Im November 2012 beginnt für mich ein neues Abenteuer auf der anderen Seite der Erde:  Ein halbes Jahr
in Australien. Was wissen wir über das Land welches groß genug ist um als Kontinent benannt zu werden?
Wüste, unendliche Weite, Kängurus, Schlangen, Koalabären, Aborigines, Ayers Rock , die Oper in Sydney.
Mal sehen was es darüber hinaus zu entdecken gibt!

Die Karte von Australien, mit Reiseroute und Übernachtungsorten. Zu Melbourne und Tasmanien existiert weiter unten eine detaillierte Karte

Rechts ein Größenvergleich Australien / Europa

1.Woche vom 1. bis 7.November 2012
Wir schreiben den 31.Oktober 2012 und ich mache mich auf nach Australien. Das Abenteuer beginnt schon in Crimmitschau mit der Deutschen Bahn: Der erste Zug bereits mit Verspätung, und dann fährt er auch nur bis Gera. Dort hilft man mir aber weiter und ich kann problemlos andere Züge nehmen und komme nur eine Stunde später als geplant mit einem ICE in Frankfurt/Main an. Das folgende Prozedere kennt man schon: Check-in, Pass- und Sicherheitskontrolle. Der erste Flug startet mit Verspätung, doch der Puffer in Incheon/Seoul reicht problemlos. Korean Air hat eine moderne Flotte, deren Qualität nichts zu wünschen übrig lässt. Mit der Boeing 777 vergehen die jeweils 10 Stunden wahrlich wie im Flug. Ankunft am 2. November 2012 um 7 Uhr Ortszeit in Sydney. Hier bin ich Europa 10 Stunden voraus. Australien empfängt mit tollem Wetter. Die Sonne strahlt vom meist blauen Himmel bei 25°C. Mit dem Bus zum reservierten Hostel am Alfred Park, südlich vom Hauptbahnhof. Einrichten, Einkaufen, ein zweites Frühstück und dann gleich los die Stadt erkunden. Sydney hat kein wirklich lebendiges Zentrum, dafür ist es mit Wolkenkratzern zu verbaut. Alles spielt sich am Wasser, speziell den Häfen wie Circular Quay ab. Am Weg auch die Oper und die Hafenbrücke, beides Ikonen der Stadt. Ich schaue auch schon mal auf einen Kaffee im Swissotel bei meinem ehemaligen Hoteldirektor aus dem Saratz vorbei. Abends habe ich mit dem Jet Lag zu kämpfen, schaffe es aber bis 22 Uhr wach zu bleiben. Samstag mehr von Sydney: Darling Harbour, Maritim Museum, Art Gallerie, The Rocks und der Botanische Garten. Leider schickt Petrus heute jede Menge graue Wolken los. Am Abend wieder Darling Harbour für etwas Nachtleben und ein schönes Feuerwerk

Sydney                            

     Ureinwohner in Sydney

           Bondi Beach

Teil von Sculpture by the Sea

Sonntag ans Meer. Bondi Beach ist hier einer der Strände zum Sehen und Gesehen werden. Gleich nebenan der letzte Tag von “Sculpture by the Sea”, bei dem Künstler ihre Werke auf dem Küstenpfad bis zum Tamarama Beach ausstellen. Nun, tolles Wetter, Wochenende und der Strand in der Nähe, also sind Massen von Menschen unterwegs. Teils kommt man auf dem Pfad nur im Schneckentempo vorwärts. Doch das lohnt sich und am Ende wartet der Strand, wenn das Wasser auch nur 20°C hat. Der Abend wird dann lang, denn ich bin in Neutral Bay zum Essen eingeladen - mit sehr leckerem australischen Wein. Montag dann Vorbereitungen und Planungen für die Reise. Ich will versuchen so schnell wie möglich in den Norden zu kommen um vor dem Monsun das Stück zwischen Cairns und Darwin zu schaffen. Dienstag mit dem Vorortzug ins 100 km entfernte Katoomba, mitten in den Blue Mountains. Der Name stammt vom blauen Dunst der Absonderungen von Gummibäumen.Die Landschaft lässt sich am besten als “grünes Elbsandsteingebirge” beschreiben. Zwei Tage bleibe ich und mache mich dabei mit dem Regenwald vertraut. Gefährliche Tiere waren keine zu sehen, nur bunte Vögel und außergewöhnliche Pflanzen. Die Wasserfälle sind leider fast leer, zu wenig Regen die letzte Zeit. Trotz 1.000 m Höhe herrscht eine drückende Schwüle, die nur nachts nachlässt

Blue Mountains                  

           Three Sisters

  Früchte des Banksia Baums

       “etwas” Wasserfall

2.Woche vom 8. bis 14.November 2012
Donnerstag heißt es Abschied nehmen von den Blue Mountains. Mit dem Vorortzug zurück nach Sydney und gleich weiter nach  Norden bis Newcastle, wo die Nahverkehrslinie 160 km nördlich von Sydney endet. Für nur 8,20 AUD (1,20 AUD für 1 €) konnte ich heute 250 km Zug fahren. Ein Schnäppchen in einem Land das überraschend teuer ist. Mit höheren Übernachtungs- und Transportkosten hatte ich gerechnet, nur nicht mit diesen Supermarktpreisen, die deutlich über deutschem Niveau liegen. Ein  Camembert kostet 8 €, das Sixpack Bier 15 €, ein Kilo Tomaten 6 € und das 25ger Päckchen Zigaretten 15 €. Dem gegenüber ist das Fleisch erschwinglich und glücklicherweise hat Aldi einige preiswerte Filialen eröffnet. Zurück zu Newcastle. Das Wetter druckst herum und der Bummel über den Strand und durch die Stadt bleibt unaufregend. Freitag beginnt mein Abenteuer als Anhalter in Australien. Wo immer möglich möchte ich den preisintensiven öffentlichen Transport umgehen. Das fängt gleich viel versprechend an. Für die 250 km bis Port Macquarie brauche ich vier Autos und stehe keine 20 Minuten an der Strasse. Super! In Port Macquarie ein Besuch im Koala Hospital, wo verletzte Bären wieder auf Vordermann gebracht werden. Drollige Tierchen. Danach zieht sich der Himmel wieder zu und bald setzt Regen ein. Wie mir Einheimische erzählen, der erste hier seit Wochen.

im Koala Hospital       

  Pelikan, mächtiger Brocken

 noch Echse oder schon Drache?

             Byron Bay

Samstag stehe ich an einem kühlen und bewölkten Tag erneut an der Strasse. Die 50 km bis Kempsey sind schnell Geschichte, danach wird es noch besser: ein richtig heruntergekommener Nissan nimmt mich die 350 km bis Byron Bay mit, der Fahrer eine Seele von Mensch. Leider regnet es bei der Ankunft und weil Wochenende ist sind alle preiswerten Betten belegt. Letztlich finde ich eine kleine Lücke auf einem Campingplatz und erlebe in dieser Nacht was tropischer Regen bedeutet! Es schüttet wie aus Eimern und trotz geschützter Lage unter einem Baum trommelt der Regen Stakkato aufs Zeltdach, welches im Gegensatz zu manch anderem ringsum allerdings dicht hält. Die nächsten Tage bleibe ich in Byron Bay, dem östlichsten Punkt Australiens, 153° 38’ Ost. Für Interessenten: Der “kühle” Süden des Landes liegt auf dem Niveau von Sizilien, der heiße Norden inmitten von Afrika. Das Wetter bessert sich und Erholung am Strand steht an. Am Dienstag weiter nach Norden. Per Anhalter klappt das nach wie vor prächtig, man muss aber den gesunden Menschenverstand einschalten und auch mal ein Auto auslassen weil einem etwas spanisch vorkommt. Ich saß bereits bei jemandem im Auto der bestimmt schon bei der Polizei wegen Drogenhandel auffällig wurde. Das letzte Auto bringt mich bis vor die Haustür des Hostels. Nun also Brisbane. Schöne Großstadt. Sauber, mit Wolkenkratzern, aber auch mit tollen Parks und einer tollen künstlichen Lagune am Ufer des Flusses inmitten der Stadt. Das Wetter derzeit prächtig und heiß, da gehe ich schon mal in ein Museum um mit deren Klimaanlage meinen Körper runterzukühlen

Brisbane, South Bank  

 die Lagune mitten in Brisbane

     Abend in Agnes Water

         Vorsicht, Rochen

3.Woche vom 15. bis 21.November 2012
Donnerstag mit dem Zug aus Brisbane raus bis Caboolture und weiter als Anhalter. Ich stehe nur kurz in der Sonne und komme in den nächsten Stunden bis Maroochydore an der Sunshinecoast. Nette Gegend, das Hostel in einer ruhigen Seitenstraße. Bis zum Strand ist es ein Stück, aber ein sauberer Fluss mit erreichbaren Insel liegt vor der Haustür. Ein entspannter Tag. Freitag weiter. Am Vormittag längere Wartezeiten, doch ich komme bis Hervey Bay. Das Wetter ein Traum, und mit jedem Sprung nach Norden fühlt es sich heißer an. Eigentlich war geplant mit der Fähre zum Zelten und Wandern nach Fraser Island zu fahren, die  weltweit größte Sandinseln auf der auch Regenwald wächst. Leider sind die meisten Wege wegen Waldbrandgefahr gesperrt. Die Fährverbindung passt auch nicht, so stirbt diese Idee. Also einen Tag faulenzen. Sonntag erneut an die Strasse. Trotz wenig Verkehr klappt es wieder mit ein paar hundert Kilometern bis Agnes Water, ein winziges Städtchen am Meer mit einem der letzten Surfstrände Richtung Norden. Später verhindert das Great Barrier Reef die Brandung. Fühle mich sofort wohl. Das hier ist mal was anderes. Endlich kilometerlange Strände die man sich nur mit wenigen Leuten teilt. Ich bleibe zwei Nächte. Einen Tag lang bleibt der Strand übrigens wegen Haialarm gesperrt. Am Dienstag weiter. Mit viel Glück nimmt mich ein Auto ganze 600 km mit und der Sprung bis Airlie Beach gelingt. Dort gleich noch meine Tour umbuchen und für morgen einchecken. Sonst? Tolle Fotos sind noch selten. Bis jetzt dreht sich praktisch alles nur um Strände und auf den ausgetretenen Pfaden sind wirklich tausende von Backpackern unterwegs. Ich lerne Leute kennen, verliere sie aus den Augen, treffe sie wieder. Langsam gelingt es mir allerdings mehr und mehr loszulassen. Kein unbedingter Druck das Nächste zu sehen oder zu erleben. Europa war im Sommer voller Dinge: Kultur, Städte und hinter jeder Ecke was anderes. In Australien geht es um Sonne, Strand und gute Laune. Da wäre auch im Hinterland einiges zu entdecken, doch bei den eingeschränkten Transportmöglichkeiten meinerseits ziehe ich einiges gar nicht in Betracht und lasse mich einfach treiben.

4.Woche vom 22. bis 28.November 2012
Donnerstag betrete ich neuen Boden. Das ehemalige Rennsegelboot “Eureka II” wird für drei Tage Transportmittel und Hotel. Mit 13 anderen und der Crew fahre ich hinaus zum Great Barrier Reef. Das wird so schön und aufregend wie gedacht! Unsere bunt zusammen gewürfelte Truppe aus zehn Nationen versteht sich prächtig und wir haben viel Spaß. Der Kapitän bringt uns mit seiner Erfahrung zur rechten Zeit an die richtigen Plätze und wir lernen einiges über das Segeln. Schon das an sich ist toll, doch da kommt noch die berauschend schöne Gegend dazu. Wir halten an immer neuen Stellen zum Schnorcheln und sehen eine einzigartige Unterwasserwelt. So viele Korallen, so viele Formen und Farben, große Fische und Rochen. An einem Morgen setzt uns die Crew als erste am atemberaubend schönen Whiteheaven Beach ab, wo wir lange bleiben. Zweifellos gehört der Strand zu den zehn schönsten der Welt! Am letzten Tag erleben wir einen Schnorchelspot wie direkt aus “Findet Nemo” und ich habe selbst Tage danach noch immer das Gefühl im leuchtend blauen Wasser zu sein und über einem kleinen Paradies zu schweben. Der Abschied vom Schiff fällt schwer und neben dem Kapitän schafft es noch jemand mich tief zu beeindrucken.

die Rennjacht Eureka II     

     an Bord der Eureka II

 Whiteheaven Beach, sind das Farben!!!

