2006 ist Kanada Ziel meiner Reise, eine eindrückliche Zeit zwischen Atlantik und Pazifik, Zivilisation und Natur

Neben an die Karte von Kanada mit eingezeichneter Reiseroute:

Es kamen in weniger als sechs Monaten mehr als 27.000 km auf den Strassen des Landes zusammen...

1. Woche vom 9. bis 15. Mai 2006:
Dienstag, nach einer problemlosen Fahrt erreiche ich den Flughafen Frankfurt/Main. Willkommen im modernen Zeitalter, dank E-Ticket checkt man mit der Kreditkarte am Automaten ein und druckt den Bordpass selbst aus. Gepäck abgeben, die üblichen Sicherheitskontrollen und schon sitze ich im Flieger nach London Heathrow. Im chaotischen Flughafen umsteigen und 15.30 Uhr wieder starten. Mein Sitz ganz hinten am Fenster, welcher mehr Platz nebst herrlichem Blick auf unsere Erde bietet. Das Wetter bleibt ruhig, und häufig liegt der Ozean wie fein genarbtes Leder unter uns. 800 km vor der Küste von Labrador dann erste Eisfelder. Tausende von weißen Punkten auf dem Meer, von so weit oben so groß wie Konfetti. Die Küste von Labrador taucht komplett vereist auf, erst weiter im Landesinneren wechselt die Farbe der Landschaft von Weiß zu Braun. Pünktliche Landung in Toronto. Alles problemlos - bis ich zum Einreisebeamten komme. Zig Fragen, zig verlangte Erklärungen und auch das Durchwühlen vom Gepäck machen die Einreise zu einem Nervenkrieg. Glücklicherweise steht mein Englisch auf sicheren Füßen, sonst wäre ich wohl durchgefallen. Toronto: das gebuchte Hostel ist schnell gefunden, ein kleines, altviktorianisches Gebäude mitten in Chinatown. Schilder sind hier meist auf chinesisch und englisch, die Bewohner freundlich und multikulturell. Sieht fast so aus als gäbe es hier nur Ausländer. An der Strasse liegen vietnamesische, italienische, japanische und griechische Läden in trauter Nachbarschaft. In den ersten Tagen gewöhne ich mich ein und besorge mir: kanadisches Handy, mobilen CD-Player und Haarschneider, was in Kanada alles auf 110 Volt läuft. Außerdem die Suche nach einem gebrauchten Auto, wobei ein größeres Problem auftaucht: die nötige Versicherung! In der Provinz Ontario zahlt man die höchsten Prämien im Land. Ein halbes Jahr kostet mich wenigstens 2.300 CAD (CAD - kanadische Dollar, rund 1.650€). Zu viel für mein Backpackerbudget. Nach vielen Telefonaten und Gesprächen steht dann fest: ich sollte in die nächste Provinz, Manitoba, gehen, wo das Ganze “nur” 600 CAD kostet. Die 2.000 km dahin sind kein Problem: Bei Air Canada einen günstigen Flug buchen und alle Pläne auf den Kopf stellen.

Willkommen in Kanada      

     erste Eindrücke von Toronto - bei jedem Wetter

2. Woche vom 16. bis 22. Mai 2006:
Wieder ist Dienstag, wieder fliege ich. Die zwei Stunden nach Winnipeg sind schnell geschafft. Im europäischen Maßstab fliege ich von Berlin nach Moskau, will dort ein Auto kaufen und zurück nach Berlin fahren! Toronto bleibt im Regen zurück, Winnipeg empfängt mich mit Sonne und sommerlichen Temperaturen. Ich schaue mich praktisch sofort nach einem Auto um. Dienstag und Mittwoch der Besuch bei Händlern. Das frustrierende Resümee am Mittwoch Abend: zu teuer oder zu schrottig. Donnerstag der Versuch bei Privatleuten. Ab 10 Uhr bringt mich das hiesige Busunternehmen wie gestern kreuz und quer durch die Stadt. Am frühen Abend steht noch kein Ergebnis, doch zwei Chancen bleiben. Eine am Westende der Stadt, die andere im Nordosten. 21 Uhr bin ich John. Um es kurz zu machen: Der Handschlag nach einer halben Stunde. Ein 96er Chevy, etwas old-style, aber gut in Schuss und nur 130.000 km auf dem Tacho. Die Maschine ist mit 2.200 cm³ für hiesige Verhältnisse klein, doch damit hoffe ich auf einen niedrigen Benzinverbrauch. In Kanada sind wir bei 0,80 € für den Liter Benzin. Klingt wenig, aber vor zwei Jahren waren es noch 0,40 €. Der Preis fürs Auto bleibt im Budget: 2.900 CAD. Am Freitag will ich alles erledigen, doch Bank und Plastikgeld spielen nicht mit. Aber John zeigt sich hilfsbereit und erledigt mit mir schon den Papierkram nebst Versicherung. Den Rest verschieben wir auf Montag. Kopf und Herz sind nun frei und so kann ich am Wochenende Urlauber spielen. Samstag Abend gehe ich aus, aber Winnipeg ist trotz seiner Größe ein Provinznest, sprich es ist wenig aufregend. Montag wickle ich mit John alles ab. Wir verstehen uns und gehen gemeinsam essen. Er freut sich das ich in ein paar Wochen wieder nach Winnipeg kommen will und lädt mich schon heute zu sich ein.

Winnipeg: eine Fußgängerbrücke und die Ruine der Basilika 

     nein, nicht mein Auto

 das ist John und mein Chevy

3. Woche vom 23. bis 29. Mai 2006:
Dienstag 6 Uhr geht die Reise richtig los. Gepäck ins vollgetankten Auto, raus aus der Stadt und rauf auf den Highway. Der ist schnurgerade und bald sehr einsam. Mit 90 km/h und Tempomat “rase” ich gen Osten. Der Chevy hat eine 3-Gang Automatic, so bin ich an der Ampel keineswegs der schnellste. Der Highway ist nicht mit unser Autobahn vergleichbar, ab und an kreuzt ohne Hinweis eine Straße, manchmal taucht plötzlich eine Ampel oder ein unbeschrankter Bahnübergang auf. Zum ersten Mal sehe ich einen dieser ellenlangen Züge und höre im Radio bald nur noch Rauschen. Im schönsten Sonnenschein vorbei an unzähligen Seen. Abends treffe ich nach 700 km Fahrt in Thunder Bay ein. Der Chevy läuft problemlos und braucht nur 7 Liter auf 100 km. Die Nacht in einem ruhigen Hostel vor der Stadt, das Willa gehört. Ich sitze gerade in einem ihrer drei gemütlichen Wohnräume. Mein Zimmer fühlt sich an wie ein Zuhause und kostet nur 20 CAD (1 € = 1,40 CAD, kanad. Dollar). Mittwoch ein Streifzug durch die Gegend, wobei außer dem Kakabeka Wasserfall wenig erwähnenswert ist. Am Abend erkunde ich mit Sigrid, einer deutschen Backpackerin, den Wald am Lake Superior. Nach zwei Stunden kennen wir die Biester hier, Moskito und Black Fly sind abartig. Sie geben keine Ruhe und holen sich erbarmungslos ihr Blut. Ich ähnle teils einem Streuselkuchen. Donnerstag 7 Uhr mit dem Auto weiter. Im Ouimet Canyon laufe ich über eine 200 m lange Hängebrücke  Eintritt: 14 CAD. Es dauert, sich daran zu gewöhnen das jeder Park Eintritt kostet. Weiter auf der Strasse. Bei schwülen Temperaturen, gut das das Auto eine Klimaanlage hat, 700 km am Lake Superior entlang durch Wald, Wald, Wald. Bei Pausen stets vor Ort: Moskitos. Die können einem den Tag draußen wirklich vermiesen, wobei es im Juni am schlimmsten sein soll. Abends die Ankunft in Sault Ste. Marie. 75.000 Einwohner, ein Hostel. Und was für eins! Frauen würde ich abraten da allein zu übernachten. In dem abgewohnten Hotel könnten manche Bewohner auch aus einem Psychothriller stammen. Die Zimmer uralt, aber sauber. Die Küche, mit dem alten zehnflammigen Herd von früher, ist abgeschlossen und für den Schlüssel muss man fast den Reisepass als Pfand abgeben

   der Kakabeka Wasserfall  

 Quimet Canyon

           Lake Superior

         auf dem Highway

Wider Erwarten war es eine ruhige Nacht. Heute Sault Ste. Marie. Leider kaum sehenswert, auch nicht die Schleusen zwischen Lake Superior und Lake Huron. 12 Uhr Weiterfahrt nach Osten. Die Sonne scheint und es ist heiß. 17 Uhr in Sudbury mit seinen 70.000 Einwohner. Problem: Übernachtung. Kein Hostel, die B&B’s mit Anrufbeantworter rufen nicht zurück und das Internat der Uni hat zu. Ein Campingplatz hilft: auch ohne Zelt kann ich bleiben. Duschen nach diesem Tag tut echt gut. Die Nacht im Auto kaum gemütlich, aber okay. Samstag erneut schönster Sonnenschein. Vormittag das Science North Museum in Sudbury. Nett, informativ und abgefahren, mit Ungeziefer in einer nie gesehenen Größe. Am Nachmittag ins 250 km entfernte Orillia, eine kleine Stadt zum Verlieben. Gut gelegen am Lake Simcoe, mit Strand, kleinen Restaurants und Bars. Mein Hostel ein altes Haus, mit passenden Gastgebern, 1958 aus Deutschland ausgewandert. Das gibt was zu erzählen. Zum Schmunzeln: die Küche,außerhalb des Hauses, wird 21 Uhr abgeschlossen. Sonntag eigentlich am Strand faulenzen, aber Petrus spielt nicht mit. Wie unfair: wenn ich im Auto saß und lange Strecken fuhr, war bis jetzt immer das schönste Wetter. Montag die letzten 150 km bis Toronto. Das Wetter hat komplett gedreht, zurück zu Kaiserwetter. Schwitzend treffe ich im bereits bekannten Hostel ein. Der Verkehr war trotz Großstadt erträglich. Am Nachmittag will ich meinen Freund Andreas mit dem ÖV vom Flughafen abholen, aber die streiken gerade heute. Also mit dem Auto durch die Stadt. Am Abend erwarten uns im Hostel neue Freunde, Claudia und Nils aus Erfurt.

in Orillia                      

Andreas und ich           

           heißes Teil...

         Skyline Toronto

     Hauswand in Toronto

       Blick in 346 m Tiefe...

 Zeitungsautomaten in Toronto

 Toronto Downtown von oben

4. Woche vom 30. Mai bis 5. Juni 2006:
Ab heute bin ich vier Wochen lang mit Andy unterwegs. Bei 34°C Sightseeing in Toronto. In den Malls mit Klimaanlage können wir aber gut Verschnaufen. Durch die Stadt bis runter zum Hafen und dort mit der Fähre zu drei kleinen Inseln vor der Küste. Nett. Eine lange Mittagspause im Schatten der Bäume, die Sonne brennt mörderisch. Dann im Lake Ontario, 400 km lang, bei 16°C Wassertemperatur anbaden. Weiter zum CN-Tower. Volle Höhe: 553m, die 1. Plattform bei 346m. Die Aussicht könnte klarer sein, dafür ist das Stehen auf dem Glasfußboden ein echter Nervenkitzel. Bei der Hitze reicht das für heute. 20 Uhr mit Nils und Claudia vietnamesisch essen gehen. Später in eine Bar mit Live Programm: offenes Mikrofon. Wer will darf für zwei Lieder ran. Manche sind richtig gut, andere weniger. Ein witziger Abend der spät endet. Dienstag auf nach Süden. Das Wetter drückend warm. Zwei Stunden brauchen wir bis Niagara Falls. Im Hostel einchecken und gleich zu den Fällen. Die sind wirklich beeindruckend. Ich hätte sie mir lauter vorgestellt, aber sie sind mächtig. Zig Fotos werden geschossen, und es geht mit dem Schiff bis fast direkt darunter. Trotz Plaste - Poncho eine nasse Angelegenheit, aber bei der Temperatur äußerst angenehm. Nachmittag laufen wir zu einem gigantischen Whirlpool weiter stromabwärts. Mit dabei: eine ständig stärker werdende Sonne. Abends gibt es im Hostel Burger vom Grill. Kurz ausspannen und wieder zu den Fällen, die nachts farbig angestrahlt werden. Programmabschluss: wir bummeln durch die Neonstadt mit all ihren Casinos, Bars und Tourifallen. Laut, bunt und amerikanisch.

Niagara Fälle und Lutz    

  den Niagara Fällen ganz nah

         vom Schiff aus

           bunt bei Nacht

Aufbruch am Mittwoch, das Wetter grau und regnerisch. Über Toronto nach Nordosten, wo wir nach 400 km Fahrt in Kingston eintreffen. Nach heftigen Schauern wird es bei angenehmen 22°C wieder besser. Das B&B auf dem ausgedienten Eisbrecher ist leider ausgebucht und ein Hostel gibt es nicht mehr, trotz existierender Telefonnummer. Wir landen schließlich in einer riesigen Studentenunterkunft auf dem Campus, die zur Ferienzeit vermietet wird. Großes Zimmer zu zweit, für stolze 80 CAD die Nacht. Keine Küche, dafür Frühstück inklusive. Beim Rundgang landen wir in der campuseigenen Cafeteria, wo am Abend Schulgruppen essen, die heute auch hier schlafen. Ein Schwatz mit der Frau am Einlass, höflich und charmant wie man mich kennt, und wir sind kostenlos mit dabei. Das Buffet bringt uns den vollen Magen. Hinterher ein Spaziergang durch Kingston. Hübsche alte Häuser und Kirchen aus Kalkstein, gebaut vor über 100 Jahren. Donnerstag ein all-you-can-eat Frühstück in der  Cafeteria, diesmal offiziell. Eine Nebenstrasse bringt uns dann nahe an den St. Lorenz Strom mit seinen 1.000 Inseln. Wie definiert man hier Insel? Mindestens ein Baum steht darauf und die Insel schaut das ganze Jahr aus dem Wasser. Gemütlich fahren wir die 200 km nach Ottawa, der Hauptstadt von Kanada. Die reservierte Unterkunft: ein Gefängnis aus dem 19. Jh. Die Zimmer in original Zellen - mit Gitterstäben. Die engen Todeszellen sind nach wie vor im Keller, schon ein wenig gruselig. Die Stadt? Viele alte Gebäude, vor allem die Basilika ist überwältigend. Wir besuchen das oberste Gericht von Kanada und dürfen live in eine Gerichtsverhandlung schauen. Am regnerischen Samstag sehen wir das Parlamentsgebäude von innen, inklusive Senat und Volkshaus. Dann vier Stunden im Kriegsmuseum. Geschichte, Technik und das Auto von “Adolf” begeistert den Jungen in uns. 18 Uhr wartet im Hostel “echte” Männerarbeit: Kochen und Waschen. Die Wäsche hat es überlebt, wie auch unser Magen ;-).

das ist eine Insel          

     unser Hostel, der Knast

 Ottawa, Parlamentsgebäude

  Ottawa, die Bibliothek

Ruhelos geht es am Sonntag weiter. Wetter: Sonne pur bei 25°C. Heute nur 200 km bis Montreal. Die Stadt entpuppt sich als Auto feindlich. Sperrungen, Umleitungen, keine Parkplätze. Der Weg zum Hostel wird zum Kampf. Am Nachmittag schlendern wir umher. Viel Autobahn, viel Beton. Selbst der Park Mount Royal, daher der Name “Montreal”, ist eher bescheiden, abgesehen von einem Treffpunkt für Hippies. Einige davon sind wahrscheinlich schon seit Jahren nicht clean. Abends finden wir dann einen kleinen Marktplatz mit Künstlern und netten Bars. Montag Montreal total. Die Sonne brennt mit 30°C vom Himmel und wir geben alles. Hafen, Quartier Latin, Olympisches Stadion und schließlich Downtown, um ein Stockwerk tiefer die Stadt unter der Stadt zu sehen. Verbunden durch breite Gänge voller Restaurants, Läden und Leben führen hier mehr als 30 km Wege von einem Hotel und Kino zum anderen. Stark. Der späte Ausflug zum Hafen wird zur Show. Das Lichtermeer in allen Farben zeigt eine Skyline von neu und alt. Trotz alledem finden wir Montreal insgesamt nicht so aufregend wie die anderen großen Städte hier.

alt und neu in Montreal: Kirche Notre Dame, Olympiastadion, Wohnblock nach Le Corbusier 

     Quebec, das Chateau

5. Woche vom 6. bis 12. Juni 2006:
Dienstag: Hitze, Sonne und 300 km langweilige Autobahn. Das Auto läuft wie am Schnürchen. Quebec: ein alter, aufregender Stadtkern mit kleinen Straßen und Gassen. Unsere Unterkunft liegt mitten drin, was Fahren und Parken schwierig macht. Das Hostel Klasse, fast schon ein Hotel, nur die Küche bietet wenig. Die Stadt? Der Hammer. Wir vergeben beim bummeln durch die Gassen Höchstnoten. Wie in Frankreich: kleine Läden und Cafes, dazu Kunst und Künstler überall. Die alte Zitadelle thront über der Stadt, wie auch das präsente Chateau. Leider wechselt am Mittwoch das Wetter. Kalter, starker Wind pustet Wolken wie D-Züge über den Himmel. Wir bleiben unbeeindruckt, schlendern durch die Stadt, den Hafen und einen riesigen Park. Beim Einkauf im Supermarkt ein paar Dosen Bier. Unglaublich: Als günstigstes steht “Wernesgrüner”, made in Germany, im Regal. Ein Wort zum Alkohol: Bier gibt es nur im Beerstore, nicht im Supermarkt. Ausnahme: die Region Quebec. Im Pub hat man die Wahl zwischen acht gezapften Bieren. Der halbe Liter (ein Pint: 460 ml) schlägt mit heftigen 5 bis 6 € zu Buche. Eine schlechte Wettervorhersage, Regen und niedrige Temperaturen, verleitet uns die nächsten beiden Tage auf dem Highway zu verbringen.

