Die Schweiz? Ist seit 2002 so etwas wie meine zweite Heimat. Lange Zeit habe ich an verschiedenen Orten gearbeitet, einzig unterbrochen durch meine Reisen um die Welt. Es gibt über die Jahre viele Fotos quer durch das Land. Um ein Durcheinander zu verhindern habe ich versucht die besten an richtiger Stelle in meine Reise 2021 einzufügen. So passt nicht jedes Bild zum Sommer, wohl aber zur Region. Viel Spaß beim Betrachten.   

4. Woche vom 21. bis 27. Juni 2021
Nach ein paar Wochen in Deutschland und Österreich stehe ich nun kurz vor der Grenze zu Liechtenstein. Montag laufe ich von Feldkirch über die grüne Grenze bis zur Ruine Neu-Schellenberg. Zurück entlang am recht coolen Felsbandweg. Tags darauf der nächste Ausflug nach Liechtenstein, diesmal mit dem Rennrad. Hinter Vaduz den Berg hinauf nach Malbun. Unten noch schönes Sommerwetter, oben dann Wolken und sehr kühler Wind. Nachmittag bin ich wieder in Feldkirch und lasse den Tag am Baggersee Alte Rüttenen ausklingen. Mittwoch dann der definitive Grenzübertritt ins Fürstentum Liechtenstein. Vormittag ein Spaziergang durch die Hauptstadt Vaduz, die keine 6.000 Einwohner hat. Vom Schloss, dem Regierungssitz der über der Stadt thront, hat man praktisch einen Blick über das halbe Land, das sechstkleinste der Welt und eng mit der Schweiz verbunden.

Reiseroute durch die Schweiz, Sommer 2021

Malbun

           Schloss Vaduz

     eine wahre Trutzburg

Blick über Vaduz,Liechtenstein

Noch am Mittwoch weiter in die Schweiz. See-Camping, direkt am Ufer des Walensees, wird mein nächster Halt. Wunderschön dort am Morgen bei strahlend blauem Himmel aufs Wasser zu schauen. Das gute Wetter hält aber nur kurz und bei der Radtour nach Flums und der Prodalp muss ich wegen Schauern längere Pausen einlegen. Immerhin gelingt es mir fast trocken die Tour zu Ende zu bringen. Zwei der nun folgenden Fotos stammen von einer herrlichen Wandertour am Walensee im Oktober 2019.

der Walensee am Morgen

         auf der Prodalp

     Seerenbachfälle Okt.’19

  über dem Walensee Okt.’19

Freitag nur ein kleines Stück bis Filzbach fahren und am Lölenboden das Auto abstellen. Trotz dunkelgrauem Himmel zu Fuß in die nahen Berge. Wider Erwarten bleibt es trocken und ich laufe ein ganzes Stück weiter als bis zum sehr schönen Talalpsee. Nachts kann ich nach Rücksprache auf dem Parkplatz bleiben und erlebe einen friedlichen Abend ein Stück weit oberhalb der Zivilisation. Samstag bleibt es den ganzen Tag schön. Ich fahre hinein ins Glarus und parke in Näfels. Auf dem Rad bis Netstal einrollen und dann in die Berge. Vorbei am Klöntalersee wird die Straße schmaler und steigt steil zum Pragelpass hinauf. Nur gut das sie am Wochenende fast komplett für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. So fühlen sich die zahlreichen Radler sicherer. Auf dem Weg runter schaue ich mir die zwei Campingplätze am See an. Der Vorauen ist riesig und voll. In Güntlenau ist genau so viel los, aber der Platz gefällt mir besser und ich reserviere für morgen. Sonntag schon wieder Kaiserwetter. Eigentlich wäre eine Ruhepause notwendig, aber die Voraussetzungen sind einfach zu gut. Also nach Nidfurn fahren und dort aufs Rad steigen.

Talalpsee

 imposante Einfahrt ins Glarus

     Abfahrt vom Pragelpass

           der Klausenpass

Bis Linthal schön einrollen, dann sieht man schon die ersten und recht steilen Serpentinen. Auf dem Urnerboden wird es wieder fast eben, um danach baumfrei bis auf den Klausenpass anzusteigen. Das waren 22 km mit 1286 Höhenmetern. Dafür habe ich 1:37:00 h gebraucht, also ganze zehn Minuten weniger als vor 10 Jahren! Scheint so als stehe ich gut im Training :-). Später am Nachmittag im Campingplatz Güntlenau einchecken. Am See ist noch die Hölle los, aber mit jeder Stunde wird es ruhiger.   

5. Woche vom 28. Juni bis 4. Juli 2021
Nachdem es letzte Nacht schon geregnet hatte, wechselt auch heute das Wetter von wolkenfrei zu Schauern. Mir ist das fast egal. Wäsche waschen, ausruhen, das Programm der nächsten Woche vorbereiten und ein wenig spazieren gehen, das reicht.

Klausenpass, August ‘09

         ;-), August ‘09

         Camping Güntlenau

           Klöntalersee

Dienstag auf in Richtung Zürich. Es ist mir nie gelungen zu dieser Stadt eine Bindung zu finden und deshalb gefällt sie mir auch nicht besonders. Immerhin unvergessen: zwei tolle Depeche Mode Konzerte, 2006 und 2017. Auch war es schön 2013 mit dem Schiff den See abzufahren. Heute, also im Sommer 2021, führt mein Weg zu guten Freunden bis nach Männedorf, wo ich auch übernachte. Ein Stück nördlich von Zürich übrigens einer der bekanntesten Wasserfälle des Landes, der Rheinfall. Die Abmaße, 23 m hoch und 150 m breit, sind ordentlich. Einen wahren Eindruck von der puren Masse an Wasser die da über die Kante geht bekommt man aber erst wenn man genau daneben steht oder mit einem kleinen Boot über den Rhein setzt. Nette Ergänzungen sind die kleinen Dörfer und Städte in der Umgebung, wie zum Beispiel Stein am Rhein, oder ein Besuch der “Insel” Reichenau.

Kapuzinerkloster Rapperswil

                 der Rheinfall, tosend und schäumend

           Stein am Rhein

Mittwoch den Zürichsee mittels Brücke in Rapperswil überqueren und zum schönen Ägerisee. Das Wetter erneut wechselhaft mit vielen Schauern, was ist nur mit dem Sommer los? Ein Halt in Morgarten, wo eine heroisch leicht aufgebauschte Schlacht im Jahr 1315 den Weg zur Eidgenossenschaft ebnete. Hinter dem Ägeriesee ist es nur ein kurzes Stück zu den Höllgrotten von Baar. Die sind relativ jung, erst vor rund 5.000 Jahren entstanden, und praktisch an der Oberfläche “gewachsen” bevor Wasser und Sedimente ihr Werk taten. Über die Jahre hat man investiert und das Innere der Grotten mit Licht und Musik aufgewertet.

Höllgrotten zu Baar’11

 interessante Formationen’12

  Licht- und Soundeffekte’12

     am Höhlenausgang’12

Im Sommer 2021 die Fahrt über den Sattel hinein nach Luzern. In und um die Stadt habe ich einige Jahre gelebt. Überraschend das trotzdem nur wenige, brauchbare, Fotos in dieser Zeit entstanden sind. Dabei ist Luzern eine der schönsten Städte in der gesamten Schweiz. Die Altstadt sucht ihres Gleichen, die Lage am See vortrefflich, die Geologie im Gletschergarten konserviert oder beim Gang in die nahe und faszinierende Bergwelt hautnah erlebbar. Der Vierwaldstätter See reicht um Luzern vom coolen Badestrand bis zu fjordähnlichen Felswänden zwischen Brunnen und Flüelen. Auch Kultur wird viel geboten. Konzertwochen im KKL, einem mutigen Architekturstück am Wasser, das Lichtfest LiLu im Januar oder die verrückt ausgelassene Fasnachtszeit.

Luzern 2017

 das Löwendenkmal von 1821

Blick vom Sonnenberg, Mai ‘17

     Luzerner Fasnacht 2016

Drei Sommer lang habe ich für die Tavolago auf dem Wasser gearbeitet und bin fast ausschließlich mit dem Dampfschiff Uri den See rauf und runter gefahren. Eine äußerst interessante Zeit die ich auf keinen Fall missen möchte. Der Raddampfer, erbaut im Jahr 1901, ist der älteste aktive in der Schweiz und wird nach wie vor von einer Dampfmaschine angetrieben, wenn auch nicht mehr mit Kohle beheizt. An Bord habe ich Föhnsturm erlebt, bei dem sich Wasserhosen mit 120 km/h gebildet haben, heftige Gewitter, herrliche Sonnenuntergänge und beeindruckende Szenen der Bergwelt vom Niveau der Wasserlinie aus. Danke dafür.  

