finale Version vom 21.04.2024

Ende April 2023 breche ich zu einer längeren Reise in die USA auf. Hier Teil 2 ab Ende September 2023

 

 Reiseroute nebst besuchten Orten

23. Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2023
Nach fünf Monaten Roadtrip durch die USA ist die erste Seite lang genug und es geht hier weiter. Nicht verwirren lassen das ich derzeit in Kanada bin, die Erklärung folgt schon morgen. Donnerstag fahre ich im Okanagan Valley nach Süden. Die Gegend  ist sehr trocken und bildet praktisch das nördliche Ende der Sonora Wüste, die in Mexiko beginnt. Dank Bewässerung gedeihen jedoch viele Früchte prächtig. Am Weg liegt der Ort Oliver, die Weinhauptstadt Kanadas. Gegen Mittag die Ankunft in Osoyoos kurz vor der Grenze. Das Dorf liegt malerisch am gleichnamigen See. Ich parke am Haynes Point, die schmale Landzunge reicht  weit in den See. Spät am Nachmittag zieht ein heftiges Gewitter durch, dafür gibt es hinterher schöne Regenbögen. Freitag als erstes hinauf zum Anarchist Mountain fahren, der Blick über das Tal mein letzter Eindruck von Kanada. Dann zur US Grenze. Die  Befürchtung das meine zwei Wochen in Kanada nicht zu einem neuen Visa für ein halbes Jahr reichen bewahrheitet sich. Nach längerer Befragung werde ich an den Supervisor verwiesen. Auch der befragt mich intensiv und will noch Unterlagen sehen, wie Bankkonto, Krankenversicherung usw. Sieht nicht gut aus, aber dann schickt er einen Beamten vor, der mir kurz und bündig die vorzeitige Visaverlängerung, gültig bis Ende März 2024, in den Pass einträgt. Manchmal bin ich doch echt ein wahrer Glückspilz.

in Oliver

     Gewitter am Osoyoos Lake und die Regenbögen danach

 Blick vom Anarchist Mountain

Nach einer Pause in Oroville komme ich heute bis Tonasket, wo der Aeneas Lake mit ruhigem Stellplatz und dem Panorama der umliegenden Berge punkten kann. Samstag dem Highway 97 nach Süden folgen und bei einer Pause in Omak den Kühlschrank füllen. Das Wetter nun wieder traumhaft schön, wie das letzte Mal als ich am 01.08. durch kam. Da allerdings war es höllisch heiß. Bei Brewster stoße ich mal wieder auf den Columbia River, die Lebensgrundlage für viele der Farmen und Plantagen. Nach einer recht erholsamen Nacht am Fluss sind es weitere 30 km bis nach Chelan. Die Stadt versprüht eine angenehm entspannte Atmosphäre und lädt zum Bummeln ein. Die Saint Andrew’s Kirche im Ort mit ganz eigenem Stil, gebaut von einem Skandinavier. 

Potemkinsches Dorf ;-)

  Columbia River bei Brewster

       Riverwalk in Chelan

Chelan, Saint Andrew’s Church

Bei dem schönen Wetter gleich noch eine Wanderung auf den Chelan Butte. Der Berg sieht gar nicht so hoch aus, was auch am fehlenden Bewuchs liegt. Im Sommer würde man von der Sonne gegrillt und müsste auf Klapperschlangen achten. Die sind nun selten, trotzdem lieber öfters auf den Boden schauen. Mit zunehmender Höhe wird die Aussicht besser. Vom 1162 m hohen Gipfel kann man weit blicken, wenn auch nicht bis zum Ende des 70 km langen Sees, das sich tief in den Bergen befindet. Ein späteres Bad im Lake Chelan erfrischt außerordentlich und wäscht den Staub des Tages ab. Montag auf der etwas ruhigeren 97A weiter nach Süden, der Sonne hinterher. Bei einer Pause in Wenatchee Ionos anrufen, auf deren Server meine Homepage läuft. Seit drei Wochen war kein Zugriff darauf möglich, weswegen ihr lange nichts Neues lesen konntet. Das Problem war zu lösen, so das die Technik nun wieder mitspielt. Ich bleibe dann gleich in der Stadt und finde am Abend einen guten Stellplatz.  

Dienstag sind es nur 30 km bis Leavenworth. Die Stadt liegt schön in den nun grüneren Bergen und, das ist ihr Markenzeichen, ist die bayerischste Stadt der USA. Um Touristen anzulocken wurden seit den 1950ger Jahren immer mehr Gebäude alpenmäßig umgebaut, selbst Starbucks hat hier ein einmaliges Aussehen. Zur Zeit wird sogar das Oktoberfest gefeiert, allerdings nur am Wochenende. Auch sonst läuft am Markt den ganzen Tag Volksmusik, was mich schon schmunzeln lässt. Irgendwie mögen sie uns doch... Es macht mir Spaß immer wieder durch die Gassen zu spazieren und Neues zu entdecken. Mittwoch wandere ich bei erneut herrlichem Wetter mitten hinein in die Snow Lake Wildernes. Aus dem Tal des Icicle Creek führt der Pfad gut bergan zuerst zum Nada Lake, später zum Lower und Upper Snow Lake. Letzterer ist leider fast leer, dabei hat sein Wasser dieses tolle türkis. Doch das macht nichts, es ist ein richtig toller Tag in den Bergen, die immer deutlicher die Farben des Herbstes tragen.  

           wie in Bayern

 Leavenworth

sogar mit Maibaum

           der Nada Lake

Snow Lakes Wildernes

24. Woche vom 5. bis 11. Oktober 2023
Donnerstag verlasse ich Leavenworth in Richtung Süden. Die 97 führt durch die Berge und über den Blewett Pass hinunter nach Ellensburg. Die Stadt ist auf jeden Fall einen Spaziergang wert. Neben ausufernder Halloween Deko eine ansehnliche Innenstadt mit dem Davidson Building und etwas außerhalb Dick and Jane’s Place, wo Amateurkünstler ihr Heim samt Umfeld mittels einem sehr unkonventionellen Geschmack gestaltet haben. Am nächsten Tag halte ich nach 10 km am Eingang vom Yakima Canyon, wo sich der Fluss mäanderförmig durch die kargen Berge gegraben hat. Schön die kleine Wanderung auf einen Gipfel und dann 50 km dem Yakima zur gleichnamigen Stadt folgen. Samstag strahlt wieder die Sonne bei knapp 30°C vom blauen Himmel. Nach 30 km ein Halt in Toppenish. Die Stadt hat bessere Tage gesehen, an vielen leeren Läden hängen “zu vermieten” Schilder. Für Touristen lohnt der Besuch wegen 80 riesigen Wandbildern, alle mit historischem Hintergrund und künstlerisch schon was wert.

Ellensburg, Dick & Jane’s Place

           Yakima Canyon

Toppenish und seine 80 Wandbilder

Gegen Samstag Mittag fahre ich weiter. Es ist noch ein gutes Stück auf der 97 gen Süden bis Goldendale. Ein Spaziergang in der Stadt, dann wird es Zeit zum Observatorium zu fahren. Ich hatte vorgestern im Internet das vorletzte, kostenlose, Ticket für heute Abend gebucht. 19 Uhr geht die Sonne unter und für ca. 40 Leute beginnt eine spektakuläre Show. Der geschulte Park Ranger erklärt erste Sternbilder und Planeten mittels Laserpointer, dann am Teleskop der Blick in ein Doppelsternsystem. 

hübsches Goldendale

Eine Stunde im “Klassenzimmer”, wo man uns auf drei großen Bildschirmen Fotos aus dem All und Animationen zeigt. Danach geht es wieder an die Teleskope, die zu den größten, für die Öffentlichkeit zugänglichen, im Land gehören. Jupiter und Saturn sind zwar immer noch nur halb so groß wie eine Cent Münze, aber dafür klar, deutlich und in Farbe zu sehen. Dieser Abend ist echt genial, vermittelt viel neues Wissen und prägt sich mir tief ein. Die Nacht über bleibe ich gleich in Goldendale.

   Goldendale, Observatorium

Am nächsten Morgen geht mein Roadtrip weiter. Die karge Landschaft zieren bald hunderte von Windrädern, was ich in dieser Konzentration noch nicht im Land sah. Bei Maryhill findet gerade ein Autorennen von Amateuren statt, die in ihren historischen Rennwagen die kurvige Bergstrasse hinauf jagen. Gleich darauf am Stonehenge Memorial. Der Nachbau aus Beton macht wenig Eindruck, da ist mir das Original lieber. Zum wohl letzten Mal überquere ich den Columbia River und verlasse damit endgültig den State Washington. Da ist Wehmut dabei, neben Utah ist der nämlich zu meinem Liebling geworden. Auf der 97 herrscht wenig Verkehr und ich rolle gen Süden. Kleinste Ortschaften am Weg liegen fernab der Zivilisation. Shaniko, einst größter Umschlag Platz für Wolle, ist heute praktisch fast eine Geisterstadt. Das hat was, und auf der Hotelveranda sitzen echte “Charaktere”.

nachgebautes Stonehenge

               ein Spaziergang durch Shaniko, das mit “Urlaub fern ab von allem” wirbt

Montag früh fahre ich nach Madras. Der Ort macht wenig her, aber es gibt immerhin einen vernünftigen Waschsalon. Nachdem meine Sachen trocken und gut riechend verstaut sind, ist der Tag schon mehr als halb um. Es ziehen neben dunklen Wolken einige kurze Schauer durch, aber das stört kaum. Nach einer erholsamen Nacht in einer ruhigen Seitenstrasse bleibe ich noch in Madras und sitze das wechselhafte Wetter aus. Mittags wird es langsam schöner und damit Zeit zum Aufbruch. 25 km südlich überspannen am Peter Skene Ogden Park drei Brücken einen steilwandigen und recht tiefen Canyon. Kurz darauf der Halt am Smith Rock State Park, wo sich der Crocked River malerisch um steile Felswände windet. Ein Paradies nicht nur für Kletterer. Unbeeindruckt von dunklen Wolken wandere ich kreuz und quer durch den Park, wobei sich die Sonne immer mehr zeigt. Nachts parke ich neben dem Hospital in Redmond, da ist es schön ruhig. Mittwoch weiter nach Bend. Es ist wieder kühl und regnerisch, ungewohnt für mich. Einkaufen und Informationen sammeln. Die Saison ist fast um und erste Attraktionen/Parks geschlossen.

Peter Skene Ogden Park

     Smith Rock State Park

       Monkey Face Rock

   Bend, am Deschutes River

25. Woche vom 12. bis 18. Oktober 2023
Donnerstag früh zum Lava Land, 20 km südlich von Bend. Da ist alles schon winterfest, auch Wasserhähne/WC eingepackt und abgeschlossen. Egal, der Lava Butte ist erreichbar. Ein perfekter Vulkankegel, von dessen Kraterrand viel Wald und mehr seiner “Kollegen” zu sehen sind. Einer der größeren liegt am Paulina Peak, 15 km weiter. Am Fuß des Berges, auf 2.000 m Höhe, erste kleine Schneefelder. Ich riskiere trotzdem die Wanderung zum Gipfel. Die Schneedecke ist bald geschlossen und es tropft von den Bäumen. Schwierig da dem Pfad zu folgen. Oben auf 2.429 m angelangt, enttäuscht der Ausblick wegen dichter Wolken. Schade, denn da liegen zwei Kraterseen und viel Vulkanlandschaft vor meiner Nase. Doch der Tag hat noch was zu bieten. Bis ich wieder “unten” bin reißt der Himmel auf und es wird sonnig. Etwas weiter die Strasse rauf komme ich zu einem Obsidianfeld. Die Erwartung war niedrig, doch das Feld ist riesig und überall sieht man das Obsidian in der Sonne blitzen. Das Vulkanglas ist härter wie auch schärfer als Stahl und wurde schon von den Urvölkern Amerikas als Werkzeug, Waffe oder Schmuck geschätzt. 

Lava Butte

ein Einzelkämpfer

           Paulina Peak

   am Kraterrand

  Winterwanderung zum Paulina Peak

           Obsidianfeld

     Vulkanglas in all seiner ursprünglichen Schönheit

Abgesehen davon das ich mich derzeit meist auf 1.500 m Höhe aufhalte, liegt wohl gerade ein kaltes Tiefdruckgebiet über der Gegend. Freitag früh sind nur 4°C im Auto, da muss die Heizung ran. Dann sind es recht viele Kilometer auf dem Highway 97 durch meist dichten Wald bis zum Abzweig auf die 138. Die Strasse steigt deutlich an, bis ich auf 2.300 m Höhe den Kraterrand des Crater Lake erreiche. Einst ein riesiger Vulkan, kollabierten 1.300 m des Gipfels nach einem Ausbruch und schuf so einen der tiefsten Seen des Landes. Ohne viel Biomasse ist das Wasser sehr klar, Sichtweite 35 m, und strahlend blau. Letzteres ist heute schlecht zu sehen, das Licht passt nicht. Trotzdem ein beeindruckendes Panorama. Hier oben liegt schon gut Schnee und am Nachmittag soll mehr dazu kommen, also bald wieder runter und das Lager unterhalb 1.500 m aufschlagen. Am Samstag Morgen das nächste Spektakel: eine ringförmige Sonnenfinsternis. Leider ist der Himmel stark bewölkt, doch genau zur rechten Zeit reißt es etwas auf. Genial! Ohne Wolken wären die Fotos so auch gar nicht möglich gewesen. Bei der Weiterfahrt halte ich öfters am wilden Rogue River, der sich sein Bett sehenswert durch Vulkangestein gegraben hat. In Gold Hill endet dann der Tag 

Crater Lake

   14. Oktober 2023, 9 Uhr: eine ringförmige Sonnenfinsternis

           am Rogue River

Der Sonntag recht gemächlich. Schönes Wetter, angenehme Temperatur. Nach 50 km Fahrt halte ich in Grants Pass und bleibe da auch über Nacht. Am nächsten Morgen regnet es. Ich erledige “Bürokram” und zapfe Diesel an einer der letzten Tankstellen in Oregon, die Gallone zu 4,99 USD. In Kalifornien zahlt man derzeit bis zu 6,75 USD! Bei wechselhaftem Wetter geht es auf der 199 weiter gen Süden. Kaum sehenswertes an der Strecke. Erst in Kirbyville halte ich an der Galerie “It’s a burl”. Zwischen den Bäumen Hobbit mäßige Gebäude, darin alles was man aus natürlich krummen Holz machen kann. Sehenswert. Dort erzählt man mir von langen Sperrungen der 199, also schnell weiter, auch wenn heute weniger Strecke geplant war. Wegen Aufräumungs-  und Bauarbeiten nach einem Waldbrand ist der Highway nur kurzzeitig offen und man muss einem Pilot Auto 30 km ohne Stopp durch den Canyon folgen. Damit ist mein heutiger Plan null und nichtig. Erst kurz vor Crescent City findet sich eine passable Stelle zum Übernachten. Dienstag sind es nur wenige Kilometer zum Jedediah Smith Redwoods State Park. Schon der erste Rundgang haut mich aus den Socken. Das sind Bäume! Durchschnittliche Daten eines Redwood: 100 m hoch, 12 m Umfang und 1.000 Jahre alt. Die 25 cm dicke Rinde schützt vor Feuer, stark tanninhaltige Säfte vor Schädlingen. Blitzeinschläge kann der Baum sogar überleben. Zwar wurden von einst 2.000.000 ha schon ganze 95 Prozent abgeholzt, aber im Rest stehen da nicht nur einzelne Riesen, sondern ganze “Wände” aus Holz. Ich bin hin und weg, laufe staunend durch diesen einzigartigen Wald.   

Redwood, das sind Bäume

da kommt man sich so klein vor

wegen dem erstaunlich flachen Wurzelwerk ist der Wind der größte Feind des Redwood

 im Jedediah Smith Redwoods State Park

Kurz darauf treffe ich in Crescent City auf die Küste. Den Leuchtturm auf Batterie Point Island trockenen Fußes zu erreichen ist nur bei Ebbe möglich, das wäre erst in Stunden der Fall. Einkaufen, Informationen sammeln und weiter. Ich schaue mir ein paar Strände an bis es wieder mehr in den Wald geht. Trees of Mystery ist eine Touristenfalle, aber der 15 m hohe Paul Buyan und sein Ochse Babe ein Foto wert. Nach weiteren Spaziergängen durch Redwood Wald komme ich abends zum Klamath River. Der Strand an seiner Mündung ist dank Ebbe nun sehr breit und der Sonnenuntergang beim Spazieren durchaus romantisch.

Batterie Point Island

  Paul Buyan und Ochse Babe

         am Klamath River

     schöne Abendstimmung

Mittwoch auf dem Highway 101 weiter durch die genialen Küstenwälder, wobei sich ein State Park an den anderen reiht. Nach einigen kurzen Abstechern eine längere Wanderung auf dem West Ridge Trail. Genial wie sich das Sonnenlicht zwischen den Bäumen im Nebel bricht. Den übrigens schaffen sich die Redwoods praktisch selber. Oberhalb der Wälder scheint ungetrübt die Sonne. Im Auf und Ab komme ich zum Fern Canyon, Filmset in “Jurassic Park”. Ganz nett, wenngleich ich nach den Erfahrungen aus Neuseeland größere Pflanzen erwartet hätte. Egal, dafür sind die Wälder so was von traumhaft schön. Am Nachmittag ein Halt am Visitor Center und mehr von den großen Bäumen. Einige der Riesen haben einen Namen bekommen und sind mit ihren Abmessungen beschildert. Später zieht zäher Küstennebel herein und bei meiner Ankunft in Orick sieht man kaum noch 20 m.  

Licht und Nebel auf dem West Ridge Trail

       im Fern Canyon

der Baum wächst praktisch in der Luft

 malerische Wanderwege

26. Woche vom 19. bis 25. Oktober 2023
Donnerstag früh hängt der Nebel wie eine graue Suppe über Orick. Nur 5 km weiter sieht es besser aus und bei der Wanderung zur Lady Bird Grove überwinden die 400 Höhenmeter sämtliche Nebelei. Erneut ein schöner Wald mit beeindruckenden Bäumen. Dann auf der 101 wieder an der Küste entlang fahren. Meist verhindert dichter Nebel einen Blick aufs Meer, das man an einigen Aussichtspunkten nur hört, nicht sieht. Bei Trinidad wird es etwas besser, aber noch lange nicht gut. So komme ich bis Arcata.

dicker Küstennebel

     bei Trinidad sieht man dann ein wenig von der Gegend

 harmlose Strumpfbandnatter?