Quebec, in der Altstadt und ein Inuksuk der Inuit       

   Wasserfall Montmorency

         Halifax im Nebel

Donnerstag ein Abstecher zum Montmorency Wasserfall, nordöstlich von Quebec. Dann 700 km Strasse, wie versprochen mit stürmischen Wind, Schauern und Nebel. Am Abend Eintreffen in Fredericton. Das Hostel nett und fast leer. Zum Abendessen ein Steak, schön medium und zart. Dann Video schauen, “Panic Room” ist das richtige bei diesem Regenwetter. Freitag nach Novia Scotia. Das Wetter unverändert. Ein Halt in Moncton, Touristenfalle Magnetic Hill: ein Hügel sieht aus als würde er bergauf führen, man rollt aber bergab. Die bestimmt interessante Bay of Fundy wollen wir auf dem Rückweg besuchen, da ist hoffentlich besseres Wetter. Als wir Nova Scotia erreichen, wird es schöner. Dazu eine sehenswerte Landschaft mit Hügeln, Bergen und sattgrünen Wäldern. 470 km nach Fredericton treffen wir in der Provinzhauptstadt Halifax, 100.000 Einwohner, ein. Das Wetter wieder grau in grau. Im guten Hostel will ich dann nur noch essen und schlafen. Ich bin bei der Autoversicherung als einziger Fahrer eingetragen und muss deshalb immer fahren. In den 18 Tagen seit Winnipeg waren das 4.800 km. Da ist eine Pause nötig, wozu sich die beiden nächsten Tage anbieten. Das Wetter bleibt mies und neben kurzen Spaziergängen hängen wir im Hostel ab. Lesen, PC und Fußball WM im TV. Die Hoffnung auf besseres Wetter hält uns bei Laune. Montag 8 Uhr der Neustart. Ein grauer Himmel, aber nach 30 km die ersten Wolken Lücken. Immer an der Küste entlang cruisen wir nach Süden. Malerische Fischerdörfer wie Peggys Cove, Chester und Lunenburg sind eine Pause wert. Der Kejimkujik Provincal Park hält uns mit seinen Stränden und dem inzwischen strahlend blauen Himmel  länger auf. Am Abend treffen wir nach 400 km in Yarmouth ein. Das Hostel sieht von außen ziemlich heruntergekommen aus, entpuppt sich aber im Inneren als kleines Juwel.

                 das malerische Dörfchen Peggys Cove        

             Lunenberg

         im Kejimkujik Park

6. Woche vom 13. bis 19. Juni 2006:
Dienstag, Sonnenschein. 9 Uhr sind wir bereits raus aus der Stadt. Die Orte am Weg gehen ohne sichtbare Grenze ineinander über. Ein Ortskern ist kaum erkennbar, meist liegen die Grundstücke an der Strasse, mit 50 bis 800 Metern Abstand zwischen den Häusern. Kein Zaun, überall perfekt gemähter Rasen. Die Wohnfläche scheint häufig nur 60 m² zu betragen. Wenige Häuser sind größer, dafür aber alle schön bunt. Bei Digby nach Süden abbiegen und fast die ganze Strecke auf einer immer schlanker werdenden Halbinsel wieder zurück fahren. Zwei mal hilft die Fähre weiter, dann sind wir in Westport auf Brier Island, 7 km lang und 3 km breit. Im Dorf die Tanke, Supermarkt, Baumarkt und Cafe in einem. Unser Hostel ein Kleinod. Beim Check-in plötzlich Zeitdruck, denn die gewünschte Walbeobachtungstour startet in 15 Minuten. Rechtzeitig sind wir auf dem kleinen Schiff, das mit 30 Touristen an Bord nur halb voll ist. Mit der Entfernung vom Land wird es kälter, trotz Sonne. Nach einer Stunde heißt es: Wal voraus. Ein Buckelwal mit 15 Meter Länge taucht auf. Herrlich. Auf dem Boot bricht die Fotomanie aus. Dem Wal folgen wir eine halbe Stunde, sehen ihn immer wieder auf- und abtauchen. Der Kapitän versucht eine weitere Stelle. Dort passiert lange nichts, dann erneut der Ruf: Wal voraus. Diesmal sind es sogar drei Buckelwale, die manchmal nur fünf Meter neben dem Schiff schwimmen. Genial. Nach vier Stunden sind wir zurück im Hafen. Im Hostel sind wir die einzigen Gäste. Abendessen auf der großen Terrasse im Sonnenschein. Später fahren wir für den Sonnenuntergang zu einem der Leuchttürme. Mittwoch wollen wir ausschlafen, doch das Nebelhorn des nahen Leuchtturms weckt uns. Also auf und die Insel erkunden. Der Weg entlang der Küste beschwerlich und kaum aufregend, trotzdem vergeht der halbe Tag. Am Nachmittag sehen wir in einer Bucht mit welcher Macht hier die Gezeiten wechseln. Zwischen Ebbe und Flut liegen mehr als zwei Meter Wasserhöhe. Da ist viel in Bewegung.  

                   ein Besuch bei Familie Buckelwal           

                           Impressionen am Meer

Donnerstag um 6 Uhr auf und los. Die Wettervorhersage war gut, doch die Tatsache ist nur nass. 50 bis 70 Liter Regen pro m², dazu ein halber Sturm. Wir fahren nördlich in Küstennähe bis Pictou. Die 500 km schaffen wir ohne große Pause. In Pictou das etwas andere Hostel. Etwas schmuddelig, alt und mit dem Geruch von fünf Katzen. Auf den Speiseplan kommt Chili con Carne, denn EIN sauberer Topf ist zu finden. Tags darauf hat der Wetterbericht recht: starker Wind, aber keine Wolken. 10 Uhr sitzen wir im Auto und fahren 350 km nach Cape Breton Island, ganz im Norden von Nova Scotia. Bei schönem Wetter lassen wir uns Zeit und cruisen fast immer am Meer entlang. Die Landschaft, mit zerklüfteter Küste und steilen Klippen, ist sehenswert. Dazu kleine Fischerdörfer wie Pleasant Bay, wo wir bleiben. Schönes Hostel, herrlich gelegen. Abends treffen wir am kleinen Hafen einen Fischer. Der macht uns nach einem Gespräch Hoffnung für morgen. Samstag 3.30 Uhr der Wecker, eine Stunde später sind wir am Hafen. Es dauert nur Minuten, bestimmt wurde er von seinem Kollegen vorgewarnt, und wir stehen bei Kapitän Bernard und seinem Fischer Joseph an Bord. Das Abenteuer: Hummer fangen. Gut, wir schauen nur zu, denn ungelernt wären wir den beiden ständig im Weg. Wir sind aber live dabei wenn die rund 300 Reusen an Bord gehievt, die Hummer herausgeholt und die Fallen neu bestückt werden. Kein toller Fang heute, doch nach dem gestrigen Sturm war das absehbar. Auf dem Weg zurück holen wir ein Netz mit 400 kg Heringen ein. Der wird als Köder verwendet, und ist hier als Speisefisch nichts wert. Zum Abschluss darf ich ans Steuer und bringe das Schiff in Richtung Hafen. 14 Uhr sind wir zurück und bekommen zwei Hummer mit auf den Weg. Bei einem Spaziergang an der Küste sehen wir einen Buddhatempel. Zum Abendessen gibt es leckeren Hummer.

Hummerjagd mit Reusen 

         Hering als Beifang

“Kapitän” Lutz ;-)

  unser Abendessen - noch lebend

Sonntag besuchen wir den Cape Breton Highland National Park. Eintritt: 7 CAD pro Person und Tag, nebst Prozedere. A5 große Eintrittskarten, deren Nummer mehrfach notiert werden. Damit darf man die Wege nutzen, die im Park mit 950 km² nur 80 km in Addition betragen. Ein durch-den-Wald-gehen ist übrigens fast unmöglich, dafür ist der Bewuchs einfach zu dicht. Besondere Tierwelt: der kleine Stock auf dem Weg entpuppt sich als Schlange und wir begegnen einem riesigem Moose (Elch). Im Laufe des Tages sehen wir Fishing Cove, Benjis Lake und den Skyline Trail. Das waren 25 sehenswerte Kilometer. Störende Kleinigkeit Da sind sie wieder, meine Zahnprobleme. Seit Freitag wackelt die Krone des mir nur all zu bekannten Zahnes. Dentisten gibt es hier keine, also warten und hoffen das sich nichts entzündet. Montag ein früher Aufbruch. Bei herrlichem Wetter genießen wir die letzten Stunden auf Cape Breton Island. Am Nachmittag treffen wir nach 500 km in Moncton ein. Wir sind auf dem Weg nach Nova Scotia hier durchgekommen, hatten da allerdings schlechtes Wetter. Heute trotz Sonnenschein der erste Gang zur Tourismusinformation um einen Zahnarzt zu finden. Die junge Frau dort hilft gern, nur bekomme ich nirgends einen Termin. Eine Notfall Hotline will sich bemühen innerhalb eines Tages einen freien Zahnarzt zu finden. Also ein Hostel suchen. Der "C’mon" Backpacker entpuppt sich zwar als altes Haus, aber mit völlig überarbeitetem Innenleben und zwei jungen Leuten als Gastgeber Bewertung: eines der besten Hostels bisher. Ganz nebenbei liegt gleich um die Ecke die “Lutz”-Street, das finde ich witzig. 

Cape Breton Island          

   Aug in Aug mit dem Elch

   Cape Breton, letzter Blick

   “Lutz”-Strasse in Moncton

7. Woche vom 20. bis 26. Juni 2006:
Dienstag. Sonnenschein und 25°C. Ein Anruf am Morgen: Zahnarzttermin! Ergebnis des Besuches: Nichts entzündet, die Krone fest geklebt, die fälligen 110 CAD mit Kreditkarte beglichen. Mir ist wohler und wir können im Zeitplan bleiben. Ab ins Auto und 40 km südlich zur Bay of Fundy, wo der Unterschied zwischen Ebbe und Flut 12m betragen kann. Weltrekord! Bei  Ebbe läuft man auf dem trockenen Grund des Ozeans. Bei den Hopewell Rocks lohnt sich das, weil die Natur eigentümliche Felsformationen geschaffen hat. Einige sehen aus als würden sie bald umfallen. Sehr schön, nur das Wetter ärgert. In Moncton blauer Himmel und Sommer, hier kalter Wind und graue Wolken. Auf der kurzen Strecke sank das Thermometer um 10°C. Nach zwei Stunden zurück und 20 km weiter erneut strahlend blauer Himmel, 25 °C. Erklären kann uns das keiner. Mittwoch zeitig los. Angenehmes Reisewetter mit Schauern, erst später wolkenloser Himmel. Nach 840 km Fahrt sind wir platt. In Quebec sind beide Hostels voll, doch wir finden 30 km nördlich im Wald ein herrliches Blockhaus unter Schweizer Führung, halb B&B, halb Hostel. Ruhe und gesunde Luft garantiert. Donnerstag beim Frühstück ein langes Gespräch mit Besitzern. Wir kommen erst 10 Uhr los und stehen dann bei Montreal länger im Stau. Die Zeit wird knapp, denn unser Ziel liegt im Niemandsland hinter Ottawa. 650 km nach dem Start finden wir mitten im Busch das Esprit Hostel. Handy Empfang bei null. Dafür eine tolle Lage direkt am See. Das Essen um 22.30 Uhr. Diese rasende Reiserei strengt an. Freitag klingelt der Wecker 6.30 Uhr, dann eine Einweisung fürs Rafting. Den Ottawa River bezwingen wir im Laufe des Tages auf verschiedenen Kanälen. Mitten drin: Stromschnellen, 5m hohe Wasserfälle, Klippenspringen usw. Bei Sonnenschein erfrischt der Kontakt mit dem Wasser. Zwischendurch tauchen wir beim surfen an einer Welle komplett ab und vier von uns neunen spült es aus dem Raft. Cooler Tag, und mit unserer Mannschaft macht es richtig Spaß. Wir trennen uns am Abend nur ungern vom Ort und den Leuten, aber der enge Zeitplan schreibt uns weitere 230 km vor.

Hopewell Rocks in der Bay of Fundy, bei Ebbe entblößt   

     Baustelle Wanderweg ;-)

         unser Raftingteam

Auch das nächste Ziel lohnt. Am Eingang vom Algonquin National Park steht das Wolfs Den Hostel, ein Super Mix: Blockhäuser verstreut im Wald, offenes Wohnen. Wir bekommen das heute kaum mit. Ich sage nur: MÜDE. Samstag. Nach dem Frühstück Sachen für einen besonderen Trip packen und im Algonquin Park (14.000 km²) zum Campingausrüster Portage Store. Der vermietet uns Karte, Kanu und Zelt. Ins Boot und los. Die Sonne scheint vom tiefblauen Himmel und wir paddeln in die Wildnis. Im Park gibt es mehrere hundert Seen, teils mit Kanälen verbunden, teils mit Tragestrecken fürs Kanu. Die wenigen Touristen verlaufen (verkanuen?) sich bald und wir sind allein in der Natur. Ein wirklicher Traum. Stille, ruhiges Wasser und manches Tier. Wir sehen Moose, Biber, Schildkröte und leider jede Menge Moskitos. Die Viecher sind die Härte. Sobald man anlandet stürzen sie sich förmlich auf einen. Selbst böse Chemie hilft da nur zum Teil. Am späten Nachmittag wählen wir einen Campingplatz auf einer kleinen Insel. Die Stellen sind markiert, haben Platz für maximal neun Zelte, und bieten nur eine Feuerstelle. Wenn wenig los ist hat jede Mannschaft ihren eigenen Platz, so wie wir heute. Zelt aufbauen, Feuerholz sammeln und abspannen. Andreas geht Fischen und erwischt sogar ein paar, leider zu klein. Also gibt es Grillwürste am offenen Feuer. Bald im Schlafsack liegen während uns die Natur unterhält. Manche Vögel sind echte Krawallmacher, was bei dieser Stille auffällt. Es ist so ruhig, das wir die Flügelschläge der größeren Vögeln hören wenn sie über unser Zelt fliegen. Sonntag. Aufstehen und die Natur genießen. Das Wasser glatt wie eine Spiegelfläche. Wir paddeln bis zum späten Nachmittag durch den Park und treffen dabei mehr Moskitos als Menschen. Das tut dem Spaß keinen Abbruch, denn wir sind hart im Nehmen (ha, ha). Nach 30 km Paddeln geben wir die Ausrüstung ab und treffen eine Stunde später erschöpft im Hostel “Wolfs Den” ein. Das war ein geniales Wochenende! Montag müssen wir uns förmlich aus den Federn quälen, auch heute steht ein Plan. 11 Uhr sind wir auf dem Highland Trail im Algonquin Park, der 30km durch den Wald führt. Immer dabei: Moskitos. Trotz langer Sachen, Moskitonetz und Gifteinsatz geben sie keine Ruhe. Wir erschlagen heute mehr als 200 von ihnen. Erschlagen sind auch wir nach acht Stunden Laufen durch den Wald.

Algonquin National Park: der Start mit dem Kanu, ein Zeltplatz und die Stille am Morgen     

  der über das Wasser geht...