Schaufelraddampfer Schiller’09

     nochmal die Schiller ‘11

alte Schnitzereien der Uri ‘11

 Wat is’n ne Dampfmaschin?’11

6. Woche vom 5. bis 11. Juli 2021
Wieder zum Sommer 2021. Getreu dem Motto: Besuch ist wie Fisch, nach drei Tagen fängt er an zu stinken, wohne ich jeweils ein paar Tage bei Freunden und Kollegen um danach weiter zu ziehen. Nach fünf Wochen im Camper braucht es schon etwas Gewöhnung wieder in einem Haus zu wohnen bzw. zu schlafen. Wettermäßig bin ich jedoch glücklich zehn Tage ohne Camping in Luzern zu verbringen, denn es regnet häufig und viel. Neben dem Besuch bei Freunden bleibt einige Zeit um die nächsten Ziele auszuloten bzw. auch in der Umgebung von Luzern unterwegs zu sein. Bei Meierskappel, auch da wohnte ich zwei Jahre, bietet das Michaelskreuz schöne Ausblicke auf die Rigi und das dörflich geprägte Umfeld, wo die Welt noch in Ordnung scheint. 

am Michaelskreuz

  alte Bauweise auf dem Land

   so leben glückliche Hühner

     Park Hotel Weggis 2007

Ich möchte nun vom Sommer 2021 abschwenken und die für mich schönsten Ecken rund um den Vierwaldstätter See zeigen. Am nördlichen Ufer, der sogenannten Riviera der Schweiz, liegt Weggis. Zwei Jahre lang lebte ich dort und habe im Park Hotel Weggis gearbeitet. Als Mitarbeiter wohnte man im ehemaligen Waldstätter Hof, ein saniertes Hotel. Von meinem Balkon aus gab es einen unschlagbaren und unverbaubaren Blick auf den See. So gut hatten es nicht einmal die Gäste vom 5*Haus. Im nahen Küssnacht trafen sich einmal im Jahr die Freunde amerikanischer Autos. Das war ein Riesenspektakel für Fans des Besonderen. 

Weggis und See Sep.‘07

   Weggis und See, Dez.’07

             Küssnacht, Treffen der Autofreaks, Juni ‘07

Gleich hinter Weggis erhebt sich das Bergmassiv der Rigi, auch Königin der Berge genannt. Der höchste Gipfel, Rigi Kulm, liefert mit 1.798 m Höhe schon einen ordentlichen Ausblick auf einen guten Teil der Schweizer Alpen. Die Rigi bietet außerdem in jeder Jahreszeit Gründe auf den Berg zu wandern oder mit der alten Zahnradbahn rauf zu fahren. Im Sommer das tolle Panorama gen Süden, im Herbst der Garant bei Hochnebel etwas Sonne tanken zu können und im Winter gibt es auch des Öfteren Schnee. 

auf der Rigi, Mai ‘09

Blick zum Bürgenstock, Okt.’10

                             Rigi Kulm im März ‘16

Weiter geht es im Uhrzeigersinn um den Vierwaldstätter See herum. Hinter Schwyz fallen einem die Formen vom Kleinen und Großen Mythen ins Auge. Pyramidenförmig ragen sie steil und felsig aus der Landschaft hervor. Um auf den Großen Mythen zu kommen braucht es schon Puste und etwas Schwindelfreiheit, wenn der Pfad vor dem Gipfel schmal und ausgesetzt über der Tiefe entlang führt. Etwas Abenteuer tut aber gut und der Ausblick von oben entschädigt auf jeden Fall für die Anstrengung. Etwas weiter südlich liegt knapp neben der Axenstraße die Gemeinde Morschach auf einer natürlichen Terrasse. Zum einen hat man von da einen tollen Blick auf den See, die Rütliwiese und die Urner Berge, zum anderen lockt die tolle Therme mit Wellness. Wem der Blick von Morschach nicht reicht, sollte hinauf auf den Fronalpstock. Den 1.920 m hohen Gipfel erreicht man zu Fuß oder mit einer Stand- bzw. Luftseilbahn von Stoos aus. Oben bieten sich einem bei gutem Wetter wahre Postkartenpanoramen  

Okt.’10, der Große Mythen und die Grenze vom Hochnebel

       Juni’11: Blick von Morschach bzw. vom Fronalpstock

Und weiter am Vierwaldstätter See. Theoretisch kann man mit dem Rad um den ganzen See herum fahren. Praktisch gibt es zwischen Seelisberg und Bauen keine radtaugliche Verbindung. Wer es so wie ich trotzdem versucht muss je nach Richtung ein Stück Wanderweg steil bergauf oder bergab, schlechte Pfade und Treppen inklusive. Die 100 km Runde ist nichts desto trotz sehr eindrücklich und zeigt alles was der See zu bieten hat. Wer lieber zu Fuß geht kann sich auf dem “Weg der Schweiz” das beste in Etappen von Brunnen bis zur Rütli Wiese zu Gemüte führen. Meine Tour um den See fand im Mai 2017 statt und bleibt mir in guter Erinnerung. Am südlichen Seeufer kreuzt man unter anderem Beckenried, ein hübsches Städtchen von wo aus eine Seilbahn hinauf zur Klewenalp führt. Die ist ein idealer Startpunkt für Ausflüge tiefer in die Schweizer Bergwelt hinein. 

in Bauen, Mai’17

  über der Rütliwiese, Juni’11

       Klewenalp, Juni ‘09

       Klewenalp, Sept.’13

Meinen absoluten Lieblingsplatz am See erreicht man entweder mit einer der kleineren Seilbahnen nebst folgender Wanderung oder aber über einen teils anstrengenden und abenteuerlichen Aufstieg von Seelisberg aus. Bei letzterem führt unter anderem eine Leiter durch einen Tunnel. Egal wie, letztlich steht man auf dem Gipfel, dem Niederbauen Kulm, der von unten gesehen wie eine Festung wirkt. Von 1.923 m Höhe kann man fast den ganzen Vierwaldstätter See, 37 km lang, überschauen und hat dazu das Panorama der Berge in einem 360° Rundblick. Einfach fantastisch. Über die Jahre war ich wohl fünf oder sechs Mal da oben

der Niederbauen von unten’19

  erste Ausblicke, August ‘14

       tolle Farben, Sept.’13

  Blick auf Brunnen, August’14

Das erste Mal hatte ich das Panorama auf einem Schiff der SGV gesehen, wo es im sehr großen Format den Salon der Gotthard verschönt hat. Daraufhin war es ziemlich leicht diesen Sweet Spot ausfindig zu machen. Unter der Woche kommen nur wenige Wanderer da hin, weshalb man auch immer wieder die Chance hat vor allem im steilen Gelände auf scheues Gamswild zu treffen

*Panorama Niederbauen’19

               Gamswild am Niederbauen, Oktober‘14

   König meiner Welt, Okt.’14

Der Kreis um den Vierwaldstätter See schließt sich am Hausberg von Luzern, dem Pilatus. Seine Namensgebung ist umstritten, das der alte römische Feldherr dort begraben liegt weil seine ersten beiden Ruhestätten ihn nach vielen Unglücken nicht mehr in ihrer Erde haben wollten halte ich doch für etwas weit hergeholt. Wahr ist das der Berg seiner Umgebung viel Unheil brachte, vor allem durch schwere Niederschläge und Erdrutsche. Der Berg “sammelt” Wolken, “zündet” Gewitter und seine teils steilen Flanken sind ideale Voraussetzungen für Abgänge. Nichts desto Trotz ist es ein toller Berg von dessen Gipfeln, drei an der Zahl, der höchste mit 2.128 m, man einen atemberaubenden Ausblick hat. Ich habe neun Monate im Restaurant Kulm auf dem Pilatus gearbeitet, was mir eine völlig neue Sicht auf die Gastronomie gab. Nirgends zuvor oder danach habe ich in so kurzer Zeit so  

der Pilatus Mai’17

malerische Eindrücke, Mai’17

   mein Gipfelsturm, Nov.’11

 Ausblick vom Gipfel, Sept.’13

viele Gäste bedient wie da oben. Trotzdem eine tolle Erfahrung. Unvergessen die tolle Sicht bei klarem Wetter, oder aber die Stimmung am späten Abend bzw. frühen Morgen, wenn manchmal gleich neben der Terrasse ganze Herden von Gemsen und Steinböcken ungestört von Touristen und ihrem Lärm nach etwas zu fressen suchten. Das Wetter am Gipfel war teils verrückt, manchmal stürmisch und mit Schneefall bis in den Juli hinein. So mancher Tourist rieb sich verwundert die Augen, wenn unten die Sonne schien und oben auf einmal die Sichtweite keine 10 m mehr betragen hat. Rauf kommt man übrigens zu Fuß, dabei sind 1.700 Höhenmeter zu überwinden, was Kellner in 2,5 h schaffen. Wer es bequemer mag: von Alpnachstad mit der steilsten Zahnradbahn der Welt, gebaut 1889 in nur 400 Arbeitstagen (!) oder per Gondelbahn vom Luzerner Stadtteil Kriens aus.

