Wir schreiben den 28. September 2017 und eine weitere Reise nach Lateinamerika steht an.

Die Karte  von Mittelamerika mit meiner Reiseroute.

1. Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2017
Nach zweieinhalb Jahren Pause bin ich endlich mal wieder “on the road” und will ein paar weiße Flecken in Mittelamerika tilgen. Condor, oder besser gesagt Thomas Cook, bringt mich nach Cancun, Mexico. Ein typischer Touristenflieger ohne hohe Qualität, dafür zu einem guten Preis. Die ersten Tage in Cancun zum Eingewöhnen. Wir haben noch Regenzeit, also kommt öfters auch mal ein heftiger Schauer runter. Zusammen mit 30°C Tagestemperatur fühlt sich das dann an wie in der Sauna. Abgesehen von Hotelburgen und einigen hübschen Stränden gibt es wenig zu sehen, also ziehe ich bald weiter. Erstes Ziel ist die Insel Holbox. Nur unbefestigte Strassen, außer einigen Golfcars und kleinen Motorrädern fahrzeugfrei und alles ganz entspannt. Nette Gegend, nette Strände. Allerdings ziehen ordentliche Regengebiete durch und setzen so manche Strasse unter Wasser.  

Cancun, Playa Delfines    

     nicht nur mir ist heiß...

               Insel Holbox...

 ...alles sehr entspannt

Das nächste Ziel ist Merida, im Nordwesten der Halbinsel Yucatan. Eine Millionenstadt die man so nicht spürt. Ich wohne direkt im Zentrum und kann bei schönem Wetter durch das dann offene Dach des Hostels die Kathedrale nebenan sehen. Cool. Die Stadt ist für mexikanische Verhältnisse alt und überdurchschnittlich schön. Jeder Spaziergang lässt etwas Sehenswertes und Neues entdecken. Und sie sind definitiv auf Touristen eingestellt, jedoch ohne das es störend wirkt. Jeden Abend ist was los, wie z.B. eine nächtliche Tour über den großen Friedhof oder das Nachstellen des alten Ballspiels der Maya, Pok Ta Pok, mit all seinen Ritualen und Kostümen drum herum. Das Wetter ist im Moment sehr gut und abgesehen von wenigen kurzen Schauern wechseln sich Sonne und Wolken ab. Vom Tropensturm “Nate” bekommen wir nichts mit und nichts ab. Glück gehabt.

bunt, ja bunt sind...           

               Merida  

   Merida, Casa de Montejo

   irgendwie passt hier alles...

2. Woche vom 5. bis 11. Oktober 2017
Während dem Aufenthalt in Merida ein Besuch der ersten alten Mayastätte. Uxmal liegt ungefähr 80 km südlich von Merida und beeindruckt durch große und gut erhaltene Gebäude beziehungsweise Ruinen. Vor allem die Pyramide des Zauberers ragt da heraus. Leider darf man sie wegen früherer Unfälle nicht mehr besteigen, aber auch die Große Pyramide nebenan erfüllt ihren Zweck und ich habe von ihrer Spitze einen weiten Blick auf das überraschend flache Umland mit scheinbar undurchdringlichen Busch, man könnte auch Dschungel dazu sagen. Ich gehöre dort übrigens am Morgen zu den ersten Besuchern und bekomme den Eindruck auf dem weitläufigen Gelände praktisch allein zu sein. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm...

Uxmal, Pyramide des Zauberers und der Regierungspalast        

     Videomapping in Merida

     Izamal, die gelbe Stadt

Danach bleibe ich für weitere Tage in Merida. Samstag Abend mein erstes Videomapping, die ganze Front der Kathedrale wird als Leinwand für zwei riesige Beamer genutzt. Ein Super Erlebnis. Sonntag: auf dem Weg ins nächste Ziel ein Halt in Izamal, durch die einheitliche Bemalung der Häuser im Zentrum “gelbe Stadt” genannt. Sehenswert, und gleich nebenan kann man auf eine alte Maya Pyramide klettern. Nachmittag weiter nach Valladolid, geografisch gesehen im Zentrum der Halbinsel Yucatan. Eine nette kleine Stadt die ringsum einiges zu bieten hat. Als erstes sehe ich mir die Ruinenstadt Ek Balam an, eine Stunde außerhalb. Schön, interessant und mitten im Dschungel. Zurück füllt sich kein Colectivo, sprich Sammeltaxi, und ich beschließe kurzerhand die 50 km zu trampen, was praktisch sofort gelingt. Am Nachmittag setzen heftige Regenschauer innerhalb von drei Stunden die gesamte Innenstadt unter Wasser. Was da in kürzester Zeit runter kommt kann man sich im europäischen Maßstab kaum vorstellen. Dienstag zu einigen Cenoten. Das sind Sinklöcher im Kalkstein, manche komplett unterirdisch, manche Höhlen bei denen das “Dach” eingestürzt ist. Der Durchmesser variiert und kann 200 m, ihre Tiefe bis zu sagenhaften 400 m betragen. Sie sind mit Wasser gefüllt und laden meist zum Baden ein. Die zuerst besuchte Cenote Samula ist ganz hübsch, aber die nahe X’keken ist super und zeigt sich als Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten, dazu gefüllt mit feinstem klaren Wasser. Für eine halbe Stunde habe ich diesen außergewöhnlichen Ort ganz für mich allein, was für ein Erlebnis. Mittwoch hole ich am Abend Piotr vom Bus ab. Wir haben uns bei meiner Vietnamreise 2008/09 kennen gelernt und den Kontakt gehalten. Dieses Jahr klappt es zeitlich wie auch geografisch mit dem Reiseziel und wir werden die nächsten vier Wochen gemeinsam unterwegs sein.

ein kleines Stück Ek Balam      

         Cenote X’keken

     Chichen Itza: El Castillo

           Chichen Itza

3. Woche vom 12. bis 18. Oktober 2017
Donnerstag brechen wir früh zur bekanntesten Ruinenstätte in Yucatan auf: Chichen Itza. Vor allem das bekannte “El Castillo” beeindruckt, aber es gibt weit mehr zu sehen. Wir bleiben drei Stunden auf dem weitläufigen Gelände, welches ab dem späten Vormittag sichtlich von Tourgruppen gestürmt wird. Am Nachmittag verkriechen wir uns vor der Hitze, 35 °C und wolkenloser Himmel. Tags darauf mit Sack und Pack weiter. Unterwegs ein Halt in Coba, wo auch Mayaruinen stehen. Die verstecken sich im Dschungel und vor allem die Kletterpartie auf die 42m hohe Hauptpyramide bleibt in Erinnerung. Nachmittags leihen wir uns Fahrräder aus und schaffen es trotz Hitze zur Cenote Multun-Ha. 20 Meter unter der Erde liegend und gefüllt mit glasklarem Wasser überspannt ein riesiger Dom die Höhle, die mit nur einer Lampe wie durch eine kleine Sonne beleuchtet wird. Mit Fotos kann man nur vage wiedergeben wie schön es dort ist. Am Abend die Ankunft in Tulum, gelegen an der Ostküste von Yucatan. Samstag wollen wir dort zu den Ruinen die malerisch direkt am Strand liegen, aber auf dem Parkplatz stehen allein 10 Busse eines Unternehmens und fast 500 Mitarbeiter von Samsung ergänzen den normalen Touristenansturm. Also wird der Besuch verschoben und wir faulenzen am herrlichen Strand. Sonntag brechen wir sehr früh mit Leihrädern auf und sind trotz Regen zur Öffnung 8 Uhr an den Ruinen. Es hört bald auf zu regnen und wir bewundern alles ohne Menschenmassen, aber mit Regenbogen

Coba, große Pyramide

       Strand von Tulum

       Ruinen von Tulum  

   Cenote Multun-Ha

Nach der Radtour ein spätes Frühstück, letzte Sachen packen und weiter. Kurz vor der Grenze zu Belize bleiben wir zwei Tage an der Lagune Bacalar. Die ist, in einem Wort, wunderschön. Die Lagune hat einen Kalksteinboden und ist größtenteils sehr flach. An sonnigen Tagen definitiv ein Karibikfeeling. Unser Hostel liegt direkt am Ufer und es sind nur wenige Leute da. Fühlt sich an wie Urlaub. An einem Morgen leihen wir uns ein Kajak aus und drehen eine große Runde. Hinüber auf die andere Seite, durch die Mangroven und schließlich bis zur Cenote Negro, ein Sinkloch mitten im See. Sichtbar weil im klaren Wasser der Grund unter uns plötzlich verschwindet und die Farbe des Wassers fast zu schwarz wechselt. Cool. Dienstag verlassen wir Mexiko in Richtung Belize. Damit ändert sich nicht nur die Währung. Der Transport nun mit uralten, schrottreifen Schulbussen aus den USA, die Strassen meist mies und vieles macht einen armseligen Eindruck. So teuer wie angenommen ist es hier nicht - solange man auf dem Festland bleibt. Nach einer Nacht in Orange Walk Town fahren wir nach Belize City. Die größte Stadt des Landes mit 60.000 Einwohnern beeindruckt keinesfalls. Heruntergekommen, deprimierend und schäbig. Wir bleiben nur eine Stunde, laufen durchs Zentrum und fahren dann weiter nach San Ignacio, im Westen des Landes. Das geht trotz miesen Bussen und Strassen schnell, denn die Ausmaße von Belize halten sich in Grenzen. Die Stadt unserer Wahl ist dann einfach, aber gefällt.

auf dem Markt...                

           Lagune Bacalar

     morgendliche Kajaktour

             Belize City

4. Woche vom 19. bis 25. Oktober 2017
Donnerstag besuchen wir in San Ignacio die Mayaruinen Cahal Pech. Weil die Landschaft hier hügelig ist machen diese einen  ganz anderen Eindruck als die bisher besuchten. Freitag eine außergewöhnliche Tagestour zur Höhle Actun Tunichil Muknal, kurz ATM genannt. Nach einer Stunde Fahrt auf teils abgelegenen Strassen werden wir mit Helmen und den darauf montierten starken Lampen ausgerüstet. Weiter geht es zu Fuß, drei Flussquerungen inklusive. Der Eingang zur Höhle ist schwimmend zu überwinden. Dann folgen wir unterirdisch einem kleinen Fluss über einen halben Kilometer tief in den Berg hinein, wobei wir uns so manches mal durch enge Spalten zwängen müssen. Schon da sind geniale Felsformationen zu bewundern, die das Wasser tief unter der Erde erschaffen hat. Richtig aufregend wird es nach einer Kletterparty hinauf in eine zwanzig Meter höher gelegene Höhle. Die ist größer als eine Kathedrale und hat einen erstaunlich ebenen Boden. Überall Stalagmiten und Stalaktiten aus unterschiedlichem Material und dadurch verschieden farbig. Der Clou: selbst die Maya kannten diesen Ort schon und haben hier vor 500 bis 1.000 Jahren Rituale vollzogen. Deshalb liegen neben jeder Menge antiker Keramik auch manch Skelett herum, wahrscheinlich Menschenopfer. Das bekannteste ist die “Crystal Maiden”, deren Skelett sich im Laufe der Jahrhunderte mit Kalziumkarbonat verbunden hat und deshalb kristallin leuchtet. Was für ein Erlebnis! Danke Maya Walk Tours. 

Actun Tunichil Muknal         

   Skelett der Crystal Maiden

       Ruine Xunantunich

  alter Stuck aus Mayazeiten

Samstag packen wir und fahren weiter. Kurz vor der Grenze noch eine Ruinenstätte: Xunantunich. Super gelegen, gut erhalten und die große Pyramide erinnert an eine Burg. Noch dazu sind nur wenige Besucher hier, was bei vielen der nicht so im Fokus stehenden Ruinen der Fall ist. Gut für uns :-). Gleich darauf reisen wir in Guatemala ein. Schwierig hier an einheimisches Geld zu gelangen. Geldautomaten sind in kleinen Städten selten und die Banken nehmen nur brandneue Scheine zum Tauschen an. Aber wir bekommen wenigstens ein paar Quetzales, die Landeswährung, und schaffen es noch bis Flores, faktisch eine kleine Insel in einem See. Hier erwartet uns Maui, ein weiterer Reisegefährte aus früheren Jahren. So sind wir nun für einige Zeit zu dritt unterwegs. Wir wollen dann so schnell wie möglich nach Tikal, also starten wir am Sonntag 4.30 Uhr mit dem Bus um nach anderthalb Stunden Fahrt pünktlich zur Öffnung der Ruinen vor Ort zu sein. Tikal gehört zu den Mayastätten die man wohl unbedingt gesehen haben muss. Ehemals eine große Stadt mit bis zu 200.000 Einwohnern, reicht ihre Geschichte weit mehr als 2.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Heute stehen noch die Pyramiden, Tempel und ein paar Ruinen, wobei einige Bauten bis zu 45 Meter hoch sind und über das Dschungeldach hinausragen. Es hat was am frühen Morgen auf einer der Pyramiden zu sitzen während der Dschungel erwacht. Brüllaffen, Vögel und einiges mehr meldet sich auf jeden Fall kräftig zu Wort.  

Dschungelfauna: Kliffhänger   

         Pfauentruthahn

       Klammerschwanzaffe

           Schmetterling

Am Montag verlassen wir Flores im Regen und wenden uns nach Süden. Wir kommen gut voran, bis unser Bus auf einmal hält, scheinbar ohne Grund. Auflösung: Fluss voraus und im weiten Umkreis keine Brücke darüber. Also auf die Fähre warten, die jeweils nur wenige Autos transportieren kann. Spätestens ab der Stadt Coban kommen wir dann in bergiges Gelände und bald auch auf Schotterstrassen. So zieht sich die Strecke und wir erreichen Lanquin erst mit der Dämmerung. Am nächsten Tag ein Ausflug nach Semuc Champey. Trotz regnerischem Wetter wandern wir zum und im Nationalpark. Höhepunkt: In einem engen Tal blieb eine 300 Meter lange Naturbrücke aus Kalkstein stehen. Der Fluss verschwindet zu 80% darunter und oberhalb liegen Sinterterrassen wie Pools hintereinander, extrem farbenfroh und zum Baden einladend. Weil es die letzten Tage viel geregnet hat ist der Fluss voll und speziell wo er wieder zu Tage tritt röhrt und brüllt er wie ein ganz Großer. Prädikat: sehr sehenswert.