8. Woche vom 27. Juni bis 3. Juli 2006:
Dienstag großes Packen. Graue Wolken am Himmel und einige Schauer. Kühler wird es nicht, nur schwüler. Auf nach Toronto und Andreas 16 Uhr am Flughafen absetzen. Somit bin ich wieder allein unterwegs. In Toronto die Nacht im bekannten Hostel. Fühlt sich an wie nach Hause kommen. Die Skyline, die Strassen, das Hostel, alles bekannt. Am Abend ein Treffen mit Nils und Claudia, das erst 2.30 Uhr endet. Mittwoch 6 Uhr raus, die Flatrate vom Parkplatz läuft ab. Ausweichplatz wird ein Hinterhof, wo ich das Auto nie über Nacht stehen lassen würde. Die frühe Stunde nutze ich für Büroarbeit und werde Wwoofer Mitglied.  12 Uhr die Stadt verlassen. Der Himmel glimmt gelb durch Hitze und Dreck, Smogwetter. Nach 300 km bin ich im Wolfs Den und will erst mal kein Auto mehr fahren. Das Reisetempo war hoch, die Strecken lang. Aber Kanada ist nun mal riesig, und ohne den Druck mit Andreas Ende Juni wieder in Toronto zu sein, würde am Ende Zeit für die Rocky Mountains fehlen. Freitag 11 Uhr in einer Kneipe Fußball WM schauen. GER - ARG, kein schönes Spiel, aber gewonnen. 16 Uhr auf nach Westen. Die Strecke zieht sich. Nach 600 km gegen Mitternacht in Sault Ste Marie und drei Stunden im Auto schlafen. Der Morgen mit Regen und Nebel. Nach Mittag die Ankunft in Thunder Bay, anstrengende 1320 km sind Geschichte. Warum diese lange Etappe? Die Strecke ist bereits bekannt und es gibt kein gutes Hostel auf dem Weg. 1. Juli: Canada-Day. Es wird gefeiert was das Zeug hält, überall kanadische Farben und Flaggen. In der Stadt viel Programm und nachts ein großes Feuerwerk. Trotz Müdigkeit schaue ich mir das an. Übrigens ist der 1. Juli 2006 ein Meilenstein für das Land. Die GST (Teil der MWST) sinkt von 7% auf 6%. Nicht viel, aber welches Land senkt die MWST. Psychologisch viel wert. Sonntag Nachmittag fahre ich mit einem deutschen Backpacker, Jens, zum Pow Wow, dem Tanzfest der Indianer. Wer will kann stundenlang zum Klang der Trommeln mittanzen. Mit Jens sitze ich auch Montag im Auto, gemeinsam fahren wir die  700 km nach Winnipeg. Kühles  Wetter, das kann uns nur Recht sein. Zu zweit ist das eine kurzweilige Reise, und wir sind mit Uhrdreherei an der Landesgrenze von Manitoba um 16 Uhr in Winnipeg.

mein “Wolkentor” auf dem Weg nach Westen 

   Schulbus, unverwüstlicher                 Klassiker

     Pow Wow in Thunder Bay               DAS Tanzfest der Indianer

9. Woche vom 4. bis 10. Juli 2006:
Am Dienstag erholt aufwachen. Beim Chevy steht ein Ölwechsel an. Midas kenne ich schon aus Neuseeland, ist so was wie Pit Stop in Deutschland. Die 30 CAD für Arbeit und Material sind billig, nur sollte man das in Kanada alle 5.000 km machen. Grund: die Motoren sind schlechter als in Europa und Normalbenzin hat miese 87 Oktan, Super Clean gerade mal 91 Oktan. Midas prüft  den Chevy, beruhigend das sie wenig finden. Der Auspuff sollte noch 15.000 km halten und die Flüssigkeit der Servolenkung sieht etwas trüb aus. Nachmittag schaue ich mit Laura und Jens Fußball in einer Sport Bar, wo um 14 Uhr an einem Arbeitstag nichts los ist, Fußball spielt hier keine Rolle. Traurig das Deutschland verliert. Im Internet die nächste schlechte Nachricht: Jan Ullrich suspendiert. Wenn Vorbilder fallen, drückt das mehr als ein verlorenes WM-Spiel. Mittwoch will ich früh los, aber erst Jens helfen, dem sie das Fahrrad geklaut haben. Hinter Winnipeg beginnt die Prärie und damit das flache, trockene Land. Und wie flach! Hiesiger Witz: Läuft einem der Hund weg, sieht man ihn nach drei Tagen noch immer. Die Strassen sind wie mit dem Lineal gezogen, Hügel kaum 20 m hoch. Bei wenig Verkehr ein entspanntes Fahren. 200 km hinter Winnipeg ein Abstecher zum Spruce Woods Park. Eine Wüste macht sich hier breit, mit Dünen, Sand und Kakteen. Ab und an taucht wegen Lehmschichten aus dem Nichts ein Teich oder Bach auf, das gefällt. Drei Stunden später wieder Highway. Der Himmel nun ein undefinierbares Weiß. Drückend schwül, unangenehm. Die 600 km bis Regina dauern. Vorteil: die Uhr an der Grenze zu Sasketchwan rückwärts drehen, die haben keine Sommerzeit. 19 Uhr im Turgeon Hostel, ein hübsches altes Haus mit Flair. Nur fünf Gäste da, das zeigt wie beliebt die Gegend ist. Regina tut man damit Unrecht, zum Beispiel liegt mitten in der Stadt ein großer Park. Dort erlebe ich den Sonnenuntergang. Donnerstag ein ruhiger Morgen, mit dunklen Wolken die sich bald verziehen. Beim Stadtbummel auch zur RCMP, der Royal Canadian Mountain Police, mit den einprägsamen roten Uniformen. Ihre Geschichte begann hier in Regina. Zum Mittag zeigen sie einen Teil ihres Drills, leider in Trainingssachen anstatt der Uniform. Den schönen Nachmittag verbringe ich am städtischen See, nur unterbrochen von einer interessanten Führung im Regierungsgebäude.

die Prärie beginnt            

       Stadtzentrum Regina

         mal was anderes...

       Besuch in Moose Jaw

Freitag ein tief blauer Himmel und 34°C. Erst den Kopf vom Haar befreien, dann Autowäsche. Klebriger Blütensaft und Staub fingen schon an eine feste Einheit zu bilden. Mittag ein Ausflug nach Moose Jaw. Früher ein wichtiger Eisenbahn Knotenpunkt, liegt das Geheimnis im Untergrund: in Tunneln und Kellerräumen hausten einst Chinesen die auf offizielle Papiere warteten. So wie jedes Land hat auch Kanada seine dunkle Vergangenheit. Später war es ein Fluchtort für Al Capone. Für Touristen wird das mit Professionalität und Laiendarstellern in einer Führung erlebbar gemacht, toll. Nachts in den Habano Club von Regina. der ist super und ich finde den Glauben an die kanadische Frau zurück. Sie sind doch schlank und können sich bewegen. Gute Musik, nur poppige Country-Songs verblüffen. 2 Uhr Schmuserunde, dann ist Polizeistunde. Samstag Morgen Aufbruch nach Norden. Bald befahre ich Nebenstrassen und habe Zeit die Gegend zu genießen. Das Land ausgesprochen flach. Trotzdem oder gerade deshalb hat es seinen Reiz. So als hätten Gedanken wie die Landschaft keine wirkliche Grenze. Alles weit, nichts unterbricht. Die Farben kräftig in Grün, Blau, Weiß und Gelb. Ab und an alte, hohe Kornspeicher, die man von weitem sieht. Nach 95 km schnurgerader Strasse eine Pause in Manitou Beach, ein kleiner See mit weit höherer Konzentration an Salz und Mineralien als im Toten Meer. Ins Wasser, auf den Rücken legen und schwerelos fühlen. Am Abend in Saskatoon: Essen gehen, Stadtbummel, Parken am Fluss. Auch heute gehe ich aus. Die Stadt ist größer als Regina, aber dörflicher. 70% der Frauen wiegen (viel) mehr als ich. Dazu grauenhafte Musik. Bald verlasse ich die Disco wieder und liege schon kurz nach Mitternacht schlafend im Auto.

schier endlose Weiten, nur unterbrochen durch Kornspeicher

   die Strassen schnurgerade

   wie am und im Toten Meer

Sonntag bin ich 7 Uhr der Erste im Frühstücksrestaurant, wie auch im Wanuskewin Park. Dort ein beeindruckender Film über das Leben der Indianer ohne Schnörkel, aber mit viel Spirit. Ein Gang durch den Park mit allerlei Kleinigkeiten. Rechtzeitig bin ich zurück um in einer schottischen Kneipe Fußball zu schauen. Finale! Ein tolles Spiel, trotz falschem Sieger und der Sache mit Zidan. 15 Uhr verlasse ich Saskatoon unter brennender Sonne. Ab Northbattleford kaum noch Verkehr und Häuser. 100 km lang nur Wald und Wiese. Nahe Meadow Lake taucht die Farm von Newton und Kelly auf. Da bleibe ich eine Woche und will durch wwoofen Geld für Kost und Logis sparen. Beim gemeinsamen Essen beschnuppern wir uns und spazieren später über einen Teil des Grundstückes. Montag 7 Uhr Frühstück. Kelly fängt ein Reitcamp für Kinder an und Newton hat letzte Nacht den Holztruck gefahren, also beschäftige ich mich vorerst selbst. Später einige Reparaturen mit Newton, dann Einkaufen in Meadow Lake, Zeltaufbau für die Kinder und ein Rundgang um die nächsten Aufgaben zu besprechen. Die Farm finde ich typisch für Kanada. Riesig, viel Arbeit mit Pferden und Rindern, Kleinigkeiten und “Dreckecken” bleiben da gern mal liegen. Das Leben hier ist bei nur 100 frostfreien Tagen im Jahr hart sowie das Geld knapp. Da helfe ich gern und schaue keinesfalls auf die Stunden.

10. Woche vom 11. bis 17. Juli 2006:
Dienstag Start 7 Uhr. Ich grabe einen alten Torpfosten aus, warte alle Autobatterien, schneide einer Eisentonne den Deckel ab um sie später als Müllverbrennungsanlage zu nutzen, reinige den großen Pferdetrailer usw. Bei der Sonne ein harter Job, nur durch kurze Pausen unterbrochen. Am frühen Abend laufe ich über das Grundstück und vermerke wo Zäune repariert werden müssen und was wir dafür brauchen. Mittwoch, erneut tolles Wetter. Ich lerne Traktor fahren und bringe mit Newtons Hilfe den neuen Torpfosten an Ort und Stelle. Das gestern gefundene Zaunmaterial, 4 m lange Balken und 3 m lange Bretter, einsammeln und erste Zaunfelder reparieren. Abends die Pferde satteln. Kelly gibt mir einen Crashkurs im Reiten und das zahmste Pferd vom Hof. So treibe ich mit Kelly und Emma eine Kuhherde zum See. Wie richtige Cowboys mit Hund, rum pfeifen und Kühe anbrüllen. Ist einfacher als gedacht - wenn man das mit Profis macht. Die Szenerie wie im Film: der Himmel dramatisch, mit Donnergrollen vom entfernten Gewitter samt Regenbogen, das Heulen der Kojoten und ich auf einem Pferd. Donnerstag. Angesagt war Regen und Abkühlung, aber da sind blauer Himmel und 32°C. Für Kelly setze ich zwei neue Pfosten am Sattelstall. Morgen kommt eine Querstange drauf, dann sieht das Ding aus wie vor dem Westernsalon. Ich helfe mit den Pferdetrailern und sammle mit dem Pick-up Werkzeug und Baumaterial vom Grundstück ein, wobei mich nur der Allradantrieb vom Stecken bleiben bewahrt. Dann den Torpfosten vollenden und das 4 m lange Tor ohne Hilfe einsetzen. Später koche ich für alle und genieße den Feierabend mit Sonnenuntergang. Die sind hier sehr lang. Am Horizont versperren weder Berge noch Hügelketten das Licht und es bleibt bis nach 22 Uhr hell. Dabei macht Saskatchewan nicht mal bei der Sommerzeit mit! Das Farmerleben wäre auf Dauer nicht mein Ding, aber für die begrenzte Zeit hier ist es wunderbar. Die Landschaft, die Leute, der Job, das alles passt mir.

Sonnenaufgang auf der Farm

   Warm up fürs Reitturnier

         das Springreiten

 Familie Friedrich und Freunde

Freitag wieder Zäune. Schaffe bis Mittag einiges. Kurz mit Emma in der 25 km entfernten Stadt und mehr Reparaturen. Spät am Nachmittag packen wir die Ausrüstung für morgen. 20 Uhr, Pause. Mr. Brown, ein hier lebender Rentner, grillt Hamburger und Kelly gibt mir für die gute Arbeit ein Bier aus. Samstag klingelt der Wecker bereits 4 Uhr. Toller Sonnenaufgang. 6.30 Uhr haben wir gefrühstückt, die Tiere versorgt und sechs Pferde im Hänger verladen. Zwei Stunden später sind wir in Cold Water Lake, wo heute eine “große” Pferdeshow stattfindet. Über 100 Leute werden erwartet, wobei wir schon zehn sind. Die Kleinen beginnen mit der Dressurprüfung, dann die Größeren mit immer schwereren Parcours. Ein interessanter, sonniger Tag. Ich bin der Fotograf, mit Spiegelreflex und Digicam. Dabei viel mit den Leuten vor Ort unterhalten. Spät nach Hause. Kelly ist müde und so fahre ich den großen Pick-up mit sechs Pferden im Hänger. 22 Stunden waren wir auf den Beinen. Sonntag der Wecker 9 Uhr. Es regnet, also umdrehen. Erst 10.30 Uhr aufstehen, da schlafen außer Kelly und Marylin noch alle. Ich wasche einige Sachen und putze die Küche. Langsam tauchen die anderen auf, auch die Sonne kommt raus. Spätes Mittag, dann die Fahrt mit zwei Autos zum Makwa Lake, wo Verwandtschaft ein großes Wochenendhaus hat. Schlüssel sind unnötig, nur wenige  Leute hier sperren ihr Haus oder Auto ab. Es wird ein sprichwörtlicher Sonntag. Spaß haben, abspannen, rumalbern. Bin erholt, trotz der vielen Arbeit diese Woche. Für einen Wwoofer sind 25 Stunden normal, bei mir waren es wohl 60. Doch das war freiwillig und mir fällt der Abschied schwer. Montag sind beim Abschiedsfoto leider noch nicht alle wach. Die ersten 200 km auf fast leeren Landstrassen, schnurgerade auf flachem Land. In Edmonton treffe ich die hübsche Tochter von Kelly und bringe ihr Post von Mama. Sie wohnt außerhalb und lädt mich ein, doch das Hostel ist gebucht sowie einiges in der Stadt zu erledigen.

Edmonton - aus verschiedenen Blickwinkeln                 

             ein Klassiker

die gigantische Edmonton Mall

11. Woche vom 18. bis 24. Juli 2006:
Dienstag bummeln, das Regierungsgebäude anschauen, Edmonton ist die Hauptstadt der Provinz Alberta, sowie Wanderschuhe und Campingsachen kaufen, im hohen Norden existieren nur wenige Hostels. 21 Uhr: Abendessen. Das Hostel macht einen deprimierenden Eindruck. Es sind kaum Reisende hier, nur Männer die bei den zahlreichen Öl- und Gasfirmen einen Job suchen. Arbeit ist wohl knapp, denn alle ziehen ein Gesicht. Dabei hat Alberta fast Vollbeschäftigung. Mittwoch ein Besuch in der West Edmonton Mall, ein Gigant mit 500.000 m². 800 Geschäfte unter einem Dach, mit 30 Schuhläden, 26 Kinosälen, Schwimmbad mit 17 Rutschen, Eisarena (auch im Sommer!), Unterwasserwelt, Funpark mit Achterbahn usw. Erstaunlich: in der Nähe der Mall existieren trotzdem viele Geschäfte. Dazu an jeder Ecke Fast Food Ketten, auch drei Mal die Gleiche nah beieinander oder an einer Kreuzung gegenüber. Das prägt Essgewohnheiten. Im Supermarkt reihenweise Gefrierschränke mit Fertiggerichten und eine Auswahl an Dressing und Flaschensauce das einem schwindelig wird. Ich lasse Edmonton in der Hitze des Tages hinter mir Nach 250 km verändert sich die Landschaft. Unglaublich, bin aufgeregt wie ein Kind. Dann tauchen sie auf, die Berge der Rocky Mountains. Am Eingang vom Jasper Nationalpark einen Jahrespass für die Parks der Gegend kaufen. Der rechnet sich nächste Zeit. Kurz darauf ein erster Hinweis das die Natur Vorrang hat. Eine Gruppe Rehe blockiert die Strasse als wäre es ihr Revier. Kein Wunder, durch den 200 x 400 km großen Park führen nur zwei Strassen. 70 km weiter liegt Jasper, eine kleine aber feine Touristenstadt. Mein Hostel 7 km auswärts. Interessant: Die Reise hat noch nicht mal Halbzeit und ich bin nur 10 Autostunden vom Endziel Vancouver entfernt. Der weitere Plan: 2.500 km rauf bis Dawson City, zum 70. Breitengrad und über Alaska zurück in den Süden. Die Zeit müsste reichen und im Norden sollte es angenehmer sein. Hier sind über 30°C und Horden von Touristen unterwegs. Hostel in Jasper: tolle Leute, gute Gespräche, entspannte Atmosphäre, so anders als in der Großstadt. Donnerstag Hinter dem Hostel rauf zum Mt. Whistler. Nach 1.200 Höhenmetern stehe ich auf dem Gipfel in 2.450 m. Herrlicher Ausblick, nur durch den Dunst der Hitze geschmälert. Nachmittags zum Pyramide Lake und abends am Lake Beaufort. Dort am Ufer sitzend schnitze ich einen Wanderstock und sehe den Tag gehen. Der See ganz still, wie ein Spiegel. Freitag ins Tal der fünf Seen, eine leichte Wanderung durch den Wald. Die Seen von einer grandiosen Farbe. Leuchtend blau, türkis und grün, das Wasser so klar das es fast weh tut. Am Nachmittag: blauer Himmel und 30°C, also auf zum klaren Bergsee mit Strand und Bikinis.  