Schnee schippen, 4.6.2013

das Paxmontana, Mai’13

                   Blick vom Pilatus nach Süden, Mai’13

Etwas südlich von Luzern beginnt schon die richtige Bergwelt. Städte werden zu Dörfern, Strassen schmäler und häufiger zu Sackgassen. Sehr schön ist es zum Beispiel in Flüeli-Ranft mit Blick über den Sarnersee nebst Panorama vom Pilatus. Bestens genießt man den von der Terrasse des alt ehrwürdigen Hotels Paxmontana. Ebenso empfehlenswert eine Fahrt ins Melchtal, die letzten Endes nach Melchsee-Frutt führt, ein Wandergebiet mit dem Tannensee und der Tannalp. Im Winter übrigens ein kleines doch feines Skigebiet, gelegen auf 2.000 m Höhe. Mein Favorit für den Sommer liegt räumlich zwischen diesen Tipps und ist selbst manchem Einheimischen nicht so richtig bekannt.

   Herbst am Pilatus, Nov.’11

     Melchsee-Frutt, Mai’17

Startend aus Melchtal recht zügig bergan dem Turmlibach folgen. Vorbei an der kleinen Arnialm geht es wild über einen grünen Hang mit vielen Felsblöcken zu einer kleinen Scharte. Von da hat man zum ersten Mal einen herrlichen Ausblick. Dazu sind die nahen Gipfel von Heitlistock und Wandelen, letzterer immerhin 2.105 m hoch, so ganz anders als manch Berg hier. Grün, kaum felsig auf der einen Seite, schroff und senkrecht abfallend auf der anderen. Hinter dem Wandelen beginnt dann der sogenannte Arnigrat, der sich schmal und grün lang nach Norden hinzieht. Zu jeder Zeit eröffnet sich einem ein 360° Panorama. Einfach toll

Heitlistock, August’14

  Blick vom Gipfel, August’14

     Wandelen, August’14

   *Aussicht vom Arnigrat’14

7. Woche vom 12. bis 18. Juli 2021
Nach diesem längeren Abschweifen wieder zurück zum Sommer 2021. Ich bin inzwischen bei Freunden in Sachseln und war ein wenig zu Fuß oder mit dem Rad in den Bergen unterwegs. Nach wie vor regnet es häufig und intensiv. Die Flüsse sind voll und erste Seen treten bereits über die Ufer. Der Montag beginnt freundlich, aber bis ich mit Rad und später in Wanderschuhen auf dem Giswiler Stock bin hat es sich zugezogen und der nächste Schauer ist nur eine Frage der Zeit, also schnell wieder runter. Dienstag bei Dauerregen Reiseplanung. Tags darauf verabschiede ich mich von meinen Freunden und kehre nach genau zwei Wochen zur Routine von Camper und Camping zurück. Meine Strecke führt über den Brünigpass nach Meiringen. Aus tiefgrauem Himmel immer wieder Regen, aber es soll schöner werden. Das kann ich am Donnerstag noch nicht sagen, doch ein Besuch der Reichenbach Wasserfälle ist drin. Die sind seit Sherlock Holmes bekannt und Meiringen zieht bei dieser Werbung gleich mit. Die Fälle, über sieben Kaskaden ganze 300 m hoch, machen mächtig Eindruck. Derzeit kommt aber auch sehr viel Wasser vom Berg

           Reichenbachfall

da hat Conan Doyles seine Hauptfiguren sterben lassen

abendlicher Blick auf Meiringen

Meiringen und Reichenbachfall

Am Freitag zum nächsten Highlight der Region, welches in der halben Schweiz bekannt ist: die Aareschlucht. 1.400 m lang, bis zu 180 m tief eingeschnitten und manchmal nur einen Meter breit. Da schäumt die sonst ruhige Aare wütend hindurch. Stege aus Holz machen den Besuch einfach und es beeindruckt mal wieder was Wasser im Laufe der Zeit so alles formen kann. Man braucht eben nur Geduld, viel Geduld. So mache ich es derzeit mit dem Wetter, auch wenn das mancher wohl nicht mehr lesen mag. Noch immer bleibt nämlich kein Tag trocken, auch wenn auf meinen Fotos hier davon kaum etwas zu sehen ist. Das Gute: ich habe keinen Zeitdruck und warte ab bis sich ein sonniger Tag ergibt. Derweil kann ich in Meiringen bummeln und erkunde auf der anderen Talseite die Alpbachschlucht mit einem abenteuerlichen Pfad und coolen Aussichtsplattformen über dem Nichts

               die Aareschlucht, von aufregend bis imposant

Scheideggstrasse

Sonntag hat Petrus ein Einsehen und lässt der Sonne ein paar ungestörte Stunden am Himmel. Ich schwinge mich auf das Rad und biege noch vor Innertkirchen von der viel befahrenen Straße ab. Sofort kehrt Ruhe ein, dafür steigt das Sträßchen steil an. Vorsicht in den engen Kurven, hier verkehrt auch der Postbus. Zwischendurch ein Hochtal mit toller Bergkulisse, die Gletscherschlucht bei Rosenlaui und nach weiteren Serpentinen das Ziel: die Grosse Scheidegg auf 1.960 m Höhe. Geschafft, und das im doppelten Sinn des Wortes. Es hat trotzdem Spaß gemacht und ich war bei weitem nicht der Einzige auf der Tour

           an der Strecke

8. Woche vom 19. bis 25. Juli 2021
Montag ist das Wetter sogar noch schöner, was mich gleich zur nächsten Tour verleitet. Das Auto bleibt in Meiringen. Mit dem Rad durch Innertkirchen und ein Stück den Sustenpass hinauf. Ich habe den Pass, der einem viel abverlangt, schon öfters und von beiden Seiten her bezwungen. Heute das Rad bei Nessental an der Station Käppeli parken und die Wanderschuhe anziehen. Man kann von hier aus die Triftbahn nehmen, aber das ist mir zu einfach und langweilig. Der Pfad durch die Triftwasserschlucht ist viel aufregender, wenn auch anstrengender. Bis zur Bergstation der Bahn sind kaum Leute zu sehen, das wird danach ganz anders. Die eigentliche Attraktion ist es aber noch ein ganzes Stück entfernt. Eine Stunde lang über Stock und Stein bis sie auftaucht, die Triftbrücke. Mit einer Länge von 170 m und ganze 100 m über dem Grund ist sie eine der längsten und höchsten Hängeseilbrücken des Landes. Richtig cool, vor allem bei dem tollen Wetter. Nach der Rückkehr fahre ich weiter bis Brienz. Im Brienzer See baden. Der ist gezeichnet vom Hochwasser: übervoll, eiskalt und mit jeder Menge Treibgut drin. Das sehr schöne Wetter nutzend gleich Dienstag die nächste Wanderung. Von Schwanden aus vorbei an den wenigen Häusern der Irtschelen Alm rauf zum Eisee und weiter zum Gipfel vom Brienzer Rothorn. Die Strecke ist leider nicht besonders schön und aufziehende Wolken verhüllen dann auch noch den Gipfel auf 2.348 m Höhe. Viele Leute kommen mit der Bergbahn hier hoch, weswegen am Gipfel fast Gedränge herrscht. Nach einer Weile reißt die Wolkendecke teilweise auf und gibt den Blick auf den Brienzer See frei Das hat auf jeden Fall was. Der Abstieg auf anderem Weg. Um die mit Dampflok gezogene Bahn zu sehen zur Oberstafel. Weiter zum Felsentor. Dort ist kein Mensch mehr unterwegs und die Aussicht atemberaubend. Der Pfad führt spektakulär zwischen der Lawinenverbauung und teils nahe am Abgrund entlang. Definitiv das Beste des ganzen Tages. Hochzufrieden zurück zum Auto.  

