Wir schreiben den 28. September 2017 und eine weitere Reise nach Lateinamerika steht an.

Die Karte von Mittelamerika mit meiner Reiseroute

1. Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2017
Nach zweieinhalb Jahren Pause bin ich endlich mal wieder “on the road” und will ein paar weiße Flecken in Mittelamerika tilgen. Condor, oder besser gesagt Thomas Cook, bringt mich nach Cancun, Mexico. Ein typischer Touristenflieger ohne hohe Qualität, dafür zu einem guten Preis. Die ersten Tage in Cancun zum Eingewöhnen. Es ist noch Regenzeit, also kommt öfters auch mal ein heftiger Schauer runter. Zusammen mit 30°C Tagestemperatur fühlt sich das dann an wie in der Sauna. Abgesehen von Hotelburgen und einigen hübschen Stränden gibt es wenig zu sehen, also ziehe ich bald weiter. Erstes Ziel ist die Insel Holbox. Nur unbefestigte Strassen, außer einigen Golfcars und kleinen Motorrädern fahrzeugfrei und alles ganz entspannt. Nette Gegend, nette Strände. Allerdings ziehen ordentliche Regengebiete durch und setzen manche Strasse komplett unter Wasser.

Cancun, Playa Delfines

nicht nur mir ist heiß...

auf der Insel Holbox...

...ist alles sehr entspannt

Das nächste Ziel ist Merida, im Nordwesten der Halbinsel Yucatan. Eine Millionenstadt die man so nicht spürt. Ich wohne direkt im Zentrum und kann bei schönem Wetter durch das dann offene Dach des Hostels die Kathedrale nebenan sehen. Cool. Die Stadt ist für mexikanische Verhältnisse alt und überdurchschnittlich schön. Jeder Spaziergang lässt etwas Sehenswertes und Neues entdecken. Und sie sind definitiv auf Touristen eingestellt, jedoch ohne das es störend wirkt. Jeden Abend ist was los, wie z.B. eine nächtliche Tour über den großen Friedhof oder das Nachstellen des alten Ballspiels der Maya, Pok Ta Pok, mit all seinen Ritualen und Kostümen drum herum. Das Wetter ist im Moment sehr gut und abgesehen von wenigen kurzen Schauern wechseln sich Sonne und Wolken ab. Vom Tropensturm “Nate” bekommen wir nichts mit und nichts ab. Glück gehabt.

bunt, ja bunt sind...

in Merida

Merida, Casa de Montejo

irgendwie passt das alles

2. Woche vom 5. bis 11. Oktober 2017
Während dem Aufenthalt in Merida ein Besuch der ersten alten Mayastätte. Uxmal liegt ungefähr 80 km südlich von Merida und beeindruckt durch große und gut erhaltene Gebäude beziehungsweise Ruinen. Vor allem die Pyramide des Zauberers ragt da heraus. Leider darf man sie wegen früherer Unfälle nicht mehr besteigen, aber auch die Große Pyramide nebenan erfüllt ihren Zweck und ich habe von ihrer Spitze einen weiten Blick auf das überraschend flache Umland mit scheinbar undurchdringlichen Busch, man könnte auch Dschungel dazu sagen. Ich gehöre dort übrigens am Morgen zu den ersten Besuchern und bekomme den Eindruck auf dem weitläufigen Gelände praktisch allein zu sein. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm...

Uxmal, die Pyramide des Zauberers und der Regierungspalast

Videomapping in Merida

Izamal, die gelbe Stadt

Danach bleibe ich vorerst in Merida. Samstag Abend mein erstes Videomapping, wobei die Front der Kathedrale als Leinwand für zwei riesige Beamer genutzt wird. Ein Super Erlebnis. Sonntag: auf dem Weg ins nächste Ziel ein Halt in Izamal, durch die einheitliche Bemalung der Häuser im Zentrum “gelbe Stadt” genannt. Sehenswert, und gleich nebenan kann man auf eine alte Maya Pyramide klettern. Nachmittag weiter nach Valladolid, geografisch gesehen im Zentrum der Halbinsel Yucatan. Eine nette kleine Stadt die ringsum einiges zu bieten hat. Als erstes sehe ich mir die Ruinenstadt Ek Balam an, eine Stunde außerhalb. Schön, interessant und mitten im Dschungel. Zurück füllt sich kein Colectivo, sprich Sammeltaxi, und ich beschließe kurzerhand die 50 km zu trampen, was praktisch sofort gelingt. Am Nachmittag setzen heftige Regenschauer innerhalb von drei Stunden die gesamte Innenstadt unter Wasser. Was da in kürzester Zeit runter kommt kann man sich im europäischen Maßstab kaum vorstellen. Dienstag zu einigen Cenoten. Das sind Sinklöcher im Kalkstein, manche komplett unterirdisch, manche Höhlen bei denen das “Dach” eingestürzt ist. Der Durchmesser variiert und kann 200 m, ihre Tiefe bis zu sagenhaften 400 m betragen. Sie sind mit Wasser gefüllt und laden meist zum Baden ein. Die zuerst besuchte Cenote Samula ist ganz hübsch, die nahe X’keken super. Sie zeigt sich als Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten, dazu gefüllt mit feinstem klaren Wasser. Für eine halbe Stunde habe ich diesen außergewöhnlichen Ort ganz für mich allein, was für ein Erlebnis. Mittwoch hole ich am Abend Piotr vom Bus ab. Wir haben uns bei meiner Vietnamreise 2008/09 kennen gelernt und den Kontakt gehalten. Dieses Jahr klappt es zeitlich wie auch geografisch mit dem Reiseziel und wir werden die nächsten vier Wochen gemeinsam unterwegs sein.

in Ek Balam

Cenote X’keken

Chichen Itza: El Castillo

Chichen Itza

3. Woche vom 12. bis 18. Oktober 2017
Donnerstag brechen wir früh zur bekanntesten Ruinenstätte in Yucatan auf: Chichen Itza. Vor allem das fotogene “El Castillo” beeindruckt, aber es gibt weit mehr zu sehen. Wir bleiben drei Stunden auf dem weitläufigen Gelände, welches ab dem späten Vormittag sichtlich von Tourgruppen gestürmt wird. Am Nachmittag verkriechen wir uns vor der Hitze, 35 °C und wolkenloser Himmel. Tags darauf mit Sack und Pack weiter. Unterwegs ein Halt in Coba, wo auch Mayaruinen stehen. Die verstecken sich im Dschungel. Uns bleibt vor allem die Kletterpartie auf die 42m hohe Hauptpyramide in Erinnerung. Nachmittags leihen wir uns Fahrräder aus und schaffen es trotz Hitze zur Cenote Multun-Ha. 20 Meter unter der Erde liegend und gefüllt mit glasklarem Wasser überspannt ein riesiger Dom die Höhle, nur von einer Lampe wie durch eine kleine Sonne erhellt. Mit Fotos kann man nur vage wiedergeben wie schön es da ist. Abends die Ankunft in Tulum, gelegen an der Ostküste von Yucatan. Samstag wollen wir zu den Ruinen die malerisch direkt am Strand liegen, doch da parken schon allein 10 Busse eines Unternehmens und fast 500 Mitarbeiter von Samsung ergänzen den normalen Touristenansturm. Also verschieben wir den Besuch und faulenzen am herrlichen Strand. Sonntag brechen wir sehr früh mit Leihrädern auf und sind trotz Regen zur Öffnung 8 Uhr an den Ruinen. Es hört bald auf zu regnen und wir bewundern alles ohne Menschenmassen, aber mit Regenbogen.

Coba, große Pyramide

Strand von Tulum

Ruinen von Tulum

Cenote Multun-Ha

Nach der Radtour ein spätes Frühstück, Sachen packen und weiter. Kurz vor der Grenze zu Belize bleiben wir zwei Tage an der Lagune Bacalar. Die ist, in einem Wort, wunderschön. Die Lagune hat einen Kalksteinboden und ist größtenteils sehr flach. An sonnigen Tagen definitiv ein Karibikfeeling. Unser Hostel liegt direkt am Ufer und es sind nur wenige Leute da. Fühlt sich an wie Urlaub. An einem Morgen leihen wir uns ein Kajak aus und drehen eine große Runde. Hinüber auf die andere Seite, durch die Mangroven und schließlich bis zur Cenote Negro, ein Sinkloch mitten im See. Sichtbar weil im klaren Wasser der Grund unter uns plötzlich verschwindet und die Farbe des Wassers fast zu schwarz wechselt. Cool. Dienstag wechseln wir von Mexiko nach Belize. Damit ändert sich nicht nur die Währung. Der Transport nun mit uralten, fast schrottreifen, Schulbussen aus den USA, die Strassen meist mies und vieles macht einen armseligen Eindruck. So teuer wie angenommen ist es hier nicht - solange man auf dem Festland bleibt. Nach einer Nacht in Orange Walk Town fahren wir nach Belize City. Die größte Stadt des Landes mit 60.000 Einwohnern beeindruckt keinesfalls. Heruntergekommen, deprimierend und schäbig. Wir bleiben nur eine Stunde, laufen durchs Zentrum und fahren dann weiter nach San Ignacio, im Westen des Landes. Das geht trotz miesen Bussen und Strassen schnell, denn die Ausmaße von Belize halten sich in Grenzen. Die Stadt unserer Wahl ist dann einfach, aber gefällt.

auf dem Markt

Lagune Bacalar

Kajaktour am Morgen

Belize City

4. Woche vom 19. bis 25. Oktober 2017
Donnerstag besuchen wir in San Ignacio die Mayaruinen Cahal Pech. Weil die Landschaft hier hügelig ist machen diese einen ganz anderen Eindruck als die bisher besuchten. Freitag eine außergewöhnliche Tagestour zur Höhle Actun Tunichil Muknal, kurz ATM genannt. Nach einer Stunde Fahrt auf teils abgelegenen Strassen rüstet man uns mit Helm und der darauf montierten starken Lampe aus. Weiter geht es zu Fuß, drei Flussquerungen inklusive. In die Höhle gelangt man schließlich schwimmend. Dann folgen wir unterirdisch einem kleinen Fluss über einen halben Kilometer tief in den Berg hinein, wobei wir uns manchmal durch enge Spalten zwängen müssen. Schon da sind geniale Felsformationen zu bewundern, die das Wasser tief unter der Erde erschaffen hat. Richtig aufregend wird es nach einer Kletterparty hinauf in eine zwanzig Meter höher gelegene Höhle. Die ist größer als eine Kathedrale und hat einen erstaunlich ebenen Boden. Überall Stalagmiten und Stalaktiten aus unterschiedlichem Material und dadurch verschieden farbig. Der Clou: selbst die Maya kannten diesen Ort und haben bereits vor 500 bis 1.000 Jahren hier Rituale vollzogen. Deshalb liegt neben jeder Menge antiker Keramik auch manch Skelett herum, wahrscheinlich Menschenopfer. Das bekannteste ist die “Crystal Maiden”, deren Knochen sich im Laufe der Jahrhunderte mit Kalziumkarbonat verbunden haben und deshalb kristallin leuchten. Was für ein Erlebnis! Danke Maya Walk Tours.

Höhle Actun Tunichil Muknal

Skelett der Crystal Maiden

Ruine Xunatunich

alter Stuck aus Mayazeiten

Samstag packen wir und fahren weiter. Kurz vor der Grenze noch eine Ruinenstätte: Xunantunich. Super gelegen, gut erhalten und die große Pyramide erinnert an eine Burg. Im Moment sind nur wenige Besucher hier, was bei vielen der nicht so im Fokus stehenden Ruinen der Fall ist. Gut für uns :-). Gleich darauf reisen wir in Guatemala ein. Schwierig hier an einheimisches Geld zu gelangen. Geldautomaten sind in kleinen Städten selten und die Banken nehmen nur brandneue Scheine zum Tauschen an. Wir bekommen wenigstens ein paar Quetzales, die Landeswährung, und schaffen es mit dem Bus bis Flores, faktisch eine Insel im See. Maui erwartet uns schon, ein weiterer Reisegefährte aus früheren Jahren. So sind wir nun für eine Weile zu dritt unterwegs. Wir wollen dann so schnell wie möglich nach Tikal, also nehmen wir am Sonntag 4.30 Uhr den Bus und sind nach anderthalb Stunden Fahrt pünktlich zur Öffnung der Ruinen vor Ort. Tikal gehört zu den Mayastätten die man wohl unbedingt gesehen haben muss. Ehemals eine große Stadt mit bis zu 200.000 Einwohnern, reicht ihre Geschichte weit mehr als 2.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Heute stehen noch die Pyramiden, Tempel und ein paar Ruinen, wobei einige Bauten bis zu 45 Meter hoch sind und über das Dschungeldach hinausragen. Es ist toll am frühen Morgen auf einer der Pyramiden zu sitzen während der Dschungel erwacht. Brüllaffen, Vögel und einiges mehr meldet sich auf jeden Fall kräftig zu Wort.

Dschungelfauna: Kliffhänger

Pfauentruthahn

Klammerschwanzaffe

schöner Schmetterling

Am Montag verlassen wir Flores im Regen und wenden uns nach Süden. Wir kommen gut voran, bis unser Bus auf einmal hält, scheinbar ohne Grund. Auflösung: Fluss voraus und im weiten Umkreis keine Brücke darüber. Also auf die Fähre warten, die jeweils nur wenige Autos transportieren kann. Spätestens ab der Stadt Coban kommen wir dann in bergiges Gelände und bald auch auf Schotterstrassen. So zieht sich die Strecke und wir erreichen Lanquin erst mit der Dämmerung. Am nächsten Tag ein Ausflug nach Semuc Champey. Trotz regnerischem Wetter wandern wir zum und im Nationalpark. Höhepunkt: In einem engen Tal blieb eine 300 Meter lange Naturbrücke aus Kalkstein stehen. Der Fluss verschwindet zu 80% darunter und oberhalb liegen Sinterterrassen wie Pools hintereinander, extrem farbenfroh und zum Baden einladend. Weil es die letzten Tage viel geregnet hat ist der Fluss voll und speziell wo er wieder zu Tage tritt röhrt und brüllt er wie ein ganz Großer. Prädikat: sehr sehenswert.

Flores

Tikal

Semuc Champey

Semuc Champey

Mittwoch ist der nächste Tag den wir komplett im Bus verbringen. Auf Grund des Wetters mit viel Regen im Norden und ersten Überschwemmungen ändern wir unseren Plan und beißen in den sauren Apfel mit der nächsten langen Strecke durch die Berge. Leider liegt auch Guatemala City auf dem Weg, was lange Staus und viel Verkehr auf den dortigen Strassen bedeutet. Kein schöner Tag, und es ist wie eine Erlösung, als wir abends endlich in Antigua, der alten Hauptstadt von Guatemala, eintreffen.