Der Freitag beginnt stark bewölkt und kühl. Vormittag die Weiterfahrt nach Eureka. Die Kleinstadt hat ein historisches Zentrum welches mich sofort für sich einnimmt. Viele der viktorianischen Gebäude sind liebevoll restauriert und gut in Schuss. Dazu in einigen Strassen tolle Wandbilder und halb versteckt so manch kleine künstlerische Perle. Nach langer Zeit endlich mal wieder eine Stadt in der sich ein Spaziergang lohnt. Eines der schönsten Gebäude, die Carson Mansion, gehört inzwischen leider einem privatem Club, sprich da hat man keinen Zugang. Was mich überrascht sind zahlreiche Obdachlose, die an jeder Ecke zu finden sind. Unsereins lassen sie aber in Ruhe. Nachmittag der kleine Umweg nach Ferndale. Auch das Dorf ein wahres Schmuckstück viktorianischer Architektur. Inzwischen ist die Sonne draußen und macht alles nur umso schöner. Lange sitze ich am Victorian Inn Hotel und lasse das alles auf mich wirken. Auf dem Friedhof von Ferndale stehen übrigens noch einige Grabsteine aus dem späten 19. Jh. mit teils bemerkenswerten Inschriften. Im nahen Fortuna schlage ich dann mein nächstes Nachtlager auf.

         coole Wandbilder

 Eureka, Carson Mansion

             in Ferndale

Ferndale, das Victorian Inn

Samstag steht die Avenue of the Giants auf dem Programm. Die 50 km lange Strasse führt neben dem Highway durch Bestände von Redwood. Der Verkehr ist sehr dünn und ich kann problemlos cruisen und auch mal anhalten wo kein Parkplatz ist. Fotos werden es heute wieder mehr als genug, da sind so viele Motive. Links und rechts führen kurze Wanderungen durch den Wald. Kurz, weil die Strasse zwar lang, aber der geschützte Streifen nur sehr schmal ist. Egal, das was ich sehe ist eine Wucht. Man kommt sich zwischen diesen Bäumen so klein vor und es würde mich nicht wundern wenn da ein Dinosaurier um die Ecke käme. Founders Grove, der Dyerville Giant, die Bull Creek Flats und vom Blitz getroffene Bäume sind nur wenige Beispiele von diesem herrlichen Tag. Zum Abschluss der Nature Trail im Humboldt Redwoods State Park und dann zur Übernachtung nach Garberville

Avenue of the Giants

Founders Tree

   ich in den Bull Creek Flats

 Größenvergleich

den Blitz überlebt

Sonntag regnet es teils heftig, da hatte ich gestern richtig Glück mit dem Wetter. Am weiteren Weg nur einige Touristenfallen, der alte “Grandfather Tree” noch eine der besten. Bei Leggett lasse ich den “Drive-Thru-Tree” im strömenden Regen aus und biege auf den Highway 1 zur Küste ab. Unzählige Kurven folgen der bergigen Landschaft über einen Pass zum Meer. Damit habe ich die Lost Coast hinter der Kings Range umrundet, die sich für den Strassenbau als unbezwingbar herausgestellt hat. Das Wetter beruhigt sich und am Ozean kommt sogar ab und zu die Sonne raus. Neben der Strasse nur kleinste Siedlungen an der wilden Steilküste, hier leben nur wenige. Montag fahre ich nach Fort Bragg, nutze einen Waschsalon und stocke Lebensmittel auf. Vor den Toren der Stadt eine sehenswerte Küste, wo heute kräftiger Wind das Meer ans Ufer peitscht. Der Glass Beach ein Besuchermagnet, die bunten durchsichtigen “Kiesel” Überreste von Müll, früher wurde das Meer als Deponie genutzt :-(. 

Fort Bragg, Glass Beach

die bunten Tupfen sind Altglas

         wilde Küste

   am Pudding Creek Beach

 Raupe mit Fashion Instinkt ;-)

Der Dienstag beginnt kühl, aber sonnig. Auf dem Weg nach Süden halte ich in Mendocino. Im Sommer wohl förmlich von den Touristen überrannt, ist es derzeit ruhig hier. Nettes Dorf, aber nach Eureka und Ferndale wenig überraschend. Nachmittag ein kleiner Umweg zum Pygmy Forest. In dem Wald wachsen die Bäume auf Grund echt mieser Bedingungen sehr langsam. Selbst 100 Jahre alte Bäume sind erst 2 m hoch und haben 10 cm Stammdurchmesser. Erstaunlich seltsam, aber der Beweis das die Natur überall einen Weg findet. Weiter auf dem Highway 1 entlang lohnen immer wieder kleine Pausen an der Küste. Nichts was wirklich spektakulär ist, einfach nur schöne kleine Dinge hier und da. Bei Point Arena ins Hinterland abbiegen, wo Leute wie ich an einem kleinen Casino mitten im Nirgendwo campen können. Heute bin ich der Einzige auf den die hiesige Security aufpasst.   

             Mendocino

im Pygmy Forest

 einfach schön

     Manchester State Park

sieht wie ein Propeller aus

Mittwoch, wie von der Vorhersage versprochen, ein bewölkter, grauer Tag. Nach all dem schönen Wetter was mich verwöhnt hat ist das richtig gewöhnungsbedürftig. An der Küste entlang weiter nach Süden, wobei ich alle paar Kilometer halte. Was es zu sehen gibt ist nett, aber praktisch kein Foto wert. Die Strasse windet sich in vielen Kurven ständig bergauf und bergab, so geht es nur langsam voran. Schooner Gulch, Gualala, dann Shell Beach. Da beginnt wohl ein Strandressort der besonderen Art. Keine Zäune, Holzhäuser im einfachen Stil, wenn auch etwas größer, und überall Privatstrassen mit gut sichtbarer Security, die ständig ihre Kreise zieht. Freier Zugang zum Meer für Jedermann ist selten, und wenn ist da nur ein Pfad zu einer kleinen Bucht. Nach Stengel Beach, Pebble Beach und Bihlers Landing biege ich bei Fort Ross in den Wald ab. Da qualmen noch letzte Feuer, die allerdings von der Feuerwehr gezündet wurden. So will man das viele Totholz beseitigen, auch hier wütet der Borkenkäfer, und so heftige Waldbrände verhindern. Auf Nachfrage gibt die Feuerwehr ihr Okay und ich kann sicher in diesem Wald campen.

27. Woche vom 26. Oktober bis 1. November 2023
Donnerstag scheint nach einer kühlen Nacht wieder die Sonne vom blauen Himmel. Für mich führt der Weg weiter an der Küste entlang nach Süden. Die Landschaft wird zunehmend trockener, so hinkt die Szenerie ohne viel Bewuchs dem schon gesehenen weit hinterher. Am Bodega Head ein tiefer Teich. Da sollte ein Silo für Raketen mit Atomsprengköpfen hin, was man wegen der Erdbebengefahr hier glücklicherweise gelassen hat. Ein Halt im Dorf Bodega, Drehort für Hitchcock’s “Vögel”. Schule und Kirche stehen noch wie vor 60 Jahren. Kurz nach den Dreharbeiten gab es in der Nähe übrigens wirklich eine heftige Möwenattacke auf Menschen. Mein Tag endet wenig später an den Elephant Rocks, große, von der Urbevölkerung einst verehrte Felsblöcke. Am nächsten Morgen liegen über dem Land fast mystisch Nebelbänke, die sich am Wasser bis in den Vormittag halten. Es bleibt bei dem Programm mit Küste und Buchten. Point Reyes, Stinson Beach, Muir Beach, dazwischen das schöne Dorf Bolinas. Hinter einem kleinen Küstengebirge taucht dann Sausalito auf, ein Vorort von San Francisco. An der Marina da liegen viele Hausboote. Einst aus der Not, teure Grundstücke, geboren, dann fast verfallen und nun als besonderes Wohnen wiederentdeckt. Sieht toll aus. Am Point Cavallo dann der erste Blick hinauf zur Golden Gate Bridge, DEM Symbol für San Francisco. Die 4 km lange Brücke macht richtig Eindruck. Der kleine Parkplatz hier ist wenig frequentiert und es stört niemanden das ich da über Nacht bleibe.   

kalifornische Küste

     Hausboote in Sausalito

 die Kirche in Bodega

         Golden Gate Bridge

Samstag volle Pulle San Francisco. Das Auto bleibt in Sausalito, die Parkplatzsuche wäre nervig und mit dem Rad macht es mir einfach mehr Spaß. Erster Höhepunkt: über die Golden Gate Bridge radeln, natürlich auf dem separaten Weg neben der Straße. Überraschung: in der ersten Stunde begegnen mir mehr (Renn)Radler als auf der ganzen bisherigen Reise. Die Stadt unterstützt das mit einem dichten Radwegenetz. Mein Stadt Programm beginnt am Pier 39, mit vielen Restaurants und Seelöwen auf den Plattformen davor. Dann steil rauf zum Telegraph Hill und dem Coint Tower, dessen ehrliche Wandbilder Anfang des 20. Jh. für viel Diskussion sorgten. Von da der freie Blick unter anderem bis nach Alcatraz. Weiter zur bekannten Lombard Street mit den bepflanzten Serpentinen, beliebtes Fotomotiv. Die noch steilere Filbert Street (31%) nebenan findet dagegen keine Beachtung.

Golden Gate Bridge am Morgen

     Skyline San Francisco

               Alcatraz

   Dauergäste am Pier 39

Unterwegs einige Fotos von der nächsten Ikone der Stadt: dem Cable Car. Gut das in den 60gern Leute fast bis aufs Blut für den Erhalt gekämpft haben. Dann nach China Town, wo es in den schmalen Gassen wirklich zugeht wie in Peking. Ich besuche eine Glückskeksfabrik und radle weiter. Vorbei geht es an Transamerica Pyramid und Grace Cathedral, die heute leider nicht für Besucher geöffnet ist. Einige Straßen weiter eine Endhaltestelle vom Cable Car, wo nach wie vor nur eine Person nötig ist die tonnenschweren Wagen für die Weiterfahrt auf einer Holzplattform zu drehen. Dann komme ich in die Gegend der Glide Church, deren Ghospel Chor ziemlich bekannt ist. Das Viertel eines der Ärmsten, da stehen auf den Bürgersteigen zusammengeflickte Zelte aneinandergereiht und bieten einigen der zahlreichen Obdachlosen Schutz. Als Kontrast steht nur wenige hundert Meter weiter das größte Rathaus der USA, ein wahrlich pompöser Bau. Schade das man den am Wochenende nicht besichtigen kann.  

Klassiker

       Lombard Street

 Grace Cathedral

     City Hall San Francisco

 Transamerica Pyramid

Und weiter. Strassenkunst als Wandbild bzw. Graffiti über die Stadt verteilt, aber konzentriert in der Clarion Alley. Der Hammer das Womens Building, eine wahre Komposition. Steile Strassen führen rauf zum Alamo Heights Park mit viktorianischen Häusern die sich ebenso in der Cottage Row und vereinzelt in weiteren Strassen als Motiv anbieten. Puh, was für ein Programm. Zurück zum Auto, das waren heute 45 km mit dem Rad, und später den Sonnenuntergang von einem äußerst beliebten Aussichtspunkt genießen. Als Bonus für den wundervollen Tag zeigt sich gleich darauf ein Mega Mond. Fazit: San Francisco gehört für mich zu den schönsten Städten in den USA. Der Plan sie an einem Wochenende zu erkunden hat sich als genau der richtige entpuppt.  

Womens Building

     am Alamo Heights Park

  nochmal Golden Gate Bridge

             Riesenmond

Sonntag Morgen ist wenig los auf den Strassen, was das Gewirr von Highway, Freeway und Parkway beherrschbar macht. Mit der in östlicher Richtung mautfreien, 4 km langen, Richmond-San Rafael-Bridge die Francisco Bay überwinden und weiter nach Osten fahren. Richmond, Berkeley, Concord und Antioch gehen ineinander über ohne das man bebautes Gelände verlässt. Ein gesichtsloses Shoppinggebiet am anderen, dazu mit hohen Mauern abgeriegelte Wohngebiete mit uniformen Häusern. Das wäre nichts für mich. Der Tag endet in Stockton, wo ich mal wieder nah am Hospital ein ruhiges Plätzchen finde. Montag weiter nach Osten. Die Gegend nun mit viel Landwirtschaft, das Central Valley bietet dafür gute Bedingungen. Nach den 150 km gestern kommen heute weitere 180 km dazu. Neben der Strecke gibt es wenig zu sehen und ich will auch schnell weiter, denn der von mir angestrebte Yosemite Nationalpark ist noch schneefrei, was zu dieser Jahreszeit eher selten ist. Nachts wird es aber schon richtig kalt, was ich in Mariposa zu spüren bekomme. Dienstag früh zeitig los, ich habe einiges vor. Nach 50 km am Eingang vom Nationalpark, wo wie erhofft noch wenig Betrieb ist. Später am Tag steht man durchaus eine halbe Stunde an. 15 km weiter parke ich am Four Mile Trail, der steil aus dem recht engen Tal herausführt. 10 km und 1.200 Höhenmeter später stehe ich am Glacier Point mit herrlichem Blick auf den Half Dome, den mal ein Gletscher “abschnitt”, und den Yosemite Fall, mit knapp 800 m der 5. höchste Wasserfall der Welt. Sein Wasser spendet die Schneeschmelze, darum sieht er im Herbst doch eher spärlich aus Trotzdem genial, vor allem bei so tollem Wetter. Ich steige weiter auf bis zum Gipfel des Sentinal Dome, von wo aus sich das ganze Panorama des Tales inklusive der 1.000 m hohen Steilwand El Capitan entfaltet. Einfach grandios. Am frühen Nachmittag bin ich zurück im Tal und brauche erst mal eine Pause. Dann im gewöhnungsbedürftigen Einbahnstrassensystem des Parks zur anderen Seite fahren, wo in der Nähe vom Yosemite Fall viele Touristen spazieren. Später am Fuß von El Capitan halten. Kaum zu glauben das da Leute hoch klettern. Einige übernachten sogar in/an der Wand hängend, weil es mehr als einen Tag braucht da rauf zu kommen. Zum Ende Bridal Veil Fall und Tunnel View, dem besten Ort um das Postkartenmotiv vom Tal einzufangen. Die Nacht verbringe ich wie einige andere vor den Toren des Nationalparks, Campingplätze drinnen sind alle längst ausgebucht. 

im Central Valley

         das Yosemite Tal

  der 3-stufige Yosemite Fall

 *Panorama vom Glacier Point

Half Dome

unterer Yosemite Fall

           Bridal Veil Fall

     El Capitan

einfach nur schön

Seit dem ich in Kalifornien bin gab es die Grübelei wie es nach San Francisco weiter gehen soll. Die für mich interessanten Ziele lagen weit auseinander. In den letzten Tagen hat sich das dann geklärt. Im Kings Canyon und Sequoia NP sind vier von fünf Sachen aus verschiedenen Gründen gesperrt. Dazu ist Highway 1, der am Ozean entlang über Big Sur nach Los Angeles führt, seit Monaten wegen Erdrutschschäden nicht durchgängig befahrbar. Weil wider Erwarten der Pass über die Sierra Nevada noch offen ist komme ich nun auf eine ganz neue Strecke. Mittwoch früh wieder rein in den Yosemite Nationalpark, heute jedoch vor dem Tal hoch zur Toulumne Grove abbiegen. Dort stehen vereinzelt Sequoias, doch die sehen aus wie Redwood und machen viel weniger Eindruck als das was ich schon weiter nördlich sah. Einzig ein ausgehöhlter Baumstumpf, da sind sie früher mit der Kutsche durchgefahren, bleibt in Erinnerung. Dann auf die Tioga Pass Road, im weiten Umkreis der einzige Weg über die Sierra Nevada. Tolle Szenerie, die mich etwas an den Beartooth Highway erinnert. Viel nackter, aber fotogener, Fels an den sich die Kiefern klammern, dazu kleine Seen. Kurze Wanderungen am Olmstead Point und zum Cathedral Lake. Mit den Bergen dahinter ist der eine Augenweide. Gleich nach dem 3.030 m hohen Pass endet der Yosemite Nationalpark. Am Tioga Lake kann man über Nacht stehen, da lerne ich auch andere Camper kennen. Nur sind mir die 2.950 m für die Nacht zu hoch (kalt). So rolle ich die lange Abfahrt hinunter und campe lieber 15 km weiter auf 2.200 m. Später höre ich das da oben in dieser Nacht -13°C waren.

Tioga Pass Road

einst ein Gigant von Baum

     viel nackter Fels

           Cathedral Lake

 der ist hart im Nehmen

28. Woche vom 2. bis 8. November 2023
Donnerstag früh: -6°C Außentemperatur und damit die bisher kälteste Nacht. Bei Lee Vining stelle ich mich in die Sonne, womit im Camper auch dank Standheizung bald angenehme Temperaturen herrschen. Gegen Mittag zum großen Mono Lake fahren, um den herum es viel vulkanische Aktivität gab bzw. gibt. Davon zeugen unter anderem Vulkankrater, einer davon als Insel mitten im See. Das ganz spezielle was dem See etwas außerirdisches verleiht sind jedoch die Tuffsteintürme in Ufernähe, entstanden als unter Wasser aufsteigende Gase mineralisierten. Seitdem der See schrumpft, Los Angeles, 500 km weiter, holt sich Wasser von einem der Zuflüsse, toben nun manchmal ungesunde Staubstürme. Dafür sind aber die phantasievoll geformten Türme nun überhaupt erst sichtbar. An einem so ruhig friedlichen Tag wie heute ist der See fast spiegelglatt und einfach nur wunderschön

der Mono Lake und seine Tuffsteintürme, eine außerordentlich einprägsame Kombination

Nachdem ich gestern schon viel Zeit am Mono Lake verbracht habe, steht Freitag Vormittag eine weitere Fotorunde am Ufer an. Diese Landschaft fasziniert mich einfach. Bei der Weiterfahrt biege ich bald vom Highway 395 zuerst auf die schöne June Lake Loop Road, dann zum Mammoth Scenic Loop ab. Der führt rauf auf 2.800 m. Neben einer Erdbebenspalte, wo es deutlich sichtbar die Landschaft “zerrissen” hat, der Blick auf die Minaret Range und so manch schönen See. Nebenan zaubern Schnee Kanonen den ersten weißen Film auf die Hänge. Nach einem Abstecher zum Convict Lake schlage ich vor Bishop mein Lager auf Samstag bleibe ich in Bishop, kümmere mich um einiges und sammle Informationen für die nun neue Reiseroute. Sonntag weiter dem Highway 395 nach Süden folgen, dabei westlich immer die eindrucksvollen 4.000er der Sierra Nevada im Blick. Ein Halt in Manzanar, einer der Orte der kaum in Geschichtsbüchern erwähnt wird. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour im WWII hat man  aus Angst 120.000 Japaner in zehn Lager fernab der Zivilisation gesteckt, auch Kinder wenn ein Elternteil Japaner war. Dabei hatten alle amerikanische Staatsbürgerschaft. Auf engstem Raum zusammengepfercht lebten sie dort drei Jahre unter teils unwürdigen Bedingungen. Viele verloren Hab und Gut, ihre Gesundheit, oder fanden dann nicht mehr zurück ins normale Leben.