Am Samstag Abend kehren wir auf das Festland zurück und feiern gemeinsam bis 3 Uhr morgens. Sonntag will ich dann weiter und fahre mit einem Zeltnachbarn bis Townsville, von wo aus ich die Fähre nach Magnetic Island nehme. Die Insel ist leicht besiedelt, doch das merkt man kaum. Ich zelte in einem Ressort ähnlichem Hostel, wo neben vielen Vögeln auch Possums und Wallabies, kleine Kängurus, herum laufen. Man ist hier mittendrin statt nur dabei. Am Montag erkunde ich die Insel und laufe einige der 23 Buchten und Strände ab. Der Dienstag ist mein Jahrestag! Ein Grund das Trampen zu lassen und auf der Insel zu bleiben. Ich besuche einen Wildzoo, wo uns ein Ranger viel über die hiesige Tierwelt beibringt. Ich bekomme unter anderem ein kleines Krokodil, einen Koala und eine Schlange auf den Arm oder um den Hals gelegt, plus ein Küsschen von einem schwarzen Kakadu. Ein wirklich schöner Tag. Am Mittwoch brauche ich einige Transportmittel um von der Insel bis ins 350 km entfernte Cairns zu kommen. Es wird immer heißer und wir knacken täglich die 30°C. Doch bei der Trockenheit ist die Hitze erträglich.

               die Vogelwelt auf Magnetic Island           

             mutig, mutig 

         ohne Worte

5.Woche vom 29.November bis 5.Dezember 2012
Am Donnerstag gleich wieder Cairns verlassen, obwohl die Stadt recht schön ist und das Hostel zu den bisher besten im Land zählt. Ich muss heute nicht weit trampen und bin schon Mittag in Port Douglas. Dort treffe ich Christine wieder. Wir machen für die nächsten Tage gemeinsame Reisepläne, leihen uns am Donnerstag ein Auto und fahren für zwei Tage in den Daintree Rainforest Nationalpark. Wie sich das für Regenwald gehört regnet es hier häufig, und wir haben einige Schauer auszuhalten. Doch der Regen ist warm und kühlt gleichzeitig die Luft wenigstens etwas ab. Der Wald ist genau so wie wir uns den Dschungel vorstellen. Grün, dicht und undurchdringlich. Wir fahren langsam bis hinauf zum Cape Tribulation und halten dabei immer wieder für kurze Wanderungen. Riesige Farne, Gräser, Baumriesen, Mangrovenwälder und grün, grün, grün. Die Strände machen auch einiges her, allerdings wird das Baden durch giftige Quallen und Krokodilgefahr verhindert. Hier oben sollte man sich für jeden Fluss zuerst das okay von Einheimischen holen, sonst könnte dieses Erfrischungsbad das letzte gewesen sein. Wir sehen keine gefährlichen Tiere, nur ein paar riesige Salamander und 20cm große Spinnen. Am Samstag auf dem Rückweg einige Abstecher ins dichte Grün und der Besuch einer Obstfarm mit allen möglichen Früchten, wobei die Jackfrucht mit ihrer Größe alles andere schlägt. Dort gibt es auch leckeres Eis aus Eigenproduktion. Am Abend sind wir zurück in Port Douglas und geben das Auto ab.

Strand am Cape Tribulation

         Kunst am Strand

       mitten im Regenwald

         in den Tablelands

Das Abenteuer Australien gewinnt an Qualität und Geschwindigkeit. Die bisherigen 3.000 km als Anhalter waren, so komisch es klingen mag, nur ein Aufwärmprogramm. Ich kam die letzten Wochen praktisch nicht von den ausgetretenen Pfaden weg, auch wenn ich als Tramper ein Exot bin. Montag wird eine neue Reise beginnen, vorbereitet ist alles. Sonntag bringe ich schnell die Kilometer bis Cairns als Anhalter hinter mich und checke im tollen Tropic Oasis ein. Das Tropic Days geht auch: selber Besitzer, selber Standard. Einige Dinge klären und Montag früh am Stadtrand von Cairns bei “Britz” auftauchen. Hier wartet ein Toyota Landcruiser, Allrad, 4,5 Liter V8 Turbodiesel und als Campervan umgebaut. Es ist ein Relocation Car, sprich Britz braucht es in Alice Springs. Ich bekomme es für ein paar Dollar am Tag und sogar einen Dieselzuschuss, muss es aber in fünf Tagen in Alice Springs abgeben. Ein Glück das dieses Auto genau jetzt da hin muss. Ich nehme Christine mit und wir starten das Abenteuer Outback. Von Cairns zuerst nur 100 km weiter in die Tablelands, 1.000 m hoch gelegen mit viel Grün und einigen Wasserfällen. Einige der Feigenbäume beeindrucken besonders. Mit ihren langen Luftwurzeln machen die großen Exemplare mächtig was her. Dienstag besuchen wir zuerst die Strasse der Wasserfälle. Hinterher ab Ravenshoe rauf auf den Kennedy Highway, ein Teil des Savannah Ways nach Westen. Der Verkehr tropft aus und wir sehen noch ungefähr fünf Autos pro Stunde. Die Landschaft zeigt sich überraschend abwechslungsreich, mit verschiedenem Bewuchs, dazu Landstriche mit tausenden von Termitenhügeln und einfach nur weitem - weitem Blick. Ich hätte nie gedacht auf dieser Strecke so viele Fotos schießen zu wollen.

  Cathedral Fig, 44m Umfang, und ich inmitten des Baumes  

     Termitenhügel, verschiedene Bauformen und Farben

Der Tag im Auto vergeht wie im Flug. Wir sehen am Straßenrand unter anderem ein paar kleine Buschfeuer, wobei erstaunt wie schnell sie sich vorwärts kommen und wie stark die Hitzestrahlung ist. Später ein kleiner Sandsturm und gegen Abend fahren wir am Rand eines Gewitters entlang, tolle Farben und eine Lichter Show. Wir übernachten in Normanton, fast im Niemandsland und fern ab der Zivilisation. Nach dem Regen fühlt es sich hier an wie in der Sauna, ein Vorgeschmack auf die Zeit im Norden. Mittwoch fahren wir früh los, halten aber noch bei Normanton’s Bekanntestem, der Nachbildung des nachgewiesen größten geschossenen Krokodils, das ist 8,63m lang! Dann auf dem Mathilda Highway ab nach Süden. Der Verkehr noch dünner als gestern, aber es sind “Roadtrains” dabei, Lastwagengespanne mit teils über 50m Länge. Den Dingern geht man besser aus dem Weg, denn die haben auch 100km/h drauf. In Cloncurry biegen wir auf den Barkly Highway nach Westen und treffen nun ein paar Autos mehr. In Mount Isa eine Mittagspause und tanken, was bei dem 180 Liter Tank nur selten nötig ist. Wir kommen bis Cammoweal, kurz vor der Grenze zum Northern Territory inmitten vom Nichts. Da ein netter Campingplatz mit einem kühlen Pool

wo ist die Strasse??? 

     folge dem Regenbogen

   Roadtrain, 22 Achsen

mit dem Landcruiser im Outback

6.Woche vom 6. bis 12.Dezember 2012
Am Donnerstag erneut 6 Uhr aufstehen. Da ist die Temperatur noch angenehm, um die 25°C. Die Sonne schafft es schnell auf 40°C im Schatten und selbst der Wind bringt dann kaum Abkühlung. Wir “fressen” weiter Kilometer. Die Gegend dabei  immer spärlicher bewachsen, aber immer noch grüner als erwartet. Steppe, Wüste und Buschland wechseln sich ab. Kurz vor Tennant Creek der Schwenk nach Süden auf den Stuart Highway. Die Farbe rot gewinnt langsam die Überhand beim Blick ringsum. Spät am Nachmittag treffen wir an den Devils Marbels ein, durch Erosion rund geformte Granitfelsen. Toll, vor allem bei dem Licht. In Wauchope bleiben wir, Einwohnerzahl: 5. Am Freitag fahren wir die letzten 400km bis Alice Springs. Erstaunlicherweise hat mir die Fahrerei kaum etwas ausgemacht, trotz der 2.400km in den letzten Tagen. Das Auto wieder volltanken, was bei dem Tank über 200 Dollar sind! Dann eine problemlose Rückgabe des Toyota bei Britz und ich bin um ein grandioses Abenteuer reicher.

Strasse nach Nimmerland

           das Outback

         Devils Marbels, ein heiliger Ort für die Aborigines

Das Hostel in Alice Springs ist schön und ich lege einen wohl verdienten Tag Pause ein. Mal wieder Vorräte auffüllen und die Homepage aktualisieren, wobei es schwer ist aus der Vielzahl von Fotos die richtigen heraus zu picken. Sonntag schnüre ich mein “Ränzlein” und stehe bei den Temperaturen schon früh an der Strasse. Das lohnt sich, denn recht schnell hält ein Auto und ich bin bereits 9 Uhr 200 km weiter in Erldunda, von wo aus es nach einer längeren Pause in eine 250 km lange Sackgasse geht. Das Ziel ist der Ayers Rock, in aboriginal: Uluru. Ich hatte mich gegen eine Tour entschieden und möchte es auf eigene Faust schaffen. Nur zur Info: Alice Springs ist die einzige richtige Stadt im Zentrum, 1.500 km von den bewohnten Küsten entfernt. Ayers Rock liegt trotzdem noch 500 km weiter im Niemandsland. Wie erhofft komme ich Sonntag Abend in Yulara an, den Fels in 20 km Sichtweite. Der Himmel ist inzwischen Wolken verhangen, viel kühler wird es damit nicht. Montag muss ich früh raus und werde schon um 5 Uhr von vier netten deutschen Mädels zum Sonnenaufgang am Uluru mitgenommen. Herrlich.

der Weg ins Nichts      

     Ayers Rock am Tag...

         ...ganz nah...  

 ...und im letzten Sonnenlicht

Danach gleich weiter, denn die Gegend hat mehr zu bieten als nur den Ayers Rock. 50 km entfernt liegen die Olgas, Kata Tjuta. Das sind ebenfalls große rote Sandsteinfelsen, 400 m höher als die Landschaft, mit dem Vorteil das man in kleinen Schluchten durch sie hindurch laufen kann. Für atemberaubende Fotos fehlt die Sonne, auf der anderen Seite kann ich nur unter diesen Bedingungen drei Stunden herum laufen, sonst hätte mich die Hitze bei lebendigem Leib gegrillt. Nachmittag bin ich zurück in Yulara und breche nach einer Pause 16 Uhr erneut zum Uluru auf. Die Sonne hat die Wolken verschwinden lassen. Ich umrunde den heiligen Felsen auf dem 10 km langen Basewalk. Genial, herrlich, wundervoll. Um diese Zeit ist kaum jemand hier und das Licht passt. Gekrönt wird das Ganze von einem schönen Sonnenuntergang bei dem der Uluru noch einmal eindrucksvoll erstrahlt

Die Olgas, oder auch Kata Tjuta, eine ganz andere Welt inmitten des roten Zentrums      

   freundlicher Einheimischer

Dienstag hält mit viel Glück gleich eines der ersten Autos. Kai, aus Deutschland, will ebenso zum Kings Canyon, 320 km vom Ayers Rock entfernt. Weil es passt reisen wir zwei Tage gemeinsam. Mittag sind wir am Kings Canyon, müssen uns aber erst einmal vor der Sonne verstecken, es sind wieder 40°C im Schatten. Am späten Nachmittag fahren wir zur besagten Schlucht. Es strengt bei dem heißen Wetter wahnsinnig an, doch die Eindrücke machen das wett. Rötlicher Fels, 200 m hohe senkrechte Wände, verwitterte Kuppen und versteckte kleine Schluchten wie der “Garten Eden” mit seiner Quelle. Drei Stunden wandern wir umher. Mittwoch fahren wir auf Nebenstrecken in Richtung Alice Springs. Schotterpisten, wechselnde Landschaft und fast keine Autos. Kai bleibt im Glen Helen Ressort, ich schaffe mit etwas Verzögerung die letzten Kilometer bis Alice Springs. Die 1.300 km lange Tour durch das Rote Herz des Landes war äußerst beeindruckend und trotz extremer Temperaturen machbar.

der Kings Canyon mit steilen Wänden, Abgründen und einer sehr kämpferischen Vegetation

Krawallmacher in der Dämmerung - Zikade

7.Woche vom 13. bis 19. Dezember 2012
Am Donnerstag stehe ich geschlagene acht Stunden in der Hitze an der Strasse, wo keins der wenigen Autos hält. Frustrierend Dann ist das gute Hostel ausgebucht und ich muss in einer wenig überzeugenden Alternative schlafen. Tags darauf das selbe Spiel, nur breche ich bei der Hitze schon nach vier Stunden ab. Eine neue Erfahrung, nach über 9.000 km trampen durch diese Welt bleibe ich zum ersten Mal wirklich hängen, sogar gleich für zwei Tage. Das liegt nicht nur am wenigen Verkehr Richtung Norden, sondern auch am Beginn der Regenzeit dort. Laut Einheimischen will jetzt niemand nach Darwin und einiges wäre schon geschlossen, sogar Nationalparks. Eine neue Idee ist bald geboren und ich verbringe den Rest vom Freitag und ganz Samstag damit, diese in die Tat umzusetzen. Sonntag holt mich Samantha ab, die ich im Internet auf Gumtree gefunden habe. Sie fährt zu ihrer Familie nach Melbourne und sucht Mitfahrer, also gemeinsam nach Süden. Nachmittag Ankunft in Coober Pedy, mitten in der Wüste. Da ist es häufig so heiß das sich die Leute in alten Opalschächten unter der Erde ganze Wohnungen eingerichtet haben, mit dauerhaft 23°C statt der mehr als 40°C draußen. Eine unwirkliche und unwirtliche Landschaft in der “Mad Max” und “Pitch Black” gedreht wurde. Davon steht sogar noch das Raumschiff als Requisit herum. Wir haben Glück und erwischen einen “kühlen” Tag mit 32°C. Abends ein toller Sonnenuntergang und Montag gleich ein beeindruckender Sonnenaufgang. Ins Auto und weiter. In Port Augusta steige ich aus, kaufe ein und werde wieder zum Tramper. Das klappt und ich komme bis Wyalla.

unterirdisch in Coober Pedy 

 Raumschiff aus “Pitch Black”

           Sonnenuntergänge in Coober Pedy und Whyalla

Am Dienstag geht es an der Küste der Eyre Halbinsel entlang. Trampen klappt nun wieder und die Kilometer summieren sich. Ausländische Touristen werden selten und ich komme durch Port Lincoln bis hinunter nach Coffin Bay. Ein netter kleiner Ort in dem es vor allem ums Fischen geht. Die Häuser stehen verstreut im Busch und ein sehenswerter Nationalpark liegt um die Ecke. Dem statte ich am Nachmittag einen Besuch ab und spaziere zwischen Dünen und Strand umher. Mittwoch gemütlich weiter an der Küste entlang. Elliston, Port Kenny und schließlich Streaky Bay. Alles nett, alles schön. Unterwegs ein kleiner Abstecher zu Murphys Haystacks, wo auf einem kleinen Hügel phantasievoll erodierte Felsen herumliegen, die größten halb so groß wie ein Haus. In Streaky Bay liegt der Campingplatz genau am Strand und nach einer erholsamen Nacht habe ich einen tollen Blick auf die morgendlich ruhige See. Das Wetter und die Temperaturen sind inzwischen ein ganzes Stück erträglicher. Nachdem ich die letzten Wochen am Tage bei über 35°C kämpfen musste und es nachts selten unter 25°C ging, sind jetzt die Tage immer noch sehr warm, doch die Brise vom Meer macht es erträglich und morgens sind manchmal nur 18°C.

