Mittelamerika Januar/ Februar 2012.  Die Reise durch Costa Rica, Nicaragua und etwas Panama.

Nebenan die Karte mit der eingezeichneten Reiseroute, wobei die roten Punkte die Orte unserer Übernachtungen darstellen.

Diese Reise ist übrigens anders als sonst bei mir üblich, denn ich nehme (m)eine Freundin mit.

1. Woche vom 4. bis 10. Januar 2012
Mittwoch startet das Abenteuer Mittelamerika. Drei Flüge mit Continental Airlines und Partnern braucht es von Zürich bis nach San Jose, Costa Rica, wobei der zweite von Frankfurt nach New York auf jeden Fall der bequemste und schönste war. Das Umsteigen in Newark? Eine furchtbare Erfahrung! Wohl nur in den USA muss man für einen Transit im Flughafenkomplett ins Land einreisen, sein Gepäck holen und nach dem langen Ausreiseprozedere versuchen den Anschlussflug zu bekommen. Zukünftig also ALLES versuchen um NICHT über die USA zu fliegen.

In San Jose werden wir von einem Mitarbeiter unserer reservierten Unterkunft, der Casa del Suiza, abgeholt. Der erste Tag zum Umschauen und Bummeln, Mittag noch Mc Donalds, Abends schon eher einheimisch, mit Reis und Garnelen - die Portionen sind selbst für mich riesig. Am Freitag holen uns Kurt und Annaliese ab, Bekannte aus der Schweiz, die vor einem Jahr hierher ausgewandert sind. Mit ihnen fahren wir die Küste entlang bis nach Baru, wo die beiden mitten im Wald ihr Haus haben. Die nächsten Tage gehen zur Eingewöhnung drauf. Den Jetlag, sprich Zeitverschiebung, überwinden. Wir hinken sieben Stunden hinter Europa hinterher. Dazu ein komplett anderes Klima mit über 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit sowie andere Lebensmittel, wobei die frischen Früchte hier der Hammer sind und keinesfalls vergleichbar mit denen im europäischen Supermarkt. Einzig der Umschwung aus dem Arbeitsleben fällt leicht, wer hat schon was einzuwenden gegen viiiiiiel Urlaub :-)

erste Tiersichtung              

       der Strand bei Baru

         am Wegesrand  

   Sonnenuntergang bei Baru

Nebenbei schauen wir uns die Umgebung an und planen voraus. Die Sonne wird nur vorsichtig genossen, wobei ein Besuch am Strand erste Farbe bringt. Die Strände sind durch Lavasand ungewöhnlich dunkel, die Wassertemperatur liegt gut über 20°C, was manchmal keine Erfrischung mehr ist. Der frühe Sonnenuntergang halb sechs verlangt einen anderen Lebensrhythmus und macht es leicht sich morgens kurz nach sechs vom Gesang der  Vögel und lautstarken Brüllaffen wecken zu lassen. Dienstag bekommt unsere Reise eine neue Richtung, da Annalies aus Visa Gründen Costa Rica für mindestens zwei Tage verlassen muss. Gemeinsam fahren wir Richtung Süden an der Pazifikküste entlang. In Sierpe machen wir eine Tagestour und fahren mit dem Boot durch Mangrovenwälder hinaus auf den Ozean, wo uns neben Pelikanen auch Delfine begleiten. Im Corcovado Nationalpark zeigt uns dann ein Führer drei Stunden lang den Dschungel, wobei sich nur wenige und recht unspektakuläre Tiere zeigen.

Tour von Sierpe zum Corcovado Nationalpark,

mit Tieren, Strand, Palmen und ein klein wenig Abenteuer

auch wenn sich die meisten Tiere versteckt gehalten haben, ein paar kamen mir vor die Linse 

           Happy Urlauber

2. Woche vom 11. bis 17. Januar 2012
Mittwoch der Geburtstag von Annaliese. Statt Blumen gibt es für sie in Golfito ein kleine Torte mit Kerze. Weiter nach Süden. In Paso Canoas parken wir an einem Hotel und laufen zu Fuß rüber nach Panama. Die Grenzkontrollen gehen fix und wir lassen uns auch nicht durch das übliche Chaos an solchen Orten aus der Ruhe bringen. Damit schafft es ein weiteres Land in meinen Reisepass. Mit dem Bus fahren wir nach David, wo die Mädels ausgiebig einkaufen. Einen Tag fahren wir nach Boquete in die Berge. Nur 40 km weiter scheint auch dort die Sonne kräftig, doch die Temperatur liegt um circa 8°C niedriger als im Flachland. Nach den 33°C von David angenehm für mich. Nur schade das die viel gelobten Gärten vor Ort gerade alle geschlossen sind.

Hotelgarten in Golfito         

           Hafen Golfito

         Boquete, Panama

           in Boquete

Am Freitag kehren wir auf dem selben Weg nach Costa Rica und zum Haus von Kurt und Annaliese zurück. Am Samstag (m)ein Soloprogramm. Der Wecker klingelt 3 Uhr morgens, dann eine 55 km lange Fahrt auf teils holprigen und kurvigen Strassen nach San Gerardo de Rivas. Dort in die Wanderschuhe schlüpfen und von 1.500 m Höhe startend innerhalb eines Tages den Cerro Chirripo, einen der höchsten Berg Mittelamerikas, bezwingen. Nach sechs, teilweise sehr anstrengenden, Stunden stehe ich auf dem Gipfel in 3.820 m Höhe. Da oben wird die Luft schon etwas dünn. Dicke Freunde werden der Berg und ich allerdings kaum, es gab Ärger mit den Parkmitarbeitern, Probleme bei der Wegsuche zum und auf dem Berg weil mal wieder Hinweisschilder fehlen und letztendlich bot die Topographie nur eine eingeschränkte Aussicht auf die umliegende Landschaft. Egal, abgehakt.

