona hinauf auf den Monte Morissolino. Von da ergeben sich schöne Blicke auf den Lago Maggiore, doch das war eher nebensächlich. Gegen Abend fahre ich näher an die Schweiz heran und bleibe in Cannobio. Ein Spaziergang durch das sehr entspannte Städtchen macht Spaß und die tolle Lage am See nebst Promenade gibt was her. Samstag ein früher Aufbruch. Das verspricht ruhige Strassen, die hier teils kurvenreich und schmal sind. Über die Grenze in die Schweiz und nach Ascona. Herrliches Wetter, genau richtig für eine weitere Tour mit dem Rad. Hinein ins Maggiatal und nach 30 km bei Cavergno ins Val Bavona abbiegen. Der Reiseführer hat recht, dieses Tal ist der Hammer. Wildromantisch zwischen steil aufragenden Felswänden liegen kleinste Dörfer, Steinhäuser und Wasserfälle. Verkehr und Andrang halten sich in Grenzen. 

Val Bavona, Sonlerto

                                   Val Bavona

               Foroglio

Auf dem Rückweg halte ich in Maggia und laufe zur Cascata del Salto. Der Wasserfall gehört definitiv mit zu den schönsten die ich bisher sah. Licht, Farben und der Fall an sich, mit dem herrlichem Pool darunter, sind einfach genial. Das Parken in Ascona gestaltet sich übrigens einfacher wie gedacht. Tagsüber stehe ich auf dem Wahrheitsberg und für die Nacht fand sich ein sehr ruhiger Parkplatz am Fluss. Sonntag bei schönstem Wetter eine Bike & Hike Tour. Erst mit Rad durch Locarno ins Verzasca Tal bis Vogorno. Das ist schon ein ordentlicher Anstieg, jedoch kaum zu vergleichen mit dem was noch folgt. Durch Wald führt ein steiler Pfad rauf zur Alpe Bardughe, wobei man schön auf den Stausee Vogorno und den Lago Maggiore blicken kann. Danach wird es noch abenteuerlicher, bis ich auf dem Pizzo Vogorno, 2.442 m hoch, stehe. Was für eine tolle Aussicht! Zurecht gehört dieser Gipfel zu den schönsten im ganzen Tessin. Hunderte Bergspitzen ringsum und der Blick geht weit bis zum Matterhorn und dem Gran Paradiso. Echt genial. Zurück am Rad fahre ich noch die paar Kilometer bis Lavertezzo, wo die Postkartenmotive des Tales gemacht werden. Leider liegen Fluss und Dorf schon im Schatten, und außerdem wären viel zu viele Leute auf den Fotos. 

             Ascona

Maggia, Cascata del Salto

           Alpe Bardughe

     *Panorama vom Pizzo Vogorno

19. Woche vom 12. bis 18. September 2022
Montag die Weiterfahrt nach Bellinzona. Die Stadt hat sich im Tal breit gemacht. Viel Verkehr, viel Industrie. Das vergisst man schnell im alten Zentrum. Drei Burgen thronen über Bellinzona, wobei Castelgrande und Castello di Montebello hervor stechen. Dazu die Kirche Collegiata dei Santi Pietro et Stefano. Von außen ganz nett, aber innen der Hammer. Solche Pracht, da weis man gar nicht wohin zuerst schauen. Und dazu diese Kanzel! Da macht predigen wohl durchaus Freude. Darüber hinaus hält es mich nicht länger in der eher hektischen Stadt und ich übernachte dann auf dem Weg zum Luganer See im kleinen Camignolo.

Bellinzona

     Castello di Montebello

Collegiata dei Santi Pietro et Stefano

das nenne ich eine Kanzel

Dienstag, das Wetter ist wieder herrlich, halte ich auf dem Weg nach Süden in Gravesano. Die geplante Strecke, mit dem Rad rauf nach Arosio, ist heute im Kern nur etwas mehr als 4 km lang, die allerdings mit 12% Steigung im Schnitt! Das kostet Körner macht aber trotzdem Spaß. Dann weiter nach Muzzano, ein Dorf oberhalb von Lugano. Da liegt ein kleines Naturschutzgebiet das zum Spaziergang einlädt. Am nächsten Tag soll es regnen, also kleines Programm. Zu Fuß durch Lugano, aber die Stadt hat in meinen Augen wenig sehenswertes an sich. Besser wird es in den Hügeln dahinter, in Montagnola. Auf dem kleinen Friedhof Sant’Abbondio liegen Größen wie Hermann Hesse und die gleichnamige Kirche gegenüber kann sich sehen lassen. Donnerstag  