Mt. Edith Cavell              

       Jasper und die Seen

   abends am Lake Beaufort

i      im Tal der fünf Seen

Samstag früh los und mit dem Auto 30 km weiter ins nächste Hostel am Mt. Edith Cavell. Dabei sehe ich meinen ersten Bären. 8 Uhr los wandern. Ein schöner, aber heißer Tag der mich bis zum Amethyst Lake bringt. Der Rückweg wird zur Tortur. Trotz der 2,5 Liter Wasser die ich mit hatte leicht dehydriert. In den Nachrichten: 35,6°C, Hitzerekord. Kein Wanderwetter. 19 Uhr bin ich nach 45 km Laufen zurück. Das rustikale Hostel hat kein fließend Wasser, also zum nahen Gletschersee, 10°C kalt. Sehr  erfrischend. Sonntag 6 Uhr auf und gleich zu den Wiesen am Mt. Edith Cavell. Sehe einige Tiere und ein nahendes Gewitter. Bin vor dem Regen zurück im Hostel und mache Frühstück. 10 Uhr zum Maligne Lake. Wetterbericht: heiß. Der Weg zum baumlosen Bald Hill wird anstrengend. Schöne Aussicht von oben, nur durch die Hitze zu diesig für tolle Fotos. Spät am Tag der Wechsel zum nächsten rustikalen Hostel. Kurz darauf bin ich am Maligne Canyon. Die 30 m tiefe, teils nur 3 m breite Schlucht mit tollen Farben. Montag früh starte ich nach Norden. Raus aus dem Jasper National Park, rauf auf den Highway 40. Den ersten Bären auf der Strecke verpasse ich fototechnisch knapp, zu schnell rennt er in den Wald. Ansonsten ist wenig Verkehr und die Berge sind westlich immer im Blick. Am Nachmittag schlage ich auf dem Musreau Lake Campingplatz mein Lager auf. Wird der erste Zeltabend mit neuer Ausrüstung. Die Plätze hier liegen einzeln im Wald verstreut, also schaut mir keiner auf die Finger ;-).

am Amethyst Lake  

Gletschersee am Mt. Edith Cavell

der Maligne Canyon und Camping am Musreau Lake

12. Woche vom 25. bis 31. Juli 2006:
Dienstag ein leckeres Frühstück mit Porridge, dazu blauer Himmel und der nächste heiße Tag. In Grande Prairie einkaufen und 130 km weiter in Dawson Creek, Provinz British Columbia, Einkehr im Tourist Information Center. Neben Fakten und Broschüren komme ich zu einem Foto vom Kilometerstein “0” des Alaska-Highways. Das Wetter trübt sich ein und 200 km später fällt erster Regen. Gut nach der anstrengenden Hitze. Ich komme heute bis zum Zeltplatz am Prophet River, wo man sich selbst registriert und 10 CAD in den Briefkasten legt. Freudig werde ich von zwei Wohnmobilen aus den USA und den Moskitos begrüßt. Kochen, Essen und Zeltaufbau bekommt Routine. 22 Uhr fängt es heftig an zu regnen. Nach einer Stunde erste Lecks im Zelt, kein Wunder bei einem Preis von 30 CAD. Umzug ins Auto. Ungemütlich, aber trocken. Mittwoch Morgen ein grauer Himmel. Im Zelt steht eine kleine Pfütze, nicht schlimm. Nur die Moskitos stürzen sich förmlich auf mich,also ohne Frühstück los. Es bleibt bei Regen und Schauern. Die grauen Wolken hängen tief und versperren den Blick auf eine bestimmt schöne Gegend. Ab Summit Lake hält das Wetter, also auf einen nahen Gipfel steigen und die Landschaft anschauen. Bergab begegnen mir Bergziegen und junge Karibus ohne große Scheu. Nach 350 km am Muncho Lake mit seiner türkisen Farbe. Ich finde einen Platz zum Zelten und steige auf den nahen Hügel. Gute Aussicht, nur sehe ich auch den nächsten Schauer kommen. Kurz vor dem Auto saut es mich ein. Also: nasse Sachen, Regen und das Wissen das mein Zelt nicht hält, na toll. 21 Uhr eine Regenpause. Schnell kochen und essen. Währenddessen dramatische Bilder am Ende des Sees. Die Sonne zaubert einen Untergang der Sonderklasse. Es scheint trocken zu bleiben, also Zelt aufbauen. Es fängt noch an zu regnen, nur dringt heute glücklicherweise kein Tropfen ins Innere.

 Kilometer, Kilometer, Kilometer

     typischer Campingplatz

 der offizielle Kilometer “0” des Alaska Highway

“Höllenfeuer” am Muncho Lake

Donnerstag ein kühler Morgen. Erst spät schaut die Sonne über den Berg. 9 Uhr ein letzter Blick auf den malerischen See, dann volle Konzentration auf den Highway. Ein schöner Tag mit kurzen Stopps. Am Liard River laden heißen Quellen zum Bad ein. Die natürlichen Pools dampfen an einigen Stellen mit mehr als 40°C vor sich hin. Mehr Pausen an Fluss, Wasserfall und am Rand der Straße um Tiere zu beobachten. Dabei treffe ich freilaufende Bisons. Es verursacht ein Kribbeln wenn ein tonnenschwerer Bulle neben dem Auto steht. Sie sehen zottelig und gemütlich aus, sind aber wilde Tiere die mit einem kurzen Anlauf Kleinholz aus dir machen können. In Watson Lake ein lustiger Fotostopp: Irgendwann begonnen, ziert nun ein Schilderwald das Gelände. Dann wird die Strasse so langweilig das ich Fahrzeuge zähle. Auf 100 km: 17 PKW, 6 LKW, 5 Pick-up und 57 Wohnmobile/-wagen. Darum an jeder Ecke ein Wohnmobil Park. Bis Whitehorse trübt es sich ein und einige Schauer kommen runter. Ungewöhnlich, es sollte trockner sein. Freitag Wäsche waschen, Ausrüstung putzen und nach fünf Tagen ohne fließend Wasser große Körper Pflege. Im Informationszentrum hole ich mir Broschüren und Ideen. Samstag bei schönem Wetter weiter nach Norden. Auf dem fast leeren Klondike Highway ungestört durch eine nette und dünn besiedelte Gegend cruisen. Die 540 km Strecke verbraucht den Großteil des Tages. Dann Dawson City, DIE Goldgräber Stadt. Unglaublich, das war vor 100 Jahren nach San Francisco die zweitgrößte Stadt im westlichen Amerika, auch Klein-Paris genannt. Heute ist der Eindruck eher deprimierend. Viele Häuser sind verfallen, der Highway die einzig geteerte Strasse und Fußwege selten. Der vielbeschworene Yukon hat durch Sedimente die Farbe von Abwaschwasser. Mein Hostel liegt auf der anderen Seite des Flusses, nur mittels Fähre zu erreichen. Es ist eine sehr einfache Unterkunft, ohne fließendes Wasser und mit einer überdachten Freiluftküche ohne nennenswerte Utensilien.

typische Hausbauweise 

willkommen im hohen Norden

   so nur noch für Touristen

  Schilderwald in Watson Lake

     eine Tonne auf Beinen

Dawson City - für Touristen...

Alaska Highway,endlose Weite

   ...und die nackte Wahrheit

Sonntag letztmalig nach Norden. Der Dempster Highway ist die ersten 6 km geteert, darauf folgen Schotter und Dreck. Man sollte langsam fahren, Plattfuß und Steinschlag drohen. Nach 100 km der Tombstone Territorial Park, das heutige Ziel. Der nette Campingplatz am Klondike River. 3 km nördlich ein Pfad rauf auf den Berg. Der Ausblick von da ins Klondike Tal ist genial. Weite, Stille. Zeit zum Durchatmen. Nach weiteren 25 km im Auto stehe ich bei 65° Nord am nördlichsten Punkt meiner Kanada Reise. Die Strasse führt weiter bis Inuvik, aber das wären noch harte 1500 km auf Schotterpisten. Im Tombstone Park geht die Landschaft in arktische Tundra über, nur 1 m unter der Oberfläche beginnt der Permafrostboden. Die Baumgrenze ist scharf gezogen und nun dominiert “Wiese”. Allerdings eine vollkommen andere als daheim. Ein ganz eigenes Ökosystem, bunt, vielfältig und abstrakt. Man läuft darauf wie auf einem trockenen Schwamm. Montag. Nach der Hitze in den Rockies sind die 6°C nachts gewöhnungsbedürftig. Heute ein bewölkter Himmel nebst frischem Wind. Nach einer Bergwanderung die Fahrt ins Hostel bei Dawson City. Ein großer Pluspunkt da ist die Privatsauna, sprich ein kleiner gefliester Raum mit Wasserfass und Ofen - eine umgebaute Eisentonne. Feuer machen, kurz warten und dann mit warmen Wasser rummatschen. Spät am Abend nehme ich die Fähre in die Stadt, wo mir zufällig Jens, bekannt aus Winnipeg, über den Weg läuft. Klar das wir ein Bier trinken gehen und die letzten Wochen Revue passieren lassen. Mitternacht gehe ich ins nördlichste Casino der Welt. Das hat noch den Charme der alten Goldgräberstadt, inklusive den Darbietungen einer Cancan Gruppe. Ich habe Spaß am einarmigen Banditen, unglaublich wie lange man mit ein paar Dollar spielen kann. Häufige kleine Gewinne lassen mich bis 2 Uhr verweilen. Draußen ist es um diese Zeit sogar richtig dunkel geworden. Das allerdings nur für eine weiter Stunde, dann kündigt ein Glimmen den neuen Tag an. So hoch im Norden sind die Tage im Sommer angenehm lang, selbst abends gegen acht steht die Sonne noch hoch am Himmel.

auf dem Dempster Highway

       im einsamen Norden

Blick über die nordische Tundra

   letztlich gewinnt die Natur

13. Woche vom 1. bis 7. August 2006
Dienstag ein weiterer Tag im Auto. Hinter Dawson City führt der “Top of the World Highway” nach Westen. Die Steigungen auf die Bergrücken sind geteert, sonst nur Schotter. Ihren Namen verdient die Strecke, denn in einem leichten Auf und Ab zieht sich die Strasse über die Bergrücken. Schöne Aussichten, wenn auch selten spektakulär. Der Grenzposten nach Alaska winzig, das Visa für 6 USD reine Formsache. Die “Orte” nun Häuseransammlungen, wie Boundary oder Chicken. Die Strasse nervt, auf US Seite ist sie teilweise autotötend. Aufatmen, als nach 200 km Piste wieder Asphalt beginnt. Ein Schwenk auf den Alaska Highway Richtung Kanada. Trotz, oder gerade wegen der Asphaltdecke ist Vorsicht geboten. Unerfahren mit Permafrostboden wurde in den 40ger Jahren ohne eine gute Isolierung gebaut. Ergebnis: Auftauender Boden unter der dunklen Strasse, der bemerkenswerte Schlaglöcher und Bodenwellen verursacht. Trotz schöner Landschaft sollte man ein Auge auf die Verhältnisse voraus zu haben. Nach neun Stunden im Auto die nächste Grenze. Zurück in Kanada schlage ich bei Beaver Creek das Zelt auf

drei Schilder auf dem Alaskahighway die immer wieder in der selben Reihenfolge auftauchen...

ohne Worte...                   

     das Städtchen Chicken

  Besucher auf dem Zeltplatz

   ...und das was darauf folgt

Problem: tauender Permafrost

Am Mittwoch bemerkenswert schönes Wetter. Südlich liegt der Kluane Nationalpark und ich blicke auf schneebedeckte Berge, deren höchster Gipfel, der Mt. Logan, 5.900 m in den Himmel ragt. Pause in Haines Junction, wo mir die Wettervorhersage Kopfzerbrechen bereitet. Aus den Möglichkeiten wähle ich Haines und die Fähre. Der Himmel bewölkt sich dann zeitweise und Schauer ziehen durch, trotzdem gehören die nächsten 200 km wohl zu den Schönsten in Kanada. Schneebedeckte Gipfel nebst grünen Tälern, dazu Sonne und Wolken im ständigen  Wechsel. Bin tief beeindruckt. Kurz vor Haines die Abfahrt hinunter auf Meeresniveau. Ich passiere erneut die Grenze nach Alaska und komme in schlechtes Wetter. Ist okay, für heute gab es genug zu sehen. Einem  breiten Flussbett folge ich bis zur Stadt, wo die Strasse endet. Ein kleiner Stadtbummel durch Haines, dabei für Samstag ein Hostel buchen und auf einem nahen Campingplatz Abendessen kochen. Dann packe ich den kleinen Rucksack nebst Schlafsack für zwei Tage, schlafe kurz im Auto und bin morgens um 3 Uhr an der Fähre. Das Auto bleibt in Haines stehen

am Kluane Lake        

     die Haines Road, eine der schönsten Strassen in Kanada

           der Ort Haines

Ich schlafe noch etwas und wache kurz vor Juneau auf. Der Himmel grau in grau, aber noch während wir in Juneau sind reißt der Himmel auf und zeigt Gletscher, Berge und zerklüftete Landschaft. Graue Wolken bleiben nur an den Gipfeln hängen. Ich bin auf der Inlandpassage unterwegs, die durch die Fjordlandschaft im Süden Alaskas führt. Prägend ist eine wilde Küstenlinie mit vielen Inseln, wobei dichte Wälder steil aus dem Wasser ragende Bergzüge bedecken. Ab und an gelingt der Blick auf ferne Gletscher. Die Orte hier erreicht man nur mit Flugzeug oder Schiff, deshalb die Fähre. Gemessen am Klima, mit 16 Regentagen pro Monat, erlebe ich einen schönen Tag. Die Sonne scheint kräftig und ich verbringe viel Zeit draußen. Fischerboote, kleine Fähren, Wale und andere Meerestiere ziehen vorüber. Am Nachmittag passieren wir die Narrows, wo sich die große Fähre mit teils nur 30 m Entfernung zum Ufer durch ein Gewirr von Inseln schlängelt. Hirsch, Bär und Adler gehören dort zu den nächsten Tiersichtungen. Die Fahrt wird immer mehr zum Genuss. Ich bewege mich ohne was zu tun, sehe Landschaften vorüberziehen ohne Auto zu fahren oder zu wandern. Die Szenerie beruhigt und befreit unglaublich. 20 Uhr Ankunft in Sitka, meine Station um umzusteigen. Leider liegt das Terminal 12 km außerhalb vom Ort. Der Plan sah vor Sitka anzuschauen, doch ohne Nahverkehr ist das zu weit weg. Also mit einem Buch in die Ecke setzen. Im Gegensatz zu Haines wird das Terminal aber um Mitternacht geschlossen und ich auf die Strasse gesetzt. Also doch zu Fuß in die Stadt. Nur 500 m weit stehen Straßenlaternen, dann ist es stockdunkel. Nach 1 km bewegt sich etwas auf mich zu. Weil das Personal vom Terminal vor Bären gewarnt hat ist das der  Moment wo mein Herz zwei Etagen tiefer rutscht. Auf Zuruf entpuppt sich die Gestalt dann als betrunkener Fischer auf dem Weg zu seinem Boot. Nach der halben Strecke stoppt eines der seltenen Autos und bringt mich ins Zentrum. Hotels liegen über dem Budget und es ist 2 Uhr morgens. So wird eine überdachte Bank am Hafen zum Nachtlager. Kühl, aber trocken.