Nachbarn auf dem Zeltplatz

     Pelikane in Coffin Bay  

       Murphys Haystacks

morgendlicher Blick aus dem Zelt

8.Woche vom 20. bis 26.Dezember 2012
Am Donnerstag kommen Zweifel auf das alles nur Zufall ist. Der Verkehr am frühen Morgen in Streaky Bay sehr dürftig, doch ein Auto, drin ein Paar in den 70gern, hält. Ihre Richtung: Adelaide. Weil ich aber nach Westen will lehne ich dankend ab. Fünf Minuten später sind sie wieder da und überzeugen mich mit nach Poochera zu kommen. So rücke ich meinem Ziel nicht näher, doch der Highway 1 sollte mehr befahren sein. Das stimmt nur bedingt, denn auch hier fährt selten was vorbei. Gut, eines hält. Harold, 45, sympathisch. Bei der Unterhaltung mit ihm kommt heraus das er fast bis Perth fährt und mich mitnehmen würde. Das ist unglaublich und kaum zu fassen. Ich habe mit mindestens zwei Tagen Wartezeit gerechnet bis mich ein Auto durch die Nullarbor Plains bringt, und dann hält eines ganz unspektakulär :-) Wir unterhalten uns viel während die Landschaft eintöniger wird. Nullarbor Plains kommt aus dem lateinischen und bedeutet: kein Baum. Über hunderte von Kilometern nur flaches Land mit Buschwerk, das längste gerade Stück ohne Kurve ist nachweislich 145 km lang! Keine Flüsse, Seen, Bäche oder Städte. Nur ab und an ein Roadhouse mit Restaurant, Tankstelle und Übernachtungsmöglichkeit. An der Grenze zu West Australien alles Obst und Gemüse abgeben oder aufessen, so die Bestimmungen. Außerdem die Uhr 2,5 Stunden zurück drehen, andere Zeitzone. Harold zieht durch und abgesehen von drei Stunden Schlaf auf einem Parkplatz im Niemandsland wird nur gefahren. 24 Stunden nachdem ich bei Harold eingestiegen bin, setzt er mich in Hyden ab. Er nimmt nun Platz eins auf der Tramperliste ein: 1635 km, das ist Luftlinie Berlin - Moskau. Hyden ist die Wahl weil ein Fels hier den treffenden Namen “Waverock” (Wellenfelsen) trägt. Schön anzusehen. Auch das drum herum mit Salzseen und manch anderem passt. Leider sind wir im Inland wieder bei 40°C und die Fliegen nerven einen bis zur Weisglut. Auch geduscht umschwärmen sie dich und versuchen gern mal in Ohr oder Mund zu kriechen. Samstag schaffe ich als Anhalter gute 300 km und sitze sogar in einem Roadtrain. Schwierig die Rucksäcke ins hohe Fahrerhaus zu bugsieren. Mittag die Ankunft in Esperance, wo ich nach einer Woche zelten mal wieder in einem Bett schlafe.

Beginn der Nullarbor Plains 

King Brown Snake, sehr giftig

  Waverock, passender Name

           in Esperance

Sonntag ein Mountainbike ausleihen und zusammen mit einem Franzosen den Great Ocean Drive befahren. Auf den 50 km geht es ständig auf und ab, doch wir haben Zeit und die Küste lädt zu vielen Pausen ein. Schnell sind die Strände und Buchten der Ostküste Australiens vergessen, das hier ist um Klassen besser. Geniales Licht, das Wasser blauer, die Strände strahlender. Ich bin definitiv am richtigen Platz. Montag erneut an der Strasse. Ich bin spät dran, doch es klappt Stück für Stück ins 250 km entfernte Bremer Bay. Schön an einer Bucht gelegen, mit Dünen und breitem Strand. Problem: Weihnachten sind die Australier nicht zu Hause, sie zelten! Deswegen haben die Campingplätze keinen freien Platz oder sie verlangen 40 AUD, was über meinem Budget liegt. Bruce ist als einziger von meine Trampergeschichte beeindruckt und macht mir einen Sonderpreis von 20 AUD für eine Nacht. Am nächsten Tag sollte eigentlich niemand auf der Strasse unterwegs sein, doch ich fordere das Schicksal heraus - und gewinne. Ein abgefahrenes Paar im Wohnmobil klappert mit mir die Strände an der Strecke ab und bringt mich schließlich nach Albany. Dort finde ich für die Nacht keine bezahlbare Unterkunft und zelte schwarz hinter einem kleinen Museum, auch mal was Neues. Die nächsten zwei Tage bleibe ich in Albany, ziehe ins Hostel und lege einen Tag Weihnachtsruhe ein. Der Ort zählt zu den schönsten in West Australien. Gegründet im 19. Jahrhundert stehen sogar noch einige Gebäude aus der Zeit.

     Great Ocean Drive und Twilight Beach bei Esperance  

         bei Bremer Bay  

     Küstenblick in Albany

9.Woche vom 27. Dezember 2012 bis 2. Januar 2013
Am Donnerstag steige ich in Albany auf ein Rad. Die Ziele liegen außerhalb und ich habe mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen. Das wohl lieber am Morgen als am Abend. An der Küste eine Naturbrücke aus Granit, fotogen vom Wasser umspült. Gleich ums Eck eine Gap (Lücke) im Fels, 100 m hoch. Der Ozean klatscht wütend dagegen und verursacht 20 m hohe Fontänen. Super. Später noch Blowholes, ein steiniger Berg mit Ausblicken über die Halbinsel und zum Abschluss ein Besuch der Frenchman Bay mit dem Goode Strand. Der Sand so weiß und fein wie Schnee, mit dem selben knirschenden Geräusch wenn man darauf läuft.

 bei Albany: Natural Bridge

 The Gap mit Brandung

             Cable Beach  

     die Natur als Künstler

Freitag ein Abstecher ins Landesinnere. 50 km bis Mt. Barker und weitere 20 km zum Porongurup Nationalpark, wo sich in der Ebene unvermittelt ein Bergrücken aus Granit erhebt. Der Castle Rock ist sehenswert, vor allem weil Ingenieure einen Skywalk an sein oberes Ende gebaut haben. Der schwebt frei über dem Abgrund, da muss so mancher schlucken. Über Mittag eine lange Pause auf dem Zeltplatz am Pool, es sind wieder 40°C und kein Lüftchen weht. Spät am Tag in den Nationalpark laufen. Mehr Felsen, mehr Wald. Am Samstag zurück zur Küste, genauer nach Denmark. Witzig: Mit Ryan, der mich in Mt. Barker aufsammelt, habe ich mich gestern am Castle Rock unterhalten. Heute hielt er nur weil er mich wieder erkannt hat. Denmark ist dann eine Kleinstadt, überschaubar und nett. Das Hostel klein, keine dreißig Betten. Ideal für Sylvester, so hoffe ich. Ein gemächlicher Rundgang am Abend, den Fluss hinunter und am Wilson Inlet entlang. Sonntag zeitig aufstehen und Wanderschuhe anziehen. Südlich von Denmark laufe ich einen Teil vom Bibbulmun Trek. Das 25 km lange Stück führt durch dichten australischen Wald und Busch. Langsam weicht die Phobie vor Schlangen und anderem Getier, zu selten waren sie bisher zu sehen. Der Pfad führt auf kleine Berge mit Kuppen aus Granit und dann hinunter zum Ozean. Von der Steilküste aus liegen tief unter mir Strände und Buchten, deren Farben in allen Schattierungen leuchten. Das glorreiche Finale an den Elephant Rocks und dem Greens Pool mit einem erfrischenden Bad. Das bringt bei den erneut sehr hohen Temperaturen dem Körper eine wohlverdiente Abkühlung.

Castle Rock, Porongurup NP

  Abendspaziergang Denmark

   in der Nähe von Denmark: Light Beach und Elephant Rocks

Montag, Sylvester. Nach dem Tag gestern lieber eine Pause. Es sind 40°C und kein Lüftchen weht. Laut Einheimischen ist es für die Jahreszeit zu heiß und selbst sie leiden unter den Bedingungen. Abends fahren einige vom Hostel ins 50 km entfernte Albany, doch dazu habe ich keine Lust. Mit den verbliebenen Leuten feiern wir den Jahreswechsel im Hostel und dann mit den Einheimischen im hiesigen Hotel. Neujahr bin ich früher fit als gedacht und stehe 10 Uhr mit Gepäck an der Strasse. Bis nach Walpole geht es fix und ich richte mich im dortigen Hostel ein. Nach dem Mittag ein Ausflug in den nahen Wald, der für seine riesigen Karri und Red Tingle Bäume, beides Eukalyptus Arten, bekannt ist. Einer der größten, der Giant Tingle Tree, ist 75 m hoch, beeindruckt. Danach per Anhalter weiter zum Tree Top Walk. Ingenieure haben eine leichte Konstruktion gebaut, die nur einen minimalen Eingriff in die Natur darstellt, einen jedoch in luftige Höhen zwischen die Baumwipfel aufsteigen lässt. Von oben schaut man auf 20 m hohe Bäume und läuft teilweise direkt durch Baumkronen hindurch, denn man steht bis zu 40 m über dem Erdboden. Mittwoch nach Pemberton, anderthalb Autostunden entfernt. Es bleibt genug vom Tag um die Gegend zu erkunden.   Am aufregendsten ist der Gloucester Tree, ein Feuerwachbaum. Der riesige Karri Baum wurde schon vor Jahrzehnten mit einer nicht TÜV gerechten Leiter versehen (Foto) und in 60 m Höhe eine Plattform gebaut. Von da konnte man die umliegenden Wälder beobachten und Brände frühzeitig entdecken. Beim Aufstieg bringt nicht nur die Anstrengung das Herz zum Klopfen. Jeder Blick nach unten garantiert einen kleinen Adrenalinschub. In Deutschland wäre so etwas unvorstellbar, hier zählt das als Abenteuer. Danach laufe ich auf dem Gloucester Trail eine 10 km Runde, schön durch den Wald mit seinen Baumriesen. Sehr  wichtig: der Blick auf den Boden, denn ich sehe insgesamt drei Black Tiger Snakes. Die letzte macht sich nur 2 m entfernt aus dem Staub. Das versetzt mir dann doch einen gehörigen Schreck, denn sie zählt immerhin weltweit zu den giftigsten Top Ten.

Riesige Eukalyptusbäume und der Gang durch die Baumwipfel im     Tree Top Walk in Walpole        

   Gloucester Tree: die Leiter ihres     Vertrauens - und der Blick in                     die Tiefe

10.Woche vom 3. bis 9. Januar 2013
Am Donnerstag heißt das Ziel Augusta in der südwestlichsten Ecke von Australien. Gleich um die Ecke liegt Cape Leeuwin, wo sich Indischer und Pazifischer Ozean treffen. Am windgepeitschten Kap kann man lange der Brandung zuschauen. Am Freitag brauche ich einige Autos und Zeit um bis Dunsborough zu kommen. Dabei liegen zahlreiche Höhlen am Weg, von denen ich mir die Lake Cave für einen unterirdischen Ausflug heraus picke. Sehr schön, auch weil sich die Szenerie in einem unterirdischen See spiegelt. Ein Paar überredet mich dann zum Besuch der Cowaramup Bay, wo erfahrene Surfer die riesigen Brecher reiten. Mir reicht der Ausblick auf die wilde Brandung, das ist eindrucksvoll genug. In Dunsborough eine Pause für Geist und Körper, was wunderbar an dem sehr schönen Strand gelingt. Ausgeruht trampe ich am Montag nach Norden, wo die Besiedelung dann dichter wird. Für drei Nächte ein Halt in Fremantle, kurz vor Perth. Im sehenswerten Ort stehen noch einige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Das ist selten in Australien und Albany verliert den Spitzenrang als bisher schönste Kleinstadt an Fremantle. Ich bleibe länger als geplant, spanne aus und bummle herum. Im ehemaligen Gefängnis, jetzt ein Museum, stellt eine Galerie bemerkenswerte Werke der Häftlinge aus. Daneben macht es einfach Spaß durch die Strassen und am Hafen zu spazieren.   

Kap Leeuwin               

   unterirdisch: Lake Cave

  Brandung in Cowaramup Bay

             Fremantle

11.Woche vom 10. bis 16. Januar 2013
Donnerstag fahre ich mit dem Nahverkehrszug nach Perth. Das ausgesuchte Hostel “Banjos” ist neu, kaum belegt, liegt in einer ruhigen Gegend und vom Zentrum nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt. In den letzten Jahren hat sich Perth explosionsartig entwickelt, dem Geld aus den Minen sei Dank. Die 1.400.000 Einwohnern spürt man kaum, abseits vom Zentrum läuft das Leben in gemächlichen Bahnen. Die Innenstadt ist überschaubar, drei kostenlose Buslinien drehen ihre Runden und der sehenswerte  botanische Garten liegt . Vor allem abends sieht man dort hunderte von Fitnessbegeisterten. Die hiesige Galerie der Modernen Kunst gewinnt mir nur ein müdes Lächeln ab - was sich so alles Kunst nennt. Freitag Abend: Party Zeit. Trotz langer Schlangen vor den Clubs kommt man recht schnell hinein und ich erlebe ein Nachtleben das seinen Namen wirklich verdient.