5. Woche vom 26. Oktober bis 1. November 2017
Donnerstag ein Stadtbummel in Antigua. Nach dem letzten großen und verheerenden Erdbeben 1773 zog die Hauptstadt nach Guatemala City um. Zurück blieb eine hübsche Stadt mit teils höllischem Kopfsteinpflaster. Neben niedrigen Häusern, die besser Erdbeben widerstehen, sieht man viele Ruinen alter Kirchen und Klöster. Vor allem aus diesen wird Kapital geschlagen und die Eintrittsgelder summieren sich schnell. Antigua erweißt sich als teures Pflaster, und hatten wir bisher schon das Gefühl das Guatemala an sich keineswegs mehr so preiswert ist wie es wohl mal war, so toppt Antigua das Ganze mit teils europäischen Preisen. Freitag stehen wir für eine Tour zum Vulkan Pacaya früh auf. Ganz hinauf zum Kraterrand dürfen wir nicht, dafür ist er zu aktiv. Rauchwolken stehen praktisch dauernd über ihm und manch kleine Explosion ist aus dem Krater zu hören. Als Beweis wie nah die Hitze ist, kann uns der obligatorischer Guide überraschen indem er an einigen Stellen am Berg Lavasteine hervor holt die 50°C warm sind. Zum Spaß können wir dann noch Marshmallows an einem der unterirdischen Gaslöcher erhitzen.

Antigua, Kirche im Ganzen

Antigua, Ruinen...

...auch von innen sehenswert

Einwohner von Antigua

Samstag weiter zum See Atitlan. Wir nehmen die preiswerte “Chicken Bus” Variante, welche zu einem Abenteuer an sich wird. In den alten Schulbussen aus den USA ist der Gang zwischen den Sitzreihen teils keine 25cm breit, weshalb man bis zu sechst in einer Reihe sitzt. Die Gepäckfächer sind mini, wenn überhaupt vorhanden. Also den großen Rucksack auf den Schoß nehmen. Bei einer Beinfreiheit von praktisch 0 cm ist das sehr unbequem. In Panajachel in ein Boot umsteigen und über den halben See ins Dorf Jaibalito. Keine Straßenanbindung und hinter den Häusern 700 m hohe Bergwände, ein Ort fernab der Welt. Das Hostel betreibt seit 17 Jahren Hans, ein ausgewanderter Deutscher, was sich auch beim Essen sehr lecker bemerkbar macht. Sonntag verabschieden wir Maui, der Freunde in El Salvador treffen will. Piotr und ich wandern etwas durch die Gegend. Montag der Wechsel nach San Pedro La Laguna. Viel touristischer, aber in der jetzigen Nebensaison erträglich. Störend wirkt die häufige Warnung vor Banditen und Überfällen, egal ob in Stadtnähe oder den nahen Bergen. Praktisch sicher wäre man nur mit einer Tour, doch das ist gar nicht nach unserem Geschmack. Trotz allem erstürmen wir allein am Dienstag den Vulkan San Pedro (2.995 m hoch), der täglich von Polizisten patrouilliert wird. Die Ausblicke vom Gipfel sind wenig aufregend und wir kehren eher ernüchtert zurück. Ein Wort zum See Atitlan: er ist groß (130 km²) und er ist tief (360m). Was mich stört ist der Fakt das es keinen Abfluss gibt, sprich alles Wasser aus dem See gelangt nach Gebrauch auch wieder in ihn hinein... Ausgesetzte Fische haben das Ökosystem bereits kippen lassen und alles in allem kann ich den Hype um den See nicht wirklich verstehen.

Vulkan Pacaya

Jaibalito, Lago Atitlan

 Werbung an der Hauswand: Hightech Maya ;-)

abenteuerliche Wege

Mittwoch packen wir und nehmen den Bus nach Quetzaltenango. Für die ersten, meist unbefestigten, 33 km braucht der alte Bus sagenhafte zwei Stunden, das ist selbst bei meiner Erfahrung rekordverdächtig. Auf der gut ausgebauten Panamericana geht es dann schneller voran und wir erreichen die Großstadt am frühen Nachmittag. Trotz ihrer 100.000 Einwohner fühlen wir uns schnell wohl und finden ein gutes Hostel. Nun ist vor allem abends eine wärmere Garderobe erforderlich, denn auf 2.300 m Höhe sind die Tage bei Sonnenschein zwar schön warm, aber die Nächte kühlen meist auf 10°C herunter.

6. Woche vom 2. bis 8. November 2017
Donnerstag wollen wir in der Stadt bummeln, aber ich fühle mich mies und bleibe den ganzen Tag im Bett liegen. Gefühl und Symptome deuten auf Grippe. Wenigstens Piotr kommt der recht hübschen Stadt ein wenig näher. Freitag geht es mir besser, trotzdem schicke ich meinen Reisekollegen lieber allein zum Markt nach San Francisco de Alto. Wie gut das war zeigt sich bald nach dem leichten Frühstück, als die Schmerzen im Bauch sprunghaft zunehmen und nichts Linderung schafft. Jetzt wird klar: das ist was ernsthaftes. Ich halte durch bis Piotr Mittag wieder da ist. Dann geht alles schnell. Die bestürzten Mitarbeiter vom Hostel rufen die Ambulanz - sagen wir lieber den Kleinbus, denn weder Ausrüstung noch Qualität der Federung entspricht dem was wir kennen. Wird eine harte Fahrt für mich. Im städtischen Krankenhaus lautet die Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Da muss operiert werden, aber hier??? Das Krankenhaus, für jeden kostenlos, hat weniger zu bieten als manche Arztpraxis in Deutschland und es geht zu wie im Bienenstock. Doch wenn die Not am größten... Mein rettender Engel taucht auf, Mitzi Castellanos. Assistenzärztin so wie alle hier (kein Chefarzt da), aber mit zweijährigem Studium in Deutschland! Mit ihr kann ich etwas deutsch reden. Sie gibt zu, OP ja, aber nicht unbedingt hier. Also telefoniert sie und findet einen Endoskopiespezialisten in einer privaten Klinik. Damit alles gut geht bringt sie uns gleich selbst mit ihrem Auto hin. Dort ein komplett anderes Bild: das Haus auf europäischem Standard. Ruhe, Einzelzimmer, peinliche Sauberkeit. Das Mitzi mit kam ist gut, denn hier sprechen alle nur spanisch. Untersuchung, Vorbereitung und ein paar Stunden später ist der schmerzende Wurmfortsatz draußen. Immer in der Nähe: Piotr. Vielen Dank dafür! Samstag darf und muss ich schon aufstehen. Schmerzen sind noch da, aber erträglich. 24 Stunden nach der OP werde ich aus dem Krankenhaus “geschmissen”, nachdem die fällige Rechnung mit Kreditkarte beglichen wurde. Ärztliche Auflagen: nichts heben, nichts tragen, viel ruhen. Daran halte ich mich wohl oder übel. Fühle mich wie ein sehr alter Mann, alles geht nur langsam und vorsichtig, dazu Schmerzen und vollkommene Appetitlosigkeit. Weil unser Hostel direkt im Zentrum liegt, lohnen sich aber selbst kurze Spaziergänge. Sonntag ist da eine große Prozession mit hunderten von Mönchen und dicken Nebelschwaden von Weihrauch. Eine tonnenschwere Plattform wird auch von Frauen getragen, gefolgt von einem Orchester mit eindrücklicher Musik. Mittwoch endet der Urlaub von Piotr und er tritt die lange Reise nach London an

Prozession in Quetzaltenango, auch die Frauen tragen schwer

Tempel am Stadtrand

Zentrum Quetzaltenango

7. Woche vom 9. bis 15. November 2017
Derzeit passiert wenig. Meine tägliche Routine: Spazieren, spanisch lernen, essen, schlafen. Immerhin geht es körperlich mit mir bergauf. Freitag zieht der Arzt die wenigen Fäden an den drei endoskopischen “Löchern”. Es schaut soweit alles gut aus, aber ich soll mich noch zwei Wochen gedulden bis die Reise einen Neustart erlebt. Samstag ein erster langer Spaziergang bis an die Stadtgrenze zu einem sehenswerten Tempel. So einen sauberen und gepflegten Garten wie da habe ich in diesem Land noch nicht gesehen. Montag ein kleiner Ausflug in die Umgebung. Mit dem “Chicken Bus” eine knappe Stunde bis Zunil. In dem Dorf findet montags immer ein schöner Markt statt. Viele Trachten, vor allem oder fast ausschließlich bei den Frauen, und auch sonst viel zu sehen. Fotografieren ist bei den Einheimischen verpönt, deswegen sieht man auch nichts vom Markt auf meiner Seite. Dafür aber von der schönen Kirche und dem spektakulär gelegenen Friedhof, hoch oben auf einem schmalen Grat über dem Dorf. Die weiteren Tage erkunde ich in immer neuen Schleifen Quetzaltenango (Xela), besuche mehrfach den großen Markt und finde immer neue Restaurants in denen man preiswert (für 2,50 € bis 4 €) und gut essen kann.

mal ein (äußerlich) schöner Bus

Kirche in Zunil

Friedhof über Zunil

Friedhof Quetzaltenango

8. Woche vom 16. bis 22. November 2017
Donnerstag ein Bummel über den Friedhof Quetzaltenango. Sehr schön, ruhig und friedlich, nur schade das bei vielen Statuen die Köpfe und sogar die Hände abgeschlagen sind. Am Nachmittag rauf auf den Hausberg El Baul. Ich nehme praktisch nichts mit, auf dem Berg wäre es schon öfter zu Überfällen gekommen. Gefahr spüre ich keine, was wohl auch an der Präsenz der Polizei liegt. Das Wetter ist nach wie vor super, blauer Himmel am Morgen und nachmittags einige Wolken. Tagsüber schafft es die Sonne auf fast 30°C, doch im Schatten kühlt es stark ab und nachts geht es runter bis 7°C. Freitag nach San Francisco de Alto. Der Markt dort wird beworben, ist aber in meinen Augen wenig wert. Verstopfte Strassen, nirgends kann man stehen bleiben, geschweige denn fotografieren. Als dann sogar zwei Mal versucht wird im Getümmel meinen Rucksack zu öffnen kehre ich dem Dorf schlecht gelaunt den Rücken. Sonntag eine kleine Bergtour. Im Hostel verstehe ich mich mit einem Paar aus Österreich prächtig. Gemeinsam brechen wir 6 Uhr morgens auf um den Vulkan Santa Maria bis zu einem Punkt zu besteigen, von dem aus man den kleineren, aber aktiven, Vulkan Santiaguito sehen kann. Trotz fehlender Wegweiser und Warnung vom Tourbüro (klar, die wollen was verkaufen) finden wir uns zurecht. Leider bekommen wir den Krater nur teilweise zu Gesicht und von Aktivität ist nichts zu sehen: Doch die Wanderung ist schön und ich bin anscheinend wieder belastbar. Dienstag will ich eigentlich nur einen Spaziergang machen und laufe südlich aus der Stadt. Zwei Mal abgebogen steigt die schmale Strasse bald an und führt zu einem kleinen Marktflecken. Den überraschend vielen Leuten dort folgend komme ich an ein Lavafeld, welches schnell und steil ansteigt. Auf dem Weg zwischen den Felsen immer wieder kleine Plattformen auf denen die Leute opfern, beten, predigen, singen, weinen und schreien. Sehr eindrücklich. Ohne es zu wollen bin ich wohl an einen heiligen Ort gelangt. Durch kleine Schluchten und bergan, auch mal mit Hilfe von Seilen, komme ich auf die kleinen Gipfel, wo ebenso geopfert wird, vor allem Blumen. Die Aussicht absolut herrlich, diese Stunde da oben bleibt mir noch lange im Sinn.

der spannende Weg hinauf

auf einem der Gipfel

Monterrico: Kanutour zum Sonnenaufgang in den Mangroven

9. Woche vom 23. bis 29. November 2017
Donnerstag starte ich das Training mit dem großen Rucksack. Zu Beginn nur mäßig gefüllt, laufe ich mehrfach täglich kleine Runden. Freitag zum letzten Mal Dr. Cordon besuchen. Zufrieden gibt er grünes Licht für die Weiterreise, nur sollte ich noch vorsichtig mit schweren Sachen sein. Sonntag sage ich leicht nervös dem Black Cat Hostel in Quetzaltenango ade und setze die Reise nach fast vier Wochen Pause fort. Auf Grund kurzer Verbindungen sind ganze sechs Busse nötig um zur Pazifikküste ins Dorf Monterrico zu kommen. Mit der Hilfe anderer kann ich auch ohne Probleme den großen Rucksack Händeln. Monterrico entpuppt sich als richtiger Ort für mich. Der Strand, vulkanischen Ursprungs, ist mit seiner dunklen Farbe wenig fotogen, aber trotzdem schön. Das Hotel liegt direkt am Meer und die Ozeanwellen wiegen mich in den Schlaf. Montag 5 Uhr eine Kanutour in die Mangrovenwälder mit schönem Sonnenaufgang und vielen Vögeln, die unbeeindruckt von uns den Tag beginnen. An meinem Geburtstag noch schön am Strand faulenzen und von euch Wünsche und Grüße lesen, Danke. Ich bin kein “Strandmensch”, also am Dienstag weiter. Mittag die Einreise nach El Salvador. Von Anfang an fühle ich mich wohl in dem Land. Verglichen mit Guatemala sind die Menschen angenehmer, Frauen hübscher, Strassen besser und die Busse zwar nur etwas neuer, dafür aber um einiges günstiger. Im Land zahlt man mit USD. Die ersten 100 km kosten mich nur 1,60 USD. Bald erreiche ich Concepcion de Ataco, ein Dorf an der Ruta de Flores, wo viel Kaffee angebaut wird. Der Ort übersichtlich und farbenfroh. Ich bleibe zwei Tage, erkunde die Gegend und probiere landestypisches Essen, wie z.B. Pupusa. Die kann man sich als gefüllte Teigtaschen vorstellen. Flach, handgroß, meist mit Käse und ... gefüllt machen sie preiswert satt.

im Dorf Apaneca

Ataco, farbenfroh und mit reichlich Kunst an den Häusern

Juayua, Chorros de la Calera

10. Woche vom 30. November bis 6. Dezember 2017
Donnerstag nach Juayua, ein weiteres Dorf an der Ruta de Flores. Trotz Warnung laufe ich allein zu den Wasserfällen Chorros de la Calera, wobei mir auf dem Weg nur freundliche Einheimische begegnen. Die Fälle sind sehenswert, weil das Wasser aus einem langen horizontalen Riss den Berg verlässt. Gefällt mir. Abends ins beste Restaurant der Gegend, wo man gutes Rind bekommt, mariniert mit der Zugabe von Kaffee. Ungewöhnlich aber fein. Freitag weiter. Man merkt, Reiserhythmus und Tempo sind zurück. Es dauert nur anderthalb Stunden bis in die Großstadt Santa Ana. Dort steige ich im Hostel Casa Verde ab, dem wohl besten Haus für Backpacker bis weit über die Landesgrenzen hinweg. Da hat sich der Besitzer Carlos viel Mühe gemacht und eine perfekte Unterkunft bis ins Detail durchkonzipiert. Bravo! Santa Ana bietet einiges, wie die fotogene Ruine der alten Kunstschule, die in früheren Zeiten zu den besten in ganz Amerika gehörte, und natürlich macht die große Kirche im Zentrum was her. Samstag ein Ausflug auf den nahen Vulkan Santa Ana, der Originalname Llamatepec ist wohl schwer zu vermarkten. Rauf darf man nur in der Gruppe, zur Sicherheit jeweils begleitet von einem schwer bewaffneten Soldaten. “Unten” noch blauer Himmel und 30°C, “oben” am 2.381 m hohen Gipfel stürmischer Wind mit 120km/h und Wolken, die nur für wenige Sekunden die Sicht frei geben. Immerhin reicht es für ein paar Blicke in den riesigen Krater mit farbiger Lagune und auf den herrlichen Lago Coatepeque gleich nebenan. War schwer die Kamera dabei ruhig zu halten. Sonntag ein Ausflug zu den nahen Maya Ruinen von Tazumal. Mal wieder alte Steine ;-). Montag will ich weiter, kann mich aber noch nicht vom Hostel in Santa Ana trennen.

