Frankreich gehört zu den Ländern die ich mehrmals bereist habe.
In den frühen 2000er Jahren begann das gemeinsam mit Freunden. Ein paar Mal waren wir in den französischen Alpen, um auf Rennrädern den Spuren der Tour de France zu folgen indem wir einige der bekannten Pässe bzw. Berge bezwangen. Gute Bilder davon existieren schon ein paar, die sind aber meiner Meinung nach der Übersichtlichkeit dieser Seite nicht zuträglich. 

meine Reiseroute in 2012

Dem zufolge der erste Eintrag vom 30. September 2012, als ich Sonntag Morgen gegen acht mit dem Auto die Fähre, aus Portsmouth kommend, in Le Havre verlasse. Die Stadt wurde nach der großflächigen Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut, nur war die Architektur damals mit viel Beton und klaren Kanten weder in Frankreich noch sonst wo auf der Welt besonders schön, vor allem aus heutiger Sicht. Die moderne Kirche ähnelt äußerlich einem Silo, allerdings zaubern tausende kleiner Fenster tolles Licht und Farben ins Innere. Später fahre ich bei traumhaftem Wetter langsam die Küste der Normandie ab. Kurze Pausen an historischen Plätzen vom D-Day. Bunkeranlagen der Deutschen und Teile mobiler Hafenanlangen der Alliierten widerstehen seit 70 Jahren Wind und Wetter.

Mein letzter Halt am Soldatenfriedhof in La Cambe, beklemmender Schlusspunkt des sonst schönen Tages. Zwei Hostels haben schon Saisonende, also Camping. Montag nach Mount St. Michel. Das Kloster steht genial auf dem Felsen vor der Bucht, nur rauben Baufahrzeuge Ruhe und Grandesse. In den 60gern baute man einen Damm mit Strasse um Touristen unabhängig von Ebbe und Flut zum Kloster zu bringen. Fehlende Wasserzirkulation führte zu Sedimentablagerung, der Mount war letztendlich keine Insel mehr. Nun revidiert man mit Millionenaufwand die Fehler, weswegen die ganze Bucht eine einzige Baustelle ist. 

die Kirche von Le Havre

Dorf in der Normandie

deutsche Verteidigungsanlage

Mount St Michel

Dienstag ein Bummel in St. Malo. Schöner Ort am Meer mit existenter Stadtmauer. Nach Meer und Strand führt mein Weg nach Dinan. Der Stadtkern noch aus dem Mittelalter. Fachwerk, Feldsteine und nichts wirklich gerade, deswegen sehenswert. Dann verlässt mich das Glück. Geschlossene Hostels, eigentlich im Oktober noch geöffnet, schlechtes Wetter und Geschichten die mich zweifeln lassen das ich hier willkommen bin. Erst in Lorient findet sich ein preiswertes Bett. Nach langer Reise fehlt die Lust auf Experimente und schlechtes Wetter, also kürze ich ab. Mittwoch ein langer Tag im Auto, um ohne Maut die 500 km bis Paris zu schaffen. Gemeinsam mit vielen LKW trotze ich Sturm, Regen und Bezahlstationen. Am nächsten Morgen gehöre ich zu den ersten die das Chateau von Versailles betreten, war nicht schwer weil ich auf dem Parkplatz nebenan im Auto geschlafen habe. Versailles? Klasse! Prunk, Pomp und Extravaganz. Das beschreibt Schloss, Gärten und Parks am besten. Der Spiegelsaal ist ein Traum aus Marmor, Kristall und Gold. Mein Hostel ist heute vorgebucht: günstig, ruhig gelegen, mit kostenlosem Parken.

in Dinan

nicht nur die Häuser historisch

Versailles

Versailles, im Spiegelsaal

Freitag bei schönem Wetter ein Stadtbummel. Was soll ich sagen: Paris ist Paris, ist Paris! Viele waren schon hier, denen die es noch nicht geschafft haben kann ich einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Von mir bekommt die Stadt den ersten Platz im “Großstadtwettkampf” diesen Sommers. Auch wenn die Hauptattraktionen förmlich von Menschen überrannt sind, findet man nur einige Gassen weiter nette Cafes und etwas Ruhe. An meinem Weg durch das Zentrum liegen: Ile de St Luis, Ile de la Cite mit der Kathedrale Notre Dame, Sorbonne, Pantheon, Botanischer Garten, Palais de Luxembourg, Friedhof Montparnasse, Hotel des Invalides, Parc du Champs de Mars, Eiffelturm, Palais du Trocadero, Arc de Triomphe, Champs Elysees, Grand Palais, Petit Palais, Jardin des Tuileries und Louvre, So vergeht der Tag wie im Flug und ich habe am Abend qualmende Füße.       