       die Triftbrücke, lang und schmal hoch über der Schlucht, was für eine Konstruktion

   Blick vom Brienzer Rothorn

Mittwoch am Brienzer See entlang fahren. Etwas oberhalb der Straße liegen die Giessbachfälle, bei denen man sogar hinter den Fall laufen kann. Das vermittelt ungewöhnliche Eindrücke mit Wasservorhang. Das Hotel dort hat wohl seine besten Tage schon hinter sich. Bei Interlaken übernachte ich am Camping Oberei. Allerdings kann mich weder der Platz noch die Stadt überzeugen. Donnerstag ein eher gemäßigtes Programm. Von Wilderswil aus mit dem Rad südlich ins Tal hinein. In Zweilütschinen Richtung Lauterbrunnen abbiegen. Das Wetter ist schön, die Strecke einfach und die Landschaft macht bald richtig Eindruck. Das recht gradlinige Tal wird beiderseits von fast senkrechten Felswänden begrenzt über die sich einige Wasserfälle ergießen. Wunderbar. Bei Lauterbrunnen der Staubbachfall, später folgen an dieser “Wand” weitere. Ich wende am Ende der Straße in Stechelberg.

Lauterbrunnen

           Staubbachfall

     was für eine Felswand

         bei Stechelberg

Nach einer Nacht in Zweilütschinen setze ich mich am Freitag erneut auf das Rad. Heut führt die Strecke das andere Seitental entlang der Schwarzen Lütschine hinauf. Nach 11 km in Grindelwald eine kurze Pause, dann beginnt der Ernst des Tages. Durch das Wirrwarr der kleinen Straßen führen später schmale Serpentinen den Berg hinauf. Von Beginn an immer im Blick: die Eiger Nordwand. Steil und bedrohlich wächst die Felswand zur Linken ganze 3.000 m über dem Tal empor. Doch volle Konzentration auf die enge Straße, man ist nicht allein unterwegs. Die Steigung verlangt viel, auf nur 12 km sind ganze 1.285 Höhenmeter zu überwinden. Nach etwas weniger als 1:20 h bin ich am Berghaus Männlichen, es ist geschafft. Das Rad abstellen und zu Fuß weiter. Es sind nur 10 Minuten zum Gipfel des Männlichen auf 2.345 m Höhe. Bei solch herrlichem Wetter wie heute sieht man im Süden recht nah das berühmteste Panorama des Berner Oberlandes mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Alles, nun ja, der Eiger nicht ganz, 4.000er Gipfel, bedeckt von Eis und Schnee. Das macht Eindruck. Die nächste Nacht verbringe ich am Thunersee. 

Eiger, Mönch und Jungfrau

     *was für ein Panorama

         der Bergbezwinger

       Blick auf Grindelwald

Nach einer schwülwarmen Nacht fällt die Temperatur am Samstag spürbar, ein Wetterwechsel kündigt sich an. Ich fahre am Thunersee entlang und biege dann südlich nach Reichenbach ab. In der Kleinstadt hat es genug Parkplätze, teilweise sehr ruhig und schön gelegen. Trotz aufziehender Wolken die nächste Radtour. Auf einer teils stark befahrenen Straße führt mein Weg nach Kandersteg. Dort an der Oeschinenbahn das Rad abstellen und in meine Wandersachen schlüpfen. Ziemlich steil führt ein schmaler Pfad vorbei an der Bergstation der Bahn zum Oeschinensee. Das Panorama mit dem türkisfarbenem Wasser des Sees vor den schneebedeckten Gipfeln des Berner Oberlandes ist einfach atemberaubend, nur leider verdecken aufziehende Wolken die Bergwelt im Hintergrund. Schade, aber kein Beinbruch. Ich kann ja schon froh sein das es nicht regnet. Ein Schauer kommt gerade runter als ich wieder beim Rad bin, doch nach einer Wartepause gelingt es mir fast trocken bis Reichenbach zu kommen Am späten Nachmittag ziehen dann bedrohliche Gewitter auf. Als es heftig zu hageln beginnt die panische Suche nach einer Unterstellmöglichkeit. Das breite Dach eines Industriebaus bietet mir nach kurzer Fahrt etwas Schutz. Sonntag weiter nach Spiez, eine Kleinstadt am Thunersee. Schön gelegen an einer Bucht mit Schlosskirche und Marina umrahmen Weinberge den Ort 

Oeschinensee

       Schlosskirche Spiez

   Nahverkehr auf dem See

       Spiezer Weinberge

9. Woche vom 26. Juli bis 1. August 2021
Montag mit dem Auto nach Thun. Eine schwierige Parkplatzsuche endet recht zentrumsnah am alten Bahnhof. Da darf man für 4 CHF ganze 24 Stunden stehen bleiben. Dazu ein Schild, wie auch an einigen anderen Parkplätzen in der Stadt, das Camper eine Nacht lang geduldet werden. Für mich ist das perfekt. Thun? Eine schöne Stadt am Ufer des gleichnamigen Sees, durch deren Zentrum die Aare fließt. Deshalb Hochwasser gefährdet. Im Moment sinkt der Pegel der Aare, steht aber noch gefährlich hoch. Ich spaziere vor allem durch das alte Zentrum, über den Schlossberg und an der Aare entlang bis zum Schloss Schadau.

Schloss Schadau

         Thun, an der Aare

           Altstadt Thun

die schöne Scherzligschleusse

Weiterhin ist es sehr wichtig den Wetterbericht im Auge zu behalten. Starkregen und vor allem Hagel haben in diesem Sommer schon heftigste Schäden in der Schweiz verursacht. Sind schwere Gewitter gemeldet bleibe ich in der Nähe vom Camper und schaue mich bereits nach Unterstellmöglichkeiten um. Eine davon brauche ich am Montag Nachmittag, als ein Gewitter erst Regen und dann Hagel bringt. Erneut habe ich Glück und muss keine Schäden am Auto beklagen. In Thun findet sich auch ein

Regen am Thunersee

öffentlicher Bücherschrank um meine “Bibliothek” aufzufrischen Eine tolle Erfindung, die teils rege genutzt wird. Dienstag in Thun bleiben. Ein weiterer Stadtbummel, am Nachmittag etwas südlich an den Stadtrand. Dort führen Wege durch Schilf und über kleine Inseln immer am Wasser entlang, so friedlich und natürlich, als wäre die nächste Stadt weit weg. Gegen Abend kommen und gehen Regenschauer, aber Hagel ist keiner dabei. Mittwoch verlasse ich Thun in Richtung Nordwesten und biege bald auf Nebenstraßen ab. In Kirchdorf ein ruhiger Parkplatz mit Blick über das hier recht flache Land, der Gerzensee nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. Für mich der richtige Ort um    

   Blick über den Gerzensee

eine kurze Pause einzulegen. Kleine Spaziergänge und baden im See bei recht schönem Wetter. Donnerstag beginnt der Tag trüb, aber schon vor Bern strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Heute also die Hauptstadt der Schweiz. Gern will ich die stressige und teure Parkplatzsuche direkt in der Stadt verhindern und suche schon etwas außerhalb. In Kehrsatz findet sich ein schattiger Platz in der Nähe der Schule. Weil Ferien sind ist da nichts los, super. Bis ins Stadtzentrum ist es ein ganzes Stück, aber der Weg führt wunderbar durch den Wald an der Aare entlang. Kurz vor der Altstadt das sehr schöne Marzilibad, welches tagsüber für jedermann kostenlos geöffnet ist. Überraschend bei der Größe. Viele gehen auch direkt in die Aare baden, welche sehr schnell vorüber fließt. In der Altstadt am Bundeshaus beginnend laufe ich zu den Wahrzeichen der Stadt: Zytglogge, ein Uhrturm aus dem Mittelalter mit Glockenspiel und Astronomischer Anzeige, ähnlich wie in Prag; der Kindlifresserbrunnen, ein für Kinder abschreckendes Motiv; das Einsteinhaus, wo der Nobelpreisträger in seiner Schweizer Zeit gewohnt hat; sowie Rathaus, Münster, Zunfthäuser, Brunnen, Rosengarten, Bärengraben usw. Die Stadt ist echt schön und einen intensiven Besuch wert.   