Santa Ana, die Kirche

Ruine der Kunstschule

Lago Coatepeque

Ruine Tazumal

Dienstag reiße ich mich von Santa Ana los. Die Distanzen sind kurz im Land und es ist nur eine Stunde bis zur Hauptstadt San Salvador. Mein Hostel liegt gut, zu Fuß braucht man nur zwanzig Minuten ins historische Zentrum. Dort werden derzeit viele Strassen und Plätze neu gemacht und sind Baustelle, was schöne Fotos unmöglich macht. Sehenswert: die Kirche El Rosario. Von außen hässlich wie ein DDR Plattenbau, zaubern im Inneren farbige Glasfenster herrliche Muster und Stimmungen. So was ähnliches steht in Le Havre, Frankreich. Sonst das übliche Chaos und der allgegenwärtige Dreck und Müll. Keine Ahnung wo das hinführt, denn gesund ist es auf keinen Fall wenn man an einer Kreuzung in der dicken fetten Rußwolke eines Busses steht. Und davon gibt es hier hunderte. Mittwoch in den schönen Botanischen Garten, der sich einen großen Vulkankrater mit einem schmutzigen Industriepark teilt - was für eine Kombination. Nachmittags nach Santa Tecla, dessen Partymeile mehr an Europa erinnert als an Mittelamerika, und von da rauf auf den Vulkan San Salvador, wo im tiefen Krater ein weiterer Vulkankegel steht.

Baustelle San Salvador

Kirche El Rosario

Santa Tecla

Vulkan im Vulkan

11. Woche vom 7. bis 13. Dezember 2017
Donnerstag mit dem Vorortbus zur Puerta del Diablo, steilen Felsen südöstlich der Hauptstadt. Die sind nicht sehr hoch, aber mit einer toller Aussicht auf fünf Vulkane, einen See und das ganze Land von San Salvador bis zur Pazifikküste. Nachmittags zum alten Friedhof, wo vor allem der italienische Teil mit seinen Statuen gefällt. Besonders: ein, leider nicht mehr komplettes, Motorrad auf dem Grabstein; für den ehemaligen Piloten Massi ein Doppeldecker und ein Arzt hat seine viel zu früh verstorbene Frau als lebensgroße Kopie im Brautkleid als Statue auf dem Grab verewigt. Stark. Ein Wort zur Sicherheit: Ich wusste nicht was mich in El Salvador erwartet, das Land wird immer wieder als sehr gefährlich verschrien. Selbst laut den lokalen Zeitungen ist das so, denn die sind täglich voll von Opfern, Toten und Gräueltaten. Als Tourist merkt man davon wenig, besser gesagt gar nichts. Vielerorts steht bewaffnete Sicherheit, nicht nur vor den Banken, und selbst auf manchen Wanderwegen wird man bewaffnet begleitet, was keine Sonderbehandlung für westliche Touristen darstellt. Ich habe mich an dieses Bild gewöhnt, und ein wenig Glück wie auch gesunder Menschenverstand sichern mir bis jetzt eine sorgenfreie Reise

im schönen Botanischen Garten von San Salvador

Puerta del Diablo

Motorrad auf dem Grab

Freitag wird der kleine Ort Suchitoto meine nächsten Station. Gelegen auf 400 m Höhe sind die Tage heiß, aber die Nächte erträglich. Mein Hostel liegt am Dorfrand und bietet einen unschlagbaren Blick auf den nahen Stausee. Ich sitze öfters auf der kleinen Terrasse und lasse die Gedanken schweifen. Das Leben geht hier einen gemächlichen Gang und Zeit wird sekundär. Die Kirche ist wieder mal das schönste Gebäude weit und breit. Samstag will ich zu einem kleinen Wasserfall 3km außerhalb. Die nette Besitzerin vom Hostel schickt mich zur Polizei, weil die jeden Nachmittag Leute dahin bringt. Ich bin heute der Einzige und werde, begleitet von vier (!) bewaffneten Polizisten, im Jeep chauffiert. Unglaublich! Der Wasserfall Los Tercios ist derzeit wegen der Trockenzeit wasserlos. Egal, denn die Basaltwand, 30 m hoch und 20 m breit, beeindruckt auch so. Ich habe mich übrigens mit “meinen” Bodyguards sehr gut verstanden, weshalb auch das Foto zustande kommen konnte.

Blick von der Hostelterrasse

Kirche in Suchitoto

“Wasserfall” Los Tercios

“meine” Bodygards

Sonntag mit dem Bus nach San Ignacio, das vorerst letzte Reiseziel in El Salvador. Leider gefällt mir der Ort nicht. Als dann am Montag graue Wolken den Himmel bedecken und Regen droht, wird der Plan in die nahen Berge zu wandern über den Haufen geworfen. Stattdessen verlasse ich das Land. Die Grenze ist nah und nur wenige Leute unterwegs, so geht es schnell nach Ocotepeque, Honduras. Weil es auf der Karte kürzer erscheint dann ein Bogen über Guatemala, um erneut nach Honduras einzureisen. An einem Tag drei Grenzübertritte, ein ungewöhnlicher Rekord für mich. Immerhin komme ich so bis Copan, eine recht bekannte Mayastätte. Von Protesten und Demonstrationen im Land wegen Wahlquerelen bleibt Copan verschont, genau wie von Touristen, die dem Frieden anscheinend nicht trauen. So sieht man derzeit nur wenige Ausländer in der, wie ich finde, wirklich schönen Stadt. Das Wetter bleibt vorerst grau und kühl (tags 18°C), was mir zwei Tage Pause beschert. Dabei treffe ich Kirsty, aus Südafrika, nach Santa Ana zum zweiten Mal. Wir reisen von nun an eine Weile gemeinsam. Übrigens streikt in Copan der einzig verwendbare Geldautomat zwei Tage lang und Geduld ist gefragt bis ich wieder “flüssig” bin.

Copan, Natur gegen Mensch

Altar der 16 Könige

 eine der Stelen auf dem Gelände, aufgestellt im Jahr 731

etwas gruselig

12. Woche vom 14. bis 20. Dezember 2017
Am Donnerstag scheint endlich die Sonne vom blauen Himmel. Genau richtig um sich die Mayaruinen von Copan anzuschauen. Und das lohnt sich. Die Pyramiden und Überreste der Gebäude ähneln dem was diese Reise schon geboten hat, nur sieht man hier jede Menge Bildhauerei und Maya Schriftzeichen. Genau das hatte ich bisher vermisst. Außerdem kann ich auf Grund der wenigen Touristen ungestört umher streifen, ein tolles Erlebnis. Ein paar Stunden dauert das Erforschen, hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Danach ins nahe Museum, wo neben anderem die exakte Kopie, auch in seiner Größe, eines Tempels steht der UNTER einer der Pyramiden gefunden wurde. Das reich verzierte Gebäude, aller Wahrscheinlichkeit im 6. Jh. errichtet, wurde wegen seiner rosa Steine auf den Namen “Rosalila” getauft.

Copan, Tempel

Tempel Rosalila im Museum

im Museum

Ara auf dem Ruinengelände

Freitag wollen wir Copan verlassen, doch ein Generalstreik im Land legt den öffentlichen Verkehr lahm. Samstag soll es wieder normal laufen, aber Proteste und Barrikaden riegeln San Pedro Sula, wichtiger Verkehrsknotenpunkt, nach wie vor ab. Also fahren wir erst einmal nach Gracias, eine Kleinstadt im westlichen Zentrum des Landes. Übersichtlich, schön und voller netter Menschen. Auch hier merkt man von der Aufruhr im Land nichts. Sonntag stehen wir 5 Uhr an der Bushaltestelle, und - der Bus nach San Pedro Sula fährt. Wir kommen gut voran, nur 20 km vor der Großstadt sieht man die Überreste der Strassensperren und der Verkehr staut sich langsam daran vorbei. Schnell umsteigen und weiter nach La Ceiba. Da nach 380 km Busfahrt auf die Fähre wechseln, welche 35 km übers Meer auf die Insel Utila, 11 km lang und 4 km breit, fährt. Geschafft, und das im doppelten Sinn. Montag klappere ich einige der zahlreichen Tauchschulen ab, bis mit Alton’s Divecenter die für mich passende gefunden ist. Die Leute sind mir sympathisch, der Preis passt und die Unterkunft direkt am Meer lässt kaum zu wünschen übrig. Schon Dienstag beginnt der Kurs zum Open Water PADI. Wegen den derzeit wenigen Touristen auf der Insel sind wir nur zu zweit in der Klasse, was natürlich super ist. Zwei halbe Tage Theorie, dann zum ersten Mal ins Wasser. Das macht Spaß. John, Australier, und ich scheinen gute Schüler zu sein, unsere schwedische Tauchlehrerin Malin ist jedenfalls zufrieden.

ohne Worte

Insel Utila

mit dem Kajak im Kanal

unsere Weihnachtsinsel

13. Woche vom 21. bis 27. Dezember 2017
Donnerstag der erste Tauchgang bis auf 12 m. Aufregend, auch weil man hier eine bunte Korallenwand vor Augen hat. Das ist was ganz anderes als beim Schnorcheln, denn jetzt schwebe ich wie schwerelos mitten in dieser bunten Welt, nur begleitet vom Geräusch des eigenen Atems. Herrlich. Nebenbei festigen wir mit praktischen Übungen das Gelernte der letzten Tage. Ich bestehe Freitag die theoretische Prüfung und darf Nachmittag bis zur erlaubten Tiefe von 18 m runter. Damit habe ich den PADI Schein in der Tasche. War ehrlich gesagt einfach, was andere Taucher wohl bestätigen können. Sonntag, Heilig Abend, mit zwei Tauchschülern Kajaks ausleihen und damit durch die Bucht, die anschließende Lagune sowie im, den Insel teilenden, Kanal paddeln. Der wurde ohne Maschinen gegraben und ist teils nur 1,5 m breit. Abends gehen wir zu fünft fein essen, in der Gemeinschaft feiert es sich schöner. Montag schließt die Tauchschule und wir fahren alle gemeinsam mit dem Boot auf eine Miniinsel. Die ist 100 m lang, 50 m breit und besteht nur aus Sand und Palmen. Wir haben Essen und Trinken dabei, picknicken den ganzen Tag und planschen im Wasser, leider unter einem heute bedeckten Himmel. Dienstag der letzte Tauchgang. Ein würdiger Abschluss, neben all den Lebewesen am Riff sehen und begleiten wir auch eine Schildkröte. Später entdeckt unser Kapitän weiter draußen einen 12 m langen Walhai, den größten Fisch im Ozean. Mit dem können wir kurz schwimmen. Wie ich das beschreiben soll? Man fühlt sich sehr klein und unbedeutend neben so einem Riesen, der da majestätisch und anscheinend ungerührt seine Bahn zieht. Mittwoch verlasse ich Utila schweren Herzens. Die Insel hat was, auch ohne lange Sandstrände und touristischen Schnickschnack. Sie ist noch ehrlich und ursprünglich, was leider selten geworden ist. Mein langer Reisetag beginnt 7 Uhr mit der Fähre zum Festland. Da war die Idee noch in Honduras zu bleiben, aber falls wieder gestreikt wird, will ich nicht irgendwo im Land fest sitzen. Also folgt Bus auf Bus bis über die Grenze nach Puerto Barrios, Guatemala.

Alton’s Tauchschule

Ich - der Taucher

am Strand von Livingston

14. Woche vom 28. Dezember 2017 bis 3. Januar 2018
Der Donnerstag regnerisch und ich will weiter. Ein kleines Boot bringt mich 20 km die Küste entlang nach Livingston. Der kleine Karibikort hat als Besonderheit keine Straßenanbindung und fühlt sich nicht an wie Guatemala. Die Leute reden anders, sehen anders aus und auch die Lebensweise ist eine andere. Nur der Regen stört und lässt selbst so einen Ort trostlos wirken. Da passen schmale Strände und bräunliches Meerwasser nur all zu gut dazu. Freitag bleibt das Wetter so, doch Besserung wird versprochen. Ich organisiere mein Sylvester und besteige tags darauf erneut ein Boot, zur Überraschung als einziger Fahrgast. Stört mich nicht, denn die Fahrt kreuzt den Canyon des Rio Dulce, ein Highlight der Gegend. Beidseitig ragen die mit dichtem Grün bewachsenen Steilwände gen Himmel und der Fluss bahnt sich in Kurven seinen Weg hindurch. Echt beeindruckend. Gleich danach biegen wir in den Tatin ab, ein ruhiger Nebenfluss an dessen Ufer eine Finca steht. Die Schlafhütten verteilen sich im dichten Dschungel. Kein Internet, kein Fernsehen, aber eine Mayasauna und viel Raum zum Erholen. Eine gute Wahl für mich. Gegessen wird abends zusammen an zwei 10 m langen Tischen wie in Familie. So kommt man gut mit anderen ins Gespräch. Das Wetter wird besser und die Sonne kommt raus. Sonntag ist Sylvester, was mich nicht hindert mit dem Kajak einen Ausflug zu unternehmen. Stundenlang geht es bei schönstem Wetter über den Rio Dulce und seine Nebenflüsse, vorbei an kleinen, versteckten Grundstücken und der Vogelinsel. Ein sehr schöner Abschluss nach einem ereignisreichen 2017. Abends sind wir ungefähr 40 Gäste in der Finca und feiern mit den Angestellten zusammen hinüber ins Neue Jahr.