Aufstieg zum Cerro Chirripo   

     Gipfelsturm geschafft

     Ausblick vom Gipfel     

   Abstieg in die Nebelwälder

Sonntag geht es meinem strapazierten Körper schon wieder gut genug um die Reise fortzusetzen. Allerdings kommen Susi und ich nicht weit. In San Isidro de General ist Sonntag Mittag an der Busstation die Hölle los und am einzigen Schalter stehen 60 Leute an. Nach anderthalb Stunden Warterei sind nur Fahrkarten für Montag früh übrig. So bleiben wir eine Nacht in San Isidro. Am Montag mit dem Bus nach Cartago. Unterwegs befahren wir den Cerro de la Muerte Pass, sagenhafte 3.400 m hoch. Leider gestaltet sich seine Überquerung total unaufregend, irgendwie rutscht er einfach so durch. In Cartago eine ungewöhnliche Ankunft. Der Bus setzt uns einfach am Stadtrand ab und wir haben so unsere Schwierigkeiten erst in die Stadt und dann zu einer Übernachtungsmöglichkeit zu kommen. Nebenbei das reinste Aprilwetter. Sonne, Wolken und Regen wechseln im schnellen Takt und die gefühlte Temperatur liegt weit unter dem was wir bisher vom Land kennen. Wenigstens hat der botanische Garten geöffnet. Der sehenswerte Lankester Garden liegt etwas außerhalb und ist für Touristen mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht schwierig zu erreichen. Einmal dort, streifen wir ungestört an Palmen, Farnen und manch ungewöhnlichen Pflanzen vorbei.

                       Ausflug in den Lankester Garden, bei Cartago,

mit für uns teils sehr exotischen Gewächsen

Wir lernen im Hostel ein deutsches Paar kennen. Weil die Chemie zwischen uns passt machen wir am Dienstag gemeinsam einen Ausflug auf den nahen Vulkan Irazu. Mit einem Mietwagen erklimmen wir den Kraterrand in 3.432 m Höhe. Überraschenderweise liegt die gefühlte Temperatur beim Aussteigen nahe dem Gefrierpunkt, was vor allem den orkanartigen Windböen zuzuschreiben ist. Unter den Bedingungen bleibt es bei sehr kurzen Spaziergängen. Erstaunlich das wir trotzdem zu ein paar unverwackelten Fotos kommen. Noch am selben Nachmittag nehmen Susi und ich den Bus nach Turrialba, unserer nächsten Station. Der kleine Ort liegt neben dem gleichnamigen Vulkan, welcher jedoch wegen Aktivität seit einer Woche geschlossen ist. Aschewolken oder ähnliches sind im Moment nicht zu sehen, doch Vorsicht ist hier wohl die Mutter der Porzellankiste.

in Cartago                       

                               der Kraterrand des Irazu samt seinem riesigen Trichter

3. Woche vom 18. bis 24. Januar 2012
Am Mittwoch ein kleiner Adrenalinkick. Wir haben eine Rafting Tour gebucht und dabei Glück mit dem Wetter, denn die Sonne scheint vom strahlend blauem Himmel. Auf dem nahen Pacuare Fluss setzen wir uns zu anderen in ein blaues Rafting Floss und paddeln den teils wilden Fluss hinunter. Der Schwierigkeitsgrad hält sich mit Grad III - IV in Grenzen, doch das reicht um in den Stromschnellen zwei Leute aus unserem Boot ins Wasser zu spülen. An anderer Stelle faltet es das Raft so zusammen, das der einheimische Guide spektakulär durch die Luft segelt, jedoch zum Glück für uns gerade noch an Bord bleibt. Nebenbei genießen wir den Blick auf so manche wilde Schlucht und nahezu unberührten Dschungel. Eine schöne und eindrückliche Tour. Tags darauf fahren wir an die Ostküste. Ab Siquirres tauchen an der Strasse immer öfter Obstplantagen und Schiffscontainer der Firmen Dole oder Del Monte auf. Kein Wunder, das nahe Puerto Limon ist einer der größten Häfen von Costa Rica. Mit diesem Attribut einher geht der Ruf einer gefährlichen Stadt, weshalb wir beim Umsteigen dort in einen anderen Bus sehr vorsichtig sind. Weiter auf gegen Ende sehr holprigen Strassen bis Puerto Viejo de Talamanca, ein winziger und recht verschlafener Ort an der Karibikküste. Hier spielt Zeit wohl keine Rolle. Andere Backpacker hatten uns von häufig bewölkten Wetter erzählt, doch schon am nächsten Morgen überrascht uns strahlend blauer Himmel. Da kann es nur heißen: Faulenzen am Strand. Samstag mieten wir ein paar klapprige Strandräder und strampeln gemütlich bis zum Ende der Strasse nach Manzanillo, von Panama nur 20 Kilometer entfernt. Die wenigen Hütten dort, zwei Läden und vier Restaurants sind kaum erwähnenswert. Eher schon die neben der Strecke versteckten Kleinode von Ressorts und Restaurants, die man manchmal im dichten Grün nur erahnen kann.