Blick von der Münsterplattform

Kramgasse mit Zytglogge

         Bern und die Aare

Kindlifresserbrunnen

Nach einer angenehmen Nacht am Wohlensee ein friedlicher Morgen an dessen Ufer. Ich halte mich aber nur bis zum Vormittag auf, dann geht die Erkundungstour durch die Schweiz weiter. Über Aarberg zum interessanten Kraftwerk Hagneck am Bieler See und weiter nach Biel. Die Parkplatzsuche dort ist frustrierend und braucht Zeit. Als ich in die Stadt will ziehen gerade schwere Gewitterzellen auf, also lieber am Auto bleiben. Es kommt dann “nur” zu Starkregen und heftigen Windböen. Gegen Abend ins Zentrum von Biel. Das wird schnell zu einer Enttäuschung. Kaum Charme, viel Beton, miese Graffitis, verstaubte Schaufenster mit “zu vermieten” Schild und ein irritierender Menschen Mix. Hier fühle ich mich definitiv nicht wohl und fahre am Abend bis zur Marina Täuffelen. Samstag am See entlang und in Le Landeron parken. Das Wetter eher trüb und kühl, doch für eine Radtour reicht das. Hinter dem See rauf auf den Le Chasseral, mein erster Berg im Schweizer Jura. Ganz nett, aber am Gipfel weht ein kalter Wind und die Aussicht ist begrenzt. Nachmittags ein schöner Bummel durch Le Landeron. Das Dorf hat Atmosphäre und Charakter. Da kann das nahe Erlach und die Petersinsel, die keine ist, nicht mithalten, auch wenn da die meisten Touristen sind  Am Sonntag, der 1.August und Nationalfeiertag in der Schweiz, regnet es häufig und ich mache bei Le Landeron eine Pause.

ein Morgen am Wohlensee

           Altstadt Biel

     das Dorf Le Landeron

             Le Landeron

10. Woche vom 2. bis 8. August 2021
Montag kommt die Sonne zeitweise wieder hinter den grauen Wolken hervor. Ich fahre an den Neuenburger See und stelle das Auto in Saint-Blaise ab. Auch heute steht eine Radtour auf dem Programm. Vorbei an Neuchatel hinauf zum Vue-des-Alpes. Die Aussicht nur mäßig und mein Atem bildet bei den niedrigen Temperaturen Wölkchen. Weiter in Richtung Frankreich zum Lac de Moron. Am Aussichtspunkt Les Roches sieht man Regenschauer kommen. Mehrfach muss ich Schutz suchen, komme aber fast trocken durch den Tag. Eine Pause am Belvedere des Recrettes, für die ich kurzzeitig in die Wanderschuhe wechseln muss. Am Nachmittag noch der sehr schöne Lac des Brenets mit dem Wasserfall Saut de Doubs. Zurück über Le Chaux de Fonds waren das heute 95 km mit 2.088 Höhenmetern. Eine ordentliche Runde die trotz des wechselhaften Wetters viel Spaß gemacht hat.

           Lac de Moron

         Lac des Brenets

       das schöne Valangin

unterwegs gesehen, witzige Idee

Nach einer ruhigen Nacht hoch über Saint-Blaise ein Spaziergang runter zur Marina. Dort ist es schön und neben dem WC kann man auch die warme Dusche kostenfrei nutzen. Gegen Mittag fängt es an zu regnen. Ich kann es vorweg nehmen, mehr oder weniger bleibt es die nächsten 48 Stunden beim Regen. Als es eine Zeit lang nur nieselt ein Besuch des Botanischen Gartens in Neuchatel. Der ist schön angelegt und sehr informativ - wenn man denn französisch kann. Leider sind 90% der Tafeln einzig in der Sprache bedruckt :-(. Neben kurzen Stadtbummeln passiert sonst wenig. Donnerstag Vormittag dreht Petrus langsam den Hahn zu und ich komme zu einem schönen Spaziergang durch Neuchatel. Nachmittag am See entlang bis zum Campingplatz in Cortaillod. Der liegt gut und ist günstig, nur kann man derzeit einen Teil der schlammigen Wiesen nicht nutzen, der viele Regen 

Marina Saint-Blaise

Creux-du-Van

     Neuchatel - Neuenburg

     Straßenkunst in schön

Freitag, Waschtag. Zwei Ladungen durchlaufen die Maschine vom Campingplatz. Die Wäsche ist bei sonnigem Wetter schon am frühen Nachmittag trocken, so bleibt Zeit für einen Ausflug in die Gegend. Mit dem Rad hinein in die Gorge de l’Areuse. Der  Belag des Sträßchens wird leider bald sehr schlecht und damit ungeeignet für ein Rennrad, aber da muss ich durch. Nach dem steilen Anstieg stelle ich das Rad am Ferme Robert ab und geh zu Fuß weiter. Über Stock und Stein erklimme ich den oberen Rand des Creux-du-Van, eine kesselförmige Eintiefung mit echt erstaunlichen Abmaßen. 1.200 m breit und 500 m tief, wobei die Felswände spektakulär ganze 160 m senkrecht abfallen.

     Passerelle de l’Utopie

           Creux-du-Van

Daran sieht man - sehe ich - das, egal wie weit man fährt, es doch immer wieder neue Überraschungen gibt. Um solche Dinge zu finden braucht es Zeit und Geduld, vor allem aber viel Studium aller verfügbaren Medien. Samstag verlasse ich den Zeltplatz in Cortaillod als Vormittag das nächste Regengebiet durchzieht. Langsam und mit einigen Pausen, wenn ich etwas habe dann ist es Zeit, die Fahrt nach Romanel, kurz vor Lausanne. Dort kann ich in Ruhe übernachten. Am Sonntag hinein in die Großstadt mit sonntäglicher Ruhe. Meine alte Reise Weisheit bewahrheitet sich wieder: Metropolen möglichst an einem Sonntag besuchen Keine verstopften Straßen, kein Parkplatzstress. Ich mache bei schönem Wetter einen großen Stadtbummel. Parc du Denantou Olympisches Museum, Hafen von Ouchy, Parc de Milan, Justizpalast, das sehr interessante und so ganz andere Kunstmuseum: Collection de l’Art Brut und die Altstadt hoch über dem See. Mein Eindruck von Lausanne: eine äußerst sehenswerte Stadt mit gutem Lebensgefühl. Dem gegenüber fällt auf wie wenig Leute unterwegs sind. Sonntag oder Corona? Parken und Schlafen kann ich am Abend am Port de Pully. Dort lassen viele ihr Wochenende mit Drinks und Live Musik am Ufer des Sees ausklingen. 

Justizpalast Lausanne

  Springbrunnen “Unplugged”

           so schön bunt

     Altstadt von Lausanne

11. Woche vom 9. bis 15. August 2021
Montag Vormittag fahre ich am Genfer See entlang in Richtung Osten. Ein erster Halt im sehr schönen Dorf Lutry. Das ist einen Spaziergang wert. Schon hier ziehen sich Weinreben über den ganzen Südhang der vom See teils ziemlich steil ansteigt. Ich bin mitten in der Weinregion des Genfer Sees und kleine Gemeinden wie Epesses und Saint-Saphorin liegen bis Mittag am Weg. Die Namen sagen wohl nur Schweizer Weintrinkern etwas. Baden in Rivaz und dann nach Montreux. Die Stadt klettert, schon von  weitem sichtbar, die Hänge hinauf. Deswegen habe ich vom Parkplatz der Avenue Eugene-Rambert einen sehr schönen Ausblick

in Lutry

       Lutry zum zweiten

Gemeinde u. Weinlage Epesses

 Sonnenuntergang in Montreux

Gleich noch am Montag Nachmittag eine Tour durch Montreux. Die sehr kleine Altstadt versprüht überraschend wenig Charme und ist in wenigen Minuten durchlaufen. Besser wird es dann weiter unten am See. Da wäre z.B. das Casino, im europäischen Maßstab wohl eines der ganz Großen. Mit im Haus das Original Tonstudio von Queen, in welchem sie seit 1975 gearbeitet haben und es seit 1979 besitzen. Drinnen nun ein Museum, ausgestattet mit Original Technik und Erinnerungsstücken der Band. Dann schön auf der Promenade am See lang. Viele Touristen, viel Kunst und Kultur neben einer durchaus entspannten Atmosphäre.