           Blick über Perth       

 Gefängniskunst in Freemantle

   Perth: Botanischer Garten

Brautzilla, (m)ein Alptraum ;-)

Samstag mit dem Vorortzug raus aus Perth und per Anhalter nach Cervantes. Das klappt und ich treffe interessante Leute. Am Ziel findet sich ein guter Zeltplatz. Es ist etwas windig, aber die schöne Campingküche bietet einen Rückzugsort. Nachmittags spaziere ich durch die Gegend und will gegen Abend mit anderen Deutschen vom Zeltplatz zu den Pinnacles. Die entscheiden sich leider um und so stehe ich ohne Transportmittel mit nur wenig Zeit da. Schnell zum Highway laufen, das sind fast 5 km. Der wenige Verkehr lässt mich fast verzweifeln, da macht ein Campervan eine Vollbremsung für mich. Zwei Frauen, deutsch und schottisch, nehmen mich mit und fahren sogar in den Park hinein, auch wenn sie ihn schon gesehen haben. Mein Charme wirkt also noch. Der Nambung Nationalpark zeigt eine bizarre Landschaft in der verwitterte Steine spitz aus dem Wüstenboden ragen. Nach dem wolkigen Nachmittag zaubert uns die Sonne einen herrlichen Untergang und lässt den Park in seiner ganzen Schönheit erstrahlen. Zurück nach Cervantes helfen Schweizer. Tags darauf erneut als Anhalter. Teils recht schräge Leute nehmen mich Stück für Stück bis Geraldton mit. Dort erlebe ich einige heftige Gewitter, gut das es ein Hostel gibt. Das Wetter wird weiter nördlich wohl noch schlimmer, ein Zyklon zieht heran. Montag mit einigen Pausen in der Hitze bis Kalbarri trampen.

             Pinnacle Dessert im letzten Sonnenschein          

     in Kalbarri: sehenswerte Gegend an einer schönen Bucht

Dienstag. 35 km hinter Kalbarri liegt der gleichnamige Nationalpark mit Schluchten, roten Felsen und dem beworbenen Natural Window. Erst gegen Mittag gelingt mir das Trampen dahin, also entfällt die Wanderung durch das Flusstal. Da herrschen schon über 40°C auf dem Grund der Schlucht, kein Lüftchen weht und die Fliegen sind einfach nur penetrant. Nach einem Besuch der Z-Bend fahre ich mit Letetia und Sergio, die mich den ganze Zeit mitnehmen, zurück nach Kalbarri und laufe am Nachmittag zu den nahen Klippen am Meer. Die sind mindestens so toll anzusehen wie der Nationalpark und mit der frischen Brise vom Ozean ist die Wanderung erträglich. Toll erodierte Felsen, viele Formen, Farben und Schichten. Mittwoch geht es weiter. Es scheint als braucht es nun jeden Tag etwas mehr Glück um vorwärts zu kommen, denn Autos werden immer seltener. Trotzdem gelingt es mir bis nach Sharks Bay, sprich Denham, zu kommen, eine 130 km lange Sackgasse auf der dünn besiedelten Halbinsel.

im Kalbarri Nationalpark          

         Natural Window          

   Schlucht an der Z-Bend

  an den Klippen vor Kalbarri

12.Woche vom 17. bis 23. Januar 2013
Donnerstag. Hauptattraktion in Sharks Bay ist das von Denham 25 km entfernte Monkey Mia, wo (fast) jeden Morgen Delfine auftauchen. Die werden seit 30 Jahren so gefüttert das sie wild bleiben, sprich sie bekommen nur einen Bruchteil vom täglich gebrauchten Fisch. Toll wie die Tiere bis auf wenige Meter an den Strand kommen, herumspielen und sich in Maßen und unter Aufsicht der Ranger von Touristen füttern lassen. Anfassen verboten, eine gute Regel. Leider ein stürmischer und grauer Tag, ein Zyklon draußen auf dem Meer ist schuld. So fehlt den Fotos die Strahlkraft. Immerhin zeigen sich die Delfine, das war die letzten Tage wegen dem Wetter nicht immer so. Freitag ist das schöne Wetter zurück und ich trampe weiter. Bei den wenigen Autos bin ich glücklich über jedes Mitfahrangebot. Heute nimmt mich eine Deutsche mit. Unterwegs halten wir am Hamelin Pool, wo Stromatolithen leben. Diese Lebensform existiert seit 3.500.000.000 Jahren (!) und war eine der Ersten auf der Erde die Sauerstoff produziert hat. Im Hamelin Pool sind ihre “Gebäude” bis zu 1,5m hoch und damit circa 3.000 Jahre alt. Für den einen sehen sie aus wie Steine, für die anderen sind sie das älteste Leben auf der Erde. Mit dem nächsten Auto schaffe ich 200 km bis Carnarvon. Dort “klemmt die Säge” und ich bleibe in Carnarvon. Samstag stehe ich früh an der Strasse und komme nach Coral Bay, 80 Einwohner und vielleicht 100 Touristen. Die nächste Stadt 200 km weit weg und das einzige vor der Tür ist der Ozean. Das reicht, denn die flache Bucht ist ein Traum. Wassertemperatur: 28°C, wenig erfrischend. Vorteil: Schnorchelsachen schnappen und nur 100m vor der Küste das Ningaloo Reef anschauen. Ich glaube nirgends auf der Welt ist es so einfach ein Riff zu besuchen, noch dazu es nur mit so wenigen Leuten zu teilen. Die Korallen sind weniger farbenfroh und vielfältig wie am Great Barrier Reef, dafür zeigen sich mehr Fische. Keine Ahnung wie viele Arten ich sehe, es mögen um die 40 gewesen sein. Highlight: ein Blaupunktrochen. Den Rest der Zeit am Strand im Wasser liegen, das Beste bei den Temperaturen. Montag weiter die dünn besiedelte Halbinsel hinauf bis Exmouth. Ein DEC Ranger (Nationalpark Mitarbeiter) nimmt mich mit. Unterwegs finden wir auf der Strasse einen, leider toten, Thorny Devil. Wenigstens habe ich die seltsame Kreatur mal live gesehen. Von Exmouth will ich 60 km weiter in den Nationalpark, doch kein Auto ist zu sehen. Ich stehe am Nachmittag vier Stunden in der Hitze. Dabei kommt eine junge Frau aus einem nahen Haus und bringt mir einen Beutel mit gekühlten Früchten - so ist Australien :-)

Delfin in Monkey Mia            

           Hamelin Pool

           Stromatolithen

       Emu in Exmouth

Dienstag der nächste Versuch in den Nationalpark zu kommen, aber wieder will kein Auto dahin. Der Zyklon hat wohl die letzten Touristen vertrieben. Ich breche ab und mache einen neuen Plan. Schnell durchs Dorf und sich am anderen Ende positionieren. Unter einem kleinen Baum findet sich etwas Schatten. Der hilft mir die nächsten drei Stunden zu überstehen. Dann geschieht das kleine Wunder, ein Mediziner nimmt mich 200 km zum Nanutarra Roadhouse mit. Dort geht die Glückssträhne weiter und ein Truckfahrer der erst ablehnt, Gefahrenguttransport, es sich dann aber anders überlegt. So schaffe ich heute noch die 350 km bis Tom Price. Zu der Minenstadt fahren außerhalb der Saison (Juni bis Oktober) nur wenige und ich bin heil froh gegen 22 Uhr dort einzutreffen. Leise auf den praktisch leeren Zeltplatz schleichen, die Rezeption ist seit Stunden nicht mehr besetzt. Damit komme ich aber auch nicht in den mit Schloss gesicherten Sanitärblock. Egal. Ohne Dusche und ohne Essen in den Schlafsack.

Kreaturen in West Australien: ein Thorny Devil, die perfekte Tarnung und gefährliches Aussehen

       leichte Überbreite

Mittwoch früh um 5 Uhr Zelt abbauen und mit erneut viel Glück in den 90 km entfernten Karijini Nationalpark trampen. Ich trage derzeit ungefähr 8 Liter Wasser mit mir herum, das ist bei den seltenen Trinkwasserstellen notwendig. Der Nationalpark besticht mit herrlicher Landschaft. Rote Erde und Felsen, Schluchten, Pools, Wasserfälle (dort kann man Wasser auffüllen, das knirscht dann manchmal zwischen den Zähnen), leuchtend grünes Federgras, Termitenhügel und weiße Gummibäume. Ein Traum den ich mit zehn Leuten teile. Das allerdings macht mir Sorgen, denn beim Transport bin ich auf andere angewiesen. Doch erst einmal wandere ich durch die nahe Schlucht, bade und genieße den 28°C “kühlen” Tag. Normal wären 40°C. Am nächsten Tag will ich eigentlich mit acht jungen Leuten zum Westteil des Parks, 35 km auf Schotterstrasse weiter. Doch nachts beginnt es heftig zu regnen, ein weiterer Zyklon nähert sich. Und so steht am nächsten Morgen der Zeltplatz bereits 5 cm unter Wasser. Sch...

             im Karijini Nationalpark, der Fortescue Fall        

       Fern’s Pool, ein wirklich paradiesisches Plätzchen

13.Woche vom 24. bis 30. Januar 2013
Donnerstag kommt ein Ranger vorbei und sagt der Park wird wegen Überflutung geschlossen. Also im strömenden Regen Zelt abbauen und packen, alles feucht und voll rotem Schlamm. Problem: die 8er Gruppe kann mich nicht mitnehmen und so bleibt das letzte Auto, in das ich mich hineinquetschen darf. Australier sind so freundlich! Der Plan also fehlgeschlagen, ich wäre so gern geblieben. Aber ich werde eines Tages in den Norden von Australien zurückkehren, und das wird dann im “Winter” sein, mit niedrigeren Temperaturen und kaum Regen. Erschöpft und traurig über den aktuellen Stand sitze ich nass und dreckig im Auto nach Newmann. Im Capricorn Roadhouse stehen viele Roadtrain und Hoffnung keimt auf. Schon die dritte Anfrage klappt und ich kann bei John O’ einsteigen. Mein Rucksack hat keinen Platz im Fahrerhaus und wird als einziges Transportstück auf der sonst leeren Ladefläche fest gezurrt. Nach 350 km halten wir inmitten der Wüste. Ich schlage das Zelt neben dem LKW auf. Garstige Winde und steiniger Untergrund lassen mich kaum schlafen. Egal, wir fahren Freitag schon 5 Uhr weiter. Weitere zehn Stunden Fahrt bis Perth. Es ist ein Gefühl des Sieges anzukommen, nach vier Tagen ohne Gelegenheit einer Dusche und mit jeweils nur drei Stunden Schlaf und einer Mahlzeit am Tag. Ich brauchte 10 Tage die Küste hinauf und nur anderthalb Tage wieder zurück - macht 3.000 weitere Reisekilometer. In Perth schlafe ich im bereits bekannten Hostel, ruhe mich aus, gönne mir gutes Essen und pflege die Ausrüstung. Am 26. Januar mit den Australiern ihren 225. Nationalfeiertag zu feiern. Höhepunkt ist am Samstag ein halbstündiges Feuerwerk auf dem Wasser, das ich mir zusammen mit ungefähr 100.000 anderen anschaue.

die etwas größere Flagge      

     Feuerwerk über Perth

             Kalgoorlie

       Friedhof Kalgoorlie

Sonntag und Montag Pläne schmieden und einkaufen gehen. Dienstag breche ich in Perth auf. Zuerst mit dem Vorortzug hinaus nach Midland, dort eine halbe Stunde mit Gepäck bis zur großen Kreuzung laufen. Ich warte gerade mal 5 Minuten bis ein Auto hält. Das will dann sogar wie ich ins 575 km entfernte Kalgoorlie, als müsste es so sein. Die Strecke dahin ermüdet, denn die Landschaft wird immer karger. Kalgoorlie, die alte Goldgräberstadt, liegt mitten in der unwirtlichen Weite des Landes. Wasser muss aus 600 km Entfernung hier her gepumpt werden, was die “Golden Pipeline” seit 1903 tut. Gold wird inzwischen vor allem aus dem Super Pit gewonnen, ein gigantisches Loch neben der Stadt. 3,5 km lang, 1,5 km breit und 400 m tief. Da sehen die riesigen Kipper drin aus wie Spielzeug, auch wenn sie leer 160 Tonnen wiegen und 225 Tonnen laden können. Schaut euch das Foto mit der Baggerschaufel an, mit einem Hub bewegt die 38 Tonnen Erdreich! Bis 2021 wird gefördert, dann ist wohl Schluss. Aber es gibt viele Minen ringsum, in denen alles mögliche gefördert wird. Ich glaube die Hälfte von West Australien lebt derzeit vom Bergbau. Am Mittwoch ein Spaziergang durch Kalgoorlie, der Friedhof macht dabei einen ganz besonderen Eindruck. Wer  von all dem Staub und Dreck genug hat, der kann sich ins Grün vom Arboretum zurückziehen, eine Wohltat auch für das Auge.