Vorbereitung zum Rafting

       an der Karibikküste

     Stillleben am Strand

   ein Exot unter den Exoten

Wir erleben in Manzanillo einen herrlich sonnigen Tag und begutachten auch ein paar Strände, die jedoch alle ein Stück hinter den sonst viel gepriesenen der Karibik hinterher hinken. Sie sind zu schmal, der Sand zu dunkel, und damit einfach zu weit weg vom Katalog. Na ja, wir planen im Land weitere Versuche. Immerhin ist das Essen meist sehr gut. Bei Preisen von 10 Euro nicht gerade billig, doch die Qualität stimmt. Frische Meeresfrüchte und Fisch sind im europäischen Maßstab schon wieder günstig. Samstag müssen wir wegen einem Missverständnis bei der Reservierung leider das Hostel wechseln und finden so kurzfristig am Wochenende nur eine halbwegs akzeptable Bruchbude. Ist ja zum Glück nur für eine Nacht. Sonntag durchqueren wir praktisch das halbe Land. Vom äußersten Südosten fährt der Bus vorbei am Vulkan Turrialba, im Moment deutlich sichtbar vor sich hin dampfend, nach San Jose. Dort steigen wir um und erreichen noch am selben Tag Puntarenas am Pazifik. Die Stadt mit einem viel sympathischeren Eindruck als ihr Ruf. Wir finden ein sehr schönes Zimmer und erleben dann an einem Strand ohne viele Touristen wie die hiesigen Familien ihr Wochenende ausklingen lassen - eben Pura Vida. Montag mit der Fähre in anderthalb Stunden hinüber auf die Halbinsel Nicoya. Vom Fährterminal bei Paquera braucht der Bus weitere anderthalb Stunden bis zum Ziel Montezuma, fast so was wie das Ende der Strasse. Im netten Dorf mit seinen dreißig Häuser finden wir ein Zimmer gleich am Meer, wo uns jeden Abend das Rauschen des Ozeans in den Schlaf wiegt. Das Wecken übernimmt wie schon fast während der ganzen Reise die Natur. Brüllaffen und Vögel mit der Lautstärke von Autohupen sorgen dafür das wir bereits um sieben die Augen öffnen. Der Dienstag am Strand. Um der Mittagshitze zu entfliehen eine Wanderung zu einem Wasserfall. Der Ausflug wird teils schwieriger als erwartet und wir müssen einige Male fast klettern um ans Ziel zu gelangen. Einmal erreicht, lohnt sich der Aufwand. Neben dem Abenteuer verbringen wir eine schöne Zeit an den natürlichen und sehr erfrischenden Pools.

vor unserem Zimmer          

   Ausflug zum Wasserfall

         coole Tarnung 

   ob daraus ein Prinz wird?

4. Woche vom 25. bis 31. Januar 2012
Am Mittwoch eine Tagestour. Ein Schnellboot bringt uns in kurzer Zeit die wenigen Kilometer bis zur Insel Tortuga. Dort ankern wir an einem Felsen. Beim Schnorcheln zeigen sich erste Fische und machen Lust auf mehr. 500 m weiter der nächste Stopp, wo bereits dreißig Leute im Wasser herum plantschen. Eigentlich erwarte ich wenig - und liege falsch. Unser Guide wirft etwas Futter ins Wasser und schnell ist das Boot von Fischen “umzingelt”. Genial. Ich schwimme praktisch mitten im Fischschwarm und bekomme ungefähr fünfzehn verschiedenen Arten zu sehen, scheinbar zum Greifen nah. Ohne Unterwasserkamera kann ich euch keine tollen Fotos zeigen, aber mir bleibt wenigstens die Erinnerung an einen schönen Schnorchelgang. Danach landen wir auf der Insel, essen zu Mittag und faulenzen herum. Die Strände sind schön, das Wasser klar und der Tag ein Traum. Einzig die Bootsfahrt zurück ist etwas rau und wir springen über manch Welle mit anschließender harter Landung.

Insel Tortuga                     

         sooo viele Fische

     am Strand von Tortuga

           Palm Beach

Unser Programm am Donnerstag: Bus fahren. Zuerst mit Gerüttel und Geschüttel nach Paquera, wobei wir für die 25 Kilometer eine geschlagene Stunde brauchen. Dann mit der bereits bekannten Fähre hinüber aufs Festland nach Puntarenas, wo der Bus nach Liberia gerade eine halbe Stunde weg ist. Also geht es nach der kleinen Zwangspause erst 15 Uhr weiter. Leider ist es ein alter und klappriger Bus. Der hält häufig und lässt auf einer Strasse mit unzähligen Schlaglöchern die Strecke bald zur Tortur werden. Recht ausgelaugt treffen wir abends in Liberia ein, wo sich nach einigem Suchen eine akzeptable Unterkunft für die Nacht findet. Ein nahes chinesisches Restaurant serviert Portionen die uns fast umhauen. Danach geht es gleich müde ins Bett.