Museum, Tonstudio von Queen

We are the Champions

         Casino Montreux

     imposante Hotelbauten

Dienstag relativ früh aufstehen, das Auto an einem P+R Parkplatz abstellen und zu Fuß in die Berge gleich hinter Montreux. Der Hausberg, Rochers de Naye, ist ganze 2.045 m hoch. Natürlich fährt auch hier eine Zahnradbahn bis kurz vor dem Gipfel und natürlich ist mir das zu langweilig. Schön führen Pfade durch den erst dichten Wald bis die Sicht langsam immer freier wird. Am Gipfel sind viele Leute, klar, aber der Ausblick über den See und die Bergwelt ist wunderbar. Nach der Rückkehr ein sehr frühes Abendessen und ein später Besuch vom Schloss Chillon, einer Wasserburg die auf Grund ihrer Lage seit dem 18. Jh. als beliebte Bildvorlage aus der Westschweiz verwendet wird. Die Burg liegt wirklich schön am See und wird von unzähligen Leuten besucht

auf dem Rochers de Naye

   Blick auf den Genfer See

           Schloss Chillon

           tolle Kulisse

Nach einer ruhigen Nacht in Noville, etwas südlich vom Genfer See, gemütlich weiter nach Süden. Am Nachmittag in Martigny. Die Stadt hat in der Nähe vom Expo Gelände einen riesigen Platz für Wohnmobile reserviert. Zwar steht man auf Schotter und kein Schatten weit und breit, dafür Trinkwasser, Abfallbehälter und 48 Stunden kostenlos. Weil das Wetter so schön ist, eine kleine Trainingsrunde mit dem Rad rauf zum Col de la Forclaz. Das ist die Vorbereitung für Donnerstag. Da nämlich wartet eine  ganz große Herausforderung, der Col du Grand St. Bernard. Von Martigny führt die Straße 45 km heftige 2.009 Höhenmeter bergan, eine der höhenmeterreichsten Auffahrten der Alpen. Das geht voll in die Beine. Landschaftlich gesehen lässt der Pass einiges zu wünschen übrig. Das wird am höchsten Punkt auf 2.473 m besser. Am Hospiz ein sehr schöner Blick über den kleinen See. Ich habe noch mehr vor und wechsle die Schuhe. Anderthalb Kilometer weiter stehe ich 300 Meter höher und genieße einen traumhaften Blick über die Alpen bis zum Mont Blanc. Abends ziehen dann Gewitter auf, die man schon sieht wenn sie aus den Bergen zur Stadt kommen. Hagel ist glücklicherweise keiner dabei, “nur” Regen und sehr heftige Windböen. Freitag ein entspannter Bummel durch Martigny. Der muss sein, sonst war ich zwei Tage hier und kann nichts über die teils recht schöne Stadt sagen. Danach auf die Straße, die hinter Martigny für ganze 12 km schnurgerade verläuft, ein Novum in diesen Bergen.

auf dem Großen St. Bernhard

  300 m über dem Pass ein toller Blick bis hin zum Mont Blanc

   12 Kilometer schnurgerade

Kurz vor Sion eine Pause an der Domaine des Iles, ein riesiger Park mit schönem See. Ausgeruht eine Stadtbesichtigung. Die Altstadt von Sion ist sehenswert und wird durch die zwei angrenzenden Hügel mit der Kirche Valere und der Ruine Chateau de Tourbillon noch getoppt. Beides wurde im 12./13. Jh. gebaut und hat die Zeit überdauert. Der Weg hinauf ist schweißtreibend, lohnt sich aber, auch wenn die Kirche derzeit innen komplett saniert wird. Einen tollen Blick auf Sion und die angesprochenen Wahrzeichen ergeben sich vom nahen Mont d’Orge, auf dem weitere Ruinen, besser gesagt deren kümmerliche Reste, stehen.

die Wahrzeichen von Sion

     Kapelle Tout les Saints

     Notre Dame de Valere

       Chateau de Tourbillon

Samstag eine Erkundungstour mit dem Rad. Bei wahrem Kaiserwetter lasse ich das Auto in Sion. Gleich ums Eck führt eine steile Straße mit vielen Haarnadelkurven ins Val d’Heremence. Im gleichnamigen Ort steht ein brutalistischer Sakralbau, zu deutsch: eine Kirche aus Beton. Sie ist eines der wenigen Beispiele auf der Welt, das so etwas aufregend und schön sein kann. Gebaut Ende der 60ger Jahre, macht sie außen wie auch innen viel Eindruck. Hinter dem Dorf kennt der weitere Weg nur eine Richtung: bergan. Aber es lässt sich gut treten und die Strecke führt schön am Fluss La Dixence entlang. Das Ende der Straße markieren Serpentinen und ein kleiner Tunnel. Dahinter sieht man schon die Staumauer La Grande Dixence. Als größte Gewichtsstaumauer der Welt ist sie 285 m hoch, 695 m lang und hat mehr Rauminhalt als die Cheopspyramide in Ägypten. Was für ein Bau! Auf dem 

     Innenansicht der Kirche

die Kirche in Heremence

Staumauer La Grande Dixence

       Blick auf den Stausee

Weg zurück eine etwas andere Strecke. Bei Mache abbiegen und zu den Erdpyramiden von Euseigne fahren. Sehr eigentümlich wie sich da mitten über der Straße, ein kleiner Tunnel führt hindurch, Formationen aus eigentlich weichem Gestein auftürmen. Mir gefällt’s. Am Sonntag Morgen muss es nach Glück und Geschick sehr schnell gehen. Ich will mir den Lac Souterrain in Saint Leonard anschauen. Tickets sind begrenzt und nur online erhältlich. Heute ist 9.15 Uhr noch was frei, das schaffe ich gerade so. Zur ersten Bootstour des Tages auf dem unterirdischen See erscheint nur eine Familie und ich. So wird das zu einem sehr schönen Erlebnis. Am Nachmittag von Sierre aus mit dem Rad ins Val Anniviers. So wie gestern erreicht man dieses Hochtal nur über steile Serpentinen. Doch die Strecke wie auch der Tag ist schön. Der kleine Ort Vissoie wird im Reiseführer beworben, ist aber nur Durchschnitt. Viel besser wird es in Grimentz. Schon vor dem Ort zieren Geranien jede Spitzkehre. Im alten Dorfkern werden das noch mehr und zwischen den Holzhäusern wartet man eigentlich nur darauf das einem die Heidi über den Weg läuft 

                       die Erdpyramiden bei Euseigne

               Grimentz

       oh diese Serpentinen...

12. Woche vom 16. bis 22. August 2021
Nach dem Programm der letzten Tage beginnt diese Woche etwas ruhiger. Montag zuerst ein kleiner Stadtbummel durch Sierre. Die ansehnliche Stadt mit einer Überraschung: Chateau Mercier mit dazugehörigem Park. Anfang des 20. Jh. kostete der Bau, privat finanziert von der Familie Mercier aus Lausanne, unglaubliche 800.000 Franken. Das entsprach dem 5-Jahres Budget der Stadt Sierre. Das Ergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen und hinterlässt bei mir einen tiefen Eindruck. Als nächstes nach Salgesch, seines Zeichens Weinbauregion im Wallis. Nettes Dorf. Aufregender wird es in Leuk. Zufällig gehe ich zur Kirche Drinnen ein Beinhaus aus dem 16. Jh. mit imposanter Schädelmauer. Die wurde erst 1982 bei einer Renovierung wiederentdeckt

