Meine Reise durch Myanmar und Indien im Jahr 2015 Nebenan die Route der Reise nebst Aufenthaltsorten

1. Woche vom 1. bis 7. Januar 2015
Ein neues Jahr, eine neue Reise. Gerade noch in der Luzerner „Hermitage“ auf der Sylvesterfeier arbeiten, startet die Reise nur Stunden später am Donnerstag Morgen. Ohne Kreditkarte, die trotz Versprechen der Deutschen Bank nicht rechtzeitig ankam, dafür aber mit Vorfreude im Bauch. Der Flieger von Singapore Airline ist das große Flaggschiff von Airbus: ein A380 Komfort, Essen und Entertainment sind wie erwartet exzellent. Freitag sehr früh und pünktlich in Singapur umsteigen und bald darauf in Yangon, Myanmar landen. 9 Uhr Ortszeit, fünfeinhalb Stunden vor Mitteleuropa. Wetter: Sonnenschein, toller blauer Himmel und 30°C. Mit dem Taxi in die Stadt. Die ist typisch für Asien: Vollgestopfte Strassen und leicht chaotisch.

Die Fahrbahn teilen sich klapprige Busse, Autos und Fußgänger. Fast keine Fahrräder, keine Motorräder – wie ungewöhnlich. Im Großraum Yangon sind Zweiräder verboten, ein Überbleibsel aus despotischen Zeiten der Militärdiktatur. Die ersten zwei Tage für mich zum Eingewöhnen. Kreise laufen in der Innenstadt, um ein Gefühl für das Land zu bekommen. Was schnell auffällt: Die Bausubstanz ist meist alt und marode, schöne Architektur Mangelware oder dem Verfall preisgegeben. Viel Müll, keine zählbare Abfallwirtschaft und des Öfteren Gerüche hart an der Schmerzgrenze. Scheinbar jeder hat ein eigenes Business. Da wäre ein Restaurant auf der Strasse mit Kinder Plastik Stühlen, die aber für die Körpergrößen hier reichen. Oder man handelt was direkt auf der Strasse, wie haufenweise Smartphone Hüllen ab 0,50€. So was kennt man schon. Anderes ist neu.

Yangon, am Fluss              

       Wohnen in Yangon

     typische Bausubstanz

       Wohnen in Yangon 2

Öffentliche Wassertrinkstellen, Schnüre die vom Balkon/Fenster bis knapp 2 m über den Fußweg reichen als Briefkasten/Klingel. Dazu überall Mönche, teils bettelnd, teils mit Smartphone am Ohr, welches auch hier fast jeder besitzt. Auch die Hauptstrasse ist bis in die Fahrbahn hinein als Markt belegt, sprich Obst und Gemüse liegt praktisch direkt auf dem Straßenbelag, die frisch geschnittene Melone nur einen Meter vom Dieselruß ausblasenden Bus entfernt. Eine Gefährdung für Touristen scheint schwer vorstellbar. Die Einheimischen sind freundlich, lächeln einen auch auf der Strasse an. Dazu sind die meisten im Schnitt 10 cm kleiner und bestimmt 10 kg leichter als ich. Samstag das erste touristisches Highlight, die Shwedagon Pagode in Yangon, auch Wahrzeichen des Landes. Die liegt auf einem kleinen Hügel wie ein separates kleines Dorf voller Buddhas, Gebetshallen und Pilger. Dazu viel Gold, viele Menschen. Etwas irritierend: barfuss ist im gesamten Areal Pflicht, weil heiliger Boden. Das trifft ebenso auf das Hostel zu, ich werde mich bald daran gewöhnen. Genau wie ans Essen. Noch bin ich vorsichtig und „speise“ in ordentlichen Restaurants, wo das Essen 2 € kostet. Dafür gibt es Reis/Nudeln mit Gemüse, auf Wunsch ein Hauch von Fleisch.

Shwedagon Pagode, Yangon

Areal der Shwedagon Pagode

   viel Gold, viel Staunen...    

           beeindruckend

         ...viel Buddha... 

       Strassenrestaurant  

       ...und auch Mönche

     öffentliche Wasserstelle

Montag verlasse ich Yangon mit dem Zug. Für die 60 km bis Bago wähle ich die „Holzklasse“ für 0,50 €. Die Züge sind alt und scheinen manchmal fast aus der Schiene zu springen. Deshalb fahren sie langsam und man sieht was vom Land. Erst die Slums und den Müll von Yangon, später flaches Land und viele Felder. Nach zwei Stunden Bago, früher eine Königsresidenz, wovon man aber kaum etwas spürt oder sieht. Auf zerschlissenen Strassen viel hektischer Verkehr, nun auch mit zwei Rädern. Es ist  heiß, über 30 °C. Also ein Stadtrundgang erst nach 15 Uhr. Die wenigen Sehenswürdigkeiten: ein riesiger Buddha und die große Pagode. Dienstag geht alles ganz fix. 5 Uhr aufstehen, ich habe wegen der Hitze und dem Lärm kaum geschlafen. Im Dunkeln einen Pick-up nach Kinpun suchen. Der “lädt” mich nach 10 Minuten in einen größeren Bus um. Ich darf auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und „helfe“ bei Überholmanövern, trotz Rechtsverkehr sind die meisten Fahrzeuge nämlich rechts gelenkt. Die ehemalige englische Kolonie hatte Linksverkehr, bis die Regierung über Nacht beschloss auf Rechtsverkehr zu wechseln. Ich sitze wohl im Expressbus, der in nur zwei Stunden statt erwarteter vier ins 60 km entfernte Kinpun fährt! Wegen der frühen Ankunft, 8 Uhr, ein Planwechsel: Wandersachen an und los. Trotz Hitze rauf zum Goldenen Felsen, eine Pilgerstätte. Fast alle überwinden die 1.000 Höhenmeter auf den schmalen Bänken einer Kleinlasterladefläche. Das ist nichts für mich! In weniger als drei Stunden bin ich oben und habe mir auf dem Weg dutzendweise Hochachtung von Pilgern verdient die nach der Fahrt rauf nun zu Fuß absteigen. Erste Wünsche das ich mit aufs Foto komme. Der Goldene Felsen ist dann einzigartig. Er scheint nur cm davon entfernt herabzustürzen. Laut Sage hält ein Haar Buddhas ihn im Gleichgewicht. Pilger kleben Blattgold an ihn. Ich muss zugeben das ein Berühren wirklich spirituelle Energie fühlen lässt. Frauen werden dies nie spüren, sie dürfen sich dem Felsen nicht nähern. Nach dem Abstieg zählt für mich nur noch Erholung und Klimaanlage. Am Rande: beim Rasieren im Bad kitzelt was am Knöchel. Das Ausschütteln der, in dem Fall, langen Hose fördert eine 5 cm große Kakerlake zu Tage. Für mich ist das lustig.

 liegender Buddha in Bago...

 die “Holzklasse” im Zug

     ...und seine Fußsohlen

der Goldene Felsen von Kinpun

Am Mittwoch ziehe ich weiter, auch heute mit einem Pick-up als Transportmittel. Die Bänke auf der Ladefläche sind niedrig und werden mit der Zeit unbequem. Nach zweieinhalb Stunden bin ich in Hpa-an. Im Ort ein vernünftiges  Hostel suchen, dann was essen, am späten Nachmittag in der Stadt herumbummeln und eine Tour für morgen buchen, das war es erst mal für den Tag.
2. Woche vom 8. bis 14. Januar 2015
Donnerstag startet das Tuk-tuk um 8.30 Uhr. Wir sind zu sechst und eine nette Truppe. Ein Schweizer Paar, England, Finnland, Italien. Die Tour für 6 € dauert den ganzen Tag und wir bekommen die Karstlandschaft der Gegend zu sehen. Hauptziel sind die Höhlen, meist religiös genutzt. Da heilig, sind sie nur barfuss zu betreten. Im schummrigen Licht über Stock und Stein mit teils glitschigem Boden, das darf sich jeder selbst ausmalen! Trotzdem beeindruckend. Vor der Kawt-Ka-Thaung Höhle steht eine lange Reihe mit Mönchen aus Ton und die Saddan Höhle ist einfach nur riesig. Die Kawt-Gone Höhle ist voller Kunst, teils aus dem 8. Jh., für mich das Highlight des Tages. Außerdem: ein Buddhagarten mit 1.500 Figuren, das Kyat-Ka-Lat Seekloster mit Nadelfelsen, Mittagessen in einem kleinen Dorf und pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir an einer heiligen Höhle, von der ungelogen etwa 100.000 Fledermäuse zur Jagd in die Nacht starten. Bei dem recht schmalen Höhlenausgang ein Spektakel der Extra Klasse. Ein toller Tag. Freitag eine Zwangspause. Es regnet wie bei einem Dauerwolkenbruch. Kein Wetter für Reisende.

vor der Kawt-Ka-Thaung

1.500 Buddhas im Garten 

Suchbild:wo ist der echte Mönch

       Kyat-Ka-Lat Kloster

 rote Strassen der Gegend   

   die riesige Saddan Höhle    

           die Kawt-Gone Höhle, beeindruckend schön

Samstag von Hpa-An aus nach Südwesten. Der alte Bus schüttelt uns in zwei Stunden nach Mawlamyaing, zu alt-englischen Zeiten: Moulmein. Trotz offiziell 300.000 Einwohnern geht es zu wie in einer Kleinstadt. Einige alte Gebäude aus der Kolonialzeit, dazu leuchtet auf der Hügelkette, verläuft quer durch die Stadt, eine goldene Pagode neben der anderen zwischen den Bäumen hervor. Auf dem Thanlwin, ein großer und wichtiger Fluss hier, herrscht geschäftiges Treiben. Wegen anhaltender Schmerzen im Rücken buche ich einem der besseren Hotels eine Massage, die anscheinend einiges bewegt. Sonntag ein Ausflug. Gleich neben Mudon liegt der derzeit größte Buddha der Welt. Sagenhafte 180 Meter lang und 8 Stockwerke hoch. Begonnen vor 20 Jahren ist er noch immer im Bau und die Räume in seinem Inneren werden wohl erst in 10 Jahre fertig sein. Gegenüber beginnt man mit dem nächsten Buddha in selber Größe. Davon sieht man bisher nur das Grundgerüst und die Kopfform. Eine imposante Ansicht. Spät ein schöner Bummel durch Mawlamyaing, wobei ich mehr als sonst in sprachlichen Kontakt mit Einheimischen komme.