Sammeltaxi ;-)

Rio Dulce

Rio Dulce

Finca Tatin

Ohne Kater zum Neujahr nehme ich Montag Vormittag das Boot zur Ortschaft Rio Dulce. Mit Sonne wird die einstündige Fahrt über den Fluss, der hier mehr einem See ähnelt, zum Erlebnis. Selbiges kann man über den Ort nicht sagen und ich verlasse ihn am Dienstag wieder. Das Wetter macht die Rolle rückwärts und es regnet den ganzen Tag. Acht Stunden dauert es bis Coban, das nichts mit Copan in Honduras zu tun hat. In den Bergen auf 1.300 m Höhe gelegen, hängen Wolken und Nebel dicht über der Stadt. Fühlt sich an wie November in Deutschland, nur herrscht in den ungeheizten Häusern praktisch Außentemperatur. Mit dem Plan weiter hinauf in die Berge zu reisen, bleibe ich drei Nächte in Coban und warte auf besseres Wetter.

Finca Tatin, mein Lieblingsplatz

Kajaktour Rio Dulce

Kajaktour Rio Dulce

noch mal Rio Dulce

15. Woche vom 4. bis 10. Januar 2018
Das einzig erwähnenswerte in Coban: ein Erdbeben am Donnerstag. So wie schon am 3.November, als ich im Krankenhaus in Quetzaltenango lag, bebt die Erde mit Stärke 4,3 auf der Richter Skala. Beide Male erzittert das gesamte Gebäude mit allem was darin ist für wenigstens fünf Sekunden und hinterlässt ein ungutes Gefühl. Freitag startet mein Bus im Nieselregen. Auf schmalen, teils unbefestigten Strassen kämpft sich der kleine Bus voran, wobei frühere Erdrutsche und entgegenkommende LKW die Fahrt weiter verlangsamen. Mit aufreißender Wolkendecke zeigt sich dann die Schönheit der Landschaft. Mein Ziel: Santa Maria Nebaj, oder einfach nur Nebaj. Ein Dorf inmitten der Berge auf 1.900 m. Das hat, wie auch andere Orte, stark im Bürgerkrieg gelitten. Kultur und Sprache der Ixil, ein indigener Stamm, hielt sich trotzdem. Im kleinen Gasthof in Nebaj treffe ich auch einen Griechen. Mit dem gehe ich abends zur Unterhaltung im Ort: Fußball. Gespielt wird in einer Halle auf Beton vor rund

die Berge von Nebaj

250 Zuschauern. Frauenmannschaften gibt es auch, was mich beim bisherigen Bild der Frau im Land überrascht, vor allem in dieser abgeschiedenen Bergwelt. Samstag brennt die Sonne schnell den Morgennebel weg und ein strahlend schöner Tag beginnt. Ich wandere in den Bergen über einen kleinen Pass nach Acul und weiter durch kleinste Siedlungen bis auf 3.000 m Höhe. Herrlich, so ungezwungen und frei in den Bergen sein zu können. Fernab vom zählbaren Tourismus geht keine Gefahr für Reisende oder Wanderer aus.

Markt in Todos Santos

Die Gegend gäbe mehr her, aber ich will das tolle Wetter nutzen um noch andere Landschaften zu sehen. Sonntag auf nach Todos Santos Cuchumatan. Dafür klettert der Bus hinter Huehuetenango auf ein 3.000 m hohes Plateau, um danach 600 m tief in ein wunderbares Tal einzutauchen. Die Stadt ist nur Durchschnitt, bietet aber Reisenden genug Infrastruktur. Sehenswert ist die sehr einprägsame Tracht. Die tragen, auch im Alltag, vor allem Männer. Selbst Kinder laufen so herum und Jugendliche tragen zumindest die roten Hosen mit Streifen. Montag Morgen sind nur 12°C im Zimmer, da fällt es schwer aus dem warmen Bett zu kommen. Aber die Sonne lockt. Ich besteige den 3.837 m hohen Alto Cuchumatanes (La Torre). Das ist theoretisch der höchste Berg (Vulkane sind eine andere Kategorie) Mittelamerikas, was auch vom Cerro Chirippo in Costa Rica behauptet wird. Es ist kein einzeln stehender Berg, sondern mehr ein Hochplateau mit “Buckeln” die als kleine Gipfel verstreut liegen. Granit herrscht vor, was fotogen rüber kommt, Kiefern verbreiten einen irren Duft und es ist da oben absolut still wie auch friedlich, mit einem Licht, das in dieser Höhe sehr hart und so ganz anders erscheint. Dienstag verlasse ich Cuchumatan und erreiche nach vier Stunden Fahrt zum zweiten Mal Quetzaltenango. Ich freue mich richtiggehend auf die Stadt und das Hostel “Black Cat”. Dort bin ich bekannt und werde von den Angestellten herzlich begrüßt.

Todos Santos Cuchumatan

 Einheimische in Todos Santos

Berge im Morgenlicht

Blick vom 3.837 m hohen La Torre

16. Woche vom 11. bis 17. Januar 2018
Donnerstag klingelt der Wecker nach einer praktisch schlaflosen Nacht 1 Uhr, Zeit für ein Abenteuer. Allein, niemand wollte mit, laufe ich durch die schlafende Stadt 7 km nach Llanos de Pinal. Ein hölzerner Besenstiel vom Hostel hält streunende Hunde fern und dient als Wanderhilfe beim nächtlichen Aufstieg auf den Vulkan Santa Maria (3.772 m). Ist schon aufregend im Schein der Kopflampe stundenlang einem Pfad im Wald zu folgen. Hinter mir glimmen die Lichter der Großstadt, über mir die dünne Mond Sichel und unzählige Sterne. Nach drei Stunden, mit zum Schluss heftiger Kletterei, ereiche ich den baumlosen Gipfel und sehe eine halbe Stunde später wie das erste Tageslicht den Horizont erhellt. Das Farbenspiel ist unbeschreiblich schön, auch weil acht Vulkane in Reih und Glied vor mir liegen. Dazu der Blick in den rauchenden Krater des kleineren Santiaguito und der perfekt dreieckige Schatten des Santa Maria auf der Landschaft in Richtung Westen. Ein herrlicher Morgen, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das darf ich allein genießen, die ersten Wanderer treffe ich erst eine Stunde später beim Abstieg.

vom Gipfel des Santa Maria

Santiaguito, klein aber aktiv

perfekte Schattengeometrie

Ausfahrt Huehuetenango

Freitag auf nach Westen. Vier Stunden und zwei Busse später stehe ich am Fuß vom Vulkan Tajumulco, mit 4.220 Meter der höchste Punkt in Mittelamerika (Mexiko wird fast überall zu Nordamerika gezählt). Nachmittag mache ich mich mit der Gegend vertraut und gehe dann früh zu Bett, denn der Wecker klingelt schon 3 Uhr. Eine stockdunkle Nacht, dazu kräftiger Wind und dichte Nebelbänke, echt miese Voraussetzungen für den nächtlichen Aufstieg. Doch die Berggötter haben ein Einsehen und bei 3.300 m beruhigt sich das Wetter unterm sternenklaren Himmel. Rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang erstürme ich den Gipfel.

Sonnenaufgang Tajumulco

Ohne Wind sind die 3°C da oben erträglich. Das Panorama ist anders als auf dem Santa Maria, nebeneinander säumen die Vulkane den Horizont. Auch hier muss ich den magischen Moment vom Tagesanbruch nicht teilen und ein stiller Frieden liegt über dem Vulkan. Noch am Samstag die Rückkehr nach Quetzaltenango. In der letzten Woche waren das vier Touren auf die höchsten Gipfel des Landes, dazu der Zeit raubende Transport zwischen den Orten. Für mich waren das wahnsinnig schöne Tage in den Bergen Guatemalas.

Panorama Tajumulco mit Mond

Es scheint so als wolle sich das Land eindrücklich und mit einem Feuerwerk von Höhepunkten von mir verabschieden. Sonntag verlasse ich Quetzaltenango zum dritten und letzten Mal. Noch einmal quetsche ich mich in völlig überfüllte alte Busse mit mehr als 100 Passagieren und zuckle mit durchschnittlich 25 km/h auf schlechten Strassen über Huehuetenango zur mexikanischen Grenze. Am Sonntag ist wenig los, da klappt der Länderwechsel schnell und reibungslos. Nun haben Busfahrten wieder eine ganz andere Qualität: gute Straßen, neue Busse und mit nur so vielen Passagieren wie Sitzplätze frei sind, erstaunlicherweise zu ähnlichen Preisen wie in Guatemala. Was für eine Wohltat, so macht Reisen Spaß. Das erste Ziel in Mexiko: Comitan, eine Stunde hinter der Grenze. In der hübschen Stadt ist es überraschend kalt, selbst wenn man 1.600 m Höhe einrechnet. Montag ein Ausflug zum 35 km entfernten El Chiflon. Im Bus lerne ich zwei Französinnen kennen, worauf wir den Tag dann gemeinsam verbringen. El Chiflon ist mehr als nur ein Wasserfall. Über viele Stufen, bis zu 70 Meter hoch, bahnt sich der Fluss den Weg ins Tal. Dabei formt das türkisfarbene Wasser manch schönen Pool zum Baden, bei 10°C mehr als in Comitan eine Freude. Den halben Tag bleiben wir und folgen dem Fluss aufwärts bis über den höchsten Fall.

das Zentrum von Comitan mit akurat gestutzten Bäumen

erste Pools am El Chiflon

der höchste Wasserfall dort 

Tags darauf zu den Lagunas de Montebello, 60 km südöstlich von Comitan. Das Wetter heute: leider kühl, bewölkt und windig. Der Weg lohnt sich trotzdem. Von den mehr als 50 Seen im Nationalpark sehe ich rund ein Viertel. Das Wasser meist glasklar, die Farben in allen Schattierungen von Blau bis Grün. Umgeben von Kieferwäldern und Felsen sind da auch Höhlen und eine Naturbrücke. Sehr eindrücklich. Touristen sind in dieser Ecke von Mexiko nur wenige unterwegs, was mich keinesfalls stört. Gleich am Nachmittag weiter nach San Cristobal de Las Casas. Wie vom Wetterbericht gemeldet, sind die Temperaturen auf 2.100 m Höhe noch niedriger. So wie derzeit überall auf der Welt schlägt das Wetter auch hier Kapriolen. Zwar ist es im “Winter” manchmal kühl im Bergland, doch die letzten zwei Wochen waren richtig gehend kalt. In San Cristobal sind am Tag 11°C, nachts sogar nur 2°C. Da brauche ich im Bett eine Decke mehr. Bei dem Wetter bleibt Zeit die weitere Reise zu planen.

Nationalpark Lagunas de Montebello

Laguna Colores, Laguna Azul und der für mich schönste: Laguna Canada

17. Woche vom 18. bis 24. Januar 2018
Schon Donnerstag den neuen Plan umsetzen. Weil ich vorerst nicht nach Cancun/Yucatan zurückkehre und der Kälte in den Bergen entfliehen möchte: auf nach Palenque. Die Strecke meiden die großen Busunternehmen, weil Anhänger der Zapatistas manchmal die Strassen blockieren um sich Gehör zu verschaffen. Das passiert auch heute vor und nach Ocosingo, doch die Vermummten sind für Touristen ungefährlich und sie lassen uns bald weiter. Die Landschaft, durch die man uns fährt, ist ausgesprochen schön. Viele Hügel und Berge, fast komplett bewaldet. Wir brauchen mit unzähligen Kurven 5 Stunden für die 200 km bis Palenque, am Fuß der Berge liegend. Das Wetter hier ist sonnig und 15°C wärmer als in San Cristobal, das gefällt. Ein Grund mehr für den Abstecher hierher sind die Mayaruinen vor den Toren der Stadt. Ich werde nicht müde mir alte Steine anzuschauen, und Palenque lohnt sich wahrhaftig. Gut erhaltene Bausubstanz inmitten der grünen Hügel. Pyramiden, alte Reliefs und ein Palast, in dessen Gängen und kleinen Höfen man sich fast verlieren kann. Zum Abschluss ein Besuch im nahen Museum, wo eine Kopie der Grabkammer den Aufsehen erregenden Sarkophag enthält, der erst in den 50ger Jahren entdeckt wurde. Hat Erich von Däniken Recht, wenn er das Relief auf dem Deckel anders deutet als die Wissenschaft?

der “Palast” von Palenque

 Palenque, sehenswerte Bildhauerei

der Tempel der Inschriften

Sarkophag mit dem Relief auf dem Deckel, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet

Samstag früh aufstehen und Palenque verlassen. Auf dem Weg zurück nach San Cristobal zwei lohnende Pausen. Nach 15 km der Wasserfall Misol-Ha, fast schon märchenhaft schön. Man kann sogar hinter dem Fall entlang laufen, was richtig cool ist. Zur frühen Stunde ist noch kein Tourbus da, nur ein freundliches mexikanisches Paar. Gleich zurück zur Hauptstrasse und mit dem nächsten Colectivo 40 km weiter nach Agua Azul. Auch wenn man diese Kaskaden heftig vermarktet, und sich da ein Souvenirstand an den anderen reiht, wäre es Frevel sie auszulassen: das glasklare Wasser mit einem herrlichen Blauton, dazu Wasserfälle über Wasserfälle, mal klein, mal groß, mal schmal, mal breit. Der Fluss teilt sich immer wieder neu und fügt sich an anderer Stelle zusammen. Dazu natürliche Badepools, teils versteckt zwischen den Bäumen. Der Ort hat mich tief beeindruckt

Wasserfall Misol-Ha

die Kaskaden Agua Azul, die Bilder sprechen hoffentlich für sich selbst

Am Abend bin ich wieder in San Cristobal. Das Wetter ist nun schöner, die Temperatur im normalen Bereich, worauf ich gehofft hatte. Die Stadt hat trotz vieler Touristen ihren Charme erhalten. Es fehlen die ganz großen Sehenswürdigkeiten, dafür kann man aber stundenlang durch die schmalen Kopfsteinpflasterstrassen laufen und entdeckt dabei immer wieder Neues. Montag ein Ausflug in die Dörfer ringsum, wo unter anderem der Volksstamm der Tzotzil lebt. Die haben ihre eigene Sprache, spanisch ist eine Fremdsprache. Sie bleiben bei ihrer Tracht und ihren Bräuchen, was ich nach einem Besuch der (katholischen) Kirche in Chamula bezeugen kann: keine Kirchenbänke, Stroh bedeckt den gefliesten Boden, tausende Kerzen brennen und Schamanen vollziehen heidnischen Rituale. Ich werde Zeuge wie ein Huhn IN DER KIRCHE geopfert wird. Das ist abgefahren.