             Twin Lakes

 Mammoth Lakes Szenerie

         Manzanar, letzte Originalbaracken von außen und innen

Nach dem Mittag ist es nur ein kurzes Stück bis Lone Pine, wo ich zur Whitney Portal Road abbiege. Gleich darauf ein Schild: Umleitung wegen weggespülter Strasse. Das kennen wir nun schon zur Genüge. Immerhin schlängelt sich der schmale Umweg sehenswert durch Ausläufer der Alabama Hills. Ab der Movie Road wird das noch besser und ich staune Bauklötzer. So eine tolle Landschaft. Abgerundete rötliche Felsen die förmlich zum Klettern einladen, was dank griffiger Oberfläche problemlos möglich ist. Kleine Canyons, versteckte Pfade und im Hintergrund die hohen Gipfel der Sierra Nevada. Neben rund 400 Western, unter anderem “Django Unchained”, wurden hier auch Teile von “Gladiator”, “Iron Man” und “Startrek” gedreht. Früher konnte man hier kostenlos stehen wo man wollte, was wohl teilweise übertrieben wurde. Nun zeigt eine grobe Übersichtskarte und kleine Schilder vor Ort an, wo campen erlaubt ist. Gar nicht so leicht diese Stellen im Gewirr der sandigen Feldwege zu finden. Mein Platz wird ein Minicanyon hinter und neben dem man gleich in den Abenteuerspielplatz für Große hineinklettern und -laufen kann

in den Alabama Hills

Mobius Arch

         Heart Arch

   alle Farben, alle Formen

 unzählige Klettermöglichkeiten

Ich laufe dann eine erste Runde, wobei mir zum x-ten Mal maps.me beim Weg finden behilflich ist. Ein paar kleine Naturbrücken sind auch entstanden, was schöne Fotomotive produziert. Die Sonne verschwindet früh hinter den hohen Bergen im Westen und ringsum zieht Ruhe ein. Montag erneut strahlend blauer Himmel und in der Sonne fast 30°C. Ich drehe die nächsten Runden in den Alabama Hills, die so abwechslungsreich sind das keine Langeweile aufkommt. Geplant war Mittag weiter zu fahren, aber warum eigentlich? Ich fühle mich hier so wohl das da einfach eine Nacht rangehängt wird. So bleibt Zeit auch Miss Alabama zu besuchen, ein witzig bemalter großer Felsen. Der Sonnenuntergang heute einmalig, die Wolken über den 4.000 m hohen Bergen abstrakt und nur teilweise, aber intensiv, angestrahlt. Das Ergebnis nenne ich einfach mal: Feuerdrachen. Nachts hole ich die Kamera noch mal hervor. Auch ohne Stativ gelingen Fotos vom Sternenhimmel, der hier, ohne Lichtverschmutzung, genial ist.   

weitere Eindrücke von den Alabama Hills

       mein “Feuerdrache”

       toller Sternenhimmel

Dienstag der Abschied von den Alabama Hills, wie auch von der imposanten Bergkette der Sierra Nevada, die beide hinter Lone Pine langsam aus meinen Blicken entschwinden. Auf der 136 geht es gen Osten zum Death Valley. Da gibt es keine Ortschaften und somit auch keinen offiziellen Eingang zum Nationalpark, dort steht einfach nur ein Schild. Das Death Valley war nach einem heftigen Sturm Mitte August 2023 für fast zwei Monate gesperrt. Im Oktober steht die Schadensbilanz: ca. 500 km Straße sind derzeit unbrauchbar und im Badwater Basin, mit 85,5 m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt Nordamerikas, entstand ein temporärer See. Die West-Ost Durchquerung vom Nationalpark ist auf dem Highway 190 möglich, nur muss man an Baustellen lange auf das Pilot Car warten, das wechselweise die Fahrzeuge hindurch führt. In der kargen Landschaft überwinde ich zwei 1.500 m hohe Pässe, wo kräftig kalt der Wind bläst, um dann steil hinunter nach Stovepipe, Höhe -3 m, die Bremsen zu testen.

bilderbuchreif: Sierra Nevada

Mount Whitney, 4.400 m hoch

     zum/im Death Valley

ein Joshua Tree (Yucca Palme)

Das Tageslicht reicht gerade noch so für einen Besuch im Mosaic Canyon, dessen trockenes und enges Bachbett teilweise aus Marmor besteht. Die Nacht verbringe ich auf dem riesigen Campingplatz, ein Schotterplatz der als einzige Unterteilung kurze, nummerierte Pfosten aufweist. Ein seltsamer Ort, auch weil nur ungefähr zehn Camper da sind. Ich hatte weit mehr vermutet. Nachts sinkt das Thermometer nur auf 18°C, tagsüber sind knapp 30°C. Mittwoch geht die Erkundung vom Death Valley weiter, welches erstaunlich viel zu bieten hat. Zuerst ein Besuch der Mesquite Flat Sand Dunes, was unserer Vorstellung von Wüste sehr nahe kommt. Weit ziehen sich die Dünen dahin, zwischen denen sich überraschend doch zählbare Vegetation hält. Einige der Sandberge sind ziemlich hoch, was einen beim Besteigen ganz schön außer Atem bringt. Das es sich lohnt zeigen die Fotos 

Death Valley, Mosaic Canyon

schön ausgewaschener Marmor

     fotogene Struktur

   Mesquite Flat Sand Dunes

 wie in der Sahara

35 km weiter ein Halt am Mustard (Senf) Canyon, dessen abstrakte Farbe zum Namen passt. Dort stehen auch Ruinen einer Borax “Fabrik”. Anfang des 20. Jh. wurde der in der Industrie vielfach verwendete Hilfsstoff unter schweren Bedingungen hier aus dem Boden gewonnen. Die 33 t schweren Wägen wurden dann von 20 (!) Maultieren auf schlechten Feldwegen 200 km zur Bahnlinie gezogen. Nach einer Mittagspause in Furnace Creek weiter zum Golden Canyon, die leuchtend gelbe Farbe Grund für den Namen. Schön kann man durch das trockene Bachbett zur Red Cathedral, eine senkrechte Felswand, wandern und dabei phantasievoll erodierte Formationen bestaunen. Dann sind es noch 25 km bis zum Badwater Basin, wo wie bereits beschrieben derzeit ein See existiert. Der “Strand” besteht aus purem Salz, und ist somit strahlend weiß. Langsam wird mir das Tageslicht knapp, aber da steht noch einiges auf dem Zettel. Zurück in Richtung Furnace Creek und auf den Artists Drive abbiegen. Die Einbahnstraße führt durch die nahen Hügel, wobei die auf Grund verschiedener Mineralien bunt, auch hellgrün, aussehen. Leider steht die Sonne schon sehr tief und verfälscht komplett die Farben, das kann weder Handy noch Kamera hinbiegen. Im letzten Tageslicht erreiche ich den Zabriskie Point, einer der bekanntesten Fotostopps hier. Leute sind kaum noch da, so kann man diesen speziellen Ort viel mehr genießen. 30 km weiter campe ich wie einige andere offiziell und frei außerhalb vom Nationalpark

*Mustard Canyon

         Golden Canyon

         der temporäre See

85,5 m unter dem Meeresspiegel

29. Woche vom 9. bis 15. November 2023
Donnerstag Vormittag fahre ich wieder 10 km in den Death Valley NP hinein, stelle da das Auto ab und schwinge mich aufs Rad. Schön führt die Strecke, eine Sackgasse, durch die so andersartige Landschaft. Zu Beginn sind die Steigungsraten moderat, pegeln sich aber nach der Hälfte der 22 km bei 8% ein. Der Hammer mit 15% wartet auf dem letzten Kilometer. Puh, das war hart. Der Ausblick vom Dantes View (1.668 m) entschädigt jedoch für die Mühe. Das komplette Badwater Basin liegt einem zu Füßen, umrahmt von hohen Bergen. Leider weht der Wind da oben kräftig und kalt, daran sollte ich mich bald erinnern. Nach der Abfahrt und einer Pause verlasse ich das Death Valley endgültig und fahre auf einsamen Strassen 70 km bis nach Pahrump. Freitag bleibe ich in der Stadt, muss das Erlebte ja auch verarbeiten. Da trifft es sich das mal wieder ein Waschsalon fällig ist.

Death Valley, Zabriskie Point

     *das ganze Panorama

     Radtour im Death Valley

           Dantes View

Pahrump ist keine besonders schöne Stadt und hat touristisch praktisch nichts zu bieten, aber anscheinend brauche ich jetzt genau das. So verlängert sich mein Aufenthalt ungeplant bis Sonntag Mittag. Erst dann die 50 km Fahrt zur Lovell Canyon Road Ein offensichtlich recht populärer Platz für viele Camper, denn neben der Schotterstrasse stehen alle paar Meter Wohnmobile und Trailer. Gegen Abend baue ich körperlich stark ab und es folgt eine fast schlaflose Nacht mit Grippesymptomen. Entweder habe ich mir auf der Radtour im Death Valley oder irgendwo in Pahrump was eingefangen. Egal, am Montag bin ich erst mal zu nichts zu gebrauchen. Dienstag geht es mir ein Stück besser und auch die Körpertemperatur nähert sich wieder Normalwerten. Es ist bestimmt nicht clever, aber ich fahre zum Red Canyon und mache dort eine Radtour. Schönes Wetter, warm, windstill und ich habe Lust, also los. Außerdem ist mit Auto ein vorab gebuchtes Zeitticket nötig, welches ich nun mal nicht habe. Das Beste vom Red Canyon sieht man gleich auf den ersten Kilometern. Da liegen deutlich sichtbar verschiedene Gesteinsschichten übereinander, sind erodiert, gefaltet und aufgestellt. Kurze Wanderwege führen durch kleine Canyons oder gleich mitten hinein.

Bell Vista Road

 Red Rock Canyon, Calico Hills

 Suchbild: wo ist der Mensch?

 was für eine intensive Farbe

Früh am Nachmittag lade ich erschöpft, aber glücklich über die Tour, das Rad wieder ein und fahre nach Las Vegas. Die Stadt hat sich im Laufe der Jahre immer weiter ausgedehnt und es braucht viel Zeit bis zum Strip mit all den bekannten Casinos und Hotels zu kommen. Überrascht stelle ich fest das genau diese Woche die Formel 1 hier gastiert. Der Rennkurs führt sogar direkt über den Strip, was schon heute Sperrungen und Umleitungen nötig macht. Das langsame Vorankommen nervt und ich brauche ewig einen freien Parkplatz zu finden. Am South Las Vegas Boulevard, dem Strip, sind überall hohe Zäune aufgebaut, so das man gar nicht den ganzen imposanten Eindruck bekommen kann. Auch Attraktionen vor den Hotels ruhen derzeit und um die Straße zu überqueren sind nur wenige Fußgängerbrücken vorhanden. Da wäre mir Las Vegas ohne die Formel 1 lieber gewesen. Ich ziehe mich vorerst in die Vororte zurück, pflege mich am Mittwoch und plane trotz widriger Bedingungen die nächsten Tage

30. Woche vom 16. bis 22. November 2023
Donnerstag. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und gebe heute in Las Vegas Vollgas. Die Erkältung stört noch, vor allem weil die Nase häufig wie zubetoniert wirkt, was wohl auch der hiesigen Trockenheit liegt. Vormittag erst am südlichen Strip mit dem New York New York. Da führt wirklich eine Achterbahn mitten hindurch. Gegenüber Excalibur, für mich eher eine Anlehnung an Disney. Etwas weiter die Strasse runter das imposante Luxor, das auch innen mit Kopien vom alte Ägypten Eindruck macht.

das New York New York

   Excalibur, eher verspielt

               das Luxor, mehr Ägypten geht fast nicht

Weiter zum Treasure Island, eines der wenigen Casinos das NOCH kostenloses Parken anbietet. Gut das ich relativ früh da bin, später bildet sich am Eingang eine Warteschlange. Es ist dann nur ein Katzensprung zum Venetian, außen mit Rialtobrücke und innen zwischen den Läden ein Kanal mit echten Gondeln samt Gondoliere, darüber an der Decke aufgemalte Abendstimmung. Wenn sie schon kopieren, dann aber richtig. Die Reizüberflutung geht erbarmungslos weiter. Französischer Lebensstil im Paris, samt Eifelturm, und immer wieder die Formel 1. Im Bellagio über der Lobby hunderte von Blüten aus echtem italienische Glas. Das Nobu Hotel mit dem Ceasars Palace und dem Colosseum als eine der tollsten Veranstaltungsbühnen überhaupt. Noch durch das Mirage, dann brauche ich eine Pause. Abends eine ähnliche Runde, diesmal im Zeichen der fantastischen Beleuchtung.  

vor dem Ceasars Palace

im Bellagio

 das ist mal keine Kopie

 außen wie innen eine perfekte  Illusion

Übrigens: die Casinos sind längst nicht mehr große Hallen mit langen Reihen von Einarmigen Banditen. Heutzutage wird das alles stark unterteilt, wohl um heimeliger zu wirken. Es ist ein wahres Labyrinth in dem man zwangsläufig irgendwann die Orientierung verliert. Eigentlich wollte ich etwas Geld verspielen, aber die eher technische Sterilität hält mich davon ab. Wie auf einem Foto zu sehen, kann man teils von einem Platz aus gleich alle möglichen Sachen spielen, das hat für mich keinen Zauber mehr. Nun zur Formel 1. Heute Mittag hatte ich nach längerem Suchen das Dach eines Parkhauses entdeckt. Von da der tolle Blick auf die MSG Sphere, eine Entertainment Arena in Kugelform, die auch auf der Außenwand Videos darstellen kann. Das ist so was von genial. Außerdem sieht man ein Stück vom Rennkurs. Als das 1. Training beginnt stehe ich noch am Strip. Der Wahnsinn wenn die Bolliden mit 250 km/h da vorbei brettern. Dann hoch ins Parkhaus, wo außer mir nur vier andere diese Idee hatten. Leider wurde das Training ja wegen Kanaldeckelproblemen abgebrochen. Somit bleibt mehr Zeit für Las Vegas. Man kann zu der Stadt stehen wie man will, aber diese perfekt inszenierte Illusion hat schon ihren ganz besonderen Reiz, das muss ich ehrlich zugeben

MSG Sphere

     High Roller, 170 m hoch

   im Labyrinth der Casinos

für mich ein Playstation Feeling

Freitag Mittag verlasse ich Las Vegas und komme nach 60 km und einigen Pausen in Boulder City an. Die Stadt entstand 1930 am Reißbrett für die Bauarbeiter vom Hoover Staudamm und ist deswegen die einzige Stadt Nevadas ohne Casino. Viel Grün und schöne Gebäude nebst angenehmer Atmosphäre sorgen für einen angenehmen Aufenthalt. Samstag Vormittag parke ich den Camper an der Hoover Dam Lodge und fahre mit dem Rad zum Staudamm. Dessen beeindruckende 220 m Höhe kann man besten von der spektakulär über den Canyon gespannten Highwaybrücke aus bewundern. Der Blick von da in die Tiefe lässt einen schon schlucken. Nach einer Schleife über den Damm zurück zum Auto und später zu Fuß weit oberhalb des angestauten Lake Mead entlang. Seit dem Jahr 2000 sinkt sein Pegel fast kontinuierlich, da hängen einfach zu viele Verbraucher daran und der speisende Colorado River führt auch immer weniger Wasser. Zur Dämmerung tauchen dann sogar einige Bighorn Schafe auf.

Hoover Damm

     eindrucksvolle Brücke

             Lake Mead

           Bighorn Schaf

Sonntag das nach wie vor schöne Wetter, heute allerdings mit stürmischem Wind. Der wirbelt in der trockenen Landschaft viel Staub auf. Ich nehme den Highway 95 nach Süden und biege nach 15 km auf die Nelson Road ab. Durch die sehr karge Gegend und über einen kleinen Pass führt die nach Nelson bzw. zur längst aufgegebenen Techatticup Mine. Definitiv eine sehr fotogene Geisterstadt. Ich drehe mehrfach mit der Kamera eine Runde und finde immer neue Eindrücke zwischen Autowracks und alten Bretterbuden. Zurück auf der 95 überrascht mich der dichte Verkehr. Dabei ist das doch eine Nebenstrecke. Angekommen in Searchlight suche ich mir eine ruhige Ecke etwas außerhalb. Ruhig ist relativ, der Wind ist nach wie vor stürmisch und hier ist nichts wohinter man Schutz finden kann. Nach einer “bewegten” Nacht brauche ich am nächsten Morgen etwas länger um in die Gänge zu kommen. Erst spät der Aufbruch in die Mojave Wüste. Schnurgerade einsame Strassen führen erst nach Westen dann nach Süden. Auf den 130 km nur winzige Siedlungen wie Cima, oder das Eisenbahndepot in Kelso. Hier ist man aber auch am Arsch der Welt ;-). Ich campiere neben den Kelso Dunes, wo ich fast allein auf weiter Flur bin. Das stört mich keineswegs. 

Nelson und die Techatticup Mine, reale Geisterstadt

 Campen in der Mojave Wüste

             Kelso Dunes

Dienstag Vormittag zu den Sanddünen, was ein ganzes Stück zu Laufen ist. Über flache Hügel schließlich steil hinauf auf die Großen, wobei jeder Schritt aufwärts gleichbedeutend ist mit dem teilweise Zurücksinken im weichen Sand. Circa 200 m liegt die Spitze über der umgebenden Landschaft. Die ist recht trocken und scheinbar lebensfeindlich, aber da hat es trotzdem eine ordentliche Artenvielfalt. Auf der Weiterfahrt rolle ich nach einem 1.200 m hohen Pass ganze 30 km bergab zur Route 66, der Ikone aller Strassen in den USA. In Amboy das Roy’s Motel, schon in einigen Filmen zu sehen. Gleich außerhalb erhebt sich aus einem Lavafeld der perfekt geformte Amboy Krater. Nur 80 m höher ist er in der flachen Landschaft gut zu sehen. Gleiches gilt für die ellenlangen Züge die Amboy passieren. An meist vier Loks hängen da, teils mit zwei Containern übereinander beladen, mehr als 120 Waggons dran. Ist wohl eine Hauptroute, pro Stunde kommen locker fünf Güterzüge, kein einziger Personenzug, durch. Am Nachmittag eine Wanderung zum, auf und durch den Krater, in dessen Nähe ich auch mein Nachtlager aufschlage.  

künstlerisch veranlagte Gräser

       Amboy Krater

 in Amboy

das wirkt manchmal wirklich so

 get your Kicks
 on Route 66

Die Nächte sind nun recht kühl, doch die Sonne heizt morgens das Auto schnell auf und bei der trockenen Luft fühlt es sich eh wärmer an. Ich fahre am Mittwoch weiter durch die gar nicht so langweilige Mojave Wüste bis nach Twentynine Palms, der Ort heißt wirklich so. Hier bestehen vor allem in den Außenbezirken der ausgedehnten Siedlung viele der Straßen aus Sand, auf den großen, fast leeren, Grundstücken stehen alte Trailer oder Bretterbuden und einige der Bewohner sind wohl recht wunderlich, jedenfalls lässt das die schräge Kunst aus schrottreifen Gegenständen und Flohmarktartikeln vor dem Haus vermuten. Immerhin sind da auch ein paar sehenswerte Sachen dabei. Ich fahre zur Indian Cove, eine kleine Enklave vom Joshua Tree Nationalpark. Nett als Einleitung, hält mich nur eine Stunde. Nicht weit davon die Wanderung zur Oase der 49 Palmen. 3 km führt der steinige Pfad durch trockene Hügel bis da plötzlich ein Palmenhain auftaucht in dem sogar das Wasser einer kleinen Quelle plätschert, eine Wohltat für Auge und Geist. Die Nacht stehe ich dann am ruhig gelegenen Tortoise Casino, offiziell mit A4 großer Parkkarte 

       die 49 Palmen Oase

 ein stacheliger Farbtupfer

  Fächerpalmen dicht an dicht

Oase Mara, einst mit 29 Palmen bepflanzt

31. Woche vom 23. bis 29. November 2023
Donnerstag frühstücke ich an der Oase Mara, in der einst die 29 Palmen gepflanzt wurden die letztlich dem Ort seinen Namen gaben. Dann hinauf in den Joshua Tree Nationalpark, immerhin auf 1.300 m Höhe gelegen. Heute ist Thanksgiving, ein großer Feiertag für die Amerikaner. Wie ich bald feststellen muss sitzen aber viele nicht zu Hause und essen Truthahn, sondern fahren lieber hier herum. Die Campingplätze trotz “first come, first served” bereits Vormittag voll und vor den Parkplätzen wartet man auf eine freie Lücke. Das hatte ich mir anders vorgestellt und muss nun spontan umplanen. Der erste Halt dann an den Jumbo Rocks. Überall abgerundete, ockerfarbige Felsen mit einer rauen und somit griffigen Oberfläche, ideal zum Klettern. Erst später tauchen die sehenswerten Joshua Tree, eine Art Yuccapalme, auf. Ihr Alter ist praktisch unbestimmbar, doch einige Exemplare sind wohl zwischen 300 und 900 Jahre alt. Zusammen mit den Felsen auf jeden Fall fotogen. Weitere Spaziergänge, das Wort Wanderung wäre übertrieben, an Orten wie Cap Rock, Hall of Horrors oder Hidden Valley, welches erst nach der Sprengung von Felsen zugänglich wurde. Alles toll, nur eben zu viele Leute. Abends verlasse ich den Park notgedrungen und campe außerhalb.