Paris, Eiffelturm

Kathedrale Notre Dame

Hotel des Invalides

Pont Alexandre III

Samstag meide ich das Zentrum und spaziere über den sehenswerten Friedhof Pere Lachaise. Die Gräber teils hunderte von Jahren alt und grün verwachsen auf einem von Hügeln durchzogenen Areal. Nachmittags ein Bummel im Stadtteil Montmartre. Überdachte Boulevards, die Oper, Place de la Madeleine, Pigalle und die Basilique du Sacre Coeur. Leider fängt es dann an zu regnen. Nach einem frühen Abendessen starte ich erneut in die Stadt. Grund ist die “Nuit Blanche” - eine weiße Nacht. In der öffnen Museen kostenlos für wenigstens die halbe Nacht ihre Türen und auf den Straßen an der Seine soll was los sein. Nun, nicht nur ich werde von der angepriesenen Nacht enttäuscht. Meine favorisierten Museen haben trotz anders lautender Infos geschlossen und an den anderen steht man im Regen eine Stunde an. Auch auf den Strassen kann man außer vielen Autos nichts erleben, was aber auch am Wetter liegen kann. Nach Mitternacht breche ich frustriert ab und ziehe ein trockenes und warmes Bett vor. Sontag fahre ich weiter nach Reims, in der Champagne gelegen. Da besuche ich die Krönungskathedrale von 36 europäischen Oberhäuptern und gebe mich in den Kellern von Taittinger zwei Etagen tiefer dem Champagner Genuss hin. Der Gang durch das angesehene Haus führt vorbei an zig tausend Flaschen jeder Größe, in denen das wertvolle Gesöff langsam vor sich hin reift. Die ältesten Keller stammen aus dem 4. Jahrhundert und wurden von den Römern gebaut.

der Louvre bei Nacht

Friedhof Pere Lachaise

Taittinger oberirdisch

Taittinger unterirdisch

Montag endet mein Aufenthalt 2012 in Frankreich und ich fahre nach einem Kurzbesuch in Luxemburg weiter nach Hause.

Das Jahr 2022         Ich bin mit dem Campervan in den Alpen unterwegs.
Nach einigen Wochen in Italien, wen es interessiert der kann über den Link hinter der italienischen Flagge direkt zu diesem Teil der Reise “springen”, überquere ich direkt an der Mittelmeerküste am 19. Juni 2022 die Grenze zu Frankreich bzw. Monaco.

hinter der Flagge der Link zum Teil der Reise 2022 in Italien

Fairmont, Monaco

 Reiseroute im Sommer 2022

Sonntag ist für mich wieder der perfekte Tag eine Großstadt zu besuchen. Nach einer Tropennacht in Arma di Taggia mit 28°C überquere ich hinter dem schönen Ventimiglia die Grenze zu Frankreich und parke bei Menton. Kleiner Schock an der Tanke: Diesel 2,36 €/l. Ich hatte mit weit weniger gerechnet. Egal, aufs Rad und ab nach Monaco. Vormittag geht es da gemächlich zu. Ich radle in aller Seelenruhe einmal um den Formel 1 Kurs, Fairmont Spitzkehre und Hafentunnel inklusive. Danach hinauf in die Altstadt mit Kathedrale und Fürstenpalast. Mehr ist nicht. Der Blick über den Hafen zeigt nur Hochhäuser und Yachten, das ist kein Platz für mich. Nach dem Mittag bin ich zurück am Auto, finde eine Tankstelle mit 2,12 €/l und biege ab in die Alpen. Der Kontrast zu den letzten Wochen könnte kaum größer sein. Die Küste von Ligurien, mit all den Menschen, dem Stress und dem Verkehr war sehr anstrengend für mich. Nun zieht, nur 20 km weiter in Sospel, Ruhe ein. Die Tage sind nach wie vor heiß, aber nachts kühlt es runter auf knapp unter 20°C. Die Straßen viel besser und der Verkehr manchmal kaum noch existent.

Blick über Monaco

Fairmont Spitzkehre

Fürstenpalast

Kathedrale Monaco

7. Woche vom 20. bis 26. Juni 2022
Montag eine Runde mit dem Rad durch die nahen Berge. Die Straßen sind meist schmal, aber wirklich gut asphaltiert, und nur selten begegnet einem jemand. Später beim Campingplatz am Rande der Stadt einquartieren, dort die Ausrüstung pflegen und auch die Homepage vorwärts bringen. Tags darauf die nächste Runde auf dem Rad. Mir fehlen noch Trainingskilometer und bald stehen die richtigen Berge an. Mittwoch fahre ich nach einem gemütlichen Morgen weiter und komme über kleine Pässe ins Dorf Touet-de-l’Escarene. Mein Gott, wer lässt sich denn solche Namen einfallen. Hier sagen sich Fuchs und Hase “Gute Nacht”. Da leben möchte ich nicht, aber als Besucher hat diese Abgeschiedenheit durchaus ihren Reiz, was einige Fotos belegen können.

Sospel

in den Bergen bei Sospel

inTouet-de-l’Escarene

Col St. Roch

Am Donnerstag ist der Himmel ausnahmsweise Wolken verhangen und im Laufe des Tages regnet es sogar einige Zeit. Ich fahre weiter nach Luceram. Das Dorf gefällt mir von Beginn an, so hoch am Hang über der kleinen Schlucht inmitten grüner Wälder. Dazu sind die Häuser sehr ordentlich und die Gassen, obwohl es kein Touristenort ist, mit allerlei Krimskrams ausgeschmückt. Ein guter Parkplatz ist schnell gefunden, die öffentliche Toilette liegt gleich daneben. Das zeichnet Frankreich jetzt schon aus: im kleinsten Dorf findet sich ein sauberes “WC Public”. Spät am Nachmittag kommt die Sonne raus, grad recht für eine Radtour