Kalgoorlie - Arboretum        

   ein kleines Stück Super Pit

           Baggerschaufel

         “mein” Roadtrain

14.Woche vom 31. Januar bis 6. Februar 2013
Donnerstag tief Luft holen. Nur wenige Tramper wagen sich die Nullarbor Plain zu durchqueren, aber weil es im Dezember so gut geklappt hatte, starte ich nun den zweiten Versuch. Bis Mittag gelingt die Strecke bis Norseman, wo der Highway nach Osten beginnt. Fünf Stunden warte ich, halte den Daumen bei den wenigen Autos raus und frage an der Tankstelle acht Roadtrains, mehr kommen in der Zeit nicht durch. 17 Uhr aufatmen, Daniel, ein 28 jähriger Trucker, nimmt mich mit. Wir schaffen heute noch 400 km, wovon ein Streckenteil ganz besonderer wird. Daniel überredet mich das Steuer zu übernehmen. Tempomat bei 100 km/h einstellen und die Plätze WÄHREND VOLLER FAHRT tauschen. Diese Trucker sind irre! Ich fahre dann 100 km den mit 23 Tonnen beladenen, knapp 40 Meter langen Roadtrain durch die Nullarbor Plains. Volle Konzentration und schwitzige Hände um dieses Gefährt in der Spur zu halten. Abenteuer pur. Bevor wir halten erneut die Plätze bei voller Fahrt tauschen. Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz im Niemandsland, wo ich die Kollegen von Daniel kennenlerne. Ron, Dave und Paul fahren auch nach Adelaide. Die vier bilden ein Pack, welches in Radio Distanz, sprich 5 km, fährt und so in der Einöde wenigstens ein bisschen Gesellschaft garantiert. Ich schlage das Zelt neben ihren LKW auf und schlafe unter einem herrlichen Sternenhimmel. Freitag früh raus und auf die Strasse. Alle vier Stunden eine Pause. Nach zwölf Stunden Fahrt wird 80 km westlich von Kimba ein Parkplatz unser nächstes Nachtlager, wo bei ein paar Bier Truckergeschichten die Runde machen. Samstag erneut früh aufbrechen. Drei Stunden später setzt mich Daniel nach 1.660 km in Port Augusta ab. Das war eine tolle Zeit und ein großes Abenteuer. In der Stadt Lebensmittel einkaufen, Infos holen und gleich wieder auf die Strasse. Mit Glück und Geschick schaffe ich es zum Wilpena Ressort, 170 km nordöstlich von Port Augusta in der Flinders Range. Es ist derzeit wenig los und auf dem riesigen Campingplatz tummeln sich nur 15 Autos und mein kleines grünes Zelt. In der trockenen Gegend wird es im Sommer bis zu 50°C heiß. Zur Zeit sind “nur” 33°C. Da ziehe ich die Wanderschuhe an und erkunde die Umgebung. Der Wilpena Pond, ein eingesunkenes Tal das einem riesigen Meteoritenkrater ähnelt, aber keiner ist, liegt neben an. Umrahmt von steilen Bergen hat dieses Tal eine eigene Vegetation und mit 6 km Durchmesser eine ordentliche Größe. Sonntag erklimme ich den 1.171 m hohen St. Mary Peak, mein erster richtiger Berg in Australien und der höchste hier. Tolle Ausblicke auf die Bergkette als Grenze zur Wüste, den Pond und die nahe Umgebung. Dazu eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielfältigem Bewuchs. Ich bleibe sechs Stunden ganz allein, denn außer Känguru, Emu und Lurch begegnet mir niemand. Montag zurück in die Zivilisation nach Port Augusta. Dort hält meine bisher schnellste Mitfahrgelegenheit. Der Mann aus Sri Lanka muss zum Immigrationsbüro nach Adelaide das 16 Uhr schließt. Mit bis zu 150 km/h jagen wir 300 km den Highway entlang. Erlaubt sind 110 km/h, und die Strafe für zu schnelles Fahren ist heftig. Als Buddhist hat er mich als Glücksbringer aufgesammelt. Das klappt, wir sind 15.45 Uhr da.

Blick auf die Flinders Range    

       abwechslungsreiche Gegend um und im Wilpena Pond 

         Einheimischer  ;-)

Adelaide macht von Beginn an einen sehr guten Eindruck. Die Großstadt spürt man kaum und es geht alles ganz relaxt zu. Im Hostel treffe ich Michael und Fabian, die zwei Schweizer hatten mich an der Westküste, sprich 3.000 km entfernt, ein Stück mitgenommen. Zufälle gibt es... Da ist erst mal ein zünftiger Erfahrungsaustausch auf Schwizerdütsch fällig. Dienstag Adelaide erkunden. Das South Australia Winecenter ist ein imposanter Bau mit riesigem Weinkeller, einige der Marken kenne ich ganz gut, sowie einer tollen Ausstellung rund um hiesigen Wein und den Wein als solchen. Ums Eck der Botanische Garten, in dem man stundenlang spazieren könnte. Mittwoch mit dem Stadtbus hinaus nach Mount Barker und per Anhalter nach Südosten. Es braucht einige Autos, die mich freundlich, jedoch nur kurze Strecken weiter bringen. Nachmittag wird es besser und ich schaffe es bis Mount Gambier, auf halber Strecke zwischen Adelaide und Melbourne. Die Zeit reicht noch für den Besuch am Blue Lake vor den Toren der Stadt. Zur Sommerzeit wandelt sich seine Farbe wissenschaftlich ungeklärt zu einem unbeschreiblichen Blau. Mein Foto kann das nur bedingt wiedergeben weil sich die Sonne bereits versteckt. Im Ort selbst liegt ein Höhlengarten, mehr ein eingesunkenes Loch, das gut in Szene gesetzt wird. Nachts gibt es dort eine tolle Musik- und Lichtshow, wobei Videos auf die Höhlenwand und umliegende Gebäude gebeamt werden. Beeindruckend und erstaunlich für solch eine kleine Stadt.

     Adelaide, der Botanische Garten aus vielen Winkeln    

   Mount Gambier, Blue Lake

   wundervolles Melbourne

15.Woche vom 7. bis 13. Februar 2013
Donnerstag: Der Weg aus Mount Gambier heraus ist recht lang und ich muss am Morgen eine Stunde laufen. Dafür komme ich bald weiter und zwei Frauen bringen mich bis Warrnambool. Dort sammelt mich Gerry auf, das Auto die reinste Müllkippe und er ein wenig wunderlich. Selbst ernanntes Multitalent, Comedian, Maler und was weiß ich noch. Manchmal ganz klar, manchmal ziemlich kuukuu. Ich nehme es mit Humor und treffe so am Nachmittag im Hostel in Melbourne ein. Die Stadt gehört neben Sydney zu den verkehrsreichsten Städten in Australien, was man deutlich merkt! Dazu herrscht ein Treiben wie im Bienenhaus, ein heftiger Unterschied zu Großstädten wie Perth oder Adelaide. Freitag die Stadt erkunden, wobei Melbourne schnell punkten kann. Alte Bausubstanz, wunderschöne Arkaden aus der Jahrhundertwende und kleine Gassen mit winzigen Cafes. Als Kontrast Wolkenkratzer, moderne Architektur und ein mutiger Entwurf des Hauptplatzes, benannt Federation Square. Ich bin beeindruckt Am Nachmittag ein Bummel auf die Southbank und weiter zum Albert Park. Dort berührt mein Fuß rennsportlich bedeutenden Boden, den Kurs der Formel 1 um den künstlichen See. Zurück in die Stadt durch den Königlich Botanischen Garten. Der Tag endet mit einem nächtlichen Bummel durch China Town, verschönt mit teils sehr gelungenen Auftritten von Straßenkünstlern.

     Melbourne, Brücke zur Southbank, Federation Square    

   Grafitti in vielen Gassen

   wunderschöne Oststadt

Samstag Melbourne zum Zweiten. Das Besucherzentrum empfiehlt unter anderem zwei Wege durch die Stadt. Der Erste führt  durch interessante Arkaden und Gassen mit teils richtig guten Graffitis. Der zweite Weg führt durch den Treasure Park in ein Wohnviertel im Osten. Dort tropft, nur wenig vom Zentrum entfernt, der Verkehr aus und es herrscht Kleinstadtatmosphäre. Wunderschöne alte Häuser und einiges an Geschichte wird da geboten. Nachmittag das Gepäck holen und zum Flughafen. Ich will ausgetretene Wege verlassen, also kein teurer Expressbus, sondern zuerst die Straßenbahn und dann eigentlich ein paar Kilometer laufen. Dabei bietet mir ein Auto an mich mitzunehmen, auch schön. Am frühen Sonntag Morgen beginnt das nächste Abenteuer mit dem Flug nach Hobart, Tasmanien. Gebucht vor einem Monat kostet er nur die Hälfte im Vergleich zur Fähre. Ich trampe vom sehr kleinen Flughafen problemlos ins 20 km entfernte Hobart und bin 8 Uhr da. Das Programm in Tasmanien startet am selben Tag. Gerade findet das nur alle zwei Jahre durchgeführte Wodden Boat Festival statt. Am und um den Hafen ist viel los, alles rund ums Boot. Piraten-, Wikinger- und James Bond Schiffe reihen sich am Pier. Unterhaltung, Essen, alles da. Montag bietet das Hostel einen kostenlosen Shuttle auf den Mt.Wellington an, der 1.100 m hohe Hausberg. Der Ausblick von oben geht weit, ist aber leicht getrübt weil auf der anderen Seite schon wieder Waldbrände wüten. Der Rauch zieht manchmal bis Hobart hinein. Den Berg runter laufen, mit sehenswertem Abstecher zu den Organ Pipes, senkrechte Pfeilerwände die bergsteigerisches Können verlangen. Zurück in die Stadt und gleich hinaus zum MONA, einem privaten Museum für moderne Kunst. Was für ein Bau! Da durfte sich einer auslassen. Später am Hafen noch letzte Festivaleindrücke sammeln. Den Dienstag brauche ich dann um die Zeit in Tasmanien genauer vorzubereiten, wobei schnell klar wird das drei Wochen für diese Insel knapp bemessen sind.

   erste Eindrücke von Hobart     
und dem Wodden Boat Festival

         ein wenig MONA

 Bergsteiger an den Organ Pipes

Mittwoch aus Hobart aufbrechen. Der Highway nach Süden beginnt mitten in der Stadt und wider Erwarten ist die Wartezeit an der Strasse gering. Unterschied zum Festland: trampen funktioniert, nur sind die angebotenen Strecken recht kurz. Für die  120 km zur Südspitze von Tasmanien braucht es ACHT Autos, wobei ich mich in dem von Hochwürden am sichersten fühle ;-). Im Cockle Creek Nationalpark steht mein Zelt kostenlos zwischen den Büschen, nur eine kleine Düne vom Strand entfernt. Ein Traum, auch weil die Wellen am Abend wie flüssiges Silber leise und träge gegen das Ufer schlagen. Das ist so beruhigend.
16.Woche vom 14. bis 20. Februar 2013
Donnerstag in den Nationalpark. Gleich zu Beginn läuft mir ein tasmanischer Teufel über den Weg, nur für die Kamera zu schnell Der Wanderweg kreuzt dann abwechslungsreiche Vegetation bis ich an der South Coast Bay auf eine herrliche Bucht treffe. Ich folge ein Stück dem South Coast Trek, ein langer, bis zu acht Tagen dauernder, Weg durch den Busch. Leider ist er in einem miesen Zustand, schlammig und teils so überwuchert das kaum zu sehen ist wohin man tritt. Das lässt mich umkehren. Kurz vor  dem Strand verschwindet dann eine fette und giftige Tiger Snake im Gebüsch, was zeigt wie gefährlich solche Pfade sind. Ein Spaziergang in Cockle Creek führt zum winzigen Friedhof, wo nur wenige, aber sehenswerte Grabsteine aus längst vergangenen Tagen stehen. Nebenan das breite Bett eines Gezeitenflusses, wo sich bei Ebbe tausende von kleinen Krabben aus dem Sand buddeln und dabei ungewöhnliche Geräusch machen. Aus der Nähe betrachtet sind es kleine Monster. Abends hoppeln drollige tasmanische Pademelons um mein Zelt herum. Ich treffe unter anderem Vorbereitungen für eine kalte Nacht. Die Temperatur fällt auf 5°C und der Schlafsack geht nur bis 15°C. Ohne Isoliermatte, die habe ich mir gespart, ist da Einfallsreichtum gefragt. 

Tasmanien, ein näherer Blick

 Cockle Creek: mein Schlafzimmer - nebenan das Wohnzimmer

   tasmanisches Pademelon

Freitag folgt der nächste sonnige Tag. Von Cockle Creek nach Kingston, mit Halt im dortigen Supermarkt. Danach dauert das Weiterkommen und ich bin froh als David hält, auch wenn er als Missionar andere Vorstellungen vom Leben hat. Die Kilometer sind schnell Geschichte und von Kettering nehme ich die Fähre nach Bruny Island. Schon auf dem Schiff findet sich der nächste Transport der mich zur Adventure Bay bringt. Der Campingplatz ist nur durch eine wenig befahrene Strasse von einer herrlichen Bucht getrennt. Das Leben auf Bruny Island geht einen gemächlichen Gang und scheinbar ziehen viele nach der Pensionierung  hier her. Samstag die Insel erkunden. Der Vormittag im South Bruny Nationalpark, wo sich ein Echidna durch meine Anwesenheit nicht vom Fressen abhalten läßt. Weiter um ein Kap herum und die sehenswerten Klippen hinauf. Meist direkt am Steilufer lang auf 280 m Höhe, tolle Aussichten inklusive. Am Nachmittag liegen meine Ziele weiter weg, also trampen. Letztlich hält Richard, sein freier Tag und als hochrangiger Mitarbeiter der NASA gerade dabei ein Observatorium in Tasmanien aufzubauen. Ist der wohl wissenschaftlichste Autostopp meines Lebens. Zwei Stunden geht es um Einstein, das Universum und Weltraumteleskope. “Nebenbei” besuchen wir an der Südspitze einen Leuchtturm und cruisen auf Schotterstrassen noch durch das Innere der Insel. 