           Jumbo Rocks

 Skull Rock

   Joshua Tree Nationalpark

 Wieviele Jahr(zehnt)e liegen
 wohl zwischen diesen beiden?

Freitag ist das Wetter nicht besonders, vor allem der kalte Wind nervt. Ohne die Chance im Nationalpark zu campen fahre ich ein Stück weiter nach Yucca Valley, kaufe dort ein und nutze einen Waschsalon. Die Tage sind nun leider recht kurz, so weit im Osten der Zeitzone wird es schon 16.30 Uhr dunkel (und auch kalt). Am nächsten Vormittag die kurze Fahrt zum Black Rock Canyon und von da zum High View wandern. Trotz Sonnenschein sind im kalten Wind nur 10°C, das wird bald unangenehm. In der kargen Landschaft läuft mir immerhin ein Roadrunner über den Weg, leider zu schnell für die Kamera. Sonntag beruhigt sich das Wetter und ich fahre wieder in den Nationalpark. Auf dem Hidden Valley Campground werden erste Plätze frei, wovon ich gleich einen in Beschlag nehme. Zu Fuß dann den Park erkunden, wo heute viel weniger Leute unterwegs sind. Es macht Spaß immer wieder auf die felsigen Hügel zu klettern oder durch schmale Schluchten zu laufen. Weiter im Hinterland stehen sogar längst aufgegebene Autowracks oder Ruinen vom Versuch Gold zu gewinnen. Ich fühle mich hier echt wohl und genieße jede Minute. Abends taucht ein toller Sonnenuntergang die Felsen in oranges Licht, worauf bald eine friedliche Stille einkehrt. Am Montag praktisch ein ähnliches Programm. Wandern, klettern, staunen, fotografieren. Dann die Fahrt zum Keys View. Von dem  Gipfel der weite Blick ins Tal und die Ebene weiter südlich, nur leider verhindern Dunst und Sonnenstand einen Wow Effekt. Damit endet meine Zeit im Joshua Tree Nationalpark. Abends gehe ich zur Feier des Tages, mein Geburtstag, noch gut essen.

überall Joshua Tree

   Ergebnis einer Klettertour

so sieht das bei den Profis aus

   das steht da schon länger

Dienstag ein gemütlicher Morgen. Bei der Weiterfahrt ein kleiner Abstecher nach Pioneertown, hinter Yucca Valley gelegen. Der Ort praktisch ein Western Filmset, erbaut 1948 und heute noch in Gebrauch, wenn auch vor allem um Touristen zu amüsieren. Danach rolle ich auf dem State Highway 62 nach Süden und bergab, wobei es spürbar wärmer wird. Eine längere Pause im Big Morongo Canyon Preserve, wo im geschützten Tal an einem Bachlauf dichte Vegetation und recht große Bäume stehen. Leider hat auch hier der Sturm im August viel Schaden angerichtet und nur ein Teil der Wege ist passierbar. Gesperrte Strassen und dichter Feierabendverkehr im ausgedehnten Speckgürtel des Siedlungsgebietes prägen dann meinen ersten Eindruck von Palm Springs, doch angekommen im “alten” Zentrum wird alles schnell besser. Im Dunkeln erste Erkundungen. Der Ort diente früher als Rückzug fürs “Rat Pack”, Hollywoodlegenden, um dem Trubel zu entgehen. Deswegen unter anderem die übergroße Monroe Statue. In den Strassen einige Kunst, z. B. Plastiken die je nach Blickwinkel sichtbar oder fast unsichtbar sind. Mittwoch bei schönem Wetter ein Ausflug in den Tahquitz Canyon. In trockener Landschaft läuft man in einem enger werdenden Canyon bis zum schönen Wasserfall. Das ist nett, aber in meinen Augen keine 15 USD wert. Nachmittags bummle ich erneut durch den Ort.

Pioneertown

   im Tahquitz Canyon

 toller Wasserfall

da wachsen dir plötzlich Flügel

 die Monroe in XXL

32. Woche vom 30. November bis 6. Dezember 2023
Donnerstag ist das Wetter erst mal nur mäßig. Ich bleibe in der Stadt und besuche das Kunstmuseum. Ein schöner Bau, drinnen viel Luft und Licht. Zugegeben: die gezeigte moderne Kunst sagt mir wenig und nur einzelne Exponate gefallen, wie z.B. das Kaleidoskop. Länger halte ich es da in den zahlreichen Galerien von Palm Springs aus. Das sind wenigstens Sachen die ich mir auch in die Wohnung hängen oder stellen würde. Abends findet das wöchentliche “Dorffest” statt und der Strip ist über ganze Blöcke hin für den Verkehr gesperrt. Livemusik, alle Art von Kunst und Künstlern, dazu jede Menge Food Trucks, das macht was her. Freitag um die nicht funktionierende Technik kümmern. Mit Hilfe eines Freundes in Deutschland gelingt es meine Homepage wieder ins Laufen zu bringen. Puh, da fällt mir ein Stein vom Herzen. Nachmittag wird in einem kleinen Park offiziell und mit viel Tamtam, begleitet von einem kleinen Orchester, der Weihnachtsbaum eingeweiht. Mein Aufenthalt in Palm Springs verlängert sich immer weiter. Samstag ein Ausflug in die nahen Berge, immerhin bis zu 2.300 m hoch. Bis rauf laufe ich nicht, es reichen mir 800 Höhenmeter. Am Weg eine erstaunliche Pflanzenvielfalt, und das bei unwirtlichen Bedingungen mit wenig Niederschlag. Die Aussicht auf trockene Berge und die große Ebene ist eher mäßig und kein Foto wert. Abends findet die große Lichterparade in Palm Springs statt und viele Leute sitzen schon Stunden davor am Straßenrand. Stehen, so wie ich, tun die wenigsten, ist wohl zu anstrengend. Die Parade ist dann eher mäßig. Mit großen Abständen ziehen Clubs, Schulen und Firmen vorbei, meist leicht weihnachtlich angehaucht. Im Großen und Ganzen wohl die gleiche Parade wie zum 4. Juli, halt mit ein paar Lichterketten

im Kunstmuseum von Palm Springs, das Kaleidoskop fand ich super, ein paar andere Sachen ganz okay

  im Dattelgarten von Shields

 Lichterparade in Palm Springs

Sonntag und Montag fahre ich mit Pausen weiter bis Indio. Seit Palm Springs ist das eine Aneinanderreihung von, mit hohen Mauern abgegrenzten, Wohnsiedlungen, dazwischen mal kleinere, mal größere Shoppingmeilen. Ohne Auto geht hier gar nichts und Fußgänger sind so selten wie Camper mit deutschem Nummernschild. Einzig die teils sehr schönen Parks machen wieder viel wett. Für mich bietet das die Möglichkeit bei schönem und warmen Wetter mal durchzuschnaufen und die Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten. Dienstag ein Besuch im Shields Date Garden. Hier kultivierte Mr. Shileds in den 1960ern Datteln. Die eigenen Züchtungen brachten neue Sorten und gutes Geschäft. Sein Dokumentarfilm “Romance and Sex Life of the Date” läuft heute noch, ein damals recht gewagter Filmtitel. Ich lerne einiges zum Anbau, und wieviel Arbeit die leckeren Früchten machen Der hoch gepriesene Dattelshake allerdings ist für mich einfach nur supersüße Milch. Bei der Weiterfahrt biege ich bald von der 86 auf den Grapefruit Boulevard ab, womit schlagartig der Verkehr abnimmt. Es sind einsame Kilometer in karger Landschaft bis Bombay Beach am Salton Sea. Der entstand 1905, als der Colorado River Dämme durchbrach, die erst nach 18 Monaten mit 1.500 Arbeitern und 500.000 t Fels geschlossen werden konnten. Der See ist 56 km lang, 24 km breit, sehr mineralhaltig, zum Baden ungeeignet und verdunstet ohne viel Zufluss langsam. In früheren Zeiten übrigens war der temporäre See bis zu drei Mal so groß. Bombay Beach ist eine kleine, abgelegene Siedlung an seinem Ufer. Die Leute die hier wohnen sind etwas eigen, viele eine Art Künstler oder Aussteiger. Ersteres produziert alle Art von Installationen, auch und vor allem mit unbrauchbaren Sachen bzw. Müll. Die Ergebnisse sieht man im Dorf auf Privatgrundstücken oder verteilt auf dem immens breiten Strand, wo man auch gleich campen kann. Ich suche mir einen genehmen Platz, lasse mich nieder und bestaune was es hier Schräges zu sehen gibt. Den Mittwoch verbringe ich komplett in Bombay Beach. Kleine Spaziergänge, mal hier, mal da schauen. Irgendwie stimmt dieser Ort, womit Körper und Geist zur Ruhe kommen. Im See baden geht wirklich nicht, schon 10 m vor der Wasserlinie fängt man an im Schlamm zu versinken. Abends sitze ich in einer Schaukel am Strand und beobachte wie der Tag langsam der Nacht weicht. 

Salton Sea

an jeder Ecke gibt es was zu sehen, teils ist  das echt gut gemacht

Gottesdienst Sonntag, 11 Uhr

33. Woche vom 7. bis 13. Dezember 2023
Donnerstag fahre ich weiter. Bei Niland der Abstecher zu einem weiteren seltsamen Ort. Zuerst ist da der “Salvation Mountain”. In den 1980er Jahren begann Mr. Knight, zu der Zeit in seinen 50ern, aus Tonnen von Lehm, Stroh und viel Farbe den Hügel mit Botschaften Gottes zu verschönern. Dabei lebte er ohne Strom und fließend Wasser in einem Camper. Seine Arbeit ist echt  beeindruckend, auch wenn man wie ich zu den “Ungläubigen” gehört. Der Berg taucht übrigens in einigen Videos auf und GMT war wohl auch schon hier. Gleich dahinter Slab City. Im Grunde genommen ähnlich Bombay Beach, doch mit weit weniger Kunst und lebenswerten Grundstücken. Richtig viel Müll und abgewrackte Trailer überall. Nur die Künstler Community East Jesus fand ich durchaus sehenswert. Da steht Kunst aus Gebrauchsgegenständen, wobei ich die TV-Wand am besten fand. Die Regierung wollte den Ort übrigens schon mehrfach räumen, doch ist der, wie auch der Salvation Mountain, inzwischen zu bekannt im Land 

Salvation Mountain

         East Jesus

  Installationen mit Botschaft

Am Nachmittag fahre ich ein Stück zurück und campe am Wister Wildlife Area. An der Ostküste der Salton Sea hat sich über die Zeit ein ausgedehntes Marschland gebildet. Das liegt ideal für Zugvögel am sogenannten pazifischen ”Flyway”. Hier kommen sie zwei Mal im Jahr auf ihrer langen Reise durch, finden Schutz, Futter und etwas Ruhe. Ich bin bestimmt kein Vogelfanatiker, aber diese Fülle von allen möglichen Vogelarten ist schon interessant. Wenn sich dann noch gleichzeitig tausende von Gänsen zum Weiterflug geräuschvoll in die Luft erheben hat das schon was. Keine Ahnung wie viele unterschiedliche Arten ich auf zwei Spaziergängen, einen abends, einen früh morgens, sehe, aber das ist auch nicht wichtig. Freitag Mittag fahre ich weiter an der Salton Sea entlang, die übrigens 60 m unter dem Meeresspiegel liegt. Kurze Ausflüge in kleine vulkanische Gebiete, dazwischen geothermische Kraftwerke und überraschend viele Gemüsefelder, alle bewässert. Die nächste Nacht verbringe ich in Brawley.

die grüne Seite der Salton Sea

             viel los in und über dem Wister Wildlife Area

   ein Solist auf Futtersuche

Samstag erst meine Vorräte aufstocken, dann auf der eher wenig befahrenen 78 nach Osten. Es weht ein kräftiger Wind, den spürt man sogar bei der Fahrt. Nach 40 km tauchen die Imperial Dunes auf. Diese Sanddünen erstrecken sich über zig Kilometer von Nordwesten nach Südosten bei einer mittleren Breite von 8 km. Seltsamerweise kann man praktisch fast nirgends parken, außer man campiert hier und löst einen Saisonpass. Einzig am Osborne Park Viewpoint ist eine Pause möglich, wobei die recht steile Straße schon teils zugeweht ist. Über die ersten Stücke komme ich noch, aber weiter oben liegt der weiche Sand ganze 15 cm hoch. Also das Auto auf der Straße abstellen, was auch ein SUV vor mir macht. Zu Fuß zum Aussichtspunkt, von dem man aus wirklich weit schauen kann. Der stürmische Wind ist sehr unangenehm, hat er doch jede Menge Sand im Gepäck. Zu Fuß wäre ein Ausflug in die Dünen gefährlich, da sind jede Menge Leute mit ihren Offroad Fahrzeugen unterwegs und rechnen wohl kaum mit Wanderern. Es ist dann noch ein ganzes Stück auf teils schlechten Strassen bis zur American Girl Mine Road, wo ich im niedrigen Bewuchs eine windgeschützten Stelle zum campen finde. Sonntag ist es nicht mehr weit bis Yuma, direkt an der mexikanischen Grenze gelegen. Nun gilt Mountain Time. Ich drehe die Uhr eine Stunde zurück und habe wieder Tageslicht bis 17.30 Uhr. Bis Montag Abend bleibe ich in Yuma, wasche Wäsche, plane voraus und komme mit meiner Homepage voran.    

die Imerial Dunes, ein wahres Meer aus Sand

         Wickenburg

 Minikirche, voll funktionsfähig

 Gefängnisbaum in Wickenburg

Montag Abend verlasse ich Yuma. Etwas außerhalb ein Halt an der Pause Rest Worship Church. Diese Minikirche hat ein Farmer 1995 zum Gedenken an seine Frau gebaut. Kaum größer als mein Camper ist sie voll ausgestattet. Am nächsten Morgen greift mal wieder eine Planänderung. Statt direkt nach Tucson zu fahren, 350 langweilige Kilometer, eine um 500 km längere Schleife über Sedona. Zwar ist es da in höheren Lagen spürbar kälter und es drohen frostige Nächte, doch laut Reiseführer sollte sich das lohnen. Heute stehen trotzdem erst mal 260 recht eintönige Straßenkilometer an. Auf der 95 wenig Verkehr, daneben öde Gegend. Bei Quartzsite, inmitten von Nichts, campieren komischerweise hunderte von Leuten mit Wohnmobilen und Trailern, gut verteilt auf viele Plätze rund um die langweilige Stadt. Über die Interstate 10 und den Highway 60 erreiche ich schließlich Wickenburg. Nettes Städtchen mit Westernflair. Echt witzig ist der Gefängnisbaum, an den in Ermangelung eines Gebäudes die Straftäter gekettet wurden. Eine erfolgreiche Flucht ist in den 27 Jahren der Nutzung nicht bekannt. Mittwoch früh sind nur 5°C im Auto, woran ich mich wohl gewöhnen muss. Bei der Weiterfahrt windet sich die 89 bald durch recht kahle Berge. In den Granite Mountains das Hotshots Denkmal, wo vor einigen Jahren 19 (!) Feuerwehrleute bei einem Waldbrand ums Leben kamen. Gegen Mittag in Prescott. Hübsches Zentrum mit einigen Galerien, die sind in meinen Augen besser als viele Kunstmuseen. Ende des 19. Jh. war die Whisky Row mit 40 Bars das Zentrum, das jedoch 1903 zum größten Teil abbrannte. Laut Legende retteten Gäste die Bar vom Palace Saloon - und tranken danach einfach weiter. Der Saloon steht samt Bar wieder und verleiht echtes Western Feeling, sogar das Personal trägt ursprüngliche Kostüme. Etwas außerhalb dann zum Watson Lake. Sein Ufer säumen sehenswert abgerundete mehrfarbige Felsen. Zusammen mit dem heute spiegelglatten Wasser ein Traum für jeden Fotografen. 

in Prescott dem Meister über die Schulter schauen

         Watson Lake

 da lacht das Herz

eine geniale Landschaft mit vielen Fotomotiven

34. Woche vom 14. bis 20. Dezember 2023
Donnerstag weiter auf der 89 A, die kurvenreich über einen 2.100 m hohen Pass führt. Auf der anderen Seite, hoch über dem Tal, das Dorf Jerome. Von der einst reichen Minenstadt ist heute kaum etwas übrig. Am steilen Hang eine schmale Straße mit wenigen Häusern und ringsum viel Halde. Das Geld aus den reichen Kupfervorkommen, auch Gold und Silber war mit dabei, ist längst weitergezogen. Ich halte am Audrey Schacht, wo noch alte Anlagen stehen. Mutige stellen sich da auf eine Glasplatte, unter der ein 600 m tiefes Loch gähnt. Nachmittag besuche ich neben Clarkdale und Cottonwood die Ruinen des alten Pueblo, genannt Tuzigoot. Das war genug Programm für heute. 10 km weiter campe ich wie einige andere ein Stück vor Sedona, die roten Felswände und Berge schon verheißungsvoll im Blick. Freitag nach dem Frühstück zur Dry Creek Road fahren und dort die Wanderschuhe anziehen. Entlang der Tafelberge zur Devils Bridge, eine Naturbrücke. Von unten sieht die interessant aus, nach einer nötigen und steilen Kletterei wird es aber so richtig gut. Vor einem tollen Panorama steht die Brücke ziemlich frei, was so manchem nicht geheuer ist. Da haben einige beim Gang fürs eigene Foto, auf das man in der Schlange wohl eine halbe Stunde warten muss, weiche Knie. Nach der Rückkehr zum Auto etwas näher ans Stadtzentrum von Sedona. Die Gegend wird als eines der weltweiten Zentren von besonders hoher spiritueller Energie angesehen, da wundert es nicht auf eine buddhistische Stupa zu stoßen. Daneben ein Gang hinauf zum Sugarloaf Mountain mit Blick über einen Teil der wunderbaren Berg- und Canyonwelt. 