Luceram

ein Spaziergang durch das Dorf macht einfach Spaß

La Madonne de l’Utelle

Freitag trenne ich mich schweren Herzens von Luceram. Auf den engen Straßen mit vielen Kurven, Vorsicht bei Gegenverkehr, durch die Berge nach Lantosque. Von da mit dem Rad südlich auf der M2565 bis Saint-Jean la Riviere. In der Schlucht gelegen kann es nur eine Richtung geben: bergauf. Schön windet sich die einsame Strasse vorbei an Utelle auf ein kleines Hochplateau mit Kirche zu Ehren der Madonne de l’Utelle. Das sieht eher aus wie in Mexiko oder Guatemala. Vor den angesagten Gewittern bin ich zurück in Lantosque und fahre bis Roquebilliere. Wer sich übrigens wundert: geplant war nur ein kurzer Abstecher nach Frankreich nebst baldiger Rückkehr nach Italien. Durch die Sperre des Tende Tunnels ein neuer Plan: auf der “Grande Tour des Alpes” mitten durch die französischen Alpen. Laut Reiseführer gibt es da auch mehr zu sehen als auf der italienischen Seite. Samstag ein Ruhetag in Roquebilliere, abgesehen vom Spaziergang hoch ins Dorf Belvedere, wo heute gerade ein Dorffest mit Livemusik statt findet. Sehr schön. Ansonsten überrascht das sehr breite und neben heller Steine und Felsen tote Flußbett. Sonntag eine Radtour auf den Col de Turini, der als Höhepunkt der Gegend immer mal wieder im Programm der Tour de France steht. Ein langer schwerer Anstieg der allerdings sehenswert an Dörfern und Schluchten vorbei führt. Oben angekommen die Schleife l’Authion, deren sehr schmale Einbahnstrasse um den Gipfel führt, Ausblick und Festungsruinen als schöne Zugabe.

Utelle

Lantosque

Blick vom Col de Turini

sehenswerte Strecke

8. Woche vom 27. Juni bis 3. Juli 2022
Nach der Nacht auf dem kleinen Zeltplatz Saint Joseph in Saint-Martin-Vesubie trampe ich morgens rauf nach La Colmiane, wo der Klettersteig zum Baus de la Frema beginnt. Nach den Erfahrungen aus Südtirol traue ich mir den zu. Die Via Ferrata beginnt aufregend mit senkrechter Kletterei und einer langen Hängebrücke an den Les Aiguillettes. Gutes Aufwärmtraining, denn beim nächsten Abschnitt, Miejou, muss man einen fiesen Überhang hoch klettern. Kurzes Stück zum Verschnaufen, dann die Grotte. Da geht quer eine 30 m lange Seilbrücke durch, 20 m über dem Grund. Drei Paare hatte ich über-/eingeholt. Die lassen mir den Vortritt. Mit Herzklopfen geht es. Allerdings zeigt der folgende Blick um die Ecke nur eine glatte Felswand mit Eisenhaken und kleinen Fußplatten. Diese Sektion wurde neu eingebaut und ist absolut heftig. Kategorie “E” oder “K5”. Ich bleibe allein, keins der Paare folgt mir. Es braucht all meine Kraft und Geschick um diese lange und sehr schwere Sektion zu überwinden. Der Rest ist im Verhältnis nur mittelschwer. Nach dreieinhalb Stunden und 600 Höhenmetern kommt am Gipfel wahres Siegesgefühl auf. Eine waghalsige Kletterei die in guter Erinnerung bleibt. Der mich dann ins Tal mitnimmt erzählt vom katastrophalen Unwetter im Oktober 2020, als kleine Flüsse in wenigen Stunden um 7 m(!) stiegen und die Täler verwüsteten. Daher auch die breiten und toten Flussbetten. Aufräumarbeiten dauern an und werden wohl noch Jahre brauchen. In Wikipedia staht darüber ein Artikel.

St-Martin-Vesubie

Les Aiguillettes

die Grotte mit Seilbrücke

40 m Abgrund an der glatten Felswand

Pause...

...und weiter

Der Dienstag ist zum Erholen da, die Tour von gestern steckt mir noch in den Knochen. Am frühen Nachmittag fahre ich weiter bis Rimplas, welches wie auf einer Klippe zwischen den Tälern liegt. Ein paar Gewitter kommen und gehen, wobei ich hoch oben einen Logenplatz zur Beobachtung habe. Genialer Stellplatz. Als gegen Abend alles durch ist ein Spaziergang mit tollem Ausblick Mittwoch sind es nur wenige, aber steile, Kilometer runter nach Saint-Sauveur-sur-Tinee. Auch dieses Dorf ist sehr angenehm und ein Stellplatz gleich gefunden. Bisher ist das Reisen durch Frankreich sehr entspannt. Fast leere, nur eben häufig schmale, Strassen. Dörfer in denen man einfach Stellplätze findet, dazu gute Infrastruktur mit WC, Trinkwasserbrunnen und öffentlichem WLAN. Heute kommt hier gerade eine Showrallye durch und die Autos müssen an einem Checkpoint halten. Das sind fast nur Ferraris, aus den 60gern bis zu hypermodernen E-Autos. Genuss für Auge und Ohr. Für mich dann eine Radtour auf den Col de Sinne. Der abgelegene Pass wunderschön und praktisch verkehrsfrei, dazu liegt der Ort Ilonse spektakulär auf einem der Gipfel

Rimplas, toll gelegen

weiter, immer weiter

Showrallye am Checkpoint

da sind tolle Autos dabei

Tags darauf fahre ich schon recht früh den Pass rauf zum Col de la Couillole. Das ist gut so, da sind nur wenige unterwegs. Die schmale Strasse führt spektakulär am Rand einer Schlucht nach oben. An einer Baustelle muss ich sogar die Spiegel einklappen und mich vom Bauarbeiter vorbei lotsen lassen. Auf halber Strecke “klebt” das Dorf Roubion am Fels. Das schaue ich mir näher an. Später in Beuil auf das Rad umsteigen. Südlich radle ich in die Schlucht Gorges du Cians, sehr markant mit den tiefroten Felsen. Bergab nehme ich die schnelle Strecke durch die Tunnel, bis ich umkehre und die Tunnel zu Fuß auf der ursprünglichen Strecke umgehe. Da zeigt sich die Schlucht in ihrer ganzen Pracht, was die Autofahrer praktisch gar nicht mitbekommen. Am Nachmittag fahre ich über Valberg, ein bekannter Skiort, bis ins nächste Tal nach Guillaumes. Die Kleinstadt hat am Fluß extra für Wohnmobile und Camper einen kostenlosen Parkplatz auf Schotter mit ein paar schattenspendenden Bäumen geschaffen :-)