das etwas andere Klassenfoto  

  Grillstation in Mawlamyaing

   Zinathukha Yan Aung Chanta, der größte liegende Buddha

Montag eine Planänderung: zurück nach Yangon. Myanmar zieht sich zwar nach Mawlamyaing noch weit nach Süden, ist aber größtenteils für Touristen gesperrt und steht nicht auf meiner Wunschliste. Warum es nach Yangon geht erkläre ich gleich. Der Zug braucht auf jeden Fall für die 270 km geschlagene 10 Stunden. Schneller geht kaum, denn Gleiskörper wie auch Züge sind so marode das sich der Waggon immer wieder aufschaukelt und es einen dabei komplett aus dem Sitz hebt, respektive aus der Holzbank. So was ist sogar für mich neu. In der Holzklasse sitze ich bei den Einheimischen und werde von einer Oma praktisch genötigt einige ihrer selbst gemachten Süßigkeiten zu probieren. Lecker, und der Magen hat es überlebt. Yangon ist notwendig weil mich anscheinend der Stress vom alten Jahr eingeholt hat. Schon vorige Woche in Bago ist es mir ins Kreuz gefahren und in Hpa-an sehr heftig ein zweites Mal. Die Massage in Mawlamyaing brachte zuerst statt Erleichterung nur noch mehr Schmerz und am Morgen brauchte ich fast eine Stunde um aus dem Bett in die Senkrechte zu kommen. Klar das so was Sorgen macht.

Transport in der Stadt          

     Zugfahrt nach Yangon

   Transport auf dem Land

             Reisanbau

Also das staatliche Hospital in Yangon besuchen. Unserer Vorstellung von Krankenhaus entspricht das kaum und erinnert im Wartebereich eher an einen Bahnhof mit den alten und zerbrochenen Plastebänken. Aber das Personal ist freundlich, hilfsbereit und nach einer Suche auch etwas englisch sprechend. Eine Stunde später steht fest was ich bereits gehofft hatte: knochentechnisch alles okay. Die Probleme als Ergebnis innerer Verspanntheit, die wohl aus der Summe des letzten Jahres resultiert. Also: entspannen und loslassen. Echt schwierig für jemanden der andauernd nachdenkt und alles mit sich selbst ausmacht. Röntgenbild und Untersuchung waren im Nachhinein kostenlos, die Ärzte sehen wohl selten Ausländer in ihrer Klinik und machten mir beides zum Geschenk. Nebenan mein Röntgenbild, made in Myanmar. Mit der Diagnose im Gepäck ein neuer Plan: ganz entspannt noch am Dienstag Abend mit drei Backpackern das Taxi zum weit draußen gelegenen Busbahnhof teilen. Der entpuppt sich als Ansammlung von schmalen Gassen und einem Wirrwarr von Unternehmen. Wir werden an der richtigen Stelle abgesetzt und nach kurzer Wartezeit startet der Nachtbus nach Bagan. Für die 550 km brauchen wir neun Stunden in einem

für dieses Land überraschend guten Luxusbus. Wir sind nur zwölf Fahrgäste, was uns jede Menge Platz lässt. 4 Uhr morgens die Ankunft außerhalb von Nyaung U. Mit dem Taxi ins Zentrum, wobei 20 USD „Eintritt“ für Bagan fällig werden. Die Besitzer im vorab gebuchten Hostel sind schon wach und das Haus offen, genau wie das Teehaus gegenüber und der Fahrradverleih. Wohl ein Land der Frühaufsteher. Zu viert fahren wir noch im Dunkeln los und erleben den Sonnenaufgang an einer Pagode.

typisches Frühstück 

     Bagan im Morgenlicht  

 Blick auf den Dhammayangyi

           Aleya Gruppe

Bagan ist im Prinzip das „Angkor Wat“ von Myanmar. Alte Tempel und Stupas ohne Ende, manche im 11. Jh. gebaut. Eigentlich Weltkulturerbe, aber da sich die Regierung nicht von der UNESCO hereinreden lässt, fehlt es auf der Liste und wird bzw. kann nicht vom Ausland unterstützt/restauriert werden. Dem Erlebnis, zum Sonnenaufgang in einer Savannenlandschaft zwischen vereinzelten Bäumen überall rote Ziegelbauten auftauchen zu sehen, tut das keinen Abbruch. Bauliche Unterschiede zeugen von den Epochen früherer Königreiche. Früh am Tag starte ich mit dem alten Rad, Miete pro Tag 0,80 €, die Besichtigungstour. Auf meiner Liste stehen unter anderem die Anlagen Sulamani, Dhammayangyi und Ananda, um die einfachen Namen aufzuzählen Somingyi Ok-Kaung wäre schon schwieriger. Um der Mittagshitze zu entgehen eine Pause im Hostel, wo das Zimmer inzwischen bezugsbereit ist. Am Nachmittag die nächste Runde bis nach Alt Bagan. Die goldene Shwezigon Stupa mit filigraner Bauweise sowie der Thatbyinnyu Tempel mit 61 m Höhe sind Beispiele wie gut schon vor 800 Jahren ohne Stahlbeton gebaut wurde.

Ananda Tempel                   

       Shwezigon Pagode

   Detail Shwezigon Pagode

       Transport in Bagan

3. Woche vom 15. bis 21. Januar 2015
Am Donnerstag erlebe ich den Sonnenaufgang auf dem Nanmyint Turm, Eintritt 5 USD. Von der Terrasse im 13. Stockwerk der freie Blick auf die Tempel. Das gerade fünfzehn Heißluftballons durch die Szenerie gleiten sind eine hübsche Zugabe. Danach erkunde ich in teils abgelegenen Dörfern ohne andere Touristen mehr Pagoden und Tempel. Das deren Mauerwerk praktisch keine Fugen zwischen den Ziegeln vorzuweisen haben lässt staunen. Dazu Architektur, Bildhauerei und Malerei aus alter Zeit. Das Staunen nimmt kein Ende. Nach dieser inzwischen dritten Runde bin ich der Meinung das Meiste gesehen zu haben und bin auch ziemlich geschafft. Das es am Nachmittag anfängt zu regnen passt mir dann sogar, bin mit meinem Programm durch.

Sonnenaufgang am Nanmyint 

     Bagan im Morgennebel

       im Dorf Minnanthu 

auch andere sind interessiert

Freitag weiter nach Mandalay. Es regnet recht heftig, hört aber kurz vor der Ankunft auf. Mandalay, da steckt Melodie schon im Namen und weckt romantisch verklärte Gefühle. Der erste Eindruck: nun ja… es ist… um es in wenige Worte zu packen… wie soll ich sagen…: Nö. Typisch asiatische Großstadt: laut, hektisch, chaotisch und dreckig. Da hatte ich etwas anderes erhofft. Bezahlbare Zimmer sind knapp. Ich teile mir eines mit dem Japaner der mit im Bus saß. Heute nur ein kleiner Streifzug in der Nähe vom Hotel. Der Samstag in Mandalay grau und trüb. Zu Fuß erkunde ich das Zentrum der Stadt. Die Distanzen sind groß und die zentrale, ehemalige, Festungsanlage mit breitem Wassergraben und hohen Mauern stört, vor allem weil deren Betreten für Ausländer nur vom Osttor aus gestattet ist. So liegt die Anlage mit ihren 2 x 2 km „uneinnehmbar“ im Weg, auch für den Verkehr. Heutiger Besichtigungsplan: das Shwenandaw Kloster, aus Holz, uralt und mit viel Schnitzerei versehen. Nebenan das Atumashi Kloster, nach einem Brand emotionslos aus Beton neu errichtet. Eindrucksvoller: die Kuthowdaw Pagode, Pagode der königlichen Verdienste, 1868 erbaut. Die 729 Stupas beinhalten je eine Marmortafel, beidseitig per Reliefschrift ausgemeißelt. Gedruckt wäre es das größte Buch der Welt mit etwa 36 Bücher a 400 Seiten. Ähnlich die Sandamani Pagode daneben, nur das die Stupas enger stehen, die Farbe schon abblättert und weniger Besucher vorbei kommen. Nachmittags südlich vom Zentrum spazieren. Ein interessanter Besuch bei den Blattgoldschmieden, deren harte Arbeit letztlich zum frühen körperlichen Ruin führt.

Shwenandaw Kloster          

     viel uralte Schnitzerei 

       Sandamani Pagode

       Mandalay im Smog

Sonntag Ruhepause, es regnet in Strömen. Montag leihe ich mir ein Rad, das klapprige Teil für 1,20 € am Tag, und fahre zur früheren Königsstadt Amarapura. Die 1.200 m lange Teakholzbrücke dort war einst die längste Holzbrücke der Welt und wohl vergoldet. Im nahen Kloster warten geduldig hunderte Mönche auf die gespendete Essensausgabe – umringt von Busladungen fotografierender Touristen. Für mich eine unangenehme und beschämende Situation, also lieber schnell weiter. Weil es gut rollt noch zur ehemaligen Hauptstadt Sagain, 10 km weiter. Die Könige sind früher öfters mit der ganzen Stadt umgezogen. Schon von weitem leuchten goldige Pagoden von allen Hügeln, ein Wow-Effekt. Die von mir zufällig ausgesuchte bietet tolle Ausblicke und ich bin auf ihr mit einem alten, englisch sprechenden, Mönch allein. Super. Zurück in Mandalay ein Halt an der Mahamuni Pagode, deren über alle Maßen verehrter Buddha bereits so dick mit Blattgold, Spenden der Pilger, überzogen ist, das er schon seine Form verliert. Mein Empfinden: hier zählt mehr der Kommerz als das Spirituelle. Richtig enttäuschend ist der Königspalast. Wie gesagt kommt man nur durch ein Tor auf das Palastgelände. Nun, zu 97% besteht die Anlage aus militärischem Sperrgebiet und Gemüsebeeten. Der im zweiten Weltkrieg abgebrannte Palast wurde mit Beton und Wellblech nachgebaut, die Räume fast leer und nun sich selbst überlassen. KEIN Vergleich mit anderen Palästen, wie z.B. in Bangkok. Schande über eine Kultur ohne Kultur! Der Tagesabschluss auf dem Mandalay Hill. Schon vom ersten Schritt an ist barfuss Pflicht, da passt man genau auf wohin man tritt. Unzählige Treppen mit fast 1.000 Stufen führen hinauf. Der Blick ins weite Rund endet an der staubigen Dunstglocke. Zur beliebten Sonnenuntergangszeit - diese romantischen Touristen; komisch, keiner wirbt für deren Aufgang; oft ebenso schön, aber halt schon 6.30 Uhr - ist die Sicht so schlecht das man kaum etwas von der Stadt sieht. Übrigens: Nach der Radtour auf Mandalays Strassen lernt man wieder das Leben im Allgemeinen schätzen - und Länder mit Verkehrsregeln.