Juneau und sein Gletscher 

     ein schöner Tag auf See

   Abendstimmung im Pazifik

     Einfahrt in die Narrows

5 Uhr weckt mich der Lärm von Fischersleuten. Die Bank war recht komfortabel. Beim Sonnenaufgang leuchtet der Himmel über Sitka stark rosa, im warmen Schlafsack liegend eine tolle Show. Ich stehe bald auf und finde einen Laden der bereits Frühstück anbietet. Der Stadtbummel fällt dann wegen Schauern aus. Per Anhalter komme ich trocken zur Fähre, die 10 Uhr nach Haines startet. Regen, Nebel und tiefe Wolken vermiesen bald den Ausblick. Also lesen, faulenzen und im Schiffskino sitzen. Morgens,  3 Uhr, erreichen wir Haines. Kurz im Auto schlafen, dann ins Hostel. Weil es ohne Pause regnet vergeht der Tag mit Lesen und Bilder sortieren. Schade, denn die Gegend ist echt schön. Sonntag auf nach Kanada. Dabei Zeit lassen und oft halten, trotz Schauer und Nieselregen. Bei Haines lebt eine große Anzahl von Weißkopfadlern, von denen ich einige sehe. An der Grenze die Uhr eine Stunde vorstellen und weiter. Der Himmel bleibt grau, aber trocken. Gezeltet wird am hübschen Dezadish Lake. Leider ist es kalt und windig. Von der Hitze im Süden wünsche ich mir inzwischen ein wenig zurück. Montag treibt mich 6 Uhr die volle Blase aus dem Zelt. Das Wetter: dicker Nebel, feucht und kalt, also zurück in den Schlafsack. Eine Stunde später weckt mich ein Tapsen aus dem Wald. Gleich darauf ein Schnüffeln am Auto wie auch am Zelt und ich sehe den Schatten einer Bärennase nur 20 cm neben meinem Kopf an der Zeltwand. Gaaaaanz ruhig liegen bleiben. Eine halbe Stunde nachdem der Bär weg ist stehe ich auf und mache Frühstück. Erneut das Rascheln im Wald und diesmal sehe ich den Besucher. Ein ausgewachsener Grizzlybär! Schnell schaffe ich alles Essen ins Auto und behalte ihn dabei im Auge. Unentschlossen läuft er im nahen Unterholz hin und her. Bären können unheimlich schnell sein, deshalb bleibe ich so nah es geht an der offenen Autotür. Es ist ein großer Unterschied ob du einen Grizzly im Zoo hinter Gittern siehst, oder nur 15m entfernt in freier Wildbahn. Als ein Auto kommt trollt er sich. Als Ausgleich für die Aufregung genieße ich die geniale Morgenstimmung am spiegelglatten See. Später halte ich bei wechselndem Wetter am Kathleen Lake, wo ein steiler Pfad in zwei Stunden zum King’s Throne führt. Der Aufstieg lohnt sich trotz Kälte und Wind. Vom Gipfel der Blick in den Kluane National Park. So weit das Auge reicht weite Täler, riesige Seen und weiße Gipfel. Ein Hammer bei Sonne und ein Erlebnis bei dem Wetter heute. Am späten Nachmittag erreiche ich Haines Junction Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist mies, also den Plan ändern. Im Hostel in Whitehorse anrufen: die haben ab morgen ein Bett frei, doch zelten ist auch schon heute möglich. Die 160 km bis dahin sind in nur zwei Stunden Geschichte.

aufreisender Nebel nach dem “Bärenmorgen”am Dezadish Lake

     Blick vom Kings Throne

Abendstimmung in Whitehorse

14. Woche vom 8. bis 14. August 2006:
Whitehorse scheint meine Ausruhstation zu sein. Wie vor zwei Wochen passiert wenig. Mittwoch stündlich den Wetterbericht checken und dann ein Telefonat wegen morgen führen. Sonst lesen, Karten spielen und ausruhen. Abends beruhigt sich das Wetter und ich schaue mir Whitehorse an. Der Yukon zeigt sich erstaunlich breit und verdient die Bezeichnung schöner Fluss. Vollkommen klar mit einem leicht türkisfarbenen Ton fließt er ruhig dahin und wird nur in einem kleinen Canyon schnell. Tags darauf 6 Uhr die Sachen packen und nach Haines Junction fahren. 10 Uhr bin ich am Flugfeld dort. Der Pilot Ben wartet bereits mit einem Paar aus Quebec. Kurz reden, die Kreditkarte nutzen und ab. Mit einer kleinen Cesna fliegen wir über den Kluane National Park. Die nächsten 90 Minuten gehören zur schönsten Flugzeit meines Lebens. Es gibt kaum Wege, geschweige denn Strassen im 22.000 km² großen Park. Umso einmaliger der Blick aus dem Flieger. Bergketten, 60 km lange Gletscher, endlose Täler und schneebedeckte Gipfel ohne Ende, unter anderem in der Ferne der Mt. Logan. Gigantisch schön. Die Berge scheinen aus dem Flieger zum Greifen nahe und das knappe Überqueren von ihnen verursacht ein wohliges Kribbeln. Ben gibt nützliches Wissen weiter und packt einen Tiefflug über einen Gletscher oben drauf. Was soll nach diesem Abenteuer heute noch kommen? Auf Empfehlung mache ich den 15 km langen Aurioltrail. Hübsch. Weil das schöne Wetter hält sitze ich abends im Sonnenschein am Strand des Pine Lake. Kann das Leben schöner sein?

der Kluane NP taucht auf  

           unsere Cesna

 Kluane NP: riesige Gletscher und eisbedeckte Gipfel ganz nah

Freitag nach dem Frühstück mit dem Auto zum 30 km entfernten Mt. Decoili, 2.232 m hoch. Bis zum Anstieg des Berges folgt der Weg einem Bachbett. Der kräftige kalte Wind und graue Wolken lässt einige Wanderer umkehren. Neben einer Gletscher Zunge der Pfad über alpine Wiesen mit all seinen Bewohnern, dann senkrecht bergan. Keine Zeichen, nur Steine und Felsen. Das ist der Unterschied zwischen Weg und Route, zwischen Wandern und Abenteuer. Und das hier ist Abenteuer. Nur ich und der Berg, welcher nach drei Stunden bezwungen ist. Ein herrlicher Blick vom Gipfel, trotz einiger Wolkenfelder. Samstag nach Whitehorse, wo ich im Hostel als Stammgast gelte. Bei bewölktem Himmel eine Wanderung am Miles Canyon. Sonntag auf nach Süden. Christian, ein Österreicher, sitzt mit im Auto. Wir reisen nach Alaska ein und erreichen bei schönem Wetter Skagway. Statistisch die regenreichste Ecke von Alaska, doch heute scheint die Sonne. Im Visitor Center holen wir uns die Genehmigung für den Chilkoot Trail. Christian läuft heute los, ich suche mir ein Hostel und bummle durch die Stadt. In Skagway legen im Sommer täglich bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe an, was ungefähr 7.500 zahlende Touristen auf einen Schlag macht und die vielen Juwelierläden erklärt. Am Nachmittag röhren die Schiffssirenen, eine halbe Stunde später scheint der Ort wie ausgestorben.

das Tor nach Alaska   

             in Skagway 

         Schifffahrt früher...

           ...und heute

Montag, 14.August 2006 - mein härtester Tag. Der Wecker 2 Uhr. Zwei Stunden später stehe ich am Startpunkt vom Chilkoot Trail, vor 100 Jahren DER Weg zum Gold am Yukon. Jack London war auch dabei. Dreißig Minuten laufe ich mit Kopflampe, dann hilft das erste Tageslicht. Ich mache absichtlich Lärm um nicht etwa Bären zu überraschen. 8 Uhr am ersten Camp. Weiter durch felsiges Gelände bergan, oft sind Bäche zu queren. Ab 600 m Höhe herrscht Nebel. Gestalten tauchen vor mir auf und hinter mir unter - Wanderer mit viel Gepäck. Die Sichtweite sinkt auf 10 m, Farben und Formen verschwimmen zu Einheitsgrau, normales Wetter am Chilkoot-Pass. Die letzten 400 Höhenmeter dann auf den berühmt berüchtigten “Stairs”, englisch:Treppen. Damit sind Felsen gemeint. Eine gefährliche Kletterei, jeder falsche Schritt zwischen den tiefen Spalten kann der letzte sein. Die Sicht reicht gerade um von einer orangen Polstange als Wegweiser zur nächsten zu schauen. Erschreckend, aber machbar. 11 Uhr erreiche ich die Schutzhütte am Pass. Kurze Pause und Gespräche mit den Wanderern, die mich bereits erwartet haben. Wenn man die Genehmigung einholt gibt man an wie lange man braucht, also wussten die Ranger Bescheid und hatten mich angekündigt. Nebel und Schweiß gehen mir inzwischen bis auf die Haut und es sind nur 5°C. Um nicht auszukühlen laufe ich bald weiter. 2 km hinter dem Pass ein erster blauer Tupfer am Himmel und voller Erstaunen sehe ich wie sich die Sonne durch die Wolken kämpft. Was für eine Wohltat. Über Stock und Stein durchschreite ich eine wunderschöne Landschaft. Für den harten Fußmarsch über 56 Kilometer mit über 2.000 Höhenmetern brauche ich 14 Stunden. Vor 100 Jahren hatten die Männer 40 kg auf dem Rücken und mussten die Strecke 30 mal laufen um die erforderliche Tonne Ausrüstung über den Pass zu bringen. Sie brauchten dabei mehr als einen Tag pro Strecke - insgesamt mehrere Monate - und viele starben bei schlechtem Wetter und Stürzen. Zurück nach Skagway komme ich per Anhalter. Der Einheimische ist so von meiner Leistung beeindruckt, das er mich bis zu meinem Auto bringt, obwohl er ganz woanders wohnt. Übrigens beträgt die normale Laufzeit für den Trail drei Tage.

vor dem Chilkoot Pass im Nebel, danach im Sonnenschein

der Trail im Kennzeichen verewigt

     bei Skagway

15. Woche vom 15. bis 21. August 2006:
Ich packe und fahre wieder Auto. Bin ein wenig träge und spüre meine Füße, nicht schlimm. Der Himmel bewölkt, gut das ich gestern auf dem Chilkoot Trail war. Über Carcross geht es meist auf Schotterstrasse bis nach Atlin. Hübsche Gegend und der Zeltplatz am Ende von Nichts wird mit 5 CAD zur billigsten Übernachtung. Am Mittwoch sind die 500 km von Johnson Crossing bis Watson Lake von vor zwei Wochen bekannt, ebenso der Regen auf dieser Strecke. Vor Watson Lake auf den Highway 37 südlich abbiegen. Der bisher geringe Verkehr verebbt völlig und ich bin mit der Natur allein. Die Nacht auf dem Zeltplatz in Boya Lake. Donnerstag ein ständig wechselndes Wetter. Auch Sonne, nur höre ich nach dem zwölften Schauer auf diese zu zählen. Die tolle  Gegend wird immer wilder. Eine Bärin mit ihren zwei Jungen zeigt sich am Waldrand, sowie wildromantische Lichtspiele am Himmel. Nach 500 km biege ich westlich auf die 37a ab. Steile Bergwände steigen himmelwärts und Gletscher strecken ihre Zungen weit in Richtung Strasse. Dazu sind auch immer wieder Schwarzbären zu sehen. In Stewart ein preiswerter und guter Zeltplatz. Noch kein Ausruhen, die Besitzerin schickt mich ins 20 km entfernte Hyder, Alaska. Das ist die wohl freundlichste Geisterstadt auf der ganzen Welt, mit einem hier sehr flachen Fluss, in dem die Lachse zu Hunderten versuchen mit aller Kraft an ihre Laichplätze zu kommen. Ein idealer Futterplatz für Bären, nur leider sind heute und hier keine Grizzlybären dabei.

der Himmel wie das Land: wild

     Bärenfamilie ganz nah

   passend: Bärengletscher

Lachsgletscher mit Regenbogen

Freitag. Nach dem Plausch mit einem deutschen Paar Planänderung. Wieder nach Hyder und auf einer miesen Schotterstrasse zum Salmon Glacier. Die Ausblicke bewegend, nur holt mich auf 700 m Nebel ein. 15 Meter Sichtweite auf einer ungesicherten Strasse, Nervenkitzel inklusive. Immerhin sieht man Teile vom Gletscher. Langsam steigt der Nebel, aber die Zeit drängt. 13 Uhr Aufbruch. Wieder Bären und andere Tiere auf der Strasse, was fast zur Normalität wird. Es bleibt trocken und die Sonne kommt raus. 240 km südlich treffe ich auf den Highway 16 und Zivilisation. Der Verkehr nimmt zu und kleine Städte liegen am Weg. Am Abend erreiche ich die Hafenstadt Prince Ruppert. Samstag ausspannen und die Stadt erkunden. Sonntag liegen 750 km vor mir. 7 Uhr habe ich die Strasse praktisch für mich allein. Nebelbänke liegen mystisch über der Gegend. Terrace, New Hazeltown und Smithers ziehen vorbei. Die Gegend verändert sich stündlich. Zerklüftete Landschaft, schneebedeckte Gipfel und immer wieder Flüsse und Seen. Strahlend blauer Himmel, das Radio spielt das Richtige und Dank Tim Hortons steht ein halber Liter Kaffee neben mir, so lässt sich die Fahrt genießen. 17 Uhr in Prince George. Keine tolle Stadt, mehr ein Versorgungspunkt. Der Zeltplatz am Stadtrand liegt am Highway, doch mit Ohrenstöpseln wird es eine ruhige Nacht. Montag ein Ölwechsel am Auto. Midas hat keine Zeit und schickt mich zu Great Canadian, einem Drive-Thru-Store. Das bedeutet: anstellen, rein fahren, zwei Leute arbeiten gleichzeitig über und unter dem Auto, Bezahlen, raus fahren. Man bleibt im Auto sitzen und ist in 10 Minuten fertig. This is America. Mit viel Sonne nach Osten. Ab Nachmittag sind die Berge der Rockies zu sehen. Bald taucht in seiner ganzen Pracht der Mt Robson auf, mit 3.950 m der höchste Berg der Rocky Mountains in Kanada. Infos im Touristenbüro holen und um die Ecke zelten. Übrigens ist es nun schon 21 Uhr stockdunkel. Daran muss ich mich wohl oder übel noch gewöhnen.

der Mt. Robson, prächtig    

           seine Nordseite

     Gletscherzunge am Berg

 mächtiger Wasserfall am Weg

16. Woche vom 22.  bis 28. August 2006:
Dienstag 5 Uhr auf und im kalten Halbdunkel frühstücken. Eine Stunde später starte ich auf dem Berg Lake Trail.An herrlichen Seen, Flüssen und vielen Wasserfällen vorbei geht es zur Nordseite des Mt. Robson mit seinen Gletschern. Der Himmel bedeckt, aber ich habe Hoffnung. Bereits nach elf bin ich am Robson Pass, eigentlich Halbzeit. Zurück der Umweg über Mumm Basin und den Hargreaves Lake mit traumhaften Aussichten. Die Sonne kommt raus und macht alles noch schöner. Trotz Pausen schaffe ich die 50 km in elf Stunden. Mittwoch weckt mich 4 Uhr der Regen. Gegen acht aufstehen, alles schnell ins Auto und bei dem Wetter ohne Essen los. Begleitet von grauen Wolken komme ich nach Jasper und schließe so den vor vier Wochen begonnen Kreis. Das bekannte Hostel ist ausgebucht, also nach Süden fahren. Unterwegs eine Pause am Horseshoe Lake, der so klar ist das einem die Augen weh tun, und am Althabasca Wasserfall, der mit Touristen so überlaufen ist das mir Angst und Bange wird Im Althabasca Hostel findet sich ein freies Bett. Einfach, aber preiswert und gut. Dort treffe ich ein deutsches Paar, das MIT DEM RAD in 18 Monaten von Alaska bis zur Südspitze von Argentinien reist. Hut ab. Donnerstag. Bedeckter Himmel. Ich lasse mir Zeit und hoffe auf Besserung. 10 Uhr reißt die Nebeldecke auf, Berggipfel erscheinen und verschwinden. Ich bin mit dem Auto auf dem Icefield Parkway unterwegs, eine der schönsten Strecken hier. Leider kommen die Wolken zurück, trotzdem halte ich häufig an Aussichtspunkten, Seen, Wasserfällen und mache kurze Wanderungen. Nachmittag bin ich am Icefield Center des Althabasca Gletscher, DER Treffpunkt für Touristen. Gegen Abend das Moskito Creek Hostel. Wieder Rustic, ohne fließend Wasser. Nebenan ein Zeltplatz, doch bei den kühlen Nächten bevorzuge ich ein warmes Bett. Freitag will ich DIE Fotos vom Sonnenaufgang am meist fotografierten See in den Rockies machen, doch 6 Uhr früh lässt mich leider der Chevy im Stich und springt nicht an. Ich schiebe es auf die kalte dünne Luft. Und wirklich, zwei Stunden später mit Sonne ein problemloser Start. So stehe ich dann mit Horden von Touristen am Peyto und am Bow Lake, die Fotos können sich trotzdem sehen lassen. Bald bin ich 45 km weiter am nächsten Ziel: Lake Louise, eine der schönsten und teuersten Ecken in den Rockies. Das Dormbett im Hostel für 38 CAD, sonst lag der Schnitt bei 21 CAD. Am Nachmittag hinauf zum Lake Louise, ein wahrlich traumhafter See.

wunderschön: Peyto Lake...

         ...und Bow Lake... 

       ...und Lake Agnes...