Lac Souterrain

           Chateau Mercier

             das Beinhaus in der Stephanskirche in Leuk

Nach einer Nacht in Visp fahre ich am Dienstag mit dem Auto bis Stalden und steige dort auf das Rad um. Von Visp zu starten war mir zu gefährlich, denn die Straße ist unheimlich schmal und stark befahren. Ab Stalden geht es auf jeden Fall besser. Bis zum ersten Ziel, Zermatt, sind es 30 km mit 942 Höhenmetern. Ich mache keinen Druck, denn da steht heute einiges auf dem Zettel. Als Radler kann ich bis ins Zentrum der Touristenmetropole fahren, Autos müssen schon in Täsch parken. Zermatt hat seinen Charme, ist aber in der Saison total überlaufen. Einzige Fahrzeuge im Ort, neben Fahrrädern, sind eine Art elektrische Golfcarts. Ich stelle mein Rad ab und wechsle in die Wandersachen. Nach einigen Kilometern bergauf erreiche ich die Riffelalp und sehe zum ersten Mal das Matterhorn in seiner ganzen Pracht. Weiter zum Riffelhaus und der Kapelle vom Bruder Klaus geht es immer bergan. Die Landschaft wird karg und der Aufstieg verlangt meinem Körper viel ab. Bei 3.089 m Höhe ist das Ziel, der Gornergrat, erreicht. Bei dem schönen Wetter heute ist Aussicht auf das Monte Rosa Massiv, die 4.634 m hohe Dufourspitze, den Gornergletscher und das Matterhorn atemberaubend. Bergab nehme ich eine schönere Strecke mit tollen Panoramen und am Riffelsee mit dem Spiegelbild des markanten Gipfels. Über grüne Wiesen zurück nach Zermatt und mit dem Rad nach Stalden

Matterhorn und Bruder Klaus

Altstadt Brig

             Gornergrat

       *Monte Rosa Massiv

Nach dem gestrigen, sehr intensiven, Tag, heute nur leichtes Programm. Ich gehe Einkaufen und fahre weiter nach Brig. Dort ein wenig in der schönen Altstadt und um das sehr präsente Stockalperschloss bummeln. Donnerstag richte ich mich auf dem schönen Campingplatz Geschina ein. Bei sonnigem Wetter erklimme ich mit dem Rad den nahen Simplonpass. Der ist stark befahren, wenig sehenswert und schnell vergessen. Auch den Freitag verbringe ich in Brig auf dem Campingplatz, ruhe mich aus, wasche meine Sachen und radle zur Entspannung etwas durch das Tal der Rhone, hier in der Gegend Rotten genannt.

               Riffelsee

   Stockalperschloss in Brig

Samstag bei erneut tollem Wetter das nächste Highlight der Region. Schon früh klingelt der Wecker und bis 8 Uhr bin ich mit allem fertig und habe das Auto bereits in Mörel geparkt. Übrigens kam ich dabei durch die Kleinstädte Bitsch und Filet, wer gibt den solche Namen? Nach den letztens durchweg guten Erfahrungen auch heute eine Rad/Wandertour. Mit ersterem gleich rein in den steilen Berg. Bis zur Bettmeralp sind es 14 km und 1.222 Höhenmeter, das geht ordentlich in die Beine. An der Bergbahn das Rad abstellen und zu Fuß weiter. Am schönen Bettmersee vorbei erklimme ich das Bettmerhorn. Schon da erste Ausblicke auf den Aletschgletscher, den mit 23 km Länge (2013) größten der Alpen. Absolut beeindruckend. Weiter auf dem Bettmergrat,

Bettmeralp

             Bettmergrat

       Blick vom Eggishorn

 *Panorama Aletschgletscher

eine wilde Kletterei über Felsen, meist nah am Abgrund. Verlaufen unmöglich, alle fünf Meter sind blau/weiße Markierungen auf den Steinen angebracht. Am Ende des Grates steil runter und gleich darauf zum 2.926 m hohen Eggishorn rauf. Auf dem Gipfel viel Betrieb. Logisch, die Bergbahn bringt bei dem Wetter wahre Hundertschaften aus dem Tal herauf. Das mindert aber kein bisschen das atemberaubende Panorama über Gletscher und Berge. In Sichtweite das Matterhorn, aber auch Eiger, Mönch und Jungfrau. Einfach fantastisch. Weil noch Zeit ist laufe ich am Märjalen See vorbei direkt zum Gletscher. Was für eine imposante Eismasse. Da gibt es sogar eine natürliche Eishöhle und mit etwas Überwindung, mit all den Spalten und Hohlräumen ist es echt gefährlich, klettere ich ein paar hundert Meter auf die riesige Eiszunge. Zurück eine Abkürzung durch den Tälligrattunnel, 1 km lang. Kurz nach fünf bin ich wieder am Rad und kann nur eine Stunde später am günstigen Campingplatz Grengiols einchecken.

Aletschgletscher aus der Nähe

       natürliche Eishöhle

   mitten auf dem Gletscher

           Tälligrattunnel

Sonntag ist Schluss mit dem schönen Wetter und neben grauen Wolken ziehen auch einige Schauer durch. Ich habe heute nur wenig vor und fahre gemütlich weiter das Wallis herauf. In Geschinen eine längere Pause am See und abends nach Oberwald.

13. Woche vom 23. bis 29. August 2021
Montag sind es am Tag nur 15°C. Heftig, vor zwei Tagen war noch Hochsommer. Ich spaziere durch Oberwald, wo recht viele historische Häuser aus Holz stehen. Mittag aufs Rad steigen und zum Aufwärmen die Steigung nach Gletsch rauf. Dort teilt sich die Straße und man sieht bereits die Auffahrt zu den Pässen Grimsel und Furka. Ich bezwinge zuerst letzteren, was “nur” 9 km und 690 Höhenmeter sind. Vorbei geht es dabei an der Rhonequelle, dem Startpunkt des Flusses. Vom Gletscher selben Namens ist nur noch wenig übrig. Wo einst Eis war, liegt heute nackter Fels wie eine Wunde im sonst hartnäckigen Vegetationsteppich. 

historische Bauform der Häuser in Oberwald

Blick Richtung Rhone Gletscher

     die noch junge Rhone

Ich halte mich nur kurz auf dem Furkapass auf, rolle wieder hinunter nach Gletsch und nehme gleich den Grimselpass in Angriff. Auch der ist in weniger als einer halben Stunde bezwungen. Als Extra, kaum einer interessiert sich dafür, die Panoramastraße Oberaar. Die mautpflichtige Straße ist so schmal und unübersichtlich das Fahrzeuge pro halbe Stunde nur eine Richtung nutzen dürfen. Radfahrer können unter gegebener Vorsicht kostenlos und immer durch. Wunderschön zieht sich die Strecke hoch über dem Grimselsee bis hin zum Oberaarsee. Abends fahre ich mit dem Camper auf den Furka bis kurz vor der Passhöhe und parke dort am Steilhang mit Blick ins Tal und rüber zum Grimsel. Einen viel spektakuläreren Stellplatz kann man sich kaum vorstellen. 

Auffahrt zum Grimselpass

   Panoramastraße Oberaar

   Grimsel und Furka im Blick

       Parken mit Aussicht

Es war kalt und windig letzte Nacht, Dienstag früh liegt die Temperatur bei 3°C. Der erhoffte Sonnenaufgang wird von Wolken verdeckt, also rolle ich hinunter nach Andermatt und warte darauf das es wärmer wird. Gegen Mittag sind wir bei 15°C, warm genug für eine Radtour. Auf der alten Straße hinauf zum Gotthard Pass, eine der wichtigsten Nord-Süd Verbindungen über die Alpen seit dem Mittelalter. Inzwischen wurde für die Autobahn ein Tunnel gebaut und ein Teil der Strecke als Schnellstraße neu verlegt. Den richtigen Zauber erlebt man aber wenn man so wie ich über den Berg bis Airolo fährt, dort wendet und auf der Via Tremola den Pass erneut in Angriff nimmt. Der Name Tremola, zu deutsch: zittern, kommt vom Kopfsteinpflasterbelag. Mit dem Rennrad und den dünnen Reifen eine echte Herausforderung. Das Kernstück der Strasse ist mit 4 km Länge, 24 Kehren und 300 m Höhenunterschied das längste Strassenbau-Denkmal der Schweiz. Puh, das waren ganz schön viele Pässe mit dem Rad in den letzten zwei Tagen. Den folgenden Oberalppass nehme ich mit dem Auto, parke oben und wandere zum Tomasee, dem offiziellen Ursprung des Rhein. In dessen Wasser zu baden, das dann noch bis zur Nordsee fließt, hat etwas spirituelles.    