San Cristobal de las Casas

schmale Strassen, kleine Häuser und versteckte Cafes

Ausflug nach Zinacantan

Ich laufe dann 8 km bis Zinacantan. Da findet, überraschend für mich, eben ein großes Fest statt. Hunderte Menschen haben sich in farbenfroher Tracht herausgeputzt, geistliche wie weltliche Führer halten Audienz, überall Musik und Feuerwerk. Da weis ich gar nicht wohin zuerst schauen. Ein glücklicher Zufall. Fotografieren ist auch hier verpönt und es kostet Einfallsreichtum um zu einigen guten Bildern zu kommen. Dienstag eine wohl verdiente Pause, in der ich San Cristobal in aller Ruhe genießen kann. Mittwoch weiter ins 60 km entfernte Tuxtla Gutierrez. Dort ein Bett suchen und nachmittags gleich zum Canyon de Sumidero, der am Stadtrand liegt. Oberhalb der Schlucht gibt es einige Aussichtspunkte im Nationalpark, doch ohne Auto läst man mich nicht hinein. Also frage ich das nächste welches vorbei kommt. Siehe da, das nette mexikanische Paar nimmt mich gern mit. Die beiden machen hier gerade Urlaub. Wir verstehen uns so gut, das sie mich einladen sie zu Hause in Quetera zu besuchen. Zurück zum Canyon. Schon der erste Aussichtspunkt mit “Wow” Effekt. Über 700 Meter fällt die Felswand steil zum Fluss ab, der durch eine Staumauer weiter nordwestlich mehr oder weniger zu einem See geworden ist. Die Aussichten sind wirklich abenteuerlich und gigantisch schön. Das heizt die Vorfreude auf morgen noch mehr an.

Trachten in Zinacantan

Einheimische beim Feiern

der Sumidero Canyon von “oben”, Bauchkribbeln inklusive

18. Woche vom 25. bis 31. Januar 2018
Donnerstag der Ausflug in den Sumidero Canyon. Chiapa de Corzo, ein Vorort von Tuxtla Gutierrez, liegt vor der Schlucht am Fluss und jede Menge Boote warten darauf gefüllt zu werden. Ich erwische ein kleines, mit nur einer Sitzreihe pro Seite. Das ist schöner als die großen Boote, wo einem immer einer vor der Linse hockt. Hinter der großen Brücke geht es mit dem Schnellboot hinein ins Abenteuer. Überraschenderweise gibt es viele Tiere zu sehen. Neben unzähligen Vögeln auch Affen und - Krokodile. Die sind durchaus drei Meter lang und wir nähern uns lieber nur vorsichtig. Was die Schlucht darüber hinaus, wie bereits von oben gesehen, versprochen hat, hält sie bei der rasanten Fahrt hindurch: scheinbar bis in den Himmel reichende Felswände, reich bewachsen und mit spektakulären Formationen, wie dem riesigen Weihnachtsbaum. Innerhalb von zwei Stunden erreichen wir die 35 km entfernte Staumauer und kehren auf dem gleichen Weg nach Chiapa de Corzo zurück.

Eingang Sumidero Canyon

lieber im Boot bleiben

da war einer überrascht

der “Weihnachtsbaum”

Freitag bleibt Zeit mir Tuxtla näher anzuschauen. Ist eine ansehnliche Stadt, in der man einiges erleben kann. Der Botanische Garten macht was her, später besuche ich den Zoo. Der ist eher ein Tierpark, mit großen Gehegen, weiträumig im hügeligen und bewaldeten Gelände verstreut. Zu sehen gibt es nur einheimische Tiere aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas, womit auch Jaguare, Leguane, jede Menge Vögel und Reptilien dabei sind. Für uns sehr exotisch, aber ich glaube auch die Einheimischen bekommen diese Tiere fast nur noch hier zu Gesicht. Abends der weite Weg zum Busbahnhof und um 23.30 Uhr beginnt die lange Fahrt hinunter an die Pazifikküste vom Bundesstaat Oaxaca.

Zoo in Tuxtla Gutierrez

mit grünem Tukan, schwarzem Jaguar, faulem Leguan und giftgrüner Schlange

Trotz bequemen Bus macht die Nachtfahrt keine Freude. Viele Kurven und die in Mittelamerika (wie im nördlichen Südamerika) zahllosen Strassenschwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung lassen mich nur wenig schlafen. Morgens um neun Ankunft in Pochutla. Gleich mit dem Colectivo weiter zur 15 km entfernte Küste, genauer gesagt nach Mazunte. Das kleine Dorf hat sich einen Namen als Backpacker Paradies gemacht. Günstige Unterkünfte, entspannte Atmosphäre und eine wunderschöne Bucht vor der Tür. Das Wasser glasklar und auf Grund der exponierten Lage mit herrlich großen Wellen. Für ein paar Tage heißt es: Abenteuer raus - Entspannung rein. Eine wirklich schöne und angenehme Auszeit vom Reisen, auch wenn hier manchmal zu viele Rastazöpfe herum laufen. Die Temperaturen sind erträglich, vor allem nachts, und das Ozeanwasser wirkt halbwegs erfrischend. Ich klappere die Strände ringsum ab, von denen manche riesig, aber menschenleer sind. Unterströmung macht das Baden da gefährlich, was aber der Schönheit des Strandes keinen Abbruch tut. Ansonsten pendle ich zwischen Badetuch und Hängematte um auch mal der kräftigen Sonne zu entfliehen. Jeden Abend gibt es vom Dorf aus eine kleine Völkerwanderung zu vor gelagerten Felsen, dem südlichsten Punkt von Oaxaca. Gemeinsam erlebt man da oben herrliche Sonnenuntergänge.

Strand in Mazunte

einer der leeren Strände

Interessante kleine Buchten

schöner Sonnenuntergang

Mittwoch besuche ich das Schildkrötenzentrum in Mazunte, eines der größten in Mexiko. Auf dem schön angelegten Gelände verteilen sich große Terrarien und Aquarien mit allen Arten von Schildkröten, nebst deren Aufzucht und Pflegestation. Einige sehr seltsame Exemplare sind dabei, doch waren die wegen Reflexionen von Sonne, Glasscheiben und Wasser nur sehr schwer zu fotografieren. Immerhin konnte ich staunend einige Zeit dort verbringen. Dem Hinweis vom Zentrum folgend laufe ich am späten Nachmittag zum Strand von La Ventanilla, wo frisch geschlüpfte Schildkröten in die Freiheit entlassen werden. Für mich eine eher fragwürdige Veranstaltung. Klar, das Zentrum braucht Geld, aber die Tiere dem Stress auszusetzen sie in einer total unnatürlichen Art und Weise ins wahre Leben zu schicken widerstrebt mir. Vor allem weil nicht “verkaufte” Junge wieder in die Kiste kommen, um vielleicht am nächsten Tag durch einen zahlenden Touristen in die Freiheit zu gelangen.

im Schildkrötenzentrum

in der Kiste vor dem Start

kleines Ding

lauf, du bist frei

19. Woche vom 1. bis 7. Februar 2018
Donnerstag sitze ich in einem kleinen Bus, der sich auf einer SEHR kurvenreichen Strecke rauf ins Hochland von Mexiko kämpft. Vom Sitzplatz ganz vorn habe ich eine tolle Aussicht als wir uns immer höher schwingen. Die Landschaft verändert sich stark. Von grün bewaldeten Berghängen geht es auf die trockene und derzeit braun gefärbte Hochebene. Irgendwie passt das eher zu meiner Vorstellung der Landschaft von Mexiko. Am späten Nachmittag erreichen wir Oaxaca. Freitag ein näherer Blick auf die recht große Stadt. Schnell steht fest: ich fühle mich hier wohl. Auf den Strassen ist viel los, aber die Schönheit der Stadt überspielt das. Die Häuser bunt und außerordentlich gut restauriert. Unzählige alte Gebäude neben bewundernswerten Kirchen und Klöstern. Mein Favorit: das Kloster Santo Domingo de Guzman. Deren Kirche strotz innen nur so von Bildern, Stuck, Gold, Statuen und Farben. Ein Fest für die Sinne. Sonst bummle ich bei schönstem Wetter durch die Gassen. Tagsüber reicht dafür ein T-Shirt, nachts sinkt die Temperatur in der Höhe auf 10°C.

Oaxaca, Kloster/Kirche Santo Domingo, von aussen und innen

in den Strassen von Oaxaca

der riesige Baum in El Tule

Samstag ein Ausflug auf den nahen Monte Alban. Dessen Gipfel haben die Zapoteken bereits vor rund 1.500 Jahren abgeflacht und auf der dann ebenen Fläche Gebäude, Paläste und Pyramiden errichtet. Der Anblick, wenn sich nach dem Erklimmen der letzten Meter der Blick öffnet, ist echt beeindruckend. Die Fläche erscheint nicht nur riesig, sie ist sie auch. Keine Ahnung wie so etwas ohne Werkzeuge, ohne Tragetiere und ohne das Rad entstehen konnte. Ganz nebenbei hat man von hier oben einen Rundblick in die drei großen Täler, die Oaxaca umgeben. Klar das dieser Ort in all den Jahren eine Bedeutung haben musste. Die Zeit überdauert haben auch einige Bildhauereien, die gut und detailliert ausgearbeitet im nahen Museum ausgestellt sind.

Monte Alban, von ungefähr 300 bis 900 nach Christus religiöses Zentrum der Zapoteken, die zu der Zeit sogar Verbindung nach Teotihuacan hatten

Sonntag auf in die Natur. Östlich von Oaxaca zuerst ein Besuch von El Tule. Neben viel Handwerkskunst wirbt das Dorf mit der riesigen Zypresse, rund 1.500 Jahre alt und mit 14 m Stammdurchmesser der dickste Baum der Welt. Bei 42 m Höhe kommt mir die Kirche daneben irgendwie winzig vor. Unter wolkenlosem Himmel weiter nach Osten. Das wird schwieriger als gedacht, da sonntags kein Bus die Strecke bedient. Mit Hilfe Einheimischer und Trampen schaffe ich es ins abgelegene Benito Juarez, in den Bergen der Sierra Norte. Die Luft ist frisch auf 3.000 m und die Kiefernwälder dicht. Von den Felsen hat man einen gigantischen Ausblick und die extra für Besucher konstruierte Hängebrücke verpasst dem Ganzen eine Spur Abenteuer. Die Dörfer im Umkreis sind organisiert und haben einen Ecotourismus entwickelt, der in jedem Ort Unterkunft und Essen garantiert. Meine erste Nacht in einem Mehrbettzimmer dessen Dach aus Glas ist, sprich ich schlafe direkt unter den Sternen. Montag ein früher Start, es steht ordentlich Strecke an. Bis Latuvi ist das nett, viel besser wird es dann auf dem alten Camino Real, schon im 16. Jh. für Goldtransporte genutzt. Immer am Fluss entlang windet sich der Pfad durch die Berge. Vor Lachatao ein Abstecher zur alten Kultstätte Xia-Yatse. Ich erwarte wenig, werde aber sehr positiv überrascht. Größe und Erscheinen hinken weit hinter Monte Alban zurück, doch der spektakuläre Platz hoch oben auf einem Kliff beeindruckt mit genialer Rundumsicht. Dienstag mit dem Bus zurück nach Oaxaca.

von Benito Juarez...

...durch dichte Kiefernwälder...

...mit Flechten behangen...

...nach Lachatao

Mittwoch ein weiterer Ausflug von Oaxaca. Mit dem Bus ins 50 km entfernte Mitla, die wohl außergewöhnlichen Ruinen da lasse ich mal aus. Irgendwann ist auch mal gut mit alten Steinen. Statt dessen muss ich anderthalb Stunden warten bis sich ein Colectivo-Pickup füllt. Der bringt uns dann auf einem ausgewaschenen Feldweg rumpelnd bis über die nahe Bergkette. Schöne Ausblicke, nur fotografieren ist schwierig weil wir in einer ständigen Staubwolke fahren und man kaum die Kamera ruhig halten kann. Ziel sind kleine Sinterterrassen, Hierve el Agua, großartig an der Kante einer Steilwand gelegen. Der erste Eindruck von oben ist eher ernüchternd, doch die eindrucksvolle Überraschung folgt. Pamukale in der Türkei ist größer, und die derzeitige Trockenzeit verkleinert die Becken hier, aber auf Grund des steilen Abhanges und der Abgeschiedenheit vergebe ich die volle Punktzahl. Als einer der wenigen trotze ich der Hitze und steige den Abhang runter mit voller Sicht auf die tollen Sinterformen.

Hierve el Agua

randlose Becken

was für Farben

die Sinterterrassen von unten

20. Woche vom 8. bis 14. Februar 2018
Donnerstag verlasse ich Oaxaca. Die Fahrkarte nach Puebla mit 20% Preisnachlass, weil schon gestern gekauft. Der Bus von AU ist günstig, bietet aber trotzdem viel Komfort und Beinfreiheit. Fünf Stunden dauert die Fahrt, da kann ich die nächsten Kapitel im Reiseführer lesen. Im Hostel Casana Poblana in Puebla begegnen mir Bekannte aus Tuxtla Gutierrez, Lachatao und Hierve el Agua. Wir Backpacker sind eben eine große Familie. Mir bleibt heute noch Zeit die Stadt in Augenschein zu nehmen. Die ist schön, hat aber nicht den Charme und die Ausstrahlung von Oaxaca. Freitag mehr von der Stadt. Wieder sind da viele großartige Kirchen, was haben die Spanier nicht alles gebaut. Auch die Biblioteca Palafoxiana, als erste öffentliche Bibliothek Lateinamerikas im 17.Jh. Samstag ein Ausflug ins nahe Cholula, wo die größte Pyramide der Welt steht. Mit einer Grundfläche von 450 m x 450 m und 66 m Höhe übertrifft sie im Volumen alle anderen Pyramiden bei weitem, nur ist sie praktisch nicht zu sehen weil sie bereits zur Zeit der spanischen Entdecker/Eroberer komplett überwuchert war. Cortez ließ auf ihrer Spitze, die wie ein Hügel aussieht, eine Kirche errichten. Die verschiedenen Errichtungsstufen, im Laufe der Jahrhunderte wurde eine Pyramide ÜBER die andere gebaut, kann man teilweise in gegrabenen Tunnel besichtigen. Die sind nur 1,80 m hoch und häufig keinen Meter breit, ein beklemmendes Gefühl. Auf dem Platz vor der Pyramide/dem Hügel führen dann gerade ein paar Mutige den Palo Volador auf, eine uralte Form des “Bungee”, bei dem sich vier von einer kleinen Plattform auf einem Mast in die Tiefe stürzen. Dabei rotieren sie, gehalten durch ein Seil, genau 13 Mal um den Mast bis sie sicher den Boden erreichen. Gewagtes Schauspiel. Eine Attraktion versteckt sich leider in den Wolken, der 5.462m hohe, und aktive, Vulkan Popocatepetl.