       ...und Lake Louise

Samstag früh raus um 8.30 Uhr am Lake Moraine zu sein. Ich will ins “Tal der zehn Gipfel”, doch das ist ein Grizzly-Gebiet, und die Wandergruppen müssen aus mindestens sechs Leuten bestehen. Anscheinend können die Bären zählen, denn nachweislich wurden kleinere Gruppen schon angegriffen. Als Glückspilz finde ich schnell fünf Leute aus Edmonton und Calgary. Die wollen den Mt. Temple besteigen, von dem ich noch nichts gehört habe. Die Chemie passt in der Gruppe, auch das Tempo. Nach zwei Stunden erreichen wir den Sentinal Pass in 2.600 m Höhe. Dort endet der Pfad und wir müssen selbst den fast senkrechten  Weg zum Gipfel suchen. Ich finde einen guten und schnellen Rhythmus, so das die fünf bald zurück bleiben. Wegen Bären muss man sich so weit oben keine Gedanken machen. Die Aussicht wird immer besser und der Himmel strahlt tiefblau. Die Kletterei ist nicht ohne und manchmal klebe ich wie eine Fliege mit allen vieren am Felsen. 13 Uhr auf dem 3.544 m hohen Gipfel, wohl der höchste Punkt im weiten Umkreis. Entsprechend gigantisch der Ausblick. Gut das mir genau dieses Ziel “aufgezwungen” wurde. Beim Abstieg begegnet mir die Gruppe, die noch auf dem Weg nach oben ist. Ich habe inzwischen andere eingeholt und laufe mit ihnen zum Lake Moraine zurück. Am Nachmittag im Whisky Jack Hostel, in Sichtweite der Takakkaw Fall, mit 384 m der zweithöchste Wasserfall in Kanada. Sonntag fällt das Aufstehen nach dem gestrigen Programm schwer. Erst nach neun laufe ich los. Bei traumhaften Wetter über den Yohopass, vorbei am Emerald Lake bis hinauf zum Hamilton Lake. Gerade der Emerald Lake bezaubert mit seinem herrlichen Hellgrün. Statt auszuruhen werden es wieder sehenswerte 30 km mit 1.800 Höhenmetern

auch andere schauen     

     Blick vom Gipfel des Mt. Temple, auch ins Paradise Valley

         Takakkaw Fall

Montag stehe ich 7.30 Uhr an der Lake O’Hara Road. Die ist für Privatautos gesperrt und der einzige Bus längst ausgebucht, also 11 km Schotterstrasse zu Fuß. Kurz vor dem Lake O’Hara biege ich auf eine alpine Route ab. Die führt rauf zur Wiwaxy Gap und damit zu herrlichen Aussichten. Die Luft ist leicht getrübt, südliche Winde treiben Dunst der großen Waldbrände vom Staat Washington herüber. Trotzdem beeindruckend. Ich bleibe auf der felsigen Alpine Route. Das bringt zwar ein ständiges auf und ab mit gefährlichen Stücken, vielen Felsen und manchmal nur zu erahnenden Pfaden mit sich, doch dafür entgehe ich dem Großteil der Touristen und habe die mit Abstand besten Aussichten auf die farbenprächtigen Seen und das Bergland
17. Woche vom 29. August bis 4. September 2006:
Dienstag. In der letzten Woche bin ich an fünf Tagen durch die Berge gestiefelt. Das waren ungefähr 200 km mit harten 6.000 Höhenmetern. Mein müder Körper nimmt gern eine Zwangspause wegen Wetteränderung in Kauf. Es trübt sich ein und soll bald regnen. Langsam auf nach Süden. Ein Halt in Lake Louise und am Nachmittag der Johnston Canyon mit schönen Wasserfällen. Westlich davon ein Spaziergang zu den Painted Pots, eine farbenfrohe Landschaft die durch das Ausschwemmen von Eisen entstanden ist. Bereits am Nachmittag treffe ich im Castle Mountain Hostel ein und lege nach all dem zufrieden die Beine hoch.

Lake O’Hara und Mary Lake

     Idylle am Lake O’Hara

  erwischt: scheuer Pfeifhase

       an den Painted Pots

Mittwoch der versprochene Regen. Es ist recht frisch und die Nachrichten melden ab 2.000 m Schnee. Anscheinend naht der Herbst. Ich brauche nur eine halbe Stunde bis Banff, DER Urlauberstadt in den Rockies. Bei dem Wetter halte ich jedoch nur am Informationsbüro um Ideen und Fakten zu sammeln. Dann 30 km weiter nach Canmore, wo die Hostels um einiges günstiger sind. Das Haus dort schafft es in meine kanadischen Top 3. Herrlich gelegen, tolle Küche, Kamin und eine geniale Terrasse mit Blick übers Tal. Pro Nacht nur 21 CAD. Donnerstag sind nur 10°C. Die Wolken reißen auf und zeigen schneebedeckten Gipfel. Die Luft ist so klar und crisp das man am liebsten “hinein beißen” würde. Ich fahre nach Banff, hole eine Backcountry Permit fürs Campen und schaue mir die Stadt an. Wunderschöne Holzhäuser, auf alt getrimmt, aber nicht kitschig. Am Nachmittag hinauf zum Tunnel Mountain, und später zum Mt. Sulphur, von dem aus man die Gegend überblicken kann. Dort oben stehe ich dann auch in frischem Schnee. Ganz witzig: Touris kommen in Flip-Flops mit der Gondelbahn herauf und schauen ganz verdutzt

Banff                             

           Blick auf Banff

     ein Morgen in Canmore...

     ...und mit Teleobjektiv

Freitag ab in die Wildnis. Erst 48 km Schotterstrasse, dann zu Fuß weiter. Ich trage für drei Tage Ausrüstung und Essen auf dem Buckel. Mein Equipment ist nur bedingt geeignet und auf jeden Fall ein paar Kilo zu schwer. Gut das es nur 14 km bis zum anvisierten Zeltplatz sind. Den Nachmittag verbringe ich am See und laufe bis zum Marvel-Pass. Nach der Rückkehr reicht das Tageslicht gerade zum Essen. Offenes Feuer ist bei Höchststrafe verboten, also 21.30 Uhr Bettzeit. Übrigens stehen nur drei Zelte weit verstreut im dichten Wald, ein Abenteuer im Bärenland. Samstag früh fällt es schwer aus dem warmen Schlafsack zu kommen. Meine Nase ist eiskalt und der Atem macht fluffige Wolken. Erst halb neun schafft es die Sonne über die Berge. Heute über den Wonderpass (2.400 m) zur Assiniboine Lodge und über den gleichnamigen Pass (2.180 m) zurück. Viele Höhenmeter bei 30 km über Stock und Stein. Dabei 30°C und strahlend blauer Himmel. Belohnt werde ich mit grandiosen Blicken auf den Mt. Assiniboine, dem “Matterhorn” von Kanada. Glücklich und müde bin ich 18 Uhr zurück. Statt Dusche ein eiskaltes Bad im Bach. Sonntag nach dem Frühstück packen und zum Auto laufen. Ich merke wie müde der Körper wegen der letzten zwei Wochen ist und bin froh morgen die Berge erst mal hinter mir zu lassen. Die Sonne brennt für die Jahreszeit ungewöhnlich heiß vom Himmel, laut der Vorhersage soll es so bleiben. Ich komme wieder im bekannten Hostel in Canmore unter. Die Hochzeitsgesellschaft von gestern hat jede Menge Essen zurückgelassen und so schlemmen wir Backpacker bei Truthahnkeule und Schokoladentorte.

Schnee auf dem Mt. Sulphur

     am Marvel Lake bei Tag...

           ...und Nacht

       der Mt. Assiniboine 

Montag ein frischer Morgen, doch die Sonne verspricht einen heißen Tag. In östlicher Richtung nehme ich den Highway 1 nach Calgary. Bereits kurz hinter Canmore bleiben die Berge schlagartig zurück und es geht nahtlos in flache Prärie über. Der Verkehr nimmt stark zu und ich muss mich erst an den Gedanken Großstadt gewöhnen. Kurz vor Calgary ein Halt am Olympic Park, wo  1988 ein Teil der olympischen Winterspiele ausgetragen wurde. Es ist wenig los, und vom Zauber der Spiele nichts zu spüren. Hinterher finde ich im Dschungel der Wolkenkratzer mein Hostel. Nach einer Mittagspause zu Fuß durch die Stadt. Wer einmal die andere Seite des Lebens sehen will, mit gestrandeten Typen, Fixern und Dealern, der ist hier genau richtig. Gleich neben dem Hostel beginnt deren Revier, obwohl ich sagen muss das sie einen in Ruhe lassen. Ansonsten hat die nette Stadt wenig zu bieten. Einzig der Olympic Plaza gefällt, wo rings um den Platz alle Medaillengewinner namentlich auf Bronzetafeln verewigt sind

Olympic Plaza, Calgary    

     Öl und Landwirtschaft

   Umzug auf amerikanisch

           bei Drumheller

18.Woche vom 5.  bis 11. September 2006:
Dienstag sitze ich schon 9 Uhr im Auto. Beim Tanken wird deutlich wie nah ich dem Öl bin. Der Liter Benzin kostet 0,89 CAD, umgerechnet 0,60 €. So billig war es in Kanada bisher nirgends. Bald nimmt auf den Nebenstrassen der Verkehr merklich ab. Nach 150 km erreiche ich Drumheller, die Dinosaurierstadt. Man sieht die Siedlung erst als die Strasse von der flachen Prärie förmlich in den Canyon “fällt”. Überall stehen künstliche Dinos, der größte vor dem Informationscenter. Der Grund: hier wurden weltweit die meisten und verschiedensten Fossilien gefunden. Bestaunen kann man die Funde ein paar Kilometer außerhalb im Royal Tyrrell Museum. Ich flüchte in die klimatisierten Hallen dort, denn das Thermometer zeigt 34°C. Das Museum ist richtig gut, mit all den Skeletten und Erklärungen. Im Auto, kein Baum weit und breit, sind dann 50°C und die Klimaanlage muss alles geben. Um Drumheller herum geht es mal im, mal über dem Canyon entlang. Aussichten, Kornfelder und mittendrin viele kleine Ölpumpen. Der Tag endet am Pinters Campground. Gelegen am Fluss und mein Zelt das einzige im weiten Umkreis. Mittwoch zu den Hoodoos, einzeln stehende Sandsteinsäulen in bizarren Formen. Dann nach Süden. Die Gegend flach und landwirtschaftlich genutzt. Eigentlich ist der Himmel blau, aber der Staub der Schotterstrassen vermischt sich mit Strohresten von der Mahd zu einem braungelben Schleier. Es ist drückend heiß. Nach zwei Stunden bin ich am Dinosaur National Park, UNESCO Heritage Site. Wie in Drumheller fand man auch hier jede Menge Fossilien. Eigentlich ist das alles ein Canyon, nur liegt Drumheller zentraler. Hier ist der Canyon weiter, und alles unberührter. Mittagspause am Fluss im Schatten der Bäume. Dann teils zu Fuß, teils mit dem Auto durch den Park. Die Gegend wie von einer anderen Welt. Außer am Fluss stehen keine Bäume, nur Stein, Staub und Gräser. Vorsicht, es wird vor Klapperschlangen, Spinnen und Skorpionen gewarnt. Im Sommer wie im Winter herrschen 40°C, dann eben nur mit einem Minus davor. Ich sehe keine gefährlichen Tiere und schlage mein Zelt am einzigen Campingplatz auf.

Royal Tyrell Museum außen...  

kommt ohne Worte aus      

           ...und innen

grüne Oase Nikka Yuko Garden

       sogenannte Hoodoos

         Head-Smashed-In

     Dinosaur National Park

     Büffelherde in der Nähe

Donnerstag auf Nebenstrassen nach Süden, die US Grenze rückt näher. In Lethbridge der herrliche Nikka Yuko Garden, ein Geschenk von Japans Regierung. Mittag im Pizza Hut mit Buffet für 6,99 CAD. Am Nachmittag bis hinter Fort McLeod, genauer zum Head-Smashed-In. Diese Klippen nutzten die Indianer über 5.000 Jahren zur Büffeljagd. Die 15 m Höhe reichen um Büffel zu töten oder wenigstens schwer zu verletzen. All die Jahre in Einklang mit der Natur, dann kommt der Europäer und macht das zunichte. Ich bleibe dann auf dem nahen Campingplatz. Da ist wenig los und bald senkt sich der Abend still über die Prärie. Ein schöner Sonnenuntergang, danach ein großer und am Anfang sehr orangefarbener Vollmond. Als Begleitmusik das Zirpen der Zikaden und das Heulen der Kojoten. Freitag in Cardstone zu einem Mormonentempel. Nach weiteren 40 km tauchen die Rocky Mountains des Waterton National Parks auf. Der Übergang von Prärie zu den 3.000er Gipfeln ist überraschend kurz. Die Stadt Waterton verschlafen, nur das Prince Wales Hotel thront als Ikone über dem See. Leider bleibt die Aussicht trübe, der Wind treibt den Dunst großer Waldbrände aus 200 km Entfernung herüber. Im Park kurze Abstecher zum Red Rock Canyon, Cameron Lake und Cameron Wasserfall. Im hiesigen Hostel ist kein Platz für mich, also schlage ich das Zelt vor den Toren des Parks auf.

Mormonentempel Cardstone

endlose Strassen, erst mit Zivilisation...   ...dann ohne...   

 ...und plötzlich wieder Berge

Samstag. Nach dem kühlen Abend ein warmer Morgen. Die trockene Luft aus Süden bringt auch mehr Rauchschwaden. Ich bin 10 Uhr am kleinen Hafen von Waterton. Ein Schiff bringt 30 Wanderer über den See, wo eine der schönsten Wanderungen des Landes hinauf zum Crypt Lake beginnt. Ich bin bald der Erste der sich weit auseinanderziehenden Gruppe, denn der Weg ist trotz 700 Höhenmetern leicht. Nervenkitzel kurz vor dem See: eine Eisenleiter am Fels, danach ein enger, 20 m langer Tunnel, den ein paar der Wanderer wohl auf allen vieren durchqueren müssen, und ein Stück am steilen Fels entlang, zur Sicherheit mit Stahlseil. Der See selbst ist hübsch, aber da gab es schon schönere. Ausruhen im Sonnenschein und dann der Rückweg durch den Roaring Falls Canyon. Ich kann mir Zeit lassen, denn das einzige Boot zurück geht 17.30 Uhr. Das Hostel hier enttäuscht. Gemanagt vom Hotel nebenan ist es wohl ein ungeliebtes Kind. Miese Miniküche und kaum Platz. Die enge “Lounge” ein Witz: fensterlos, ein Tisch und sechs unterschiedliche Stühle bei 20 Betten. Das soll 33 CAD wert sein? Morgen bin ich hier weg!

Red Rock Canyon             

       Cameron Wasserfall

       A- und B-Hörnchen

           am Crypt Lake

Sonntag mache ich in Waterton den Anderson-Carthrew-Trail. Hinter dem Dorf ab in den Wald und bald gut bergan. Nach einer Stunde der erste Bergsee, dem weitere folgen. Ich erwarte nach gestern wenig, komme jedoch spätestens am Gipfelgrat ins Staunen. Starker Wind hat die Rauchschwaden vertrieben und von oben kann man tief in den Park schauen. Grandiose Farben, weiße Gipfel, hängende Täler und verborgene Bergseen. Bald begegnen mir Touristengruppen, vom Cameron Lake kommend auf dem Weg nach Waterton. Am Summit Lake vorbei führt mein Weg hinunter zum Boundary Creek. Das ist Bärenterritorium, was mich kaum noch schreckt. Der selten benutzte Pfad verschwindet manchmal fast im dichten Wald. Zur Beruhigung begegnen mir vier Leute - und keine Bären. Irgendwo kreuze ich die Grenze zur USA und komme am Waterton Lake ohne Grenzposten wieder nach Kanada. Spät bin ich am Auto und verlasse den Nationalpark. Es ist keine Stunde bis Pincher Creek, wo ich einen Zeltplatz mit Dusche für nur 5 CAD entdecke. Montag ist das Wetter nach wie vor traumhaft schön und warm. Entlang an den Bergen, die den Tälern viel Raum lassen, geht es gen Norden. Crowsnest Pass, Cranbrooke und Radium Hot Springs liegen auf dem Weg, bis ich am Nachmittag in Golden eintreffe. Das Hostel in der Stadt liegt leider genau an der Eisenbahn. Also versuche ich es außerhalb im “On the Caribou Hostel”. Volltreffer. Ruhig im Wald gelegen, eingerichtet wie ein Zuhause. Als einziger Gast habe ich das alles für mich, echt toll. Seit langem ein Abend vor dem TV. Das hat nicht gefehlt, ist aber mal eine Abwechslung.