               Jerome

 über dem 600 m tiefen Loch

Devils Bridge, eine spektakuläre Naturbrücke

Amithaba Stupa

Samstag den Boynton Canyon besuchen. Gut das ich früh dran bin, die wenigen Parkplätze sind bald alle besetzt. Zu Fuß geht es hinein in die phantastische Welt der roten Felsen. Rund herum sind da nur Steilwände und sehenswert erodierte Formen. Ein unscheinbarer Seitenpfad führt zur Subway Cave, die im eigentlichen Sinn keine wirkliche Höhle ist. Doch egal, Lage wie auch Umgebung sind einfach genial. Die Kletterei hinauf und hinein ist nicht ohne, dafür bekommt man aber spektakuläre Eindrücke und Fotomotive. Dazu passt auch das nach wie vor recht schöne Wetter. Die paar Schleierwolken stören kaum, und ohne viel Wind sind die 16°C tagsüber sehr angenehm. Auf dem Rückweg lasse ich mir viel Zeit und halte häufig um das alles auf mich wirken zu lassen. Der Umweg nach Sedona hat sich definitiv gelohnt. Abends fahre ich zum Campen wieder raus zur Deer Pass Road. Sonntag Morgen als erstes zur Chapel of the Holy Cross, deren Architektur und Farbe gut in die umgebende Landschaft angepasst ist. Die vielen Leute da bleiben bei meiner Wanderung um die East Twin Butte bald zurück. Spätestens am Chicken Point komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Felstürme, Dome und ein langes, scheinbar unberührtes Tal. Das alles in Rottönen mit der grünen Vegetation dazwischen ist einfach nur genial. Zurück am Auto eine Pause, dann aufs Rad. Die nahe Straße zum Cathedral Rock ist bei hohem Andrang für Autos gesperrt, nicht aber für Räder. Statt also 3 km weiter Schlange für den Shuttle zu stehen, radle ich gemütlich auf einer leeren Straße zum begehrten Ziel. Der Cathedral Rock beeindruckt bereits  von “unten”. Der Weg rauf zur Basis des Felsens ist nur 800 m lang, überwindet dabei jedoch 200 Höhenmeter. Das ist heftig, macht mir aber Spaß. Genau am/unter dem Cathedral Rock erkennt man seine wahre Größe, das Foto mit mir als Vergleich zeigt gerade mal einen Teil. Mit dem Higlight endet meine Zeit in Sedona, kurze Pausen am Highway 179 zeigen letzte Panoramen.

der Boynton Canyon

*Sedona

   im Boynton Canyon

 Subway Cave

         am Chicken Point

 der Cathedral Rock und ich

                                         Impressionen vom Cathedral Rock

Montag mache ich erst mal auf Kultur. Wenige Kilometer südlich der I-17 liegt die V-Bar-V Ranch. Der ungewöhnliche Name ist aus dem Brandzeichen für ihr Vieh entstanden. Auf dem ehemaligen Privatgelände, nun National Monument, kann man an einer Felsplatte uralte Petroglyphe (Felsbilder) bestaunen. Die wurden eingeritzt, wobei der dunkle, 10.000 Jahre alte, Bakterienbelag auf dem roten Felsen als Kontrast sehr hilfreich war. Da sind nicht nur Symbole und Tierzeichnungen, auch ein Sonnenkalender mit Markierungen für die wichtigsten Daten im Jahr ist dabei. 20 km weiter am Montezuma Castle halten, vor 500 Jahren ein Pueblo in der Steilwand des Canyon. Die Räume sind nur durch Leitern erreichbar und waren damit gut zu sichern. Nach einer Nacht bei Camp Verde beginnt der Tag trüb und kühl. Ich halte in Arcosanti, eine architektonische Studie mit Bauten aus den 1970gern. Damals modern, von heute aus betrachtet meiner Meinung nach eher unansehnlich. Nach einer längeren Pause in Black Canyon City fahre ich weiter bis Dessert Hills, kurz vor den Toren von Phoenix. Der Mittwoch gehört fast gänzlich der Straße. Es geht mitten durch den Großraum Phoenix, wobei ich am Weg einiges an Notwendigkeiten erledige. Nachmittags ein Bummel durch Scottsdale mit “historischem“ Zentrum. Ganz nett um sich die Füße zu vertreten. Danach weiter bis Casa Grande

alte Felsritzungen

       Montezumas Castle

   im Saguaro Nationalpark

die Kakteen dicht wie ein Wald

35. Woche vom 21. bis 28. Dezember 2023
Donnerstag früh gehöre ich mit zu den ersten an den Casa Grande Ruinen. Viel ist vom früheren Pueblo nicht übrig, abgesehen von den dicken, heute noch 5 m hohen, Mauern des ehemals 4-stöckigen Hauptgebäudes. Dafür nutzten die Ureinwohner vor 700 Jahren einen selbst entwickelten Beton. Danach warten 100 km Straße, wobei vor allem auf der I-17 viel Verkehr herrscht. Umso schöner westlich von Tucson in den kleineren Teil des Saguaro Nationalparks abzubiegen. Saguaro ist der Trivialname der hier heimischen Kakteenart, die auch Nationalsymbol von Arizona ist. Der baumartige Saguaro wächst langsam, ca. 3 cm/Jahr, und seine ersten Arme (nicht Äste!) bildet er nach rund 70 Jahren. Mit dem Wissen wird klar das einige der großen Exemplare ganz schön alt sind. Nach einigen kurzen Spaziergängen noch das Visitor Center besuchen und am Snyder Hill auf BLM Land campen. Der heutige Tag mit 26°C ist für eine ganze Weile der letzte besonders warme gewesen. Freitag regnet es fast den ganzen Tag. Ich ziehe mich in eine Bibliothek zurück, arbeite am Laptop und versende rund einhundert Weihnachtsgrüße mit selbst Gedichtetem. Bei der Rückkehr zum Snyder Hill ist die Platzsuche schwierig. Große Pfützen überall und erst nach einer Weile finde ich eine Stelle mit festem Untergrund. Samstag Mittag hört es auf zu regnen und ich fahre zur Mission San Xavier del Bac, auch bekannt als “Weiße Taube der Wüste”, gebaut im 18. Jh. Die Bezeichnung passt, die Gebäude stark im Kontrast zur umgebenden Wüstenlandschaft. Sonntag, Heilig Abend, hinein nach Tucson. Überraschend: das Zentrum Downtown ist wie ausgestorben. Außer einigen Obdachlosen begegnet mir fast niemand. Viel zu sehen gibt es leider auch nicht, für so eine große Stadt durchaus eine Enttäuschung. Also wieder hinaus zum Snyder Hill und mit lecker Essen nebst Wein das Fest würdigen. 

Tucson, Old Pima Courthouse

Mission San Xavier del Bac von Innen und Außen

Tucson,St. Augustin Cathedral

 schönes Farbspiel

Montag dauert es eine Weile bis die Temperatur angenehme Werte erreicht, ich habe sogar ausnahmsweise Kondenswasser an den Scheiben im Auto. Am Vormittag quer durch Tucson zum östlichen Teil des Saguaro Nationalparks. Ein 12 km langer Loop führt als schmale Einbahnstraße durch einen Teil davon. Links und rechts immer wieder kleine Parkplätze, von denen aus man kurze Spaziergänge machen kann. Da sind einige sehr große Kakteen zu sehen, nebst Erklärung warum so viel weniger als vor ca. 80 Jahren. Daran ist mal nicht der Mensch oder die Klima Veränderung schuld, sondern längere Kälteeinbrüche in den 30r und 60er Jahren. Die verträgt der Saguaro nicht. Immerhin stehen da viele kleinere, sprich jüngere, Exemplare. Den besten Teil sehe ich erst gegen Abend, als ich außen herum zur nördlichen Grenze des Parks fahre. Der Mica View Trail beeindruckt auf wenigen Metern mehr als der vielgepriesene Loop. Hier gelingen zum Sonnenuntergang tolle Fotos. Ich bleibe dann gleich dort und campiere neben der Straße. Die Nacht ist dann weniger erholsam, leider kommen mehr Fahrzeuge als gedacht vorbei. Dafür laufe ich am nächsten Morgen eine weitere schöne Runde auf dem Mica View Trail mit all den ach so verschiedenen Kakteen.

ein Größenvergleich und weitere Impressionen von den Saguaro

mehr tolle Kakteen, wie z.B. der Teddy Bear Cholla

Einer davon aus der Familie der Cholla hat den Beinamen “Teddy Bear”. Sieht kuschelig aus, seine Stacheln sind aber genau so hart wie bei allen anderen. Ich habe dann noch einiges in der Stadt zu erledigen und fahre erst am Nachmittag weiter. Es rollt gut auf der Interstate 10 gen Osten. Nach einer sehr ruhigen Nacht in Benson die Wende nach Süden, in Richtung Mexiko. Auf und neben der Straße sieht man nun immer wieder weiße SUV mit breitem grünen Streifen - die Grenzwache. Dazu Checkpoints an denen man seine Papiere vorweisen bzw. den Beamten einen Blick ins Wageninnere gestatten muss. Unterwegs ein Halt an den Kartchner Höhlen, aber da sind alle Touren für die nächsten zwei Tage ausgebucht. Schade, aber ich hätte eh keine Fotos zeigen können - absolutes Kamera und Handy Verbot in den Höhlen. Kurz nach dem Mittag bin ich in Tombstone, das Ende des 19. Jh. schon traurige Berühmtheit erlangt hat. Auf dem Friedhof Boot Hill stehen alte, meist sogar dokumentierte, Grabsteine bzw. -bretter. Die bekanntesten gehören zu einer Schiesserei mit Wyatt Earp von 1881. Viel Legende, aber auch viel Wahrheit

Saguaro Nationalpark

     letztes Foto des Tages

 Tombstone, Boot Hill Friedhof

einige Inschriften sogar mit schwarzem Humor

Die Kleinstadt Tombstone selbst hat nach wie vor Westernflair, wohl vor allem um Touristen anzulocken. Die Hauptstraße teils noch aus Schotter, die umliegenden Gebäude entweder historisch oder dementsprechend nachgebaut. Drei Shoutout Shows konkurrieren miteinander und finden jeweils bis zu sechs Mal am Tag statt, alte Postkutschen drehen ihre Runden und Läden machen auf Wunsch Fotos in historischen Kostümen. Die Touristenfalle funktioniert, alle Parkplätze rings ums Zentrum sind voll. Weiter draußen das erhaltene Haus von Wyatt Earp und manch anderes Kleinod. Ich bleibe über Nacht und erlebe Tombstone am nächsten Morgen in seiner ruhigen Phase. Dann auf Nebenstraßen nach Osten. Die sind wenig befahren und ich begegne nur selten anderen Fahrzeugen. In Sunizone, ein Kaff mit vielleicht 200 Einwohnern, eine lange Pause an der Bibliothek. Die hat, wie fast alle Bibliotheken im Land, ein freies WLAN Netz. Damit kann ich nächste Ziele planen und meine Homepage hoch laden. So bricht dann schon die Dämmerung herein, als ich vor den Toren des recht abgelegenen Chiricahua Nationalparks ankomme.

in Tombstone

Setting für die Shoutout Show

   Flaniermeile in Tombstone

           Cowboys Best

36. Woche vom 29. Dezember 2023 bis 3. Januar 2024
Freitag früh sind die Scheiben vom Camper leicht zugefroren, kein Wunder auf 1.600 m Höhe. Gleich hinein in den Nationalpark, das Frühstück 15 km weiter am Echo Canyon auf knapp 2.100 m. Da ist es nicht wärmer, aber im Sonnenschein eben schöner. Dann die Wanderschuhe schnüren und los. Von Anfang an hält die Gegend was sie verspricht: ungewöhnliche Felsformationen in jeglicher Ausführung. Der Echo Canyon Trail führt mitten hindurch und ich staune was das Zeug hält. Felstürme, -nadeln und -grotten soweit das Auge reicht. Das ist echt abgefahren. Durch den Rhyolith Canyon weiter zum Heart of the Rocks, wo mit: Kissing Rocks, Balanced Pinnacle, Duck on the Rock, Punch and Jude eigenartige, aber klar erkennbare Erosionsergebnisse zu bewundern sind. Der “Big Balanced Rock” wiegt erstaunliche 1.000t und steht bei sieben Meter Durchmesser auf nur so etwas wie einer Nadel. Das ist so genial. Bei kaltem Wind drehe ich im Sonnenschein eine 18 km Runde und komme dabei erneut durch den Echo Canyon, der vom nun anderen Blickwinkel ganz neue Sachen preisgibt. Chiricahua National Monument - einfach Super 

       Big Balanced Rock

 im Chiricahua National Monument

         im Echo Canyon

Balanced Pinnacle

Der Samstag beginnt kalt und bewölkt, da hatte ich gestern noch richtig Glück mit dem Wetter. Gleich auf die praktisch leere Straße. Der nächste Ort, Wilcox, taucht erst nach 60 km auf. Ein paar Lebensmittel kaufen und dann auf die Interstate 10 gen Osten. Ein Halt in Bowie, der letzten Stadt in Arizona. Oh je, so was habe ich lange nicht gesehen. Autowracks, keiner auf der Straße und viele Gebäude schon mehr eine Ruine. Schnell weiter. Der erste Ort an der I-10 in New Mexico ist Lordsburg. Das Welcome Center leider schon im Feiertagsurlaub. Die Stadt selbst immerhin besser als Bowie und es gibt eine Bibliothek mit WLAN. Abends fahre ich ein Stück raus und campe neben Shakespeare, einer Geisterstadt in der nur an wenigen Tagen Touren stattfinden. Weit genug weg vom Highway und der Eisenbahn habe ich hier meine Ruhe. Sonntag weitere 100 recht langweilige Kilometer auf der I-10. Die Gegend ein flaches Hochplateau auf 1.300 m Höhe ohne nennenswerte Höhepunkte. Immerhin ist mein Ziel, Deming, ganz nett. Leider hat das Luna-Mimbres Museum wegen Renovierung geschlossen. Die Spaziergänge bleiben kurz im kalten Wind, als Fußgänger bin ich eh fast als Einziger unterwegs. Ohne richtiges Zentrum kommen selbst am Sylvester Abend keine Einwohner zusammen und bis auf ein paar Böller und Raketen verläuft der Jahreswechsel sehr ruhig. Montag bin ich erst einmal damit beschäftigt Freunde und Familie zum Neuen Jahr zu beglückwünschen. Nach dem Mittag die nächsten 100 Highwaykilometer bis Mesilla. Früher ein wichtiger Handelsposten, ist es nun ein ruhiges Dorf im mexikanischen Baustil mit einer schönen Kathedrale. Da kann man gut durch die Gassen bummeln. Nach einer herrlich ruhigen Nacht in Mesilla besuche ich Las Cruces, eine schnell wachsende Stadt nebenan. Der Rundgang dort ist mangels Sehenswürdigkeiten schnell beendet und ich fahre weiter in die nahen Organ Mountains um dort bei schönem Wetter eine interessante Runde in Wanderschuhen zu drehen.  

in Deming

           Mimbres Kunst

unterwegs in den Organ Mountains

Mittwoch Vormittag überwinde ich die Organ Mountains mittels eines 1.700 m hohen Passes. Dahinter geht es zügig bergab in eine riesige Ebene mit sehr wenig Einwohnern. In der Abgeschiedenheit ein militärisches Sperrgebiet neben dem anderen, der ideale Ort für Raketentests. Mein Halt am White Sands Missile Park, wo ich nach Sicherheitscheck und eindringlicher Belehrung wo Fotografieren erlaubt ist, zur Ausstellung aufs Militärgelände darf. Da stehen alle möglichen Raketen, im extra Haus sogar eine restaurierte V2. Wernher von Braun hatte sich bereits vor Kriegsende mit einem Großteil seiner Mannschaft ergeben und ist zu den Amerikanern übergelaufen. Die haben dann neben den Forschern zig Tonnen Ausrüstung aus Thüringen in die USA gebracht, wo in New Mexico weiter geforscht wurde. Auch ausgestellt: die viel diskutierte Pershing II und das Patriot System. 60 km weiter kann man dann schönere Dinge bewundern: das White Sands National Monument. Diese Sandwüste besteht zu einem guten Teil aus Gips und strahlt deswegen leuchtend weiß. 11 km führt ein festgefahrener Weg mitten hinein, bis es dann zu Fuß weitergeht. Der 8 km lange Alkali Flat Trail ist mit roten Plastikpfosten gekennzeichnet damit sich niemand verirrt. Bald bleiben die meisten Besucher zurück und ich bin fast allein inmitten der weißen Pracht. Der Sand ist anders als sonst, schwerer und feiner. Deswegen sind die Dünen weniger hoch und Fußspuren bleiben erhalten bis der Wind sehr kräftig bläst. Auf jeden Fall ein sehr eindrückliches Erlebnis. Im Sommer bei hohem Sonnenstand braucht man wahrscheinlich immer eine Sonnenbrille.  

eine Original V2 Rakete

White Sands Missile Park

fast so weiß wie Schnee

White Sands National Monument

37. Woche vom 4. bis 10. Januar 2024
Nach einer Nacht am Lake Holloman bin ich bald in Alamogordo. Es bleibt heute kalt unter einem bedeckten Himmel, dazu bringt der stürmische Wind immer wieder Schauer heran. Eine Weiterfahrt macht keinen Sinn, die Strassen über die nahen Berge sind mit Neuschnee bedeckt. Also mache ich das Beste aus meinem Aufenthalt hier. Die Bibliothek hat sehr gemütliche Leseräume in denen eigentlich nur noch der Kamin zur Perfektion fehlt und im nahen Aquatic Center kann ich für kleines Geld duschen gehen. Freitag klart es auf und ich versuche mein Glück. Ein Halt in Tularosa an der schönen Missionskirche, dann hinauf zum 2.350 m hohen Pass. Die Strasse ist frei und meist trocken, obwohl die Landschaft bald winterlich ist. Etwas abseits stehen da einige Fahrzeuge, die wohl gestern im Schneesturm stecken geblieben sind. Die andere Seite der Berge ist komplett trocken und hat von den Niederschlägen nichts abbekommen. Am späten Nachmittag taucht Roswell auf, das Epizentrum von UFO’s und Aliens. Die Stadt hat sich voll auf dieses Thema fokussiert. So sieht der Mc Donalds entfernt wie eine fliegende Untertasse aus und an jeder Ecke stehen phantasievolle Figuren. Im passenden Museum Augenzeugenberichte aus den 40ern, als ein unbekanntes Flugobjekt hier aufgeschlagen sein soll, wie auch von Sichtungen anderswo in Amerika. Wer es denn glaubt kann hier staunen. 

     durch winterliche Berge

 in Tularosa

in Roswell ist man voll und ganz auf Ausserirdische eingestellt

Der Samstag beginnt erneut stürmisch, wolkig und mit Schneeregen. Es wird Zeit mein Glück weiter südlich zu versuchen. Auf der 285 erreiche ich nach 60 km Artesia, doch die Stadt ist nur eine nichtssagende Ansammlung von Häusern, daneben eine große Raffinerie. Lieber gleich weiter fahren. Die Landschaft ist nun ziemlich öde und eintönig. Kurz vor Carlsbad biege ich zum Avalon Lake ab und campe da. Der See wie auch die Gegend ringsum bekommen keinen Schönheitspreis, aber für eine Nacht ist es okay. Sonntag, wie vorhergesagt, der nächste stürmische Tag. Ich bleibe in Carlsbad, auch wenn der Ort wenig interessant ist. In der darauf folgenden Nacht muss ich mich richtig gehend verstecken um dem Wind wenigstens etwas aus dem Weg zu gehen, der teils heftig am Camper rüttelt. Den Montag verbringe ich größtenteils in der hiesigen Bibliothek, da sitzt man warm, hat WLAN und kann gut arbeiten. Das nutzen auch Einheimische denen es nicht so gut geht, das sieht man an deren Garderobe wie auch an den Autos auf dem Parkplatz. Nachts liegt die Temperatur nun meist im einstelligen Minusbereich und Dienstag früh sind im Camper 0°C, da muss die Heizung zeigen was sie kann. Es wird heute nicht viel wärmer, aber es scheint wenigstens die Sonne. 40 km weiter südlich halte ich an der Carlsbad Cavern. Die Umgebung ungewöhnlich für eine Höhle, aus der flachen Ebene erhebt sich nur ein kleiner Bergrücken. Erklärung: das war mal ein Ozeanriff. Der Gang hinunter ist 2 km lang und führt 300m unter die Erde. Es braucht keine Führung, man kann das alles allein erkunden. Nur wenige Leute sind unterwegs und so wird es ein eindrücklicher Besuch. Die Höhlen sind bis zu 50 m hoch und gehen kilometerweit. Überall Stalaktiten, -gmiten und andere Formationen, die teils versteinerte frühe Lebensformen sind. Weltrekordverdächtig: ein 200.000 t schwerer Fels der von der Decke gebrochen ist. Tolle drei Stunden bin ich da unten unterwegs und verzichte auch hinaus auf den vorhandenen Lift.  

   scheuer Höhlenbewohner

 in der Carlsbad Cavern

sehenswerte Wunder der Natur

das war eine frühe, korallenartige, Lebensform

Nach dem Besuch der Höhlen erreiche ich in einem Bogen wieder die 285 und strebe südwärts. Am späten Nachmittag komme ich so nach Texas, wobei da nicht mal ein Schild an der Strasse steht. Komische Gegend, überall verteilt kleine Areale mit viel technischem Equipment, wohl Gas- und Ölförderstellen. Auf der Strasse nur große LKW und Firmen Pick-up. Das ist auch so am angepeilten Red Bluff Stausee, also beiße ich in den sauren Apfel und hänge 80 km bis Pecos ran. Der Ort eher nichts sagend, doch da bleibt keine andere Wahl. In Texas gilt Central Time. Nun geht die Sonne erst 8 Uhr auf, aber eben auch erst nach 18 Uhr unter :-). In Pecos einen Waschsalon nutzen und Vorräte aufstocken, ich will demnächst in so richtig einsame Gegenden.