Flores                              

                 Tikal

         Semuc Champey

         Semuc Champey

Mittwoch ist der nächste Tag den wir komplett im Bus verbringen. Auf Grund des Wetters mit viel Regen im Norden und ersten Überschwemmungen ändern wir unseren Plan und beißen in den sauren Apfel mit der nächsten langen Strecke durch die Berge des Landes. Leider liegt auch Guatemala City auf dem Weg, was lange Staus und viel Verkehr auf den Strassen dort beinhaltet. Kein schöner Tag, und es ist wie eine Erlösung, als wir am Abend in Antigua, der alten Hauptstadt von Guatemala, eintreffen.
5. Woche vom 26. Oktober bis 1. November 2017
Donnerstag ein Stadtbummel in Antigua. Nach dem letzten großen und verheerenden Erdbeben 1773 zog die Hauptstadt nach Guatemala City um. Zurück blieb eine hübsche Stadt mit teils höllischem Kopfsteinpflaster. Neben niedrigen Häusern, die besser Erdbeben widerstehen, sieht man eine Vielzahl Ruinen alter Kirchen und Klöster. Vor allem aus diesen wird Kapital geschlagen und die Eintrittsgelder summieren sich schnell. Antigua erweißt sich als teures Pflaster, und hatten wir bisher schon das Gefühl das Guatemala an sich keineswegs mehr so preiswert ist wie es mal war, so toppt Antigua das Ganze mit teils europäischen Preisen. Freitag stehen wir für eine Tour zum Vulkan Pacaya früh auf. Ganz hinauf zum Kraterrand dürfen wir nicht, dafür ist er zu aktiv. Rauchwolken stehen praktisch dauernd über ihm und manch kleine Explosion ist aus dem Krater zu hören. Als Beweis wie nah die Hitze ist, kann uns der obligatorischer Guide überraschen indem er an einigen Stellen am Berg Lavasteine hervor holt die bis zu 50°C warm sind. Zum Spaß können wir dann noch Marshmallows an einem der unterirdischen Gaslöcher erhitzen.

Antigua, Kirche im Ganzen 

         Antigua, Ruinen...  

 ...auch von Innen sehenswert

     Einheimische in Antigua

Samstag weiter zum See Atitlan. Dafür probieren wir die preiswerte “Chicken Bus” Variante, welche zu einem Abenteuer an sich wird. In den alten Schulbussen aus den USA ist der Gang zwischen den Sitzreihen teils keine 25cm breit, weshalb man auch bis zu sechst in einer Reihe sitzt. Die Gepäckfächer sind mini, wenn überhaupt vorhanden. Also den großen Rucksack vor sich auf dem Schoß platzieren. Bei der minimalen Beinfreiheit von praktisch 0 cm ist das sehr unbequem. In Panajachel steigen wir in ein Boot und fahren über den halben See ins kleine Dörfchen Jaibalito. Keine Straßenanbindung und hinter dem Dorf 700 m hohe Bergwände, ein Ort fernab der Welt da draußen. Das Hostel  betreibt seit 17 Jahren Hans, ein ausgewanderter Deutscher, was sich vor allem in der Küche sehr lecker bemerkbar macht. Sonntag verabschieden wir Maui, der Freunde in El Salvador treffen will. Piotr und ich wandern durch die Gegend, nett aber wenig aufregend. Montag der Wechsel nach San Pedro La Laguna. Viel touristischer, aber in der jetzigen Nebensaison erträglich. Was störend wirkt sind die häufigen Warnungen vor Banditen und Überfällen, egal ob in Stadtnähe oder den hiesigen Bergen. Praktisch nur mit einer Tour sei man sicher, doch das ist gar nicht nach unserem Geschmack. Trotz allem erstürmen wir allein am frühen Dienstag den Vulkan San Pedro (2.995 m hoch), der täglich von Polizisten patrouilliert wird. Die Ausblicke vom Gipfel sind wenig aufregend und wir kehren eher ernüchtert zurück. Noch ein Wort zum See Atitlan: er ist groß (130 km²) und er ist tief (360m). Was mich stört ist der Fakt das es keinen Abfluss gibt, sprich all das Wasser welches dem See entnommen wird gelangt nach Gebrauch auch wieder in ihn hinein... Ausgesetzte Fische haben das Ökosystem bereits kippen lassen und alles in allem kann ich den Hype um den See nicht wirklich verstehen.    

           Vulkan Pacaya         

       Jaibalito, Lago Atitlan

Werbung an einem Haus: Hightech Maya ;-)

   abenteuerliche Wege

Mittwoch packen wir und nehmen den Bus nach Quetzaltenango. Für die ersten, meist unbefestigten, 33 km braucht der alte Bus sagenhafte zwei Stunden, das ist selbst bei meiner Erfahrung rekordverdächtig. Auf der gut ausgebauten Panamericana geht es dann schneller voran und wir erreichen die Großstadt am frühen Nachmittag. Trotz ihrer 100.000 Einwohner fühlen wir uns schnell wohl und finden ein gutes Hostel. Nun ist vor allem abends eine wärmere Garderobe erforderlich, denn auf einer Höhe von 2.300 m sind die Tage bei Sonnenschein zwar schön warm, aber die Nächte kühlen meist auf 10°C herunter.
6. Woche vom 2. bis 8. November 2017
Donnerstag wollen wir in der Stadt bummeln, aber ich fühle mich mies und bleibe den ganzen Tag vor mich hin dämmernd im Bett liegen. Symptome und Gefühl sagen: Grippe. Wenigstens Piotr kommt der recht hübschen Stadt ein wenig näher. Freitag geht es mir besser, trotzdem schicke ich meinen Reisekollegen lieber allein zum Markt nach San Francisco de Alto. Wie gut das war zeigt sich bald nach dem leichten Frühstück, als die Schmerzen im Bauch sprunghaft zunehmen und nichts Linderung schafft. Jetzt wird klar das das was ernsthaftes ist. Ich halte durch bis Piotr nach dem Mittag wieder da ist. Dann geht alles schnell. Die bestürzten Mitarbeiter vom Hostel rufen die Ambulanz - sagen wir lieber den Kleinbus, denn weder Ausrüstung noch Qualität der Federung entspricht dem was wir kennen. Wird eine harte Fahrt für mich. Im städtischen Krankenhaus steht bald die Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Da muss operiert werden, aber hier??? Das Krankenhaus, für jeden kostenlos, hat weniger zu bieten als manche Arztpraxis in Deutschland und es geht zu wie im Bienenstock. Doch wenn die Not am größten... Mein rettender Engel taucht auf, Mitzi Castellanos. Assistenzärztin so wie alle hier (kein Chefarzt da), aber mit zweijährigem Studium in Deutschland! Mit ihr kann ich zum Glück etwas deutsch reden. Sie gibt zu, OP ja, aber nicht unbedingt hier. Also telefoniert sie und findet einen Endoskopiespezialisten in einer privaten Klinik. Damit alles gut geht bringt sie uns gleich selbst mit ihrem Auto hin. Dort ein komplett anderes Bild: das Haus auf europäischem Standard. Ruhe, Einzelzimmer, peinliche Sauberkeit. Das Mitzi mit kam ist gut, denn hier sprechen alle nur spanisch. Untersuchung, Vorbereitung und ein paar Stunden später ist der schmerzende Wurmfortsatz draußen. Immer in der Nähe: Piotr. Vielen Dank dafür! Samstag darf und muss ich schon aufstehen. Schmerzen sind noch da, aber auf einem erträglichen Niveau. 24 Stunden nach der OP werde ich aus dem Krankenhaus “geschmissen”, nachdem die fällige Rechnung mit Kreditkarte beglichen wurde. Ärztliche Auflagen: nichts heben, nichts tragen, viel ruhen. Daran halte ich mich, mehr geht eh nicht. Fühle mich wie ein sehr alter Mann, alles geht nur langsam und vorsichtig, dazu stetige Schmerzen und vollkommene Appetitlosigkeit. Weil unser Hostel direkt im Zentrum liegt, lohnen sich aber selbst kurze Spaziergänge. Sonntag ist da eine große Prozession mit hunderten von Mönchen und dicken Nebelschwaden von Weihrauch. Eine tonnenschwere Plattform wird auch von Frauen getragen, gefolgt von einem Orchester mit eindrücklicher Musik. Was für ein Erlebnis! Mittwoch reist Piotr ab. Sein Urlaub ist um und er tritt die lange Reise zurück nach London an.

Prozession in Quetzaltenango, auch die Frauen ziehen mit      

     Tempel am Stadtrand

 Zentrum von Quetzaltenango

7. Woche vom 9. bis 15. November 2017
Derzeit passiert recht wenig. Meine tägliche Routine: Spazieren, spanisch lernen, essen, schlafen. Immerhin geht es mit mir körperlich bergauf. Freitag zieht der Arzt die wenigen Fäden an meinen drei endoskopischen “Löchern”. Es schaut soweit alles gut aus, aber ich sollte mich wohl noch zwei Wochen gedulden bis meine Reise einen Neustart erlebt. Samstag ein erster langer Spaziergang bis an die Stadtgrenze zu einem sehenswerten Tempel. So einen sauberen und gepflegten Garten wie da habe ich in diesem Land noch nicht gesehen. Montag ein kleiner Ausflug in die Umgebung. Mit dem “Chicken Bus” eine knappe Stunde bis Zunil. In dem Dorf findet am Montag immer ein schöner Markt statt. Viele Trachten, vor allem oder fast ausschließlich bei den Frauen, und auch sonst viel zu sehen. Fotografieren ist bei den Einheimischen verpönt, deswegen sieht man auch nichts vom Markt auf meiner Seite. Dafür aber von der schönen Kirche und dem spektakulär gelegenen Friedhof, hoch oben auf einem schmalen Grat über dem Dorf. Die weiteren Tage erkunde ich in immer neuen Schleifen Quetzaltenango (Xela), besuche mehrfach den großen Markt und finde immer neue Restaurants in denen man preiswert (für 2,50 € bis 4 €) und gut essen kann.

mal ein (äußerlich) schöner Bus

         Kirche in Zunil

         Friedhof über Zunil

  Friedhof in Quetzaltenango

8. Woche vom 16. bis 22. November 2017
Donnerstag ein Bummel über den Friedhof Quetzaltenango. Sehr schön, ruhig und friedlich, nur schade das bei vielen Statuen die Köpfe und sogar die Hände abgeschlagen sind. Am Nachmittag hinauf auf den Hausberg El Baul. Ich nehme praktisch nichts mit, auf dem Berg wäre es schon öfters zu Überfällen gekommen. Gefahr spüre ich keine, was wohl auch an der Präsenz der Polizei liegt. Das Wetter ist nach wie vor super, blauer Himmel am Morgen und nachmittags einige Wolken. Tagsüber schafft es die Sonne auf fast 30°C, doch im Schatten kühlt es stark ab und nachts geht es runter bis 7°C. Freitag nach San Francisco de Alto. Der Markt dort wird beworben, ist aber in meinen Augen wenig wert. Verstopfte Strassen, nirgends kann man stehen bleiben, geschweige denn fotografieren. Als dann auch noch zwei Mal versucht wird im Getümmel meinen Rucksack zu öffnen kehre ich dem Dorf schlecht gelaunt den Rücken. Sonntag eine kleine Bergtour. Ich habe im Hostel ein Paar aus Österreich kennen gelernt und wir verstehen uns prächtig. Wir brechen 6 Uhr morgens auf um den Vulkan Santa Maria bis zu einem Punkt zu besteigen von dem aus man den kleineren, aber aktiven, Vulkan Santiaguito sehen kann. Trotz fehlender Wegweiser und Warnung vom Tourbüro (klar, die wollen was verkaufen) finden wir uns zurecht. Leider bekommen wir den Krater nur teilweise zu Gesicht und von Aktivität ist nichts zu sehen, aber die Wanderung ist schön und ich bin anscheinend wieder belastbar. Dienstag will ich eigentlich nur einen Spaziergang machen und laufe südlich aus der Stadt. Zwei Mal abgebogen steigt die schmale Strasse bald an und führt zu einem kleinen Marktflecken. Den überraschend vielen Leuten dort folgend komme ich an ein Lavafeld, welches schnell und steil ansteigt. Auf dem Weg zwischen den Felsen immer wieder kleine Plattformen auf denen die Leute opfern, beten, predigen, singen, weinen und schreien. Sehr eindrücklich. Ohne es zu wollen bin ich wohl an einen heiligen Ort gelangt. Durch kleine Schluchten und bergan auch mal mit Hilfe von Seilen komme ich bis auf die kleinen Gipfel, auf denen auch geopfert wird, vor allem Blumen. Die Aussicht absolut herrlich, habe diese Stunde da oben noch lange im Sinn...

der spannende Weg hinauf    

   oben auf einem der Gipfel

   Kanutour zum Sonnenaufgang in den Mangroven Monterrico

9. Woche vom 23. bis 29. November 2017
Ab Donnerstag beginne ich mit dem großen Rucksack zu trainieren. Zu Beginn nur mäßig gefüllt laufe ich mehrfach täglich kleine Runden. Freitag zum (hoffentlich) letzten Mal ein Besuch bei Dr. Cordon. Zufrieden gibt der grünes Licht für die Weiterreise, nur sollte ich nach wie vor vorsichtig mit schweren Sachen sein. Sonntag ist es soweit: leicht aufgeregt sage ich dem Black Cat Hostel in Quetzaltenango ade und setze die Reise nach fast vier Wochen Pause fort. Auf Grund der kurzen Verbindungen sind insgesamt sechs Busse nötig um an die Pazifikküste ins Dorf Monterrico zu kommen. Mit der Hilfe anderer kann ich auch ohne Probleme den großen Rucksack händeln. Monterrico entpuppt sich schnell als der richtige Ort für mich. Der Strand ist auf Grund vulkanischen Ursprungs mit seiner dunklen Farbe wenig fotogen, aber trotzdem schön. Das Hotel liegt direkt am Strand und die Ozeanwellen wiegen einen in den Schlaf. Montag früh 5 Uhr eine Kanutour in die Mangrovenwälder mit schönem Sonnenaufgang und jeder Menge Vögel die unbeeindruckt von uns den Tag beginnen. Ansonsten an meinem Geburtstag am Strand faulenzen und von euch viele Wünsche und Grüße erhalten. Danke. Ich bin kein “Strandmensch”, also geht es schon Dienstag weiter. Gegen Mittag die Einreise nach El Salvador. Von Anfang an fühle ich mich wohl in dem Land. Gegenüber Guatemala sind die Menschen angenehmer, die Frauen hübscher, die Strassen besser und die Busse zwar nur etwas neuer, dafür aber um einiges günstiger. Im Land zahlt man mit US$. Die ersten 100 km kosten mich gerade mal 1,60 US$. Noch am selben Tag erreiche ich Concepcion de Ataco, ein Dorf an der Ruta de Flores, einer Bergregion in der viel Kaffee angebaut wird. Der Ort übersichtlich, klein und farbenfroh. Ich bleibe zwei Tage, erkunde die Gegend und finde landestypisches Essen, wie z.B. Pupusa, die man sich als gefüllte Teigtaschen vorstellen kann. Flach, handgroß, meist mit Käse und ... gefüllt sind sie preiswert und machen satt.
10. Woche vom 30. November bis 6. Dezember 2017
Am Donnerstag nach Juayua, ein weiteres Dorf an der Ruta de Flores. Trotz Warnungen laufe ich allein zu den Wasserfällen Chorros de la Calera, wobei mir aber auf dem Weg nur freundliche Einheimische begegnen. Die Fälle sind sehenswert, weil das Wasser aus einem langen horizontalen Riss aus dem Berg zu Tage tritt. Gefällt mir. Am Abend ins beste Restaurant der Gegend, wo man gutes Rind bekommt das mit der Zugabe von Kaffee mariniert wird. Ungewöhnlich aber fein.   

im Dorf Apaneca           

   Ataco, farbenfroh und mit reichlich Kunst an den Häusern

  Juayua, Chorros de la Calera

Freitag weiter. Man merkt, Reiserhythmus und Reisetempo sind zurück. Es dauert nur anderthalb Stunden bis in die Großstadt Santa Ana. Dort steige ich im Hostel Casa Verde ab, dem wohl besten Haus für Backpacker bis weit über die Landesgrenzen hinweg. Da hat sich der Besitzer Carlos die Mühe gemacht und eine perfekte Unterkunft bis ins Detail durchkonzipiert. Bravo! Santa Ana bietet einiges, wie zum Beispiel die fotogene Ruine der alten Kunstschule, die in früheren Zeiten zu den besten in ganz Amerika gehörte, und natürlich macht die große Kirche im Zentrum was her. Am Samstag ein Ausflug auf den nahen Vulkan Santa Ana, der Originalname Llamatepec ist wohl schwer zu vermarkten. Rauf darf man nur in der Gruppe, zur Sicherheit jeweils begleitet von einem schwer bewaffneten Soldaten. “Unten” noch blauer Himmel und 30°C, “oben” auf dem Gipfel auf 2.381m stürmischer Wind mit mehr als 120km/h und viele Wolken, die eine Sicht nur für wenige Sekunden frei geben. Immerhin reicht es für ein paar Blicke in den riesigen Krater mit farbiger Lagune und auf den herrlichen Lago Coatepeque gleich nebenan. War schwer die Kamera dabei ruhig zu halten. Sonntag ein Ausflug zu den nahen Maya Ruinen von Tazumal. Mal wieder alte
Steine ;-). Montag will ich weiter, kann mich aber noch nicht vom Hostel in Santa Ana trennen, was mir sehr selten passiert.