Gorges du Cian

ein Stück der alten Strecke

diese Bank lohnt eine Pause

Seit drei Tagen zeigt das Display im Auto an, das ich in den nächsten 30 Tagen zur Inspektion muss. Na super! Dabei war ich extra deswegen vor der Reise im VW Autohaus, wo man mir sagte das die nach 30.000 km oder 3 Jahren fällig ist. Nun kommt raus das diese Auskunft falsch war. Es beginnt eine Odyssee mit vielen Telefonaten und e-Mails. Zurück zur Reise. Am Freitag von Guillaumes aus mit dem Rad südlich in die Gorges de Daluis. Da haben die Felsen wie gestern eine intensiv rote Farbe, nur ist die Schlucht viel tiefer und man fährt im oberen Drittel durch sie hindurch. Dafür nutzt man 17 (!) kleine Tunnel. Ich kann mit dem Rad praktisch überall anhalten, klettere auf kleine Felsspitzen und schaue um die Ecken. Eine 2 km Wanderung führt schließlich zu einem tollen Aussichtspunkt. Das alles bei strahlendem Sonnenschein und über 30°C. Tags darauf erobere ich mit dem Rad den Col des Champs und fahre am Abend mit dem Camper gut bergauf bis an die Grenze vom Nationalpark Mercantour

Gorges de Daluis

Blick vom Point Sublime

coole Strecke mitten durch

Hochzeitsbrücke

Sonntag aufwachen in 1.850 m Höhe, morgens mit 15°C angenehm frisch. In die Wandersachen und rein in den Nationalpark. Die erste Menschenseele sehe ich nach drei Stunden, dafür lassen sich Murmeltiere blicken. Über den Pas du Lausson runter an den wunderschönen Lac d’Allos mit seiner kleinen Kirche. Danach geht es bergauf bis keine Vegetation mehr sichtbar ist zum Gipfel des Mont Pelat, immerhin 3.050 m hoch. Von oben kann man bei gutem Wetter auf der einen Seite bis zum Mittelmeer schauen, auf der anderen bis in die Schweiz. Eigentlich egal, die Aussicht ist einfach atemberaubend. Ein Umweg führt mich an zwei kleinen Seen vorbei und zeigt mehr Bergpanoramen. Eine abschließende Dusche im eiskalten Bergbach erfrischt ungemein. Mit dem letzten Tageslicht über den Col de la Cayolle. Obwohl mein Camper kaum größer als manches Auto ist, fahre ich die schmalen Passstrassen lieber zu verkehrstechnisch ruhiger Zeit und vermeide brenzlige Situationen, besonders mit Motorrädern

Nationalpark Mercantour

Murmeltierland

weiter oben: Steinwüste

Blick vom Mont Pelat

9. Woche vom 4. bis 10. Juli 2022
Am Montag ausruhen in Bacelonnette. Die Stadt hat ein enges Verhältnis zu Mexiko, was historische Gründe hat. Einige Häuser sehen dann auch eher nach Mittelamerika als nach Frankreich aus, es gibt viele mexikanische Produkte wie auch Essen. Ich kümmere mich erneut um VW, komme aber nicht weiter. Dienstag eine denkwürdige Radtour. Von Jausiers aus sind es 23 km, gewürzt mit 1.592 Höhenmetern, bis rauf zum Cime de la Bonette. Dessen 2.802 m Höhe sind offiziell die höchste Passstrasse in Europa, auch wenn das nur mit einer unnützen Schleife um den Berg erreicht wurde. Die eigentlichen 2.720 m hätten für das Prädikat nicht gereicht. Trotzdem eine tolle Auffahrt, die viel abverlangt, aber auch mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

die Strecke von Jausiers zum Col de la Bonette

tolle Sicht

 Val L’Ubaye

auf dem Gipfel des Cime de la Bonette

Ich bleibein Jausiers auf dem Campingplatz Le Planet. Der ist klein, gemütlich und der alte Besitzer Michel freut sich über jeden meiner Versuche französisch zu sprechen. Mittwoch bei erneut tollem Wetter mit dem Rad die Pässe Col de Vars und Col de Larche erobern. Nachdem ich gestern wieder erfolglos bei VW Deutschland eine Telefonnummer nach der anderen bekommen habe, zeigt sich heute ein Licht am Horizont. Das Autohaus in Saint-Jean-de-Maurienne hat in zwölf Tagen einen freien Termin für die notwendige Durchsicht. Schwierige Verständigung, die mit einigen e-Mails untermauert wird. So habe ich ein Zeitfenster und kann die weitere Route planen. Freitag verlasse ich recht früh Jausiers und halte erneut in Barcelonnette. Von da mit dem Rad (m)eine Königsetappe. Zuerst der Col d’Allos. Die Auffahrt ist jeden Freitag Vormittag nur für Radfahrer erlaubt, die Polizei ist zur Kontrolle vor Ort. Eine tolle Strecke, wie an den Berg geklebt und mit herrlichem Ausblick. Auf der anderen Seite runter rollen und den Col des Champs in Angriff nehmen. Den habe ich letzte Woche schon von der anderen Seite befahren. Waren zu Beginn noch viele “Kollegen” unterwegs, wird es nun immer einsamer. Immerhin einen Radfahrer sehe ich heute mehrfach. Als dritter Berg der Col de la Cayolle, der mir in der Nachmittagshitze alles abverlangt. Die rasende Abfahrt nach Barcelonnette ist durch tolle Schluchten ein würdiges Finish. Bin erschöpft aber glücklich. Das waren 120 km mit 3.566 Höhenmetern, Klasse!