   Amarapura, trügerische Idylle und die schmutzige Realität   

Amarapura, farbenfrohe Boote

  der etwas größere Reistopf

       die U-Bein Brücke

     Speisung der Mönche

           ohne Worte

         Blick auf Sagaing

Am Dienstag die Weiterfahrt ins 70 km entfernte Pyin U Lwin, welches bereits in den Shan Bergen liegt. Der öffentliche Pick-Up als Busersatz braucht seine zwei Stunden um uns bis auf 900 Meter über dem Meer hoch zu bringen. Der Ort Pyin U Lwin ist klein und recht ansehnlich. Ein paar alte Kolonialbauten als Erbe der englichen Ära und urige Pferdekutschen aus eben dieser Zeit macht es wie geschaffen für Touristen. Trotz Tagestemperaturen von über 30°C kühlt es hier abends sehr schnell ab und das Thermometer fällt nachts unter 10°C. Gut das ich warme Sachen dabei habe. Am Mittwoch fällt mein komplettes Programm aus, also keine Radtour zu den Wasserfällen oder dem Botanischen Garten. Rätselhafte Geschichte: Der Magen spinnt, leichtes Fieber und heftige Erschöpfung. Nach 24 Stunden mit viel Schlaf bin ich zwar noch leicht geschwächt, aber wieder okay (?!).

auf dem Land funktioniert noch vieles mit Handarbeit

           in Pyin U Lwin

 da geht doch noch was drauf

4. Woche vom 22. bis 28. Januar 2015
Am Donnerstag mal wieder Zug fahren. Mit Rumpel, Holper und Schlenker weiter hinein in die Berge. Drei Ausländer sitzen in der Holzklasse, ich inklusive. Der große Rest „Langnasen“ in der sogenannten Upper Class. Ich persönlich fühle mich wohler bei den Einheimischen. Der Grund warum viele den langsameren Zug anderen Verkehrsmitteln vorziehen, ist der Gokteik Viadukt. Das Highlight der Strecke wurde 1899 von den Briten gebaut, ist 800 m lang und über der engen Schlucht 111 m hoch. Drüber geht es im Schritttempo, was bei der filigran wirkenden Architektur wohl auch besser ist. So bleibt mehr Zeit zum Fotografieren und Schauen. Das Tagesziel Hsipaw ist dann ganz mein Geschmack. Klein, übersichtlich und perfekt am Fluss liegend. Ein Tee am Nachmittag auf der Terrasse am Fluss und später ein schöner Sonnenuntergang an der Pagode auf dem Hügel. So schön.

der Gokteik Viadukt         

     mobiler Laden, Hsipaw

           früh übt sich...       

touristenfreundliche Steckdose

Am Rande: Das Internet ist inzwischen mehr oder weniger in Myanmar angekommen. An manchen Orten funktioniert es, meist ist es jedoch sehr langsam. Daneben sind E-Mail Konten wie web.de häufig nicht zu öffnen oder bringen Fehlermeldungen. Da schaffen webbasierende Mail-Apps Abhilfe. Facebook Nachrichten öffnen kann schon mal zehn Minuten dauern, von Seiten der Hausbank ganz zu schweigen. Die Aktualisierung vom Blog betrifft das auch, so muss ich Ort und Uhrzeit nutzen wenn es geht. Freitag eine Wandertour rund um Hsipaw. Auf schmalen Pfaden ziehe ich am Fluss entlang von Dorf zu Dorf. Das ist super. Weg von der Strasse, weg vom Verkehr, hin zu den Einheimischen und ihrem Leben. Landwirtschaft prägt das Bild und so mancher Bauer auf dem Feld ist überrascht mich zu sehen. Auf dem Rückweg ein Halt an historischer Stelle, wo in den 50ger Jahren eine Österreicherin als Shanprinzessin lebte, bis das Militär ihren Mann 1962 verschleppte und er nie wieder auftauchte. Ihre Geschichte ist als Buch „Dämmerung über Burma, meine Tage als Shanprinzessin” auch auf deutsch erhältlich. Samstag Morgen wieder das tolle Frühstücks Buffet vom Hotel Lily‘s Home genießen, das mit Abstand Beste der bisherigen Reise - bei einem Zimmerpreis von 10 USD! Bis zur Busfahrt erneut um Hsipaw herum spazieren, am eindrucksvollsten dabei das alte Pagodenfeld.

           die Umgebung von Hsipaw, malerisch am Fluss gelegen

 wer hats erfunden ;-)

  noch Stupa oder schon Baum?

Samstag Abend steige ich in den Nachtbus nach Nyaungshwe am Inle See. Der altersschwache Bus quält sich die Serpentinen über Pyin U Lwin und Mandalay hinunter, um uns nach Mitternacht über Kalaw wieder in höhere Lagen zu schaukeln. Schlafen geht da kaum, denkbar zerknirscht bin ich bei Ankunft 5 Uhr morgens. Um in den Tag zu kommen erst mal ein Tee und frittierte Teigstangen. In der Morgendämmerung ein Zimmer suchen. Das „Gypsy Inn“ bietet den besten Deal und ich kann trotz früher Stunde schon einchecken. Drei Stunden Schlaf, dann erste Erkundungen: Obwohl ein Haupttouristenziel, hat es Nyaungshwe aber geschafft authentisch zu bleiben. Im Ort einige Pagoden, Hotels und Restaurants unaufdringlich über das Siedlungsgebiet verstreut. Sonst dreht sich alles um den nahen Inle See. Der ist 22 km lang und 11 km breit. Jeder zweite auf der Strasse will eine Tour darauf verkaufen. Ich buche im Hotel und starte Montag früh mit zwei Paaren aus der Schweiz und Australien. Das Langboot bietet Platz für fünf Touristen, oder zwanzig Einheimische, plus Bootsführer, der den knatternden Außenbordmotor bedient. Nach 4 km im Verbindungskanal öffnet sich der See, fotogen „dekoriert“ von seespezifischen Einbeinruderern. Sie schlingen ein Bein um das Ruder, halten so das Boot, der See ist meist nur 1,5m tief, und haben beide Hände für die Arbeit frei. Funktioniert und sieht gut aus. Die nächsten Stunden fahren wir über den See, sehen schwimmende Gärten, Dörfer in denen man nur per Boot vorwärts kommt und besuchen Handwerksbetriebe: Gold- und Eisenschmiede, Zigarrenmacher, Bootsbauer, sowie die interessanten Weber. Dazu einige Pagoden. In einer stehen fünf kleine Buddhas, über die Jahre mit so viel Blattgold beklebt das sie nicht mehr als Figur erkennbar sind. Zum Schluss ein Besuch bei den Padaung, bekannt als Langhalsfrauen.

in Nyaungshwe                   

im Labyrinth der Kanäle       

         die Touristenshow

           Dorf im See

           das Original

         eine Padaung Frau

         Morgenstimmung

         Radtour am See

Dienstag, ein weiterer Tag am Inle See. Zur Abwechslung die Erkundung mit dem Rad. Am westlichen Ufer entlang fahre ich bis nach Indain, das gestern nicht auf dem Programm stand. Die Gegend ist schön und der Verkehr auf den schmalen Strassen sehr überschaubar. Gleich neben dem See erheben sich die Shanberge steil und eindrucksvoll. Überraschung in Indain: unter dem im Reiseführer beschriebenen halb zerfallenen Pagodenfeld hatte ich mir wenig vorgestellt - und liege daneben. Abgesehen von alten Pagodenruinen neben dem Dorf existiert ein eindrucksvolles Feld mit 1045 weiteren, teils inzwischen restauriert. Zwar wird dabei nicht die Detailtreue von früher erreicht, aber diese Häufung von Formen in rot, grau, gold und weiß prägt sich ein.

Tempelruine in Indain       

       uralte Buddhastatue

  das Pagodenfeld bei Indain

     selbiges aus der Nähe

Nach einem schönen Spaziergang langsam die Strecke zurück. Ein paar weitere Stopps an der Strasse, wo ich bereits Pagoden auf den steilen Hügeln ausgemacht hatte. Der Blick von dort auf den See und seine Umgebung ist einfach umwerfend. Zufällig gerate ich dann in ein einheimisches Klosterfest mit sicher 1.000 Leuten. Mönche bei der Speisung, Markt und Kirmes in einem. Ohne Touristen. So schön, so ursprünglich. Sehe Pa-O Trachten und kann mich nur schwer von dem Trubel lösen. Der Inle See bekommt nach diesen zwei Tagen von mir die Top Bewertung: Myanmars Highlight. Langsam geht meine Zeit im Land zu Ende. Am 28. Januar ein Ortswechsel mit kurzer Strecke. Der Transport landestypisch im Schneidersitz auf der Pritsche vom Leicht LKW. Das angestrebte Kalaw liegt malerisch zwischen kieferbewachsenen Hügeln und ist Ausgangspunkt für Trekkingtouren. Dafür habe ich nicht mehr genügend Zeit, schaue mir jedoch in den nächsten 24 Stunden wenigstens die nähere Umgebung an.

     nur nicht drängeln...