Santa Ana, die Kirche     

Santa Ana, Ruine Kunstschule

         Lago Coatepeque

           Ruine Tazumal

Dienstag reiße ich mich von Santa Ana los. Die Distanzen sind kurz im Land und es ist nur eine Stunde bis zur Hauptstadt San Salvador. Mein Hostel liegt gut, ich brauche zu Fuß nur zwanzig Minuten ins historische Zentrum. Dort werden derzeit viele Strassen und Plätze neu gebaut und sind Baustelle, was schöne Fotos unmöglich macht. Sehenswert: die Kirche El Rosario. Von außen hässlicher als ein DDR Plattenbau, zaubern im Inneren farbige Glasfenster herrliche Muster und Stimmungen. So was ähnliches steht in Le Havre, Frankreich. Sonst das übliche Chaos und der allgegenwärtige Dreck und Müll. Keine Ahnung wo das hinführt, denn gesund ist das auf keinen Fall wenn man an einer Kreuzung in der dicken fetten Rußwolke eines Busses steht. Und davon gibt es hier hunderte. Mittwoch in den schönen Botanischen Garten, der sich einen großen Vulkankrater mit einem schmutzigen Industriepark teilt, was für eine Kombination. Nachmittags nach Santa Tecla, dessen Partymeile mehr an Europa erinnert als an Mittelamerika, und von da rauf auf den Vulkan San Salvador, wo im tiefen Krater ein weiterer Vulkankegel steht. 

Baustelle San Salvador        

         Kirche El Rosario

           Santa Tecla

         Vulkan im Vulkan

11. Woche vom 7. bis 13. Dezember 2017
Donnerstag mit dem Vorortbus zur Puerta del Diablo, steilen Felsen südöstlich der Hauptstadt. Die sind nicht sehr hoch, aber mit einer toller Aussicht auf fünf Vulkane, einen See und das ganze Land von San Salvador bis zur Pazifikküste. Nachmittags zum alten Friedhof, wo vor allem der italienische Teil mit seinen Statuen fasziniert. Besonders ein, leider nicht mehr komplettes, Motorrad auf dem Grabstein; für den ehemaligen Piloten Massi ein Doppeldecker und ein Arzt hat seine viel zu früh verstorbene Frau als lebensgroße Kopie im Brautkleid als Statue auf ihrem Grab verewigt. Stark. Noch ein Wort zur Sicherheit: Ich wusste nicht was mich in El Salvador erwartet, denn das Land wird immer wieder als sehr gefährlich verschrien. Selbst laut den lokalen Zeitungen ist das so, denn die sind täglich voll von Opfern, Toten und Gräueltaten. Als Tourist merkt man davon wenig, besser gesagt gar nichts. Vielerorts steht bewaffnete Sicherheit, nicht nur vor den Banken, und selbst auf manchen Wanderwegen wird man bewaffnet begleitet, was keine Sonderbehandlung für westliche Touristen darstellt. Ich habe mich an dieses Bild gewöhnt, und ein wenig Glück wie auch gesunder Menschenverstand sichern mir bis jetzt eine sorgenfreie Reise.

               im Botanischen Garten in San Salvador                

       Puerta del Diablo

     Motorrad auf dem Grab

Freitag wird der kleine Ort Suchitoto zu meiner nächsten Station. Gelegen auf 400m Höhe sind die Tage heiß, aber die Nächte erträglich. Mein Hostel liegt am Dorfrand und bietet einen unschlagbaren Blick auf den nahen Stausee. Ich sitze öfters auf der kleinen Terrasse und lasse die Gedanken schweifen. Das Leben geht hier einen gemächlichen Gang und Zeit wird sekundär. Die Kirche ist - wieder mal - das schönste Gebäude weit und breit. Am Samstag will ich zu einem kleinen Wasserfall 3km außerhalb. Die nette Besitzerin vom Hostel schickt mich zur Polizei, weil die jeden Nachmittag Leute dahin begleiten. Ich bin heute der Einzige und werde, begleitet von vier (!) bewaffneten Polizisten, mit dem Jeep hin gebracht. Unglaublich! Der Wasserfall Los Tercios ist derzeit wegen der Trockenzeit wasserlos. Egal, denn die Basaltwand mit 30m Höhe und 20m Breite beeindruckt auch so. Ich habe mich übrigens mit “meinen” Bodyguards sehr gut verstanden, weshalb auch das Foto zustande kommen konnte.

Blick von der Hostelterrasse    

         Kirche Suchitoto

   “Wasserfall” Los Tercios

       “meine” Bodyguards

Sonntag mit dem Bus nach San Ignacio, das vorerst letzte Reiseziel in El Salvador. Doch der Ort sagt mir nicht zu. Als dann am Montag graue Wolken den Himmel bedecken und es regnerisch aussieht, wird der Plan in die nahen Berge zu wandern über den Haufen geworfen. Stattdessen verlasse ich das Land. Die Grenze ist nah und nur wenige Leute unterwegs, so geht es schnell nach Ocotepeque, Honduras. Weil es auf der Karte kürzer erscheint dann ein Bogen über Guatemala, um erneut nach Honduras einzureisen. An einem Tag drei Grenzübertritte, ein ungewöhnlicher Rekord für mich. Immerhin komme ich so bis Copan, eine ziemlich bekannte alte Mayastätte. Von den Protesten und Demonstrationen im Land wegen der Wahlquerelen bleibt Copan verschont, allerdings auch von Touristen die dem Frieden anscheinend nicht trauen. So sieht man derzeit nur wenige Ausländer in der, wie ich finde, wirklich schönen Stadt. Das Wetter bleibt vorerst grau und kühl (tags 18°C), was mir zwei Tage Pause beschert. Dabei treffe ich Kirsty aus Südafrika nach Santa Ana zum zweiten Mal. Wir reisen für die nächste Zeit gemeinsam. In Copan streikt übrigens der einzig verwendbare Geldautomat zwei Tage lang und Geduld ist gefragt bis ich wieder “flüssig” bin. 

 Copan: Natur gegen Mensch

       Altar der 16 Könige

 eine der zahlreichen Stelen auf dem Gelände, aufgestellt im Jahr 731

         etwas gruselig

12. Woche vom 14. bis 20. Dezember 2017
Am Donnerstag scheint wieder die Sonne vom blauen Himmel. Genau richtig um sich die Mayaruinen von Copan anzuschauen. Und das lohnt sich. Die Pyramiden und Überreste der Gebäude ähneln dem was ich zuvor auf dieser Reise gesehen habe, aber hier gibt es jede Menge Bildhauerei und Maya Schriftzeichen zu sehen. Genau das hatte ich bisher vermisst. Außerdem kann ich auf Grund der wenigen Touristen ungestört umher streifen, ein tolles Erlebnis. Ein paar Stunden dauert das Erforschen, hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Danach ins nahe Museum, wo neben anderem die exakte Kopie, auch in seiner Größe, eines Tempels steht der UNTER einer der Pyramiden gefunden wurde. Das reich verzierte Gebäude, anscheinend errichtet im 6. Jahrhundert, wurde wegen seiner rosa Steine auf den Namen “Rosalila” getauft.

Copan, Tempel         

  Tempel Rosalila im Museum

           im Museum     

  Ara auf dem Ruinengelände

Freitag wollen wir Copan verlassen, doch ein Generalstreik im Land legt den öffentlichen Verkehr lahm. Samstag soll es wieder normal laufen, aber Proteste und Barrikaden riegeln San Pedro Sula, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, nach wie vor ab. Also fahren wir erst einmal nach Gracias, eine Kleinstadt im westlichen Zentrum des Landes. Übersichtlich, schön und voller netter Menschen. Auch hier merkt man von der Aufruhr im Land nichts. Sonntag stehen wir 5 Uhr an der Bushaltestelle, und - der Bus nach San Pedro Sula fährt. Wir kommen gut voran, nur 20 km vor der Großstadt sieht man die Überreste der Strassensperren und der Verkehr staut sich langsam daran vorbei. Schnell umsteigen und weiter nach La Ceiba. Dort nach 380 km Busfahrt auf die Fähre wechseln. Die bringt uns 35km übers Meer auf die Insel Utila, nur 11km lang und 4 km breit. Geschafft, und das im doppelten Sinn. Montag klappere ich einige der zahlreichen Tauchschulen ab, bis mit Alton’s Divecenter die für mich passende gefunden ist. Die Leute dort sind mir sympathisch, der Preis passt und die Unterkunft direkt am Meer lässt kaum zu wünschen übrig. Schon Dienstag beginnt der Kurs zum Open Water PADI. Wegen der derzeit wenigen Touristen auf der Insel sind wir nur zu zweit in der Klasse, was natürlich super ist. Zwei halbe Tage Theorie, dann zum ersten Mal ins Wasser. Das macht Spaß. John, Australier, und ich scheinen gute Schüler zu sein, denn unsere schwedische Tauchlehrerin Malin ist sehr zufrieden.

ohne Worte                    

             Insel Utila

     mit dem Kajak im Kanal

   unsere Weihnachtsinsel

13. Woche vom 21. bis 27. Dezember 2017
Donnerstag der erste Tauchgang bis auf 12m. Aufregend, auch weil man hier eine bunte Korallenwand vor Augen hat. Das ist was ganz anderes als beim Schnorcheln, denn jetzt schwebe ich wie schwerelos mitten in dieser bunten Welt, nur begleitet vom Geräusch des eigenen Atems. Herrlich. Nebenbei festigen wir mit praktischen Übungen das Gelernte der letzten Tage. Ich bestehe Freitag die theoretische Prüfung und darf am Nachmittag bis zur erlaubten Tiefe von 18m tauchen. Damit habe ich den Tauchschein in der Tasche. War ehrlich gesagt einfach, was andere Taucher wohl bestätigen können. Sonntag, Heilig Abend, mit zwei anderen Tauchschülern Kajaks ausleihen und damit durch die Bucht, die anschließende Lagune sowie durch den die Insel teilenden Kanal paddeln. Der wurde ohne Maschinen gegraben und ist teils nur 1,5m breit. Abends gehen wir zu fünft fein essen, in der Gemeinschaft feiert es sich einfach schöner. Montag schließt die Tauchschule und wir fahren alle gemeinsam mit dem Boot auf eine Miniinsel. Die ist 100m lang, 50m breit und besteht nur aus Sand und Palmen. Wir haben Essen und Trinken dabei, picknicken den ganzen Tag und planschen im Wasser, leider unter einem heute bedeckten Himmel. Dienstag der letzte Tauchgang. Ein würdiger Abschluss, denn neben all den Lebewesen am Riff sehen und begleiten wir auch eine Schildkröte. Zwischen den Tauchgängen entdeckt unser Kapitän weiter draußen einen 12m langen Walhai, den größten Fisch im Ozean. Mit dem können wir kurz schwimmen. Wie ich das beschreiben soll? Man fühlt sich sehr klein und unbedeutend neben so einem Riesen, der da majestätisch und anscheinend ungerührt seine Bahn zieht. Mittwoch verabschiede ich mich schweren Herzens von Utila. Diese Insel hat etwas spezielles an sich, auch ohne lange Sandstrände und touristischen Schnickschnack. Meiner Meinung nach ist sie einfach ehrlich und ursprünglich, was leider selten geworden ist. Der lange Reisetag beginnt 7 Uhr mit der  Fähre von Utila zum Festland. Da war die Überlegung noch in Honduras zu bleiben, aber falls wieder gestreikt wird möchte ich nicht irgendwo im Land fest sitzen. Also folgt Bus auf Bus bis zur Grenze und danach weiter bis Puerto Barrios in Guatemala.

Alton’s Tauchschule           

         Ich - der Taucher

                         am Strand von Livingston

14. Woche vom 28. Dezember 2017 bis 3. Januar 2018
Der Donnerstag regnerisch und ich will weiter. Ein kleines Boot bringt mich 20 km die Küste entlang nach Livingston. Der kleine Karibikort hat als Besonderheit keine Straßenanbindung und fühlt sich nicht an wie Guatemala. Die Leute reden anders, sehen anders aus und auch die Lebensweise ist eine andere. Nur der Regen stört und lässt selbst so einen Ort trostlos wirken. Da passen schmale Strände und bräunliches Meerwasser nur all zu gut dazu. Freitag bleibt das Wetter so, doch Besserung wird versprochen. Ich organisiere mein Sylvester und besteige tags darauf erneut ein Boot, zur Überraschung als einziger Fahrgast. Stört mich nicht, denn die Fahrt kreuzt den Canyon des Rio Dulce, ein Highlight der Gegend. Beidseitig ragen die mit dichtem Grün bewachsenen Steilwände gen Himmel und der Fluss bahnt sich in Kurven seinen Weg hindurch. Echt beeindruckend. Gleich danach biegen wir in den Tatin ab, ein ruhiger Nebenfluss an dessen Ufer eine Finca steht. Die Schlafhütten verteilen sich im dichten Dschungel. Kein Internet, kein Fernsehen, aber eine Mayasauna und viel Raum zum Erholen. Eine gute Wahl für mich. Gegessen wird am Abend zusammen an zwei je 10 m langen Tischen wie in Familie. So kommt man schnell mit den anderen ins Gespräch. Das Wetter wird besser und die Sonne kommt raus. Sonntag ist Sylvester, was mich nicht hindert mit dem Kajak einen Ausflug zu unternehmen. Stundenlang geht es bei schönstem Wetter über den Rio Dulce und seine Nebenflüsse, vorbei an kleinen, versteckten Grundstücken und der Vogelinsel. Ein sehr schöner Abschluss nach einem ereignisreichen 2017. Abends sind wir ungefähr 40 Gäste in der Finca und feiern mit den Angestellten zusammen hinüber ins Neue Jahr.     