Col d’Allos

Col de Champs

erschöpft am Col de la Cayolle

Abfahrt nach Barcelonette

Nach der gestrigen Tour geht am Samstag alles etwas langsamer von statten. Gemütlich ausschlafen, einkaufen und dann die 20 km bis Le Lauzet-Ubaye fahren. Eigentlich als Zwischenstopp gedacht steht schnell fest: hier bleibe ich. Ein toller Stellplatz für Camper, kostenlos und nur 100 m vom See entfernt. Ein Spaziergang am Nachmittag bringt mich zu einer Schlucht, einem stillgelegten Eisenbahntunnel und als Krönung die Cascades de Costeplane. Kein großer Wasserfall, dafür ein echt spektakulärer

kein Licht am Ende des Tunnels

Schlucht bei Le Lauzet-Ubaye

ein Abend am See

 Cascades de Costeplane

Sonntag fahre ich weiter und komme bald an den riesigen Stausee Lac de Serre-Poncon, der wenigstens 25 km lang ist. Dem fehlen schon jetzt rund 10 m Höhe, was bei der Fläche ein gigantisches Volumen ausmacht. Die Wasserknappheit sehe ich nun schon seit dem Beginn der Reise, und ergiebiger Regen ist auch nicht in Sicht. Das macht nachdenklich. Nichts desto trotz ist auf und am See viel los. Bei Embrun fließt die La Durance in den See, wo für Kajakfahrer eine professionelle Wettkampfstrecke gebaut wurde. Macht Spaß da zuzuschauen. In der Gegend sprudeln auch einige Mineralquellen, was die Fontaine Petrifiante de Reotier in der Nähe von Mont-Dauphin im Laufe vieler Jahre zu so etwas wie einem versteinerten Wasserfall werden ließ.

Lac de Serre-Poncon

Postkartenwetter

Kajakstrecke

Fontaine Petrifiante de Reotier

10. Woche vom 11. bis 17. Juli 2022
Montag fahre ich mit dem Camper nach Briancon. Das Wetter ein Traum, mit ein paar Schäfchenwolken am Himmel. Passend für eine Radtour. Das heutige Ziel, Col de l’Izoard, ganze 2.365 m hoch. Die Steigung beginnt gemächlich, wird ab Cervieres dann heftig. Es sind einige Radler unterwegs und trotz Anstrengung macht es einfach Spaß. Abends gehe ich in die Altstadt, hoch oben auf einem Felsen, gekrönt von den Ruinen der Festung. In Briancon bereitet man sich auf die Tour de France vor, die ab morgen hier gastiert. Dienstag erfahre ich in der Touristeninformation von den Zeiten der Strassensperrungen wegen der Tour.

auf dem Col de l’Izoard

Die sind der Grund dafür das ich Nachmittag aufbreche und hoch auf den Col du Lautaret fahre. Unterwegs stehen an der Strecke schon einige Wohnmobile und mir schwant was am Pass los sein wird. Genau so ist es. Die Parkplätze bereits voll und auch auf den Schotterplätzen nebenan stehen Fahrzeuge dicht gedrängt. Doch das Glück ist mir hold: ein Feldweg als Sackgasse, wo ich freundliche Italiener zuparken darf. Stehe damit ruhig, schön gerade und mit dem Ausblick auf alles :-).

Altstadt Briancon

Der ist übrigens mit dem Massiv des Meije im Hintergrund spektakulär . Die Nacht auf 2.050 m Höhe ist dann mit 12 °C herrlich erfrischend. Mittwoch aufs Rad. Lang ist die Abfahrt vom Col du Lautaret runter nach Le Bourg-d’Oisans, wo der berüchtigte Anstieg nach L’Alpe d’Huez beginnt. 21 Spitzkehren und 1132 Höhenmeter auf 13 km. Morgen kommt die Tour de France hier lang. An der Strecke feiern schon einige und feuern die zahlreichen Amateure an. Ich bin gut drauf und überhole ungefähr 200 Kollegen. Mit der Zeit von 1:06:20 h bin ich heute praktisch noch genau so schnell wie vor 15 Jahren. Das motiviert ungemein und hilft den Rückweg rauf zum Lautaret zu meistern, wo heut das Feld der Tour de France auf rasanter Abfahrt durch kommt.

mein Stellplatz am Col du Lautaret, Hintergrund : Meije-Massiv

Tour de France Gefühl auf dem Anstieg nach L’Alpe d’Huez

Donnerstag, 14. Juli, französischer Nationalfeiertag. Heute kommt das Feld der Tour de France von Briancon bergauf. Da lohnt sich das Zuschauen. Ich suche mir einen Platz oberhalb vom Col du Lautaret am Anstieg zum Col du Galibier. Tolles Wetter, wie praktisch jeden Tag. Weit vor dem Feld kommt die kommerzielle Werbetour. Schön anzuschauen, nur das wahllose in die Menge werfen billiger Werbeartikel finde ich unpassend. Von meiner Position aus sehe ich schon aus weiter Ferne die Fahrer kommen. Echt ergreifend, wenn sie dann nur einen Arm weit entfernt an dir vorüber ziehen, was bergan bei geringerem Tempo passiert.