Aussicht vom Monte Bre

strahlt die Sonne wieder am blauen Himmel. Ich steige aufs Rad, durchquere Lugano und erstürme den Hausberg, Monte Bre. Vom Gipfel ein herrlicher Blick auf die Stadt und den See. Dabei fällt mir ein anderer Gipfel ins Auge, der Monte San Salvatore. Den besteige ich am Nachmittag zu Fuß. Was soll ich sagen? Von da entfaltet sich das Panorama des Luganer Sees in seiner ganzen Schönheit, wenn auch nicht komplett, dafür windet sich der See um zu viele Ecken. Freitag ein früher Start in Richtung Grenze, um dem morgendlichen Berufsverkehr aus dem Weg zu gehen.  

   *Blick vom San Salvatore

In der Gegenrichtung bereits heftiger Stau, egal ob auf der Bundesstrasse oder der Autobahn. Als Pendler, das sind hier viele, möchte ich mir das nicht jeden Tag antun. Für mich nun wieder Italien. In Tavernola halte ich auf einem halboffiziellen Platz für Wohnmobile, der schon gut besetzt ist. Mit dem Rad eine Tour am Comer See entlang nach Norden. In Argegno ins Hinterland abbiegen und rauf bis Pigra. Schöne Tour, den See häufig im Blick. Auffällig: hier sorgt der Herbst bereits für bunte Farben. Am Samstag ein Besuch von Como. Die Stadt mit einem beeindruckenden Dom, das alte Rathaus, Broletto, gleich daneben. Weiter dann der steile Gang rauf nach Brunate und San Maurizio mit dem Leuchtturm von Volta, Sohn der Stadt Como und Erfinder der Batterie. Von ihm stammt die Bezeichnung Volt. Der Turm bietet einen fast unschlagbaren Blick über den westlichen Comer See 

                     der Dom zu Como von allen Seiten

 *Panorama vom Comer See

 Voltas Leuchtturm

Noch am Samstag Abend verlasse ich Como und fahre in Richtung Mailand bis Seregno, wo es sich gut übernachten lässt. Am Sonntag Morgen mit dem Rad rein nach Mailand. Wie üblich ist um diese Zeit wenig auf den Strassen los und ich komme ohne Probleme ins Zentrum. Das traumhafte Wetter lockt natürlich Menschenmassen an, was vor allem um den Dom herum auffällt. Lange Schlangen am Ticketschalter für den Dom, genau wie an dessen Eingängen. Kurze Befragung eines Angestellten: derzeit ca. eine halbe Stunde fürs Ticket anstehen, und noch mal eine halbe Stunde bis man rein kann. Das ist mir zu lang. Frage: wie ist es zur Mittagszeit? Wohl besser. Also erst mal andere Ziele in Angriff nehmen. Da ist die Galeria Vittorio Emanuele. Pompös. Auch hier unzählige Leute, wobei vor allem viele der Frauen stylisch gekleidet sind. Mailand eben. Ein Stück weiter die Burg Sforza, deren weiträumiges Gelände für jeden offen steht. Dahinter der Triumphbogen, dem Frieden gewidmet. In der Altstadt zur Scala, die macht von außen wenig her und ist Sonntags für Besucher geschlossen. Davor rumpelt gerade die “historische” Straßenbahn über die mit sehr grobem Kopfsteinpflaster belegten Straßen, für Radfahrer die Härte. In den Gassen versteckt ein kleines Juwel, die Monasterio Maggiore, wie auch das Kloster Sant Ambroggio. Dann ist es Zeit zum Dom zurück zu kehren. 