Sammeltaxi ;-)                    

               Rio Dulce

               Rio Dulce

             Finca Tatin

Ohne Kater zum Neujahr nehme ich Montag Vormittag das Boot zur Ortschaft Rio Dulce. Mit Sonne wird die einstündige Fahrt über den Fluss, der hier mehr einem See ähnelt, zum Erlebnis. Selbiges kann man über den Ort nicht sagen und ich verlasse ihn am Dienstag wieder. Das Wetter macht die Rolle rückwärts und es regnet den ganzen Tag. Acht Stunden dauert es bis Coban, das nichts mit Copan in Honduras zu tun hat. In den Bergen auf 1.300 m Höhe gelegen, hängen Wolken und Nebel dicht über der Stadt. Fühlt sich an wie November in Deutschland, nur herrscht in den ungeheizten Häusern praktisch Außentemperatur. Mit dem Plan weiter hinauf in die Berge zu reisen bleibe ich trotzdem drei Nächte in Coban um besseres Wetter abzuwarten.

Finca Tatin, mein Lieblingsplatz

       Kajaktour Rio Dulce

       Kajaktour Rio Dulce

       noch mal Rio Dulce

15. Woche vom 4. bis 10. Januar 2018
Am Donnerstag das einzig erwähnenswerte in Coban: ein Erdbeben. So wie schon am 3.November, als ich im Krankenhaus in Quetzaltenango lag, bebt die Erde mit Stärke 4,3 auf der Richter Skala. Beide Male erzittert das gesamte Gebäude mit allem was darin ist für wenigstens fünf Sekunden und hinterlässt ein ungutes Gefühl. Freitag startet mein Bus im Nieselregen, aber im Laufe des Tages kommt wie versprochen die Sonne raus. Auf schmalen, teils unbefestigten Strassen kämpft sich der kleine Bus voran, wobei frühere Erdrutsche und entgegenkommende LKW die Fahrt weiter verlangsamen. Mit aufreißender Wolkendecke zeigt sich dann die Schönheit der Landschaft. Mein Ziel: Santa Maria Nebaj, oder einfach nur Nebaj. Ein großes Dorf inmitten der Berge auf 1.900 m. Das hat, wie andere Ortschaften hier, stark im Bürgerkrieg gelitten. Kultur und Sprache der Ixil, ein indigener Stamm, hat sich trotzdem gehalten. Nachts wird es richtig kalt hier oben und ich brauche all meine warmen Sachen.

die Berge von Nebaj

Im kleinen Gasthof in Nebaj treffe ich unter anderem einen aus Griechenland. Wir gehen am Abend gemeinsam zur Unterhaltung im Ort: Hallenfußball. Gespielt wird in einer Halle auf Beton und es sind rund 250 Zuschauern mit dabei. Frauenmannschaften gibt es auch, was mich beim bisherigen Bild der Frau in diesem Land überrascht, vor allem in dieser abgeschiedenen Bergwelt. Samstag brennt die Sonne schnell den Morgennebel weg und ein strahlend schöner Tag beginnt. Ich wandere in die Berge, dabei über einen kleinen Pass nach Acul und weiter durch kleinste Siedlungen bis rauf auf 3.000 m Höhe. Herrlich, so ungezwungen

     Markt in Todos Santos

und frei in den Bergen unterwegs zu sein. Fernab vom zählbaren Tourismus geht keine Gefahr für Reisende oder Wanderer aus. Es gäbe in der Gegend mehr zu sehen, aber ich will das tolle Wetter nutzen um noch andere Berglandschaften zu sehen. Also am Sonntag auf nach Todos Santos Cuchumatan. Dafür klettert der Bus hinter Huehuetenango auf ein 3.000 m hohes Plateau um danach 600 Meter tief in ein wunderschönes Tal einzutauchen. Die Stadt ist dann nur Durchschnitt, bietet aber Reisenden genug Infrastruktur. Sehenswert ist die sehr einprägsame Tracht. Die tragen vor allem Männer, auch im Alltag. Selbst Kinder laufen so herum und Jugendliche tragen zumindest die roten Hosen mit Streifen. Montag Morgen sind nur 12°C im Zimmer, da fällt es schwer aus dem warmen Bett zu kommen. Aber die Sonne lockt. Ich besteige den 3.837 m hohen Alto Cuchumatanes (La Torre). Das ist theoretisch der höchste Berg (Vulkane sind eine andere Kategorie) Mittelamerikas, obwohl das auch vom Cerro Chirippo in Costa Rica behauptet wird. Es ist kein einzeln stehender Berg, sondern mehr ein Hochplateau mit “Buckeln” die als kleine Gipfel verstreut liegen. Granit herrscht vor, was fotogen rüber kommt, dazu verbreiten viele Kiefern einen irren Duft. Nebenbei ist es da oben absolut still und friedlich, mit einem Licht, das in dieser Höhe sehr hart und so ganz anders erscheint.

  Todos Santos Cuchumatan

 Einheimische in Todos Santos

     Berge im Morgenlicht    

Blick vom 3.837 m hohen La Torre

Am Dienstag verlasse ich Cuchumatan und erreiche nach vier Stunden Fahrt zum zweiten Mal auf dieser Reise Quetzaltenango. Ich freue mich richtiggehend auf die Stadt und das Hostel “Black Cat”. Dort bin ich noch immer mehr als bekannt und werde von den Angestellten herzlich begrüßt. Es wird Zeit die Ausrüstung zu pflegen und sich im schönsten Sonnenschein auszuruhen
16. Woche vom 11. bis 17. Januar 2018
Donnerstag klingelt der Wecker nach einer praktisch schlaflosen Nacht um 1 Uhr, Zeit für ein Abenteuer. Allein, niemand wollte mitkommen, laufe ich durch die schlafende Stadt 7 km bis Llanos de Pinal. Ein hölzerner Besenstiel vom Hostel hält streunende Hunde fern und dient als Wanderhilfe beim nächtlichen Aufstieg auf den Vulkan Santa Maria (3.772 m). Ist schon aufregend im Schein der Kopflampe stundenlang einem Pfad im Wald zu folgen. Hinter mir glimmen die Lichter der Großstadt, über mir eine dünne Mondsichel und unzählige Sterne. Nach drei Stunden mit zum Schluss heftiger Kletterei ereiche ich den baumlosen Gipfel und erlebe wie eine halbe Stunde später das erste Tageslicht den Horizont erhellt. Das Farbenspiel ist unbeschreiblich schön, auch weil acht Vulkane in Reih und Glied vor mir liegen. Dazu der Blick in den rauchenden Krater des kleineren Santiaguito und der perfekt dreieckige Schatten des Santa Maria auf der Landschaft in Richtung Westen. Ein herrlicher Morgen, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das darf ich allein genießen, die ersten Wanderer treffe ich erst eine Stunde später beim Abstieg, genial. 

vom Gipfel des Santa Maria

Sonnenaufgang Tajumulco

  Santiaguito, klein aber aktiv

 perfekte Schattengeometrie

Freitag auf nach Westen. Vier Stunden und zwei Busse später stehe ich am Fuß des Vulkans Tajumulco, mit 4.220 Meter der höchste Punkt in Mittelamerika (Mexiko wird fast überall zu Nordamerika gezählt). Am Nachmittag mache ich mich mit der Gegend vertraut und gehe dann früh zu Bett, denn der Wecker klingelt schon 3 Uhr. Eine stockdunkle Nacht, dazu kräftiger Wind und dichte Nebelbänke, miese Voraussetzungen für den nächtlichen Aufstieg. Doch die Berggötter haben ein Einsehen und ab 3.300 m beruhigt sich das Wetter unterm sternenklaren Himmel. Erneut bin ich rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang auf

   Ausfahrt Huehuetenango

Panorama Tajumulco mit Mond

dem Gipfel. Ohne Wind sind die 3°C da oben erträglich. Das Panorama ist anders als auf dem Santa Maria, die Vulkane säumen nebeneinander den Horizont. Auch hier muss ich den magischen Moment vom Tagesanbruch nicht teilen und ein stiller Frieden liegt über dem Vulkan. Noch am Samstag die Rückkehr nach Quetzaltenango. In der letzten Woche waren das vier Touren auf die höchsten Gipfel des Landes, dazu der Zeit raubende Transport zwischen den Orten. Für mich waren das wahnsinnig schöne Tage in den Bergen Guatemalas und es scheint als will sich das Land eindrücklich und mit einem Feuerwerk von Höhepunkten von mir verabschieden. Sonntag verlasse ich Quetzaltenango zum dritten und letzten Mal. Noch einmal quetsche ich mich in völlig überfüllte alte Busse mit mehr als 100 Passagieren und zuckle mit durchschnittlich 25 km/h auf schlechten Strassen über Huehuetenango zur mexikanischen Grenze. Am Sonntag ist da wenig los und der Länderwechsel klappt schnell und reibungslos. Nun haben Busfahrten wieder eine ganz andere Qualität. Die Straßen gut, die Busse neu und mit nur so vielen Passagieren drin wie Sitzplätze frei sind, erstaunlicherweise zu ähnlichen Preisen wie in Guatemala. Was für eine Wohltat, so macht Reisen Spaß Das erste Ziel in Mexiko: Comitan, eine Stunde hinter der Grenze. In der hübschen Stadt ist es überraschend kalt, auch wenn man die 1.600 m Höhe einrechnet. Montag ein Ausflug zum 35 km entfernten El Chiflon. Im Bus lerne ich zwei Französinnen kennen und wir verbringen den Tag gemeinsam. El Chiflon ist mehr als nur ein Wasserfall. Über viele Stufen, bis zu 70 Meter hoch, bahnt sich der Fluss den Weg ins Tal. Dabei formt das türkisfarbene Wasser manch schönen Pool zum Baden, bei 10°C mehr als in Comitan eine Freude. Den halben Tag bleiben wir dort und folgen dem Flusslauf hinauf bis über den höchsten Fall.

das Zentrum von Comitan mit akurat geschnittenen Bäumen

   erste Pools am El Chiflon

       der höchste Wasserfall dort

Tags darauf zu den Lagunas de Montebello, 60 km südöstlich von Comitan. Das Wetter heute: leider kühl, bewölkt und windig. Der Weg lohnt sich trotzdem. Von den mehr als 50 Seen im Nationalpark sehe ich rund ein Viertel. Das Wasser meist glasklar, die Farben in allen Schattierungen von Blau bis Grün. Umgeben von Kieferwäldern und Felsen sind da auch noch Höhlen und eine Naturbrücke. Sehr eindrücklich. Touristen sind in dieser Ecke von Mexiko nur wenige unterwegs, was mich keinesfalls stört

im Nationalpark Lagunas de Montebello

   Laguna Colores, Laguna Azul und der für mich schönste: Laguna Canada

Noch am Dienstag die Weiterfahrt nach San Cristobal de Las Casas. Wie vom Wetterbericht gemeldet ist es auf 2.100 m Höhe noch einen Zacken kälter. So wie derzeit überall auf der Welt schlägt das Wetter auch hier Kapriolen. Es ist zwar im “Winter” manchmal kühl im Bergland, doch die letzten zwei Wochen waren außergewöhnlich kalt. In San Cristobal zeigt das Thermometer am Tag 11°C, nachts 2°C an. Da brauche ich im Bett eine Decke mehr. Bei dem Wetter bleibt Zeit die weitere Reise zu planen.

17. Woche vom 18. bis 24. Januar 2018
Schon Donnerstag den neuen Plan umsetzen. Weil ich vorerst nicht nach Cancun/Yucatan zurückkehre und der Kälte in den Bergen entfliehen möchte auf nach Palenque. Diese Fahrstrecke meiden die großen Unternehmen, weil Anhänger der Zapatistas manchmal die Strassen blockieren um sich Gehör zu verschaffen. Das passiert auch heute vor und nach Ocosingo, doch die Vermummten sind für Touristen ungefährlich und sie lassen den Verkehr bald wieder rollen. Die Landschaft durch die der Minibus fährt ist ausgesprochen schön. Viele Hügel und Berge, fast komplett bewaldet. Wir brauchen 5 Stunden für die 200 km mit unzähligen Kurven bis Palenque, am Fuß der Berge liegend. Das Wetter hier ist sonnig und 15°C wärmer als in San Cristobal, das gefällt. Ein Grund für den Abstecher hierher sind die Mayaruinen vor den Toren der Stadt. Ich werde nicht müde mir alte Steine anzuschauen, und Palenque lohnt sich wahrhaftig. Gut erhaltene Bausubstanz inmitten der grünen Hügel. Pyramiden, alte Reliefs und einen Palast, in dessen Gängen und kleinen Höfen man sich fast verlieren kann. Zum Schluss ein Besuch im nahen Museum, wo die nachgebildete Grabkammer den Aufsehen erregenden Sarkophag enthält, der erst in den 50ger Jahren entdeckt wurde. Hat Erich von Däniken Recht wenn er das Relief auf dem Deckel anders deutet als die Wissenschaft? 

   der “Palast” von Palenque

 sehenswerte Bildhauerei in Palenque

  der Tempel der Inschriften

Sarkophag mit dem Relief auf dem Deckel das mehr Fragen aufwirft als beantwortet...

Samstag früh aufstehen und Palenque verlassen. Auf dem Weg zurück nach San Cristobal zwei lohnende Pausen. Nach 15 km der Wasserfall Misol-Ha, fast schon märchenhaft schön. Man kann sogar hinter dem Fall entlang laufen, was richtig cool ist. Zur frühen Stunde ist noch kein Tourbus da, nur ein freundliches mexikanisches Paar. Gleich zurück zur Hauptstrasse und mit dem nächsten Colectivo 40 km weiter nach Agua Azul. Auch wenn man diese Kaskaden heftig vermarktet und sich da ein Souvenirstand an den anderen reiht wäre es Frevel sie auszulassen: das glasklare Wasser mit einem herrlichen Blauton, dazu Wasserfälle über Wasserfälle, mal klein, mal groß, mal schmal, mal breit. Der Fluss teilt sich immer wieder neu und fügt sich an anderer Stelle zusammen. Dazu natürliche Badepools, teils versteckt zwischen den Bäumen. Der Ort hat mich tief beeindruckt.

Wasserfall Misol-Ha       

                     die Kaskaden Agua Azul, die Bilder sprechen wohl für sich selber

Am Abend bin ich wieder in San Cristobal. Das Wetter ist nun viel schöner. Die Temperaturen im normalen Bereich, worauf ich gehofft hatte. Die Stadt hat trotz vieler Touristen ihren Charme behalten. Es fehlen die ganz großen Sehenswürdigkeiten, dafür kann man aber stundenlang durch die schmalen Kopfsteinpflasterstrassen laufen und entdeckt dabei immer wieder was Neues. Montag ein Ausflug in die Dörfer ringsum, wo unter anderem der Volksstamm der Tzotzil lebt. Die haben ihre eigene Sprache, spanisch ist eine Fremdsprache. Sie bleiben bei ihrer Tracht und ihren Bräuchen, was ich nach einem Besuch der (katholischen) Kirche in Chamula bezeugen kann: keine Kirchenbänke, Stroh bedeckt den gefliesten Boden, tausende Kerzen brennen und Schamanen vollziehen heidnischen Rituale. Ich werde Zeuge wie ein Huhn IN DER KIRCHE geopfert wird. Das ist abgefahren.