Biblioteca Palafoxiana

nächtliches Puebla

Model der Pyramide Cholula

das echte Cholula mit Palo Volador Vorführung

Sonntag nach Mexiko-Stadt. Mein Bemühen eine Großstadt möglichst an einem Sonntag zu besuchen oder zu verlassen macht sich bezahlt. Weniger Verkehr, der Transport schneller und einfacher. Das gilt ganz bestimmt für diese 22 Millionen Metropole. Entspannt erreiche ich mit der nur mäßig gefüllten Metro das historische Zentrum nebst Hostel. Nachmittag Erkundungstour. Mexiko-Stadt? Super! Nach San Salvador die zweite Überraschung auf dieser Reise. Viele Sehenswürdigkeiten, sehr sauber und, zumindest am Sonntag, sogar blauer Himmel. Gefährlich kommt mir diese Stadt keinesfalls vor. Ich besuche den Zocalo (Hauptplatz), einen der größten freien Plätze in ganz Mexiko, wo Musik, Tanz und Ausstellungen Hand in Hand gehen. Spitze! Drumherum viele barocke Gebäude, der Regierungspalast, die Kathedrale und eine Ruine, laut Überlieferung Gründungsplatz der Stadt zur Aztekenzeit. Mexiko-Stadt braucht Vergleiche mit Paris, London oder Berlin nicht zu scheuen. Montag konzentriere ich mich auf das historische Zentrum und suche mir 15 (!) Gebäude, Ausstellungen und Museen heraus. Nicht alle haben auf, aber sonst hätte ich das Programm auch nicht geschafft. Außergewöhnlich: Palacio Postal, die alte Hauptpost. Glamour und Glanz wie vor 100 Jahren. Übrigens: die Stadt versinkt. Zur Aztekenzeit lag hier ein großer See. Der wurde zur Landgewinnung ausgetrocknet, was keinen stabilen Baugrund hergibt. Auch ein Grund warum Mexiko-Stadt so anfällig für Erdbeben ist. Alte und schwere Gebäude, wie zum Beispiel Kirchen, liegen teils schon zwei Meter unter dem Strassen Niveau, oder, wie die Kirche Santa Vera Cruz, stehen so schräg das man es deutlich sieht.

Mexiko-Stadt, Palacio Bella Arte

Palacio Postal

versinkende Santa Vera Cruz

Danzantes Aztecas auf dem Zocalo, mehr als nur eine Touristenshow

Dienstag ist mein nächstes Ziel Amecameca, anderthalb Stunden südlich von Mexiko-Stadt. Ein gutes Hotel für 6 € ist schnell gefunden. Am Stadtrand erhebt sich ein Hügel mit tollem Blick. Auf dem wurde über einer heiligen Grotte eine Wallfahrtskirche errichtet. Die wird gerade geschmückt weil hier morgen wohl ein großes Fest statt findet. Jedenfalls werden schon in allen Strassen Marktstände aufgebaut. Am Mittwoch früh aufstehen und den Bus nach San Pedro nehmen. Von da aus will ich rauf zum Paso Cortez trampen um am Fuße der Vulkane Popocatepetl und Ixtaccihuatl (viel Spaß beim Aussprechen) zu wandern. Leider fährt da heute praktisch niemand hoch. Weil sich dann der Himmel zuzieht und nichts von den Vulkanen zu sehen ist, streiche ich den Plan und kehre nach Amecameca zurück. So komme ich mitten hinein in eine Pilgerfeier mit tausenden von Leuten. Wie ein riesiger Rummel. Das Essensangebot reicht von einfachen Sachen, über geröstete Heuschrecken und Ameisen bis zu unzähligen Süßigkeiten. Kein Wunder das die Mexikaner so dick sind. Ich probiere auf jeden Fall alles was mir zusagt

21. Woche vom 15. bis 21. Februar 2018
Donnerstag verstecken sich die Vulkane trotz tollem Wetter weiterhin in Wolken. Ich fahre nach Tepoztlan, nur zwei Stunden weiter. Warum das Dorf so heftig beworben wird, bleibt mir allerdings schleierhaft. Kaum schöne Häuser, eine halb zerfallene Kirche und kein bisschen Charme. Den erhoffe ich mir von der alten Ritualstätte der Azteken 400m oberhalb von Tepoztlan. Der Weg hinauf steil und abenteuerlich, die Ausblicke von oben recht spektakulär, nur ist es die am schlechtesten unterhaltene Ruine der Reise. Überall hässlicher Maschendrahtzaun und außer einer kleinen Tempelpyramide wurde nichts erhalten. Trostlos

Amecameca am Abend

Tepoztlan

der tolle Weg hinauf

Suchbild: Tempel auf der Klippe

Ich bleibe nur eine Nacht in Tepoztlan. Weiter nach Taxco mit gemischten Gefühlen, auch diese Stadt wird heftig beworben. Gerade an Wochenenden soll dort viel los sein und laut Internet sind keine günstigen Betten mehr verfügbar. Doch es ist die Überraschung die das Reisen so genial macht. Taxco liegt wunderschön an steilen Berghängen und erinnert eher an Mittelmeer als an Mittelamerika. Weiße Häuser, rote Ziegeldächer und ein Labyrinth kleiner Gassen. Schon meine erste Nachfrage gelingt: Hostel Casa Taxco. Die haben genug frei und sind mit 11 € auch recht günstig. Das toll eingerichtete Haus mit Super Betten und einer grandiosen Dachterrasse, dazu kaum Verkehr in der Gasse und das Zentrum nur 100m weiter. Da bleibe ich das ganze Wochenende. Häufig verliere ich mich in dem Gewirr der Gassen. Überall gibt es was zu sehen und im Durcheinander der Wege kommt man an immer neue Plätze. Gar nicht leicht zur Jesus Statue oberhalb der Stadt zu gelangen. Übrigens besteht die große Taxiflotte von Taxco fast nur aus weißen VW-Käfern ohne Beifahrersitz. Der Heckantrieb scheint bestens geeignet für das hiesige Publikum und die steilen Gassen. Natürlich wieder eine geniale Kirche: Santa Prisca. Von außen wie innen grandios. Nicht von der Kirche gebaut, sondern ein Geschenk von Jose de la Borda, der im 18. Jh. ein Vermögen mit den nahen Minen gemacht hat. Samstag ist dann wirklich die Hölle los, aber die Tourgruppen und Touristen sind für mich wie Kino. Die unzähligen Schmuckläden, für die Taxco bekannt ist, und ihre Werber lassen mich in Ruhe, der alten Backpacker Garderobe sei Dank ;-).

Taxiflotte in Taxco

 Taxco

oh, diese Gassen...

Taxco, Kirche Santa Prisca

Montag. Auf dem Weg nach Norden nach 40 km ein Besuch der Höhlen von Cacahuamilpa. Es ist nicht meine erste Tour unter die Erde, aber die schiere Größe und vielfältigen Formen der seit 1969 für Touristen zugänglichen Höhlen sind beeindruckend. Zwei Kilometer werden wir in den Berg geführt, wobei uns jede Menge erklärt wird. Spezielle Felsen ähneln mit etwas Fantasie deren Namensgebung: Engel, Frau mit Haaren, Sonnenstein, Weihnachtsmann, Gorilla oder auch Titanic. Sogar ein witziges Schattenspiel mit Stalagmiten ist darunter, wobei sich durch Drehen der Lichtquelle ein Paar näherkommt und bei Auftauchen der Schwiegermutter voneinander entfernt. Auf dem Weg reiht sich ein gigantischer “Höhlensaal” an den anderen, wobei die höchsten sagenhafte 80 m erreichen. Unser Führer schaltet jeweils, abgesehen von kleinen Lampen am Weg, hinter uns das große Licht aus und vor uns an, was das Entdeckergefühl noch verstärkt. Am Ende schickt man uns allein zurück zum Eingang. Zwar haben wir bis auf die erwähnten kleinen Lampen kein Licht am Weg, aber so kann sich jeder Zeit nehmen und es ist ein abenteuerliches Gefühl derart wieder ans Tageslicht zu kommen.

Cacahuamilpa: riesige Höhlen voller beeindruckender Formationen, farbenreich auf Grund abgelagerter Mineralien und glitzerndem Kalziumkarbonat

“Frauenkopf mit Haaren”

Mit dem nächsten Bus erreiche ich am späten Nachmittag Toluca, 100km westlich von Mexiko-Stadt. Der Unterschied zu Taxco könnte kaum größer sein: Großstadt mit viel nervtötendem Verkehr, Dreck und Müll. Das wohl einzige Hostel der Stadt liegt nah am großen Busbahnhof in einer eher anrüchigen Gegend mit mehr Industrie als Wohnhäusern. Im Hostel, eher eine umgebaute Lagerhalle, gibt es keine Rezeption, ein alter Mann in der Garage darunter gibt mir den Schlüssel und nimmt das Geld entgegen. Der Schlafsaal groß, zugig, mit 24 Betten darin. Als einziger Gast kommt da schon ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend auf. Alles geht gut, ich verlasse Toluca am nächsten Morgen gleich wieder. Der Plan, ein Abstecher in die nahen Berge, wird auf Grund der Wetterlage, dichte Wolkendecke, geändert. Statt dessen auf nach Valle de Bravo, eine weiteres Pueblo Magico (magisches Dorf), 80 km westlich von Toluca. Der Ort spielt schon eher in einer Liga mit Taxco. Es fehlen die reizenden kleinen

Blick über Valle de Bravo

Gassen, dafür punktet der künstlich angelegte See. Abgesehen von schönen Spaziergängen im Stadtzentrum wandere ich am Mittwoch auf den Monte Alto, 300 m über der Stadt gelegen. Der ist außerdem Startpunkt für Paraglider und bietet einen herrlichen Ausblick. Am Nachmittag eine Extratour zum kleinen, aber steilen, Gipfel La Pena. Der ragt wie ein hoher Schiffsbug in den See hinein. Ringsum haben anscheinend die Schönen und Reichen von Mexiko-Stadt ihre Villen, SEHR hohe Mauern und riesige Tore verhindern jeglichen Blick auf die Grundstücke.

in Valle de Bravo

22. Woche vom 22. bis 28. Februar 2018
Donnerstag verlasse ich Valle de Bravo und bewege mich bustechnisch in Schlängellinien mit zwei mal Umsteigen nach Norden. Ziel ist das Dorf Angangeo, auf 2.700 m Höhe gelegen. Nachts und im Schatten herrschen recht kühle Temperaturen. Dafür ist es in der Sonne schön warm, und der Himmel derzeit meist strahlend blau. Ein kleines Hotel ist schnell gefunden und in einer halben Stunde der Dorfrundgang erledigt. Der Grund für Angangeo am nächsten Tag. Dazu muss ich in den Nationalpark Sierra Chincua, 12 km außerhalb. Weil es steil bergan geht und auch im Nationalpark einige Strecken zu Laufen sind, versuche ich es aus Mangel an öffentlichem Verkehr per Anhalter. Das klappt ausgerechnet mit der Polizei, die gerade eine Kontrollfahrt macht. Am Ziel anderen Touristen folgend, die meist mit Tourgruppe unterwegs sind, tauchen im dichten Wald bald die ersten Monarch Schmetterlinge auf. Millionen von ihnen überwintern hier nachdem sie den langen Weg aus dem Gebiet der Großen Seen (USA / Kanada) hinter sich gebracht haben um dem Winter dort, den sie nicht überleben würden, aus dem Weg zu gehen. Faszinierend das es für die Reise hin und zurück, ungefähr 6.000 km, vier Generationen braucht. Obwohl die “Eltern” schon vor der “Geburt” sterben, wissen die Schmetterlinge nach der Metamorphose wohin sie fliegen müssen - UNGLAUBLICH. Abgesehen davon ist es grandios zu sehen wie viele von ihnen hier in den Bäumen sitzen. Mit jedem Sonnenstrahl, trotz sonst blauem Himmel hängen an den 3.200 m hohen Bergen immer wieder Wolken, startet aufgeregt ein zigtausendfaches Geflatter.

Angangeo

erste Monarch Schmetterlinge

es werden immer mehr, bis praktisch ganze Bäume voll sind

Samstag der 6 Uhr Bus nach Zitacuaro und in Toluca erneut umsteigen. Weil das Wetter passt, weiter zum Vulkan Nevado de Toluca, in Nahuatl Sprache: Xinantecatl. Von Raices sind die letzten 5 km bis zum Nationalpark schnell per Anhalter geschafft. Da sind mehr Leute unterwegs als gedacht. Eine Übernachtung wird schwierig, doch dann erscheint eine 8er Gruppe Mexikaner, die eine Schutzhütte weiter oben reserviert hat. Die “adoptieren” mich und wir brechen gemeinsam auf. Die Hütte ist groß und bietet Platz für 64 Leute. Kein Strom, Wasser vom Brunnen, große Feuerstellen mit Brennholz. Ich erkunde gleich die Gegend und werde dabei von einem Pickup mitgenommen, dem einzigen Transportmittel für weniger fitte Besucher um die 11km bis nah an den Kraterrand zu schaffen. So werfe ich schon einen Blick in die riesige Caldera des Vulkans mit seinen beiden Lagunen und erkunde beim Abstieg zur Hütte den Weg, um es morgens im Dunkeln leichter zu haben. Abends sitze ich mit den Mexikanern am wärmenden Feuer. Von dem will keiner so schnell weg, auf 3.700 m Höhe wird es nachts frostig. Sonntag 4 Uhr aufstehen, um zum Tagesanbruch am Kraterrand zu sein. Das klappt, inzwischen bin ich es schon gewohnt nachts auf Berge zu steigen. Der Himmel ist klar und das Licht tausender Sterne funkelt über mir. Erstes Tageslicht erlebe ich in 4.300 m Höhe. Das braucht es auch, die letzten 200 Höhenmeter haben es in sich. Eine schwierige Kletterei steht an, die Felsen sind teils noch überfroren.