Galeria Vittorio Emanuele

         Castello Sforza

           Triumphbogen

       Monasterio Maggiore

Am Dom ist nun weniger Los. In zehn Minuten habe ich mein Ticket und am Eingang zu den Treppen ist die Schlange nur 10 m lang. Treppen? Ja, ich gehe rauf aufs Dach. Super das man das hier kann. Rund 160 Stufen führen in luftige Höhe und geben ganz neue Eindrücke für solch ein Bauwerk. Erstaunlich das hier so viel Wert auf künstlerische Gestaltung gelegt wurde, das kann man von unten eigentlich gar nicht sehen. Nach der Runde oben herum auch der Besuch des Innenraumes. Gigantische Ausmaße und Platz für 40.000 Leute, zur Bauzeit die Einwohnerzahl der Stadt. Sehr beeindruckend, auch wenn da eine reiche Verzierung fehlt. Als ich den Rundgang beende ist die Warteschlange draußen fast 100 m lang. Das war Glück und Geschick.  

Mailänder Dom

eine Tour über das Dach mit ganz neuen Eindrücken

was für ein riesiger Innenraum

 die hohen Bleiglasfenster mit  abertausenden von Bildern

Damit hat die Tour durch Mailand noch kein Ende. Etwas außerhalb das moderne Gesicht der Stadt. Am Piazza Garibaldi Glas und Stahl in einer beeindruckenden Symbiose. Gleich nebenan die zwei Hochhäuser “Bosco Verticale” (senkrechter Wald), die zeigen das Wolkenkratzer durchaus mit der Natur verbunden werden können. Auf dem Rückweg nach Seregno fahre ich durch Monza. Ein kleiner Umweg der sich lohnt. Die Stadt ist mehr als nur Formel 1, wobei der Dom und das Schloss heraus stechen.

Piazza Garibaldi

Bosco Verticale

                 Monza, mit dem Dom und dem Schloss

20. Woche vom 19. bis 25. September 2022
Nachdem ich schon Sonntag Abend den Großraum Mailand verlassen habe, beginnt die neue Woche südlich vom Comer See am Lago Pusiano. Dienstag eine Radtour zum Juwel des Comer Sees, Bellagio. Schöne Strecke mit Ausblicken und dem Denkmal des gefallenen Radfahrers - Sachen gibt’s. Bellagio kenne ich bereits von früheren Besuchen in der Gegend, deswegen vertreiben mich die Massen von Touristen dort bald wieder. Mittwoch eine Pause am Camping Class. Das Saisonende ist nah und ein Platz vorn am See kein Problem. Donnerstag nach Lecco, wo ich im Stadtteil Rancio parke und zum nahen Klettersteig laufe. Tolles Wetter, guter Berg. Die Via Ferrata ist nicht ohne, aber mit etwas Routine gut zu meistern. Die Aussicht am Schluss ein Traum. Am Abend finde ich einen genialen Parkplatz in Mandello del Lario, praktisch direkt am Ufer vom Comer See. Beim Einkauf fällt mir die schroffe Bergkette hinter der Stadt ins Auge. Einheimische befragt, wird der Plan für morgen dann kurzerhand geändert.

             Magreglio

 am Comer See

   Via Ferrata Como Medale

  *Blick auf Lecco und Umgebung

Freitag die Wandertour von Maggiana hinauf zum Grigna Meridionale. Dabei sind fast 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Der Pfad steigt schon zu Beginn steil an, was ich erstaunlich locker nehme. Leider ist der Himmel ziemlich bewölkt, doch ich hoffe auf Besserung. Erste Ausblicke vom Zucco di Manavello. Eine Stunde später taucht die spektakulär gelegene Berghütte Rosalba auf Dahinter wird es ernst. Zwischen schroffen Felstürmen, neben engen Spalten und gefährlichen Abgründen, klettere ich durch eine magische Welt. Teils helfen angebrachte Ketten, manchmal sind sie die einzige Möglichkeit rauf oder runter zu kommen. Das ist meine Welt. Auf dem Gipfel in 2.184 m Höhe leider alles im Nebel, egal wie sich die Sonne bemüht. Schade, der Ausblick wäre wohl atemberaubend. Egal, es war eine tolle Wanderung mit vielen neuen Eindrücken. Ich bleibe heute gleich in Maggiana.