           auf Tortuga

Der Tag darauf beginnt wie der letzte endete - mit Bus fahren. Heute geht es fix, so das wir sind schon 9 Uhr an der Grenze zu Nicaragua sind. Laut Reiseführer ein chaotischer Länderwechsel. Okay, die LKW stehen am Zoll in einer langen Schlange, aber das war es auch schon. Dank den Erfahrungen aus Asien sind wir in einer halben Stunde durch und somit in Nicaragua. Später erzählen uns Kanadier das man da auch zwei Stunden zubringen kann, also Glück gehabt. Der Kulturschock im neuen Land fängt  mit der ersten Busfahrt an. Ein alter US Schulbus, bereits total abgewirtschaftet, voll und eng. Ein werbender und laut rufender

             auf Tortuga

Schaffner, sowie ein Geld sammelnder und alle segnender Priester sind nur Bruchstücke von dem was auf uns einstürmt. Eine Stunde später die Ankunft in Rivas, wo es chaotisch weiter geht. Die Strassen eng und voller Marktstände. Am “Busbahnhof”, sprich ein staubiger und ungepflasterter Platz, hektischer Betrieb wie an der Börse. Jeder ist sich selbst der Nächste und sich anstellen wie in Costa Rica tut auch keiner - alle drängeln in den Bus. Nachdem wir am Bankautomaten einheimische Währung gezogen haben, kämpfen wir mit und entern den lokalen Bus nach San Jorge. Dort mit etwas Mühe ein schönes Hotel am See Nicaragua finden und die Eindrücke verdauen - das war ein Tag. Samstags mit der Fähre zur Insel Ometepe, die zwei Vulkane erschaffen haben. Sie zählt mit ihren 30.000 Einwohnern zu den größten besiedelten Insel in einem Süßwassersee. Nach der Ankunft fahren wir mit einem hoffnungslos überfüllten Bus um einen Vulkan herum bis Altagracia. Hier bleiben wir zwei Nächte und erkunden die Insel, die jedoch in fast allen Belangen hinter unseren Erwartungen zurück bleibt. Was sich deutlich zeigt sind die Preisunterschiede zu Costa Rica. Wir brauchen nur 60% unseres bisherigen Tagesbudgets. Vor allem Transport ist sehr billig

Bus fahren in Nicaragua       

         Insel Ometepe

 Ometepe, uralte Petroglyphen

     Strassen in Nicaragua

Wir kürzen den Aufenthalt auf Ometepe und kehren bereits am Montag mit einer kleinen, altersschwachen Fähre über den fast immer windgepeitschten See aufs Festland zurück. Von Rivas weiter mit dem Bus ins 50 km entfernte Granada. Dort gestaltet sich die Suche nach einem Hostel schwierig. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, nur sind die meisten ausgebucht oder genügen nicht unseren Ansprüchen. In einer ruhigen Seitenstrasse finden wir schließlich was, das sich dann auch noch als das bis dato Beste der ganzen Reise entpuppt. Und Granada? Schon nach dem ersten Spaziergang wissen wir: eine tolle Stadt! Die Häuser extrem farbig, die Leute sehr freundlich und die Gegend einfach schön. Am Dienstag eine Tour durch die nähere Umgebung.

in Granada                      

  über den Dächern der Stadt

               Pause

     alte Kirchen in Granada

Zuerst eine Bootsrundfahrt auf dem See Nicaragua. Es sind nur wenige Touristen unterwegs und so haben wir einen Führer und ein Boot in das zwölf Personen passen für uns allein. Las Isletas, ein Insellabyrinth das durch einen Vulkanausbruch des nahen Mombacho entstanden ist, wird zum Ziel. Manche der Inseln sind so klein das gerade so ein Haus darauf passt. Das ist schön anzusehen, und die vielfältige Vogelwelt macht es nur noch interessanter. Am selben Tag ein Ausflug mit dem Bus ins 20 km entfernte Catarina, eines der viel beworbenen Pueblos Blancos und Zentrum des Kunsthandwerks. Die angebotenen Souvenirs bleiben alle dort, das wäre einfach zu viel und zu schwer um es die nächsten Wochen mit uns herum zu schleppen. So bummeln wir umher und genießen neben einem guten Essen den Blick über die Lagune Apoyo bis ins gerade noch sichtbare Granada.

Bootsfahrt Las Isletas          

           coole Miniinsel

       eine reiche Vogelwelt

             einfach so

Der bisher überaus interessante Tag ist damit nicht zu Ende. Auf dem Weg zurück lassen wir uns ein ganzes Stück außerhalb des Zentrums absetzen und besuchen den Friedhof von Granada. Überaus sehenswert, begeistert er mit seiner vielseitigen und teilweise ausgesprochen detailreichen Bildhauerei. Bei dem blauen Himmel kommt der weiße Stein nur um so besser zur Geltung.

Kunsthandwerk in Cristina     

         Friedhof Granada

   manchmal etwas morbid

   eindrückliche Bildhauerei   

5. Woche vom 1. bis 7. Februar 2012
Zur Vorbereitung auf das Programm am Mittwoch gehen wir am Morgen ins Spa Hotel Granada ans große Frühstücksbuffet. Danach bringt uns ein Bus 20 Kilometer weiter zum Nationalpark Vulkan Masaya. Soweit wir sehen sind wir die Einzigen die zum Kraterrand hinauf laufen. Der aktive Vulkan qualmt dabei deutlich sichtbar vor sich hin, ganz zu schweigen von seinem “Duft”. Oben angelangt eröffnet sich ein spektakulärer Blick in seinen Krater, der über 500 m weit und bis zu 300 m tief ist. Nachts soll man sogar den Kraterboden manchmal rötlich glühen sehen. Auf dem häufig schattenlosen Pfad kommen auch wir langsam ins Glühen. Nach dem Tag sind wir körperlich ganz schön geschafft und nach einem kräftigen Abendessen richtig reif fürs Bett.