 Angehörige der Pa-O

   auch andere schauen zu

   beim Klosterfest

5. Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 2015
Am Donnerstag findet gerade der große Markt in Kalaw statt. Für mich die letzte Gelegenheit das ganz normale Leben im Land zu sehen. Waren des täglichen Bedarfs, von Gemüse über Gewürze bis hin zu - ungekühltem - Fisch und Fleisch, wobei ein Wedel die Fliegen fern hält. Trachten, Farben und ungewöhnliche Angebote reizen die Sinne. Abends mit dem Nachtbus nach Yangon. Nach der Ankunft 4 Uhr am Freitag gleich zum nahen Flughafen fahren, wo für mich das Abenteuer Myanmar endet.

Umgebung vom Inle See       

           Markt in Kalaw

     so ordentlich gestapelt

       noch mal der Markt

Reiseroute Indien, von Myanmar kommend

Freitag Nachmittag, 30.Januar, mit India Airlines von Yangon nach Kolkata, Indien, fliegen. Der Airbus A 320 hat schon viele Jahre auf dem Buckel und ist spartanisch eingerichtet, aber er tut was er soll: ordentlich fliegen. In Kolkata nehme ich dank gemachter Hausaufgaben statt dem Taxi einen Bus ins Zentrum, welcher bei dem heftigen Verkehr über eine Stunde braucht. Dann muss ich suchen, bis die Sudder Street als „Hotelmeile“ für Ausländer auftaucht: eine dunkle schmuddelige Gasse mit Zimmern die teilse in die selbe Kategorie passen. Nach einigen Besichtigungen finde ich im „Pushpak“ ein gutes Dormbett für 400 IRP (IRP - indische Rupie, 1 € = 70 IRP). Samstag im Touristenbüro die nötige Genehmigung für den Marmorpalast holen. Mittag zum Reservationsbüro der Eisenbahn. Trotz zweier extra Schalter für Ausländer eine zeitraubende Geschichte. 3 Stunden warte ich und erhalte dann in fünf Minuten problemlos ein Ticket für Sonntag Abend. Danach reicht die Zeit nur für einen kurzen Streifzug durchs Zentrum, genauer gesagt zur Howrah Brücke. Da ist Fotografieren strengstens verboten und die Kamera bleibt im Rucksack, wie

auch beim zufälligen Erleben einer Armenspeisung auf offener Strasse, bei der ich mich als Tourist komplett deplaziert fühle. Sonst ist da viel alte Bausubstanz, an der seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht wurde. Der Fuhrpark auf der Strasse ebenso alt, verbeult und ohne Abgasbeschränkung. Selbst mitten in der Stadt sieht man viel Armut, viel Elend. Menschenmassen sind unterwegs, das Vorankommen zäh und langsam. Der Verkehr steht häufig und es wird gehupt bis einem der Kopf weg fliegt. Was für ein Start in Indien. Der beworbene Leitspruch für das Land wird für mich zum Mantra: Incredible India, Unglaubliches Indien! Sonntag die guten Seiten: Erst der sogenannte Marmorpalast, Wohnsitz einer alten Herrscherfamilie von hier. Noch teils bewohnt, steht die riesige Villa sonst dem Besucher offen. Fotografieren ist verboten, ein Führer der zum Schluss Bakschisch verlangt sichert das ab. Mein Eindruck vom Haus: Spitzenklasse. Artefakte aus aller Welt, bunt zusammengewürfelt und eben deswegen so sehenswert. Gemälde von Rubens, Mingh Vasen, riesige belgische Spiegel, griechische Marmorstatuen und, und, und. Kein Museum, eher ein Wohnzimmer mit Kostbarkeiten. Der Ballsaal mit 90farbigem Marmorfußboden, die Zimmerdecke voll Schnitzerei. Komme aus dem Staunen nicht heraus. Nachmittags zum Maidan, dem (staubig) grünem Herz der Stadt. Hunderte von Kricketteams aller Alters- und Leistungsklassen bevölkern die Fläche, Drachensteigen ist Volkssport und in den kitschigen  Pferdekutschen kann man sich wahrlich wie ein Maharadscha fühlen. Gleich nebenan erhebt sich das Queen Victoria Memorial wie ein kleiner Palast. Überraschend: der Eintrittspreis ist für Ausländer zehn mal so hoch wie für Einheimische.

“Taxistand” in Kolkata  

       Kolkata, der Maidan

           tolle Kutschen

 das Queen Victoria Memorial

Abends der Gang zum Bahnhof, wo am Zug auf gedruckten Reservationslisten auch mein Name steht, das System funktioniert. Der gebuchte 2.Klasse Schlafwagen ist weniger schön und bequem wie zum Beispiel in China, aber immerhin preiswert.Auf recht angenehmen 570 Kilometern geht es durch die Nacht nach New Jalpaiguri. Von da mit dem Sammeljeep 50 km nach Darjeeling, gelegen auf der ersten Bergkette des Himalaya. Die schmale und löchrige Strasse führt steil nach oben, fast aus dem Nichts von 300 m auf über 2.000 m. Trotz “Winter”, sprich Nebensaison, herrscht recht viel Verkehr am gefährlich nahen Abgrund. Der Ort Darjeeling ist dann eine Enttäuschung für mich. Statt grüner Teeplantagen ein komplett verbauter Ort auf einem Berg mit steilen Hängen. Mehr als 300 Hotels zapfen die knappen Ressourcen an. Kein Ort für mich um die Hauptsaison zu erleben. Ich finde eine kleine Herberge und plane voraus. Am Nachmittag ein zufälliger Besuch auf dem Hauptplatz in Darjeeling, wo gerade ein Wettbewerb statt findet. In mehreren Altersgruppen werden mit Tänzen Hindugötter geehrt, überraschend professionell und sehenswert. Abends sinkt das Thermometer schnell unter 10°C. Gut das ungeheizte Hotels dicke Decken zur Verfügung stellen.

 ausgearbeitete Performance

 DSDS - Darjeeling sucht den Superstar

             in Darjeeling

         Siliguri, am Fluss

Dienstag lasse ich einen Teil vom Gepäck in der Herberge und nehme sehr früh einen Jeep tiefer hinein die Berge. Vier Stunden später die Ankunft im Dorf Rimbik, von wo aus ich sofort ins Gebirge aufbreche. Eigentlich ist das nur mit einem Führer erlaubt, doch dazu habe ich keine Lust. Mit Glück und Geschick gelingt mir ein ganz eigenes Abenteuer. Ohne Karte und mit nur vagen Informationen im Gepäck steige ich an einem Tag von Rimbik (2.100 m) bis Phalut (3.600 m) auf. Das dauert neun Stunden, davon die letzten beiden im Mondlicht und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Grenzwertig, aber für mich Abenteuer pur. In einer kleinen Berghütte erhalte ich Essen und ein Bett. Zur Belohnung am nächsten Morgen der umwerfende Blick auf eisige Gipfel, wie zum Beispiel der nahe Kanchenjunga, als 3.höchster Berg der Welt ein Anblick der Extraklasse. Auch die Mt. Everest Gruppe leuchtet scheinbar nah am Horizont. Das schöne Wetter wird nicht lange anhalten, also beiße ich die Zähne noch mal zusammen und laufe in einer Schleife wieder hinunter bis Rimbik. Das waren zwei Tage Trekking der Extraklasse!

mitten im Himalaya            

  Blick auf den Kanchenjunga

     die Mt. Everest Gruppe 

  unterwegs auf alten Pfaden

6. Woche vom 5.  bis 11. Februar 2015
Donnerstag eine frühe Fahrt mit dem Jeep von Rimbik nach Darjeeling. Dabei sehe ich auf dem Beifahrersitz viel mehr von der Gegend als auf der Herfahrt. In Darjeeling holt mich am Nachmittag die indische Realität ein: kein Platz im Zug in den nächsten Tagen. Es wäre vielleicht möglich ohne Reservierung, aber wir alle kennen die Bilder von komplett überfüllten Zügen Also brüte ich schnell einen neuen Plan aus. Mittwoch früh mit dem Sammeljeep runter nach Siliguri, wo ich trotz chaotischem Busbahnhof den Nachtbus nach Patna finde, “nur” 260km von meinem Ziel Varanasi entfernt. Im Zugbahnhof kaufe ich gleich die Fahrkarte ab Varanasi, man lernt ja dazu. Den Rest vom Mittwoch verbummle ich in Siliguri. Am Abend werden die Busse sehenswerte Beladen, wobei wahre Tonnen aufs Dach wandern, ein harter Job für die Träger. Der Bus ist okay, aber ständige Überladung hat die Federung so ermüdet das jedes Schlagloch voll durchgegeben wird, und davon gibt es viele auf der Strasse. Ergebnis: Die bisher härteste Nachtbusfahrt all meiner Reisen. Samstag 6 Uhr klappt in Patna alles wie am Schnürchen. Ein Tuk-tuk zum nahen Bahnhof, dort in fünf Minuten eine Fahrkarte kaufen (wo sind die sonst langen Schlangen?) und zehn Minuten kommt der Zug in dem sogar ein Sitzplatz frei ist. 10 Uhr in Varanasi, älteste und heiligste Stadt in Indien. Der erste Eindruck: Horror. Auf den komplett verstopften Strassen ist man selbst als Fußgänger nicht sicher, ein Hupkonzert ohne Pause und überaus nervige Rikschafahrer. Doch dann taucht man in die Altstadt ein, die kleinen Gassen zu schmal für Straßenverkehr, und alles ist anders. Ruhe – und ein eher ursprüngliches Indien.

in Varanasi   

   Rush Hour in den Gassen

       ein buntes Treiben

 Menschen am Ganges

  ein Kleinod im engen Gewirr

   Brahmanen im Gespräch...