38. Woche vom 11. bis 17. Januar 2024
Donnerstag wird es 20°C warm, der stürmische Südwind ist Schuld. Dadurch habe ich auch heute mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Eine Pause in Balmorhea, bevor es auf dem State Highway 17 ins hügelige Bergland geht. Dort findet sich ein gut geschützter Platz für die Nacht. Am nächsten Tag ist es nur ein Katzensprung bis Fort Davis, einst ein wichtiger Außenposten zum Schutz der Siedler. Auf dem großzügigen Museumsgelände stehen noch viele, teils restaurierte, Gebäude, die viel über die damalige Zeit aussagen. Später wandere ich durch die Hügel hinter dem Fort mit schöner Aussicht über das Land. Nachmittag die Weiterfahrt bis Marfa, eine Kleinstadt die sich mit Kunst aller Art einen Namen gemacht hat und einen Spaziergang lohnt.  

Fort Davis

   auf dem Museumsgelände

             Officer Row

       Courthouse in Marfa

Sonnabend sind es 100 km auf der 67 bis nach Presidio, direkt an der mexikanischen Grenze. Unterwegs lohnt kein Halt, da ist nur eintönige und öde Landschaft. Der kleine Ort überrascht dann mit einer für Grenzstädte sehr entspannten Atmosphäre, da kann ich gut und gerne eine Nacht zubringen. Sonntag halte ich am Fort Leaton und hole mir die Campingerlaubnis für den Big Bend Ranch State Park. Der zieht sich immer in der Nähe des Rio Grande entlang nach Osten. Betrieb ist so gut wie gar keiner und ich rolle auf der 170 hinein. Die Straßenführung wäre für Radfahrer heftig, häufig geht es kurz jedoch steil mit bis zu 15% bergauf oder bergab. Der Rio Grande ist dabei häufig im Blick, wenn auch nur ein Schatten seiner selbst. Staudämme und Bewässerungssysteme lassen ihn zu einem Rinnsal verkümmern, so das man fast trockenen Fußes hinüber nach Mexiko gehen könnte. Gesichert ist dieser Grenzabschnitt nicht, dafür werden aber die wenigen Straßen stark überwacht. Unterwegs Pausen am Colorado Canyon, den Hoodoo’s und am Closed Canyon. Der führt fast trocken und immer enger werdend zum Rio Grande. Über einige kleine Pools kann ich noch klettern, kehre erst um als das nicht mehr reicht. Campiert wird am Madera Canyon. 

Big Bend Ranch State Park

 Rio Grande, Grenze zu Mexiko

  Camping am Madera Canyon

im Closed Canyon

Montag - Kaiserwetter. Ich halte nach 10 km am West Contrabando Trail und wandere hinein in die wüstenähnliche Landschaft Trotz geringer Niederschläge hält sich eine überraschend vielfältige Flora, dazu bringen unterschiedliche Mineralien Farbe in die Gegend. Vor 100 Jahren wurde da ziemlich erfolgreich das giftige Quecksilber gefördert, was viele der Beschäftigten später mit ihrer Gesundheit oder sogar dem Leben bezahlt haben. Trotz Wärme, am Nachmittag sind 27°C, drehe ich eine 12 km Runde, die kein bisschen langweilig ist. Zum Abschluss eine Pause an einem original Filmset, dann erreiche ich mit Lajita das Ende vom State Park. Auch heute suche ich sorgfältig nach einer geschützten Stelle zum Übernachten, die Wettervorhersage verspricht erneut einen Sturm. Der kommt diesmal aus nördlicher Richtung und drückt eiskalte Luft bis zur mexikanischen Grenze herunter.

Big Bend Ranch State Park

   farbenfroh und interessant

  mehrfach genutztes Filmset

     Geisterstadt Terlingua

Innerhalb von 14 Stunden fällt das Thermometer um 35 Grad und Dienstag früh sind gewöhnungsbedürftige -8°C. Immerhin hat sich mein gewählter Platz als windgeschützt verdient gemacht. Trotz Sonnenschein werden heute nur 4°C, was sich bei dem kräftigen Wind sogar kälter anfühlt. Mein heutiges “Außenprogramm” wird so auf kurze Spaziergänge beschränkt. Am Weg liegt Terlingua, teils eine Geisterstadt. Da stehen alte Hütten aus aufeinandergestapelten Steinen, in denen es bei solchem Wetter fürchterlich gezogen haben muss, wie auch der eindrückliche Friedhof. Die Gräber darauf alt, verwachsen und längst nicht mehr einem Namen zuzuordnen. Das alles hat was und wirkt bei mir lange nach. Den Rest des Tages verbringe ich bei Study Butte an einem kleinen Info Kiosk. Der bietet, man mag es in dieser Einöde kaum glauben, WLAN. Also abwarten und Videos streamen. Am Mittwoch wird es langsam wieder wärmer und ich fahre in den Big Bend Nationalpark. Wer sich wundert: es gibt den State Park und den National Park mit selbem Namen, noch dazu fast nebeneinander. Letzterer ist der flächenmäßig Größte in den USA und liegt fernab von allem. Kein Radioempfang und zum nächsten Walmart sind es 300 km, das sagt wohl alles. An den wenigen Strassen im Nationalpark gibt es einige Möglichkeiten für Wanderungen, doch ich strebe direkt zum Cottonwood Campground, für den eine Onlinereservierung notwendig war. Dort stelle ich das Auto ab und steige auf das Rad um. Lange keine Runde mehr gedreht. Auf der ruhigen Straße rolle ich zum 13 km entfernten Santa Elena Canyon, wo sich der Rio Grande durch die Felsen gegraben hat. Man kann ein Stück in den Canyon hineinlaufen, wobei sich die Felswände fast senkrecht 300 m um einen herum erheben. Sehr eindrücklich ist auch die Stille hier: kein Windhauch, kein Vogelgezwitscher, einfach gar nichts. Ein friedlicher Ort

der Friedhof in Terlingua

         Big Bend Nationalpark, am und im Santa Elena Canyon

39. Woche vom 18. bis 24. Januar 2024
Der Ross Maxwell Scenic Drive, auf dem ich gestern zum Campingplatz kam, ist praktisch eine Sackgasse, also muss ich heute die selbe Strecke zurück. Dabei der Halt an allem was gestern links und rechts der Strecke unbeachtet blieb. Der kurze Tuff Canyon ist leider wegen Instabilität gesperrt, aber mir gelingen ein paar Fotos von seinem Rand. Die Burro Mesa Spur führt zu einem Boxcanyon, an dessen Ende ein 30 m hoher Drop Off, sprich ein saisonaler und im Moment trockener Wasserfall, wartet. Bald darauf der Sotol Vista Aussichtspunkt mit weitem Blick über einen Bruchteil des Nationalparks. Da sieht der ferne Santa Elena Canyon wie eine kleine Kerbe in der langen Felswand aus. Kurz danach ein Halt an der längst aufgegebenen Homer Wilson Ranch. Erstaunlich das Menschen so abgelegen und auf sich gestellt versucht haben ein Leben zu führen. Der Blue Creek Trail führt sehenswert zum Red Rock Canyon, wo die Felsen farblich stark aus der umliegenden Landschaft hervor stechen. Das war schon mal ein ordentliches Programm. An der Panther Junction biege ich ins bergige Herz des Parks, das Chisos Basin, ab. Auf 1.600 m Höhe gelegen, schließen sich die 2.000 m hohen Gipfel wie ein Amphitheater um das kleine Becken. Nach Pause und Rundgang sind meine heutigen Ziele erreicht und ich mache mich auf den langen Weg zurück in die Zivilisation. 60 einsame Kilometer sind es bis zum Parkeingang, und weitere 50 zum Stellplatz für die Nacht, ein kleiner Picknickplatz neben der Straße. 

     Big Bend Nationalpark

 Tuff Canyon

     Red Rock Canyon

         Red Rock Canyon

ein sogennanter Drop Off

Freitag zieht die nächste Kaltfront durch, da hilft auch die Sonne wenig. Ich bin bald in Marathon, ein kleines Dorf am State Highway 90. Das Gage Hotel hier hat eine lange Tradition und ist einen Besuch wert. Ebenso der Garten gleichen Namens, auch wenn da im “Winter” wenig grünt und blüht. Im kleinen örtlichen Supermarkt kommt am frühen Nachmittag frische gebackenes Brot aus dem Ofen. Das ist lecker, schlägt aber auch mit 12 USD für ein Pfund ordentlich zu Buche. Später weiter auf der 90 nach Osten. Da ist praktisch kein zählbarer Verkehr in meiner Richtung und mir kommen in einer Stunde nicht mehr als 10 Autos  entgegen. Nach einer kalten Nacht in Sanderson ziehe ich gemütlich weiter. Das Wetter ist derzeit im ganzen Süden kalt und unbeständig, da besteht kein Grund viele Kilometer zu machen. Die Landschaft ringsum geht als eintönigste und langweiligste in meine Annalen dieser Reise ein. Neben der Straße nur alle 100 km ein Kaff das ebenso wenig zu erwähnen wäre. In Langtray, wo ich übernachte, steht wenigstens ein kleines Museum zu Ehren eines Richters, Roy Bean, der hier im 19. Jh. eine Institution war, unter anderem weil er das Gesetz recht eigensinnig und ausgesprochen frei ausgelegt hat. Der Sonntag präsentiert sich bedeckt, kalt und stürmisch, da passiert außer der Fahrt nach Del Rio kaum etwas. In den nächsten Tagen bleibe ich in Del Rio und bringe einfach etwas Zeit herum. Die Wettervorhersage spricht täglich von Sonne ab Mittag, es bleibt jedoch neblig trüb und regnet ein paar Mal. Zwei Nächte campiere ich am eigentlich großen Amistad Stausee vor den Toren der Stadt, nur ist sein Wasserspiegel schon seit langem so niedrig, das man neben viel Gestrüpp kein Wasser geschweige denn ein Ufer sieht.  

Reisen, früher und heute ;-)

           im Gage Hotel

   so dekoriert man in Texas

   auf dem State Highway 90

40. Woche vom 25. bis 31. Januar 2024
Donnerstag bleibe ich noch in Del Rio und erledige einige Sachen, wie zum Beispiel dreckige Wäsche. Außerdem fand sich in der Bibliothek ein guter Reiseführer über Texas, den zu studieren hat eine Weile gedauert. Die mehrtägige Pause hier, das muss ich zugeben, hat es gebraucht, auch wenn ein schönerer Ort und besseres Wetter wünschenswert gewesen wäre. Freitag kommt nach fünf Tagen endlich wieder die Sonne raus, mein bisheriger Rekord im Land was bedeckte Tage in Folge angeht. Auf dem State Highway 90 sind es dann 130 ereignislose Kilometer bis Uvalde, wo ich übernachte. Tags darauf biege ich bei Sabinal auf Nebenstraßen ab und komme ins Hill Country. Warum der Reiseführer diese Strecke empfiehlt ist mir bald ein Rätsel. Recht nett geht es durch hügeliges Land mit viel Baumbewuchs, nur “zieren” links wie rechts unendlich lange Zäune die Straße. Das bleibt ab der 39 auch am an sich schönen Guadalupe River so, keine Chance da irgendwo Pause zu machen. Früher als gedacht die Ankunft in Ingram, wo Privatleute Stonehenge und einen Moai (Osterinsel) nachgebaut haben. Gleich darauf in Kerrville, schöne Kleinstadt mit großen Parkanlagen am Guadalupe River. Auch wenn die Bäume im hiesigen “Winter” laubfrei sind, ist es schön mal wieder große Exemplare zu sehen. Dazu zwitschern überall Vögel, auch das gab es in der Wüste nicht. Sonntag strahlt die Sonne bei 20°C vom blauen Himmel. Für mich ein weiterer Spaziergang in Kerrville, dann auf nach Fredericksburg. Diese Ecke in Texas wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh zur neuen Heimat vieler deutscher Aussiedler. Neben Städtenamen haben auch andere Begriffe, Werte und auch Traditionen “überlebt”. Viele der Privathäuser sind aus Stein und stehen deshalb noch immer.  

Ingram, Stonehenge II

     Parkanlage in Kerrville

Fredericksburg, Hotel/Museum Familie/Admiral Nimitz

der Maibaum als deutsche Tradition

In Fredericksburg zu Bummeln macht echt Spaß. Das Nimitz Museum lasse ich aus, darin geht es wieder einmal um von der USA geführte Kriege. Lieber etwas in den für mich ungewöhnlichen Läden herum schnüffeln. Da hat es z.B. Cowboystiefel in Hülle und Fülle. Für die guten Stücke sind schnell 500 USD fällig, da überlegt man zwei Mal vor dem Kauf. Montag halte ich auf dem Weg nach Süden bald in Comfort. Schönes Dorf, in dem allerdings wie in so vielen Orten nur wenige Geschäfte überlebt haben. 

         coole Truppe :-)

Da kann man praktisch nur gut wohnen, für alles andere muss man mit dem Auto, öffentlicher Nahverkehr existiert nicht, ein Stück fahren. Dann ein Besuch in Boerne (wenn das der Tatort wüsste ;-)). Auch von Deutschen gegründet bietet es genug für einen Spaziergang und wird zu meinem Übernachtungsplatz. Dienstag verlasse ich die stressige Interstate 10 für eine lange Pause im Friedrich Wilderness Park. Angenehm so kurz vor der nächsten Großstadt eine Weile durch die stille Natur zu laufen.

  alle Farben, Formen, Größen

Am Nachmittag hinein nach San Antonio. Wie erwartet ist es erst mal schwierig einen guten Parkplatz zu finden. Umleitungen, Baustellen und üblicher Stress, aber damit kann ich umgehen. Nach einigen Versuchen findet sich ein Platz für meinen Camper. So kann die erste Erkundungstour starten. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten dieser Größe (1.4 Mio. Einwohner) stehen im Zentrum nur wenige große Bürogebäude und so stirbt es nach Feierabend auch nicht aus. Ganz im Gegenteil: sehenswert führt am höhenregulierten Fluss ein abwechslungsreicher Riverwalk vorbei an Bars, Restaurants, Läden und sogar einem Open Air Theater. Dazwischen kleine Brücken, Parks, Wasserfälle und -spiele. Auf dem Fluss bieten große Partyboote die Möglichkeit  sich bei einer Rundfahrt das ganze Zentrum vom Wasser aus anzuschauen. Das macht Eindruck und ich bin positiv überrascht.

The Alamo

     auf dem Alamo Gelände

     Theater am Riverwalk

 unterwegs auf dem Riverwalk

Nach einer recht erholsamen Nacht an einer ruhigen Strasse mitten in San Antonio fahre ich Mittwoch zum Roosevelt Park am südlichen Stadtrand und steige dort auf das Rad um. Immer schön am Fluss entlang besuche ich vier alte Missionen. Die erste, Concepcion, wurde 1711 gebaut und gilt als älteste Kirche Nordamerikas im Originalzustand. Weiter am Weg liegen San Jose, San Juan Capistrano und Espada. Ein wunderbarer Ausflug bei tollem Wetter. Die entspannte Radelei am Fluss, ohne nervenden und gefährlichen Verkehr, macht einfach Spaß. Nur der viele Müll im Wasser und in der Böschung bis zu 3 m über dem jetzigen Pegel, wohl das Ergebnis vom letzten Hochwasser, stört mich maßlos. Kein Wunder das wir vor die Hunde gehen. Nachmittags die Radtour ins Stadtzentrum. “The Alamo” ist die ehemalige Mission mit überaus großer patriotischer Bedeutung im Krieg gegen Mexiko. Außer zahlreichen Touristen und überraschend vielen, stark ausgerüsteten, Sicherheitskräften gibt es da aber wenig zu sehen. Am Abend schlendere ich ein weiteres Mal über den Riverwalk und entdecke immer neue Ecken. Halb zehn wird dann die Kathedrale zur Leinwand für ein Videomapping. Professionell wird da mit Licht und Ton die Saga der Stadt/von Texas erzählt.   

Mission San Jose

Mission San Jose mit Rosenfenster

       Mission Concepcion

 Mission Espada

         auf dem Riverwalk

 Nachts in San Antonio

Videomapping

41. Woche vom 1. bis 7. Februar 2024
Donnerstag bei der Abfahrt aus San Antonio ein Halt am Japanese Tea Garden. Der ist wunderschön, in seiner Architektur und Anlage aber definitiv chinesischen Ursprungs. Als ich dort bin macht sich gerade ein wahres Heer von städtischen Mitarbeitern daran die Grünanlagen frühlingshaft zu gestalten. Mein nächster Halt 40 km weiter in New Braunfels. Wie der Name schon sagt ebenso von Deutschen gegründet. Entspannte Atmosphäre und schöne Spaziergänge am klaren Comel und Guadelupe River. In der Nacht schaut am ruhigen Parkplatz sogar ein Hirsch samt Rehen vorbei, die sich an den vielen Eicheln hier laben. Freitag ist es nur ein kurzes Stück bis Gruene, mehr ein Dorf. Neben historischen Gebäuden liegen einige große, stark begrünte Parkplätze. Die sind wegen der berühmten Dance Hall nötig, eine Tanz Scheune die praktisch seit 1878 ununterbrochen betrieben wird und ein Mekka für Countryfans ist. Trotz deutlicher Gebrauchsspuren hat das alte Gebäude einen gewissen Charme. Später dann in San Marcos im Kontrast dazu riesige Malls mit Outlet Stores aller bekannten Marken. Für mich ist das weniger interessant und so halte ich für eine Pause lieber nahe dem Stadtzentrum an den schönen Parkanlagen mit dem sehr klaren San Marcos River. 