San Cristobal de las Casas

     schmale Strassen, kleine Häuser und versteckte Cafes

   Ausflug nach Zinacantan

Ich laufe dann 8 Kilometer bis nach Zinacantan. Dort findet, überraschend für mich, gerade ein großes Fest statt. Hunderte Menschen haben sich in farbenfroher Tracht herausgeputzt, geistliche wie weltliche Führer halten Audienz, überall Musik und Feuerwerk. Ich weis gar nicht wohin zuerst schauen. Was für ein glücklicher Zufall. Fotografieren ist auch hier verpönt und es kostet mich Einfallsreichtum um zu einigen guten Bildern zu kommen. Dienstag eine wohl verdiente Pause in der ich noch einmal San Cristobal in aller Ruhe genießen kann. Mittwoch weiter ins 60 km entfernte Tuxtla Gutierrez. Dort ein Bett suchen und  nachmittags gleich zum Canyon de Sumidero, der am Stadtrand liegt. Oberhalb der Schlucht gibt es einige Aussichtspunkte im Nationalpark, doch ohne Auto läst man mich nicht hinein. Also frage ich das nächste welches vorbei kommt, und siehe da, das nette mexikanische Paar nimmt mich gern mit. Die beiden machen hier gerade Urlaub. Wir verstehen uns so gut, das sie mich einladen sie in Quetera zu besuchen. Zurück zum Canyon. Schon der erste Aussichtspunkt mit “Wow” Effekt. Über 700 Meter fällt die Felswand steil zum Fluss ab, der durch eine Staumauer weiter nordwestlich mehr oder weniger zu einem See geworden ist. Die Aussichten sind wirklich abenteuerlich und gigantisch schön. Das heizt die Vorfreude auf morgen nur noch mehr an.  

Trachten in Zinacantan  

   Einheimische beim Feiern

   der Sumidero Canyon von “oben”, Bauchkribbeln inklusive

18. Woche vom 25. bis 31. Januar 2018
Donnerstag ein Ausflug in den Sumidero Canyon. Chiapa de Corzo, ein Vorort von Tuxtla Gutierrez, liegt vor der Schlucht am Fluss und jede Menge Boote warten darauf gefüllt zu werden. Ich erwische ein kleines, mit nur einer Sitzreihe pro Seite. Das ist schöner als die großen Boote, wo einem immer einer vor der Linse hockt. Hinter der großen Brücke geht es mit dem Schnellboot hinein ins Abenteuer. Überraschenderweise gibt es viele Tiere zu sehen. Neben unzähligen Vögeln auch Affen und - Krokodile. Die sind durchaus drei Meter lang und wir nähern uns lieber nur vorsichtig. Was die Schlucht sonst bereits von oben gesehen versprochen hat, hält sie bei der rasanten Fahrt hindurch: scheinbar bis in den Himmel reichende Felswände, reich bewachsen und mit spektakulären Formationen, wie dem riesigen Weihnachtsbaum. In zwei Stunden erreichen wir die 35 km entfernte Staumauer und kehren auf dem gleichen Weg nach Chiapa de Corzo zurück.

Eingang Sumidero Canyon       

     lieber im Boot bleiben

     da war einer überrascht

     der “Weihnachtsbaum”

Freitag bleibt Zeit mir Tuxtla näher anzuschauen. Ist eine ansehnliche Stadt in der man einiges erleben kann. Der Botanische Garten macht was her, später besuche ich den Zoo. Der ist eher ein Tierpark, mit großen Gehegen, die weiträumig im hügeligen und bewaldeten Gelände verstreut sind. Zu sehen gibt es nur einheimische Tiere des mexikanischen Bundesstaates Chiapas, womit auch Jaguare, Leguane, jede Menge Vögel und Reptilien dabei sind. Für uns sehr exotisch, aber ich glaube auch die Einheimischen bekommen diese Tiere fast nur noch hier zu Gesicht. Abends der weite Weg zum Busbahnhof und um 23.30 Uhr beginnt die lange Fahrt hinunter an die Pazifikküste vom Bundesstaat Oaxaca.

Zoo in Tuxtla Gutierrez

mit grünem Tukan, schwarzem Jaguar, faulem Leguan und giftgrüner Schlange

Trotz bequemen Bus macht die Nachtfahrt keine Freude. Viele Kurven und die in Mittelamerika (wie im nördlichen Südamerika) zahllosen Strassenschwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung lassen mich nur stückweise schlafen. Morgens um neun Ankunft in Pochutla. Gleich mit dem Colectivo weiter zur 15 km entfernte Küste, genauer gesagt nach Mazunte. Das kleine Dorf hat sich einen Namen als Paradies für Backpacker gemacht. Günstige Unterkünfte, entspannte Atmosphäre und eine wunderschöne Bucht vor der Tür. Das Wasser glasklar und auf Grund der exponierten Lage mit herrlich großen Wellen. Für ein paar Tage heißt es: Abenteuer raus - Entspannung rein. Eine wirklich schöne und angenehme Auszeit vom Reisen, auch wenn mir hier manchmal zu viele Rastazöpfe herum laufen. Die Temperaturen sind erträglich, vor allem nachts, und das Ozeanwasser wirkt halbwegs erfrischend. Ich klappere die Strände ringsum ab, von denen manche riesig, aber menschenleer sind. Unterströmung macht das Baden da gefährlich, was aber der Schönheit des Strandes keinen Abbruch tut. Ansonsten pendle ich zwischen Badetuch und Hängematte um auch mal der kräftigen Sonne zu entfliehen. Jeden Abend gibt es vom Dorf aus eine kleine Völkerwanderung zu vor gelagerten Felsen, dem südlichsten Punkt von Oaxaca. Gemeinsam erlebt man da oben herrliche Sonnenuntergänge.

Strand in Mazunte       

     einer der leeren Strände

  interessante kleine Buchten

  schöner Sonnenuntergang

Mittwoch besuche ich das Schildkrötenzentrum in Mazunte, eines der größten in Mexiko. Auf dem schön angelegten Gelände verteilen sich große Terrarien und Aquarien mit allen Arten von Schildkröten, nebst deren Aufzucht und Pflegestation. Da sind einige sehr seltsame Exemplare dabei, doch die waren wegen der Reflexion von Sonne, Glasscheiben und Wasser nur sehr schwer zu fotografieren. Immerhin konnte ich staunend einige Zeit dort verbringen. Dem Hinweis vom Zentrum folgend laufe ich am späten Nachmittag zum Strand von La Ventanilla, wo frisch geschlüpfte Schildkröten in die Freiheit entlassen werden. Für mich eine eher fragwürdige Veranstaltung. Klar, das Zentrum braucht Geld, aber die Tiere dem Stress auszusetzen sie in einer total unnatürlichen Art und Weise ins wahre Leben zu schicken widerstrebt mir. Vor allem weil nicht “verkaufte” Junge wieder in der Kiste mitgenommen werden, um vielleicht am nächsten Tag durch einen zahlenden Touristen in die Freiheit zu gelangen.

im Schildkrötenzentrum    

  in der Kiste vor dem Start

           kleines Ding

         lauf, du bist frei

19. Woche vom 1. bis 7. Februar 2018
Donnerstag sitze ich in einem kleinen Bus der sich auf einer SEHR kurvenreichen Strecke rauf ins Hochland von Mexiko kämpft. Von meinem Sitzplatz ganz vorn und habe ich eine tolle Aussicht als wir uns immer höher schwingen. Die Landschaft verändert sich stark. Von grün bewaldeten Berghängen geht es auf die trockene und derzeit braun gefärbte Hochebene. Irgendwie passt das eher zu meiner Vorstellung der Landschaft von Mexiko. Spät am Nachmittag erreichen wir Oaxaca und ich suche mir ein passendes Hostel. Freitag ein näherer Blick auf die recht große Stadt. Schnell gilt festzustellen das ich mich hier wohl fühle. Klar, da ist viel los auf den Strassen, aber die Schönheit der Stadt überspielt das. Die Häuser bunt und außerordentlich gut restauriert. Unzählige alte Gebäude neben bewundernswerten Kirchen und Klöstern. Mein Favorit: das Kloster Santo Domingo de Guzman. Deren Kirche strotz innen nur so von Statuen, Bildern, Stuck, Farben und Gold. Ein Fest für die Sinne. So bummle ich bei schönstem Wetter durch die Gassen. Tagsüber reicht ein T-Shirt, nachts sinkt die Temperatur in der Höhe auf 10°C.

Oaxaca, Kloster/Kirche Santo Domingo, von aussen und innen

  in den Strassen von Oaxaca

  der riesige Baum in El Tule

Samstag ein Ausflug auf den nahen Monte Alban. Dessen Gipfel haben die Zapoteken schon vor rund 1.500 Jahren abgeflacht und auf der dann ebenen Fläche Gebäude, Paläste und Pyramiden errichtet. Der Anblick, wenn sich nach dem Erklimmen der letzten Meter der Blick öffnet, ist echt beeindruckend. Die Fläche erscheint nicht nur riesig, sie ist sie auch. Keine Ahnung wie so etwas ohne Werkzeuge, ohne Tragetiere und ohne das Rad entstehen konnte. Ganz nebenbei hat man von hier oben einen Rundblick in die drei großen Täler die Oaxaca umgeben. Klar das dieser Ort in all den Jahren eine Bedeutung haben musste.  Die Zeit überdauert haben auch einige Bildhauereien, die ebenfalls gut und detailliert im nahen Museum zu betrachten sind.

Monte Alban, von ungefähr 300 bis 900 nach Christus religiöses Zentrum der Zapoteken, die zu der Zeit sogar Verbindung nach Teotihuacan hatten

Sonntag auf in die Natur. Östlich von Oaxaca zuerst ein Besuch von El Tule. Neben viel Handwerkskunst wirbt das Dorf mit der riesigen Zypresse, rund 1.500 Jahre alt und mit 14 Meter Stammdurchmesser der dickste Baum der Welt. Bei 42 Meter Höhe kommt einem die Kirche daneben irgendwie winzig vor. Unter wolkenlosem Himmel weiter nach Osten. Das wird schwieriger als gedacht, da sonntags kaum Busse auf der Strecke unterwegs sind. Dank Hilfe Einheimischer und Trampen schaffe ich es ins abgelegene Benito Juarez, in den Bergen der Sierra Norte. Die Luft ist frisch auf 3.000 m und die Kiefernwälder dicht. Von den Felsen hat man einen gigantischen Ausblick und solche Dinge wie eine extra für Besucher konstruierte Hängebrücke verpassen dem Ganzen eine Spur Abenteuer. Die Dörfer im Umkreis sind organisiert und haben einen Ecotourismus entwickelt, der in jedem Dorf Unterkunft und Essen garantiert. Die erste Nacht verbringe ich in einem Mehrbettzimmer dessen Dach aus Glas ist, sprich ich schlafe direkt unter den Sternen. Montag laufe ich gleich nach dem Frühstück los, denn es stehen einige Kilometer an. Die Strecke bis Latuvi ist nett, viel besser wird es danach auf dem alten Camino Real, schon im 16. Jh. für Goldtransporte genutzt. Immer am Fluss entlang windet sich der Pfad durch die Berge. Vor Lachatao ein Abstecher zur alten Kultstätte Xia-Yatse. Ich erwarte nicht viel, werde aber sehr positiv überrascht. Größe und Erscheinen hinken weit hinter Monte Alban zurück, doch der spektakuläre Platz hoch oben auf einem Kliff beeindruckt mit genialer Rundumsicht. Dienstag mit dem Bus zurück nach Oaxaca. 

von Benito Juarez...        

 ...durch dichte Kiefernwälder

  ...mit Flechten wie Schleier

       ...nach Lachatao

Mittwoch ein weiterer Ausflug von Oaxaca. Mit dem Bus ins 50 km entfernte Mitla, dessen wohl außergewöhnliche Ruinen ich mal auslasse. Irgendwann ist auch mal gut mit alten Steinen. Statt dessen muss ich anderthalb Stunden warten bis sich ein Colectivo-Pickup füllt. Der bringt uns dann auf einem ausgewaschenen Feldweg rumpelnd bis über die nahe Bergkette. Schöne Ausblicke, nur fotografieren ist schwierig weil wir in einer ständigen Staubwolke fahren und man kaum die Kamera ruhig halten kann. Ziel sind kleine Sinterterrassen, Hierve el Agua, großartig an der Kante einer Steilwand gelegen. Der erste Eindruck von oben ist eher ernüchternd, doch die eindrucksvolle Überraschung folgt. Pamukale in der Türkei ist größer, und die derzeitige Trockenzeit verkleinert die Becken hier, aber auf Grund des steilen Abhanges und der Abgeschiedenheit vergebe ich die volle Punktzahl. Als einer der wenigen trotze ich der Hitze und steige den Abhang runter mit voller Sicht auf die tollen Sinterformen.

Hierve el Agua                  

         randlose Becken 

         was für Farben

 die Sinterterrassen von unten

20. Woche vom 8. bis 14. Februar 2018
Donnerstag verlasse ich Oaxaca. Die Fahrkarte nach Puebla mit 20% Preisnachlass, weil schon gestern gekauft. Der Bus von AU ist günstig, bietet aber überraschend viel Komfort und Beinfreiheit. Fünf Stunden dauert die Fahrt, genug Zeit die nächsten Kapitel im Reiseführers zu lesen. Im Hostel Casana Poblana in Puebla begegnen mir Bekannte aus Tuxtla Gutierrez, Lachatao und Hierve el Agua. Wir Backpacker sind eben eine große Familie. Mir bleibt heute noch genug Zeit um die Stadt in Augenschein zu nehmen. Die ist schön, hat aber nicht den Charme und die Ausstrahlung von Oaxaca. Freitag mehr von der Stadt. Wieder sind da viele großartige Kirchen, was haben die Spanier nicht alles gebaut. Wie die Biblioteca Palafoxiana, die erste öffentliche Bibliothek Lateinamerikas aus dem 17.Jh. Samstag ein Ausflug ins nahe Cholula, wo die größte Pyramide der Welt steht. Mit einer Grundfläche von 450 m x 450 m und 66 m Höhe übertrifft sie im Volumen alle anderen Pyramiden bei weitem, nur ist sie praktisch nicht zu sehen weil sie bereits zur Zeit der spanischen Entdecker/Eroberer komplett überwuchert war. Cortez ließ auf ihrer Spitze, die wie ein Hügel aussieht, eine Kirche errichten. Die verschiedenen Errichtungsstufen, im Laufe der Jahrhunderte wurde eine Pyramide ÜBER die andere gebaut, kann man teilweise in gegrabenen Tunnel besichtigen. Die sind nur 1,80 m hoch und häufig keinen Meter breit, ein beklemmendes Gefühl. Auf dem Platz vor der Pyramide/dem Hügel führen dann gerade ein paar Mutige den Palo Volador auf, eine uralte Form des “Bungee”, bei dem sich vier von einer kleinen Plattform auf einem Mast in die Tiefe stürzen. Dabei rotieren sie, gehalten durch ein Seil, genau 13 Mal um den Mast bis sie sicher den Boden erreichen. Gewagtes Schauspiel. Eine Attraktion versteckt sich leider in den Wolken, der 5.462m hohe, und aktive, Vulkan Popocatepetl.