auf dem Vulkan Masaya       

     der Krater des Masaya  

         buntes Granada

           noch mal bunt

Donnerstag verlassen wir widerstrebend Granada und das schöne Hostel “La Siesta”. Nächster Halt: die Hauptstadt Managua, etwa eine Busstunde entfernt. Laut Reiseführer soll man selbst bei den wenigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt vorsichtig sein. Das man in Managua ein unsicheres Gefühl bekommt können wir bald bestätigen. Trotzdem gehen wir zu Fuß auf den Lomo de Tiscapa. Abgesehen von etwas Aussicht hat das vor allem den Grund Canopy. Mitten in Managua sausen wir mittels Stahlseil und Rollen teils 60m über dem Boden und der Lagune Tiscapa hinweg. Die drei Strecken sind zusammen 1.200m lang und sorgen für Nervenkitzel. Am nächsten Morgen nehmen wir auf Anraten hin lieber ein Taxi zum Busbahnhof. Um wenigstens ein bisschen mehr von Managua zu sehen fügt der Fahrer eine kleine Stadtrundfahrt ein. 1972 durch ein Erdbeben zerstört, wurde das Zentrum teils sich selbst überlassen und verfällt nun langsam. Susi im Taxi zurücklassend, schaue ich mir das bei einem kurzen Spaziergang an. Zwischen den, teils gut erhaltenen, Ruinen begegnet mir fast niemand. Was für ein merkwürdiger Ort. Managua gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsstädten auf der Reise, da sie gesichtslos ist und praktisch keinen guten Eindruck hinterlässt. Übrigens: Wie schon häufig in Costa Rica haben die Strassen selbst in der Millionenstadt Managua keine Namen. Man orientiert sich an markanten Punkten, ältere Einwohner sogar noch wenn diese nicht mehr existieren. Von da zählt man in Blöcken, sprich Straßenkreuzungen, in die jeweilige Himmelsrichtung. Schwierig wenn gerade keine Sonne scheint. Auch wenn Namen existieren werden sie nur selten benutzt. Beschreibt uns jemand den Weg, werden Läden, Banken oder sonst etwas an der Ecke als Erklärung für den jeweiligen Straßenblock gebraucht. Für Taxifahrer wohl eine extra Herausforderung.

in Managua                      

   Canopy, was für ein Spaß

   das größtenteils aufgegebene Zentrum mit seinen Ruinen

Am Freitag Mittag mit dem kleinen Expressbus weiter nach Leon. Der kostet pro Person mit 40 Cordoba (1,35€) nur 0,30 € mehr als der normale, langsame. Dafür schaffen wir die 120 km in einer Stunde statt zwei, halten nur selten und haben neben mehr Ruhe auch einen eigenen Sitzplatz, was für ein Komfort. In Leon findet sich bald eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Gleich zu einer Erkundung durch die Stadt. Da sind wieder viele Kirchen und fast so farbenfrohe Häuser wie in Granada. Für zwei Dollar dürfen wir auf das Dach der Kathedrale und genießen von da tolle Ausblicke auf die Stadt sowie die nahe Vulkankette mit ihren insgesamt zehn Gipfeln. Am Sonntag geht es 25 km weiter an den Pazifikstrand von Las Penitas. Dort beziehen wir ein Zimmer das mehr oder weniger direkt am Strand liegt und hören den Ozean als würde er genau neben dem Bett an die Küste schlagen. Baden gehen macht viel Spaß, vor allem wenn man durch die heftigen Brecher taucht oder sich von ihnen mehr oder weniger widerstandslos an den Strand tragen lässt. Wir lassen den lieben Gott einen frommen Mann sein und tun recht wenig. Was bei Spaziergängen auffällt ist der allmähliche Verfall der Strandpromenade. Viele Häuser stehen leer, egal ob halb oder ganz fertig. Selten scheint Leben hinter den Mauern zu sein und an jedem zweiten Haus steht “zu vermieten, zu verkaufen”. Außerdem  fällt die generelle Langsamkeit der Gastronomie hier im Stranddorf auf. Selbst für einfachste Sachen wartet man gefühlt ewig.

in Leon                               

       Vulkane am Horizont

 auf dem Dach der Kathedrale

     mehr Kirchen in Leon

Am Dienstag von Las Penitas zurück nach Leon. Dort eine spektakuläre Fahrt quer durch die Stadt zum anderen Busbahnhof. Kurzfristig wurden Strassen gesperrt, und unser Busteam, Fahrer nebst Schaffner, muss seinen Weg durch den Irrgarten der Einbahnstrassen suchen. Da fährt der Bus auch mal verkehrt herum durch eine solche Strasse. Wir steigen trotzdem gesund in den nächsten Bus und starten in die Berge von Nicaragua. Das Ziel ist Matagalpa. Die Fahrt dauert und wir brauchen den Rest des Tages dafür. In Matagalpa finden wir ein preiswertes und gutes Zimmer. Für 15 US Dollar ist es sehr sauber, bietet ein richtig gutes Bett und fließend warm Wasser. Das ist hier selten! Am Tag liegt die Temperatur auf Grund der Höhe von 700 m, Wolken und kräftigen Wind bei erträglichen 22°C. Für mich eine Erholung nach häufig über 30°C in den letzten zwei Wochen.