  in einer Ruine überm Ganges

   ...und bei der Meditation

Das Gewirr der Gassen fasziniert mich, ein Verlaufen ist praktisch vorprogrammiert. Doch das ist egal, man findet wieder heraus Hinter jeder Ecke etwas Neues für die Sinne, leider auch geruchstechnisch. Wohnhäuser, Teestuben, Kleinstläden, alte Paläste und Tempel. Teilen muss man sich das mit den heiligen Kühen, die für eine Stadt recht zahlreich sind und alle Freiheiten haben, also immer schauen wohin man tritt. Das alles öffnet sich dann zum Ganges. An den Ghats da, gemauerte Flusszugänge, spielt sich ein ganz eigenes Leben ab. Im Fluss baden würde ich nie und nimmer, für Hindus ist es nach wie vor das Maß aller Dinge. Wie auch in Varanasi zu sterben und dann am Flussufer verbrannt zu werden. Das geschieht praktisch öffentlich, ein Erlebnis das sich tief einprägt. Als schöner Abschluss der Tage in Varanasi eine Bootsfahrt auf dem Ganges mit einer komplett anderen Sicht auf die Stadt. Und wieder wird klar: unglaubliches Indien! Ein Wort zum Essen. Soweit habe ich keine Probleme, ganz im Gegenteil. Die nordindische Küche ist abwechslungsreich und nur mäßig scharf. Der Verzicht auf Fleisch fällt mir leicht und die vegetarische Auswahl ist überraschend groß. Dazu kostet es in den einfachen Restaurants erschreckend wenig. Ein Ersatz für den geliebten Kaffee ist auch gefunden: kräftiger, gesüßter Chai

das Dhobi Ghat - Wäscherei

     Varanasi vom Boot aus

         Feiern am Ganges

         Baden im Ganges

Der sehr schöne Aufenthalt in Varanasi bekam noch einen bitteren Nachgeschmack. Mehrfach bewunderte ein Mitarbeiter des Gasthauses meine Schuhe. Nun, im nächsten Ort musste ich feststellen das er sich selbst bedient hat während der Rucksack ein paar Stunden an der Rezeption geparkt war. Es ist nicht der Wert der ärgert (40 €), es ist die Sache an sich. Montag mit dem Nachtzug nach Khajuraho. Ich lerne im Zug ein Paar kennen, gemeinsam sind wir die nächsten Tage unterwegs. Später kommt mit Markus noch ein Deutscher dazu. Im Dorf Khajuraho steht eine sehenswerte Tempelanlage der Chandella, gebaut im 10./12. Jh. Die gibt der Wissenschaft Rätsel auf, vor allem weil die Wände innen wie außen mit sehr sinnlichen und erotischen Reliefs überzogen sind. Gut vorstellbar wie entrüstet die prüden Engländer bei der Entdeckung im 19.Jh. waren. Die Tempel sind einen Besuch wert und in einem überraschend guten Zustand. Dazu hat man das Areal in einen schönen Garten verwandelt, eher selten in Indien. Ein angenehmer Aufenthalt im Dorf, es sind nur wenige Touristen da und alles erscheint unerwartet ruhig. Tags darauf reist unsere Minigruppe mit einer Kombi aus Tuk-tuk und Bus 170 km weiter nach Orchha („versteckter Ort“). Der Sitz lokaler Herrscher wurde im 17.Jh. aufgegeben. Seitdem hat man wenig verändert und die gut erhaltenen Ruinen sind ein Tummelplatz gerade für große Kinder. Vor allem der Palast mit seinen zahlreichen Treppen, Balkonen und Räumen macht uns viel Spaß. In zwei Tagen erkunden wir neben dem Palast die Tempel und das beschauliche Dorf, das keineswegs touristisch wirkt. Einziger Wermutstropfen: Mit etwas Mühe und überschaubaren Aufwand, die bezahlten Wächter sind den ganzen Tag da und tun praktisch nichts, könnte man daraus etwas richtig tolles machen. Anscheinend hat niemand Interesse daran, schade.

Tempel in Khajuharo...

Orchha aus der Ferne    

Einheimische in Khajuraho

     ...mit viel Bildhauerei

die Bandbreite der Objekte von

 sinnlich bis gewagt

  der Palast als Abenteurspielplatz von Aussen wie von Innen

       Tempel in Orchha

7. Woche vom 12. bis 18. Februar 2015
Donnerstag trennen sich unsere Wege. Ich nehme abends ein Tuk-tuk ins nahe Jhansi. Dabei werden teils elf Menschen in das kleine Gefährt gepresst, was keinen sonderlich stört. Von Jhansi ein große Schleife nach Süden. Zug fahren klappt nun ziemlich gut. Ich hole die Fahrkarten möglichst drei Tage im voraus, was passende Planung erfordert und leider Spontanität einschränkt. Mit Wartezeiten am Reservationsschalter zwischen 20 und 90 Minuten ergattere ich häufig gerade noch so einen Platz im Zug

           auf dem Markt

und brauche manchmal Glück, um mit einem kleinen Preisaufschlag von der sogenannten Touristenquote zu profitieren. Freitag Morgen die Ankunft in Bhusaval. Ohne Möglichkeit vorab zu planen organisiere ich eine Tour vor Ort „aus der Hüfte heraus“. Der lokale Bus ist schnell gefunden und steht praktisch schon abfahrbereit. Anderthalb Stunden später steige ich nahe dem Dorf Ajanta aus, wo der Fluss Waghora eine enge, u-förmige Schlucht ausgewaschen hat. Mein Ziel sind die dortigen Höhlen, von Mönchen in mühevoller Arbeit in felsige Wände geschlagen. Die buddhistischen Werke wurden mit Bildhauerei und Malerei verschönt. Beides ist trotz 2.000 jährigem Alter überraschend gut erhalten. Circa 20 Höhlen von teils imposanter Größe laden zum Staunen ein. Die recht frühe Ankunft beschert mir einen Rundgang ohne Besuchermassen, was den Ort noch mystischer macht. Nachmittag mit dem Bus ins 100 km südlich gelegene Aurangabad. Die Großstadt wird meine Basis für weitere Ausflüge.

die Höhlen von Ajanta 

       Portal zur Unterwelt

Hallen, tief in den Fels getrieben und in Szene gesetzt 

       mystische Eindrücke

 Wandmalerei: 2.000 Jahre alt

                     nebenan: ein paar Einheimische...

Samstag früh mit dem Bus ins 30 km entfernte Ellora. Auch hier trieb man religiöse Höhlen in den Fels. Später als in Ajanta, ein Ort hat dem anderen wohl den Rang abgelaufen, und künstlerisch vollkommener. Kaum erhaltene Malerei, weil der moslemische „Bildersturm“ im 13.Jh. viel zerstört hat, dafür außergewöhnlich schöne Bildhauerei. Manche Höhle ist riesig und erstreckt sich über drei Stockwerke. Das Meisterstück: der Kailash Tempel. Dem heiligen Berg nachempfunden, ist der nur bedingt eine Höhle. Der zentral und frei stehende Tempel wurde wie die Nebenhöhlen rings um KOMPLETT aus dem Fels herausgearbeitet, was 100 Jahre gedauert hat. Dabei wurden mit einfachsten Mitteln gigantische 250.000 Tonnen Fels entfernt. So waren Fehler bei der Arbeit nicht korrigierbar. Für dieses Meisterwerk vergebe ich fünf Sterne. Zu fotografieren war das Glanzstück in seiner ganzen Pracht sehr schwierig, aber ich habe bei 35°C im Schatten mein Bestes versucht. In Ellora sind heute wahre Menschenmassen, zum größten Teil indische Touristen und Schulkinder, was leider einen Teil der Mystik einfach verschwinden lässt. Nachmittag ein Besuch der Kuppelgräber von Khuldabad, kaum erwähnenswert, und der Ruine der Festung Daulatabad. Hoch auf einem Granitfels thront die schier uneinnehmbare Festung. Die Gänge, die durch den Fels nach oben führen, sind ein wahres Labyrinth und nach wie vor unbeleuchtet. Ein Abenteuer das man sich mit vielen Fledermäusen teilt. Daneben ist die Festung ziemlich verwahrlost, leider recht typisch für Indien. Sonntag ein Bummel durch die Millionenstadt Aurangabad. Schon sehr moslemisch geprägt, ist es recht angenehm durch die Strassen zu laufen. Wenig Gehupe, wenig Druck. Leider liegt die Temperatur tags bei weit über 30°C und sinkt nachts nur knapp darunter. Nicht mein Klima, auch wenn es angenehm trocken ist. Abends der Weg zurück nach Norden. Weil die Züge von Aurangabad hoffnungslos ausgebucht sind, geht es zuerst mit einem Rüttel Schüttel Bus nach Bhusaval, wobei ich das letzte Stück auf dem Beifahrersitz miterlebe. Das schafft kein Vertrauen, die Überholmanöver sind teils haarsträubend und ich bin froh gesund in Bhusaval anzukommen. Schon gestern war zu erleben wie rücksichtslos sich Inder untereinander im Stau verhalten. Die Zugverbindung ins 900 km entfernte Agra ist leider nicht ideal. 3 Uhr Abfahrt, da bleibt kaum was von der Nacht und bei 15 Stunden Fahrt wenig vom folgenden Tag. Ich lese, plane und ruhe mich aus.

Höhleneingang in Ellora   

Prunkstück: der Kailash Tempel

             tief im Berg

       Wochenendausflügler

 wunderschöne und gut erhaltene

Bildhauerei

   Festungsruine Daulatabad

   alles Burka - oder was?