Erst der Kommerz,
dann der Sport

das Feld schon von weitem in Sicht, dann die Fahrer ganz nah, das “Gelbe” vorn dabei

Am frühen Abend fahre ich über den Col du Galibier und übernachte einige Kilometer weiter mitten in der Prärie. Freitag von da zu den Seen Lac Rond, Lac du Grand Ban usw. wandern. Besonders schön: der Lac des Cerces, wobei auch das Bergpanorama  überwältigt. Bei der späteren Weiterfahrt komme ich in Les Verneys zufällig an der Ausstellung von Strohskulpturen vorbei. Toll was man alles aus diesem einfachen Material machen kann. Die nächste Nacht bleibe ich im kleinen Dorf Les Petites Seignieres.

Blick vom Col du Galibier

Lac des Cerces

*Panorama der Bergwelt

Stroh mal anders

Samstag fahre ich weiter nach Saint-Jean-de-Maurienne. Im Tal, die Stadt liegt auf knapp 600 Meter Höhe, ist es wieder heiß. 35°C und ein kräftiger Wind der kein bisschen kühlt. Da trifft es sich, das neben der Stadt ein kleiner See liegt. Sonntag zeitig aufstehen und eine Runde mit dem Rad. Den Col du Glandon bin ich schon früher gefahren und kenne die letzten, sehr steilen und schweren Kilometer hinauf. Heute kommen nach dem Gipfel weitere Kilometer dazu, um auch dem Col de la Croix de Fer (Eisernes Kreuz) einen Besuch abzustatten. Am Nachmittag will ich an den See, doch der ist gesperrt. Ziemlich nah brennt im unwegsamen Gelände der Wald und ein Löschhubschrauber holt ständig Wasser von hier. Das Feuer bleibt so unter Kontrolle.

11. Woche vom 18. bis 24. Juli 2022
Montag bringe ich mein Auto zur fälligen Durchsicht in die VW Werkstatt. Den Termin hatte ich mir mit viel Kampf und Krampf besorgt. Vom VW Kundendienst Deutschland gab es keine Unterstützung, nicht mal einen Rückruf oder eine Antwort auf meine Mail. Schwache Leistung. Am nächsten Morgen sind es nur 10 km bis Pontamafrey. Von da führt die Straße in 18 engen und steilen Spitzkehren hinauf nach Montvernier. Auf nur 3 km sind 260 Höhenmeter zu überwinden. Das geht fix, so bleibt Zeit für den kleinen Klettersteig nebenan. Der führt senkrecht an einem kleinen Wasserfall hinauf, wobei eine Leiter schräg nach hinten mitten in der Luft hängt. An der langen Hängebrücke übrigens ein XXL Bergtrikot der Tour de France. Coole Sache das alles.

die 18 kurzen, durchaus recht steilen, Spitzkehren hinauf nach Montvernier

Klettersteig bei Pontamafrey, die Leiter war sehr aufregend

Nachmittag in La Chambre zum Campingplatz Le Bois Joli, wo die Plätze großzügig verteilt im Schatten großer Bäume liegen. Bei 38°C hilft das wenig. Die Hitze schafft, mein Körper ist auch beim nichts tun gestresst. Ich nutze die Waschmaschine und arbeite an der Homepage. Donnerstag nach Albertville. 1994 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt. Viel bietet die Stadt nicht, auch das Quartier Conflans oben am Hang hinkt anderen hinterher. Immerhin hat die Stadt einen schönen Platz für Wohnmobile und Campervans reserviert. Mein Nachbar aus Mönchengladbach ist sympathisch und auch Klettersteigfan. Mit ihm quatsche ich lange beim Bier. Freitag in der kühleren Morgenluft mit dem Rad auf den Col des Cyclotouristes. Toller Name und schöne Strecke mit Aussicht. Nachmittag mit dem Camper über Ugine bergauf. Im enger werdenden Tal sinkt die Temperatur schnell von 36°C auf 31°C. Auch in Flumet ist der Stellplatz kein Problem. Der liegt am Fluss, 300 m neben einem Badesee. Am nächsten Morgen weiter bergan. Gleich hinter dem Col des Aravis liegt der Klettersteig Yves Pollet-Villard. Kein leichter, aber ein sehr schöner. Häufig geht es hoch oben an der glatten Felswand entlang oder es sind senkrecht Überhänge zu überwinden.

Route des Aravis

an dieser Wand klettern

Klettern mit Aussicht

Col des Aravis

In La Clusaz ist das Parken schwierig. Einen Platz für die Nacht finde ich erst etwas außerhalb. Tagsüber kann man das große Parkhaus kostenlos nutzen und so der Sonne ein Schnippchen schlagen. Der Sonntag ein denkwürdiger Tag auf dem Rad. Erst rauf auf den Col des Aravis, das macht Spaß. Nach einer kurzen Abfahrt lockt der Col de la Croix Fry, der zum Schluss mit über 10% Steigung richtig fordert. Bei der Abfahrt erwische ich mit 60km/h einen größeren Stein, der Vorderreifen ist platt. Kein Problem, ziehe den Ersatzschlauch auf. In La Clusaz will die Klickpedale nicht mehr den Schuh frei geben. Bis zum Radladen in Le Grand-Bornand ist der Vorderreifen wieder platt. Der nächste Schlauch platzt schon beim Aufpumpen, somit ist der Reifen wohl innen kaputt. Also alles neu, dazu die Pedale reparieren. Erst in der Hitze des Nachmittags komme ich ins schöne Vallee du Bouchet und auf den Col des Annes, dessen Steigung mir alles abverlangt. Ein 4. Berg war geplant, aber nicht mehr heute.