San Antonio, Japanese (Chinese) Tea Garden

Gruene Dance Hall, Barbereich

 New Braunfels

Sonnabend vertreibt im Laufe des Vormittages die Sonne letzte graue Wolken und ich fahre hinein nach Austin, die Hauptstadt von Texas. Im schönen Zilker Park kann man problemlos parken und von da zu Fuß das Zentrum erkunden. Im Park und am Lady Bird Lake, sprich der angestaute Colorado River (der texanische hat nichts mit seinem bekannten Namensvetter zu tun), sind wahre Hundertschaften von Joggern jeglicher Couleur unterwegs, kurz sehe ich sogar einen “echten” Forrest Gump (wie im Film mit zottelig langen Haaren, Bart, Basecap und oldstyle Laufhosen). Nach einem schönen Blick auf die Skyline der Stadt laufe ich mitten rein in die Häuserschluchten. Das Zentrum mit seinen Büros und Regierungsgebäuden ist am Wochenende weit weniger besucht wie die Parkanlagen. Das State Capitol als größtes aller US States hinkt innen vielen anderen hinterher, so ist mein Besuch da nur von kurzer Dauer. In der Stadt verteilt stehen 15 sogenannte Moonlight Tower, hohe Stahlgerüste die wie riesige Strassenlaternen funktionieren. Leider konnte ich keine davon in Betrieb sehen. Nachts stelle ich mich in eine Straße nahe dem Regierungsbezirk. Da ist es am Wochenende ruhig und vor allem sicher. Am wettermäßig stürmischen, aber schönen, Sonntag weiter Austin erkunden. Die beworbenen Murals mit extra Broschüre können so manch anderer Stadt im künstlerischen Sinn leider nicht das Wasser reichen, da drehe ich am Nachmittag lieber noch eine Runde in den sehr großzügigen Parkanlagen.  

Skyline von Austin

gewagte Architektur

   State Capitol Texas

         Austin bei Nacht

 kleiner als das Original

Montag früh verlasse ich Austin. Den mautpflichtigen Highway umgehe ich auf ruhigen Nebenstrassen und stoße dabei zufällig sogar auf eine Herde texanischer Longhorns. Diese Rinderrasse hat sehr auffällige, weil weit ausladende, Hörner. Da sind einige mehr breit als lang und brauchen wohl eine extra weite Stalltür. Die Rinder sind recht anspruchslos und widerstandsfähig, aber auf Grund geringerer Schlachtergebnisse kaum noch zu finden. Station mache ich in La Grange. Die Stadt hat einige schöne Ecken und ist einen Spaziergang wert. Das County House erinnert entfernt an ein Schloss und mit dem Faison Home, gebaut um 1840, steht da eines der ältesten Holzhäuser im Land. Dienstag Vormittag ein Besuch des Monument Hill mit den Ruinen der Kreische Farm und Brauerei, ihres Zeichens von Deutschen gegründet und damals die drittgrößte in ganz Texas. Weiter geht es von einem schönen Dorf zum nächsten. Round Top mit originalen alten Häusern. Etwas weiter in Winedale wurden sie in einem Komplex zur Veranschaulichung verschiedener Baustile aus anderen Landesteilen her gebracht und zusammengestellt. In Burton verfällt leider schon viel, auch der einst schöne Friedhof. Holzhäuser haben ohne ausgiebige Pflege halt eine kurze Lebensdauer  In Brenham ein hübsches Zentrum, vor allem aus Stein gebaut. Hier bleibe ich dann auch über Nacht. Mittwoch sehe ich mit Chappell Hill ein weiteres schönes Dorf, bevor die Idylle von den gesichtslosen Vororten der Metropole Houston abgelöst wird. 

Texas Longhorn, die etwas andere Rinderrasse

           in Round Top

 historischer Komplex Winedale

42. Woche vom 8. bis 14. Februar 2024
Donnerstag rein nach Houston. Die Millionenstadt hat sich weit ausgebreitet und ich fahre ganze 100 km um sie zu durchqueren Schwierig sich im Gewirr der Autobahnen bei dem dicken Verkehr zurecht zu finden. Ein erster Halt am Art Car Museum. Neben mehr oder weniger gelungenen Collagen stehen da einige toll lackierte Autos. Ein paar Ecken weiter das 50.000 Bierdosen Haus, wobei selbiges “nur” mit den Dosen verkleidet wurde. Nun zum Memil Kunstmuseum. Das macht direkt was her, die Abteilungen Afrika und Ozeanien sind echt gut. Leider existiert in Houston kein richtiges Zentrum, einzig der Hermann Park mit Anlehnungen an Washington DC (Reflection Pool und so) ist sehenswert. Tags darauf scheint wieder die Sonne und ich kämpfe mich weiter durch den Speckgürtel von Houston. Das dauert länger als geplant und so fällt ein Besuch vom NASA Space Center aus. Einen guten Teil der da ausgestellten Sachen habe ich bereits anderswo gesehen. Lieber gleich zur Golfküste nach Galveston fahren, wo dieser Tage Mardi Gras groß gefeiert wird. Das alte Zentrum der Stadt ist bereits für die zahlreichen Umzüge abgesperrt, aber im Visitor Center versorgt man mich mit genug Material über lohnende Ziele in der Stadt, die nicht davon betroffen sind.   

Houston, Art Car Museum

Sam Houston, Namensgeber

 erste Eindrücke von Galveston

Und Galveston “liefert” von Beginn an. Im Historic District, grob zwischen der 12. und 19. Straße, steht ein sehenswertes Haus neben dem anderen. Das wirklich schöne daran: Architektur, Baustil und Material unterscheiden sich immer wieder, so das beim Spazieren hinter jeder Ecke etwas Neues wartet. Bishops Palace, Danish Castle, Sacred Heart Church und viele Privathäuser liegen am “House Walk”. Dazwischen immer wieder hölzerne Skulpturen. Die allerdings aus eher traurigem Anlass. Hurrikan Ike hat 2008 hunderte von Bäumen entwurzelt oder abgeknickt. Letztere wurden dann zum Teil zu eben diesen Skulpturen. Zur Dämmerung breche ich ab und wende mich Richtung Mardi Gras. Der Umzug heute ist nett, aber da hatte ich mehr erwartet. Sonnabend erkunde ich die Insel, mehr eine riesige Sandbank, weiter. Am Hafen liegen drei große Kreuzfahrtschiffe. Die wohl mit großem Passagierwechsel, bei dem der zugehörige Autoverkehr praktisch die gesamte Stadt per Stau lahm legt. Ab Mittag einige kleinere Umzüge, bis abends dann der größte durch die Straßen zieht. Die Zuschauer sind leider kaum kostümiert und die Wagen recht einfach geschmückt. Immerhin erzeugen die Kapellen und Musikwagen Partystimmung. In die Menge wirft man übrigens keine Süßigkeiten sondern “Beads”. Diese Perlenketten meist in den Mardi Gras Farben: violett - Gerechtigkeit, grün - Hoffnung, gold - Stärke. Auch ich sammle meinem Teil, habe jedoch nicht wie manch anderer 30 Ketten um den Hals hängen.   

Galveston, im Historic District

Rummel Pier oder Pier Rummel?

   einzigartig ist diese Konzentration von tollen Häusern in praktisch jeder erdenklichen Form

       schönes Spielzeug

                     Mardi Gras Umzug in Galveston

Sonntag ist das Wetter nur mäßig gut, aber das hindert mich nicht eine weitere Runde durch die Häuserwunderwelt zu drehen. Mittag setze ich mit der Fähre nach Port Bolivar über. Die ist, man mag es kaum glauben, kostenlos, und verkehrt tagsüber so häufig das man selten groß warten muss. Ich erspare mir so einige Kilometer, vor allem aber den hektischen Verkehr rund um Houston. Die 87 führt nun über eine lange Sandbank, die teils nur 500 m breit ist. Fast alle Häuser stehen auf ca. 5m hohen Stelzen um die nächste Springflut zu überstehen. Am Montag stürmt es mal wieder. Ich fahre nur 30 km bis Winnie. Dort die Bibliothek “besetzen” und sich um einige Dinge, wie den nächsten Zielen dieser Reise und den Rücktransport nach Deutschland, kümmern. Campen darf ich kostenlos nach einem Anruf bei der Stadtverwaltung im schönen Winnie-Stowell Park. Am nächsten Tag wartet die ungeliebte Interstate 10, da gibt es keine sinnvolle Alternative. Unterwegs am Gator Country Wildlife Adventure Park halten. Bin komischerweise der einzige Besucher. Einst gastierte eine TV-Show, doch beim genaueren Hinsehen müsste das ganze Gelände mal saniert werden. Davon abgesehen leben hier viele Tiere, vor allem Alligatoren. Big Tex ist mit seinen 4,20 m der Größte und ziemlich furchteinflößend, doch auch im Teich bei den Kleineren möchte ich nicht schwimmen gehen ;-). Zahlreiche Terrarien und Aquarien beheimaten andere Reptilien und Amphibien. In der Abteilung der Giftschlangen werde ich grundlos von einer Klapperschlange angegriffen - die hat nun wohl heftige Kopfschmerzen von der uns trennenden Glasplatte.  

die sind entspannt

     ein Jäger auf der Lauer

  Big Tex, ganze 4,20 m lang

     die war sauer auf mich

Kurz vor Beaumont halte ich am Tyrrell Park, ein weiträumiges Feuchtgebiet, das gleichzeitig als letzte Stufe der kommunalen Abwasserbehandlung dient. Beim Spazieren durch das Marschland kann ich Vögel und auch Schildkröten beobachten. An einem der Teiche liegt, ich kann es kaum glauben, ein ungefähr 2 m großer Alligator. Verrückt, wenn man sich vorstellt das er in der Nahrungskette durchaus über mir steht. Ein Stück weiter sehe ich ein weiteres Exemplar, nur minimal kleiner. Bei dem traue ich mich für ein Selfie recht nah heran und hoffe bei Gefahr auf den Vorteil das der Alligator hangaufwärts müsste. Nach diesem Abenteuer hinein nach Beaumont. Die Stadt eine ziemliche Enttäuschung. Aufgegebene Industriegebäude an breiten Straßen, dazu die burgähnliche Bibliothek und ein paar schöne Häuser an der kurzen Crocket Street. Nach einer kühlen Nacht, 4°C, die kurze Fahrt nach Port Arthur. Auch diese Stadt ist augenscheinlich längst nicht mehr in der Blüte ihres Lebens. Hier wohnt eine recht große Kommune von vietnamesisch stämmigen, was deren Tempel und Ladenbeschriftungen beweisen. Ich brauche mal wieder einen Waschsalon und verbringe den Rest des Tages am Kanal. Der ist Teil vom Gulf Intracoastal Waterway und reicht von Fort Myers, Florida, bis in den Süden von Texas. Gezeitenunabhängig und wettergeschützt ein geschäftiger Transportweg.

Im Tyrrell Park

     der wartet auf Beute...

           ...der auch?

  der Gefahr ins Auge blicken

43. Woche vom 15. bis 21. Februar 2024
Der Donnerstag bewölkt, aber mit 17°C recht angenehm. Ich fahre in Richtung Osten, wobei der Highway längere Strecken auf Betonstelzen, und damit über dem an dieser Küste großflächig vorhandenen Sumpf steht. Ich verlasse Texas und komme so in den State Louisiana. Am Calcasieu River liegt die Stadt Lake Charles neben dem gleichnamigen See, den der Fluss hier gebildet hat. Etwas außerhalb campiere ich offiziell am schönen Golden Nugget Casino in einem ruhigen Teil der Stadt. Viel zu sehen ist da nicht, also tags darauf weiter. Unterwegs finde ich keinen Grund eine längere Pause zu machen, damit ist Lafayette schnell erreicht. Am Cracker Barrel, eine Restaurantkette die im ganzen Land existiert und Wohnmobilen fast in jeder Filiale einen Platz für die Nacht bietet, stehen schon rund 10 “Kollegen”. Das hat fast schon Campingplatzfeeling. Am Sonnabend stürmt es mal wieder bei frischen 6°C. Das verleidet mir den Aufenthalt im Freien. Also länger eine Bibliothek besuchen und dann ohne große Pause zur Hauptstadt Louisianas, Baton Rouge, fahren. Sonntag weht zwar noch ein frischer Wind, aber bei 12°C ist die Sonne draußen. Komisch, trotz Wochenende sehe ich nur wenige Leute auf der Straße. Ich bummle durch das Regierungsviertel und sehe mir das Capitol an. Neoklassizistischer Bau, mit völkischen Elementen. Es ist das höchste aller State Capitole. Im 27.Stock ein Aussichtsbalkon, von dem man einen weiten Blick über die Stadt, das flache Land ringsum und den sehr breiten, recht stark befahrenen Mississippi hat. Sonst sind da hübsche Kleinigkeiten: die Gesichter ehemaliger Gouverneure sind als Kupferstich in den Fahrstuhltüren, sowie 48 States mit ihren Namen nebst Beitrittsjahr zu den USA, als Gravur in den Außentreppen verewigt.

am Port Arthur Kanal

         maximal beladen

   Baton Rouge, das State Capitol mit interessanten Details

Sonntag Nachmittag fahre ich noch ein ganzes Stück weiter und halte erst vor den Toren von New Orleans in Kenner. Montag ist ein Feiertag, President Washington Day, was einen eher entspannten Besuch der Großstadt verspricht. Mein erster Halt im großen City Park. Bei tollem Wetter ein Spaziergang unter alten, ausladenden Bäumen die pittoresk mit Spanish Moss behangen sind, ein Bromeliengewächs ähnlich den Bartflechten. Neben dem Kunstmuseum ein toller Skulpturen Garten, der diesen Namen in meinen Augen auch mal wirklich verdient. Da sind zig Kunstwerke, die man als solche auch erkennen kann, schön in die Natur eingebunden. Dann hinein ins alte Zentrum, das vor allem mit dem French Quarter viele Touristen anzieht. Da stehen so einige schöne Gebäude und an jeder zweiten Strassenecke wird live Musik gespielt. Rings um den Jackson Square pulsiert das Leben, dazu die schöne Kathedrale. New Orleans ist auch ein spirituelles Zentrum der Kulturen und so werden Touristen mit Voodoo und Tarot Karten unterhalten. Fans davon schauen sich auch die wohl verwunschenen Friedhöfe an. Nach dem bunten Trubel quäle ich mich im dicken Verkehr über hohe Brücken auf die andere Seite vom Mississippi und übernachte im Stadtteil Gretna. 

 Spanish Moss an den Bäumen

 New Orleans, City Park

New Orleans, Jackson Square

       schöne Verzierungen

           einfach schön

im Skulpturen Garten

           skurrile Läden

viel Musik und passende Denkmäler

Am Dienstag erneut traumhaftes Wetter. Ich fahre etwas südlich von New Orleans zur Sumpflandschaft des Barataria Preserve. Das Besucherzentrum dort hat leider ohne Angabe von Gründen geschlossen, also einfach drauf los wandern. Leider sind einige Wege schlecht gewartet bzw. Teile vom Boardwalk bereits verfallen und somit gesperrt. Nach einem interessanten Beginn, bei dem sogar ein kleiner Alligator zwischen den Bäumen herum schwimmt, kommt praktisch kaum noch etwas. Einige Trails enden abrupt an gesperrten Abschnitten oder verschwinden im Schlamm. Schade. Nach einer weiteren Nacht in Gretna fahre ich über Sumpflandschaft und an einer großen Lagune entlang nach Slidell. Kurz vor der Stadt bei Cajun Encounters halten, die bieten Bootstouren durch den Sumpf an. Mir und den 20 Leuten an Bord zeigt und erklärt “Kapitän” Pat dann in eindrucksvollen zwei Stunden ein Stück der Wildnis. Vögel, Schlangen, Schildkröten, Waschbären und Alligatoren sind dabei zu sehen. Die letzteren “verwenden” sogar manchmal Schildkröten als Kissen, um nicht mit dem Kopf im Wasser zu liegen. Das ist alles sehr interessant Was ich in den letzten Tagen an Sümpfen und deren Bewohnern gesehen habe, reicht völlig um mir den weiten (Um)Weg nach Florida zu ersparen, was eigentlich der Plan war. In Slidell findet sich dann eine ruhige Ecke wo ich die Nacht verbringen kann.  

     im Barataria Preserve

 im Barataria Preserve

  Bootstour Cajun Encounters

ein sanftes Ruhekissen ;-)

   die sollte ungefährlich sein

           der war mutig

schau mir in die Augen, Kleines

   typische Bayoulandschaft

44. Woche vom 22. bis 28. Februar 2024
Donnerstag bleibe ich in Slidell, einfach um mal wieder alles etwas sacken zu lassen und bereit zu sein für neue Eindrücke. Am nächsten Morgen muss ich auf die stressige Interstae 10, kann aber hinter dem weit verzweigten Bayou des Pearl River auf die ruhige 90 abbiegen. In Bay Saint Louis führt eine große Brücke über die Bucht nach Pass Christian. Da hat es wunderschöne Sandstrände, an denen trotz herrlichem Wetter fast keine Menschenseele zu sehen ist. Das hat schon was von einem kleinen Paradies. Der Ozean benimmt sich sehr friedlich, bei kräftigem ablandigen Wind sind da nicht mal Wellen zu bemerken. Auf der anderen Seite der Straße stehen teils schöne Villen, was den Bummel am Strand nur um so schöner macht. Derart entspannt komme ich bis Gulfport. Der Sonnabend schließt sich nahtlos an. Schönes Wetter, tolle Gegend, da folgt ein Strandbummel dem anderen. An einigen Gebäuden hier, wie auch etwas später in Biloxi, sind Markierungen von der Höhe der Springflut angebracht die Hurrikan Katrina verursacht hatte - 7 m über dem Boden! Viele Häuser haben es trotzdem überstanden. Ganz anders sieht es da mit öffentlichen Wegen aus, wie ich am Sonntag feststellen muss. Im Davis Bayou sind einige Boardwalks wie auch die Aussichtsplattformen nur noch Ruinen und Trümmer. Das Land hat, wie erneut festzustellen ist, weder Mittel noch Möglichkeit das zu reparieren bzw. neu zu bauen. Nachmittags fahre ich noch 100 km und übernachte in einem Vorort von Mobile, Alabama 

die Brücke ins Nichts

  leere, schneeweiße Strände

             bei Gulfport

Gulfport (Golfhafen) mit seinem Leuchtturm

Eingang Souvenirladen

       Biloxi, Hard Rock Casino und die Bay Bridge

Montag rein nach Mobile. Das kleine Zentrum ist recht sehenswert und einen entspannten Bummel wert. Die große Kathedrale beeindruckt, wenn auch mehr von innen als von außen. Apropos Kirchen: die gibt es in den USA wie Sand am Meer, wobei jede Religion oder Religionsgemeinschaft noch untergliedert ist. Allein die Protestanten zählen zehn verschiedene Richtungen. Da soll einer durchblicken. Eine weitere “Religion” in Mobile scheint Mardi Gras zu sein. Dem hiesigen Karneval ist ein Museum sowie ein Park gewidmet. Etwas weiter draußen liegt der Battleship Memorial Park. Das zahlreiche Kriegsgerät, wie Panzer, Flugzeuge und der B52 Bomber, bräuchte durchaus mal eine Sanierung. Besser in Schuss sind die zwei Hauptattraktionen. Das Schlachtschiff USS Alabama war einst im 2. Weltkrieg unterwegs. Trotz 200 m Länge schwer vorstellbar das da 1.700 Mann Besatzung darauf Platz hatten. Eine ungeführte Tour bringt mich praktisch durchs ganze Schiff. Vom mit 40 cm Stahl bewehrten Kommandoturm über die engen Mannschaftsräume bis tief in den Maschinenraum und die Geschützstände. Sehr informativ und beeindruckend. Übrigens schafft das Schlachtschiff 28 Knoten, die 1900 gebauten Raddampfer auf dem Vierwaldstätter See ganze 32 Knoten. Ein zweites Highlight hier liegt inzwischen auf trockenem Grund: das U-Boot USS Drum. Auch darin darf man praktisch in jede Ecke kriechen, was nicht nur sinnbildlich zu verstehen ist. Im Inneren geht es wahnsinnig eng zu, kein Platz für Klaustrophoben  Das war definitiv genug Input für einen Tag. Viel ist davon nicht mehr übrig und so komme ich heute nur noch bis Saraland.