Biblioteca Palafoxiana

nächtlicher Bummel durch Puebla

 Modell der Pyramide Cholula

Cholula in echt mit Palo Volador Vorführung

Sonntag nach Mexiko-Stadt. Mein Bemühen eine Großstadt möglichst an einem Sonntag zu besuchen oder zu verlassen macht sich bezahlt. Weniger Verkehr, der Transport schneller und einfacher. Das gilt ganz bestimmt für diese 22 Millionen Metropole. Entspannt erreiche ich mit der nur mäßig gefüllten Metro das historische Zentrum nebst Hostel. Gleich nach dem Mittag eine Erkundungstour. Mexiko-Stadt? Super! Nach San Salvador die zweite Überraschung auf dieser Reise. Viele Sehenswürdigkeiten, größtenteils sauber und, wenigstens am Sonntag, sogar blauer Himmel. Gefährlich kommt mir diese Stadt ganz und gar nicht vor. Ich besuche den Zocalo (Hauptplatz), einen der größten freien Plätze in ganz Mexiko, wo Musik, Tanz und Ausstellungen Hand in Hand gehen. Spitze! Drumherum viele barocke Gebäude, der Regierungspalast, die Kathedrale und eine Ruine, laut Überlieferung Gründungsplatz der Stadt zur Aztekenzeit. Mexiko-Stadt braucht Vergleiche mit Paris, London oder Berlin nicht zu scheuen. Montag konzentriere ich mich auf das historische Zentrum und suche mir 15(!) Gebäude, Ausstellungen und Museen heraus. Nicht alle haben geöffnet, aber sonst hätte ich das Programm auch nicht geschafft. Außergewöhnlich: Palacio Postal, die alte Hauptpost. Glanz und Glamour wie vor 100 Jahren. Überraschend: die Stadt versinkt. Zu Zeiten der Azteken lag im Tal ein großer See. Der wurde zur Landgewinnung ausgetrocknet, was keinen stabilen Baugrund hergibt. Auch ein Grund warum Mexiko-Stadt so anfällig für Erdbeben ist. Alte und schwere Gebäude, wie zum Beispiel Kirchen, liegen teils schon zwei Meter unter dem Strassen Niveau, oder, wie die Kirche Santa Vera Cruz, stehen so schräg das man es deutlich sieht.

Mexiko-Stadt, Palacio Bella Arte

           Palacio Postal

 versinkende Santa Vera Cruz

Danzantes Aztecas auf dem Zocalo, mehr als nur eine Touristenshow

Dienstag ist mein nächstes Ziel Amecameca, anderthalb Stunden südlich von Mexiko-Stadt. Ein gutes Hotel für 6 € ist schnell gefunden. Am Stadtrand erhebt sich ein Hügel mit tollem Blick. Auf dem wurde über einer heiligen Grotte eine Wallfahrtskirche errichtet. Die wird gerade geschmückt weil hier morgen wohl ein großes Fest statt findet. Jedenfalls werden schon in allen Strassen Marktstände aufgebaut. Am Mittwoch früh aufstehen und den Bus nach San Pedro nehmen. Von da aus will ich rauf zum Paso Cortez trampen um am Fuße der Vulkane Popocatepetl und Ixtaccihuatl (viel Spaß beim Aussprechen) zu wandern. Leider fährt da heute praktisch niemand hoch. Weil sich dann der Himmel zuzieht und nichts von den Vulkanen zu sehen ist, streiche ich den Plan und kehre nach Amecameca zurück. So komme ich mitten hinein in eine Pilgerfeier mit tausenden von Leuten. Wie ein riesiger Rummel. Das Essensangebot reicht von einfachen Sachen, über geröstete Heuschrecken und Ameisen bis zu unzähligen Süßigkeiten. Kein Wunder das die Mexikaner so dick sind. Ich probiere auf jeden Fall alles was mir zusagt
21. Woche vom 15. bis 21. Februar 2018
Donnerstag verstecken sich die Vulkane trotz tollem Wetter weiterhin in Wolken. Ich fahre nach Tepoztlan, nur zwei Stunden weiter. Warum das Dorf so heftig beworben wird, bleibt mir allerdings schleierhaft. Kaum schöne Häuser, eine halb zerfallene Kirche und kein bisschen Charme. Den erhoffe ich mir von der alten Ritualstätte der Azteken 400m oberhalb von Tepoztlan. Der Weg hinauf steil und abenteuerlich, die Ausblicke von oben recht spektakulär, nur ist es die am schlechtesten unterhaltene Ruine der Reise. Überall hässlicher Maschendrahtzaun und außer einer kleinen Tempelpyramide wurde nichts erhalten. Trostlos.  

Amecameca am Abend        

             Tepoztlan

     der tolle Weg hinauf

Suchbild:Tempel auf der Klippe

Logisch das ich nur eine Nacht in Tepoztlan bleibe. Weiter nach Taxco mit eher gemischten Gefühlen, denn auch die Stadt wird heftig beworben. Gerade am Wochenende soll dort viel los sein und laut Internet sind keine günstigen Betten mehr verfügbar. Doch es ist die Überraschung die das Reisen so genial macht. Taxco liegt wunderschön an steilen Berghängen und erinnert eher an Mittelmeer als an Mittelamerika. Weiße Häuser, rote Ziegeldächer und ein Labyrinth von kleinen Gassen. Schon meine erste Nachfrage gelingt: Hostel Casa Taxco. Die haben genug frei und sind mit 11 € auch recht günstig. So wohne ich in einem toll eingerichtetem Haus mit Super Betten und einer grandiosen Dachterrasse, dazu kaum Verkehr in der Gasse und das Zentrum nur 100m weiter. Da bleibe ich gern das ganze Wochenende. Während der Zeit hier verliere ich mich in dem Gewirr der Gassen. Überall gibt es was zu sehen und im Durcheinander der Wege kommt man an immer neue Plätze. Gar nicht leicht bis zur Jesus Statue oberhalb der Stadt zu gelangen. Besonders: die große Taxiflotte von Taxco besteht fast nur aus weißen VW-Käfern ohne Beifahrersitz. Der Heckantrieb anscheinend bestens geeignet für das hiesige Publikum und die steilen Gassen. Außerdem mal wieder eine geniale Kirche: Santa Prisca. Von außen wie von innen grandios. Nicht von der Kirche gebaut, sondern ein Geschenk von Jose de la Borda, der im 18. Jh. ein Vermögen mit den nahen Minen gemacht hat. Samstag ist dann wirklich die Hölle los, aber die Tourgruppen und Touristen sind für mich wie Kino. Auch die unzähligen Schmuckläden, für die Taxco bekannt ist, und ihre Werber lassen mich fast immer in Ruhe, der alten Backpacker Garderobe sei Dank ;-).     

       Taxiflotte in Taxco

 Taxco

         diese Gassen... 

  Kirche Santa Prisca, Taxco

Montag. Auf dem Weg nach Norden nach 40 km ein Zwischenstopp, um die Höhlen von Cacahuamilpa zu besuchen. Es ist nicht meine erste Tour unter die Erde, aber die schiere Größe und vielfältigen Formationen der seit 1969 für Touristen zugänglichen Höhlen sind äußerst beeindruckend. Zwei Kilometer werden wir in den Berg geführt, wobei uns jede Menge erklärt wird. Viele Stellen ähneln mit etwas Fantasie deren Namensgebung: Engel, Frau mit Haaren, Sonnenstein, Weihnachtsmann, Gorilla oder auch Titanic. Sogar ein witziges Schattenspiel mit Stalagmiten ist darunter, wobei sich durch Drehen der Lichtquelle ein Paar näherkommt und bei Auftauchen der Schwiegermutter wieder voneinander entfernt. Auf dem Weg reiht sich ein gigantischer “Höhlensaal” an den anderen, wobei die höchsten sagenhafte 80m erreichen. Unser Führer schaltet jeweils, abgesehen von kleinen Lampen am Weg, hinter uns das große Licht aus und vor uns an, was das Entdeckergefühl noch mehr verstärkt. Am Wendepunkt werden wir allein zurück in Richtung Eingang geschickt. Zwar haben wir bis auf die erwähnten kleinen Lampen am Weg kein Licht, aber so kann sich jeder Zeit nehmen und es ist ein abenteuerliches Gefühl so wieder ans Tageslicht zu kommen

Cacahuamilpa: rießige Höhlen voller beeindruckender Formationen mit vielen Farben Dank abgelagerter Mineralien und glitzerndem Kalziumkarbonat.

  “Frauenkopf mit Haaren”

Mit dem nächsten Bus erreiche ich am späten Nachmittag Toluca, 100km westlich von Mexiko-Stadt. Der Unterschied zu Taxco könnte kaum größer sein: eine Großstadt mit viel nervtötendem Verkehr, Dreck und Müll. Das praktisch einzige Hostel der Stadt liegt unweit vom großen Busbahnhof in einer eher anrüchigen Gegend mit mehr Industrie als Wohnhäusern. Das Hostel verdient diesen Namen kaum, es ist eher eine umgebaute Lagerhalle. Keine Rezeption, ein alter Mann in der Garage darunter gibt mir den Schlüssel und nimmt das Geld entgegen. Der Schlafsaal groß, zugig und mit 24 Betten darin. Als einziger Gast kommt da schon ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend auf. Alles geht gut, nur verlasse ich Toluca am nächsten Morgen gleich wieder. Der Plan, ein Abstecher in die nahen Berge, wird auf Grund der Wetterlage mit dichter Wolkendecke geändert. Statt dessen nach Valle de Bravo, eine weiteres Pueblo Magico (magisches Dorf), 80 km westlich von Toluca. Das ist schon näher an Taxco dran.

Blick über Valle de Bravo

Zwar fehlen hier die reizenden kleinen Gassen, dafür punktet der künstlich angelegte See. Abgesehen von schönen Spaziergängen im Stadtzentrum wandere ich am Mittwoch auf den Monte Alto, 300 m über der Stadt gelegen. Der ist außerdem Startpunkt für Paraglider und bietet einen herrlichen Ausblick. Am Nachmittag eine Extratour rauf auf den kleinen, aber steilen, Gipfel La Pena. Der ragt wie ein hoher Schiffsbug in den See hinein. Rings herum haben anscheinend die Schönen und Reichen von Mexiko-Stadt ihre Villen, denn SEHR hohe Mauern und riesige Tore verhindern jeglichen Blick auf die Grundstücke.    

         in Valle de Bravo

22. Woche vom 22. bis 28. Februar 2018
Donnerstag verlasse ich Valle de Bravo und bewege mich bustechnisch in Schlängellinien mit zwei mal Umsteigen nach Norden. Ziel ist das Dorf Angangeo, auf 2.700 m Höhe gelegen. Nachts und im Schatten herrschen wieder recht kühle Temperaturen. Dafür ist es in der Sonne schön warm, und der Himmel derzeit meist strahlend blau. Ein kleines Hotel ist schnell gefunden und der Dorfrundgang in einer halben Stunde erledigt. Der Grund für Angangeo am nächsten Tag. Dazu muss ich in den Nationalpark Sierra Chincua, 12km außerhalb. Weil es steil bergan geht und auch im Nationalpark einige Strecken zu Laufen sind versuche ich es aus Mangel an öffentlichem Verkehr per Anhalter. Das klappt ausgerechnet mit der Polizei, die gerade eine Kontrollfahrt macht. Am Ziel anderen Touristen folgend, die meist mit Tourgruppe unterwegs sind, tauchen im dichten Wald bald die ersten Monarch Schmetterlinge auf. Millionen von ihnen überwintern hier nachdem sie den langen Weg aus dem Gebiet der Großen Seen (USA/Kanada) hinter sich gebracht haben. Warum sie das tun kann nur vermutet werden. Faszinierend ist jedoch das sie für die Reise hin und zurück, ungefähr 9.000 km, drei bis fünf Generationen brauchen. Obwohl die “Eltern” schon vor der “Geburt” sterben, wissen die Schmetterlinge nach der Metamorphose wohin sie fliegen müssen - UNGLAUBLICH. Abgesehen davon ist es faszinierend zu sehen wie viele von ihnen hier in den Bäumen sitzen. Mit jedem Sonnenstrahl, trotz sonst blauem Himmel hängen an den 3.200 m hohen Bergen immer wieder Wolken, startet aufgeregt ein zigtausendfaches Geflatter.

Angangeo                

 erste Monarch Schmetterlinge

         es werden immer mehr, bis ganze Bäume voll sind

Samstag mit dem 6 Uhr Bus nach Zitacuaro und später in Toluca erneut umsteigen. Weil das Wetter passt weiter zum Vulkan Nevado de Toluca, in Nahuatl Sprache: Xinantecatl. Nach der Erfahrung vom Popocatepetl der Versuch lieber am Wochenende. Von Raices aus sind die fehlenden fünf Kilometer bis zum Nationalpark schnell per Anhalter geschafft. Dort sind mehr Leute unterwegs als gedacht. Mit Übernachtung wird es schwierig, doch dann erscheint eine 8er Gruppe Mexikaner, die sich eine Schutzhütte weiter oben reserviert hat. Die “adoptieren” mich gleich und wir brechen gemeinsam auf. Die Hütte ist groß und bietet Platz für 64 Leute. Kein Strom, Wasser vom Brunnen, aber große Feuerstellen mit Brennholz. Ich erkunde gleich die Gegend und werde dabei von einem Pickup mitgenommen. Die sind das einzige Transportmittel für die nicht so fitten Besucher für die 11km bis zum Feldwegende unterhalb des Kraterrandes. So kann ich schon einen Blick in die riesige Caldera des Vulkans mit seinen beiden Lagunen werfen und erkunde beim Abstieg zur Hütte den Weg, um morgen früh im Dunkeln keine Probleme zu haben. Abends sitze ich mit den Mexikanern am wärmenden Feuer. Von dem will keiner so schnell weg, denn auf 3.700 m Höhe wird es nachts frostig. Sonntag 4 Uhr aufstehen, um vor Tagesanbruch am Kraterrand zu sein. Das klappt, inzwischen bin ich es fast schon gewohnt nachts auf Berge zu steigen. Der Himmel ist klar und das Licht tausender Sterne funkelt über mir. Erstes Tageslicht erlebe ich in 4.300 m Höhe. Das braucht es dann auch, denn die letzten 200 Höhenmeter haben es in sich.