Le Grand-Bornand

Vallee du Bouchet

Col des Annes

La Clusaz

12. Woche vom 25. bis 31. Juli 2022
Montag bleibe ich vorerst noch in La Clusaz, ein wirklich schönes Dorf in dem die vielen Touristen kaum auffallen. Heute ist der für gestern geplante Col de la Colombiere dran. Auch wenn die Beine schwer sind, mit etwas Wille kämpfe ich mich hinauf. Das Wetter wird im Tagesverlauf immer schwüler und drückender, Gewitter gibt es trotzdem keines. Ich fahre mit dem Camper bis Cluses und übernachte dort. Am nächsten Tag gleich weiter bis Samoens, das schon in einer Art Sackgasse zwischen hohen Bergen liegt. Am Mittwoch mit dem Rad zum Klettersteig du Mont. Nette kleine Kletterei mit Blick ins schöne Tal gleich drunter. Mit der Via Ferrata bin ich am späten Vormittag fertig und radle bis zum Ende der Strasse am Cirque du Fer a Cheval. Das ist der größte Bergkessel in Europa. Echt beeindruckend, wenn man ringsum die fast senkrechten Felswände sieht die über 1.000m in die Höhe ragen. Im Frühjahr rauschen da zur Schneeschmelze ein Dutzend gigantische Wasserfälle zu Tal. Ich folge zu Fuß dem Fluss Le Giffre. Hinter dem Chalet de Prazon führt ein halsbrecherischer Pfad rauf zum Chalet du Boret. Schöner Ausblick von da, aber ich will mehr. Ein kleiner, sehr steiler, Pfad bringt mich 500 m höher zu einem kaum besuchten Kap mit gigantisch toller Aussicht. Wow! Der macht sprachlos. Ist das noch in Europa oder etwa schon in Neuseeland?

am Fluss Le Giffre

Strecke zum Chalet du Boret

das ist meine Welt, welch wundervolle Landschaft

Donnerstag Morgen mit dem Rad von Samoens aus hinauf auf den Col du Joux Plane. Das sind 978 m Höhendifferenz auf 12 km! Eine wirklich sportliche Herausforderung. Am Ziel liegt ein schöner See in dem sich in der Ferne sogar der Gipfel des Mont Blanc spiegelt. Zurück nach Samoens und gleich wieder mit dem Rad und Wandersachen los. Bei Sixt-Fer-a-Cheval abbiegen und das Tal rauf. Unterwegs der sehr schöne Cascade du Rouget. Am Ende der Strasse in Le Lignon das Rad abstellen und zu Fuß zum Chalets de Sales, fast schon ein Dorf. Am Weg tolle Wasserfälle und so manch unerschrockenes Tier. Beim Gipfelsturm auf den 2.497 m hohen Pointe de Sales sind leider die Wolken schneller als die Vorhersage, aber ich komme trocken wieder vom Berg.

auf dem Col du Joux Plane

 Via Ferrata du Mont

Cascade de la Sauffaz

 Cascade de la Sauffaz

Glückstreffer

Am Freitag regnet es sogar mal für einige Stunden, mein erster richtiger Regen seit drei Monaten. Der stört kaum beim Besuch des Botanischen Gartens in Samoens. Am Nachmittag eine entspannende Massage. Das versuche ich schon seit zwei Wochen, aber nirgends war ein Termin zu bekommen. Locker und erholt über Cluses nach Sallanches fahren, wo ich schön und ruhig an drei kleinen Seen übernachten kann. Tags darauf, das erneut schöne Wetter sei zu erwähnen, nach Passy. Bei den Thermen gibt es eine Via Ferrata durch die Schlucht. Ich erwarte nette Kletterei, doch die Erklärung vor Ort spricht von drei Stunden Schwierigkeitsgrad D bis D+. So ist es auch. Schon zu Beginn eine spektakuläre Kombination von Brücken und senkrechtem auf und ab. Dann viele Traversen, häufig überhängend. Der (zu) geringe Abstand zwischen Haltegriffen und Fußplatten ermüdet die Arme. Beim allerletzten, sehr schweren, Teilstück hänge ich deswegen auch kurz in den Seilen. Schön nun auch zu wissen das die Technik hält was sie verspricht. Wahnsinnig Spaß gemacht hat das trotz allem, das war ein toller Klettersteig.

Via Ferrata du Parc Thermal, schwierige Kletterei in einer spektakulären Schlucht

Chamonix und Mont Blanc

coole Perspektive

Noch am Abend fahre ich weiter bis Chamonix und kann so am Sonntag schon 7 Uhr zu einer langen Wandertour aufbrechen. Um die Zeit sind nur wenige unterwegs und es wird ein einsamer Aufstieg zum Hausberg Le Brevent, 2.525 m hoch. Nach zwei Stunden stehe ich an der kleinen Bergstation, die wie an den Fels geklebt erscheint. Der Ausblick von da auf Chamonix und den Mont Blanc ist wundervoll, vor allem an einem so strahlend schönen Tag. Der frühe Aufbruch macht es möglich die Strecke an Flegere vorbei bis zum Lac Blanc zu meistern. Ab Flegere, Bergstation der Seilbahn, sind sehr viele Leute unterwegs. Wohl nur wenige davon haben mit dem harten Anstieg zum See gerechnet, der sich allerdings lohnt. Im ruhigen, fast türkisfarbigen, See spiegelt sich die ganze Bergkette des Mont Blanc Massivs wider. Das Panorama habe ich während dem ganzen Abstieg vor mir.