Mobile, Alabama

im Mardi Gras Park

USS Alabama

   beeindruckende Feuerkraft

         U-Boot USS Drum

     die Kathedrale in Mobile

           im Torpedoraum

Dienstag wende ich mich von der Golfküste ab und strebe auf dem State Highway 43 nach Norden. Auf der Strecke herrscht wenig Betrieb und es wird eine entspannte Fahrt. Groß was zu sehen gibt es nicht. Die Landschaft recht waldig, mit dichtem Unterholz. Dazwischen wenige Wiesen, vereinzelte Gehöfte und Ortschaften. Grund zum Halten besteht praktisch keiner. Viele Kilometer machen für mich aber auch keinen Sinn. Von Norden drückt die nächste Kaltfront herein, die will ich möglichst erst durch lassen. Also bleibe ich eine Nacht in Jackson und fahre Mittwoch nur bis Thomasville. Zur Übernachtung bleibt meist nur Walmart oder Cracker Barrel. Meine bisher beste Quelle für Stellplätze, freeroam.app, ist leider seit kurzem nicht mehr online.   

45. Woche vom 29. Februar bis 6. März 2024
Am Donnerstag geht es genau so weiter. Ich lasse mir Zeit, fahre erst später los. Die wenig befahrenen State Highways 5 und 22 bringen mich nach Selma. Der Ort hat definitiv schon bessere Zeiten erlebt. Viele Häuser beginnen zu verfallen oder sind “dicht” gemacht. Die “zu verkaufen” Schilder davor stehen schon so lange das sich Leben darauf bildet und auf den Straßen bin ich neben einigen Obdachlosen der einzige Fußgänger. Freitag regnet es den ganzen Tag teils heftig und das Thermometer schafft es kaum auf 10°C. Ich vermeide wieder die dicht befahrenen Interstates und erreiche nach 120 km Pelham, praktisch ein Vorort von Birmingham. Für den Samstag hat die Wettervorhersage Sonne versprochen, die sieht man am Morgen allerdings noch nicht. Ich fahre nach Birmingham und halte zuerst am Botanischen Garten. Der ist ziemlich groß und einzeln nach Themen unterteilt. Auch wenn der Frühling erst in den Startlöchern steht macht der Park einiges her. Am schönsten für mich ist der Japanische Garten. Langsam kommt doch die Sonne raus. Ein Halt am Vulcan Park, nach dem römischen Gott des Feuers und der Metallbearbeitung benannt, dessen 10 m hohe Statue einen Aussichtsturm krönt. Birmingham ist, wie sein Namensvetter in UK, ein ehemaliges Industriezentrum mit Schwerpunkt Metallherstellung. Davon zeugt auch Sloss Furnace, ein aufgegebenes Hüttenwerk das man als Industrieruine selbst erkunden kann. Echt genial. Bis tief in die “Eingeweide” der Hütte mit all seinen Boilern, Dampfturbinen, Vorratslagern, Schlackeplätzen und zwei Hochöfen kann man überall herum schnüffeln. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein, was brauche ich mehr. Sonntag Vormittag durch das Zentrum von Birmingham bummeln, Schauplatz des Kampfes Farbiger für gleiche Rechte, wobei auch Martin Luther King eine große Rolle gespielt hat. Nach einem Besuch im Kunstmuseum verlasse ich die Stadt. Eigentlich wollte ich in einem der Vororte einen Waschsalon nutzen, aber was ich da sehe verleitet mich dazu schnell weiter zu fahren. Heruntergekommene Häuser, die Autos halb Schrott und die Leute passend dazu.  

Birmingham, Botanischer Garten

Birmingham, die Industrieruine von Sloss Furnace, ein Hüttenwerk

Nach einer Nacht in Trussville erledige ich Montag Vormittag einiges bevor es auf dem ruhigen Highway 11 weiter in den Norden geht. Im kleinen Springville ein Waschsalon wie er sein soll. Übersichtlich, sauber und mit netten Menschen. Die Chefin sucht das Gespräch und bezieht auch andere Kunden mit ein. Netter Plausch, nur sprechen die Leute im Süden so stark mit Dialekt das ich manchmal kaum mitkomme. Bei sonnigem Wetter im schönen Stadtpark bummeln und gegen Abend nach Attala fahren. Dienstag regnet es den ganzen Tag teils heftig. Ich besuche eine Bibliothek, arbeite an der Homepage und plane die nächsten Tage. Auf dem State Highway 11 ist dann wenig los und es roll sich entspannt bis Fort Payne. Mittwoch bleibt es vorerst beim Regen. Ich lasse mir Zeit und nehme dann wieder die Nebenstrecke. Auf der sieht man was vom Land, ganz im Gegensatz zur Interstate, aber das ist ja bei uns mit der Autobahn auch so. Schon am frühen Nachmittag die Ankunft in Chattanooga. Die Uhr nun erneut eine Stunde vorstellen, bin wieder in der Zeitzone der Ostküste. Als später der Regen aufhört die kurze Fahrt zum Lookout Mountain. Trotz schlammiger Wege eine schöne Wanderung teils an einer Steilwand entlang bis rauf zur tollen Aussicht

auf dem Lookout Mountain

           Umbrella Rock

         in Chattanooga

46. Woche vom 7. bis 13. März 2024
Donnerstag dreht das Wetter wieder komplett auf schön. Ich bummle durch Chattanooga. Der Art District ist recht schön, der Sculpture Garden daneben auch. Hoch über dem Tennesse River thront das moderne Hunter Museum auf einer Klippe. Ein guter Blick darauf gelingt von der Walnut Street Bridge, die fotogen den Fluss überspannt und nur noch für Fußgänger und Radfahrer geöffnet ist. Bei fast sommerlicher Temperatur spaziere ich ein paar Kilometer am Tennesse Riverwalk entlang, womit der Tag dann endet. Freitag macht das Wetter die Rolle rückwärts und bei bedecktem Himmel regnet es manchmal. Ich habe einiges zu tun und bringe den Tag geschäftig herum. Der Sonnabend verläuft wettermäßig ähnlich durchwachsen, aber der Trend wendet sich langsam zum Guten. Ich fahre nur bis Cleveland, die Bergwelt dahinter möchte ich gern bei besserem Wetter erkunden. Das klappt ab Sonntag. Doch zuerst alle Uhren umstellen. In der USA beginnt die Sommerzeit jeweils am 2. Märzwochenende. Schön für mich, nun wird es abends erst 19.45 Uhr dunkel. Ich fahre auf der 64 nach Osten und tauche hinter Ocoee in den Cherokee National Forest ein. Die Berge darin sind bis zu 1.200 m hoch, weshalb die Bäume im Moment noch ziemlich kahl sind. Trotz Sonne sind auch nur 6°C. Ich wandere vom McCamy Lake zum imposanten Benton Falls und später vom Parksville Lake zum Rainbow Falls. Dahin ist zwei Mal der Fluss zu queren, sprich es geht knietief durch eiskaltes Wasser. Das lohnt sich und meine Füße sind sauber. Die Nacht verbringe ich auf dem Thunder Rock Campingplatz, der trotz günstigem Preis sogar warme Duschen bietet. Die Nächte sind nun wieder kalt, meist um den Gefrierpunkt herum. So dauert es am Montag bis die Sonne es auf angenehme Temperaturen schafft. Auf der Weiterfahrt halte ich immer mal wieder für kurze Wanderungen und komme am Nachmittag ins beschauliche Blue Ridge. Das Dorf als Endpunkt einer nostalgischen Eisenbahnstrecke ist voll auf den Tourismus eingestellt. Für einen Bummel in der Sonne macht das Spaß, doch um zu übernachten fahre ich lieber weiter bis nach Blairsville.

             Ocoee Lake

 Benton Falls

           Rainbow Falls

     unterwegs in Blue Ridge

Am Dienstag hinein in die Berge der Appalachen. Südlich von Blairsville windet sich die 348 in vielen Kurven bis rauf zur Whitney Gap in 1.100 m Höhe. Bei purem Sonnenschein weht ein richtig kalter Wind, da braucht es durchaus im Freien eine dicke Jacke. Im Schatten hängt noch Eis an den Felsen und kein Grün sprießt an den Bäumen, trotzdem begegnet mir ein Wanderer auf dem Appalachen Trail, mit 3.440 km einer der längsten Wanderwege der Welt. Ich kehre nach wenigen Kilometern um und halte auf der Weiterfahrt für weitere kurze Wanderungen. Der Nachmittag dann im kleinen Helen, das etwas kitschig in ländlich/deutsch gebaut um Touristen wirbt. Hübsche Häuser, dazu Kaiserwetter, das fühlt sich an wie Sommerurlaub. Später zur Tallulah Gorge, die sich der gleichnamige Fluss senkrecht ins felsige Tal gegraben hat. 550 Stufen führen hinunter zum Schluchtgrund mit Blick auf mächtige Wasserfälle. Noch ein Besuch im Rabun County Park nebst dem Städtchen Clayton, dann endet der schöne Tag in Franklin. Am nächsten Morgen führen mich kurvige Straßen durch bergiges Vorland zum Great Smokey NP. Leider erklärt man mir im dortigen Visitor Center das viele Straßen und Wege noch Wintersperre haben. Die übrigen Sachen reizen mich nicht, also umdrehen und in Cherokee, North Carolina, halten. Die Hauptstadt des Qualla Boundary Cherokee Indian Reservation mit etwas Historie und einigen Museen. Interessant das dieser Indianerstamm ab dem 19.Jh. sogar ein eigenes Alphabet entwickelt hat um ihre Sprache auch schriftlich zu konservieren. Weiter geht es auf der 19 in Richtung Osten. Nach einer schönen Pause am Soco Fall auf den Blue Ridge Parkway abbiegen. Der windet sich hinauf bis auf 1.750 m, von wo aus es nur ein kleines Stück bis zum Gipfel des Waterrock Knob ist. Bei dem tollen Wetter reicht der Blick weit über die Berge, und abgesehen von der einen Straße ist keine Siedlung zu sehen. In Clark komme ich auf den Highway 23 und übernachte heut im beschaulichen Waynesville

noch kalt in den Bergen

       in den Appalachen

 Helen, mit romantischer Nachbildung altdeutscher Architektur

     am Grund der Schlucht

 Tallulah Gorge

     Alphabet der Cherokee

 in Cherokee

Bambus Wald

47. Woche vom 14. bis 20. März 2024
Donnerstag bringen mich die 276 und 215 wieder in höhere Lagen der Appalachen. Das Wetter ist super und selbst auf 1.400 m Höhe sind bald 15°C. Schön windet sich die Straße an einem kleinen Fluss entlang. Am Weg liegen einige Wasserfälle, was mich zu kurzen Wanderungen verleitet. An der Beech Gap komme ich wieder auf den Blue Ridge Parkway. der zieht sich grandios über 730 km durch die Appalachen zieht. Gebaut in den 1930ger Jahren folgt er kurvenreich dem auf und ab der bis zu 2.000 m hohen Gebirgszüge. An der Strecke liegen hunderte von Aussichtspunkten und unzählige Wandermöglichkeiten. Kreuzungsfrei und ohne eine einzige Ortsdurchfahrt ist der Parkway nur durch seltene Abfahrten mit dem restlichen Straßennetz verbunden. Ab dem Frühling wohl komplett überrannt, begegnet mir derzeit nur alle paar Kilometer mal ein Fahrzeug. Heute halte ich unter anderem am Devils Courthouse, ein markanter Felsgipfel. Nach der Abfahrt auf die 276 pausiere ich am Sliding Rock, ein meist im Sommer genutzter Badespaß. Von den nun wieder zahlreichen Wassefällen sticht für mich besonders der so ganz andere Moore Cove Falls heraus. Zum Abschluss des erneut ziemlich voll gepackten Tages der mächtige Looking Glass Falls, einer der meist fotografierten in den Appalachen und ein Abstecher ins beschauliche Brevard, ein in Teilen durchaus sehenswerter Ort.   

         die Appalachen

 Soco Falls

ein Wanderweg

             Sliding Rock

Moore Cove Falls

Freitag Morgen fängt es wie versprochen an zu regnen. Laut Wetterbericht zieht gerade eine 1.200 km (!) breite Gewitterfront über das Land. Da bin ich mit teils Starkregen noch gut bedient. Abgesehen von einem Besuch des Folk Art Center mit Kunst und Kunstgewerbe indianischer Völker passiert wenig. Bei dem Wetter macht der Blue Ridge Parkway für mich keinen Sinn, also auf der Interstate 40 bis nach Marion. Samstag herrscht dann wieder eitel Sonnenschein und ich fahre erneut zum Blue Ridge Parkway. Kurz davor ein Halt am Linville Falls, wo Wanderwege zu verschiedenen Aussichtspunkten führen. Dann am Parkway kurze Wanderungen am Grandfather Mountain, den Beacon Heights und am Linville Viadukt. Nachmittags am schönen Price Lake und dem alten Herrenhaus Moses Cone Manor. Der Sonntag ohne Blue Ridge Parkway, auf dem einige Brücken erneuert werden. Auf der 221 rollt es sich angenehm stressfrei und ohne viel Verkehr bis nach Galax, wo ich auch die nächste Nacht verbringe.    

Looking Glas Falls

       Moses Cone Manor

             Mabry Mill

         die Appalachen

Montag geht es für mich über die 221 und 58 wieder auf den Blue Ridge Parkway. Dort wartet gleich zu Beginn die alte Mabry Mill als tolles Fotomotiv auf eine Besichtigung. Bei eiskaltem Wind bin ich dort als Einziger unterwegs. Weiter auf der fast leeren  Straße nach Nordosten. Hier und dort mal halten, am Pine Spur Lookout eine lange Kaffeepause mit tollem Blick über die Berge.  Am Nachmittag treffe ich in Roanoke ein. Ein schöner Blick über die Stadt gelingt vom Mill Mountain, wo auch der weltgrößte Stern steht. In den 1940gern erbaut, knapp 30 m hoch und tonnenschwer, wird er nachts mit Neonröhren beleuchtet. Dienstag bin ich ruckzuck wieder auf dem Blue Ridge Parkway und erkunde weiter die Berge der Appalachen. An den Otter Peaks parke ich und laufe hoch auf den Top Sharp Mountain. Vom 1.167 m hohen Gipfel geht der Blick weit über das Land, nur vermiest der kalte Wind einen längeren Aufenthalt da oben. Später ein Besuch an den schönen Falling Water Cascades und den Humpback Rocks, wobei sich bei dem wenigen Verkehr sogar einige Tiere neben der Straße sehen lassen. In der Nähe von Waynesboro endet dann offiziell der Blue Ridge Parkway. Das bedauere ich zwar etwas, aber da existiert ja eine äquivalente Fortsetzung.

auf dem Top Sharp Mountain

die Natur noch im Winterschlaf

           seltsames Eis

 Tiersichtungen an der Straße

Mittwoch bleibe ich in Waynesboro, nutze zum letzten Mal in den USA einen Waschsalon und kümmere mich um einige nötige Sachen, damit die Abgabe meines Campers im Hafen von Baltimore nächste Woche möglichst reibungslos über die Bühne geht.

48. Woche vom 21. bis 27. März 2024
Donnerstag Morgen ist es ziemlich kalt, doch in der Sonne herrschen bald einigermaßen angenehme Temperaturen. Ich fahre in den Shenandoah Nationalpark, der praktisch die nördliche Fortsetzung des Blue Ridge Parkway bildet. Die Szenerie ist ähnlich, nur auf einem etwas niedrigeren Höhenlevel. Neben der Strecke wieder kleine Wanderungen zum Blackrock, Loft Mountain oder dem Bearfence Mountain. Bei letzterem führt der abenteuerliche Pfad sogar durch ein Gewirr von Felsen, kleine Klettereinlagen inklusive. Richtig schön ist es auch an den Dark Hollow Falls, wo ein kleiner Fluss lange Kaskaden gebildet hat. An der Thornton Gap verlasse ich den Skyline Drive. Die Weiterfahrt ist gesperrt, weil weiter nördlich erste Waldbrände ausgebrochen sind. So rolle ich hinunter nach Luray. Kein aufregender Ort, aber gut genug für eine ruhige Nacht. Tags darauf bleibt meine Richtung der Nordosten. Die Straßen sind mal mehr, mal weniger dicht befahren. Vorbei an Front Royal geht es durch Charles Town nach Harpers Ferry, ein kleines Dorf mit viel Geschichte. Gelegen am Zusammenfluss von Potomac und Shenandoah, kam es hier im amerikanischen Bürgerkrieg zu einigen Schlachten mit wechselnden Gewinnern. Der Ortskern ist für hiesige Verhältnisse alt und historisch, dazu kreuzen sich hier wichtige Fernwanderwege, unter anderem der Appalachen Trail. Der wohl beste Blick auf die Gegend gelingt vom zerklüfteten Kap der Maryland Hights, wohin eine durchaus anspruchsvolle Wanderung mit ordentlich viel Höhenmetern führt. Nach diesem angenehm sonnigen Tag fahre ich abends zurück nach Charles Town und übernachte da.     

Harpers Ferry

         Maryland Hights

         Delaware River

             Philadelphia

Mein Roadtrip neigt sich nun mit scheinbar wachsender Geschwindigkeit seinem Ende entgegen. Nach einer Nacht mit heftigem Regen geht die Fahrt am Samstag weiter in Richtung Nordosten. Im Laufe des Vormittages hört es auf zu regnen, aber der kräftig kalte Wind macht einen Aufenthalt im Freien schnell unangenehm. Südlich vorbei an Frederick komme ich bis Mount Airy und erreiche tags darauf Baltimore. Es ist immer noch recht kalt, wenngleich die nun wieder kräftigere Sonne die Temperatur steigen lässt. Ich bereite den Camper auf den Rücktransport vor, leere alle Wasserkanister, räume auf wie auch aus und packe den Rucksack für den Rückflug nach Deutschland. Die letzte Nacht im Camper verbringe ich schon in der Nähe des Hafens. Montag früh ist es nur eine kurze Fahrt bis zum Eingang des riesigen Hafengeländes. Ein vorab bestellter Service bringt mich auf das abgesperrte Gelände und hilft bei allen Formalitäten. Nachdem das erledigt ist ein spätes Frühstück in der Stadt und mittags die Busfahrt ins 150 km entfernte Philadelphia. Ein komisches Gefühl nach 10 Monaten Rundreise in die mir bekannte Stadt zurück zu kehren. Dienstag Morgen erreichen mich erste Nachrichten über den Brückeneinsturz bei Baltimore, verursacht von einem großen Containerschiff. Ich mache mir noch keine Sorgen, den Transport meines Campers betreffend, und folge dem engen Zeitplan der Heimreise. Vormittag mit dem Bus die 150 km bis New York City fahren und dort mit Subway und Air Train zum Flughafen JFK. Am späten Abend startet der Flieger von Singapore Airlines pünktlich, womit diese Reise theoretisch endet. 

Ein Wort danach
Der Einsturz der Brücke sollte mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Obwohl mit Hochdruck an der Beseitigung der Schäden gearbeitet wurde, dauerte es Wochen bis man eine wahrscheinliche Wiedereröffnung des Hafens für Ende Mai 2024 bekannt gab. Nach vielen Telefonaten und der Erwägung von teils abenteuerlichen Transportalternativen fiel letztlich die Entscheidung meinen Camper in Baltimore stehen zu lassen bis der Schiffsverkehr wieder normal über den Hafen abgewickelt werden kann...

[Home] [Italien 22/23] [USA 2023] [USA 23/24] [2022]