Nevado de Toluca, auf 4.660m

Gefährlich nah ist dabei der Abgrund. Da pumpt viel Adrenalin durch meine Adern. Trotzdem stehe ich 8 Uhr auf dem kleinen Gipfel in 4.660 m Höhe. Genial, auch wenn derzeit kein Schnee liegt. Ich bin einfach nur glücklich :-) Vor dem endgültigen Abstieg noch eine Schleife im Krater um die Lagune der Sonne und des Mondes. Einer aus der 8er Gruppe nimmt mich mit nach Mexiko-Stadt. Wir fahren erst spät los und stehen noch im Stau, so bin ich bei der Ankunft nach all der Anstrengung müde und ganz schön fertig.

die Caldera aus anderer Sicht

Montag ist Ruhetag, sprich Körper und Ausrüstung pflegen. Dienstag wieder Programm. Im Stadtteil Polanco steht das, schon äußerlich, ungewöhnliche Museum Soumaya. Vom Milliardär Slim gebaut und nach seiner Frau benannt, man gönnt sich ja sonst nichts. Immerhin lässt er Besucher kostenlos seine gesammelten Kunstschätze bewundern. Er hat Geschmack, das muss man ihm lassen. Die außergewöhnlichen Schnitzereien aus Elfenbein, als Beispiel, fand ich besonders beeindruckend. Später ins Cafe Tacuba, eine Institution in Mexiko-Stadt. Seit der Eröffnung 1912 wurde wenig verändert. Die Kellner in weiß, die Frauen dazu mit überdimensionaler Haarschleife. Auch Einrichtung und Dekoration versprüht noch den Zauber der Jahrhundertwende. Zum Abschluss des Tages ins “Haus der Masken”, das Gegenstück zu Soumaya. Zwar auch privat und kostenlos, jedoch mit wenig Geld gesammelt und im eigenen, sehr alten, Haus ausgestellt. Steht nicht im Reiseführer, ist aber den Besuch wert.

Museum Soumaya

 Ausstellungsstück “Tor zur Hölle”

das Cafe Tacuba

im Haus der Masken

Mittwoch ein Tagesausflug zur 45 km entfernten Ruinenstätte Teotihuacan. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung gebaut, wohl eine der imposantesten Anlagen weltweit. Laut Wissenschaft haben da bis zu 200.000 Menschen gelebt. Als die Azteken im 12.Jh. auftauchten war die Stadt längst verlassen und aufgegeben, warum auch immer. Schon der erste Eindruck ist überwältigend: Ein 40 m breiter, derzeit nur auf 2 km frei gelegter, Boulevard, die “Strasse des Todes”, bildet das Zentrum. Links und rechts davon Pyramiden und Reste von Gebäuden bzw. ganzer Wohnviertel. Am nördlichen Ende die imposante Mondpyramide mit ihrem Vorbau. Noch gigantischer die Sonnenpyramide, mit 220 m Grundlänge und 65 m Höhe die drittgrößte der Welt. Sagenhafte drei Millionen Tonnen Steine und Lehm wurden bewegt um sie zu errichten. Man darf sie sogar besteigen, was bei den schmalen und teils sehr hohen Stufen manchen Touristen bis an seine körperliche Grenze bringt. Ein erhebendes Gefühl auf ihrer Spitze zu stehen und sich vorzustellen wie es hier vor 1.500 Jahren ausgesehen hat.

Teotihuacan, von der Mondpyramideaus gesehen, bzw. selbige

die Sonnenpyramide

Bildhauerei an den Tempeln

23. Woche vom 1. bis 7. März 2018
Am Donnerstag nach wie vor sehr schönes Wetter, auch wenn der Himmel über Mexiko-Stadt selten richtig blau ist. Bei der Lage im Hochtal mit Trockenzeit und Luftverschmutzung kein Wunder. Aber selbst das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Heute zum Park Chapultepec, wobei der Begriff Park kaum passt. Das Gelände ist riesig und beheimatet unter anderem den Zoo, einen Botanischen Garten, das Anthropologische Museum, mehrere Seen, ein Schloss und, und, und. Geniale Kleinigkeit: ein Auditorium. Leicht versteckt bietet die grüne Grotte einen Rückzugsort vor Trubel und Hitze. Schattig, kühl, Relaxbänke und klassische Musik von CD, wobei das aktuelle Cover ausliegt damit jeder sieht was läuft. Bei so viel Unterhaltung verbringe ich den ganzen Tag in Chapultepec. Der Botanische Garten ist klein, aber eindrücklich. Das sonst gewollt wüste Durcheinander solcher Habitate wich hier kleinen Monokulturen und teils penibler Ordnung in Reih und Glied. Auch der Zoo ist schön und bietet neben einheimischen Spezies auch Importe aus Afrika und Asien. Das Pandabären Areal ist eines der größten außerhalb Chinas

Eingang Chapultepec

im Botanischen Garten

der farbenfrohe und exotische Zoo

Bei all dem muss (will) ich mich beeilen, denn mit dem Anthropologischen Museum steht noch eine Perle der Wissenschaft an. Unterteilt in die Kulturen haben unter anderem Maya, Olmeken, Azteken und Zapoteken ihre eigene Ausstellung, ergänzt durch Tempelnachbauten und große Statuen im Freigelände. Erstaunlich wie viel aus der frühen Zeit zusammengetragen wurde. Die Höhepunkte sind alle vertreten: das Grab aus Palenque; der Stein der Sonne, gefunden mitten in Mexiko-Stadt, besser gesagt in Tenochtitlan, dem Gründungsort der Stadt. Daneben Kolossalköpfe der Olmeken usw. Für mich ist es wie ein Zeitrafferfilm dieser Reise, denn viele der Orte habe ich besucht. So laufe ich dann teils staunend, teils wissend durch die Abteilungen.

Anthropologisches Museum

 im Aussengelände

Tempelnachbau Teotihuacan

 Originalstatue
 aus Tula

bunt in
Mexiko-Stadt

Nach so viel Programm eine Pause und sich dabei Gedanken über die letzten Tage in Mexiko machen bzw. sich mit dem Thema Kuba beschäftigen. Ersteres plane ich am Freitag, buche Transport wie Unterkunft. Samstag checke ich im Hostel aus, bleibe aber noch in der Stadt. Die zeigt sich am Wochenende extra bunt und lebhaft, denn all die Einheimischen sind unterwegs, mehrheitlich mal nicht um zu arbeiten. Eine Kombi aus Metro und Vorortzug, mehr Straßenbahn, bringt mich nach Xochimilco. Da leben Menschen auf und am See, auch um die schwimmenden Gärten zu bewirtschaften. Was romantisch klingt, macht vor Ort einen abgewirtschafteten Eindruck. Enttäuscht trete ich nach einem Rundgang die Rückfahrt ins Zentrum der Metropole an. Da lasse ich mich lieber im Strom der Leute durch die belebten Strassen treiben,wo an jeder Ecke etwas geboten wird. Am Abend zum Bus, um über Nacht ins 300km entfernte Dorf Cuetzalan zu kommen. Letztmalig in Mexiko Berge, Ruinen und hiesige  Ursprünglichkeit. Bei Ankunft 4.30 Uhr sind überraschend schon Markthändler da und bauen ihre Stände im Dunkeln auf. Erste Lokale öffnen und ich kann bereits 5 Uhr frühstücken. Mit dem Tageslicht erwacht das Dorf. Nach dem christlichen Kirchgang das präkolumbianische Ritual Danza del Volador auf dem Platz davor, ich als Zuschauer in erster Reihe. Auch sonst gefällt das Dorf: kleine Gassen, alte Häuser und Trachten. Ringsum Karstlandschaft, mit Höhlen, Felsformationen und Wasserfällen.

bunt in Xochimilco

Danza del Volador, mehr Ritual als Vorführung; es umfasst Musik, Tanz und viel Mut um sich vom 30 m hohen Mast in die Tiefe zu schwingen

Las Brisas

Sonntag Abend falle ich nach der letzten kurzen Nacht ins Bett und schlafe zehn Stunden wie ein Baby. Montag in größeren Kreisen ums Dorf. Eine halbe Stunde weiter stehen die Ruinen Yuhualichan. Keine Augen verdrehen, ist die letzte alte Stätte auf dieser Reise. Ähnlich wie weiter nördlich in El Tajin ist die Bauweise anders, auf den Seiten der Pyramiden verzieren Nischen die Wände. Bei wichtigen Bauwerken hat man 365 Nischen gezählt. Zufall? Auf Grund des Alters und instabilen Untergrundes hat sich die Form der Bauten recht fotogen verändert. Am Nachmittag in die Flusstäler um Wasserfälle zu sehen. Las Brisas ist der für mich schönste hier, der noch dazu mit nettem Pool zum Baden einlädt. Das Essen in Cuetzalan ist extra günstig. Von meinen Lieblingstacos, al pastor, liegen für 15 MXN (0,75€) gleich fünf Stück auf dem Teller. Das macht satt und ist lecker.

Zentrum Cuetzalan

in den Gassen des Dorfes

Pyramide Yohualichan

wenn der Boden nachgibt...

Dienstag startet meine 48stündige Busreise. 9 Uhr nach Mexiko-Stadt. Schöne Ausblicke auf der Strecke, trotz trüber Luft. Nach sechs Stunden sind die 300 km geschafft. Abends habe ich im Bus eine Zweierbank für mich und kann nachts die Beine lang machen. Auf der Fahrt raus aus Mexiko-Stadt zeigt selbige wie überfüllt und unerbittlich sie ist: Stau, Stau, Stau. In der ersten Stunde schaffen wir nur 10km. Weiter kommen wir besser voran. Es ist dann trotz Stopps und Straßenschwellen eine angenehme Fahrt und ich kann gut schlafen. 750km oder 14 Stunden später die Ankunft in Villahermosa. Nach Wochen in der Höhe der mexikanischen Berge mit trockener und kühler Luft peinigt mich das feuchtheiße Klima auf Meereshöhe gnadenlos. Über den Tag steht mein Programm. Das Freiluftmuseum La Venta hat die besten Stücke aus der von Ölindustrie bedrohten Ausgrabungsstätte gleichen Namens in einer Art Dschungel ausgestellt. Vor allem die Kolossalköpfe der Olmeken beeindrucken. Der Zoo davor macht einen trostlosen Eindruck, die Tiere haben kaum Platz. Sonst bleibt wenig von der Stadt hängen. Glanz und Glamour sind trotz Geldsegen aus der Ölindustrie Fehlanzeige. Am Abend der nächste Bus, dessen Klimaanlage unregelbar auf eisig steht. Alle sitzen dick angezogen mit kalter Nase da, schlafen kann ich trotzdem. Wir fahren 14 Stunden um die fehlenden 840km bis Playa del Carmen zu schaffen. Warum das Ganze auf die harte Tour? Mein längst gebuchter Flug nach Havanna startet in Cancun, dessen Datum konnte ich kostenlos ändern. Um nun von Mexiko-Stadt in die Nähe von Cancun zu kommen, eine für mich wenig sehenswerte Strecke, waren zwei günstige Nachtbusse die beste Lösung.

im Zoo Villahermosa

Olmekenkunst, 3.000 Jahre alt, die Kolossalköpfe bis zu 25 t schwer

24. Woche vom 8. bis 14. März 2018
Donnerstag 10 Uhr in Playa del Carmen. Nach einem späten Frühstück ins Hostel, endlich mal wieder in ein Bett legen. Viel Pause brauche ich nicht und erkunde bald die Stadt. Die war bis 1970 ein Fischerdorf und wurde dann für Touristen ausgebaut. Heute hat sie 150.000 Einwohner, was für ein Zuwachs. Wie fast an der gesamten Ostküste von Yucatan gibt es auch hier schöne Strände, nur sind die in Stadtnähe schmal und voller Seegras. Wetterstörungen ziehen durch und ich erlebe zum ersten Mal seit langem wieder richtige Regenschauer. Dazwischen Spaziergänge. Die Stadt besteht wirklich nur aus Tourismus. Die Souvenirläden an der hier sehr bekannten Avenida 5 sind so groß wie Supermärkte und an allen Ecken und Enden versuchen dir Werber was zu verkaufen. Samstag will ich dem entfliehen und fahre 40km südlich nach Akumal. Da verlangen sie Eintritt für den Strand, mit 100 MXN (5 €) nicht gerade wenig. Ich jedenfalls könnte mich damit einen Tag lang ernähren oder eine Nacht im jetzigen Hostel bezahlen. Also suche und finde ich einen anderen Weg hinein. Der Strand ist leider kaum sehenswert und in der Bucht davor schnorcheln mindestens 150 Leute auf engstem Raum in der Hoffnung eine der scheuen Meeresschildkröten zu sehen. Ohne Worte. Sonntag auf die nahe Insel Cozumel übersetzen, seit Jacques Cousteau DAS Ziel für Schnorchler und Taucher. Nachmittag schaue ich mir mit Colectivo und Trampen die halbe Insel an. Die Ostküste wild und schön, die Westküste mit Stränden. Auch die spielen nicht in einer Liga mit z. B. denen von Tulum. Montag ein Schnorcheltrip mit dem Boot nach El Cielo, eine riesige Sandbank. Da ist das Wasser so blau ist das es fast in meinen Augen schmerzt. Später schnorcheln wir an den Riffplätzen Colombia und Palancar. Beeindruckend viele Fische sieht man da, teilweise große Schulen. Dazu Stachelrochen, Seesterne, Mondfische, Papageifische usw. Ein toller Ausflug.

Strand Playa del Carmen

Strand auf Cozumel

wilde Ostküste Cozumel

El Cielo - was für ein Blau

Dienstag will ich mich auf Cozumel ans Meer legen, aber das Wetter ist stranduntauglich. Also mit der frühen Fähre nach Playa del Carmen. Dort ist es am Nachmittag schön genug für einen Spaziergang am Strand. Mittwoch der Abschied von Mexiko. Es war eine tolle Zeit in diesem Land. Halb drei startet der Flieger nach Havanna, Kuba, mit Landung 17 Uhr Ortszeit. Den vielen Taxis vor dem Flughafen weiche ich aus und laufe bis an die Hauptstrasse. Dabei frage ich zwei Männer nach einem Colectivo. Einer von ihnen will auch damit in die Stadt und hilft mir das ungekennzeichnete und vor allem richtige Gefährt, ein uralter Amischlitten, anzuhalten. So komme ich zu meiner ersten authentischen Autofahrt in Kuba. Und das für 1 € statt für 20.

25. Woche vom 15. bis 21. März 2018
Donnerstag startet mein Abenteuer Kuba richtig. Ich wohne in Havanna in einem Hostel neben dem alten Zentrum und mitten unter Einheimischen. Von Beginn an finde ich die Stadt äußerst interessant. Alte amerikanische Autos sind nach wie vor in Gebrauch. Die großen Blechschlitten sind teils toll in Schuß, wenn auch vor allem um für Touristen Taxi zu spielen. Das prägt das Bild der Stadt auf eine ganz besondere Weise. Die vielen nicht so polierten Autos zeigen das sie auch Teil des täglichen Lebens hier sind. Genau so sieht es mit den Häusern aus. So viele tolle Gebäude, teils gut in Schuss, teils nur noch Ruinen. Der Blick in meist offene Türen zeigt das man selbst, in unseren Augen, unbewohnbare Gebäude als Unterkunft nutzt. Probleme mit beispielsweise dem Abwasser werden pragmatisch gelöst: entweder direkt in den Rinnstein der Strasse oder mit einem kleinen Rohr aus dem ersten Stock auf den Fußweg - Augen auf beim Laufen. Der Stadtkern Havannas ist komplett restauriert und kann locker mit den schönsten spanischen Städten mithalten. Bei so vielen Reizen für Auge, Ohr und Nase weis ich manchmal gar nicht wohin mit mir und meinen Empfindungen.