dem Gipfel so nah

Lac Blanc

Blick über La Flegere

*Panorama Mont Blanc Massiv

13. Woche vom 1. bis 7. August 2022
Montag gemütlich zurück in westliche Richtung nebst einem längeren Aufenthalt in Passy. Tolles Wetter, aber mein Körper hat eine Pause verdient. Später weiter nach Megeve, doch der Ort gefällt mir gar nicht. Gut das Flumet, dort stand ich schon eine Nacht, nur 10 km weiter liegt. Tags darauf über Albertville wieder hinein in die hohen Berge. In Beaufort auf den Campingplatz, auch wenn die nur ein Nacht was frei haben. Gleich eine Waschmaschine starten, die Sachen trocknen durch starken Wind und Sonne in Rekordzeit. Am Mittwoch Vormittag mit dem Rad den Col de Joly erklimmen. Nach 24 km und 1.300 Höhenmetern ein schöner Blick auf den Mont Blanc. Später dann mit dem Camper hinauf zum Lac de Roselend, ein toll gelegener Stausee dessen Wasser fast türkisfarben schimmert. Auch hier fehlt jede Menge Wasser. Hinter der Staumauer finde ich einen tollen Stellplatz. Donnerstag lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad die paar Kilometer bis Plan de la Lai, auch wenn es gut bergan geht. Im Gepäck die Klettersachen, denn am Rocher du Vent wartet eine Via Ferrata. Viel Betrieb da, man muss teils länger warten bis es weiter geht. Die Kletterei ist selten schwierig, bietet aber Nervenkitzel, wie die Seilbrücke, und tolle Aussicht auf den Lac de Roselend wie auch auf den Mont Blanc. Mein Nachmittag dann am See, in dem Baden eigentlich verboten ist.

Lac de Roselend

Blick von meinem Stellplatz

genialer Ausblick vom Gipfel des Rocher du Vent

sehr schöner Klettersteig

Nach der nächsten, herrlich ruhigen, Nacht am Lac de Roselend eine Wanderung auf den Roche Parstire. Nur mäßige Aussicht, da hätte ich mehr erwartet. Gegen Mittag die Weiterfahrt über den Pass bis Les Chapieux, ein kleiner Flecken in einem Hochtal auf 1.560 m Höhe. Für viele der Startpunkt zum mehrtägigen TMB, eine Umrundung des Mont Blanc Massivs. Für mich heut nur schnell rauf zum Col de la Seigne, denn bald soll es gewittern. Schönes Tal, eine tolle Strecke und viele herrliche Ausblicke. Dafür hat manch einer der schwer bepackten Wanderer gar kein Auge, die wollen nur endlich oben ankommen. Ich schaffe es trocken zum Camper zurück und erlebe die Gewitter erst unten im sicheren Bourg Saint Maurice, mein nächster Aufenthaltsort.

immer wieder der Mont Blanc

Aufstieg zum Col de la Seigne

 *Panorama der Bergwelt

in Bourg Saint Maurice

Samstag eine verdiente Pause in Bourg Saint Maurice. Es ist wieder heiß, um die 35°C. Immerhin sinkt nachts das Thermometer unter 20°C. Da schläft es sich gut im “oberen” Stock meines “Palastes”. Am Sonntag sitze ich bereits 9 Uhr auf dem Rad um der Wärme wenigstens ein bisschen zu entgehen. Mein Ziel ist der Pass Petit Saint Bernard, gleichzeitig Grenze zu Italien. Die Strecke ist sehr gut ausgebaut und die 1.300 Höhenmeter Differenz verteilen sich auf 28 km. Das macht echt Spaß und ist für mich kein bisschen Quälerei :-). Tolle Ausblicke, rauf wie runter, und dazu jede Menge Kollegen am Berg, es ist Wochenende.

14. Woche vom 8. bis 14. August 2022
Montag bleibe ich in Bourg Saint Maurice. Mit dem Rad heute erst am Fluss L’Isere entlang. Da haben sie einen tollen Radweg gebaut - und mächtig gepfuscht. Wie bei der alten DDR Autobahn gibt es teils alle 10 m einen spürbaren Absatz, das macht mit dem Rennrad keinen Spaß. In Aime abbiegen und rauf nach La Plagne. Die Beschreibung der Auffahrt ist wohl leider etwas geschönt, da hätte ich mehr erwartet. Tags darauf mit dem Camper die nun schon bekannte Strecke bergauf zum Petit Saint Bernard. Oben parken und zu Fuß den 2.936 m hohen Lancebranlette erklimmen. Da sind viele Leute unterwegs, verständlich wenn man schließlich auf dem Gipfel steht. Erst da entfaltet sich ein grandioses Panorama mit dem Mont Blanc im Zentrum.

auf dem Petit Saint Bernard

vom Gipfel des Lancebranlette

*Gipfelpanorama

wer wissen will wie die Reise weitergeht: der Link führt nach Italien

Ich fahre dann über die Grenze nach Italien. Die Zeit in Frankreich war phänomenal, wenn auch nicht so geplant. Das Land bietet für individuelles Reisen eine tolle Infrastruktur, für mich die bisher Beste in Europa, mit Stellplätzen, Trinkwasser, WLAN, Toiletten, günstigem Camping. Das Essen ist super und ein Baguette viel besser als das was man uns in Deutschland anbietet.