Refugio Rosalba

   überall schroffe Felstürme

     mystische Steinwelt

     Gipel: ja, Sicht: nein

Der Samstag beginnt trüb und später fängt es an zu regnen. Ich fahre gemütlich nach Lecco und verbringe den Großteil des Tages dort. Erst spät die Weiterfahrt nach Caprino Bergamasco. Sonntag sind schon früh viele Leute unterwegs - Italien wählt Das Wetter bessert sich langsam wieder und ich fahre weiter bis Bergamo. Die Stadt habe ich bereits im Mai besucht, deshalb heute nur ein Halt am großen Friedhof. Der passt, von außen betrachtet, gut zum Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Auf dem Gelände viele Familiengräber mit aufwendigen Steinmetzarbeiten. Überraschend die unterirdische Etage mit unzähligen Urnen Gräbern. Gegen Abend eine Rast in Seriate, wo ich zufällig Zeuge einer Prozession werde. Die Stadt gefällt mir, also bleibe ich.

der große Friedhof Bergamo

 eindrückliche Gräberlandschaft, ober-, wie auch unterirdisch

       Prozession in Seriate

21. Woche vom 26. September bis 2. Oktober 2022
Montag erkunde ich bei schönem Wetter das Hinterland von Bergamo mit dem Rad. Von Seriate aus werden die Pässe Selvino, Ganda und Colle Gallo fällig. Auf letzterem eine Statue bei welcher ein weiblicher Schutzengel über einen Radfahrer wacht. Das passt. Tags darauf eine längere Fahrt an Brescia vorbei bis Gavardo, der Gardasee nicht weit weg. Das schöne Wetter macht eine Pause, der schließe ich mich an. Donnerstag die kurze Weiterfahrt bis nach Salo am Ufer des Gardasees. Nette Stadt, in der es außerhalb der Saison ruhig zugeht. Samstag eine Radtour am Gardasee entlang. Auf der Straße viel Verkehr, was den Spaß an der Sache arg begrenzt. Immerhin liegen ein paar schöne Dörfer und Villen am Weg. Schöner, und vor allem ruhiger wird es hinter dem Abzweig rauf nach Tremosine. Durch die aufregende Brasa Schlucht führt die schmale Straße zur Terrazza del Brivido. Von da ein toller Ausblick auf den Gardasee, trotz bewölktem Himmel. Sonntag strahlt wieder die Sonne am blauen Himmel. Von Salo aus fahre ich zum Idrosee, genauer gesagt nach Vesta, wo die Straße am Ostufer endet. Hinter dem Dorf führen zwei Klettersteige steil die Bergwand hinauf. Das macht Spaß, dauert aber nicht lange. Als Bonus der Sasse Klettersteig welcher teils direkt über dem Wasserspiegel am See entlang führt. Mein Übernachtungsplatz heute liegt genau am Seestrand.   

Salo

Idrosee

         Palazzo Bettoni

  Aussicht Terrazzo del Brivido

Brasa
Schlucht

     Klettersteig

  Punto del Acqua

             die Ampola Wasserfälle

22. Woche vom 3. bis 9. Oktober 2022
Montag um den Idrosee herum nach Anfo. Im Dorfzentrum ein Wasserzapfpunkt, Punto del Acqua, mit stillem, gekühltem oder sprudelndem Wasser. Alles kostenlos und stylisch konstruiert. Die sehenswerte Festung dort ist leider geschlossen. In Darzo parke ich und hole das Rad raus. Über den Ampola Pass geht es hinauf zum Monte Tremalzo. Die Aussicht in 1.700 m Höhe ist genial. Bei der rasanten Abfahrt noch der Halt an zwei sehr schönen Wasserfällen. Dienstag fahre ich an den Ledrosee zum Campingplatz Azzuro. Bei den wenigen Gästen ist es kein Problem direkt am See einen Platz zu bekommen. Tags darauf ziehe ich schon weiter. Kurz vor dem Gardasee das Auto abstellen. Weiter über Stock und Stein zu einem alten Schmugglerpfad hoch über dem See. Weil es kein ausgewiesener Klettersteig ist fehlt häufig das Sicherungsseil, so das man auf dem schmalen Pfad im Fels doch ab und an weiche Knie bekommt. Doch alles geht gut und ich fahre dann am Nachmittag weiter bis Riva del Garda.