Nevado de Toluca, 4.660m

Eine schwierige Kletterei steht an, die Felsen sind teils noch überfroren und es geht gefährlich nah am Abgrund entlang. Da fließt ordentlich Adrenalin durch meine Adern. Trotz allem stehe ich 8 Uhr auf dem kleinen Gipfel in 4.660 m Höhe. GENIAL, auch wenn derzeit kein Schnee liegt. Ich bin einfach nur glücklich :-) Bevor ich endgültig absteige noch eine Schleife im Krater um die Lagunen der Sonne und des Mondes. Später nimmt mich Miguel, einer aus der Gruppe, mit nach Mexiko-Stadt. Wir fahren erst spät los und stehen noch im Stau, so bin ich bei der Ankunft am Abend nach all der Anstrengung müde und ganz schön fertig.

die Caldera aus anderer Sicht

Montag ist Ruhetag, sprich es geht darum Körper und Ausrüstung zu pflegen. Dienstag wieder Programm. Im Stadtteil Polanco steht das, schon äußerlich, ungewöhnliche Museum Soumaya. Vom Milliardär Slim gebaut und nach seiner Frau benannt - man gönnt sich ja sonst nichts. Immerhin lässt er die Besucher kostenlos seine zusammengetragenen Kunstschätze bewundern. Er hat Geschmack, das muss man ihm lassen. Die außergewöhnlichen Schnitzereien aus Elfenbein, als Beispiel, fand ich besonders beeindruckend. Später im Zentrum ein Snack im Cafe Tacuba, eine Institution in Mexiko-Stadt. Es hat sich seit der Eröffnung 1912 wohl wenig verändert. Die Kellner in weiß, die Frauen zusätzlich mit überdimensionaler Haarschleife. Auch Einrichtung und Dekoration versprüht noch den Zauber der Jahrhundertwende. Zum Abschluss des Tages ein Abstecher ins “Haus der Masken”. Das genaue Gegenstück zu Soumaya: zwar auch privat und kostenlos, aber mit einem Bruchteil des Geldes zusammengetragen und im eigenen, sehr alten, Haus ausgestellt. Steht in keinem Reiseführer, ist aber definitiv einen Besuch wert.

       Museum Soumaya

 Ausstellungsstück “Tor zur Hölle”

         das Cafe Tacuba     

         Haus der Masken

Mittwoch ein Tagesausflug zur 45 km entfernten Ruinenstätte Teotihuacan. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung gebaut wohl eine der imposantesten Anlagen weltweit. Laut Wissenschaft haben hier bis zu 200.000 Menschen gelebt. Als die Azteken im 12.Jh. auftauchten war die Stadt schon längst verlassen und aufgegeben, warum auch immer. Schon der erste Eindruck ist überwältigend: Ein 40m breiter, und derzeit nur auf 2 km frei gelegter Boulevard, die Strasse des Todes, bildet das Zentrum. Links und rechts davon Pyramiden und Reste von Gebäuden bzw. von ganzen Wohnvierteln. Am nördlichen Ende die imposante Mondpyramide mit ihrem Vorbau. Noch gigantischer die Sonnenpyramide, mit 220m Grundlänge und 65m Höhe die drittgrößte der Welt. Sagenhafte drei Millionen Tonnen Steine und Lehm wurden bewegt um sie zu errichten. Sie darf nach wie vor bestiegen werden, was bei den schmalen und teils hohen Stufen so manchen Touristen bis an seine körperliche Grenze bringt. Ein erhebendes Gefühl auf ihrer Spitze zu stehen und sich vorzustellen wie es hier vor 1.500 Jahren ausgesehen hat.

Teotihuacan, von der Mondpyramide aus gesehen

Sonnenpyramide,volle Breitseite

   Bildhauerei an den Tempeln

23. Woche vom 1. bis 7. März 2018
Am Donnerstag nach wie vor sehr schönes Wetter, auch wenn der Himmel über Mexiko-Stadt selten richtig blau ist. Bei der Lage im Hochtal mit Trockenzeit und Luftverschmutzung kein Wunder. Aber selbst das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Heute zum Park Chapultepec, wobei der Begriff Park kaum passt. Das Gelände ist riesig und beheimatet unter anderem den Zoo, einen Botanischen Garten, das Anthropologische Museum, mehrere Seen, ein Schloss und, und, und. Geniale Kleinigkeit: ein Auditorium. Leicht versteckt bietet die grüne Grotte einen Rückzugsort vor Trubel und  Hitze. Schattig, kühl, Relaxbänke und klassische Musik von CD, wobei das aktuelle Cover ausliegt damit jeder sieht was läuft. Bei so viel Unterhaltung verbringe ich den ganzen Tag in Chapultepec. Der Botanische Garten ist klein, aber eindrücklich. Das sonst gewollt wüste Durcheinander solcher Habitate wich hier kleinen Monokulturen und teils penibler Ordnung in Reih und Glied. Auch der Zoo ist schön und bietet neben einheimischen Spezies auch Importe aus Afrika und Asien. Das Pandabären Areal ist eines der größten außerhalb Chinas.

Eingang Chapultepec       

     im Botanischen Garten

der farbenfrohe und exotische Zoo

Bei all dem muss (will) ich mich beeilen, denn mit dem Anthropologischen Museum steht noch eine Perle der Wissenschaft an. Unterteilt in die Kulturen haben unter anderem Maya, Olmeken, Azteken und Zapoteken ihre eigene Ausstellung, ergänzt durch Tempelnachbauten und große Statuen im Freigelände. Erstaunlich wie viel aus der frühen Zeit zusammengetragen wurde. Die Höhepunkte sind alle vertreten: das Grab aus Palenque; der Stein der Sonne, gefunden mitten in Mexiko-Stadt, besser gesagt in Tenochtitlan, dem Gründungsort der Stadt. Daneben Kolossalköpfe der Olmeken usw. Für mich ist es wie ein Zeitrafferfilm dieser Reise, denn viele der Orte habe ich besucht. So laufe ich dann teils staunend, teils wissend durch die Abteilungen.    

bunt in Mexiko-Stadt

  Anthropologisches Museum

 im Außengelände

 Tempelnachbau Teotihuacan

Originalstatue aus Tula

Nach so viel Programm eine kleine Pause. Es ist notwendig sich über die letzten Tage in Mexiko Gedanken zu machen bzw. sich auch mit dem Thema Kuba zu beschäftigen. Ersteres plane ich am Freitag und buche  Transport wie auch Unterkunft. Samstag checke ich im Hostel aus, bleib aber noch in der Stadt. Die zeigt sich am Wochenende extra bunt und lebhaft, denn all die Einheimischen sind unterwegs, mehrheitlich nicht um zu arbeiten. Eine Kombination aus Metro und Vorortzug, mehr eine Straßenbahn, bringt mich nach Xochimilco. Da leben die Menschen auf  und am See, auch um die schwimmenden Gärten zu bewirtschaften. Was recht romantisch klingt, macht vor Ort einen abgewirtschafteten Eindruck.Etwas enttäuscht trete ich nach einem wenig beeindruckenden Rundgang die Rückfahrt ins Zentrum der Metropole an.Da lasse ich mich lieber noch im Strom der Menschen durch die belebten Strassen treiben,

       bunt in Xochimilco

wo an jeder Ecke etwas anderes geboten wird. Abends zum Busbahnhof, um über Nacht ins 300km entfernte Dorf Cuetzalan zu kommen. Letztmalig in diesem Land Berge, Ruinen und mexikanische Ursprünglichkeit. Bei Ankunft 4.30 Uhr sind überraschend schon Markthändler da und bauen ihre Stände im Dunkeln auf. Erste Lokale öffnen und ich kann bereits 5 Uhr frühstücken. Mit dem Tageslicht wacht das Dorf auf. Nach dem christlichen Kirchgang gleich das präkolumbianische Ritual Danza de Volador auf dem Platz davor, mit mir als Zuschauer in erster Reihe. Auch sonst gefällt das Dorf mit Kopfsteinpflastergassen, alten Häusern und Trachten. Die Umgebung, Karstlandschaft, bietet Höhlen, eigentümliche Felsformationen und Wasserfälle.

Danza del Volador, mehr Ritual als Vorführung; es umfasst Musik, Tanz und viel Mut um sich vom 30m hohen Mast in die Tiefe zu schwingen

       Las Brisas

Sonntag Abend falle ich nach der letzten kurzen Nacht ins Bett und schlafe zehn Stunden wie ein Baby. Montag in größeren Kreisen ums Dorf. Eine halbe Stunde weiter stehen die Ruinen Yuhualichan. Keine Augen verdrehen, ist die letzte alte Stätte auf dieser Reise. Ähnlich wie weiter nördlich in El Tajin ist die Bauweise anders, auf den Seiten der Pyramiden verzieren Nischen die Wände. Bei wichtigen Bauwerken hat man 365 Nischen gezählt. Zufall? Auf Grund des Alters und instabilen Untergrundes hat sich die Form der Bauten recht fotogen verändert. Am Nachmittag in die Flusstäler um Wasserfälle zu sehen. Las Brisas ist der für mich schönste hier, der noch dazu mit nettem Pool zum Baden einlädt. Das Essen in Cuetzalan ist extra günstig. Von meinen Lieblingstacos, al pastor, liegen für 15 MXN (0,75€) gleich fünf Stück auf dem Teller. Das macht satt und ist lecker.

Zentrum Cuetzalan           

  in den Strassen des Dorfes

   Pyramide von Yohualichan

  leicht gewellte “Architektur”

Dienstag startet meine 48stündige Busreise. 9 Uhr nach Mexiko-Stadt. Schöne Ausblicke auf der Strecke, trotz trüber Luft. Nach sechs Stunden sind die 300 km geschafft. Abends habe ich im Bus eine Zweierbank für mich und kann nachts die Beine lang machen. Auf der Fahrt raus aus Mexiko-Stadt zeigt selbige wie überfüllt und unerbittlich sie ist: Stau, Stau, Stau. In der ersten Stunde schaffen wir keine 10km. Erst weiter draußen wird es besser. Es ist dann trotz Stopps und Straßenschwellen eine angenehme Fahrt und ich kann gut schlafen. 750km oder 14 Stunden später die Ankunft in Villahermosa. Nach Wochen in der Höhe der mexikanischen Berge mit sehr trockener und kühler Luft schlägt das feuchtheiße Klima auf Meereshöhe gnadenlos zu. Über den Tag steht mein Programm. Das Freiluftmuseum La Venta hat die besten Stücke aus der von Ölindustrie bedrohten Ausgrabungsstätte gleichen Namens in einer Art Dschungel ausgestellt. Vor allem die Kolossalköpfe der Olmeken beeindrucken. Der Zoo davor macht einen trostlosen Eindruck, denn die Tiere haben kaum Platz. Sonst bleibt wenig von der Stadt hängen. Glanz und Glamour sind trotz Geldsegen aus der Ölindustrie Fehlanzeige. Abends der nächste Bus. Dessen Klimaanlage steht auf eisig und kann nichts regeln. Alle sitzen mit kalter Nase und vielen Anziehsachen da. Schlafen kann ich trotzdem. Es sind noch einmal 14 Stunden um die fehlenden 840km bis Playa del Carmen zu schaffen. Warum das Ganze auf die harte Tour? Mein längst gebuchter Flug nach Havanna startet in Cancun, dessen Datum konnte ich kostenlos ändern. Um nun von Mexiko-Stadt in die Nähe von Cancun zu kommen, eine für mich wenig sehenswerte Strecke, waren zwei günstige Nachtbusse DIE Lösung.   

im Zoo Villahermosa   

           Olmekenkunst, 3.000 Jahre alt, die Kolossalköpfe bis zu 25 Tonnen schwer

24. Woche vom 8. bis 14. März 2018
Donnerstag 10 Uhr in Playa del Carmen. Ein spätes Frühstück und dann ins Hostel, endlich mal wieder in ein Bett legen. Viel Pause brauche ich nicht und erkunde bald die Stadt. Die war bis 1970 ein Fischerdorf und wurde dann für Touristen ausgebaut. Heute hat sie 150.000 Einwohner, was für ein Zuwachs. Wie fast an der gesamten Ostküste von Yucatan gibt es auch hier  schöne Strände, nur die in Stadtnähe sind zu schmal und voller Seegras. Wetterstörungen ziehen durch und ich erlebe zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder richtigen Regen. Dazwischen ein paar Spaziergänge. Die Stadt besteht wirklich nur aus Tourismus. Die Souvenirläden an der hier sehr bekannten Avenida 5 sind fast so groß wie Supermärkte und an allen Ecken und Enden versuchen dir Werber was zu verkaufen. Samstag versuche ich dem zu entfliehen und fahre 40km südlich nach Akumal. Dort verlangen sie für den Strand Eintritt, mit 100 MXN (5 €) nicht gerade wenig. Ich jedenfalls könnte mich damit einen Tag lang ernähren oder eine Nacht im jetzigen Hostel bezahlen. Also suche und finde ich einen anderen Weg hinein. Der Strand ist dann kaum sehenswert und in der Bucht davor schnorcheln mindestens 150 Leute auf engstem Raum in der Hoffnung eine der scheuen Meeresschildkröten zu sehen. Ohne Worte. Sonntag auf die nahe Insel Cozumel übersetzen, seit Jacques Cousteau DAS Ziel für Taucher und Schnorchler. Am Nachmittag komme ich mit Colectivo und Trampen noch um die halbe Insel. Die Ostküste wild und schön, die Westküste mit Stränden. Auch die spielen nicht in einer Liga mit z. B. denen von Tulum. Montag ein Schnorcheltrip. Ein Boot fährt uns nach El Cielo, eine riesige Sandbank. Da ist das Wasser so blau ist das es förmlich in den Augen schmerzt. Später an den Riffplätzen Colombia und Palancar ins Wasser. Beeindruckend. Viele Fische, teils große Schulen von ihnen in denen wir mitschwimmen. Dazu Stachelrochen, Seesterne, Mondfische, Papageifische usw. Ein toller Ausflug.    

Strand Playa del Carmen     

       Strand auf Cozumel

   wilde Ostküste Cozumel

   El Cielo - was für ein Blau

Dienstag will ich mich auf Cozumel ans Meer legen, aber das Wetter ist stranduntauglich. Also früher als geplant mit der Fähre nach Playa del Carmen. Dort wird es am Nachmittag schön genug für einen Spaziergang am Strand. Mittwoch der Abschied von Mexiko. Es war eine tolle Zeit in diesem Land. 14.30 Uhr startet der Flieger nach Havanna, Kuba. Die Landung 17 Uhr Ortszeit. Den vielen Taxis vor dem Flughafen weiche ich aus und laufe bis an die Hauptstrasse. Dabei frage ich zwei Männer nach einem Colectivo. Einer von ihnen will auch damit in die Stadt und hilft mir das ungekennzeichnete und vor allem richtige Gefährt, ein uralter Amischlitten, anzuhalten. So komme ich zu meiner ersten authentischen Autofahrt in Kuba. Und das für 1 € statt für 20.
25. Woche vom 15. bis 21. März 2018
Donnerstag beginnt für mich das Abenteuer Kuba richtig. Ich wohne in Havanna in einem Hostel neben dem alten Zentrum und mitten unter Einheimischen. Von Beginn an finde ich die Stadt äußerst interessant. Die alten amerikanischen Autos sind nach wie vor in Gebrauch. Die großen Blechschlitten sind teils echt gut gepflegt, wenn auch vor allem um für die Touristen Taxi zu spielen. Das prägt das Bild der Stadt auf eine ganz besondere Weise. Die vielen nicht so polierten Autos zeigen das sie noch immer Teil des täglichen Lebens hier sind. Genau so sieht es mit den Häusern aus. So viele tolle Gebäude, teils gut in Schuss, teils nur noch Ruinen. Der Blick in meist offene Türen zeigt das selbst, in unseren Augen, unbewohnbare Gebäude als Wohnung herhalten müssen. Probleme mit beispielsweise dem Abwasser werden pragmatisch gelöst: entweder direkt in den Rinnstein der Strasse oder mit einem kleinen Rohr aus dem ersten Stock auf den Fußweg - Augen auf beim Laufen. Der Stadtkern Havannas ist komplett restauriert und kann locker mit den schönsten spanischen Städten mithalten. Bei so vielen Reizen für Auge, Ohr und Nase weis ich manchmal gar nicht wohin mit mir und meinen Empfindungen.