     Cockle Creek, tausende von Krabben, kleine Monster      

     Echidna, Bruny Island

  ausnahmsweise ungefährlich

Tags darauf weiter. Zurück aufs Festland, nach Hobart und von da in nordwestlicher Richtung zum Mount Field Nationalpark. Einige Höhepunkte gleich am Nachmittag, wie der Russel und Horseshoe Wasserfall, sowie 80 m hohen Eukalyptusbäume. Mit den riesigen Farnen dazwischen kommt man sich winzig vor. In der folgenden Nacht ein Kampf: ein Possum, große Beutelratte, versucht durch die Zeltwand an meine Vorräte zu kommen. Heftig, vor allem weil es sich nicht einfach verscheuchen lässt. Da hilft nur alles doppelt geruchssicher wegzupacken. Montag trampe ich tiefer hinein in den Nationalpark und starte vom Dobson Lake eine Wanderung. Was langweilig beginnt wird nach zwei Stunden deutlich besser, als ich den Newdegate Pass erklimme. Nun Ausblicke auf die Landschaft bis zu den weit entfernten Stauseen, dazu Klettern über felsige Sektionen und Abschnitte mit Hochmoor. Toll bei strahlendem Sonnenschein und 30°C. Nachts der komplette Wetterumschwung. Am Dienstag Morgen ist es bewölkt und regnerisch. Ich lasse mir Zeit und sitze lange unter dem Schutzdach vom Zeltplatz. Patricia und Michael kommen dazu, jünger als ich und vor 20 Jahren aus Polen eingewandert. Wir verstehen uns und stellen fest das wir an die selben Orte wollen. Sie nehmen mich mit und wir reisen die nächsten Tage zusammen. Auf dem Weg kreuzen wir ein Buschfeuergebiet in dem es gestern gebrannt hat. Sehr eindrücklich und seltsam. Es riecht noch nach Feuer, und die Natur zeigt im Wolkennebel viele Farben. Am Nachmittag erreichen wir Lake St. Claire im Craddle Mountain Nationalpark, wo wir unsere Zelte aufschlagen.  

Leuchtturm Bruny Island     

         am Russel Fall

     Gipfel des Mount Rufus

           Lake Burbury

Mittwoch in die tasmanische Wildnis. Vom Zeltplatz führt ein Pfad durch Wald und Busch zu zwei schönen Seen, dem Shadow Lake und dem Forgotten Lake. Der erste von beiden hat sogar einen kleinen Strand. Danach windet sich die Strecke langsam hinauf bis zum Gipfel des Mt. Rufus, der höchste in der näheren Umgebung. Von da hat man an einem sonnigen Tag wie heute einen herrlichen Blick über grüne Berge bis zum Horizont. Kein Anzeichen von Zivilisation sichtbar, wir fühlen uns wie richtige Abenteurer. Auf dem Weg zurück zum Lake St. Clare kreuzen wir sehenswerten Snow Gum Wald, dessen blätterlose Äste sich wie Gerippe Richtung Himmel strecken. Als Ersatz für die fehlende Dusche am Abend ein Bad im See.
17.Woche vom 21. bis 27. Februar 2013
Donnerstag wollen wir noch bleiben, aber die Vorhersage ändert den Plan. Nach zwei guten Tagen soll das Wetter drehen, also Aufbruch. Die Strasse windet sich durch grüne Wälder bis zur Minenstadt Queenstown, wo noch ein Hauch der (guten?) alten Zeit weht. Als Bestätigung sehen wir einen Oldtimer, Baujahr 1920. Vorräte aufstocken und weiter. Im großen Bogen umrunden wir die Hälfte vom Craddle Mountain Nationalpark und stellen das Auto am Eingang in Craddle Valley ab. Nun mit Gepäck laufen. Vorbei am Dove Lake und über Hansons Peak zur Scott-Klivert-Memorial Hut. Die 8 km ermüden, vor allem weil auf der felsigen Strecke 300 Höhenmeter zu überwinden sind, teils so steil das Ketten Hilfe bieten. Die Anstrengung lohnt, denn die Hütte liegt malerisch an einem kleinen See und außer uns sind nur drei Leute da.

in Queenstown                 

  Blick auf Craddle Mountain

  Barns Bluff, da geht es rauf

   und oben - an der Kante

Freitag erneut purer Sonnenschein und wir brechen zu einer Wanderung in die nahen Berge auf. Vorbei an manch malerischem Tümpel (Tarn) erklimmen wir den Craddle Mountain, 1.557 m hoch. Die letzten 200 m eine reine Kletterpartie mit autogroßen Felsen und gefährlichen Lücken dazwischen. Mir macht das einen Höllenspaß. Die Aussicht vom Gipfel atemberaubend mit all den Felsen und der Sicht auf die Dinge ringsum aus der Vogelperspektive. Es fällt schwer sich davon zu trennen, doch mit Barns Bluff wartet ein weiterer Berg. Der ist genau so hoch und dessen Erstürmung genau so schwierig. Vom Gipfel ein anderer Blick, offener, weiter. Am Nachmittag ein Bad im “hauseigenen” See. Beim Wasser holen fürs Abendessen sprintet übrigens ein tasmanischer Teufel vor mir davon - und ich habe keine Kamera dabei. Samstag ist das Wetter schneller als die Vorhersage und es regnet bereits am Morgen. Ich überwinde mich als erster und laufe los. Der Regen hört bald auf, nur geben Büsche und Gräser am schmalen Pfad all ihr Wasser an mich ab. In einer halben Stunde bin ich Knie abwärts pitschnass. Die Schuhe laufen von oben her langsam mit Wasser voll und es gilt die Zähne zusammen zu beißen. Am Parkeingang in Craddle Valley klappt das Trampen und ich bin drei Stunden später in Launceston, wo ich zum ersten Mal seit zehn Tagen statt auf dem Boden in einem Bett schlafe. Mein Körper ist nach all den Kilometern zu Fuß, den heißen Tagen nebst kalten Nächten sehr erschöpft und fühlt sich fiebrig an. Eine Pause wird dringend notwendig. Sonntag klappt das. Nur Wäsche waschen, weiter planen und Launceston anschauen. Die Stadt ist hübscher als erwartet: kleine Parks, sehenswerte Strassen, tolle Häuser und eine Schlucht mit Fluss.

Snow Gum Wald, Lake St Clare

   nach einem Buschfeuer 

         an einem Tarn 

im Regen am Craddle Mountain

Montag geht es mir schon viel besser, also weiter. Die Zeit drängt, nur noch eine Woche in Tasmanien. Sehr kurvige Strassen und ein paar Autos bringen mich an die Ostküste nach St. Helens, dem Südende der Bay of Fire. Der Name stammt, wie bei “Feuerland” von der Sichtung vieler Lagerfeuer der Eingeborenen zur Zeit der europäischen Entdeckung. Am späten Nachmittag besuche ich die Strände. Was für eine Landschaft! Egal ob Jeanneret, Swimcort oder Cozy Corner Beach, sie alle sind wie aus dem Bilderbuch. Der Sand weiß, fein und squeaky, sprich beim Laufen darauf quietscht er. Das Wasser klar und auch wenn sich die Sonne versteckt intensiv türkis. Bonus: Granitfelsen, von der Kraft der Natur rund geschliffen und mit orangeroten Flechten bedeckt, ein echter Hingucker! Egal wie weit ich reise, egal was ich alles schon gesehen habe - es kommt immer wieder etwas Neues dazu. Erst der Sonnenuntergang treibt mich zurück nach St. Helens. Dienstag regnet es fast den ganzen Tag. Es gelingt trocken bis nach Coles Bay zu trampen, wobei die letzten 35 km besonders werden. Das Paar das mich mitnimmt hat im Kombi nur zwei Plätze, der Rest ist als Liegefläche umgebaut. Darauf darf ich es mir gemütlich machen. Nicht nach STVO, aber schön. In Coles Bay ist im Hostel was frei. Bei dem Wetter verbringe ich den Rest des Tages faul auf der Couch. Mittwoch klart es auf und ich laufe in den Freycinet Nationalpark. Vorbei an den Hazards, felsige Berge, 450 m hoch, rauf zum Aussichtspunkt über die schöne Wineglas Bay, hinunter zum Strand und in einem Bogen nach Coles Bay zurück. Insgesamt ist das nur Durchschnitt.

Legerwood: Kettensägekunst

                 Bay of Fire, die Strände von St. Helens

 Wineglass Bay, Freycinet NP

18.Woche vom 28. Februar bis 6.März 2013
Donnerstag sind es erneut kleine Schritte die mich vorwärtsbringen. Immer mit dem nächsten Auto ein paar Kilometer weiter bis zur Halbinsel Tasman, eine Stunde von Hobart entfernt. Die Landschaft vor allem um Dunalley herum zeigt deutlich die Spuren vom großen Waldbrand im Januar. Ich schlafe in Eaglehawk Neck in einem winzigen Hostel mit nur vier Betten. Weil kein Gast dazu kommt habe ich den Bungalow drei Tage für mich allein - so schön! Am Abend das erste Highlight: Tesselated Pavement. Die Natur hat am Ufer ein sehr ebenes Plateau geschaffen, das selbst Ingenieure kaum besser hinbekommen. Freitag hinein in die Natur. An der Küste entlang gibt es Blaslöcher, Naturbrücken und steile Klippen zu sehen. Ich laufe ein Stück vom Tasman Coast Trek, der sich von moosgrünen Bachtälern über Berge bis hin zu den Steilküsten zieht. Kein Mensch zu sehen, dafür aber in kurzer Zeit drei Tiger Snakes. Unangenehm, wenn sie zwar verschwinden, aber die Klippen zwei Meter weiter beginnen und direkt neben dem schmalen Pfad Felsen und totes Holz ideale Verstecke bieten. Da empfiehlt sich ein zweiter Blick wohin man tritt. Tags darauf mache ich nahtlos in der Fortescue Bay weiter. In einem steten auf und ab ans Cape Hauy, die spektakuläre Küste immer im Blick. Am Ende des Weges warten Felsformationen wie die “Kerze” oder der “Totempfahl”. Da stehen einem die Haare zu Berge wenn man an der Kliffkante 250 m senkrecht in die Tiefe schaut. Sicherung existiert keine und einige der Felsen hängen schon über oder neigen sich in Richtung Meer, ein Adrenalinkick der besonderen Art. Der Tag endet auf der sonnigen Terrasse vom Bungalow. Sonntag klappt das Trampen wie am Schnürchen und ich bin schnell in Hobart. Wie schon geahnt gilt es da privat eine bittere Pille zu schlucken. Auch für mich wachsen nicht alle Bäume in den Himmel... Der Montag sorgt dafür das ich auf andere Gedanken komme. Der erneute Ausflug auf den Mount Wellington bietet diesmal eine 100 km Fernsicht, ein tolles Abschiedsgeschenk von der Insel. Am Nachmittag ins Kunstmuseum. Vor drei Wochen ging ich nur bis zur Tür, diesmal auch hinein. Moderne Kunst ist nicht meins, das MONA zeigt das es auch anders geht. Der Bau ist an sich schon spektakulär, die Architektur hat nichts mit bekannten Gebäuden zu tun. Dazu Installationen, auch von Leipziger Künstlern, die ihres Namens würdig sind. Viele Stücke sind außerdem ein wenig morbid, alles in allem ein würdiges Disneyland für Erwachsene.    

Tesselated Pavement       

MONA: ein wenig morbid

       Tasman Coast Trek

       Sehenswerte Küste

 Cape Hauy: 250 m senkrecht

Tasmanien, ein Fazit: Drei Wochen auf der Insel, es gab im Vorfeld Fragen was ich so lange in Tasmanien tun will ohne mich zu langweilen. Nun, ich würde es auch ohne Probleme drei weitere Wochen aushalten. Die Landschaft ist für mich ein Traum: Berge, Seen, Küsten von zerklüftet bis Traumstrand, Wildnis. Alles da und nah bei einander. Die Städte klein und mit viel Charakter. Die Leute freundlich, auf Gemeinschaft bedacht. Für die Jobkarriere nur bedingt geeignet, aber erste Wahl um sich zur Ruhe zu setzen oder für Tage bzw. Wochen abzutauchen. Das Klima ist trotz der verhältnismäßig kleinen Insel vielfältig, verteilt auf vier richtige Jahreszeiten. Einzig der Wechsel vom Wetter geschieht recht heftig und schnell. Wenn auch kein eigenständiges Land, hat es Tasmanien in meine Top Fünf geschafft - definitiv! Am Dienstag zum Flughafen trampen, was ich mir zwei Mal überlegt hatte - und was dann viel besser klappt als gedacht.