Die Ankunft Montag Abend in Agra fast pünktlich. Am Bahnhof sind die Rikschas wie erwartet teuer und die Fahrer aggressiv. Nach dem „Kampf““ mit ihnen finde ich zufällig im Ortsteil Taj Ganj ein überdurchschnittliches Hotelzimmer für 500 INR (7 €). Von der Dachterrasse sieht man das Taj Mahal, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Dienstag 5.30 Uhr aufstehen, “Joey’s” serviert da schon Frühstück, und zum Taj Mahal laufen. Die Kassen öffnen wider Erwarten erst halb sieben, das Westtor sogar erst 7 Uhr, als es schon hell ist. Die Inder haben da keine Eile. Eintrittspreis: 750 INR, das 35fache was Einheimische zahlen. Ich bin unter den ersten 200 die nach dem Sicherheitscheck hinein dürfen. Durchs große Tor führt der Weg in den Garten, an dessen Ende sich das Taj Mahal erhebt. Der erste Eindruck: WUNDERVOLL. Es ist groß, es ist beeindruckend, es ist schön. Drei Stunden bleibe ich und lasse alles auf mich wirken. Selbst die vielen Touristen stören da kaum. Einziger Minuspunkt: der Smog. Keine Ahnung wann es hier mal einen blauen Himmel gibt, meist hüllt milchig grauer Dunst die Gegend ein. Was in der Luft liegt merkt man spätestens beim Nase putzen – der reinste Dreck! Am Nachmittag ein Besuch der Festung Agra. Groß und mächtig, allerdings drinnen wieder mit leeren Räumen, was das Erlebnis für mich deutlich schmälert. Von dort ist das Taj Mahal übrigens nur 1.500 m entfernt – und im Smog kaum zu sehen. Dienstag quäle ich das Internet, und selbiges mich. Das Ergebnis: Infos, (hoffentlich) interessante Sehenswürdigkeiten und das ganze was, wann, wo. Als mir der Kopf brummt ein Spaziergang zum Bahnhof, um bereits die Zugfahrkarte für den 22. zu besorgen. Nebenbei entdecke ich auf dem hiesigen Markt Petha, eine süße Spezialität der Gegend. Aus geriebenem Kürbis, Zucker und Honig entsteht eine Art fester Gelee. Unheimlich süß, aber lecker.

das Taj Mahal, Agra             

         LG - Life’s Good

       das Rote Fort, Agra

  das Sunder Palace in Jaipur

Mittwoch früh aufstehen und mit dem Tuk Tuk zum Busbahnhof, wo erneut festzustellen gilt das Inder keine Frühaufsteher sind und ihr Tag erst spät und gemütlich beginnt: eine Stunde steht der Bus abfahrbereit. 9.30 Uhr Ankunft in Fatehpur Sikri, 40 km westlich von Agra. Von der früheren Reichshauptstadt des Mogul Akbar ist nur eine Geisterstadt übrig. Nett anzusehen. Das Dorf daneben macht wenig her, also Mittag an der Strasse einen Bus anhalten und weiter nach Jaipur, wo ich 16 Uhr ankomme. Für eine indische Großstadt präsentiert sich Jaipur überraschend, nämlich grün und sauber. Dazu finde ich mit dem „Sunder Palace“ ein tolles Hotel für wenig Geld.
8. Woche vom 19. bis 25. Februar 2015
Donnerstag Vollzeit Stadtbummel. Nach dem Frühstück hinein in die Altstadt von Jaipur, auch Pink City genannt. Na ja Pink, die Hauptgebäude haben einen orange rötlichen Putz. Aber schön anzusehen, vor allem der Palast der Winde mit der einprägsamen Fassade. Weiter mit dem Bus ins nahe Amber, wo der Palast und das dazugehörige Fort spektakulär hinter einem künstlichen See auf dem Hügel liegen. Der steile Weg hinauf entweder zu Fuß oder „Touristenlike“ auf dem Rücken sehr bunt geschmückter Elefanten. Rings um das Gelände ziehen sich die  Festungsanlagen wie die Chinesische Mauer über steile Hügel. Ich finde hinter den letzten Häusern des Dorfes den verborgenen Weg und steige bei 35°C fast 500 Stufen nach oben, tolle Ausblicke inklusive. Auf dem Rückweg nach Jaipur ein Halt am Jal Mahal, hübsch in einem See gelegen. Spät am Nachmittag ein Spaziergang durch Jaipur hinauf zum Nahargar Fort, wo exklusive Aussichten garantiert sind. Das war dann genug für einen wirklich schönen Tag.

Agra, Wäscherei am Fluss

Amber, Garten und Palast

       traurige Wirklichkeit

       Touristentransport

           Fatehpur Sikri

         Blick über Amber

     Jaipur, Palast der Winde

   das Jal Mahal, bei Jaipur

Freitag mit dem Zug nach Sawai Madhopur. Das sind nur zwei Stunden, also löse ich die normale 2.Klasse ohne Reservierung, kurzfristig die einzige Option. Der Bahnsteig füllt sich leider schnell. Als der Zug kommt Szenen wie im Fernsehen: alles stürmt die Waggons. Vor mir hält ein Gepäckabteil, geistesgegenwärtig dränge ich mich mit anderen hinein. Auf dem Rucksack sitzend geht es, wir sind 40 Leute auf vielleicht 14 m². Nur kommen im nächsten Bahnhof weitere 30 Leute dazu, womit nun kein Blatt mehr zu Boden fallen kann: Willkommen in der indischen Wirklichkeit. Aber die Fahrt ist bald um. Der Grund für Sawai Madhopur: Ranthambore Nationalpark mit Tigerreservat. Die Hotels verhältnismäßig teuer, da hilft nix. Ich buche für den nächsten Morgen eine „Safari“ und schaue mich um. An der Strasse ein Hotel am anderen, jedoch keine Restaurants. Also “zu Hause” essen. Am Samstag 6 Uhr aufstehen. Mein ungutes Gefühl bestätigt sich leider schnell. Die Abholung erst spät, wie auch die Ankunft im Park. Man fährt uns auf einem Leicht LKW 30 Minuten auf holprigen Feldwegen in den Park rein und auf selber Strecke zurück. Dabei sehen wir ein paar Antilopen, Hirsche – und sogar recht frische Tigerspuren. Für den Aufwand und das eingesetzte Geld ist das allerdings ein Witz. Der Versuch sich zu beschweren endet mit Schuldzuweisungen der Verantwortlichen untereinander und dem Schicken von einem Büro zum nächsten, wobei das letzte Sonntag geschlossen hat. Mies was die hier mit Touristen machen. Ich habe die Nase voll, packe und bekomme am Bahnhof schnell einen Zug nach Kota. Auch der ist voll, aber ich finde einen Sitzplatz. Von Kota mit einem Rüttelbus ins 30 km entfernte Bundi. Müde und genervt komme ich an, doch nun wird alles irgendwie besser. Auch weil ich ein ruhiges Zimmer in einem ursprünglichen Haveli finde, versteckt in den Gassen der Altstadt.

in Jaipurs Strassen     

   Sonnenschirm mal anders

     ein hartes Arbeitsleben

 im Ranthambore Nationalpark

Montag die kleine Stadt erkunden. Über Bundi thront unübersehbar ein alter Palast mit Fort. Beides ist ziemlich vernachlässigt und verfallen, aber auch deswegen sehenswert. Auch wenn ich mich wiederhole: das ist typisch für Indien. Alte Wandgemälde, Bundi Kunst genannt, bedecken Wände und Decken. Dazu hat das ruinenhafte etwas fesselndes. Weil weit weniger Touristen als anderswo umherlaufen, kann man das auch mehr genießen. Später durchstreife ich das Labyrinth der Altstadtgassen von Bundi mit sehr schönen Tempeln, bemalten Havelis und Stufenbrunnen, bevor mich am Abend ein Bus nach Kota bringt.

Palastruine Bundi         

       Palastgarten Bundi

         prachtvolle Ruine

noch Elefant oder schon Pferd

Von Kota aus mit dem Nachtbus nach Udaipur . Der rüttelt und schüttelt uns auf schlechten Strassen durch die Nacht. Ankunft 6 Uhr in der noch stillen Stadt. Ich erlebe den Sonnenaufgang mitten im Zentrum am ruhigen See. Leider finde ich zu Udaipur keine Bindung, was meiner Meinung nach wenig bietet. Viele Touristen, hohe Preise und der Zugang zum See ist völlig verbaut. Da nützt auch die “007” Werbung wenig (Octopussy wurde hier 1983 gedreht). Neuer Plan. Ich organisiere für die nächsten Tage den Transport und nehme am Mittwoch den Bus nach Mt. Abu. Nach vier Stunden Fahrt erhebt sich die Bergkette wie aus dem Nichts. Eine verschlungene Strasse führt rauf auf 1.200 m. Die einzige Bergstation Rajasthans, Verwaltungsbezirk Indiens, vergleichbar mit einem Bundesland in Deutschland, ist voller indischer Touristen, aber schön. Klare Luft, angenehm frischer Wind und mich weckt zum ersten Mal in Indien Vogelgezwitscher. Zwei Tage spaziere ich durch Wald und schroffe Berge, so schön. 

gastronomisches Stillleben  

Mt. Abu

   Bundi, Eingang vom Haveli

   Udaipur, Blick vom Hotel

Mein Highlight: der Dilwara Tempel, ein Jain - Schrein, neben Mt. Abu. Am Eingang alles abgeben: Taschen, Essen, Trinken, Elektronik und Schuhwerk. Dafür der kostenlose Zugang zum wohl schönsten Tempel auf dieser Reise. Gebaut zwischen dem 11. und 16. Jh. haben Bildhauer ganze Arbeit geleistet. An den Wänden, Säulen oder Decken aus edlem Marmor ist praktisch kein Zentimeter eben oder leer. Prachtvolle Arbeit überall.