Anderson-Carthrew Trail     

     Grenze Kanada - USA

   bei den Wölfen in Golden

     im Glacier Nationalpark

19. Woche vom 12. bis 18. September 2006:
Dienstag, Jubiläum in Golden, mein 25.000ster Autokilometer in Kanada. Rein rechnerisch sind das 225 km pro Tag, ganz schön viel. Heute in Golden der Gang zu Northern Wolfes, wo Wölfe aufgezogen, trainiert und so nah wie möglich an ihrem normalen Leben gehalten werden. Sehr interessant. Mittag laufe ich im Glacier Nationalpark ich auf den Glaciercrest in 2.250 m Höhe, mit tollem Ausblick auf die Gegend. Ein Halt im Revelstoke Nationalpark um mir riesige, 500 jährige Zedern anzuschauen, und am Abend Eintreffen in Revelstoke. Mittwoch ein kühler Morgen mit einigen Wolken. Für mich eine Fahrt hinauf zum Mt. Revelstoke. Die Strasse führt fast bis zum Gipfel in 1.930 m Höhe. Ab da zu Fuß weiter. Der Weg ist gut und leicht, genau richtig nach den vielen schweren Tracks. Eine schöne, fast mystische Gegend. Donnergrollen am Eva Lake lässt mich lieber umkehren. Der erste Schauer mit Graupel, beim zweiten sitze ich im Auto. Im Hostel treffe ich interessante Leute. Mit Paul aus Neufundland, der sein Geld in Fort Mac Murray verdient, verquatsche ich die halbe Nacht. Donnerstag. Es regnet seit letzter Nacht und hört bei 10°C auch nicht auf. Ich bin bald in Kelowna, Okanagan Valley, dem Obstgarten von British Columbia. Nach einigen Telefonaten habe ich eine Erntejob. Freitag der Wecker 6 Uhr. Der Iraner Alex sammelt mich, die Koreaner Chum und Jed, wie die Japanerin Aki ein. Noch nicht international genug? Unsere Arbeitgeber entpuppen sich als Inder. Kurze Einweisung und los. Bezahlt wird pro Großkiste, in die fast 400 kg Äpfel passen. Trotz kurzer Schauer finde ich einen Rhythmus und habe am Abend vier Kisten voll, nur Durchschnitt. Samstag blauer Himmel und drückende Sonne, was durstig macht. Äpfel vom Baum sind tabu, die Hände werden beim Pflücken schwarz und schmierig. Ein Grund mehr nun Handschuhe zu tragen. Sonntag. Selber Rhythmus. Unsere Truppe versteht sich und wir machen alles zusammen: Essen, Arbeiten und das bisschen Freizeit. Über mein Auto sind alle froh, das erspart uns so manchen Fußweg vor und nach der Arbeit. Am Montag graue Wolken am Himmel und es fängt bald an zu regnen. Die anderen hören auf und auch ich halte nur eine halbe Kiste länger durch. Im Hostel: Ausruhen, Wäsche waschen. Auf Arbeiten eingestellt fahre ich am Nachmittag allein zur Plantage. Der Regen hört auf und mir gelingen zwei weitere Kisten.

                                   herbstliche Stimmung auf dem Mt. Revelstoke                       

  internationale Apfelpflücker

20. Woche vom 19. bis 25. September 2006:
Am Dienstag kommt nur Aki mit, die Jungs machen Pause. Grauer Himmel, Bäume wie Äpfel sind nass und kalt, aber es reißt auf und wird ein schöner Tag, mein letzter hier. Der Körper wird es mir danken, denn mit dem 15 kg schweren Beutel voller Äpfel vor dem Bauch herum zu laufen ist schwer. Wahrscheinlich fühlt es sich so an schwanger zu sein. Am Abend bekomme ich den Scheck, der rechtzeitig vor Bankschluss zu Geld gemacht wird. Aki kocht für uns und wir haben einen schönen letzten Abend. Mittwoch. Abschiedszeremonie auf asiatisch, dazu dunkelgrauer Himmel. Nebenstrassen bringen mich auf den Highway 1 und zum Fraser River. Ihm folge ich durch so manche Schlucht, wie bezeichnenderweise dem Hells Gate Canyon. Es regnet und scheint auch nicht so schnell aufzuhören. Ein Halt in Hope, Originaldrehplatz von “Rambo 1”. Othello Tunnel, steile Canyons, dazu Brücken und der Ort an sich. Dann weiter nach Westen. Vor seltenen Straßentunnel stehen Schilder: “Achtung Tunnel, Sonnenbrille absetzen” - das ist Amerika. Der Regen wird stärker und der Himmel dunkler. Angekommen in Vancouver biege ich vom Downtown Highway gleich zum Fährhafen von Tsawassen ab. Die abfahrbereite Fähre erreiche ich mit Vollgas und bin zwei Stunden später in Nanaimo, Vancouver Island. Zu spät für ein Hostel wird in einer ruhigen Seitenstrasse mein Auto zum Bett.

Brücke im Hells Gate Canyon

   Othello Tunnel (Rambo 1)

         Canyon bei Hope

bei den Bridal Vail Falls

Donnerstag schlafe ich im Auto immerhin bis 8 Uhr. Der Himmel blau und das Frühstück ein paar Kilometer weiter am schönen Strand. Keine Ahnung warum, aber ich fühle mich auf der Insel sofort wohl. Gemütlich cruise ich nach Norden. Rechts das Meer zwischen Kanada und der 450 km langen Insel. Links gleich nach den Sandstränden steil aufragende, bis 2.000 m hohe Berge. Das ist meine Gegend, definitiv. Dazu kleine, ansprechende Orte. Auf dem Festland waren die Städte entweder groß, oder nach amerikanischen Vorbild gesichtslos: einige parallele Strassen ohne Charme, dazu Tanke und Shoppingmall, mehr nicht. Hier ist das anders. Mehr Leben, allerdings vor allem Senioren die sich wegen dem milden Klima hier zur Ruhe setzen. Bald Ankunft in Courtenay/Comox. Das Hostel macht erst 16.30 Uhr auf, also bei Starbucks einen riesigen Kaffee holen und mit einem Buch an den Strand setzen. Später checke ich im Shantz Haus ein. Nett, klein und gemütlich. Freitag, blauer Himmel und somit Zeit zum Wandern. Mit dem Auto von Meereshöhe zum Mt. Washington Ski Resort. Von da zu Fuß durch eine herrliche Gegend auf den Mt. Albert Edward. Mal gemütlich über Wiesen, mal durch den Wald, häufig vorbei an kleinen Seen, führt letztlich der Pfad fast senkrecht den Fels hinauf. Von 2.093 m Höhe ein traumhafter Ausblick auf Vancouver Island, die umgebenden Inseln und das Festland mit einer ganzen Reihe schneebedeckter Gipfel. Ich verbringe den ganzen Tag da oben und komme erst spät zurück.

an den Stränden von Nanaimo, mit teilweise viel Strandgut 

                     auf und an der Paradise Meadow

Samstag, Sonne pur. Von 4°C nachts schafft es das Thermometer tags auf angenehme 25°C. Mit dem Auto nach Norden. Die Städte werden noch kleiner und verschwinden schließlich fast ganz. Mal geht es an der Küste entlang, mal durchs Inselinnere. 13 Uhr Ankunft in Telegraph Cove. Dort muss es schnell gehen, denn ein geplantes Boot legt bereits in 15 Minuten ab: Whale Watching. Diesmal stehen Orcas, Killerwale, auf dem Programm. Zuerst sehen wir Delphine. Die spielen eine Weile neben dem Boot und surfen in unseren Wellen. Dann tauchen die ersten großen und schwarzen Finflossen aus dem Wasser auf. Orcas leben in Familien, so sehen wir gleich einige von ihnen. Im Laufe der Tour kommen mir mehr als zwanzig vor die Linse. Sie sind schneller als die großen Wale und schwierig zu fotografieren, aber es ist toll ihnen zuzusehen. Zum Abschluss zeigen sehen wir zwei Buckelwale, dann bringt uns der Kapitän zurück in den Hafen. Ich komme noch bis Port Mc Neil, wo die Hostels kein Bett frei haben. Also eine Nacht im Zelt. Immerhin kann ich es am Strand aufschlagen, wo mich der Klang der Wellen in den Schlaf wiegt. Sonntag weckt mich in Nebelhorn und der Klang von Regen. Gut das der Zeltplatz einen überdachten Picknickplatz hat und ein trockenes Frühstück möglich ist. Weiter nach Norden. Der Regen hört auf, nur der dichte Nebel bleibt. Das heutige Ziel, Port Hardy, liegt nah. Eine Pause im Cafe, danach herumstromern. Am Strand gelingen ein paar tolle Fotos, und ich höre Wale im Nebel auftauchen und ausblasen. Am Nachmittag im C&N Backpacker einchecken. Der Manager erscheint erst nach einem Anruf und ward danach nicht mehr gesehen. Dazu soll das Haus gestern ausgebucht gewesen sein, es sind aber nur vier Gäste da. Merkwürdig. Am Montag erneut dichter Nebel. Einen Besuch im Cape Scott Nationalpark lasse ich bei dem Wetter und fahre zurück nach Port Mc Neil. Dort bringt mich die 11.30 Uhr Fähre nach Alert Bay, eine 5 km große Insel, empfohlen als Fusion zwischen First Nation und Fischerdorf. Na ja, das ist nicht meins. Überall zeigt sich Verfall. Zwar an jeder Ecke Totems und die Insel durchzogen mit Wanderwegen, aber alles macht einen deprimierenden Eindruck. Das Hostel dafür top, bin der einzige Gast

                           auf Mt. Albert Edward                     

         Lichtspiele am Strand von Port Hardy: mystisch       

  Walbeobachtung: Killerwale

     die perfekte Symmetrie 

                   Totems und Gebäude auf Alert Bay

21.Woche vom 26. September bis 2. Oktober 2006
Der Dienstag beginnt neblig. Nach dem Frühstück streikt der Chevy wieder. Liegt wohl an der Feuchtigkeit und dem im Inneren verfaulten Auspuff. Durch Quälen der Batterie springt er 20 Minuten später doch an. So komme ich noch rechtzeitig zur Fähre nach Vancouver Island und dann auf bekanntem Weg zurück nach Süden. 40 km weiter ein strahlend blauer Himmel. Die Sonne vertreibt schnell die trüben Gedanken aus dem Norden. Kaffeepause in Courtenay und ab ins Zentrum der Insel. Eine Stunde später in Port Alberni, selbsternannte “Lachshauptstadt”. Die Stadt selbst nur Durchschnitt. Das Hostel etwas außerhalb, klein und besonders, schon wegen dem Besitzer. Selbst Reisender mit viel Asienerfahrung, Minimalist und Hang zur Selbstversorgung. Heute Filmabend mit zwei Baumpflanzern aus Ontario. “Corporation” und “Bowling for Columbine”. Michael Moore kann es eben. Mittwoch auf Empfehlung zu den Stamp Falls, wo die Lachse einen Wasserfall überwinden müssen. Zu Hunderten schwimmen teils dicke Brocken im natürlichen Pool unterhalb der Fälle. Erstaunlich wie sie mit gewaltigen Sprüngen die Höhe überwinden. Über Berge und durch enge Schluchten weiter zur Westküste von Vancouver Island, und damit zum offenen pazifischen Ozean. Erster Halt im Dorf Ucluelet, dann kurze Wanderungen zu Buchten, Stränden und durch nordischen Regenwald. Das Wetter ist weiterhin ein Traum. Am Nachmittag Tofino am Ende der Strasse, da hätte ich mehr erwartet. Zu touristisch und kommerziell. Selbst das hoch gelobte Hostel schaut nur in Richtung Hafen und nicht zum Ozean. Also kein Blick auf stürmische See oder traumhafte Sonnenuntergänge. Am Donnerstag bleibt der Nebel bis Mittag hängen, dann löst ihn die Sonne langsam auf. Auf zum Long Beach, 20 km südlich. Dort hängt am Strand  noch der Nebel und zaubert fast mystische Momente. Zurück zum Hostel und später zu einer nahen Bucht. Freitag Nebel und Niesel.  Nach dem Frühstück mit einem Buch “Der Schwarm” auf die Couch. Gegen Mittag ein Schläfchen. Als ich die Augen öffne: Sonnenschein! Ab ans Wasser. Diesmal Tonquin Park. Faulenzen und Sonnenbad. Danach zur Schooner Cove, die nächste schöne Bucht. Abends Pläne schmieden mit Robert, Sarah und Sophia

Lachse an den Stamp Falls 

  Westküste Vancouver Island

  die Baumwurzel wie ein Fels

               in Tofino

Samstag. Mein Chevy wird voll ausgelastet: vier Leute mit Gepäck, deutsche Jungs und dänische Mädels. Wir liegen auf der Strasse wie auf Schienen. Gemütliche Inseldurchquerung. Einziger Halt in der Cathedral Crove, wo ein Stück uralter Wald der Säge entgangen ist. Die 800 Jahre alten Douglas Fichten sind bis zu 2 m dick und 70 m hoch. Nachmittags Ankunft in Victoria, der Inselhauptstadt. Kulturschock. Nach langer Zeit in Kleinstädten und Dörfern zeigt Victoria alles. Ausgestorbene “Völker”, wie Punker, Irokesen, Grufties, Grungies und sonstiges hängen hier rum, auch im Hostel. Das hat über 100 Betten, ist laut und nicht sauber. Dabei ist es das Beste der Stadt. Wenigstens bekommen wir vier ein Zimmer für uns. Später ins Nachtleben. Ich lande in der Lucky Bar. Volltreffer. 80% der Musik ist mir unbekannt, aber es wird eine tolle Party. Ich lerne drei Kanadierinnen kennen und wir tanzen bis der Club schließt. Sonntag ein spätes Frühstück, dann Stadtbummel. Victoria zeigt sich als wirklich schöne Stadt. Zentrum, Hafen, die Häusern der Schönen und Reichen. Dazu Parks, Strände, sogar eine kleine Burg. Das Ganze bei blauem Himmel. Montag ist der Auspuff vom Chevy fällig. Ich finde Island Muffler, wo für den Austausch nur 20 Minuten und 140 CAD nötig sind. Restlicher Tag: am und im Regierungsgebäude, das Royal Museum of Victoria, im IMAX Kino eine virtuelle Expedition den Nil hinunter. Noch China Town und Government Building, dessen Nachtbeleuchtung stark an Disneyland erinnert.

Victoria in alt                   

           Victoria in neu 

       Victoria bei Nacht

       ohne Worte :-))))

22.Woche vom 3. bis 9. Oktober 2006:
Dienstag. Bin zum letzten Mal mit Robert, Sarah und Sophia unterwegs. An der Westküste fahren wir bis zum Ende der Strasse nach Port Renfrew. Während der Ebbe besuchen wir den Botanical Beach. Zu dieser Zeit sind kleine Pools zwischen den Felsen erreichbar und bieten ganze Ökosysteme. Muscheln, kleinste Krabben und Fische. Echt überraschend. Ich laufe dann einen Teil des Juan de Fuca Trails bis zur Povidence Cove. Ähnlich wie beim West Coast Trail führt der Pfad durch Regenwald immer an der Küste entlang. Bemooste und bizarre Wälder, Wurzeln, Bäche und Schlamm. Dazu ein ständiges auf und ab. Wanderherz was willst du mehr. Auf dem Weg nach Victoria halten wir am Sombrio Beach und erleben noch einen tollen Sonnenuntergang.