6. Woche vom 8. bis 14. Februar 2012
Mittwoch eine Wäscherei suchen, denn wir haben fast nichts Sauberes mehr zum Anziehen. Doch in Matagalpa? Fehlanzeige. Das zeigt wie wenig Touristen hier Station machen. Letztlich übernimmt unser Hotel für kleines Geld den Job. Ebenso preiswert: Essen und Trinken ist noch günstiger als im Rest des Landes. Im einfachen Restaurant reichen für uns beide 5,50 €. Heute auf dem Programm: der Besuch einer Schokoladenfabrik. Die Gegend ist bekannt für Kakao und Kaffee und bereits auf der Herfahrt sahen wir viele Höfe vor denen die Bohnen in der Sonne zum Trocknen auslagen. Unser Plan klappt nur bedingt. Es ist eine sehr kleine Fertigung, gerade Mittagspause und letztlich wird nur eine Tour in spanisch angeboten. Auch die Maschinen laufen nicht und man kann keine flüssige Schokolade probieren. Immerhin durften wir uns kostenlos umschauen. Tags darauf versuchen wir es mit Kaffee und landen mit der Plantage Selva Negra, zu deutsch: Schwarzwald, einen Volltreffer. 11 km hinter Matagalpa setzt uns der Bus am eher unscheinbaren Tor ab. Zum Zentrum der Anlage läuft man eine halbe Stunde durch Kaffee Plantagen Neben dem Lebenselixier gibt es hier: ein Hotel, ein Restaurant mit künstlichem See und Faultier im Baum, im Wald versteckte Bungalows mit Namen wie “Gretel” oder “Hänsel”, sowie ein fast autark funktionierendes Dorf das neben Obst und Gemüse auch Strom und Methangas erzeugt. Eine starke Sache, und wie der Name vermuten lässt, wohl einst von Deutschen gegründet.

hier kommt der Eiermann       

     Plantage Selva Negra

     dem Kaffee ganz nah

  deutsche Spur in Matagalpa

Freitag fahren wir nördlich bis kurz vor die Grenze zu Honduras. Das Ziel Somoto bietet den Reisenden nur wenig Komfort und Infrastruktur. Unser “Hotel” hat lange kein Wasser und wir werden letztendlich mit einem Eimer voll davon versorgt. Auch das Abendessen wird in dunklen Gassen zum Suchspiel. Der Lohn für die Mühe folgt am nächsten Tag. Den Einheimischen schon ewig bekannt, “entdeckten” Europäer im Jahr 2006 bei Somoto einen 75 Millionen Jahre alten Canyon. Der ist teils 250 m tief und nur 10 m breit. Ein freundlicher Teenager fungiert als guter Führer. Mit Klettern, Waten und Schwimmen kommen wir voran, wobei manch Sprung von den Klippen, 20 m Höhe sind möglich, den Puls beschleunigt. Coole Sache, bei der uns im Schatten der steilen Wände langsam eine Gänsehaut wächst. Später geht es von der Sonne aufgewärmt nach Somoto zurück.

der Somoto Canyon             

   schrei - wenn du kannst

         mitten im Canyon 

     ein letzter Blick zurück

Morgens lief das Wasser im Hotel mal, am Nachmittag bleibt der Hahn erneut trocken. Für uns das Signal mit dem nächsten Bus nach Estelli zu fahren, wo wir uns mit einem Hotel belohnen das in Europa mindestens drei Sterne hätte. Sonntag schlafen wir aus und plündern dann das Frühstücksbuffet. Sonst hält uns hier nichts und wir packen. Inzwischen mit dem Land und hiesigen Gewohnheiten etwas vertraut, schaffen wir es auf dem Weg nach Süden dem unschönen Managua aus dem Weg zu gehen und wechseln den Bus in Tipitapa. Der Ortsname wurde für einige Tage zu meinem Lieblingswort ;-) Angekommen im Ziel Masaya können wir in einer Strasse auf nur 200 m zwischen sieben (!) Hotels und Hostels wählen. Neben coolen Cafes bietet die Stadt auch eine reiche Auswahl an Kunsthandwerk, was wir uns am Montag in aller Ruhe auf dem örtlichen Markt anschauen können. Bunte Kisten und Bilder sind normal, Hängematten in jeder Ausführung interessant, Leder und Keramik schön, die ausgestopften Tiere in allen (un)möglichen Verwendungen ein wenig grotesk. Dienstag brauchen wir insgesamt vier Busse um nach San Juan del Sur zu gelangen, aber diese Fahrten sind teils kurz und die Vorfreude auf ein paar Tage am Strand tun das übrige.

“Haltet unsere Gemeinde sauber” 

       ein Cafe in Masaya 

auf dem Markt in Masaya,                                                                               von bunt bis grotesk