Havanna, das Theater

Capitolio

Plaza de Catedral

so wohnt man in Havanna, nicht immer schön oder schick

Plaza Viejo

etwas Nationalstolz darf sein

Freitag mehr Havanna. Zuerst das Capitolio, ähnlich dem Namensvetter in Washington. Die Kubaner heben gern die Vorzüge und Unterschiede ihres Regierungssitzes hervor. Restauriert wird seit 2012, fertig ist man noch immer nicht. Immerhin bietet man wieder beeindruckende Führungen durchs Innere an. Weiter durch Straßen und Gassen. Was auffällt: wenig Geschäfte. Und wenn da welche sind, heißt es nicht das sie offen haben oder viel im Angebot. Das ist definitiv Mangelwirtschaft. Da gab es in der DDR weit mehr im Regal! Kuba lebt mit zwei Währungen: dem normalen Peso (1€=28 Peso) für Hiesige sowie dem konvertiblen Peso (1€=1,20 CUC) für Ausländer. Mit letzterem bekommt man einiges mehr, trotzdem nicht alles. Mit CUC kann man auch auf dem Markt oder in kleinen Restaurants bezahlen, fürs Haus mit kleinem Umrechnungsvorteil. Die Kubaner kommen wohl problemlos mit dem doppelten System zurecht. Das Essen im Land ist weder besonders gut noch reichlich, doch in kleinen Cafeterias kostet es sehr wenig. Ein Sandwich ordentlicher Größe, trocken und nur mit etwas Käse und Mortadella belegt, liegt bei 0,40 €. Ein Teller, meist sehr weicher, Spaghetti: 0,90 €. Genial für mich: an jeder zweiten Ecke gibt es außergewöhnlich guten Kaffee. Zwar in Espressogröße, dafür aber für nur 0,05 €.

sozialistische Monumente

 Havanna kann sich sehen lassen ;-)

“Kaufhaus” mit seinem Angebot

typisches Schaufenster

Zurück zur Reise. Ich stoße auf eines der vielen Probleme im Land: Transport. Nationale Langstreckenbusse sind für Ausländer tabu, die Viazul Busse für Touristen ausgebucht und Züge verkehren auf längeren Strecken meist nur alle paar Tage. Doch bis zum Abend steht ein Plan und ich kann eine Zugfahrkarte besorgen. Die kostet mich in CUC, was die Kubaner in Peso bezahlen müssen, also grob das 23fache. Den Samstag nutze ich für Havanna. Programm: ein Besuch im Hotel Havanna Libre, das nach der Revolution temporärer Hauptsitz von Fidel und seinen Leuten war. Später zum Lennon Park, mit einer fast lebensechten Bronzestatue (mehr eine Sitztue ;-)) von John. Erstaunlich das man hier die Beatles verehrt, was vor allem so ist seit sich John für die Friedensbewegung eingesetzt hat. Sonst mehr Statuen, revolutionäre Monumente wie auch sozialistische und - der tolle alte Friedhof. Wie in einer Kunstausstellung scheinen Bildhauer um die Beachtung vom Publikum zu buhlen.

Friedhof Havanna

geniale kleine Mausoleen

John und ich

diese Autos - Klasse

Am Abend hole ich mein Gepäck aus dem Hostel und besteige den Nachtzug nach Sancti Spiritus. Trotz meiner Erfahrung wird diese Fahrt besonders einprägsam. Der Zug ist total abgewirtschaftet, an den Waggons aus DDR-Produktion wurde schon seit Jahren nichts mehr gemacht. Kein Licht, die durchgesessen Polster enden in Schulterhöhe. Die Schienen sind auch nieder, so schunkeln und hüpfen wir langsam voran. Morgens 4 Uhr halten wir lange in Santa Clara, wobei der Zug immer wieder harte Stöße abbekommt, als würde die Lok zu schnell an die Waggons fahren. Da ist wohl was kaputt, denn wir stehen drei Stunden. Ankunft in Sancti Spiritus am Sonntag, 11 Uhr, mit 5 Stunden Verspätung. Ich nehme es gelassen und habe ja kubanische Leidensgenossen um mich zu unterhalten. Außer in Havanna existieren im Land keine richtigen Backpacker Hostels, nur Hotels und Privatvermieter, genannt Casa Particular. Hotels sind mir zu teuer, also suche ich eine Privatunterkunft. Hoch besteuert bleibt den Vermietern kaum Luft bei Preisverhandlungen. Als Einzelreisender muss ich manchmal ordentlich feilschen. In Sancti Spiritus geht es fix: an der ersten Casa Particular klingeln und gleich ein riesiges Zimmer mit tollem Bad für 15 CUC (12,50 €) beziehen. Die Vermieter warnen: sie feiern heute mit Freunden und Familie, allerdings bin ich auch gleich eingeladen. Duschen und ab in die Stadt. Sancti Spiritus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Schöne Stadt, wenig Touristen und ursprüngliches Kuba. Spaziere, fotografiere und entfliehe später der Hitze mit einer Siesta. Abends feiern dann um die fünfzig Leute im Haus meiner Vermieter, es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken, Musik, Tanz und Domino, letzteres spielen vor allem die Männer.

Sancti Spiritus, das sehenswerte Zentrum

auch die kleinen Gassen können sich sehen lassen

Montag früh sieht man im Haus noch deutlich die Spuren der Party, aber aufräumen wollen die Besitzer allein. Ich suche und finde auf Hinweis meiner Vermieter hinter dem Busbahnhof ein Colectivo, mit dem die Fahrt nach Trinidad nur 3 CUC kostet. In den alten Buick aus den 50gern passen neben den Fahrer sechs Passagiere und das Gepäck. Für mich eine geniale Fahrt, wann sitzt man schon mal in einem solchen Auto. Die 80 km zum Ziel sind schnell geschafft. Dort muss ich einige Häuser abklappern bis ich ein freies Zimmer finde. Das liegt schön im Garten und auf der kleinen Terrasse davor stehen zwei Schaukelstühle. Kann es mehr Kuba Feeling geben? Ich spaziere dann in den Straßen. Laut Reiseführer wäre Trinidad DAS städtische Highlight von Kuba. Zugegeben, es ist schön hier, aber nach Sancti Spiritus hätte ich mehr erwartet. Dazu rollt eine Touristenwelle nach der anderen über das Kopfsteinpflaster und verwandelt das Ganze in einen künstlichen Themenpark.

in Trinidad

alt, aber fährt noch

alt, aber singt noch

Gitter, Gitter über alles

Dienstag besorgt mir mein Vermieter ein überraschend gutes Mountainbike, das dann zeigen muss was es kann. Frühstück und ab ins 28 km entfernte Valle del Ingenios, wo Ruinen aus der Zeit von Zuckerrohranbau und Sklaverei stehen. Hinter Condado wird die Strasse zu einem schlechten Feldweg, doch mit dem guten Rad macht es Spaß und ich komme bis Meyer. In der Idylle des Tales begegnen mir nur einige Farmer samt Pferden. Mittag wende ich, fahre zurück nach Trinidad und halte für eine Pause Am Nachmittag zum Meer und als Kontrastprogramm die Strände von La Boca und Playa Ancon. Vor allem letzterer ist super. Breit, hell und das Wasser klar und herrlich türkis. Nur baden ist kaum erfrischend, denn das Wasser hat karibische Temperatur. Am Abend bin ich um 90 Fahrradkilometer “reicher”. War anstrengend, aber schön.

Blick ins Valle del Ingenios

Teil meiner Strecke

im Dorf Condado

Playa Ancon

Mittwoch weiter nach Cienfuegos. Diesmal mit dem Touristenbus von Viazul. Trotz viel höherem Preis ist die Qualität vom Bus ziemlich mangelhaft. Gegen Mittag bin ich am Ziel und starte einen Stadtbummel. Cienfuegos liegt schön an einer großen Bucht mit mehreren Häfen. In einem davon liegt ein Kreuzfahrtschiff. Das merkt man vor allem weil die Menschenansammlungen im Zentrum plötzlich anschwellen - und später genau so schnell wieder verschwinden. Auch diese Stadt kann sich sehen lassen und es macht Spaß darin herumzuspazieren. Weiter draußen entdecke ich am Nachmittag ein halb zerfallenes, und gerade deshalb, fotogenes Pier sowie einen schönen Friedhof, der leider ziemlich vernachlässigt wirkt. Steht bestimmt nicht auf dem Programm der Kreuzfahrer. Was sicher drauf steht ist der Triumphbogen, auch wenn der weit kleiner ist als sein Vorbild in Paris.

Triumphbogen in Cienfuegos

jeder auf seinem P(f)osten

drei Gräber - eine Komposition

wohl eine junge Frau die an gebrochenem Herzen starb

26. Woche vom 22. bis 28. März 2018
Donnerstag erneut Cienfuegos. Am südlichen Ende vom Zentrum liegt die Landzunge Punta Gorda, wo herausgeputzte Villen und kleine Paläste stehen. Tags darauf will ich früh weiter. Der Versuch einen “nationalen” Bus zu nehmen scheitert kläglich, da passen die Taxifahrer vor Ort schon auf. Die bieten mir einen Transport - zu sehr hohen Preisen. Mit Viazul wäre es teuer und umständlich, weil die nach Varadero fahren und nicht in mein angestrebtes Matanzas. Letzte Möglichkeit: die Eisenbahn. 6.45 Uhr bin ich am Bahnhof und nur eine Viertelstunde später fährt einer der seltenen Züge. Weil das so gut passt entscheide ich mich trotz schlechter Erfahrung dafür. Keine Ahnung ob der alte Mann am Schalter noch schläft oder ob es ihm egal ist, aber er verkauft mir die Fahrkarte zum Pesopreis für Kubaner. Für 210 km sind das 0,35 €, dafür nehme ich die langsame und unbequeme Schüttelei in Kauf. So schlimm wird es aber gar nicht. Gut das ich mich mit den Kubanern im Zug unterhalte, denn wir fahren gar nicht nach Matanzas, sondern 35 km daran vorbei. Ich soll in Union de Reyes einen Bus zu nehmen. Einer der dort aussteigt hilft mir und setzt mich in den richtigen Bus. Hier stört es keinen das ich Ausländer bin. Das war ein kleines, aber schönes Abenteuer. Matanzas? Größere Stadt, viel Industrie an den Rändern. Für Touristen kaum interessant, dafür macht sie einen bodenständigen und ehrlichen Eindruck. Samstag ans Meer. Varadero liegt nur 30 km weiter und ist DAS Strandressort in Kuba. Hotelanlagen ziehen sich über die ganze, rund 20 km lange Halbinsel. Für all-inclusive Touristen und solche die es werden wollen der richtige Ort. Der Strand ist echt der Hammer. Lang, breit und mit feinstem Sand. Bei der Größe bleibt Raum für alle.

kleiner Palast in Cienfuegos

Che - unvergessen

am endlos langen Strand in Varadero

Sonntag weiter. Ich schaffe in zwei Wochen doch ein ganzes Stück Kuba. Heute mit dem Bus über Havanna ins 180 km weiter westlich gelegene Dorf Vinales. Das hat sich über die Jahre zum Tourismus Magnet entwickelt. Hauptattraktion: einprägsame Landschaft samt Mogoten, hiesige Bezeichnung für steil aufragende Kalksteinfelsen. Zu Fuß kommt man nicht auf die rauf, da braucht es schon Kletterkünste nebst Ausrüstung. Bei der Suche nach einer Unterkunft fällt auf das hier fast jedes Haus eine Casa Particulares ist und Zimmer an Reisende vermietet, was die Bettsuche erleichtert. In den Strassen von Vinales ist viel los, die Leute feiern den letzten Tag vom Karneval und wirklich jeder ist auf den Beinen. Ich laufe ums Dorf und sammle Eindrücke. Geschmackssache: das riesige “Gemälde” an einer der Steilwände. Trotz der Größe ist es kaum vorstellbar das 15 Leute ganze 5 Jahre dafür gebraucht haben. Am Abend geht die Party in Vinales weiter und bei nur 0,80 € für einen sehr rumhaltigen Cuba Libre bin ich mit dabei :-). Montag bei schönstem Sonnenschein eine große Wanderrunde um Vinales herum.

in Vinales

Mogoten in Dorfnähe

Mural de la Prehistoria

Valle de Silencio

Dienstag nach Havanna. Dafür hatte ich mir gestern eine Busfahrkarte gekauft, doch es kommt anders. Ein Bus ist am Morgen nicht zu sehen und die bunt gemischte Gruppe Wartender wird bald aufgeteilt. Ich werde mit fünf anderen eine Strasse weiter zu einem alten Amischlitten geführt, der uns nach Havanna bringt. Nicht allen passt das, denn es ist weniger komfortabel als im Bus. Mir gefällt es, vor allem weil wir in der Stadt am jeweiligen Wunschziel abgesetzt werden. Das spart den umständlichen Transport vom Busbahnhof ins Zentrum. Im DRobles Hostel, schon meine erste Station auf Kuba, ist was frei, so wohne ich in bekannter Umgebung. Mir bleibt noch Zeit für Havanna und ich lasse ganz entspannt die sechsmonatige Reise austrudeln.

wehrhaftes Havanna

noch einmal durch die Straßen der Stadt bummeln und damit Abschied von Kuba nehmen

27. Woche, vom 29. bis 30. März 2018
Donnerstag, mein letzter Tag auf Kuba. Frühstück, Rucksack packen und in der Stadt spazieren gehen, mehr braucht es heute nicht. Am späten Nachmittag raus zum Flughafen. Eigentlich mit einem Colectivo. Ich frage am zentralen Park mehrfach nach um an der richtigen Stelle zu warten, doch statt einem Auto hält bald ein großer Stadtbus. Weil er in die gewünschte Richtung fährt und ich nicht länger warten will, quetscht sich meine Wenigkeit samt Gepäck hinein. Es wird vor diesen Bussen gewarnt: Total überfüllt, extrem langsam, voller Taschendiebe. Nun, ich stand schon in volleren Bussen und an meine Sachen geht auch keiner. So komme ich als wohl einziger (westlicher) Tourist mit dem Stadtbus in die Nähe vom Flughafen. Das war das letzte kleine Abenteuer in diesem einzigartigen Land. Ich checke dann bei Eurowings ein und fliege über Köln/Bonn nach Leipzig.