Fliegen von Tasmanien aus ist übrigens wie Bus fahren. Das Flugzeug kommt an, alle steigen aus und laufen über das Rollfeld zum kleinen Terminal. 20 Minuten später steigt die Gegenrichtung ein und der Flieger startet. Bei erneut toller Sicht zeigt sich letztmalig die Landschaft von Tasmanien bis der Flieger nach einer Stunde in Melbourne aufsetzt. Das Bett im Hostel dort ist vorgebucht. Je näher der Formel 1 Zirkus rückt, desto schwerer wird es ein freies zu finden.
19.Woche vom 7. bis 13.März 2013
Am Donnerstag Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen, was sehr gut um die Ecke auf dem Victoria Markt gelingt. Dabei läuft mir ein Bekannter über den Weg, wir trafen uns vor anderthalb Monaten ca. 3.000 km entfernt. So klein ist die Welt. Am Freitag verlasse ich Melbourne. Mit dem Zug nach Werribee und dann an die Great Ocean Road trampen. Ich brauche einige Autos, komme aber am Nachmittag in Apollo Bay an. Ein kleiner Ort mit schönem Strand. Das Hostel ist einfach cool, nur steht bald fest das wegen dem langen Wochenende ab morgen im Ort keine Betten mehr frei sind. Also muss schnell ein neuer Plan her. Samstag lasse ich einiges im Hostel und trampe zur anderen Seite der Otway Halbinsel, nach Castle Cove. Von da laufe ich in drei Tagen auf dem Great Ocean Walk 60 km nach Apollo Bay zurück. Der Pfad meist in Küstennähe, tolle Ausblicke inklusive. Die erste Nacht am Aire River, wo genau so viel los ist wie in Apollo Bay, doch mein kleines Zelt findet ein Plätzchen. Bei einem Spaziergang im nahen Wald sehe ich die ersten wilden Koalas auf der Reise, vor allem HÖRE ich sie. Unglaublich was die für ein Organ haben. Das klingt nicht wie ein kleiner Knuddelbär, mehr wie ein großer Gorilla.

Tasmanien - ein letzter Blick   

           in Apollo Bay

           am Aire River 

     ein Gang Gang Kakadu

Nachmittag am schönen Strand faulenzen und in den meterhohen Wellen spielen. Ich lerne tolle Leute kennen und bin abends gleich bei zwei Familien eingeladen. Deren Freundlichkeit hilft ungemein, denn durch die andauernde Trockenheit gibt es vor Ort kein Trinkwasser, und das aus dem Fluss ist zu salzig. Bei über 30°C braucht man allein zum Trinken mehr als 2,5 Liter am Tag. Sonntag schützen mich Wolken auf der meist baumlosen Strecke über Cape Otway bis zum Parker Hill. Die Strecke ist ein Stück länger als gestern und nach all dem auf und ab bin ich froh am Nachmittag den nächsten Campingplatz zu erreichen. Die kleine Bucht nebenan hat einen schönen Strand und der Ozean sorgt mit 22°C Wassertemperatur für erhoffte Abkühlung. Montag das letzte und größte Stück. Heute spenden meist Bäume den schützenden Schatten, doch auch da schafft es das Thermometer auf 33°C. Das geht an die Reserven! Über die Elliott Ridge runter zum Meer. Strand und Klippen da sind der wohl schönste Teil der Wanderung. In Apollo Bay erschöpft den Rucksack ablegen, kalt duschen und viel Wasser trinken. Dienstag der wohl letzte  Tag einer ungewöhnlich langen Hitzeperiode. Alle schleichen nur noch rum, suchen ein kühles Plätzchen oder liegen im Ozean. Die aktuelle Temperatur um Mitternacht: 31°C! Mittwoch endlich ein Wetterwechsel, wobei das Thermometer heftig um 15°C abstürzt. Ich hänge im Hostel ab, meist mit Theresa. Auch deutsch, Kellnerin und in der Schweiz arbeitend. Der Aufenthalt in Apollo Bay verlängert sich von Tag zu Tag. Das ist die Pause die ich brauche. Wenig tun und all die Erlebnisse verarbeiten. 

Kap Otway am Abend      

                         die Küste am Great Ocean Walk, interessant und schön

20.Woche vom 14. bis 20.März 2013
Donnerstag: Apollo Bay, was sonst. Das Wetter pegelt sich ein, etwas wechselhaft bei gut über 20°C. An den folgenden Tagen nur kleines Programm: Marriners Lookout, Küstenspaziergänge oder Lesen - sprich den eigenen Akku aufladen. Am Wochenende wechselhaftes Wetter. Den Rest der Great Ocean Road will ich bei schönem Wetter erleben, also verlängert sich der Aufenthalt Montag kann ich mich von Apollo Bay losreißen. Zwei Engländer aus dem Hostel nehmen mich 80 km bis Princetown mit. Dort schlage ich an einem hübschen Platz das Zelt auf und laufe an der Küste entlang. Aufregend, wenn die zwölf Apostel langsam auftauchen, auch wenn es keine 12 sind. An den Gibson Steps nehme ich die steile Treppe runter an den Strand und erlebe tolle Perspektiven der im Meer stehenden Felsen. Für die Apostel selbst ist das Licht ungünstig, aber weiter die Strasse runter wartet noch die tolle Loch Ard Gorge. Das Wetter bleibt sonnig und ich kehre am Abend hochzufrieden zum Zelt zurück. Tags darauf nimmt mich Graig, ein pensionierter Forscher, mit nach Warrnambool. Er hält unterwegs ein paar Mal und zeigt mir die restlichen Highlights der Great Ocean Road. Nach London Bridge und Bay of Islands setzt er mich am Hostel ab. Warrnambool ist eine hübsche Stadt. Beim Nachmittagsbummel scheint schön die Sonne, nur ist der Wind kräftig und kühl - es wird Herbst.

Great Ocean Road: am Fuß der Gibson Steps                     

         die Loch Ard Gorge

 London Bridge, teils kollabiert

Mittwoch von Warrnambool nach Norden. Auf der wenig befahrenen Strecke dauert es bis ich im Grampian Nationalpark in Halls Gap ankomme. Der Ort hat 300 Einwohner und kann mit Campingplätzen 6.000 Gäste beherbergen. Im Moment sind nur wenige Leute da. Die Sachen im Hostel ablegen und gleich los um das schöne Wetter zu nutzen. Hinter dem Haus rauf zum Chatauqua Gipfel, mit tollem Blick über die Berge. Über Venus Bath, eine sehenswerte kleine Schlucht, zurück ins Dorf.
21.Woche vom 21. bis 27.März 2013
Donnerstag wechselt das Wetter wie in Deutschland im April. Sonne, Wolken, Schauer und die Windböen mit fast Sturmstärke. Davon unbeeindruckt laufe ich mit Meike am Nachmittag los. Die Grampians, ein Kletterparadies mit speziellen Felsformationen. Das können wir beim Gang durch den “Grand Canyon” und die enge Schlucht der “Silent Street” nur bestätigen. Auf dem Felsvorsprung des “Pinnacle” weht es uns dann aber fast vom Berg. Ringsum kommen und gehen Schauer, wir bleiben jedoch weitestgehend trocken. Freitag ein Solostart, es traut sich keiner mitzukommen. Mit dem Rad kreuze ich durch die Grampians, wobei es die ersten 10 km nur bergan geht. Ziel sind die sehenswerten Wasserfälle Broken und MacKenzie. Am letzteren muss ich allerdings ein gesperrtes Stück verbotenerweise überwinden um am Fuß des Wasserfalls tolle Fotos zu schießen. Bei einer Pause versucht ein 20 cm großer Kookaburra auf meinem Bein zu parken und mir was vom Essen abzunehmen, dieser Schlingel. Am Nachmittag weitere Aussichtspunkte wie z.B. “The Balcony”, aber der bedeckte Himmel trübt die Sicht. Samstag wollte ich weiter, doch es gefällt mir hier und das Wetter zeigt sich regnerisch, also verlängert sich mein Aufenthalt bei John und Marie.

Grampians, Grand Canyon   

Grampians, Nähe Venus Bath

     inmitten der Grampians

   der freche Kookaburra

     Felsvorsprung Pinnacle

         MacKenzie Falls

Sonntag raus aus den Grampians, über Ararat nach Melbourne. Eigentlich wollte ich die Großstadt gleich kreuzen, aber Bruce bringt mich geradewegs in den Teil der Stadt der mir schon vertraut ist. Ich nehme das als Zeichen, steige zum dritten Mal im Discovery Hostel ab und treffe mit Johann und Justus auch gleich zwei Bekannte. Montag mit dem Zug nach Cranbourne und weiter als Anhalter. Das Paar das mich mitnimmt will in ihr Hause nach Leongatha, bringt mich aber letztlich bis nach Tidal River, meinem Ziel in der Wilsons Promontory. Das sind für die beiden ganze 90 km mehr als geplant.

Ob einem das auch in Deutschland passieren kann? Ich erkunde gleich die schöne Umgebung von Squeaky Bay und sehe erste wilde Wombats, die auch nachts in Tidal River friedlich am Zelt grasen. Wilsons Promontory scheint wie eine Fortsetzung von Tasmanien. Die große Halbinsel ist komplett ein Nationalpark, praktisch unbewohnt. Die raue Küste mit wundervollen Buchten und Stränden, dazu steil aufragende Gipfel und viel dichter Wald, ein Abenteuerspielplatz für Große. Dienstag lasse ich einen Teil der Ausrüstung im Büro des Nationalparks zurück und laufe mit leichtem Gepäck, was trotzdem 18 kg sind, los. Teils an der Küste entlang sind es über Oberon Bay 17 km bis zum Campingplatz Roaring Meg. Der liegt mitten im Wald, nebenan ein Bach als Wasserlieferant. Außer einem Zelt das 100 m weiter steht bin ich hier ganz allein, das gefällt. Nachmittag zum South Point, dem südlichsten Punkt auf australischem Festland. Felsig und sehenswert, das kalte Bad im Ozean als angenehme Erfrischung. Schon früh der Gang in den Schlafsack, es wird inzwischen 19 Uhr dunkel. Ein paar Possums schauen vorbei und wollen auf der Suche nach Essen sogar ins Zelt, doch das weiß ich zu verhindern. Mittwoch über Stock und Stein zum Leuchtturm an der südöstlichen Ecke der Halbinsel, wo wie aufgefädelt an einer Schnur große Schiffe vorüberziehen. Es ist wieder über 30°C heiß und die Strecke über die Berge schlaucht mächtig. Nach 18 km erreiche ich den Zeltplatz Little Waterloo Bay. Auch der sehr einfach und spartanisch, aber keine 50 m vom wundervollen Strand entfernt. Die kleine Bucht ist ein Traum und es zelten derzeit nur acht Leute hier. Also ändere ich den Plan für den Rest des Tages und mache Badeurlaub in einem kleinen Paradies.

Wilsons Promontory            

             Tidal River

             Wombat

         Mountain Lowry

22.Woche vom 28.März bis 3.April 2013
Donnerstag weckt mich der Regen. Mist! Ein Wetterwechsel war angekündigt, nur hatte ich gehofft das es weniger dramatisch wird. Ein Schauer jagt den anderen, begleitet von kühlem Wind. Da hilft nur Zähne zusammen beißen. Die 14 km zurück nach Tidal River machen bei Regen keine Freude. Dort hört es wenigstens auf. Mir bleibt das Glück als Anhalter treu und eine halbe Stunde später bin ich schon nach Foster unterwegs, 60 km nördlich. Die Unterkunft vorgebucht, denn wir haben Ostern und nach der Erfahrung von Weihnachten wollte ich vorsorgen. Ein winziges Hostel, nur zehn Betten und wie ein zu Hause fern der Heimat. Ich wasche und trockne meine Sachen, was bei häufigen Schauern zur Herausforderung wird. Am Karfreitag weht ein kühler Wind, es bleibt aber trocken. Ich erreiche wie geplant Lakes Entrance, ein Ferienort an der Küste von Victoria. Schnell steht fest: nicht meins. Die Landschaft nett, mit Inlandsee gleich hinter dem Dünenriegel von feinstem Sand, doch leider total überrannt. Die schier endlose Reihe von Minigolfanlagen, Hotels und Wohnwagenplätzen macht es nicht besser. Zwei Nächte sind vorgebucht, ich mache das Beste daraus. Samstag schöne Spaziergänge, Sonntag weiter. Ein Trampen mit Unterbrüchen, nur stückweise geht es in Richtung australische Alpen. Ja, dieses Land hat welche, wenn auch häufig unbeachtet. In Bruthen wendet sich am Nachmittag das Glück zu meinen Gunsten. Tim, ein Deutscher, lässt mich mitfahren. Hinter Bruthen steigt die Strasse fast unmerklich an und die Landschaft erinnert ans Voralpenland. Ab Omeo wird die Strecke kurvenreich und kommt bei den Hotham Heights auf 1.600 m Höhe. Spätestens hier bleibt uns staunend der Mund offen stehen. Die Aussicht überrascht. Bergketten und lange Täler soweit das Auge reicht. Auf der Fahrt runter durchqueren wir ein Gebiet in dem im Januar große Buschfeuer wüteten. Ein surrealer Eindruck mit rotbraunen, noch Laub tragenden Bäumen und verkohlten Straßenschildern. Wir bleiben in Bright und planen einen Ausflug, diese Gegend wollen wir uns näher anschauen. Ein Hostel existiert leider nicht, doch ein schöner Zeltplatz ist schnell gefunden. Die Nächte werden nun schwieriger, bei 8°C muss ich mit der Ausrüstung tricksen.