7. Woche vom 15. bis 21. Februar 2012
Wir hatten lange überlegt wohin wir ans Meer gehen sollen, und anscheinend mit San Juan del Sur die richtige Wahl getroffen. Das Dorf liegt an einer wunderschönen Bucht, nur 30 km von der Grenze zu Costa Rica entfernt. Wir finden ein kleines Haus mit wenigen Zimmern und einer sehr netten Vermieterin, die uns jeden Morgen tollen Kaffee kocht. Die Zeit geht mit einer guten Portion Müßiggang dahin. Ausschlafen, bummeln, den einen oder anderen Cocktail nehmen und viel frischen Fisch essen. Ganz faul sein geht nicht, schließlich wollen wir zur Mittagszeit der starken Sonne entfliehen. Dabei erkunden wir die Gegend, wie die Christusstatue die mit 20 m Höhe auf einer Klippe nah beim Dorf steht. Am Weg fällt uns manch schönes Anwesen auf - man braucht ja vielleicht in Zukunft ein Ziel um den kalten Wintern in Europa zu entfliehen. Die Tage in San Juan del Sur vergehen damit heimlich, still und leise. Einzig erwähnenswert bleibt ein Ausflug an den Strand Madera. Die Strecke dahin ist recht kurz, doch in einem so schlechten Zustand das sie nur ein umgebauter LKW bewältigen kann. Diese Abgeschiedenheit hat durchaus ihre Vorteile. Hatte man bereits in San Juan del Sur ganze Strandstücke für sich allein, so begegnen einem hier kaum zehn Leute. Am herrlichen und fast weißen Strand finden wir ein schattiges Plätzchen und können uns im Meer erfrischen. Und das geht hier wirklich. Nachdem wir sonst überall wenigstens 25°C Wassertemperatur hatten, liegt die selbige in San Juan del Sur bei rund 20°C. Den Spaß im Wasser bringen die Wellen. Große Brecher laden ein zum Tauchen, Spielen und sich tragen lassen.

San Juan del Sur                

Sonnenuntergang am Meer   

 toller Strand vor der Haustür

     der Strand Madera

         schönes Anwesen

           Lutz vs. Welle 

     in San Juan del Sur

         Urlaubsidylle pur 

Montag verlassen wir nach sechs Nächten, bisher unser längster Aufenthalt an einem Ort, Rebecca’s Inn und streben Richtung Süden. Bis zur Grenze geht es richtig fix, dann beginnen die langsamen Mühlen der Bürokratie zu mahlen. Später als gehofft erreichen wir das Hoheitsgebiet von Costa Rica. Nach drei weiteren Bussen hängen wir dem Zeitplan noch mehr hinterher und verpassen in Tilaran den letzten Anschluss. Es könnte schlimmer sein, der Ort ist eine Übernachtung wert. Dienstag dann ins geplante Monteverde. Für die 39 km braucht der Bus wirklich geschlagene zweieinhalb Stunden, wobei wir auf einer schlimmen Schotterstrecke bis in 1.300 m Höhe fahren. Dort eine Unterkunft mit Blick über die Berge suchen und einen Plan machen. Die Temperatur liegt nun nachts unter 20°C, was vor allem am kräftigen Wind liegt. Susi holt da lieber ihre “dicken” Sachen raus.

8. Woche vom 22. bis 28. Februar 2012
Der Mittwoch beginnt mit einem Ausflug in den Schmetterlingsgarten. Dort erklärt uns eine russische Studentin was da kreucht und fleucht, womit wir einiges dazu lernen. Als Bonusprogramm dürfen wir durch vier große Schmetterlingshabitate laufen und sogar die heute frisch geschlüpften Exemplare in die begrenzte Freiheit entlassen. Farbenfroh flattert da einiges um uns herum. Am Nachmittag weiter in den Orchideengarten. Diesmal ist es ein deutscher Student der uns herumführt, was die Erklärungen für uns spürbar vereinfacht. Die Orchideen die wir sehen haben praktisch nichts mit dem zu tun was man sonst im Blumenladen sieht. Die, weltweit, kleinste Blüte ist gerade mal 1mm groß und kann nur mittels Lupe bewundert werden.

tolle Tarnung                     

wunderschöne Schmetterlinge

     Orchidee mal anders

       Natur in Vollendung

Donnerstag eine Wanderung auf den 1.842 m hohen Cerro Tres Amigos. Mit passendem Schuhwerk ist der steile Weg kein Problem. An den letzten Häusern von Monteverde schließt sich uns heimlich, still und leise ein kleiner Hund an. Ohne einen Ton wuselt er freundlich um uns herum und lässt dabei häufig weniger als einen Meter Abstand. An den Kreuzungen zeigt er wie selbstverständlich den richtigen Weg und “verteidigt” uns sogar wild bellend gegen eine Vogelspinne am Pfad. Nach Gipfelsturm und Abstieg verlässt er uns ohne ein “Wort” an gleicher Stelle in Monteverde. Freitag nehmen wir den 6 Uhr Bus. Das ist sehr früh und definitiv nicht unsere Zeit, doch die einzige Möglichkeit es an einem Tag bis nach Jaco zu schaffen. Der alte klapprige Bus verpestet mit seinen Abgasen dermaßen die Luft, das uns zu Beginn fast schlecht wird. Im bereits bekannten Puntarenas umsteigen und am Nachmittag in Jaco, DEM Strandort in Costa Rica, eintreffen. Was sofort auffällt: Tourismus pur. Der Ort scheint nur aus Hotels, Restaurants und Bars zu bestehen, die Strassen sind voll mit Urlaubern jeder Nation. Dazu der Wechsel zurück ins feuchtheiße Klima. Nicht mein Geschmack, aber für uns die letzte Möglichkeit auf dieser Reise Sonne und Strand zu genießen. Nach längerem Suchen finden wir ein ruhig gelegenes Aparthotel mit großem Zimmer und eigener kleinen Küche. Zum schönen Strand sind es nur 200 m. An dem liegen wir in den nächsten Tagen öfters. Sonntag kommen Kurt und Annaliese zu Besuch und wir lassen mit ihnen zusammen noch einmal unsere Reise Revue passieren. Montag gehört praktisch das Hotel uns allein, wir werden am Pool von der Besitzerin mit kostenlosen Cocktails verwöhnt und können uns unbeobachtet bewegen. Ein Wermutstropfen: Susi öffnet die Mail einer Bekannten und legt mit dem angehängten Virus meinen Rechner lahm. Das geschieht zur wahren Unzeit. So sitze ich häufig und lange im Internetcafe um mit Continental Airlines zu verhandeln. Der Grund: unser Aufenthalt in New York erscheint für den notwendigen Flughafenwechsel zu kurz. Erfolg dabei habe ich keinen und so sehen wir einer Nerven aufreibenden Heimreise entgegen. Dienstag fahren wir nach Alajuela und bleiben die Nacht in der Casa del Suiza.