der Ledrosee

   Blick über den Gardasee

der alte Schmugglerpfad, Herzklopfen inklusive

Riva del Garda ist nett, mir aber zu überlaufen. Deswegen am Donnerstag die kurze Weiterfahrt bis Torbole. Über dem Dorf ein Parkplatz wo man verstreut unter Olivenbäumen steht. Das taugt mir mehr. Die Radtour heute über Mori hinauf auf den Monte Baldo, ein Klassiker am Gardasee. Den Rest des Tages verbringe ich in Torbole, ein schönes Dorf - wenn man die Hauptstrasse verlässt. Tags darauf mit dem Camper nach Mori und dort hinter der Wallfahrtskirche zu einem Klettersteig. Der zieht sich recht anspruchsvoll über die senkrechte Felswand nach oben und macht richtig Spaß. Am nächsten Tag ist es wieder nur ein kurzes Stück bis zum nächsten Ziel: Rovereto. Das Wetter ist erneut toll, soll sich aber bald ändern. Also die nächste Runde mit dem Rad. Auf der SS46 lange durch eine sehenswerte Schlucht bis hinauf zum Passo Fugazze, zum Schluss mit 16% Steigung. Eine schöne Tour, bei der Kleine Dörfer am Weg liegen. Der Sonntag in Rovereto. Neben der Stadt hat das übergroße Beinhaus als Mahnmal des ersten Weltkrieges leider geschlossen. Dafür komme ich aber gerade rechtzeitig zur Gefallenenglocke Maria Dolens die täglich 12 Uhr läutet. Sie gehört zu den weltweit größten, frei schwingenden Glocken der Welt: 22,6 t schwer; 3,36m hoch  

der Gardasee und seine nähere Umgebung

             Klettertsteig bei Mori

Glocke Maria Dolens

23. Woche vom 10. bis 16. Oktober 2022
Montag lösen sich Wolken und Regen langsam auf. Ich fahre mit dem Camper hoch zum Fugazze Pass. Auch dort beseitigt die Sonne gerade letzte Wolkenfelder. Perfekt, denn am nächsten Tag klettere ich in den Bergen herum. Morgens ist es nun in der Höhe schon recht kühl, um die 7°C, aber tagsüber wird es angenehm warm. Vom Passo Xomo aus, komischer Name, erklimme ich eine wild zerklüftete Gipfelkette und kehre dann auf der Strada delle 52 Gallerie zum Pass zurück. Der Weg wurde im ersten Weltkrieg am steilen Felshang unter Verwendung von 52 Tunneln erbaut, leider zu Kriegszwecken. Heutzutage ist er das Garant für eine tolle Wanderung. Die Tunnel sind bis zu 330 m lang, teils bei sehr unebenen Boden stockfinster und haben im Felsturm auch mal Spiralform. Das ist total genial und mit Fotos leider nur sehr vage wiederzugeben. Mir hat es echt Spaß gemacht. 

bergauf mittel Via Ferrata

     Kletterei mit Ausblick

       Tunnel mit Fenster

längst nicht alle 52 Tunnel waren so hell und leicht zu begehen wie dieser

Ich bleibe eine weitere Nacht auf dem Passo Fugazze und nehme am Mittwoch dessen andere Seite in Angriff. Auch hier sind die Felsen stark zerklüftet und bieten viel Spektakel. Nach dem Gipfel des Monte Cornetto zieht sich der Pfad durch Tunnel und um Felstürme herum immer in Gratnähe entlang. Am Passo del Baffelan ein irre steiler Abstieg und mittels riesiger Hängebrücke am sehenswerten Massiv entlang zum Passo Fugazze. Das waren für mich zwei richtig tolle Tage in den herbstlichen Bergen.