   Udaipur, die Wasserfront

   ein Tempel in den Bergen

9. Woche vom 26. Februar bis 4. März 2015
Spät am Donnerstag mit dem Bus den Berg runter nach Abu Road. Am Bahnhof erfahre ich das die Fahrkarte auf der Warteliste zu einem reservierten Bett wurde, toll. Im Bahnhofsrestaurant esse ich billig, wenn auch sehr einfach. Dann warten. Es wird kühl mit der Zeit und die häufigen Durchsagen, zusammengesetzt aus Frauenstimmen, nerven. Als der Zug nach Mitternacht endlich einrollt bin ich froh, doch mein Bett ist besetzt und der Schaffner muss mir ein anderes besorgen. Das bringt dann durch die Nähe zur Tür nur wenig Ruhe. Freitag Morgen: Jodhpur. Die Stadt schläft noch als ich mit dem ersten Tageslicht ein Zimmer suche, das erspart mir die Schlepper. Im Hill View Guesthouse, gleich unterhalb der sehr markanten Festung, werde ich fündig. Duschen, umziehen und los. Zuerst zum schönen Jaswant Thada, ein Taj Mahal im Miniformat. Von da ein toller Blick auf die Festung Meherangarh. Die umliegende Landschaft ist nun sehr trocken, die Wüste nicht mehr weit weg. Zum späten Frühstück „stolpere“ ich über einen Omelett Stand am Markt, so bekannt das schon deutsche Zeitungen über ihn berichteten. Ein feines und überraschend großes Käse-Butter-Masala-Omelett mit Toast für 45 IRP. Deal! Nachmittags mehr von Jodhpur, auch blaue Stadt genannt, weil die führende Kaste es sich leisten konnte ihre Häuser zum Schutz vor Insekten und Hitze blau zu tünchen. Am Ende einer Gasse entdecke ich ein Tor, das aufs unbesuchte Burggelände mit künstlichem See führt. Herrlich, ursprünglich und scheinbar nur den Einheimischen bekannt. Sonntag ein früher Gang zur Festung Meherangarh um den Besuchermassen zu entgehen. Die Burg mit Palast wird für mich das sehenswerteste dieser Art in Indien. Endlich neben der bloßen Architektur auch gefüllte Räume mit Waffen, Sänften, Elefantensatteln usw. Ich staune mich drei Stunden lang mit dem auf die eigenen Sprache eingestellten Audioguide durchs Gelände. Das wurde übrigens mit Geldern und Spezialisten aus Deutschland restauriert, ist es deshalb so perfekt? Später verliere ich mich in den Sinne reizenden Märkten und Gassen der Stadt. Da herrscht buntes Treiben und Verlaufen ist praktisch garantiert. Spät der Abschied vom guten Hostel in dem ich noch duschen kann. Nachts bringt mich der Zug ans nächste Ziel. Randnotiz: Erstaunlich wie viele Sehenswürdigkeiten man in Indien in eine Woche packen kann. Vor allem der Transport über Nacht, wenn man ihn früh genug organisieren kann, macht es schnell und einfach, ganz abgesehen das man sich die Unterkunft spart. Abends einsteigen, schlafen und am nächsten Morgen am neuen Ort durchstarten. Super.

Jodhpur, Meherangarh Fort

Jodhpur, die blaue Stadt  

     der Palast von aussen...

           intensiv blau

       ...und von innen

         farbiger Markt

   Jodhpur, Jaswant Thanda

   noch immer kohlegeheizt

Am Sonntag ist es bei Ankunft in Jaisalmer, wie inzwischen gewohnt, noch dunkel. In der Morgendämmerung finde ich ein Hotel mitten in der sehenswerten Festung. Die aus Sandstein gebaute Burg thront malerisch über der Stadt. Da zu schlafen ist wohl bald nicht mehr möglich. Wegen fehlender Abwasserrohre wird die Basis langsam unterspült und es treten statische Probleme auf. Viele mussten ihre Häuser schon verlassen. Trotz Lage unweit der Grenze zu Pakistan mitten in der Wüste Thar hält es das Wetter nicht davon ab einen kühlen und regnerischen Tag einzulegen. Für mich ein Ruhetag. Das gilt vor allem ab Abend, wenn die Touristen verschwinden liegt über der Burg eine für Indien seltene Stille. Montag ist wieder schönes Wetter. Ich organisiere alles für morgen und erkunde auf selten begangenen Wegen die Festung, vor allem die Kletterei rund herum auf dem ehemaligen Wachgang macht Freude. Die Steine zur möglichen Abwehr von angreifenden Feinden liegen übrigens noch griffbereit. Später ein Bummel durch die Stadt, in der teils wunderschöne Havelis stehen, bis hinüber zum “Sonnenuntergang Aussichtspunkt” auf einem Hügel. Von da hat man ungelogen einen wirklich tollen Blick über Festung und Stadt.

Jaisalmer                 

       die Festung Jaisalmer

         Sandsteinmauern

vor den Toren: Gadi Sagar See

Dienstag sehr früh aufstehen, 6.30 Uhr startet der Jeep vom Veranstalter Trotters. Mit im Auto sitzen Rowan und David, so wie ich unterwegs zur ersten Kamelsafari ihres Lebens. 30 km außerhalb treffen wir auf Gowinda, unser Führer und Koch, sowie drei Kamele. Der kleine Radju wird mein Reittier. Das Frühstück nebst sehenswertem Sonnenaufgang, dann  starten wir in die Wüste Thar. Es geht gemächlich voran. Mittag machen wir bei der Hitze eine lange Pause im Schatten eines der hier seltenen Bäume. Gowinda zaubert unter einfachsten Bedingungen ein schmackhaftes Essen auf die Decke. Ein mit etwas Bruchholz betriebenes Feuer hilft. Derweil schauen wir uns um. Die Wüste bietet überraschend einigen Bewuchs und wird sogar landwirtschaftlich genutzt. Für uns bei der derzeitigen Trockenheit schwer vorstellbar. Nachmittags wieder einige Stunden Kamel reiten, bis wir am Abend an den großen Dünen auf andere Grüppchen stoßen. Gemeinsam genießen wir den Sonnenuntergang bei kühlem Bier (!), organisiert von unseren Führern zum selben Preis wie in der Stadt. Später essen wir zusammen am Lagerfeuer. Geschlafen wird unter dicken Decken direkt auf den Sanddünen und unter den Sternen, ein echtes Gefühl von Abenteuer. Mittwoch mit dem Sonnenaufgang frühstücken und weitere Stunden auf dem Kamel, was für manche, da ungewohnt, nun anstrengend und schmerzhaft wird. Abgesehen vom Muskelkater im inneren Oberschenkel geht es mir aber gut. Am späten Nachmittag sind wir zurück in Jaisalmer, geschafft von der Sonne und dem ungewohnten Reiten. Ich kann im Hotel noch duschen und ausruhen. Mit dem nächsten Nachtzug auf nach Bikaner, weiter nördlich in der Wüste Thar.

Haveli in Jaisalmer   

Abendstimmung mit Mond

     Aufbruch in die Wüste

           Wüstenhotel

             “mein” Radju

  seltener Besucher: Eisvogel

           Wüstenküche

           Wüste Thar

10. Woche vom 5. bis 11.März 2015
Donnerstag Morgen die Ankunft in Bikaner, wo sich nach einigem Suchen ein nettes Hotel findet. Das Wetter wie gestern: toll, mit einer erbarmungslosen Sonne, Wüstenklima eben. Was mich gewaltig nervt ist der chaotische und laute Verkehr. Nach einer kurzen Nacht im Zug und den letzten beiden Tagen in der Stille der Wüste fällt es schwer Gehupe und Gedränge zu ertragen. Selbst durch die schmalen Gassen der Altstadt sausen Motorräder und machen den Stadtspaziergang kaputt, auch wenn da sehr schöne Havelis stehen. Nachmittag ziehe ich mich auf Grund einiger Regenschauer ins Hotel zurück. Freitag ist DER Tag der Tage hier, Höhepunkt vom Holi Fest. Praktisch alles hat geschlossen und es wird schon zum Frühstück schwierig einen geöffneten Stand an der Strasse zu finden, von Restaurants ganz zu schweigen. Ausgelassen feiern die Leute das Frühlingsfest mit viel Farbe. Das sehr intensive Farbpulver gibt es an jeder Ecke zu kaufen und wird von jedem großzügig an andere verteilt. Nach ein paar Stunden in den Strassen der Stadt sehe ich so bunt aus wie noch nie zuvor – und wäre bereits völlig betrunken, hätte ich jede Einladung der überaus freundlichen Leute angenommen. Andere Touristen sind weit und breit keine zu sehen, ich bin scheinbar der einzige in der Stadt. Nach der Rückkehr ins Hotel können meine Sachen, inklusive Unterhose, gleich in den Müll. Die zu waschen hätte wenig Sinn, so voller Farbe würden sie nur alles andere ruinieren. Mein Körper wird dann mit jeder Dusche etwas sauberer, letzte Farbreste halten sich allerdings hartnäckig noch einige Tage. Was für eine denkwürdige Feier.

         Haveli in Bikaner

         Tempel in Bikaner  

               Holi Fest

 nie war ich bunter

Am späten Abend komme ich im Schutz der Dunkelheit ohne weitere Farbattacken zum Bahnhof, wo es auch was zu essen gibt. Mitternacht fährt der Zug in den Norden, Richtung Himalaya. Die Landschaft verändert sich im Laufe des nächsten Tages und wird ein ganzes Stück grüner. Der Zug braucht dreizehn Stunden bis nach Pathankot, wo ich etwas esse und gleich in den Bus steige. Über drei Stunden quält der Fahrer das alte Fahrzeug auf immer schmaleren und schlechteren Strassen hinauf nach Dharamsala. Unterwegs beginnt es zu regnen und bei der Ankunft im Dunkeln ist nur ein Taxi für das letzte Stück sinnvoll. Das kostet 200 IRP für steile 4 km. Weil die Hauptzufahrt gebaut wird quält sich auf einer zu schmalen Strasse eine schier endlose Schlange Autos rauf wie runter. Ohne Rücksicht wird gedrängelt was das Zeug hält. Mal wieder der traurige Beweis das im Stau sich jeder der Nächste ist. Geschlagene 40 Minuten dauert die Fahrt nach Mc Leod Ganj, ein Dorf auf 1.800 m Höhe am Rand des Himalaya. Enge verstopfte Gassen, verbaute Hügel  und Sitz des Dalai Lama samt Exilregierung. Alles sehr tibetisch, aber deswegen kaum schöner. Jedoch ist die Lage am Fuß mächtiger Berge genial. Geschafft von vielen Stunden teils hartem Transport und der letzten Taxifahrt trifft mich die Kälte hier oben wie ein Schlag. Erschöpft finde ich ein überraschend billiges  Zimmer und kann kurz vor Küchenschluss noch etwas essen. Danach eine warme Dusche und schnell unter die warmen Decken, nachts sinkt das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Sonntag erkunde ich die Umgebung und hoffe nach einigen Schauern, Gewittern und Hagel auf Wetterbesserung. Die gibt es am Montag, also ab in die Berge. Leider schneite es letzte Nacht bis auf 1.900 m herunter. Krass: vor ein paar Tagen schwitzte ich in der Wüste. Bei 2.400 m versperrt mir eine Lawine den Weg, also umkehren. Später schneit es und im ungeheizten Hotel, wie in fast allen Häusern hier, sind 11°C. Kein Grund länger zu bleiben.