Lakes Entrance                  

         australische Alpen

     Spuren des Feuers

blattlose Bäume wie feines Haar

Ostermontag fahren wir 40 km zu den Hotham Heights zurück, für einen Australier ist das gleich um die Ecke, und wandern auf dem Kamm des Razorback bis zum Gipfel des 1.922 m hohen Mount Feathertop. Die Landschaft lässt staunen. Teils komplett verbrannt mit entsprechendem Geruch, teils von einer schnellen Feuerfront “gesäubert”, teils praktisch unberührt. Das sorgt für ungewöhnliche Fotos. In der Höhe sind auch tagsüber nur 7°C, mit Wind und Wolken gefühlte 0°C! Ein sehr eindrücklicher Tag. Dienstag ziehe ich unabhängig von Tim weiter. Im Zick Zack über Wangaratta, Albury und Wagga Wagga in die Kleinstadt Yass. Ankunft nach 400 km mit Einbruch der Dunkelheit. Bereits vor Sonnenaufgang stehe ich am Mittwoch an der Strasse und komme mit dem Berufsverkehr ins 60 km entfernte Canberra. Geplant war, mir den Sitz der Regierung näher anzuschauen, doch keins der wenigen preiswerten Betten in der Stadt ist frei. Das, in Verbindung mit dem dunkelgrauen Himmel, läßt mich Canberra gleich wieder verlassen. Geholfen wird mir dabei unter anderem von einem LKW Fahrer aus Samoa und später von Bill, dem mit 86 Jahren ältesten Fahrer bisher. Nach 150 km Ankunft an der Küste von New South Wales in Batemans Bay. Die Sonne kommt gerade raus und ich fühle mich gleich wohl hier. Das schöne Hostel fast leer, der Strand praktisch vor der Tür.   

Razorback Trek                  

       verbrannter Wald  

       ein näherer Blick

das Leben kehrt schnell zurück

23.Woche vom 4. bis 10.April 2013
Donnerstag und Freitag bleibe ich in Batemans Bay. Das Wetter etwas durchwachsen, jedoch meist trocken. Rauch hängt in großen Fetzen in der Luft, die Farmer in der Gegend brennen die Stoppeln ihrer Felder nieder. Hoffentlich haben sie dabei alles unter Kontrolle. Darüber hinaus macht die Umgebung ihrem Namen alle Ehre: Fledermäuse. Schon im Laufe des Nachmittags machen sie Rabatz, und wenn sie am Abend in großen Schwärmen auf Futtersuche losziehen hat das schon etwas von einem Vampirfilm. Samstag ziehe ich ein Stück weiter die Küste hinunter bis nach Narooma. Das Wetter versprach Besserung und hält sich auch daran. Unterwegs erzählen mir Einheimische von einer Motorradshow in Bergamui, etwas südlich von Narooma, also stelle ich die Sachen schnell im Hostel ab und trampe gleich weiter, was problemlos klappt. Die Show ist wirklich sehenswert und viele Biker aus der Gegend tauchen mit ihren Maschinen auf, die man häufig schon von weitem hört.

in den Alpen                      

         in Batemans Bay

  Fledermäuse in Batmans Bay

   Motorradshow Bergamui 

Ansonsten bietet die Umgebung sogar mehr als Batemans Bay. Der Strand ist näher und schöner, große Inlets wechseln sich mit Brackwasserseen und kleinen Buchten ab. Dazu ist das Hostel kaum belegt, der Besitzer eine Wucht und sein Hund gleicht eher einem Kalb (70 kg). Sonntag herrscht Kaiserwetter und der Strand ruft. Auf dem Weg dahin eine Schleife durch Narooma. An einer herrlichen versteckten Bucht entsteht ein Foto welches es erst zum Schluss zu sehen gibt und beim herumklettern in den Klippen komme ich auf dem Golfplatz heraus. Bemerkenswert ist nicht nur seine Lage direkt am Ozean, sondern auch das ihn drei Gräber zieren. Das nenne ich schräg. Eine Bucht weiter der wenig bekannte “Australia Rock”, dessen Loch entfernt an den Umriss von Australien erinnert. Montag ein Ausflug mit dem Mountainbike. Um Narooma herum, rauf auf den Aussichtspunkt über das Inlet und danach auf teils anspruchsvollen Schotterpisten durch das Hinterland. Tiefer Wald wechselt mit Farmland. Nach dem Besuch des historischen Tilba, wo die Zeit seit dem Ende des 19.Jahrhunderts scheinbar stehen geblieben scheint, folgt die  Mystery Bay mit einer tollen Küste, bevor ich die Runde in Narooma beende. Dienstag ausruhen, den letzten Tag hier draußen faul am Strand genießen und meine Hausaufgaben in Bezug auf die Rückkehr nach Sydney und Europa machen.

Strand in Narooma             

       Golfplatz und Friedhof

           Australia Rock 

       historisches Tilba

Mittwoch stehe ich zum letzten Mal auf dieser Reise an der Strasse und komme Stück für Stück bis Berry, wo ich wie geplant den Nahverkehrszug ins Zentrum von Sydney nehme. Das gebuchte Hostel dort steht im Stadtteil Kings Cross. Nicht die beste Nachbarschaft, aber das Hostel ist gut und für eine Großstadt liegt es verhältnismäßig ruhig in einer Seitenstrasse.
24.und letzte Woche in Australien vom 11. bis 17.April 2013
Donnerstag, das schöne Wetter scheint kein Ende zu nehmen. Wir erleben derzeit so etwas wie einen Altweibersommer. Meist strahlend blauer Himmel mit tagsüber fast 30°C. Das Programm Sydney zum zweiten Mal, diesmal ohne Jetlag und bei besserem Wetter. Da wären: der Botanische Garten, die Oper, der Circular Quai, der Darling Harbour usw. Das ziehe ich drei Tage lang durch, schaue nebenbei nach Souvenirs und treffe einige Bekannte, die ich im Laufe der Reise kennengelernt hatte und die hier wohnen oder auch im Moment in der Stadt verweilen. So verfliegt die Zeit. Eine Nacht ziehe ich mit der Kamera durch Sydney und finde besondere Blickwinkel. Ziemlich eindrücklich für mich. Mindestens genau so eindrücklich ist die Samstag Nacht auf der Amüsiermeile in Kings Cross. Grobe Regel: je höher die High Heels, desto kürzer der Rock...

Sydney, die Skyline aus unterschiedlichen Perspektiven        

     Kollegen getroffen ;-)

       Ortsname mit 8 “O”

Eine Nacht in Sydney, die Hafenbrücke und auch die Oper, bei dem Licht was ganz anderes, genau wie dieser Springbrunnen

Sonntag lädt das Hostel abends ein, Pizza mit Cocktail für 5 AUS Dollar. Bedingung: Dresscode. Was schräg klingt wird Wirklichkeit. Wir landen in einem schicken Club in dem viele angezogen sind als wäre noch immer Samstag Nacht. So nobel ging Pizza essen selten - und sie war auch noch lecker. Montag Abend geht die Kulinarik weiter. Praktisch als Abschluss ein Essen mit einem Schweizer Paar, welches ich aus dem Saratz kenne und die gerade für zwei Tage in Sydney weilen, in der O-Lounge. 47. Stock. Dank Drehrestaurant mit Blick über das nächtliche Sydney. Da wird das gute Essen fast zur Nebensache. Dienstag final Packen und abends zum Flughafen. An alles gedacht? Nicht ganz, denn überraschenderweise ist der INTERNATIONALE Flughafen Sydney über Nacht geschlossen. Ich bin nicht der Einzige der verblüfft vor geschlossenen Türen steht. Nun, es ist nicht kalt und ich sitze bis morgens um 3 Uhr mit einer Deutschen auf einer Bank. Als wir in die “heiligen” Hallen dürfen ist der Flughafen gähnend leer - so etwas habe ich in dieser Größe noch nie erlebt. Der Flug mit Korean Air ist ehr angenehm. Abends die Ankunft in Incheon/Seoul, wo mich das gebuchte Guesthouse abholt. Die Zeit reicht um in der Stadt essen zu gehen, wo ich in einem Restaurant lande in dem niemand ein Wort englisch spricht. Mit Händen und Füßen geht es, auch wenn sich das geglaubte Bier als Flasche Sake heraus stellt. Nach einer erholsamen Nacht setze ich mich am Donnerstag ausgeruht für elf Stunden in den Flieger. Diesmal ist das ein A 380 - ein Riesenvogel. Ich sitze am Ende der gigantischen Tragflächen und kann technisch alles verfolgen. An Bord merkt man wenig von den 853 Sitzplätzen, nur bei Start und Landung werden die Wege bei 560 Tonnen Startgewicht deutlich länger. Alles in allem: ein tolles Erlebnis. Donnerstag Abend die Landung in Frankfurt und weil sich viele Kreise schließen: eine recht abenteuerliche Heimfahrt mit der Deutschen Bahn, die ungeplant um Mitternacht in Erfurt endet, von wo mich meine Nicht abholt. Das, liebe Leute, war mein Australien 2012 / 2013 - was für eine abenteuerliche Reise. 

Whitehaven Beach Whitsunday Inseln       

           Australien - auf Wiedersehen?              

 33.230 Fotos seit März 2008           - Danke Canon -

24 Wochen Australien - ein Resümee
Das Fazit von Australien kommt spät, sehr spät. Gründe dafür zu nennen wäre einfach, ändert aber nichts an der Tatsache.
Das Rückbesinnen auf die Monate in Down Under tut ungemein gut. Tief in mir ist da immer noch ein Stückchen von der Glut dieses meist heißen Kontinents. Es fühlt sich an wie ein Kamin an kalten Wintertagen, wie ein Stück Licht mitten im nebligen Novembers Die nüchternen Fakten zur Reise die dann doch nicht so nüchtern zu vermitteln sind: 168 Tage auf dem ehemals als Gefängnis missbrauchten Kontinent auf welchem die Leute schnell lernten das man nur gemeinsam überleben kann und das deswegen das Helfen für den Nächsten praktisch in den Genen weiter gegeben wurde. Mir half das beim Abenteuer als Anhalter durch das Land zu kommen. Ich saß in fast 250 Fahrzeugen, von der Rostlaube  bis zur Nobelkarosse, vom Wohnmobil bis zum Roadtrain. So verschieden die Fahrzeuge, so verschieden die Fahrer. Jung, alt, Frauen Männer, Paare, Familien, Singles. Unterschicht, Privilegierte, mental Angeschlagene genau wie Männer Gottes oder seines Gegenspielers. Mal waren es 5 km die ich mitfahren durfte, mal mehr als 1.600. Da wurden Umwege gefahren und Regeln gebrochen um mich weiter oder ans Ziel zu bringen. Der Australier an sich ist eine Wucht und der Schlag von Mensch den ich heutzutage manchmal in Europa vermisse. Es waren 20.500 km die ich als Tramper in Australien zurückgelegt habe, 1.200 km als Ride Share gefunden im Internet auf Gumtree, 2.500 km im tollen Jeep als Relocation Car durchs Outback, 350 km mit Vorortzügen und beim Besuch von Tasmanien noch 1.200 km mit dem Flieger. Durch die unzähligen und zeitweise sehr interessanten Gespräche auf den teils langen Fahrten gelang es mir ein Bild von diesem Landes zu bekommen wie es wohl kein Buch oder Reiseführer vermitteln kann. Danke dafür. Preise? Die waren entsprechend hoch, vor allem bei dem zu dieser Zeit für Europäer schlechten Wechselkurs. Die Kosten auf hohem Niveau blieben nur durch zeitweiliges Camping, Selbstversorger in Essensfragen und die Fortbewegung per Anhalter im Rahmen. Die besuchten Hostels boten wie in jedem Land ein sehr weites Spektrum. Von reinen „Übernachtungsmaschinen“ in den Großstädten mit hunderten von Betten bis hin zu kleinen Häusern auf dem Land in denen man sich ein wenig wie zu Hause fühlen konnte. Einzig das Gros der Backpacker Kollegen gab mir zu denken, denn deren Verhalten hat sich im Verhältnis zu früher dramatisch verändert… Nichts desto trotz waren da immer noch genug Persönlichkeiten die in meiner Erinnerung so fest haften bleiben das zu einigen von ihnen der Kontakt nach wie vor besteht.
Australien hat es mit seinen abwechslungsreichen Landschaften geschafft mich in Atem zu halten, wobei die vielbereiste und gepriesene Ostküste mir am wenigsten in Erinnerung bleibt. Zu ausgetreten und touristisch die Strecke, zu durchschnittlich was man da sieht. Ausgenommen sei dabei einzig und allein das Great Barrier Riff, dessen Farben und Vielfalt der Lebensformen absolut einzigartig sind. Ansonsten beginnt das Australien welches mich begeistert so bald man die Ostküste verlässt. Das dschungelhafte Grün des Nordens, die überraschend schönen Alpen, das gar nicht langweilige Outback, die unvergesslichen Strände im Südwesten, der abenteuerliche Abschnitt nördlich von Perth und als Punkt auf dem i das sagenhafte Tasmanien. Man könnte und müsste über das Thema der Aborigines etwas sagen, aber ich will wirklich nicht die meist romantisch verklärte Vorstellung der Meisten darüber zerstören. Eine traurige und verzwickte Geschichte die sich nicht lösen lässt, weil beide Seiten viel zu viele Fehler gemacht haben. Der Umgang mit der ach so gefährlichen Tierwelt hat sich glücklicherweise im Laufe der Monate relativiert. Respekt habe ich noch immer, aber eine gewisse Phobie ist gewichen. Es waren mindestens zwei dutzend Schlangen denen ich begegnet bin, fast alle giftig und häufig nur Meter entfernt. Wirklich zu kämpfen hatte ich da eher gegen aufdringliche Nager die an meine Vorräte im Zelt ran wollten. Ein paar Dinge bleiben trotz dem halben Jahr intensiven Reisens noch offen. Der äußerste Norden zum Beispiel, den man nicht gerade in der Regenzeit besuchen sollte. Aber vielleicht ergibt sich in den nächsten Jahren noch einmal die Möglichkeit in dieses inspirierende Land zurückzukehren.