Monte Cornetto

Bergsteiger in der Wand

  genialer Bergpfad

   *was für eine Bergkulisse

die tolle Hängebrücke

Donnerstag fahre ich zurück nach Rovereto und, nach einer Pause dort, weiter an den Lago Caldonazzo. Tags darauf eine Tour mit dem Rad. Steil ist der Anstieg hinauf nach Compet und Vetriolo Terme. Leider ist der Ausblick von da oben durch diffuses Licht nicht viel wert. Mehr wert ist da schon mein Stellplatz direkt am See. Die Saison ist vorüber und nur noch wenige Leute sind hier unterwegs. Samstag das kurze Stück nach Lochere fahren und dort mit den Wandersachen samt Kletterausrüstung in die Berge. Die Via Ferrata Val Scura soll es heute werden. In einer immer enger werdenden Schlucht kreuzt der Pfad häufig den derzeit schmalen Bach und gewinnt schnell an Höhe. Die Klettersachen bleiben im Rucksack, schwierige Stellen sind selten und die Technik stört mich beim Laufen. Trotz bewölktem Himmel eine tolle, so ganz andere, Tour, bei der ich niemandem begegne.

Lago Caldonazzo

Via Ferrata Val Scura, ein toller Klettersteig durch eine Schlucht mit wenigen schwierigen Stellen, dafür aber tollen Eindrücken

Am Sonntag muss ich warten bis die Sonne den Morgennebel weg dampft. Dann mit dem Rad in die Berge. Bei Centa San Nicolo rauf auf die Hochebene zum Passo Sommo und dann weiter zum Passo Vezzena. Die schöne 65 km Tour mit 1.500 Höhenmeter

23. Woche vom 17. bis 23. Oktober 2022
Montag verlasse ich die schöne Gegend um den Caldonazzosee und wende mich nach Norden. In Cadino, ein kleiner Flecken mit wenigen Häusern, halte ich für einen Klettersteig, die Via Ferrata Rio Secco. Wie der Name schon sagt geht es ein trockenes Flussbett hinauf, das nur im Frühjahr mit Schmelzwasser gefüllt ist. Interessante Kletterei von einer Gumpe zur nächsten. Das Tageslicht bleibt dabei manchmal fast komplett draußen, so das man sich wie in einer Höhle fühlt. Coole Sache. Den Ausblick über das Tal gibt es dann oben. Plantage reiht sich an Plantage, wobei diese bis an die stark frequentierte Autobahn reichen... 

bei Centa San Nicolo

Via Ferrata Rio Secco

           das Adige Tal

 Via Ferrata Rio Secco

Bei nach wie vor sonnig trockenem Wetter am Dienstag die nächste Radtour. Von Salurn aus angenehm an der Adige entlang nach San Michele all’ Adige. Weiter über Maso Roncadur, Ville und Faedo eine Runde durch die Weinberge. Das macht einfach nur Spaß, wenngleich zwischendrin Steigungen bzw. Abfahrten mit bis zu 18% zu meistern sind. Am Abend fahre ich noch bis kurz vor Bozen und übernachte in Leifers. Am nächsten Morgen die Fahrt an Bozen vorbei bis Waidbruck. Zum letzten Mal in dieser Saison steht ein großer Pass auf dem Plan: das Sellajoch. 35 km durch das Val Gardena bergauf mit 1.535 Höhenmetern. Das ist mit dem Rad noch mal eine richtige Herausforderung, und wird zu einem harten Stück Arbeit für mich. Auf den Gipfeln ringsum liegt schon der erste Schnee und trotz Sonne sind nur 11°C. Es ist Zeit langsam von den Bergen Abschied zu nehmen.

durch die Weinberge

Scoul

           an der Adige

           Val Gardena

Es gibt nun eine kleine Pause von Italien, wichtige Termine verlangen nach meiner Anwesenheit in Deutschland. Auf dem Weg ein Schlenker über Pontresina, Schweiz, um noch Sachen abzuholen die dort seit dem letzten Winter liegen. Dabei bleibe ich über Nacht in Scoul, ein Ort der sonst immer nur auf der Durchreise lag. Dabei hat vor allem das alte Zentrum was zu bieten, wo noch viele Häuser aus der “”alten “ Zeit stehen.

           am Sellajoch

                 Scoul

In der Woche vom 7. November 2022 geht die Reise durch Italien weiter.
Doch diese Seite hier ist lang genug, also findet ihr alles weitere auf der Homeseite unter dem Button 2022/23. Viel Spaß beim weiteren Stöbern und Lesen.

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