mit Stil über den Pass

   die alte Gotthard Straße

 Kopfsteinpflaster Via Tremola

             der Tomasee

Mittwoch bleibt es bei den eher kühlen Temperaturen, aber die Sonne zeigt sich meist am Himmel. Bei einem Halt in Disentis ein Besuch des Klosters. Die Benediktinerabtei wurde um das Jahr 700 gegründet, der imposante Bau ist aus dem 17. Jh. und vor allem im Inneren sehr eindrucksvoll. Gegen Mittag erreiche ich Flims und muss bald erkennen das dies eine Touristen Hochburg ist. So viele Menschen und im Verhältnis wenig Möglichkeiten das Auto abzustellen. Als das geschafft ist eine kurze Wanderung zum Caumasee. Der liegt wunderschön in einer Senke. Nach der Umrundung weiter zur Rheinschlucht, dem “Grand Canyon” der Schweiz. 13 km lang und 400 m tief sind ordentliche Zahlen. Von mehreren Aussichtspunkten hat man eine gute Sicht auf die Rheinschleife. Dann im Caumasee baden. Die schöne Seeseite ist leider komplett eingezäunt, Eintrittspreis: 19 CHF! Verrückt. Ich fahre dann später weiter nach Bonaduz, wo man etwas außerhalb mit dem Camper offiziell und kostenfrei übernachten darf

Kloster Disentis

           Klosterkirche

             Caumasee

           Rheinschlucht

Donnerstag ein Besuch der größten Stadt vom Kanton Graubünden: Chur. Die Altstadt ist hübsch, aber insgesamt nur wenige Fotos wert. Weiter war geplant über Davos ins Engadin zu fahren, doch eine Triathlonveranstaltung nebst Sperre für den Flüela Pass durchkreuzen das. Also für eine weitere Nacht nach Bonaduz und neu planen. Freitag scheint die Sonne, doch der Wind weht kühl. Ich stelle das Auto in der Nähe von Thusis ab und steige auf das Rad. Es folgt eine meiner schönsten Touren durch die Schweiz, immer entlang vom Hinterrhein bis hinauf zum San Bernardino Pass. Das sind 47 wunderschöne Kilometer durch Schluchten, kleine Dörfer, vorbei an Seen und dem immer präsenten Fluss. Teilweise führt die schmale Straße genau neben der Autobahn entlang, wo sich die Fahrzeuge eng an eng im Stau vorwärts quälen. Da bietet meine Strecke mehr Genuss. Der Pass ist dann windumtost, ein längerer Aufenthalt unangenehm. Also kehren und alles in umgekehrter Reihenfolge sehen und erleben.

San Bernardino Pass

       Stillleben am Fluss

   Schlucht vom Hinterrhein

   und immer wieder Wasser

Einige Sehenswürdigkeiten an der Strecke hatte ich schon im  September 2016 besucht. Die Viamala zum Beispiel, zu deutsch: schlechter Weg. Die tief eingegrabene Schlucht mussten schon die Römer überwinden um über die Alpen zu kommen. Heute ist sie mit ihrer rauen Schönheit ein Besuchermagnet. Nur 10 km weiter die Roflaschlucht, ebenso vom Hinterrhein geschaffen. Um sie begehbar zu machen hat ein Privatmann Anfang des 20. Jh. viel Arbeit und Geld investiert. Reich und berühmt ist er nicht geworden, aber seine Mühe ermöglicht uns die spektakuläre Schlucht bis zu ihrem Schluss an einem Wasserfall zu bewundern.

ich in der Viamala ‘16

 die Viamala in spektakulär ‘16

  Weg in die Roflaschlucht ’16

   das Ende der Schlucht ‘16

Da wir gerade am Abschwenken von 2021 sind: wenn man der Straße über den San Bernardino folgt kommt man in den Kanton Tessin. Zwei Mal war ich dort auf Kurzbesuch, beide Male im Verzascatal. Dieses wilde Tal mit steilen Hängen und Wasserfällen liegt in der Nähe von Locarno und endet am Dorf Sonogno. Der Stausee Lago di Vogorno gleich hinter Locarno hat mit 220 m Höhe die vierthöchste Staumauer der Schweiz. Bekannt wurde diese durch den James Biond Streifen Goldeneye. Vor Brione ein tolles Fotomotiv mit der Ponte dei Salti, die malerisch das türkisfarbene Wasser und die vielfarbigen Felsen, abgeschliffen vom Wasser, überspannt. Dorf auf Dorf folgt bis zum Ende der Straße in Sonogno. Dort stehen noch viele der alten Häuser und man kann da problemlos übernachten. Eine Tageswanderung führte mich in die wunderschönen Berge bis hinauf zum Lago Barone.

Ponte dei Salti, Okt.’14

     die Verzasca, Okt.’14

             Wanderung zum Lago Barone, August 2016

14. Woche vom 30. August bis 5. September 2021
Zurück zum Sommer 2021. Von Thusis kommend überquere ich den Julierpass und fahre in ein mir wohl bekanntes Hochtal, das Engadin. Ich habe hier oben auf 1.800 m Höhe zwei Sommer und insgesamt sieben Winter gelebt und gearbeitet. Da kommen einige Erlebnisse zusammen. In den nächsten Tagen besuche ich alte Freunde und Bekannte, übernachte bei denen oder auf dem Campingplatz in Madulain. Das Wetter ist ziemlich durchwachsen und bei sehr kaltem Wind regnet es manchmal. Nachts liegt die Temperatur trotz August bei nur 4°C. Tagsüber wird es nur angenehm wenn die Sonne rauskommt. Das macht nichts, denn es gilt sich um einiges zu kümmern. Innerhalb kurzer Zeit klärt sich eine Möglichkeit hier oben in den Bergen den nächsten Winter zu verbringen. Super, damit war nicht zu rechnen. Dazu macht die Planung für die nächsten Reiseziele in Südtirol Arbeit.

Kunst auf dem Julierpass

       das Dorf Silvaplana

     Kirche San Gian, Celerina

     Morteratschgletscher

Und das Engadin? Das, so kann man ohne Übertreibung sagen, ist besonders. Kleine Städte und Dörfer, die in der Hochsaison aus allen Nähten platzen. Glanz und Glamour vor allem in St. Moritz, obwohl mir diese Stadt hier in der Gegend am wenigsten gefällt. Das Wetter ist meist schön, laut Werbung gehört diese Ecke der Schweiz zu den sonnenreichsten des Landes. Dabei ist es egal ob wir über Sommer oder Winter reden. Allerdings sollte man hart im nehmen sein, denn selbst im Hochsommer sinken nachts die Temperaturen unter 10°C, im Winter locker bis -25°C. Schneesicher ist die Gegend, auch wenn da Klimawandel ist.

               Blick vom Fucola Surlej, Oktober 2010

             herbstliche Farben bei Maloja, Oktober 2019

Der Morteratsch Gletscher zum Beispiel gehört in Europa zu den am schnellsten schmelzenden. Ganz abgesehen davon kann man in den umliegenden Bergen das ganze Jahr lang seinen Spaß haben. Für mich war der Sommer zum (Renn) Rad fahren und Wandern da, der Winter zum Skilanglauf mit über 200 km präparierten Skatingloipen. Ganz speziell übrigens der Herbst. Wenige Touristen erleben es wenn die Lärchenwälder ihre Farbe wechseln, der Himmel in Blau und die ersten Gipfel in Weiß erstrahlen.

*Panorama Oberengadin,’22

auf dem Berninapass

         Val Roseg, Jan.’22

  oberhalb von Pontresina,’22

Meine Rundreise durch die Schweiz endet am 1. September ‘21 Das waren zehn wunderbare Wochen, auch wenn das Wetter längst nicht immer mitgespielt hat. Es war eine neue Erfahrung mal nicht im Land zu arbeiten und sich intensiv dem Reisen hin zu geben. Das vermittelt einen etwas anderen Blick auf dieses Land. Mittwoch überquere ich unter strahlend blauem Himmel den Berninapass und die Grenze zu Italien. Wer wissen will wie es dort weitergeht klickt bitte auf die nebenstehende Flagge oder geht über die Hauptseite auf eben dieses Land. Viel Spaß

ordentlich Neuschnee,Dez.’06

Fortsetzung folgt...
Es braucht glaube ich keine abschließenden Worte zu der Schweiz, denn die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß das es mich früher oder später wieder in dieses Land verschlägt.