Wasserversorgung Mc Leod Ganj

gefährliche Schneepfade

         am Weg gefunden

 die Berge des Himalaya so nah

Dienstag sehr früh aufstehen und zu Fuß die 4 Kilometer bergab nach Dharamsala. Die im Verhältnis hohen Taxigebühren spare ich mir lieber. Am Busbahnhof fällt die Entscheidung spontan gegen das geplante Kullu/Nagar, die Aussicht auf mehr Kälte und mieses Wetter behagt mir gar nicht. Stattdessen nehme ich den abfahrbereiten Bus nach Shimla, der 6 Uhr startet. Wie sich herausstellt, ein Expressbus. Der hält selten, macht nur zwei Pausen und schafft die 240 km in weniger als 7 Stunden. Das klingt langsam, doch die schmale Strasse windet sich die Hänge des Himalaya rauf und runter. 13 Uhr erreichen wir bei purem Sonnenschein das Ziel auf 2.200 m Höhe. Shimla hat 160.000 Einwohner, doch verteilt auf mit Kiefern bewachsene Hügel fühlt es sich eher an wie eine Kleinstadt. Die verkehrsfreien breiten Fußgängerzonen und steile Marktgassen bringen erholsame Ruhe. Im Gegensatz zum engen und total verbauten Dharamsala bzw. Darjeeling bekomme ich hier Luft und kann „atmen“. Schwierige Zimmersuche, das Preisniveau liegt höher, ganz im Gegensatz zum Qualitätsniveau. Als das geklärt ist, die Stadt erkunden, gut essen und einen schönen Sonnenuntergang erleben. Nach einer klaren und kalten Nacht ein sonniger Mittwoch. Im Zimmer sind früh 8°C! Beim Spaziergang in der Morgensonne fällt mir unwillkürlich Goethe’s „Osterspaziergang“ ein: wie herrlich die warme Sonne zu spüren. Shimla war früher ein Sommersitz der britischen Kolonialregierung, wenn es den Europäern in Dehli zu heiß wurde. Es stehen noch einige koloniale Gebäude, nur sind die meist dem Verfall preisgegeben. Trotzdem sehenswert, wie auch die vielen indischen Touristen, die sich hier teilweise wie auf dem Laufsteg präsentieren.

Scandal Point, Shimla   

     Shimla und Himalaya

  so britisch kann Indien sein

   Sonnenuntergang Shimla

11. Woche vom 12. bis 18.März 2015
Donnerstag aus Zeitgründen der Weg raus aus den Bergen. Mit der Schmalspureisenbahn 96 km hinunter nach Kalka. Von den Briten im 19.Jh. erbaut, helfen 102 Tunnel, 988 Brücken und 917 Kurven die 1.600 Höhenmeter zu überwinden, wofür der kleine Zug geschlagene sechs Stunden braucht. Für mich die beste Fahrt der Reise mit herrlicher Sicht auf den Himalaya. Die letzten Kilometer allerdings ein deutlicher Wechsel von den sauberen Bergen zurück ins laute und vermüllte Indien. Die Fahrkarte kam übrigens nur 25 Rupien, sprich 33 Cent (!). Der Touristenzug zwei Stunden später kostet das 10fache. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Nach Kalka „dreht“ der Tag leider komplett. Laut Plan ein Aufenthalt in Chandigarh, aber die Stadt ist von Anfang an nicht „meins“. Entstanden auf dem Reißbrett in den 60gern, besteht Chandigarh nur aus breiten, begrünten Autobahnen, die hässlichen Betonbauten von damals mehr oder weniger dahinter verborgen. Fußgängerfeindliche Strassen, dazu unfreundliche Leute und die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft erfolglos. Für eine miese Absteige 950 Rupien die Nacht? Nein danke. Planänderung. Der Weg zum Bahnhof zum ersten Mal im Land mittels Fahrradrikscha. Bei der Ankunft ein heftiger Streit, trotz vorab verhandelten Fahrpreis. Diese Stadt mag mich einfach nicht. Zwei zermürbende Stunden am Fahrkartenschalter warten, dann bekomme ich wenigstens einen Platz im Nachtzug nach Dehli. Passend zu diesem Tag wird es keine erholsame Fahrt.

die Schmalspureisenbahn

gemächlich durch den Himalaya

   ein Bahnhof in den Bergen

 Kleinverpackung-Müllwahnsinn

Mit der Ankunft am Freitag in den frühen Morgenstunden schließt sich ein Kreis, denn wie mein erster Zug in Indien ist auch der letzte eine Viertelstunde zu früh am Ziel. Ungewöhnlich für dieses Land, in dem Züge Strecken von bis zu 3.000 km zurücklegen und durchaus auch mal 11 Stunden Verspätung haben. Dehli: die frühe Ankunft erspart mir den Großteil der hier penetranten Rikschafahrer und nervigen Hotelschlepper. In den Strassen wacht die Stadt gerade auf. Müde Leute, ein paar Chai Verkäufer und erste Anlieferungen bzw. Säuberungen der Strasse, mehr gibt es noch nicht zu erleben. In der angepeilten Arakashan Road liegt dann ein Hotel neben dem anderen, was die Wahl eher erschwert als erleichtert. Doch ich finde ein passendes und lasse mich im Neha Inn nieder. Die letzten Tage in Indien deren Hauptstadt erkunden, welche sehr weitläufig ist und praktisch aus mehreren Zentren besteht. Das Wetter zeigt sich meist grau und regnerisch, doch ein paar Sonnenstunden sind auch dabei.

das Rote Fort, Dehli      

   die Jama Masjid Moschee

       das Indian Gate

           Baha’i Tempel

Dehli erscheint mir nach all den Erlebnissen weder besonders aufregend noch besonders schön, aber auch weniger schlimm als befürchtet. Die Straßenkinder bleiben auf Abstand und nicht alle Strassen sind hoffnungslos verstopft, wenn es im Zentrum Old Dehli auch Momente gab wo man nicht mal als Fußgänger vorwärts kam. Einige Sehenswürdigkeiten, allerdings teilweise von Touristen förmlich überrannt: das Rote Fort, vergleichbar mit dem in Agra, die Jama Masjid, größte Moschee Indiens mit einem Fassungsvermögen von 25.000 Menschen, das India Gate (eine Art „Arc de Triomphe“) als Kriegsdenkmal und der kreisrund angelegte Connaught Place mit vielen Geschäften. Sonntag ein Ausflug zum Baha’i Tempel, der ein ganz klein wenig an die Oper in Sydney erinnert. Dort werde ich fast Opfer von Taschendieben die als Gruppe arbeiten. Deren Taktik: künstliches Gedränge erzeugen, schnell zugreifen und verschwinden. Gut das mein Gespür für ungewöhnliche Situationen funktioniert und der Deuter Rucksack schwierig zu öffnen ist, so bleibt mir im Gegensatz zu manch anderen all mein Hab und Gut. Weit weniger beachtet und besucht: der schöne Lodi Garten, toll angelegt, gepflegt und mit sehenswerten Bauten aus dem 16. Jahrhundert.

Lodi Garten                 

 Alt-Dehli, verstopfte Strassen

     Strom? Kein Problem!

   typisch Indien: ein Thali

Dienstag, 17. März, letztmalig packen. Der Rucksack nun leichter, einige Sachen konnte ich aussortieren. Klima und die etwas andere Wäschebehandlung hier gehen ganz schön über das Material. Nach dem guten Hotelfrühstück auschecken und den Rucksack am Bahnhof zur Aufbewahrung geben. Weil das Wetter so schön ist ein letzter Ausflug. Mit der Metro auf die andere Seite des Yamuna Flusses zum Akshardham Tempel. Am Eingang Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, dann alles abgeben: Taschen, elektronische Geräte, Lebensmittel. Detektoren und Leibesvisitationen stellen das sicher. Fühlt sich fremd und steril an, doch einmal auf dem Tempelgelände ändert sich das schnell. Was für eine Anlage! Großzügig, gepflegt und einfach nur wunderschön. Ich bin tief beeindruckt. Die Fotos davon sind aus einem Prospekt, drinnen ist fotografieren streng verboten. Ein genialer Abschluss einer abenteuerlichen Reise. Abends mit der Metro zum Flughafen und pünktlich mit Etihad nach Zürich.

     der Akshardam Tempel in Dehli, was für eine Anlage

     wie aus dem Bilderbuch

ein Meisterwerk der Superlative

Das Schlusswort fällt diesmal mager aus...
...was jedoch nicht an der Reise oder dem Land liegt. Es ist inzwischen einfach schon viel Zeit seit meiner Rückkehr vergangen und irgendwie hat man alles schon mal gesagt oder geschrieben. Nichtsdestotrotz war es eine sehr abenteuerliche und äußerst interessante Reise. In den 11 Wochen bin ich fast 11.000 km durch Myanmar und Indien gereist, da sieht man ein gutes Stück dieser Länder. In Myanmar stößt man allerdings bald auf unsichtbare Grenzen, nach wie vor ist ein Großteil des Landes nicht für ausländische Touristen zugänglich. Das was möglich ist macht jedoch Lust auf mehr. Landschaft, Kultur und Abenteuer gibt es für kleines Geld. Und Indien? Kann man locker mit zwei Worten beschreiben, die auch offiziell der Werbeslogan des Landes sind:
Incredible India! An jedem neuen Ort und hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung, egal ob positiv oder negativ. Wenn man  die Menschenmassen, den Müll/Dreck und das Chaos ausblenden kann, was mir überraschenderweise fast immer gelang, bleibt ein ehrliches Staunen. Der Transport zu Beginn als das größte Problem. Wenn man dann weis wie es funktioniert klappt es mit etwas Vorlauf wie am Schnürchen. Das Essen im Norden fast ausschließlich vegetarisch, was mir in dieser Auswahl und mit dem Geschmack nicht das geringste ausgemacht hat. Die Preise niedrig, die Menschen freundlich und das Klima im hiesigen “Winter” erträglich. Wer etwas sucht findet überall eine sehr preisgünstige und trotzdem saubere Unterkunft. Also alles in allem 5 Sterne für eine backpackerfreundliche Reise. Unschönes Mitbringsel bei mir: ein Antibiotika resistenter Parasit der mich noch fast ein halbes Jahr lang nach meiner Rückkehr geärgert hat.