Totem in Victoria                            Spiel der Farben                   am Botanical Beach    

       am Sombrio Beach

Mittwoch lärmt die Baustelle neben dem Hostel ab 7 Uhr. Die Fahrt zum nahen Fährterminal bei strahlend blauem Himmel. Eine halbe Stunde später mit dem Schiff zum Festland, in Vancouver ohne Halt aus der Stadt heraus und am Howe Sound entlang bis zum Hostel in Squamish. Nach dem lauten Haus in Victoria ist es beinahe beängstigend still. Donnerstag zum nahen “Chief”, ein Granitfelsen der 700 m senkrecht in den Himmel schießt, ein Kletterparadies. Erst zum Shannon Wasserfall, dann auf den Berg. “Wegbeschreibung”: Leitern, Ketten und nackter Fels. Die Strecke ist nur 3 km lang, aber es geht 700 m hinauf. Das macht Spaß und wird mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Nachmittags einkaufen und nach Autoreifen rumfragen. Meine sind nieder. Das beste Angebot mit 360 CAD bei Canadian Tire. Abends schmort ein 1,2 kg Lachs im Backofen, sehr lecker. Freitag zu Canadian Tire, wo man in einer halben Stunde neue Reifen aufzieht. Im Hostel das Auto ausräumen. Was sich darin so alles angesammelt hat... Dann intensiv putzen. Poliert sieht der Chevy richtig gut aus, also gleich eine Verkaufsanzeige basteln. Samstag zum Garibaldi Park, 40 km nördlich. Ich bin spät dran, der Parkplatz schon halb voll. Wochenende und schönes Wetter eben. Es macht Spaß mit all den Leuten unterwegs zu sein. Gut bergan bis zum Plateau, dann wird es ruhiger. Ich biege zum Mount Black Tusk ab, ein riesiger, schwarzer Felsen. Ringsum herbstlich leuchtende Farben und im Schatten ein weißer Belag auf dem Pfad, Schnee von letzter Nacht. Ich treffe Aime und Simon, ein kanadisches Paar. Gemeinsam warten wir bis sich eine Bärenmutter mit “Kind” vom Pfad verzieht, dann weiter. Bald ist da nur noch Anstieg und Schotter. Am Fuß des Gipfelfelsens fantastische Ausblicke. Die beiden machen Mittagspause, den Gipfelsturm unternehme ich allein. Der Pfad führt um den halben Felsen herum, dann senkrecht hinauf klettern, möglichst ohne Blick hinab. Der Aufwand lohnt, fühle mich als König der Welt da oben. Runter wird es gefährlich, inzwischen sind die Hände halb starr vor Kälte. Die Sonne zeigt sich nur noch schemenhaft, ein Wetterwechsel kündigt sich an. Aime und Simon haben auf mich gewartet. Wir trennen uns dann am Garibaldi Lake. Ich fahre nach Whistler, DEM Skiressort von Vancouver. Übernachtet wird in Pemberton, ein kleiner Ort ein Stück weiter nördlich.

der Shannon Wasserfall      

der “Chief”, 700m nackter Fels

           auf dem Fels

           im Garibaldi Park

Sonntag. Wolken und Niesel. Gemeinsames Frühstück unter Backpackern. Als die Sonne raus kommt zerstreut es alle. Mein Tag wird gemütlich. Am Nachmittag fahre ich zum Nairn Falls und Lillooet Lake. Am gleichnamigen Fluss wieder hunderte Lachse auf ihrem Weg. So kurz vor dem Laichen sind  ihre Körper sehr farbig. Es riecht, besser gesagt stinkt, gewaltig nach Fisch. All jene die es nicht schaffen liegen sterbend und angefault am Flussufer. Montag, 9.Oktober und Thanksgiving. Nebliger Morgen und zugefrorene Autos. Es dauert bis sich die Sonne ihren Weg bahnt. Mit Wandersachen in den Joffrey Provincal Park. Es ist kalt im Wald, und Geröllfelder erweisen sich als gefährlich. Die Felsen sind mit Reif überzogen und glatt wie Schmierseife. Langsam passiere ich den unteren, den mittleren und schließlich den oberen Joffrey Lake. Der Weg schwierig, aber auch nur 6 km lang. Zu früh um Umzukehren. Eine Route führt am Gletscherfeld vorbei weiter rauf. Wurzeln, Schlamm, Geröllfelder. Weiter oben kommt Schnee dazu. Die Gefahr lohnt, denn einmal auf dem Sattel, bin ich praktisch über allem. Es ist absolut still hier oben, der vollkommene Frieden. Runter ist es genau so halsbrecherisch, aber ich kann mir Zeit lassen. Das letzte Geröllfeld liegt noch im Schatten und ist rutschiger als heute Morgen, ein Laufen wie auf rohen Eiern. Mein Wanderstock rettet mich des Öfteren  vor dem Sturz, allerdings zerbricht er auch dabei. Es wird wohl allmählich Zeit auf dieser Reise mit dem Wandern aufzuhören.

der Herbst und seine Farben

     Lachs vor dem Laichen

     der obere Joffrey Lake

     zwei gute Freunde ;-)

23.Woche vom 10. bis 16.Oktober 2006:
Dienstag nach Vancouver. Auf dem Highway 99 wird viel für Olympia 2010 gebaut und es dauert bis ich ankomme. In der Stadt  viel Verkehr, trotzdem kein Problem zum Hostel zu finden. Dort gibt es sogar kostenlose Parkplätze. Am Nachmittag spazieren. Es wird dauern bis ich mich an den Trubel gewöhne. Das Hostel liegt ruhig in einer Seitenstrasse, doch gleich um die Ecke tobt das Großstadtleben. Mittwoch. Stadtrundgang. Der Himmel strahlend blau und die Sonne wie im Sommer. Vancouver ist der Knaller. Tolle Architektur, Multikulti und selten hektisch. Ich gehe durch Downtown, das ältere Gastown, China Town und Yale Town, wo alte Lagerhäuser zu Lofts, Restaurants und Ateliers umgebaut wurden. Super. Donnerstag ist laut Vorhersage der letzte warme Tag mit Sonnenschein. Ich laufe zum Stanley Park, eine grüne Lunge der Stadt. Eine Umrundung sind 10 km und mit ein paar Pausen am Strand verbringe ich hier Stunden. Dann Granville Island, mit riesigem Frischmarkt und Künstler Galerien jeglicher Art. Am Abend hoffe ich auf erste Anrufe zwecks Autoverkauf, doch nichts passiert. Freitag wird wie versprochen das Wetter schlechter. Im Internetcafe setze ich den Chevy in weitere Verkaufsseiten und drucke eine Annonce mit Sachen die ich verkaufen will. 15 Uhr treffe ich Sarah aus Victoria vor dem Kino. Es ist der letzte Tag des Filmfestivals in Vancouver. Sie hat mich eingeladen, allerdings ohne zu sagen das auch eine Regisseurin nebst Produzentin dabei ist, wodurch ich nun die halbe Filmcrew kennen lerne. Deren Beitrag ist ein Kurzfilm mit, Überraschung, deutschem Titel: “Nicht angegeben”. Nach dem Kino gehen wir alle gemeinsam Essen. Samstag bringe ich die Annoncen unter die Leute und pinne sie in Supermärkte und Hostels. Dann warten. Am Nachmittag der erste Anruf. Die Hoffnung auf weitere Anfragen ist leider vergeblich. Recht mürrisch gehe ich abends aus. In Kanada startet die Party früher als in Europa, denn die Clubs müssen 2 Uhr schließen. Inzwischen gießt es wie aus Kübeln, also ins nahe Celebrity in der Davie Street. Bald wird klar was es mit dieser Strasse auf sich hat, denn 80% der Besucher sind gleichgeschlechtlich interessiert. Eigentlich stört mich das nicht, aber wenn sich fast nackte Jungs als Go-Go’s rekeln und sich intensiv selbst auf der Tanzfläche küssen, dann ist mir das zu viel. Sonntag. Ich war nicht der Einzige den die Davie Street überrascht hat, andere haben sogar “Angebote” bekommen. Es regnet heute, also lesen und am PC sitzen. Am Nachmittag fahre ich zur ersten Interessentin für das Auto. Die halbe Familie springt rum, aber der mürrische Onkel hat das letzte Wort und will es sich überlegen. Abends ruft noch einer an, meldet sich aber danach nicht wieder. Montag. Zum Verkauf vom Auto ist ein ICBC nötig, so was wie der TÜV von British Columbia. Laut denen wäre der Chevy in einem tollen Zustand, nur die hinteren Bremsen und die gerissene Windschutzscheibe werden bemängelt. Die Bremsen lasse ich gleich überholen, die Scheibe soll morgen werden. Nachmittag ein Kampf mit der Autoversicherung in Manitoba, die bei Glasschäden zahlen soll.

Vancouver: Wolkenkratzer und Glitzerwelt, knapper Grund erfordert Kreativität beim Bauen

die berühmte Dampfuhr in Gastown ist auf alt getrimmt, stammt aber aus den 1970er Jahren

24.Woche vom 17. bis 23. Oktober 2006:
Dienstag fahre ich in die UBC, Vancouvers größte Universität. Sie ist ein eigener Stadtteil und macht Lust da zu studieren. Ich bin hier um Verkaufsannoncen aufzuhängen. Dann zu Speedyglass, die die Windschutzscheibe ersetzen. Währenddessen bleibt Zeit die Gegend um Cambiestreet und Mainstreet anzuschauen. Auf dem Kingsway gibt es einige Autohändler, doch die zeigen kein Interesse am Auto. Mittwoch der nächste Regentag. Das ist normal, ab Oktober steigt der Niederschlag hier sprunghaft an Dafür bleibt es mäßig warm, während der Rest von Kanada bereits Nachtfrost hat. Ich verteile heute Annoncen in der Simon Fraser Uni. Am regnerischen Donnerstag passiert nichts. Freitag kommt die Sonne raus. Im Hostel startet eine Tour mit Erik, ein Unikum. Erst Stadtrundgang, dann raus zum Capilano Canyon. Wir sind zwanzig Leute und haben viel Spaß. Ein wenig wandern, eine Lachsaufzucht sehen und über eine sehr lange Hängebrücke laufen. Dann in 20 m Höhe auf Holzwegen durch einen Wald mit Baumriesen laufen und zum Abschluss in die tolle Bibliothek von Vancouver. Eindrücklich ihr Baustil, dem Kolosseum in Rom nachempfunden. Deren Nutzung ist kostenlos wenn man mit den Büchern im Haus bleibt. Später ins Nachtleben. Die Wahl heißt “Roxy”, ein Volltreffer! Die Musik vom DJ ist gut und wird von der Liveband noch getoppt. Samstag bin ich müde und schlendere  missmutig herum. Die Zeit um das Auto zu verkaufen wird knapp, also den Verkaufspreis reduzieren. Heutiges Abendprogramm: American Football im BC Stadium. Die BC Lions spielen an der Spitze der kanadischen Liga und 30.000 Zuschauer sind da. Meine Aufregung legt sich bald. American Football ist nett anzusehen, hat aber zu viele Unterbrechungen die werbewirksam genutzt werden. Auch die Cheerleader sind kein Hingucker. Die Atmosphäre im Stadion ist kaum mit Spielen in Europa zu vergleichen, es geht eher zu wie beim Familienpicknick. Für die 60 Minuten Spielzeit gehen drei Stunden drauf. Nach dem Spiel ist es zu spät für die Clubs, vor denen sich bereits lange Schlangen gebildet haben. Sonntag ein Besuch in der Bibliothek nebst Spaziergang in der Sonne. Im Queen Elizabeth Park hat der Herbst leuchtende Farben gezaubert. Einer ruft wegen dem Chevy an und wir treffen uns später. Dabei agiert der eingewanderte Iraner recht lustlos. Am Abend mit Daniel ins Kino: “Open Saison” (bei uns: Jagdfieber). Echt lustig, vor allem weil ich jetzt weis wie nah dran das an der kanadischen Wirklichkeit ist. Montag. In einem Akt der Verzweiflung senke ich den Autopreis noch einmal. Die Campingsachen will auch keiner, also bringe ich sie für wenig Geld zu Sport-Junkie, einem Second Hand Laden. Einmal auf dem Weg klappere ich erneut Autohändler ab. Einer bemüht sich wirklich und macht ein Angebot von 900 CAD, doch das ist ganz schön wenig. Am Abend rufe ich bei der Farm in Saskatchewan an, auf der ich vor einigen Wochen war. Als Newton hört wie preiswert mein Auto inzwischen ist zeigt er sofort Interesse.

im Stanley Park                            die Lions Gate Bridge              der Yachthafen von Vancouver bei Tag...und Nacht

25. und letzte Woche vom 24. bis 29. Oktober 2006:
Dienstag überschlägt sich alles. Erst ruft Newton an und will das Auto. Leider zeitlich knapp und aufwendig, denn ich müsste es zu seinem Cousin nach White Rock bringen und das Geld wäre erst am Freitag da. Eine Stunde später meldet sich Tom, ein Engländer der gerade in Kanada angekommen ist. Er kauft den Chevy sofort. Da versuche ich zwei Wochen lang ohne Erfolg das Auto los zu werden, dann ginge es gleich zwei mal. Newton sage ich ab, zu umständlich das Ganze. Papierkram erledigen und alles mit der Versicherung klären. Mittwoch mehr Regen. Ich sitze am PC, erledige Telefonate, verkaufe das Handy samt Karte und tausche die “Autodollar” in Euro. Es ist wie in den letzten Tagen in Neuseeland: Körperlich bin ich noch hier und mache auch einiges, gedanklich bin ich aber bereits in Europa und bei weiteren Plänen. Mittwoch Abend reißt endlich mal der Himmel auf. Mein Signal um zum Harbour Centre Tower zu fahren. Der Ausblick von da auf eine Stadt im letzten Dämmerschein mit aufflammenden Großstadtlichtern ist genial. Donnerstag, sortieren und packen. Fühle mich gut, da nun alles erledigt ist. Am Abend fahre ich mit Daniel auf den West Broadway zum Mongolen. Richtig lecker, und cool dabei zuzusehen wie der Koch unser Essen auf einem riesigen heißen Stein zubereitet. Freitag. Grau und regnerisch, wie inzwischen gewohnt Ein Streifzug durch Chinatown und Gastown auf der Suche nach kleinen Souvenirs. Schwierig, denn ich bin kein Shopper und das Angebot ist ganz schön kitschig. Einziger Lichtblick: bei “The Bay” wird gerade eine Kollektion für Olympia 2010 ausgepackt. Kurz darauf bin ich im Besitz einer coolen Jacke. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen und die nächste Partynacht steht an. Ein eher mäßiger Besuch im Red Room Club und ich liege bereits vor 2 Uhr im Bett. Samstag ein kleiner Sightseeing Trip. Mit dem Skytrain fahre ich kreuz und quer durch Vancouver. Das coole dabei: Man kann sich im fahrerlosen Zug auf die Position des Lokführers setzen und erlebt die Fahrt ganz neu. Es trübt sich wieder ein, also streiche ich den Plan zum Grouse Mountain zu fahren und spaziere lieber am nahen English Beach. Nachtprogramm: Clubbesuch in der Granville Street. Gut das ich schon 21 Uhr da bin, denn es ist Halloween, Party überall. Die Mädels trotz kühler Temperaturen in sehr knappen Kostümen. Ein fetziger letzter Abend für mich. Sonntag. Ich verabschiede mich von Bekannten und gehe zum letzten Mal in die Stadt. Sonnenschein und kalter Wind, der Herbst lässt grüßen. In der komfortablen Bibliothek lese ich mich zwei Stunden im Reiseführer über Tibet fest. Rechtzeitig mit dem Bus zum Flughafen. Der Check-in bei British Airways problematisch, jüngste Terroranschläge komplizieren den Umgang mit dem Handgepäck erheblich. 20 Uhr verlasse ich wehmütig kanadischen Boden und überfliege innerhalb der nächsten fünf Stunden eine Strecke, für die ich mit dem Auto in anderer Richtung fünf Monate gebraucht habe.

Bibliothek Vancouver    

   kanadische Meerjungfrau

         American Football

 im Flughafen von Vancouver

Ein, zugegeben, sehr spätes Nachwort:
Das war sie, meine Zeit in Kanada. Und sie war gut, richtig gut. Was davon am intensivsten hängen bleibt? Das wirklich große Gefühl der Freiheit. Ausgehend von dem dichter besiedelten Streifen an der Grenze zur USA tropft die Zivilisation in Richtung Norden schnell aus. Was so toll klingt und Grundvoraussetzung für so manches Abenteuer ist, daran galt es sich erst einmal zu gewöhnen. Nach der ersten großen Reise vor zwei Jahren durch Neuseeland dachte ich hier wird es ähnlich sein: an jeder Ecke Hostels, Backpacker und Möglichkeiten - doch weit gefehlt. Auf Grund der wirklich riesigen Entfernungen sieht man nur selten Reisekollegen und ist meist auf sich selbst gestellt. Als „Gegenleistung“ dafür stehen Ursprünglichkeit und Zwanglosigkeit, eben gepaart mit dieser Freiheit und Weite. Als ich den ersten Autoatlas von Kanada in den Händen hielt, dachte ich noch das es zwischen den vereinzelten Stichstrassen in den hohen Norden Querverbindungen geben müsste. Fehlanzeige. Vielleicht sind da ein paar wirklich halsbrecherische Feldwege, aber ansonsten führt nur die Strasse wieder hinaus die auch hineinführt. Churchill, Yellowknife oder Inuvik sind da nur Beispiele. Und all das sind weite Wege, wirklich weite Wege… So kamen auch mit gründlicher Streckenplanung mehr als 27.000km mit dem eigenen Auto zusammen. Selbiges konnte ich mir mit einiger Mühe immerhin in  recht kurzer Zeit besorgen. Es hielt auch problemlos durch, nur der Verkauf gestaltete sich knapp und nervenaufreibend.
Und sonst? Kanada als Traum für Auswanderer wird all seinen Klischees gerecht. Die Menschen dort, wie auch das Klima, sind rau, aber ehrlich. Die Landschaften so verschieden wie man es in einem so weitläufigen Land erwarten darf. Der vielfältige Osten mit den Städten und touristischen Highlights wie den Niagara Fällen. Die flache Mitte mit einem scheinbar unbegrenzten Horizont, sowie der wilde bergige Westen, wo in meinen Augen das Kanada existiert, welches man sich erträumt.
Für mich begann der beste Teil der Reise mit den Rocky Mountains. Ich bin nun einmal der Bergwelt zugetan und genieße jeden noch so harten Aufstieg, wird er doch meist mit grandiosen und eindrücklichen Aussichten belohnt. Die Natur wird komplettiert mit der jeweiligen Flora und Fauna. Letztere war äußerst interessant, wenn man von Blacklflies und Moskitoschwärmen absieht. Bär, Bison, Elch und Wale sind nur die großen Vertreter, wobei mir das ach so nahe Aufeinandertreffen mit einem wilden Grizzly wohl ewig in Erinnerung bleiben wird.
So bleibt mir letzten Endes nur fest zu stellen: Kanada ist eine Reise wert - und wohl mehr als eine…