Blick vom Tres Amigos         

       fette Vogelspinne

         unser “Bergführer” 

         Faulenzen in Jaco

9. Woche vom 29. Februar bis 1. März 2012
Am Mittwoch startet unser aufregender Trip nach Hause. Schon der Abflug in Costa Rica verzögert sich um eine ganze Stunde weil wegen starker Winde das Verhältnis von Kerosin und Flugzeuggewicht nicht passt. Nur wenige Fluggäste zeigen sich bereit gegen Vergünstigungen einen späteren Flug zu nehmen, also werden zusätzlich ungefähr 50 Gepäckstücke ausgeladen. Dumm nur, das keiner weis welche das sind. Als wir in New York am Flughafen Newark landen sind von geplanten dreieinhalb Stunden Aufenthalt nur noch zwei übrig - unser Puls liegt bei 180. Warum verkauft eine Airline solche zweifelhaften Verbindungen und lässt ihre Fluggäste dann so im Regen stehen? Am Gepäckband warten wir leider vergebens, lernen jedoch ein Schweizer Paar mit den selben Problemen kennen. Mit ihnen, aber ohne Rucksäcke, nehmen wir ein Taxi und jagen für den Preis von 120 USD in einer dreiviertel Stunde quer durch New York zum Flughafen JFK. Die kleine Stadtrundfahrt kann keiner von uns genießen. Immerhin hat unser Anschluss auch Verspätung und wir kommen gerade noch so mit. Der nagelneue A340 ist nur halb voll und viele machen sich auf den 4er Bänken lang. Der fähige Pilot und günstige Winde verkürzen den Flug um anderthalb Stunden, womit wir am Donnerstag Morgen auch den Flieger von Frankfurt nach Zürich erreichen. Unser Gepäck braucht weitere 99 Stunden bis wir es in Meierskappel entgegen nehmen können - was für ein erzählenswertes Abenteuer!

(M)ein Fazit
Nachdem der Rechner wieder läuft, sowie alle Programme und Bilder wieder aufgespielt sind, wird es Zeit für ein kleines Fazit:
Es ist wie immer schwierig so eine Reise in nur wenige Sätze zu packen. Für mich waren diese zwei Monate mehr Urlaub als Abenteuer, mehr “lay back” als “go, go, go”. Zugegeben - Mittelamerika scheint dafür wie geschaffen. Andererseits bot vor allem Costa Rica kaum mehr als das. Bevor sich jemand über dieser Worte aufregt: ich habe schon einige Ecken dieser Welt gesehen und bin vielleicht deswegen nicht mehr für alles zu begeistern. Aber selbst Susi als Backpacker Neuling empfand so, also scheint mein Eindruck zu stimmen. Hauptsächlich wird im Land die Natur in den Vordergrund gerückt, welche sich jedoch bei dem dauerhaften Ansturm der Touristen immer weiter zurückzieht, bzw. teils deutliche Spuren ihrer Ausbeutung zeigt. Die  Städte, egal welcher Größe, versprühen nur wenig Charme und sind schnell vergessen. Eine starke Amerikanisierung trägt das übrige dazu bei das man sich Florida näher fühlt als einem erträumten Mittelamerika - Preise inklusive! Nicaragua dagegen ist nur eine Grenze entfernt und eine ganz andere Welt. Vom “reichen” Nachbarn Costa Rica eher verpönt, zeigt das Land häufig eine natürliche Freundlichkeit und Zufriedenheit. Granada wie auch Leon ragen als sehr positive Beispiele von Städten mit Charakter und Stil hervor. Obwohl viele im Land recht arm sind, fühlt man sich auch außerhalb der Zentren sehr willkommen und sicher. Das Abenteuer in Nicaragua ist noch das was das Wort ausdrückt, beginnend mit jeder Busfahrt. Preis und Leistung stimmen, und auf Grund der geringeren Besucherzahlen kann man mehr erleben, mehr sehen, mehr sein. Von Panama haben wir nur ein kleines Stück gesehen, was mich dazu bewegt es nahe an Costa Rica einzuordnen, der starke amerikanische Einfluss auch hier an jeder Ecke spürbar. Also: Mittelamerika ist auf jeden Fall eine Reise wert! Wer es möglichst westeuropäisch mag, sollte mit Ländern wie Panama oder Costa Rica anfangen, aber auf keinen Fall ein Kleinod wie Nicaragua verpassen. Für mich persönlich ist das Kapitel noch nicht abgeschlossen, dafür klingen Namen wie Mexico, Guatemala oder Honduras einfach zu gut Abgeschlossen dagegen scheint etwas anderes zu sein. Wie schon gedacht, wird so eine Reise zu zweit praktisch zu einem Seelenstriptease. Dabei spürt man sehr schnell und intensiv ob man zusammenpasst oder nicht...