Havanna, das Theater      

               Capitolio

         Plaza de Catedral

 so wohnt man in Havanna, nicht immer schick oder schön

             Plaza Viejo

 etwas Nationalstolz darf sein

Freitag mehr von Havanna. Zuerst das Capitolio, das dem Namensvetter in Washington ähnelt. Die Kubaner heben gern die Unterschiede und Vorzüge ihres Regierungssitzes hervor. Es wird seit 2012 restauriert und man ist noch immer nicht fertig. Immerhin gibt es nun wieder beeindruckende Führungen durchs Innere. Weiter durch die Strassen und Gassen. Was auffällt: wenig Geschäfte. Und wenn da welche sind heißt es noch lange nicht das sie offen haben oder viel im Angebot. In Kuba kann man definitiv von Mangelwirtschaft sprechen. Da hatten wir in der DDR definitiv mehr Auswahl! Kuba lebt mit zwei Währungen: dem normalen Peso (1€=28 Peso) für Hiesige und dem konvertiblen Peso (1€=1,20 CUC) für Ausländer. Mit letzterem bekommt man einiges mehr, trotzdem nicht alles. Mit CUC kann man auch auf dem Markt oder in kleinen Restaurants bezahlen, fürs Haus mit kleinem Umrechnungsvorteil. Die Kubaner kommen wohl problemlos mit dem doppelten System zurecht. Das Essen im Land ist weder besonders gut noch reichlich, doch in den kleinen Cafeterias kostet es sehr wenig. Ein Sandwich ordentlicher Größe, trocken und nur mit etwas Käse und Mortadella belegt, liegt bei 0,40 €. Ein Teller, meist sehr weicher, Spaghetti: 0,90 €. Genial für mich: an jeder zweiten Ecke gibt es außerordentlich guten Kaffee. Zwar in Espressogröße, dafür aber für nur 0,05 €.

   sozialistische Monumente

 Havanna kann sich sehen lassen ;-)

“Kaufhaus” mit seinem Angebot

  typisches Schaufenster

Zurück zu Havanna. Ich stoße auf eines der vielen Probleme im Land: Transport. Die nationalen Langstreckenbusse sind für Ausländer tabu, die Viazul Busse für Touristen ausgebucht und Züge verkehren auf längeren Strecken meist nur alle paar Tage. Doch bis zum Abend steht ein Plan und ich kann noch eine Zugfahrkarte besorgen. Die kostet mich in CUC was die Kubaner in Peso bezahlen müssen, also grob das 23fache. Den Samstag kann ich wieder für Havanna nutzen. Programm: ein Besuch des Hotels Havanna Libre, das nach der Revolution temporärer Hauptsitz von Fidel und seinen Leuten war. Später zum Lennon Park mit einer fast lebensechten Bronzestatue (mehr eine Sitztue ;-)) von John. Erstaunlich das man hier die Beatles verehrt, was vor allem so ist seit sich John für die Friedensbewegung eingesetzt hat. Sonst mehr Statuen, revolutionäre Monumente wie auch sozialistische und - der tolle alte Friedhof. Wie in einer Kunstausstellung scheinen Bildhauer um Beachtung zu buhlen.

Friedhof Havanna            

   geniale kleine Mausoleen

           John und ich

       diese Autos - Klasse

Am Abend hole ich mein Gepäck aus dem Hostel und besteige den Nachtzug nach Sankti Spiritus. Selbst bei meiner Erfahrung wird diese Fahrt besonders einprägsam. Der Zug ist total abgewirtschaftet, an den Waggons aus DDR-Produktion wurde schon seit Jahren nichts mehr gemacht. Kein Licht, die Polster durchgesessen und in Schulterhöhe endend. Die Schienen sind ebenso nieder und wir schunkeln und hüpfen langsam voran. Morgens um 4 Uhr halten wir länger in Santa Clara, wobei der Zug immer wieder harte Stöße abbekommt als würde eine Lok zu schnell an die Waggons gefahren. Irgendwas ist wohl kaputt, denn wir stehen drei Stunden. Ankunft in Sancti Spiritus am Sonntag, 11 Uhr, mit 5 Stunden Verspätung. Seit Myanmar die schlimmste Zugfahrt, aber ich nehme es gelassen und hatte ja einige kubanische Leidensgenossen mit denen man sich unterhalten konnte. Außer in Havanna existieren im Land keine richtigen Backpacker Hostels, sondern nur Hotels und Privatvermieter, sogenannte Casa Particulares. Hotels sind mir zu teuer, also suche ich eine Privatunterkunft. Die sind hoch besteuert und lassen Vermietern kaum Luft bei Preisverhandlungen. Als Einzelreisender muss ich manchmal ordentlich feilschen. In Sancti Spiritus geht es fix: an der ersten Casa Particular klingeln und drei Minuten später ein riesiges Zimmer mit tollem Bad für 15 CUC (12,50 €) beziehen. Die Vermieter warnen mich: sie feiern heute mit Freunden und Familie, allerdings bin ich auch gleich eingeladen. Duschen und ab in die Stadt. Sancti Spiritus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Schöne Stadt, wenig Touristen und viel ursprüngliches Kuba. Spaziere, fotografiere und entfliehe später der Hitze mit einer Siesta. Abends feiern dann um die fünfzig Leute im Haus meiner Vermieter, es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken, Musik, Tanz und Domino, letzteres spielen vor allem die Männer.

             Sancti Spiritus, das sehenswerte Zentrum      

       auch die kleinen Gassen können sich sehen lassen

Montag früh sieht man im Haus noch deutlich die Spuren der Party, aber aufräumen wollen die Besitzer selber. Ich ziehe weiter. Auf Anraten meiner Vermieter suche ich hinter dem Busbahnhof nach einem Colectivo, mit denen die Fahrt nach Trinidad nur   3 CUC kostet. In den alten Buick aus den 50gern passen neben den Fahrer noch sechs Passagiere und Gepäck. Für mich eine geniale Fahrt, wann sitzt man schon mal in einem solchen Auto. Die 80 km nach Trinidad sind schnell geschafft. Dort muss ich einige Häuser abklappern bis ich ein freies Zimmer finde. Das liegt schön im Garten und auf der kleinen Terrasse davor stehen zwei Schaukelstühle. Kann es mehr Kuba Feeling geben? Ich kann mir heute noch die Stadt anschauen. Laut Reiseführer DAS städtische Highlight von Kuba. Trinidad ist schön, zugegeben, aber nach Sancti Spiritus hätte ich mehr erwartet. Dazu rollt eine Touristenwelle nach der anderen über das Kopfsteinpflaster und verwandelt das Ganze in einen künstlichen Themenpark. 

in Trinidad        

       alt, aber fährt noch

       alt, aber singt noch

     Gitter, Gitter über alles

Dienstag besorgt mir mein Vermieter ein überraschend gutes Mountainbike, das dann zeigen muss was es kann. Frühstück und ab ins 28 km entfernte Valle del Ingenios, wo Ruinen aus der Zeit von Zuckerrohranbau und Sklaverei stehen. Hinter Condado wird die Strasse zu einem schlechten Feldweg, doch mit dem guten Rad macht es Spaß und ich komme bis Meyer. In der Idylle des Tales begegnen mir nur einige Farmer samt Pferden. Mittag wende ich, fahre zurück nach Trinidad und halte für eine Pause Am Nachmittag zum Meer und als Kontrastprogramm die Strände von La Boca und Playa Ancon. Vor allem letzterer ist super. Breit, hell und das Wasser klar und herrlich türkis. Nur baden ist kaum erfrischend, denn das Wasser hat karibische Temperatur. Am Abend bin ich um 90 Fahrradkilometer “reicher”. War anstrengend, aber schön.

Blick ins Valle del Ingenios  

       Teil meiner Strecke

         im Dorf Condado

           Playa Ancon

Mittwoch weiter nach Cienfuegos. Diesmal mit dem Touristenbus von Viazul. Trotz viel höherem Preis ist die Qualität vom Bus nicht unbedingt besser. Gegen Mittag bin ich am Ziel und starte einen Stadtbummel. Cienfuegos liegt schön an einer großen Bucht mit mehreren Häfen. In einem davon liegt ein Kreuzfahrtschiff. Das merkt man vor allem weil die Menschenansammlungen im Zentrum plötzlich anschwellen - und später genau so schnell wieder verschwinden. Auch diese Stadt kann sich sehen lassen und es macht Spaß darin herumzuspazieren. Weiter draußen entdecke ich am Nachmittag ein halb zerfallenes, und gerade deshalb, fotogenes Pier sowie einen schönen Friedhof, der leider ziemlich vernachlässigt wirkt. Steht bestimmt nicht auf dem Programm der Kreuzfahrer. Was sicher drauf steht ist der Triumphbogen, auch wenn der weit kleiner ist als sein Vorbild in Paris.

Triumphbogen in Cienfuegos

  jeder auf seinem P(f)osten

drei Gräber - eine Komposition

       laut Geschichte eine junge Frau die an gebrochenem Herz starb

26. Woche vom 22. bis 28. März 2018
Donnerstag erneut Cienfuegos. Am südlichen Ende des Zentrums liegt die Landzunge Punta Gorda, wo herausgeputzte Villen und kleinen Paläste stehen. Tags darauf will ich früh weiter. Der Versuch einen “nationalen” Bus zu nehmen scheitert kläglich, da passen die Taxifahrer vor Ort schon auf. Die bieten mir einen Transport - zu sehr hohen Preisen. Mit Viazul wäre es teuer und umständlich, weil die nur nach Varadero fahren und nicht ins von mir angestrebte Matanzas. Als letzte Möglichkeit bleibt die Eisenbahn. 6.45 Uhr bin ich auf dem Bahnhof und erfahre, das nur eine Viertelstunde später einer der seltenen Züge fährt. Weil das so gut passt entscheide ich mich trotz schlechter Erfahrung dafür. Keine Ahnung ob der alte Mann am Schalter noch schläft oder ob es ihm egal ist, aber er verkauft mir die Fahrkarte zum Pesopreis für Kubaner. Für 210km sind das 0,35 €, dafür nehme ich die langsame und unbequeme Schüttelei in Kauf. So schlimm wird es aber gar nicht. Gut das ich mich mit anderen im Zug, alles Kubaner, unterhalte, denn der hier fährt gar nicht nach Matanzas, sondern 35km daran vorbei. Man rät mir ab Union de Reyes einen Bus zu nehmen. Einer der dort aussteigt hilft mir weiter und setzt mich im Dorf in den richtigen Bus. Hier stört es keinen das ich Ausländer bin. In einer Stunde bin ich am Ziel. Das war ein kleines, aber angenehmes Abenteuer. Matanzas? Größere Stadt, viel Industrie an den Rändern. Für Touristen kaum interessant, dafür macht sie einen sehr bodenständigen und ehrlichen Eindruck. Samstag ans Meer. Varadero liegt nur 30 km weiter und ist DAS Strandressort in Kuba. Hotelanlagen ziehen sich über die ganze, rund 20km lange Halbinsel. Für all-inclusive Touristen und solche die es werden wollen der richtige Ort. Der Strand ist wirklich der Hammer. Lang, breit und mit feinstem Sand. Bei der Größe bleibt viel Platz für alle. So macht Meer Spaß.

kleiner Palast in Cienfuegos    

       Che - unvergessen

                         die Strände in Varadero

Sonntag weiter. Ich schaffe in zwei Wochen doch ein ganzes Stück Kuba. Heute mit dem Bus über Havanna ins 180km weiter westlich gelegene Dorf Vinales. Das hat sich über die Jahre zum Magneten für den Tourismus entwickelt. Hauptattraktion hier sind die einprägsame Landschaft samt Mogoten, die hiesige Bezeichnung für steil aufragende Kalksteinfelsen. Praktisch keinen dieser Felsen kann man normal zu Fuß erklimmen, da bräuchte es schon Kletterkünste nebst Ausrüstung. Bei der Suche nach einer Unterkunft fällt auf das hier fast jedes Haus eine Casa Particulares ist und Zimmer an Reisende vermietet. So findet sich leicht ein gutes Bett. In den Strassen von Vinales ist viel los, die Einheimischen feiern heute den letzten Tag vom Karneval und wirklich jeder ist auf den Beinen. Ich laufe ums Dorf und sammle Eindrücke. Geschmackssache: das riesige “Gemälde” an einer der Steilwände. Trotz der Größe ist schwer zu glauben das 15 Leute ganze 5 Jahre dafür gebraucht haben. Am Abend geht die Party in Vinales weiter und bei nur 0,80 € für einen sehr rumhaltigen Cuba Libre bin ich mit dabei :-). Montag bei schönstem Sonnenschein eine große Wanderrunde um Vinales herum. 

in Vinales                  

     Mogoten vor dem Dorf

     Mural de la Prehistoria

         Valle de Silencio

Dienstag nach Havanna. Dafür hatte ich mir gestern eine Busfahrkarte gekauft, doch es kommt anders. Ein Bus ist am Morgen nicht zu sehen und die bunt gemischte Gruppe Wartender wird bald aufgeteilt. Ich werde mit fünf anderen eine Strasse weiter zu einem alten Amischlitten geführt, der uns nach Havanna bringt. Das passt nicht jedem, denn es ist weniger komfortabel als im Bus. Mir gefällt es, vor allem weil uns der Fahrer in der Stadt am jeweiligen Wunschziel absetzt.Das spart den umständlichen Transport vom Busbahnhof. Das DRobles Hostel, schon meine erste Station auf Kuba, hat was frei, so wohne ich in bekannter Umgebung. Mir bleibt noch Zeit für Havanna und ich lasse ganz entspannt die sechsmonatige Reise austrudeln.
27. Woche, vom 29. bis 30. März 2018
Donnerstag, mein letzter Tag auf Kuba. Frühstück, Rucksack packen und in der Stadt spazieren gehen, mehr braucht es heute nicht. Am späten Nachmittag raus zum Flughafen. Eigentlich mit einem Colectivo. Ich frage am zentralen Park mehrfach nach um an der richtigen Stelle zu warten, doch statt einem Auto hält bald ein großer Stadtbus. Weil er in die gewünschte Richtung fährt und ich nicht länger warten will quetscht sich meine Wenigkeit samt Gepäck hinein. Es wird vor diesen Bussen gewarnt: Total überfüllt, extrem langsam, voller Taschendiebe. Nun, ich stand schon in volleren Bussen und an meine Sachen geht auch keiner. So komme ich als wohl einziger (westlicher) Tourist mit dem Stadtbus in die Nähe vom Flughafen. Das war das letzte kleine Abenteuer in diesem einzigartigen Land. Ich checke dann bei Eurowings ein und fliege über Köln/Bonn nach Leipzig.  

wehrhaftes Havanna            

               noch einmal in den Strassen der Stadt

     am Hafen in Havanna

Zum Schluss noch auf ein Wort: