Raus aus dem einen Abenteuer, und gleich hinein ins nächste...
...manchmal ist das eben so

Im Sommer 2018 besuche ich Skandinavien
und beginne Ende Mai in Dänemark.

Wer will, kann die Reise gern auf dieser Seite nachvollziehen.
Viel Spaß dabei

Übrigens: Ab Norwegen sind einige Bilder mit einem     *   gekennzeichnet. Das sind Panoramabilder die ihr  euch unbedingt in groß ansehen solltet.
 

Nach dem halben Jahr im Winter 2017/18 in Mittelamerika dachten viele das es nun wieder in die Schweiz gehen würde. Mein Bauchgefühl gab mir allerdings zu verstehen das es doch lieber Skandinavien sein sollte. Also hänge ich noch eine Reiserunde dran. Die Zeit in Crimmitschau verging wie so häufig rasend schnell und so richtig Muse sich für das bevorstehende Abenteuer vorzubereiten blieb nicht. Da war ich viel zu sehr mit Familie, Freunden und der Nachbereitung von Mexiko beschäftigt. Und so wusste ich abgesehen von einigen grundlegenden Dingen nur wo ich den ersten Halt einlegen wollte. Eigentlich nicht ganz meine Art, aber wird schon schief gehen ;-). Alle Sachen rein ins Auto - ja, der kleine Schwarze will bis zum Nordkap - und los!

1.Woche vom 20. bis 26. Mai 2018
Ich lege so etwas wie einen fliegenden Start hin. Nach einem kurzen Besuch bei der Familie in Hamburg sowie guten Freunden in Schleswig überquere ich am Sonntag unspektakulär die Grenze nach Dänemark. Mein erstes Ziel, Ribe, ist eine der ältesten Städte im Land, gegründet um 869. Ein schönes Zentrum, die kleinen Gassen und noch kleineren Häuschen sind die reinste Zierde. Mitten drin die Kathedrale, trotz mehrfacher Umbauten auch schon fast 900 Jahre alt. Die ist im Inneren beeindruckend schön und von ihrem Turm reicht der Blick weit ins Land. Bei dem im Moment tollen Wetter kann ich mir dann einen Zeltplatz suchen, Hostels verkneife ich mir bei Preisen ab 30 € die Nacht vorerst lieber. Pfingstmontag ein Ausflug auf die Insel Mandö. Die ist nur bei Ebbe über eine grobe Schotterstrasse zu erreichen, also lieber nicht die rechtzeitige Rückkehr verpassen...

Blick auf Ribe                  

         Ribe - Kathedrale   

   in den Gassen der Stadt

         Ebbe auf Mandö

Tags darauf das nächste Kapitel Dänemark. Esbjerg liegt auf dem Weg und präsentiert sich sehenswert. Selbst der sehr große Hafen verströmt einen durchaus historischen Charme, auch wenn im Hintergrund der 250m hohe Schornstein des Kraftwerks als höchster des Landes heraus sticht. Apropos Dimensionen: am nördlichen Rand der Stadt schauen vier übergroße Statuen raus aufs Meer - eines der Wahrzeichen von Esbjerg: Mennesket ved Havet, dänisch für: Mann trifft Meer. Sehr fotogen, vor allem bei blauem Himmel. Weiter geht es in nördlicher Richtung immer an der Westküste entlang bis Hvide Sande. Der Campingplatz dort ist nur durch eine Düne vom Meer getrennt, dessen Strand es locker in die Karibik Liga schaffen würde. Badefreuden? Wohl eher weniger, denn das Wasser hat keine 15°C. Dafür schafft es die Sonne auf überraschende 30°C. Am Nachmittag gelingt mir noch eine kleine Radtour durch die Dünenlandschaft. Da sind Ferienhäuser, kleine Siedlungen und vor allem der sehr weite und offene Horizont. Definitiv eine Gegend in der ich mich wohl fühle.

vor den Toren von Esbjerg

   Hvide Sande - der Strand

   Hvide Sande - die Gegend

       ein Strandurlauber ;-)

Am Mittwoch weiter nach Norden, genauer gesagt bis Lökken. Auch hier ein unglaublich toller Strand mit einem feinen weißen Sand. Dazu sind es von meinem Zelt bis zum Wasser keine 100m. Verblüffend sind die zahlreichen Bunker auf einem Teilstück des Strandes, Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg. Sie standen früher mal auf den Dünen, aber die Natur hat sie sich inzwischen geholt. Immerhin hat man so mehr Fotomotive und kann auf Entdeckungstour gehen. Das funktioniert auch mit dem Auto, obwohl mir schon ein wenig mulmig war mit meiner geringen Bodenfreiheit durch den Sand zu toben. Aber alles ging gut und irgendwann hatte ich wieder feste Strasse unter den Reifen. Am nächsten Tag fahre ich schon weiter. Das derzeit wirklich unglaublich tolle Wetter will ich nutzen und mehr von Dänemark sehen. Also nach Norden, wenn da auch nicht mehr viel Land übrig ist. Gleich außerhalb von Lökken ein Abstecher zum Leuchtturm Rubjerg Knude, dessen Umfeld zeitweise von einer Wanderdüne begraben wurde/begraben ist. Sehenswert, wie der Turm da zwischen den Bergen aus Sand noch herausragt. 

Strand in Lökken

         Krieg und Frieden

       Bunker am Strand

     Rubjerg Knude

Kurz nach dem Mittag komme ich in Hirtshals an und besuche das Nordsee Ozeanarium. Hauptattraktion und Kernstück ist ein gigantisches Aquarium, ganze vier Stockwerke hoch und mit einer 40cm dicken Plexiglasscheibe als Wandung. Gerade füttert ein Taucher, ausgerüstet mit Helmkamera und Mikrofon, die Raubfische per Hand, was live auf den Bildschirmen zu verfolgen ist. Prädikat: Super. Im Hintergrund schwimmt dabei ein riesiger Mondfisch durchs Bild. Es gibt noch mehr zu sehen, und auch die anderen Aquarien haben überdimensionale Abmessungen um ihren Bewohnern genug Raum zu geben. Später die Fütterung nebst Vorführung von Seehunden und Robben auf dem Außengelände. Das reicht dann für heute und ich mache Station in Skagen. Die Stadt war schon früher Treffpunkt für die Schönen und Reichen, das sieht man ihr auch an. Nicht mithalten kann da der Strand vor Ort. Zu schmal, zu steinig. Da wirken die längst aufgegebenen Bunker fehl am Platz. Freitag eine Runde mit dem Klapprad. Das Nordkap ist schnell erreicht, welches sich augenscheinlich auch hunderte von Touristen als Ziel auserkoren haben. Viel zu sehen gibt es nicht, eine flache Sandbank markiert das nördliche Ende Dänemarks sowie die Grenze zwischen Nord- und Ostsee, ohne das man das irgendwie sieht. Weiter radle ich knapp 20 km an Skagen vorbei zu einer der größten Wanderdünen Europas: Rabjerg Mile. Unaufhaltsam und mit 15m pro Jahr bewegt sie sich über das Land. Man diskutiert bereits was in 30 Jahren mit Skagens einziger Verbindung per Strasse und Schiene werden soll, denn die holt sich dann die Düne.

Ozeanarium in Hirtshals

       das ist ein Fisch!!!

         Radeln in Skagen

             Rabjerg Mile

Samstag die Kehrtwende nach Süden. Zuerst ein Halt in Säby, eine kleine und schmucke Stadt. Danach wird der Verkehr auf der Schnellstrasse immer dichter. Gewöhnungsbedürftig nach den leeren Strassen der letzten Tage. Nachmittag erreiche ich Aalborg und schaue mir Lindsholm Hoje an, ein uralter Wikingerfriedhof der lange von einer Wanderdüne bedeckt war und somit konserviert wurde. Die Gräber sind mit Steinen in einer Schiffsform gekennzeichnet, größere Steinen als Bug und Heck. Westlich von Arhus zwingt mich dann eine Strassensperrung über kleine Dörfer, wobei sich in einem davon gerade ein Morgan Company Club trifft. Diese Autos sind eine Show, vor allem wenn sie dann noch so geballt auftreten. Daumen hoch für diese Umleitung. :-) Mein Zelt schlage ich heute in Skanderborg auf.
2.Woche vom 27. Mai bis 2. Juni 2018
Nach einer Nacht in Skanderborg geht es am Sonntag hinein nach Arhus. Zum ersten Mal auf dieser Reise ein Tag mit Wolken und kühlem Wind. Passend dazu hat die Stadt für mich weder viel Charme noch viel zu sehen. Einzig das neu bebaute, und noch im Bau befindliche, Wohngebiet am alten Hafen beeindruckt mit einer recht einzigartigen und sehr modernen Architektur. 

Lindsholm Hoje

       Morgan über Morgan

     Arhus, am alten Hafen

       Kunstmuseum Arhus

Montag verlasse ich das “Festland” Dänemark, wobei der Brückenschlag auf die große Insel Fünen eher klein ist. Eine längere Pause in Odense, den Märchenfans bekannt als Geburts- und Schaffensort von H.C. Andersen. Die Stadt ist hübsch und macht einen entspannten Eindruck. Der Märchenschreiber begegnet einem auf Schritt und Tritt. Einige der sehr alten Fachwerkhäuser passen da nur all zu gut dazu. Die Nacht verbringe ich südlich von Nyborg auf einem äußerst ruhigen Zeltplatz direkt an der Ostsee. Da kann die Seele baumeln... Am nächsten Morgen ein technisches Highlight: die Überquerung des Großen Belt auf der Storebältsbroen. Erst 1998 wurde diese Brücke zur Insel Seeland eröffnet, eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Teilweise fährt man 70m über dem Wasser, die längste Spannweite zwischen zwei Pfeilern beträgt 1,5 km! Bis die Baukosten wieder eingespielt sind - was wohl ewig dauern wird - kostet die Benutzung mit Auto derzeit 35 €. Nicht günstig, aber die Fähre kostet wohl das gleiche. Auf Seeland gleich die erste Pause: Trelleborg. In frühen Wikingertagen stand da eine wichtige Burg, mit Erdwall, Palisaden und Gräben. Den Wall sieht man noch, darüber hinaus gibt es Nachbauten und ehemalige Grundrisse wurden mit Steinen wieder sichtbar gemacht. Gebaut hat es König Blauzahn, dem es gelang die unterschiedlichen Gruppen Dänemarks im 10. Jh. zu einen. Sein Name, in englisch Bluetooth, wird für die heutige Technik benutzt, eine Anspielung auf die Möglichkeit verschiedene Geräte und Techniken miteinander in Einklang bringt. Diese Skandinavier kommen auf Ideen...  

Odense und H.C. Andersen

       Gamle Kramerboden 

           Trelleborg, Langhaus der Wikinger, außen und innen

Auf Nebenstrassen erreiche ich dann die Insel Mön und tauche gleich ein in hiesige Glaubensfragen. Da sind zum einen 3.000 Jahre alte Grabhügel, die man sogar immer noch, oder wieder, im Entengang betreten kann. Zum anderen sind da Kirchen aus dem 13. Jh. bis 16. Jh. mit einer sehr eigenwilligen, fast cartoonhaften, Deckenbemalung. Eindrücklich. Den Hauptgrund meines Abstechers in den äußersten Südosten des Landes besuche ich am nächsten Tag: die Kreidefelsen Möns Klint. Wird manchen an Rügen erinnern, ist ja auch ähnlich, nur eben auf der anderen “Seite” des Wassers. Trotzdem sehr beeindruckend für mich, vor allem bei dem, immer noch, absolut herrlichen Wetter. Am Nachmittag zurück auf die Insel Seeland und der Zeltaufbau bei Köge. Donnerstag bleibt das Auto mal stehen. Das Zentrum von Köge liegt nah genug um es per Pedes zu erreichen. Wieder einmal sind da unter anderem alte Fachwerkhäuser, wobei das älteste von 1527 stammt. Klar das da kein Balken mehr gerade ist. Übrigens ist das nur 4x5m groß und hat mal einer ganzen Familie mit 10 Kindern einen Platz zum Leben gegeben. Freitag Vormittag noch das Schloss in Vallö anschauen, dann sind es nur 40km bis zu meinem letzten Ziel in diesem Land: Kopenhagen.

Kirchenmalerei auf Mön

                     Möns Klint, die Klippen von Mön

           Schloss Vallö

Ich fahre zu einem einfachen Campingplatz, Bellahoj, auf dem man für kleines Geld nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt sein Zelt aufschlagen kann. Ich bin schon Mittag dort und schiebe noch eine Stadtbesichtigung ein. Mit meinem Klapprad ist das problemlos möglich. Die Stadt gefällt mir von Beginn an. Trotz ihrer Größe kein Druck, kein Stress. Viele sind mit dem Rad unterwegs, es gibt genügend Radwege und die Autofahrer nehmen sehr viel Rücksicht, vor allem beim Abbiegen. In 30 Minuten  bin ich im alten Zentrum und drehe Runden im und um Nyhavn. Samstag Kopenhagen total. Mit dem Rad rein in die Stadt und da in einem Mix aus Laufen und Rad fahren von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Beginnend am Rathaus, dann Schloss Slotsholmen, die alte Börse, das Gebiet um Ströget mit den Flaniermeilen und Fußgängerzonen, Nyhavn mit alten Schiffen und passenden Häusern, Amalienburg, Botanischer Garten und Schloss Rosenborg. Weitere Höhepunkte: der Dom; Marmorkirken, dem St. Petersdom in Rom nachempfunden und verständlicherweise schon Schauplatz königlicher Vermählungen; die kleine Meerjungfrau, die wirklich klein ist und anscheinend immer von hunderten Touristen belagert wird, von denen jeder SEIN Foto mit dem Mädchen haben will. Am späten Nachmittag die östliche Seite des Hauptkanals, wo zwischen modernster Architektur und inmitten der Stadt häufig Badeplätze mit Bar und Musik zum verweilen einladen. Kopenhagen? Genial und sehenswert.   

DAS Wahrzeichen Kopenhagens

             Nyhavn

                 Dom

       Kopenhagen modern

3.Woche vom 3. bis 9. Juni 2018
Am Sonntag der Abschied von Kopenhagen und Dänemark. Land und Leute waren definitiv einen Besuch wert. Auf in Richtung Schweden, was seit 1995 direkt über, und unter, dem Ostseewasser des Öresund möglich ist. Von Kopenhagen aus durch einen 3 km langen Tunnel zur künstlichen Insel Peberholm und dann über die 8 km lange Brücke zur Bezahlstation auf schwedischer Seite. Aus 28 € (2005) für die Nutzung wurden inzwischen 59 €. Kein Schnäppchen, aber die Fährpreise, wie in Helsingborg, sind ähnlich. Ich fahre gleich hinein nach Malmö. Um es kurz zu machen: die reinste Enttäuschung. Eine Touristeninformation? Fehlanzeige. Weder die an der Autobahn noch in der Stadt existieren. Trotz, oder gerade wegen, Sonntag ist das Zentrum wie ausgestorben. Und selbst die Leute hier sind irgendwie... na ja! Gerade nach Kopenhagen ein herber Rückschritt. Also weiter. Bei Malmö keine preiswerten Unterkünfte, selbst Camping kostet 25 €. Wild zelten: schwierig. Keine Parkplatz, und ist da mal eine kleine Seitenstrasse, führt sie direkt zu einem Gehöft. Viele Grundstücke, wie auch der Wald, sind eingezäunt. Aber ich habe ein feines Näschen und stoße am Rand von Trelleborg auf ein kultiviertes Waldstück mit Parkplatz und WC. Perfekt zum zelten. Montag als erstes ein Besuch der restaurierten Wikingerburg in Trelleborg. Interessant, allerdings wurde nur ein Viertel des Walles auf einem Grundstück mitten in der Stadt wieder hergerichtet. Dann an der Südküste entlang. Ein Halt in Smygehuk, der südlichste Punkt Schwedens. Eine Pause in Ystad, Fans von Wallander Krimis nur all zu gut bekannt.Hübsche Stadt. 20 km östlich das “Stonehenge” von Schweden: Ales Stenar. Auf dem Plateau oberhalb des Meeres, windumtost, stehen Steinblöcke in Form eines 67m langen und 19m breiten Schiffes. Geschätzt 1.700 Jahre alt, sind die 59 Monolithen nach den Sonnenwenden des Jahres ausgerichtet, ebenso nach den Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst. Stark. Weil mir die Schnellstrasse an der Küste zu monoton ist, biege ich ins Landesinnere ab. Das ist besser! Kleine Orte, einsame Strassen und einiges zu sehen

 Ystad      

           Ales Stenar 

 Turning Torso in Malmö, ein 190m hohes Wohnhaus

  im schwedischen Hinterland

Nach einer Nacht auf dem schönen Campingplatz von Kivik fahre ich weiter an der Küste entlang. Die Strecke langweilt. Doch außer der Schnellstrasse sind da nur gesperrte oder Schotterstrassen. Also im Eilzugtempo vorbei an Wald und See. Nach dem Mittag in Karlskrona, einer Großstadt mit viel Marine und Militär. Auch die eher enttäuschend. Kein Flair, kein Charme und wenig zu sehen. Also weiter. Mehr zufällig stoße ich auf den Rastplatz Bröms, ungefähr 50km südlich von Kalmar. Super ausgestattet und kaum in Nutzung. Dazu führen Pfade zum Friedensstein von 1645, zur alten Mühle und der ehemaligen Burg Brömsehus. Dahinter geht es weiter zu den Buchten und kleinen Inseln der Ostsee, wahre schwedische Idylle. Das gefällt und ich kann da ungestört im Wald campen. Mittwoch nach Kalmar. Das Schloss, eher eine Burg, ist eingerichtet wie im 13. bis 15.Jh. Super! Ich kann sogar auf dem Thron Probe sitzen. Die Räume machen viel her und die Schlosskirche ist eine der begehrtesten in ganz Schweden wenn es um Vermählungen geht. Auch der nahe Stadtkern von Kalmar kann sich sehen lassen. Recht überraschend: trotz 6. Juni, also schwedischem Nationalfeiertag, feiert niemand großartig. Am Nachmittag der lange Weg nach Eksjö, mehr im Landesinneren. Die Stadt schaue ich mir tags darauf an. Im alten Kern dominieren schöne Holzhäuser aus dem 18.Jh. Gegen Mittag zur nahen Schlucht Surugata. Geologisch selbst von Spezialisten schwer erklärbar, existiert eine teils nur 7m breite Schlucht, deren Seitenwände sich vertikal bis zu 35m erheben. Am Grund herrscht ein deutlich kühleres und feuchteres Klima. Sehr interessant. Ich komme heute bis Schloss Brokind, mitten in der Pampa. Wieder zufällig per maps.me drauf gestoßen. Am Schloss die Schleuse für den Kinda Kanal, dahinter ein Naturreservat, in dem man sogar campen kann. Ist ein Stück zu laufen, dafür zelte ich an einem herrlichen See mitten im nirgendwo.      

Idylle bei Bröms

           Schloss Kalmar 

         zur Audienz bitte

                 Eksjö

Der Freitag ist komisch, das spüre ich schon beim Aufstehen. Zuerst 30km nach Linköping. Dort wartet die nachgebaute Gamle (Alte) Stadt als Freiluftmuseum mit seinen meist roten Holzhäusern. Ganz nett. Eigentlich wollte ich auch ins Stadtzentrum, aber Parken dort ist selbst nach viel Suchen rar und teuer. Also lieber 15km weiter nach Berg mit dem alten Vreta Kloster und der Mündung des Göta Kanals in den See. Die Höhendifferenz von 25m überwindet eine Schleusentreppe. Technisch super und auch sehenswert, obwohl der kleine Ort äußerst touristisch wirkt. Danach beginnt eine Odyssee zwecks Übernachtung. Die Zeltplätze voll, teuer oder kein Preis-/Leistungsverhältnis. Die Hostels in Schweden haben nur selten gemeinsam genutzte Schlafräume, sehr backpackerunfreundlich. Als ich nach fünf Versuchen entnervt aufs wild zelten umschwenken will, fehlt mir  noch Trinkwasser. Drei (!) Supermärkte haben keins mehr, und der Tag nervt nur noch. Inzwischen bin ich in Norrköping, und schaue mir im Eiltempo das seit Jahren umgenutzte industrielle Viertel mitten in der Stadt an. Das hat was, vor allem der sehr breite künstliche Wasserfall. Geschlafen wird  heute schließlich im Auto, 20km außerhalb auf einem kleinen Parkplatz neben einem See. In dem habe ich am Samstag ein erfrischendes Morgenbad. Neuer Tag - neues Glück. Ganz entspannt die fehlenden Kilometer bis Stockholm zum Campingplatz Bredäng, 10km außerhalb und somit mautfrei erreichbar. Super ausgestattet machen sie hier sogar günstige Preise für Einzelreisende, sonst wird im Land meist der volle Preis angezogen, der für ein Zelt inklusive drei Leute gilt. Bei super Wetter eine Maschine Wäsche waschen und den Rest des Nachmittags am nahen Badestrand liegen.

           kleine Monster       

 Surugata, bei Eksjö

     Schleusentreppe Berg     

Norrköping

4.Woche vom 10. bis 16. Juni 2018
Sonntag mit dem Klapprad hinein nach Stockholm. Vor allem die Insel mit der Altstadt, Gamle Stan, sollte sehenswert sein. Ist sie auch, wenngleich ich ein wenig Flair, Charme und Leichtigkeit vermisse. Alles wirkt eher nordisch streng und ernst. Das gilt für die Architektur und auch für die Menschen. Die hübschen Schwedinnen übrigens, scheinen zum Großteil inzwischen nach Dänemark ausgewandert zu sein ;-). Dafür sieht man sehr viele Migranten und Pfandjäger, die im Müll nach PET-Flaschen und Aludosen wühlen. Zu den schönen Dingen: jede Menge Museen, auch wenn ich nach dem fünften genug von Ausstellungen habe. Hängen bleiben vor allem die Eindrücke der königlichen Kutschensammlung und das Hallwyl Museum mit einem praktisch komplett eingerichteten Haus aus dem 18./19.Jh, vollgestopft mit Sammlerstücken und Möbeln einer vermögenden Familie. Mehr Prunk in der Kirche des Stockholmer Schlosses und für Klaustrophoben die engen Gassen der Altstadt, allen voran die teils nur einen Meter breite Marten Trotzigs Gränd. Nach all dem ist es erst mal gut und ich schiebe einen gemütlichen Ruhetag ein. 

Schlosskirche Stockholm

     der Könige Kutschen 

           Hallwyl Museum

 die schmalste in Stockholm: Marten Trotzigs Grand

Dienstag verlasse ich Stockholm und wende mich nach Westen. Unterwegs halte ich in Eskilstuna, eine überraschend schöne Stadt voller Studenten und Leben. Nördlich davon die Felsritzung Sigurdsristningen, wohl eine Vorlage zur Sage von Siegfried dem Drachentöter. Alt ist sie, und im Fels kaum noch zu sehen. Alt ist ebenso das kleine Dorf Torshälla, gleich um die Ecke. Sehenswert, auch wegen der vielen Skulpturen überall. Im Museum wäre mehr davon zu sehen, doch das hat heute leider zu. Gezeltet wird heute an einem kleinen See in der Nähe von Glanshammar. Am nächsten Tag ist es nicht weit bis Örebro. Das Schloss mitten in der Stadt kommt wuchtig daher, genau wie die St. Nikolai Kirche. Als Gegenstück dazu der schöne Stadtpark mit dem alten Dorf Wadköping. In Zentralschweden verfügt wohl jede größere Stadt über ein derartiges Freiluftmuseum. Am Nachmittag südlich von Kristinehamn zum großen See Vänern. Der zeigt sich ruhig und spiegelglatt. Perfekt zum zelten und baden. Donnerstag Morgen ein anderes Bild. Starker Wind peitscht das Wasser auf und ein trüber Tag kündigt sich an, wohl der ERSTE seit VIER Wochen. Das ist für Skandinavien ungewöhnlich, aber dieses Wetterglück nehme ich gern an. Ein Halt in Karlstadt. Nicht besonders, wenn man vom Svampen absieht, ein pilzförmigen Wasserturm der mit seinen 60m Höhe gleichzeitig als Aussichtsturm genutzt wird. Danach kommen und gehen Regenschauer, und die Landschaft wird langsam hügeliger. Arvika ist meine letzte Station für heute, eine hübsche Kleinstadt fern der Touristenroute. Freitag ist es nur ein kurzes Stück bis zur Grenze Norwegens. Das Wetter wieder schön und die Landschaft immer sehenswerter. Bereits am Mittag treffe ich in Oslo ein.

Stockholm -  Tre Kroners

               Eskilstuna

               Torshälla

 der Svampen in Karlstadt

Auch wenn ich es schon ahnte, so schocken die Preise in Norwegen erst einmal. Bereits die unvermeidliche Einfahrt nach Oslo schlägt mit 49 NOK (für den € gibt es etwas mehr als 9 Kronen, also 5,50 €) zu Buche und die Tankstelle verlangt 1,85 € für den Liter Super. Meine Unterkunft ist das Hostel Vandrerhjem Haraldsheim, ungefähr 5km außerhalb. Zum ersten Mal auf dieser Reise schlafe ich in einem Haus. Weil vom Tag noch genug übrig ist ein Spaziergang in die Stadt um Informationen zu sammeln. Oslo zeigt sich dabei leider wenig sehenswert. Ohne richtiges Zentrum, die Flaniermeile eine normale Einkaufsstraße und viele, viele Baustellen, vor allem am und um den Hafen. In der Touristeninformation und dem DNT-Laden (norwegischer Wanderverein, verantwortlich für die vielen Berghütten) erhalte ich unzählige Fakten, meist unerfreulich: Mautgebühren für Städte, Strassen und Tunnel, die Preise für Fährverbindungen und selbst die Übernachtung in den einfachsten Hütten irgendwo in der Bergwelt scheinen mein Budget zu sprengen. Ein abschließender Besuch im Supermarkt rundet dieses Bild ab: Äpfel oder Tomaten 4€/kg, kleiner Käse 8€, Brot 5€ usw. Von Fleisch, Wurst und Alkohol ganz zu schweigen. Samstag: neuer Tag, neues Glück. Trotz der “günstigen” Übernachtung (31€) ist ein sehr gutes Frühstücksbüffet inklusive. Dazu feiert das Haus heute den 65. Geburtstag und alle sind zum Grillen eingeladen. Bei schönem Wetter gebe ich der Stadt noch eine Chance und finde Oslo auf den zweiten Blick doch schön. Vor allem die Neue Oper, architektonisch einem ins Meer driftenden Eisberg nachempfunden, punktet. Auch innen macht sie viel her, das Foyer ist der Hammer und die Toiletten, genauer gesagt das Pissoir, sind äußerst ungewöhnlich. Selbiges kann man vom etwas entfernten Vigeland Park sagen. Ein ganzer Park samt Skulpturen geplant und ausgeführt von nur einem Künstler, was weltweit Seltenheitswert hat. Der Ausdruck zwar recht völkisch (neoklassizistisch), aber sehenswert.  

das Oslo aus alten Tagen...

     ...und das Oslo heute

           die Neue Oper

     Vigelandpark

5.Woche vom 17. bis 23. Juni 2018
Am Sonntag von Oslo aus in Richtung Westen. Die Strassen sind recht leer, was nach dem Wechsel auf die E134 bei Drammen noch mehr auffällt. Hinter Notodden ein Halt an der Stabkirche Heddal. Ein tolles Fotomotiv, gebaut im 13. Jh. Weiter geht es langsam hinein in die norwegische Berglandschaft. DAS ist genau nach meinem Geschmack. Der See Tinnsjo erinnert bereits an einen Fjord und kurz darauf erreiche ich in einem engen Tal Rjukan, eine Anfang des 20. Jh. aus dem Boden gestampfte Stadt. Mit aufkommender Nutzung der Wasserkraft am Reißbrett geplant bot sie genug Arbeit im Niemandsland. Einzig die Winter sind sehr verdrießlich. Weil das Tal genau von Ost nach West verläuft fällte kein Sonnenstrahl auf den Talboden. Abhilfe schaffen drei große Spiegel hoch oben am Berg, die das Sonnenlicht auf den Marktplatz reflektieren. Am Abend laufe ich noch rauf nach Gvepseborg. Tags darauf graue Wolken und Schauer. Einige Spaziergänge durch und um die Stadt herum, mehr passiert nicht. Dienstag bin ich schon früh auf den Beinen, fahre mit dem Auto nach Svineroe und erklimme den 1.882 m hohen Gaustatoppen. Der Ausblick vom Gipfel überwältigend, bei klarer Sicht sieht man ein Sechstel von Norwegen. Leider ziehen viele Wolken durch und der stürmische Wind mit Orkanböen lässt die gefühlte Temperatur klar unter 0°C sinken, also bald wieder runter. Der Sturm bleibt mir auf der Weiterfahrt erhalten. Eine tolle Landschaft zieht vorüber, doch ab Haukeli nur noch niedrige Wolken, Regen und ab 1.000m Höhe einige Schneefelder. Mein Ziel: Odda, an einem Fjord gelegen. Bei dem schlechten Wetter übernachte ich lieber im Auto. Das Wetter bleibt vorerst so. Auch wenn die Vorhersage nur langsame Besserung verspricht greift eine Idee die ich bereits seit Oslo entwickle. Aus Abenteuerlust und Spargründen packe ich den großen Rucksack mit allem Nötigen, was auch das Zelt samt “Küche” beinhaltet, lasse mein Auto in Odda und stelle mich am Donnerstag als Anhalter an die Strasse.   

Stabkirche Heddal   

       norwegische Idylle

         in Odda   

     Blick vom Gaustatoppen

Schnell sind die ersten Kilometer bis Tyssedal und später Kinsarvik geschafft. Danach wird es zäh und ich stehe geschlagene zweieinhalb Stunden an einer kalten und zugigen Ecke. Doch Geduld zahlt sich aus. Zuerst bringen mich zwei junge Polinnen bis Voss(evangen), wo ich am letzten Kreisverkehr gerade den Rucksack abstelle, als auch schon ein Mercedes SUV anhält. Die Fahrerin nebst zutraulichem Dobermann nehmen mich die ganzen 100km bis Bergen mit. Obwohl sie 15km auswärts lebt, macht sie mit mir trotz Mautkosten noch eine kleine Stadtrundfahrt und setzt mich praktisch vor der Tür des Hostels ab. Vielen Dank! Meine Wahl: der Stadtteil Montana. Etwas außerhalb, aber mit unschlagbarem Blick auf Bergen. Ums Ecke liegt der Hausberg, der Ulriken. Den besteige ich am Abend gleich noch für einen ersten Überblick. Freitag ein Stadtbummel. Vor allem um den alten Hafen herum ist das Zentrum sehenswert, vor allem wenn, wie derzeit, gleich drei große Segler vor Anker liegen. Da passen die alten Handelshäuser perfekt dazu. Gleich daneben der Fischmarkt, inzwischen zur Touristenfalle verkommen. Eckdaten: Kleines Fischfilet mit Kartoffelsalat: 32 €, das Kilo Hummer zu 150 €. Ab 1,80 € die öffentliche Toilette, meist nur mit Kreditkarte zu öffnen bzw. zu bezahlen. Noch zu erwähnen: die tolle (Johannes) Kirche und wenn man freundlich fragt bekommt man im  Clariott Hotel eine elektronische Zimmerkarte um auf den Turm des Hauses zu gelangen. Von da der wunderbare Blick auf den Hafen. Der Samstag recht trüb und regnerisch, da kann ich den ganzen Tag mittels Internet recherchieren und voraus planen.

der Latefossen bei Odda

     *Bergen - ein Überblick

         Bergen am Hafen... 

   ...die alten Handelshäuser

6.Woche vom 24. bis 30. Juni 2018
Am Sonntag weiter nach Stavanger. Ein Mitarbeiter vom Hostel hat mir zu einem idealen Anhalterplatz am Stadtrand geschickt, den ich mit Bus und Straßenbahn erreiche. Das Wetter trüb, aber trocken. Nach zehn Minuten hält ein junger Norweger. Der kommt von einer Hochzeitsfeier und will - nach Stavanger. Lucky Lutz. Wir verstehen uns ausgezeichnet, was die 200km lange Reise inklusive zwei Fährverbindungen sehr angenehm macht. 15 Uhr setzt er mich am Hostel ab. Die Zeit reicht noch für einen Stadtbummel. Die ist unaufgeregter als Bergen, aber auch weniger touristisch. Im alten Quartier nur weiße Holzhäusern und am Hafen das futuristische Ölmuseum. Montag früh schnell zum “Sverd i fjell”, drei riesige Schwerter im Fels, eine Erinnerung an die Norwegen einigende Schlacht von 872. Danach mit Sack und Pack wieder an die Strasse. Es sind 40 km bis zur Fähre in Lauvvik, was ich in zwei Stunden mit zwei Autos schaffe. Eines davon ein Tesla. Super mal in so einem Hightech Wagen zu sitzen. Schnurrt leise wie ein Kätzchen, geht ab wie ein Tiger. Der Blick dann von der Fähre rein in den Lysefjord ist eher ernüchternd: graue, tief hängende Wolken, dabei sollte es doch schön werden. Von Oanes das Stück bis zum Campingplatz trampen und dort das Zelt aufbauen. Nachmittags kommt die Sonne raus und ich steige die 7 km zum Felsen Preikestolen hinauf. Super timing, denn mir kommen viele Leute entgegen. Das lässt hoffen das einer der meist besuchten Plätze im Land  nicht total überfüllt ist. Super, bei meiner Ankunft sind da keine 30 Leute. Der Felsen? SPEKTAKULÄR! 600 m über dem Fjord, mit einer sehr ebenen Fläche und zu drei Seiten senkrecht abfallend. Ich finde einen Pfad weiter rauf, ein Tipp von Schweizern im Stadtbus von Bergen, und kann dieses geologische Drama super mit der Kamera einfangen. 

Stavanger - Altstadt

   Stavanger - Sverd i fjell

       auf dem Preikestolen 

         der Preikestolen

Am Dienstag klingelt der Wecker 4 Uhr. Schnell packen und einen Kilometer zur Strasse laufen. Es klappt mit dem Trampen auf Anhieb und ich bin schon 5.15 Uhr in Forsand. Statt der 9 Uhr Touristenfähre (340 NOK - 38 €), die außerdem ewig braucht, nehme ich für 120 NOK die Expressfähre um 6 Uhr. So bin ich bereits zur Frühstückszeit in Lysebotn, am Ende des Lysefjord. Der graue Himmel reißt bald auf und ich starte zum Kjeragbolten. Vom Parkplatz in Oygardsstolen sind es nur 7km, aber es geht 700m bergan auf häufig nacktem Fels. Der ist im Trockenen wenigstens griffig. Der Ausblick auf den Fjord wie auch die weite Umgebung ist traumhaft, die Landschaft mit runden Felsen ohne Bäume einfach nur schön. Dann der Kjeragbolten: ein kleiner Fels, der 1.000m über dem Fjord in einer Spalte klemmt. Kein Seil, Geländer oder Haltegriff. Es braucht einen großen Schritt und eine gehörige Portion Mut sich da drauf zu stellen! Mittwoch erneut zeitig Aufstehen und mit der Expressfähre zurück nach Forsand. Vielleicht lag es am frühen Morgen oder es war einfach nur Glück, aber die “Schaffnerin” nimmt mich kostenlos mit. Das Glück bleibt mir an der Strasse treu. Erst sind es nur kürzere Strecken, eine davon mit einem sehr lebensfroher Mann, der GENAU 30 Jahre älter ist als ich. Nach der Fähre in Hjelmeland dann ein Ärztepaar aus Dänemark/Kanada, die sich bei einem Hilfseinsatz in Bangladesch kennengelernt haben. Das gab Gesprächsstoff für Stunden, denn sie nehmen mich die fehlenden 150 km bis Odda mit. Dort parkt seit einer Woche mein Auto. Es klingt komisch, aber mir ist ein wenig wie nach Hause kommen. Das Abenteuer Anhalter war eine tolle Idee, hat super geklappt und mir Benzin, Maut, Park- und Fährkosten von 250 € erspart.

Blick über Lysebotn 

   der Weg zum Kjeragbolten

     mein Foto des Jahres

     Lyse (Leiser) Fjord

Per Anhalter bin ich auch am Donnerstag unterwegs, diesmal mit Tagesrucksack. Von Odda bis Skjeggedal, dem Startpunkt zu einer tollen Wanderung, sind es 20 km, wofür ich mit Wartezeit keine Stunde brauche. Das Parken dort kostet 500 NOK (55 €). Verrückt! Wer sich die nächsten 400 Höhenmeter ersparen will zahlt in Magelitopp sogar 600 NOK! Ich laufe die fälligen 14 km vom unteren Parkplatz. Der Weg bietet schöne Blicke auf den Stausee Ringedalsvatnet, ist aber weniger aufregend die letzten Tage. Das Ziel, Trolltunga (Trollszunge), ist eine 10 m lange, spitz zulaufende Felsnase 700 m über dem See. Spektakulär, aber viel zu überlaufen. Für das Foto muss ich eine halbe Stunde anstehen, wobei der böig stürmische Wind auskühlt und den Gang bis ganz nach vorn wirklich gefährlich macht. Insgesamt nur eine mittlere Note für dieses Highlight. Auch zurück nach Odda klappt das Trampen hervorragend. Es bleibt genug Zeit bis Kinsarvik zu fahren und dort einen Platz zum Zelten zu finden. Am Freitag bei genialem Wetter der nächste Ausflug in die Berge. Von Kinsarvik aus folge ich flussaufwärts dem Kinso, wo die Wasserfälle Tveita-, Nyastol-, Nykkjesoy- und Sotefossen brüllend und lärmend beeindrucken. Am Sotefossen zeigt die Uhr gerade mal 12, zu früh für eine Umkehr. Also auf einem alpinen Pfad, sprich steil, unwegsam und teils gefährlich, hoch auf das Felsplateau Hardangervidda, die größte Hochebene Europas und um die 1300 m hoch. In den nächsten sechs Stunden begegne ich keiner Menschenseele und laufe querfeldein durch eine bemerkenswerte Landschaft. Kilometer und Höhenmeter summieren sich, aber das lohnt. Am Abend noch ein sehr erfrischendes Bad im Fjord, denn wer wild zeltet hat keine Dusche zur Verfügung

Trolltunga und Ringedalsvatnet

       Trolltunga und ich

         der Tveitafossen 

         der Nyastolfossen

Wetterbericht Samstag: blauer Himmel, Sonnenschein. Morgens noch einige Besorgungen in Kinsarvik, dann weiter. Ich helfe einem Anhalter aus Russland 40 km weiter, weis ja wie es ist an der Strasse zu stehen. In Eidfjord die Touristeninformation besuchen, wo ich zufällig sogar ein Buch von mir verkaufen kann. Die Damen dort geben mir nützliche Tipps. Einer davon führt mich zum Bauernhof Kjaesen. Der liegt 600 m über dem Fjord und ist erst seit den 80ger Jahren über eine schmale Strasse zu erreichen. Bis dahin war Jahrhunderte lang ein absurd steiler Pfad, der teils gefährlich nah am Abgrund entlangführt, die einzige Verbindung zur Außenwelt. Kinder gingen auf diesem Weg zur Schule und alles Baumaterial musste da rauf geschleppt werden. Immerhin eine sehr exklusive Lage, die mehr Sonne, eine bessere Ernte und mehr Jagdmöglichkeiten als im Tal versprach.

*Hardangervidda

         Hardangervidda 

   der Start zur Kjaesenfarm

 Blick von Kjaesen auf Eidfjord

Am Nachmittag bin ich zurück von der Schweiß treibenden Tour und halte an einem Badeplatz am Fjord. Den hatte ich schon auf der Herfahrt gesehen. Norweger liegen in ihrer Freizeit gern am “Strand”, aber nur die wenigsten gehen ins Wasser. Bei 15°C Wassertemperatur verständlich. Nach dem SEHR erfrischenden Bad weiter auf der Strasse 7 nach Osten. Die Tunnel bei

Mabo führen ordentlich bergan und teils 360° im Kreis. Gleich dahinter parken und in den engen Canyon absteigen. Am Ende des Tales stürzt der Voringfossen aus 183m Höhe herunter. Ein imposanter Wasserfall mit zwei Regenbögen. Nur ein paar Kilometer weiter der Stausee Sysenvatn mit dem Gletscher Hardanger im Hintergrund. Danach führt die Strasse praktisch am Rand der Hardangervidda entlang, was tolle Eindrücke von der Hochebene vermittelt. Bei Geilo biege ich auf die 50 ab, eine kleine Verbindungsstrasse nach Nordwesten. Noch weniger Verkehr und tolle Landschaften. An einem Wasserfall mein Essen kochen und später am Strandavatn mein Zelt aufschlagen. Das nenne ich die totale Freiheit. Losfahren wann immer man will, sich treiben lassen und anhalten wo immer es einem gefällt. Pläne sind nur grob, es zählt der Eindruck vor Ort

der Voringfossen

7.Woche vom 1. bis 7. Juli 2018
Sonntag weckt mich Glockengebimmel, eine kleine Schafherde grast direkt vor meinem Zelt. Die Sonne steht bereits recht hoch (Sonnenaufgang 3.20 Uhr) und es scheint erneut ein herrlicher Tag zu werden. Nach dem Frühstück am See eine Wanderung zum Einsetnuten, entdeckt auf einer örtlichen Karte. Norwegen sorgt in fast jeder Kommune dafür das man als Reisender gut informiert ist, vielen Dank. Der Berg ist mit 1245 m nicht besonders hoch, bietet aber einen unschlagbaren Blick auf Gletscher, Berge und Seen ringsum. Was für eine friedliche Ruhe hier oben, einfach traumhaft. Nur schwer zu beschreiben, dafür um so intensiver zu erleben. Norwegen wird immer mehr zu (m)einem Paradies, “spielt” in einer Liga mit Neuseeland, den kanadischen Rockies, Teile der Anden und dem Himalaya. Mit diesem beschwingten Gefühl weiter durch den Tag. Die 50 ist nach wie vor sehenswert, und bei dem geringen Verkehr kann man auch mal direkt auf der Strasse für ein Foto halten. Vor Aurland die steile Abfahrt auf einer schmalen Strasse mit engen Tunneln in denen es sogar Haarnadelkurven gibt. Große Wohnmobile haben da wohl ihre Probleme. Pause in Flam. Oh je, was für ein Kulturschock. Kreuzfahrtschiffe, Fjordrundfahrten, Fähren, ein wichtiger Zugbahnhof, dazu viele Busse und Wohnmobile. Das ist nach der Stille der letzten Tage zu viel für mich. Schnell weiter. In Gudvangen ist es nur etwas besser. Das kleine Dorf scheinbar ein einziger Souvenirladen. Meiner “Nase” folgend nehme ich die kleine Strasse in den Naeroyfjord hinein. Gleich nach einem sehr engen Tunnel kehrt die Ruhe zurück. Für Busse, Wohnmobile und selbst Wohnanhänger ist die Strecke praktisch unpassierbar und endet in Bakka ohne großen Parkplatz oder Wendeschleife. Mein Ziel, der kleine Campingplatz Dyrdal, ist mehr ein Bauernhof mit toller Lage. Kleine Rasenterrassen unterschiedlicher Höhe bieten Platz zum zelten direkt am Fjord. Genialer geht es nicht, exklusiver wohl kaum. Jede Stunde kommt eine Fähre vorbei, ansonsten herrscht Stille. Am nächsten Morgen mit den Wanderschuhen los. Bei den engen und teils senkrechten Fjorden muss es steil bergan gehen. Der Rimstigen ist ein bekannter Weg hier. Auf 750 m Höhe hat man einen schönen Blick über Teile des Naeroyfjord, aber das reicht mir nicht. Ich folge dem Pfad durch ein hängendes Tal, steige neben einem Wasserfall steil bergan, umrunde einen Bergsee, kreuze Schneefelder und folge meinem Instinkt bis auf einem schmalen Grat. Was für ein Blick in den Naeroyfjord. Der Tag klingt später auf “meiner” Terrasse aus. Gut essen, lesen und mit Blick auf den friedlichen Fjord träumen.

Blick vom Einsetnuten

auf dem Rimstigen Weg

   sieht kälter aus als es ist

   *Naeroy (schmaler) Fjord

Am Dienstag zunächst zurück nach Flam und Aurland. Dort führt eine schmale Strasse hinauf zum Aussichtspunkt Stegastein, wo eine Art Balkon tolle Ausblicke auf den Aurlandfjord und Sognefjord bietet. Noch grandioser wird es einige hundert Meter höher vom Gipfel des 1365 m hohen Prest, wo einem die Landschaft praktisch zu Füßen liegt. Ich könnte weiter auf der 243 nach Laerdal fahren, aber da liegt noch eine Sehenswürdigkeit tief unter mir. Zwischen Aurland und Laerdal führt die E16 durch den mit 24,5 km längsten Straßentunnel der Welt, und das ohne Mautgebühr. Alle 6 km kann man in einer großen Halle halten und sogar wenden. Die Hallen sind speziell beleuchtet und Gletscherhöhlen nachempfunden. Also wenn unterirdisch, dann wie im Laerdaltunnel. Kurz dahinter setze ich mit der Fähre nach Mannheller über und schlafe südlich von Gaupne. Abendessen und Frühstück auf einem Picknickplatz mit schönem Blick auf den Fjord. Mittwoch neben einem türkisfarbenen Schmelzwasserfluss das sehenswerte Jostedal hinauf fahren. Hinter Gjerde am Gletscherzentrum parken und zum Nigardsbreen laufen, der ein Teil des größten europäischen Festlandsgletschers Jostedalsbreen ist. Schon von weitem sieht man wie er zu Tale kriecht und an seiner Zunge bricht das Eis in allen Formen und Farben. Cool, im wahrsten Sinne des Wortes. Abends eine Pause in Skjolden, am Ende des 204 km langen Sognefjords. In dem baden und danach ein Stück hinauf in die Berge. Mein Zelt schlage ich in der Nähe vom schön gelegenen Turtagro Hotel auf, eine Ansammlung von Gebäuden an der Grenze zum Jotunheimen Nationalpark.

* Aurlandfjord, vom Prest aus

   Laerdaltunnel   

   der Nigardsbreen von fern...   ...und nah

Am nächsten Morgen weckt mich mal wieder das Gebimmel von Schafsglocken. Die laufen aber auch überall in kleinen Gruppen herum. Schönes Wetter, auch wenn die Gipfel noch in dichten Wolken stecken. Wenn ich etwas in den norwegischen Bergen gelernt habe, dann, das im Gegensatz zu den Alpen, Wetter und Sicht meist erst gegen Mittag richtig gut werden. Also schön langsam los. Anfangs geht es lange durch ein Tal, an dessen Ende der Pfad dann steil ansteigt. Ziel ist die Fannarakhytta auf 2068 m Höhe. Bei der Ankunft da oben bleibt mir fast der Mund offen stehen. Mit einem Mal liegt das ganze Panorama des Nationalparks mit all dem Schnee, Eis und felsigen Gipfeln vor mir. Wunderschön. Dem Hinweis eines deutschen Paares folgend, steige ich auf einem anderen Weg ab und habe die tolle Aussicht noch ein ganzes Stück länger, bevor ich über Schneefelder und vorbei an Gletscherseen wieder zum Zelt zurück kehre. Das abendliche Bad im Fluss tut richtig gut, wobei Gletschertöpfe im Flusslauf wie eine Badewanne funktionieren und das Wasser nach meiner Schätzung erstaunliche 18°C warm ist.    

am Sognefjord 

       wildromatisch zelten   

 Blick von der Fannarakhytta auf den Jotunheimen Nationalpark

Freitag packen und weiter. War echt schön hier und der wilde Zeltplatz ideal. Kann mir heute bei trübem Wetter Zeit lassen, so soll es auch den ganzen Tag bleiben. Auf der 55, der Sognefjellstrasse, am Jotunheimen Nationalpark entlang. Bekannt als eine der schönsten Strassen Norwegens, bietet sie echt schöne Ausblicke, die allerdings nicht mit denen aus den Bergen mithalten können. Vor Lom biege ich kurz entschlossen auf die Mautstrasse nach Spiterstulen ab. Die führt schmal und schlaglochreich 18 km das Visdal hinauf. Am Ende die Station Spiterstulen, mit großem Parkplatz, Hotel, Hütten und einem Zeltplatz auf der anderen Flussseite. Nur die Atmosphäre fühlt sich irgendwie unpassend an. Kalter Wind und graue Wolken passen da nur all zu gut dazu. Samstag brennt die Sonne nach dem Frühstück letzte Wolkenreste weg und mit einem Mal erscheint das Fleckchen Erde doch schön. Ich breche 10 Uhr zum Galdhoppigen auf, den mit 2.468 m höchstem Berg von Norwegen und Nordeuropa. Am Wochenende und bei dem herrlichen Wetter ist der Aufstieg fast eine Art Prozession, denn viele Leute sind unterwegs. Stören tut das jedoch keineswegs. Steil ist der Weg, später kommen große Schneefelder und viel Geröll dazu. Kein leichter Weg, doch dann steht man oben und blickt auf unzählige Gipfel. Treffenderweise wird der Jotunheimen in der norwegischen Mythologie als Wohnort der Götter beschrieben. Mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit kehre ich ins Tal zurück. Das wirkt heute freundlich und ganz anders als gestern. In der wärmenden Nachmittagssonne sitzend fällt die Entscheidung eine weitere Nacht zu bleiben

die Sognefjellstrasse 

     Spiterstulen am Morgen 

 *vom Gipfel des Galdhoppigen

  eine Welt in Schnee und Eis

8.Woche vom 8. bis 14. Juli 2018
Der Sonntag beginnt mit traumhaften Wetter. Nach dem Frühstück packen und weiter. Die Kilometer bis Lom sind fix geschafft. Im Ort viele Touristen, doch das blende ich aus. Die Stabkirche fotogen, dazu ein Freiluft Museum nebst tosendem Wasserfall, das gefällt. Danach folge ich dem breiten Tal nach Westen, wo einige schöne Wasserfälle direkt am Weg liegen. Am Horizont baut sich inzwischen wie versprochen eine dicke Wolkenbank auf. Bei Grotli auf die 258, “Gamle Strynsfjellvegen”, abbiegen. Die schmale Passstrasse über die Berge aus alten Zeiten, meist aus Schotter und mit großen Steinen als Leitplankenersatz, mit Charakter und freiem Blick. Am Ende die steile Abfahrt von 1.100 m Höhe runter auf Meeresspiegelniveau. Die Ankunft in Hjelle am späten Nachmittag. Die Berge ringsum leider schon in Wolken, aber der Weiler direkt am See kann auch so bezaubern. Das Abendessen in einem kleinen Pavillon von 1903 direkt am See. Der ist komplett ausgestattet: Tisch, Bänke und sogar Strom. Wie für mich gemacht. Geschlafen wird heute etwas außerhalb im Auto weil heftige Regenschauer durchziehen. Montag früh ist der Himmel noch bedeckt, aber es reißt bald auf. Und DANN zeigt Hjelle all seine Schönheit. Ein stiller See, fast wie ein Spiegel, dahinter steil aufragende Berge, intensiv grün und mit eisig weißer Spitze. Mein Frühstück mit diesem Blick direkt am See.

Stabkirche Lom    

     Gamle Strynsfjellvegen

         Hjelle am Morgen

       *Panorama Hjelle

Ich fahre zurück zur 63, diesmal auf der neuen 15 mit vielen langen Tunneln. Dann nach Norden zum Geirangerfjord. Unterwegs am Aussichtspunkt Dalsnibba halten. Die 5 km lange Mautstrasse kostet mit Auto 140 NOK, da laufe ich lieber. Oben passt das Timing für gute Fotos nicht, auf 1.470 m ziehen letzte Wolken durch. Die lösen sich während der späteren Abfahrt auf. Durch zwei Kreuzfahrtschiffe im Fjord sind viele Busse unterwegs und verstopfen die schmale Strasse, ganz schlimm am Flydalsjuvet. Doch das Motiv, das so viele Prospekte und Plakate schmückt, sehen die wenigsten. Dafür muss man einen versteckten und gefährlichen Pfad hinunter, anscheinend fast unbekannt. Ich bin da mit ein paar Tschechen allein und wir können uns ganz in Ruhe gegenseitig auf der Klippe stehend fotografieren. Später eine Wanderung am Fjord, mit 550 Höhenmeter beschwerlich und letztlich kaum lohnend. Zur Erfrischung ein Bad im Fjord, wobei das Wasser keine 13°C hat. Danach nur weg von hier, einfach  zu viele Menschen auf zu wenig Raum. Am See Eidsdalsvatnet zieht wieder Ruhe ein. Dienstag früh schnell packen und los. So bekomme ich ohne Warten die Fähre nach Linge und erlebe Gudbrandsjuvet und den Blick auf Trollstigen praktisch touristenfrei. Die Abfahrt auf der schmalen und kurvenreichen Trollstigen ebenso stressfrei und mein Frühstück gleich darauf am schönen Picknickplatz. Ein paar Kilometer weiter in Andalsnes parken und zum Wanderweg Romsdalsvegen gehen. Er wird zu recht als einer der schönsten in Norwegen beworben. Die Aussicht ist SPEKTAKULÄR. Groß beschreiben muss ich das nicht, die Fotos sollten genügen. Teils führt der Pfad über einen schmalen Grat mit Klettereinlagen. Beiderseits fallen die Wände bis zu 800 m senkrecht ab, Bauchkribbeln garantiert. Ich klettere als einer der wenigen auf den 1.320 m hohen Blanebba. Ein genialer Tag.  

           Geirangerfjord          

 kleiner Mann ganz groß

             *Romsdalsvegen

       *Blick vom Blanebba

Mittwoch: schon wieder schönes Wetter, oder immer noch? Mein Körper ist langsam müde nach all den Touren durch die Berge.  Einmal muss er aber noch ran. Ich fahre hinauf zum Parkplatz Trollstigen und stelle das Auto ab. Vo da schlängelt sich der Pfad über alpine Wiesen hinauf, bis eine wüste Kletterei über Geröllhalden und Felsen beginnt. Schnell gewinne ich an Höhe, kreuze nun Schneefelder oder laufe neben Gletscherseen auf denen Eisschollen schwimmen. Nach harten zweieinhalb Stunden bin ich am Ziel, Trollvegen. Diese Felswand erhebt sich senkrecht bis zu 1.800 m aus dem Tal und ich stehe an ihrem oberen Rand mit Blick in den Abgrund. Da werden einem wirklich die Knie weich. Die atemberaubende Sicht reicht das Tal hinunter bis Andalsnes. Der Abstieg beginnt schon bald, denn am Horizont entwickeln sich Regenwolken. Zehn Minuten nach der Ankunft am Auto fängt es dann auch an zu regnen. Glück gehabt. Es sind nun einige Autokilometer bis zur Küste und Alesund, wo ich am frühen Abend eintreffe. Nach all den kräftezehrenden Abenteuern braucht mein Körper unbedingt eine Pause, für die ich ein Hostel wähle. Das Wetter hat auch ein Einsehen und hängt zwei Tage lang zähen Küstennebel über die Stadt. So kommen Körper und Geist zur Ruhe und am Frühstücksbuffet stelle ich wohl Rekorde auf was die Menge des verzehrten Essens betrifft. Nebenher wird in kleinen Runden Alesund erkundet. Nette Stadt, hübscher Jugendstil an allen Ecken und Enden. Samstag ist dann Schluss mit Ausruhen. Vormittag den nahen Sukkertoppen erklimmen, dessen Gipfel einen tollen Blick auf Alesund bietet. Perfekterweise reißt auch die Wolkendecke auf und zeigt die Gegend im schönsten Licht. Noch ein Ausflug auf die mit Tunneln und Brücken verbundenen Inseln ringsum und weiter nach Vestnes, um von da mit der Fähre nach Molde über zu setzen. Dort finde ich ein Stück über der Stadt einen genialen Picknickplatz an einem Ministausee mit Bademöglichkeit und einer Wiese für mein Zelt.

Trollvegen  

             Trollstigen   

               Alesund        

               Alesund

9.Woche vom 15. bis 21. Juli 2018
Sonntag ein Waldspaziergang zu einer Skihütte mit Ausblick. Später durch Molde bummeln, das sich herrlich verschlafen gibt, und das obwohl morgen eines der europaweit größten Jazz Festivals beginnt. Bei dem schönen Wetter endet der Tag mit dem Sonnenuntergang auf dem Varden mit Gipfelpanorama, was ich mir am nächsten Morgen gleich noch mal anschaue. Das man da, wie es im Reiseführer steht, wirklich 200 Gipfel sehen kann ist allerdings zweifelhaft. Auf der 64 verlasse ich Molde und parke eine halbe Stunde später. Bei herrlichem Sonnenschein wandere ich etwas mehr als eine Stunde bis Trollkyrkja. Das sind Höhlen, teils aus Marmor, durch die ein Bach fließt. Der unterirdische Gang ist recht beschwerlich und abenteuerlich. Man folgt im Schein der Taschenlampe dem gewundenen Bachlauf über glatte Steine bis in eine hohe Höhle. Dort dringt Tageslicht durch ein Loch in der Decke, welches ebenso den kleinen Wasserfalls speist. Coole Geschichte. Eine weitere Höhle erreicht man über eine SEHR abenteuerliche Leiter. Nach dem Mittag bleibe ich auf der 64, die bald zur Atlantikstrasse wird. Kühn schwingt sich das Asphaltband über Brücken von einer kleinen Felseninsel zur nächsten. Muss bei Sturm einen fantastischen Anblick geben. Doch ich behalte lieber mein sonniges Wetter. Das auf dem Weg liegende Kristiansund lasse ich dann aus, fahre ein Stück auf der 64, der 279 und der E39 zur Fähre nach Kanestraum. Die Szenerie unterwegs ist herrlich und ein kleiner Berg auf der Insel Bergsoya bietet tolles Panorama. Ab Halsa die erfolglose Suche nach einer Stelle zum Zelten. Recht spät ein Abstecher nach Hoston, wo ich dann einen tollen Platz direkt am See finde. 

Panorama über Molde       

         Höhle Trollkyrkja          

   Beginn der Atlantikstrasse   

           Atlantikstrasse          

Nach dem Frühstück am See bin ich eine Stunde später in Trondheim. Wäre die eine Strasse nicht wegen Bauarbeiten gesperrt gewesen, wäre es mir mit Haken schlagen gelungen die Stadtmaut zu umgehen. Egal, sind nur ein paar Kronen. Den halben Tag bummle ich durch die drittgrößte Stadt Norwegens, die sich gar nicht so groß anfühlt. Sehenswerte kleine Gassen mit alten Holzhäusern und über der Stadt die alte Festung. Kaum atemberaubend, aber hübsch. Später dunkle Gewitterwolken am Himmel und einige Schauer ziehen durch. Da bin ich schon auf dem Weg nach Norden. Ein Fotostopp in Hell. Der Ortsname bedeutet in norwegisch: Erfolg - und englisch: Hölle. Also kann ich sagen: I was in hell ;-). Weiter nach Stiklestad, einem der ganz großen Wallfahrtsorte in Europa. Ich sage nur: heiliger St. Olav. Wer mehr wissen will: Wikipedia. Zu sehen gibt es jedoch nur wenig. Kirche, Kapelle und ein paar verstreute Gebäude aus ganz alten Zeiten. Immerhin beschreibt mir im großen Besucherzentrum ein Rezeptionist einen schönen Platz am nahen Fluss. Den hätte ich selbst nie gefunden. Mittwoch weiter nach Norden. Der erste Halt in Steinkjer. Schwülwarmes Wetter, die Luft zum Schneiden dunstig. Trotzdem eine kleine Wanderung hoch auf den Berg Oftenasen. Das spezielle ist der übergroße Stuhl mit Blick über die Stadt. Weil keiner sonst hier ist: Fotos mit Selbstauslöser. Um rechtzeitig auf den Stuhl zu kommen muss ich ganz schön springen. Bei 32°C erfrischt danach ein Bad im Fluss. Als dunkle Gewitterwolken aufziehen fahre ich weiter und schaffe die 190 km bis Myvatn, wo eine hübsche Bucht zum Nachtlager wird. 

Trondheim, am Nidelva 

   in den Gassen Trondheims 

       auf dem Oftenasen

  what a (the) hell ;-))

Das nächste Frühstück am See unter einem grauen Himmel. Regen ist versprochen, bleibt aber nicht lang. Gut das es derzeit passiert, die Gegend bietet wenig für mich und beim Auto fahren stört das trübe Wetter kaum. Hinter Myvatn biege ich von der ungeliebten E6 auf die schmale und wenig befahrene 274/273 ab. Die gefällt schon mehr. Später die 73 nebst Abstecher nach Schweden. Das ist zwar ein Umweg von 80 km, aber ich erspare mir auf der E6 vier Mautstellen und kann in Hemavan günstig einkaufen wie auch tanken. Benzin ist in Schweden satte 30 Cent pro Liter günstiger. Bei der Rückkehr nach Norwegen schlafe ich erneut an einem See. Freitag bessert sich das Wetter mit jedem Kilometer und in Mo i Rana ist der Himmel wolkenlos. Die Touristeninformation in der Stadt hat einige Tipps für mich. Einem folgend stelle ich das Auto am Stadtrand ab und versuche es mal als Anhalter. Die 40 km bis Fisktjonna sind schwierig, auf der schmalen Strasse ist wenig los. Ich schaffe es aber und werde mit dem Marmotslottet belohnt. In der kleinen Schlucht kreuzt der Fluss ein Marmorvorkommen und hat dieses pittoresk ausgewaschen. Zurück braucht es eine ordentliche Portion Glück, weil praktisch kein Auto vorbei kommt. Doch eins nimmt mich dann gleich die ganze Strecke mit. Am frühen Abend mit dem eigenen Wagen weiter auf die viel beworbene Küstenstrasse 17.

E12, vor Mo i Rana              

         *Marmotslottet           

           Marmotslottet          

       Klasse Picknickplatz

Die beginnt recht “normal” und ich frage mich was der ganze Hype darum soll. Immerhin ist da Rastplatz mit herrlich weichem Rasen und sternförmig angelegten Parktaschen, ideal zum Zelten. Beim Abendspaziergang auf den Hügel dahinter entdecke ich einen ungewöhnlichen Berg. Den schaue ich mir am Samstag in Wandersachen näher an. Er scheint fast komplett kahl zu sein und die felsigen Konturen sind abgeschliffen rund, was man selten sieht. Ein Pfad führt zu einer Hütte. Dahinter ist Schluss mit Wegkennzeichen und ich steige “frei Schnauze” auf. Die Ansicht täuscht. Der Berg ist steiler und höher als er aussieht. Hinter jeder felsigen “Welle” verbirgt sich eine kleine grüne Oase mit Teich oder Bach. Schwieriges Vorankommen, aber gerade das macht Spaß und so treibt mich die Abenteuerlust auf den Gipfel in erstaunliche 973 m Höhe. Lohn der Mühe: eine fantastische Aussicht. Gebadet wird heute in einem der Teiche am Berg, gespeist von einem glasklaren Bach. Auch wenn es hier sehr schön ist fahre ich am Nachmittag weiter. Wer weis wie lange das tolle Wetter hält. Die 17 hält von nun an das Versprochene. Nach  jeder Kurve neue Eindrücke: schroffe Berge die direkt aus dem Meer ragen, Inseln jeglicher Größe, Fjorde und das Meer in all seinen Nuancen sind beeindruckend schön. In Kilboghavn nehme ich die Fähre und kreuze mit ihr den Polarkreis. Der Kapitän macht dabei eine mehrsprachige Durchsage und am Ufer steht weit sichtbar ein Monument als Kennzeichen. So weit nördlich führte noch keine meiner Reisen. Als Nachtlager wähle ich einen schönen und stillen Rastplatz 15km östlich von Jektvik.

der “kahle” Berg    

       was für eine Aussicht  

   auf der Küstenstrasse 17  

     mehr Küstenstrasse 17

10.Woche vom 22. bis 28. Juli 2018
Am Sonntag reißt bald der Nebel auf und packt Stück für Stück die wunderschöne Landschaft aus. Nach einigen Fotostopps das Auto abstellen und in die Berge laufen. Der 887 m hohe Bjorntinden ist das Ziel. Leider bleiben an seinem Gipfel die Wolken kleben und verwehren die Aussicht. Im Tal scheint wieder die Sonne, was nach dem Mittag zu einem Bad im See verleitet. Von Agskardet die kurze Fährverbindung nach Furoy und weiter auf der 17. In Richtung Süden sieht man dabei immer mal Teile des Svartisgletscher, wobei manche Zungen fast bis an den Fjord reichen. Am Abend trübt es sich leider ein und nachts beginnt es in Ornes zu regnen. Tags darauf jagen bis Mittag Regenschauer durch, dann beruhigt sich das Wetter. Ich bleibe an der Küste und sammle weiter Eindrücke. Dann wird die Zeit knapp, denn ich möchte 15 Uhr an der Saltstraumenbrücke sein. Der Grund ist ein Malstrom, der zum Wechsel der Gezeiten entsteht wenn 400 Mio.m³ Wasser praktisch gleichzeitig versuchen durch die nur 150 m breite Öffnung ins Meer bzw. zurück in den großen Fjord zu kommen. Ist ein Schauspiel mit vielen Wasserwirbeln und Srudeln, wobei manchmal der Eindruck entsteht als würde das Wasser kochen. Gezeltet wird später 50 km weiter in Fauske. 

Abendspaziergang Ornes

     Rastplatz Ureddplassen    

  Strudelmuster Saltstraumen

       ein Größenvergleich

Weil Dienstag die Touristeninformation erst 12 Uhr öffnet, suche ich im Internet nach Tipps. Dabei finde ich ein interessantes Foto vom Rago Nationalpark. Der liegt fast auf dem Weg, also hin. Von der E6 nach dem Tennflagtunnel auf die 617 abbiegen. Hinter einem sehr schmalen und finsteren Tunnel beginnt ein schönes Tal. An dessen Ende parke ich und laufe los. Der Pfad folgt dem unglaublich klarem Wasser eines Flusses mit fantastischen Grün- und Blautönen, der sich durchs Tal mäandert. Als visuelle Steigerung öffnen sich nach der Storskoghytta atemberaubende Panoramen des Nationalparks mit felsigen Gipfeln und malerischen Tälern voller kleiner Seen. Das absolute Highlight am See Litlverivatnet, der sich per Wasserfall ins Tal ergießt. Über den führt spektakulär eine Hängebrücke. Etwas weiter ein tolles Postkartenmotiv mit See, Wasserfall, Tal und den Bergen ringsum. So was von genial. Leute sind hier nur wenige unterwegs, was wohl auch daran liegt das viele die Fährverbindung Bodo/Lofoten nutzen. Am Abend bin ich wieder auf der E6 und biege in Ulvsvag auf die schmale 81 ab. Statt Autos begegnen mir bald Renntiere, die sich nicht vom Auto stören lassen, aber fluchtartig davon rennen als ich mich mit der Kamera nähere. Kurz darauf läuft sogar ein junger Elch in aller Seelenruhe über die Strasse, willkommen im wahren Norden! Mitternacht erreiche ich Skutvik, wo 1 Uhr eine der täglich drei Fähren nach Svolvaer startet. Nur fünf Autos wollen mit und im Salon der Fähre mit ungefähr 200 Plätzen sitzen nur zehn Leute. Die Fahrt ist übrigens die Hälfte billiger als von Bodo, wo man manchmal ohne kostenpflichtige Reservierung einige Fähren abwarten muss. Als wir die schützende Bucht verlassen traue ich meinen Augen kaum. Tiefrot beleuchtet die Sonne, nur knapp unter dem Horizont liegend, das Meer und die schroffe Silhouette der Lofoten. Spektakulärer kann so was kaum aussehen. Das Farbspiel bleibt uns während der zweistündigen Überfahrt dauerhaft erhalten.   

Fluss im Rago Nationalpark

 *Panorama Rago Nationalpark

   *Blick vom Litlverivatnet

   Überfahrt zu den Lofoten

Die Fähre erreicht Svolvaer Mittwoch früh, 3 Uhr. In der Morgendämmerung fahre ich durch die schlafende Stadt, hole etwas außerhalb an einem See meinen Schlaf nach und stehe faul erst gegen elf auf. Macht nichts, der Himmel ist trüb und Wolken verhangen. Das gibt Zeit und Möglichkeit sich intensiv mit dem Thema Lofoten zu befassen. Durch das straffe Programm der letzten Zeit hatte ich immer nur die Gelegenheit ein/zwei Tage voraus zu schauen. Bis zum Abend steht ein grober Plan für die nächsten Tage, auch weil die Vorhersage tolles Wetter verspricht. Donnerstag hängen noch letzte Wolken an den Gipfeln, aber es wird ein wunderschöner Tag. Am Vormittag ein Ausflug in die Berge von Svolvaer. Der Pfad hinauf ist steiler und heftiger als bisheriges, und dabei war es schon manchmal ganz schön hart. Ich sollte noch feststellen das es auf den Lofoten häufig der Fall ist. Angekommen an der Djevelporten (Teufelspforte), klemmt ein Fels in einer Spalte, ähnlich dem Kjeragbolten. Allerdings ist das hier weniger gefährlich weil weit weniger hoch. Nichts desto trotz hat man einen tollen Blick auf das Panorama weiter nördlich. Eine wüste Kletterei später stehe ich oberhalb des Svolvaergeita. Der Fels erhebt sich markant über die Stadt, ist selbst aber Bergsteigern mit Ausrüstung vorbehalten. Immerhin ein wunderbares Fotomotiv zusammen mit Svolvaer. Das war schon mal ein schöner Einstieg in die Region der Lofoten, die ganz oben auf meiner Reise Wunschliste für Skandinavien stand.

Svolvaer                      

         Djevelporten             

     *der Blick nach Norden  

 *Svolvaergeita und Svolvaer

Am Nachmittag sind es dann nur 20km bis zum Strand von Rorvik. Dort lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad nach Henningsvaer. Eine gute Idee, denn so kann ich auf der schmalen Strasse überall halten und fotografieren. Außerdem macht es Spaß und vermeidet das schwierige Parken in dem kleinen Fischerdorf das sich über einige kleine Felseninseln erstreckt. Einzig schade das der Leuchtturm auf Privatland steht, betreten strengstens verboten. Dabei hätte man von da bestimmt einen tollen Blick auf Henningsvaer und die Berge dahinter. Doch egal, die Eindrücke auf der Strecke reichen schon voll und ganz. Mein Abendessen mit Sicht auf die Gimsøystraumen bru (brücke) und dann gern von der E10 auf die 861/862 abbiegen, womit schlagartig der Verkehr gegen null geht. Über die E10 rollt praktisch die gesamte Flotte der Einheimischen, der Urlauber sowie aller Lieferanten, weil sie die einzig durchgehende und praktikable Verbindung der Inseln untereinander wie auch zum Festland ist. Schön wenn man diese Hauptschlagader mal verlassen kann. In der Nähe von Hov schlage ich dann mein Nachtlager auf. 

bei Rorvik                        

  Strecke nach Henningsvaer   

  Strecke nach Henningsvaer 

             Henningsvaer

Beim Aufbruch Freitag früh zeigt sich die Welt noch still. Scheinbar bin ich als Einziger unterwegs. Die Szenerie ist wunderschön und ohne nennenswerten Verkehr kann ich überall für tolle Fotos halten. Das Frühstück spät auf dem Rastplatz Torvdalshalsen. Die Picknickplätze darauf fast wie Separees, mit Aussicht auf die Landschaft. Der Genuss hier ganz allein zu sein hält zehn Minuten, dann kommen innerhalb kürzester Zeit ein dutzend Fahrzeuge dazu. Weiter unter einem strahlend blauen Himmel. Am Ziel, dem Hauklandstrand, ist viel los, aber ich finde einen Parkplatz. Die Besuchermassen erklären sich mit dem Karibikfeeling das aufkommt. Eine geschützte Bucht mit breitem Strand. Der Sand fein, fast weiß und das sehr klare Wassers schimmert grün bis blau. Ungewöhnlich auf dem 68. nördlichen Breitengrad. Die Temperatur liegt bei knapp 30°C, womit der Gang ins 13 Grad kalte Wasser einige Überwindung kostet. Baden gehen da nur die Wenigsten. Mich sieht man ein paar Mal im Meer, bin ja nicht aus Zuckerwatte ;-). Am späten Nachmittag passt das Licht um vom nahen Gipfel des Mannen die traumhafte Gegend in Bilder zu fassen. Später schlage ich das Zelt, so wie einige andere, gleich hinter dem Strand auf. Der Platz ist einfach zu schön.

bei Hov                         

   der Berg Hoven am Morgen   

         Hauklandstrand            

   *Panorama vom Mannen

Am nächsten Tag weckt mich die Sonne schon zeitig. Das Frühstück mit Blick aufs Meer, untermalt vom sanften Rauschen der Wellen. Als die anderen Camper langsam aufstehen bin ich schon reisefertig. Auf der schmalen 990 geht es zurück zur E10 und auf der weiter nach Südwesten. Bald überquere ich die Insel Flakstoy, mit einem sehenswerten und schroffen Profil. Davon abgesehen gibt es auch malerische Buchten, wie zum Beispiel in der Nähe von Ramberg. Es bleibt am Vormittag bei kurzen Fotostopps, denn laut Plan liegt da noch ein langer Tag vor mir. Also auch keine großartige Pause in den sehenswerten Dörfern Hamnøya und Reine. Stattdessen stelle ich das Auto kurz dahinter auf einem Parklatz ab und schlüpfe in die Wandersachen. 

Blick vom Torvdalshalsen      

           Insel Flakstøy         

               Ramberg              

           Reine

Gleich nebenan ein Weg der am Djupfjorden entlang führt. Leider ein übler Pfad. Rutschig, schlammig, viele Wurzeln und halb überwuchert. Wegen dem ständigen auf und ab stehen nach 2 km schon 100 Höhenmeter zu Buche. Am Ende des Fjords wird es besser und ich gewinne schnell an Höhe. Die verliere ich nach der Munkebu Hütte teils wieder, wo der Weg steil zu einem Grat zwischen zwei Seen abfällt - und an der anderen Seite genau so steil wieder aufsteigt. Das kostet Schweiß und Energie. Trotz all der Seen kommt man übrigens unterwegs nur schwer an Wasser, die Ufer liegen meist steil ein Stück unter dem Weg. Schließlich der letzte und sehr steile Anstieg zum Gipfel des Hermannsdalstinden. Von 1029 m Höhe hat man ungelogen einen tollen Blick auf die Insel Moskenesøy und all die Gipfel, Seen und Fjorde. Dazu ein schier endloses Panorama schroffer Gipfel der Lofoten bis hin zum Horizont. Allerdings kommen bei mir Zweifel auf ob das die Anstrengung wert war. Der Aufstieg war hart, schwierig und hat viel Kraft gekostet. Ich fand leider nie einen Rhythmus, dabei gelingt mir das sonst an fast jedem Berg. Die Strecke muss ich logischerweise auch wieder zurück. Was für eine Erleichterung endlich wieder am Auto zu sein. Ich hatte heute den Höhenmesser mitlaufen und er zeigt nach dieser Tour über 2100 bewältigte Höhenmeter an. Durch das häufige auf und ab bin ich also theoretisch zwei Mal auf den Gipfel gestiegen. Trotz getrunkenen 4 (!) Liter Wasser fühlt sich mein Körper leicht dehydriert und ziemlich fertig an. Wenigstens findet sich schnell ein schöner Platz für das Zelt am Sorvagvatnet, in dem ich auch baden kann. Später ein Abendspaziergang im nahen Dorf Å, den ich heute allerdings kaum genießen kann.

*Panorama vom Hermannsdalstinden, so viele Gipfel             

           am Abend in Å        

     am Morgen in Å

11.Woche vom 29. Juli bis 4. August 2018
Sonntag fällt es schwer aus dem Schlafsack zu kommen. Körper wie Geist fühlen sich nach gestern verbraucht und müde an. Vormittag ein Spaziergang durch Å, im norwegischen Alphabet der letzte Buchstabe und auf den Lofoten der südlichste Ort. Å kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie: Wasser. Ein netter kleiner Weiler, die Häuser teils auf Pfählen errichtet. Danach fahre ich die Lofoten wieder “aufwärts”. Kurz vor Reine kostet es Überwindung die Wandersachen anzuziehen, aber ich habe mir da den Reinebringen aufgehoben. Am sehr steilen und teils gefährlichen Pfad hinauf stehen Warnschilder, abhalten tut das wohl kaum jemanden. Heute und hier finde ich glücklicherweise einen Rhythmus und klettere damit Kopf wie auch Körper frei. Auf 440 m Höhe erreicht man einen Grat und hat zum ersten Mal die phantastische Sicht auf Reine und Umgebung. Es ist unter anderem genau dieses Bild welches mich vor Jahren dazu bewog eine Reise so weit in den Norden zu planen. Müdigkeit und Erschöpfung sind komplett vergessen. Anderen Wanderern reicht dieser Punkt, ich bin fast der Einzige der weiter bis zum 666 m hohen Gipfel klettert. Das Wetter, die Sicht, der Tag, einfach genial. Nachmittags fahre ich auf der E10 weiter und will in Flakstad baden gehen. Die Sonne scheint, aber ein stürmischer Wind und viele Quallen im Wasser halten mich davon ab. So bleibt Zeit für den Besuch vom Nusfjord, doch nach bisherigen Erlebnissen auf den Lofoten ist der eher langweilig. Nach Leknes biege ich auf die 815 ab und erlebe mehr von der dramatischen Küstenlandschaft. Geschlafen wird in der Nähe von Valberg.  

Blick vom Reinebringen          

     *Panorama von Reine      

 *Panorama vom Reinebringen 

   das Dorf Hamnøya

In der Nacht zum Montag wache ich auf - weil mir zu warm ist! 3 Uhr morgens zeigt das Thermometer sagenhafte 20°C. Der Tag beginnt trüb und Wolken verhangen, doch bald brennt die Sonne den Himmel blau. Mittags erreiche ich Svolvaer. Tanken macht immer weniger Spaß, wir sind bei 17,35 NOK/Liter (1,90 €). Wenigstens bietet fast jede Tankstelle einen kostenlosen Waschplatz mit Schlauch und kaltem Wasser. Schwamm und Fensterleder habe ich, so ist das Auto bald wieder blitzblank. An der Fähre steht übrigens eine lange Schlange. Gut das ich vor einer Woche die ungewöhnlichste Transferzeit gewählt hatte. Einkaufen und weiter. Gleich nach dem Flughafen der Stadt zeigt sich der Austnesfjord in all seiner Schönheit. Da bleibt mir fast der Mund offen stehen, so wunderbar ist das. Auto abstellen und fotografieren. Das passiert schon bald darauf wieder, als bei einem Picknickplatz Treppen auf einen kleinen Hügel führen. Bei Fiskebøl verlasse ich die E10 und stoße nur 5km weiter auf einen schönen Strand. Weil man an dem auch wunderbar zelten kann, verschiebe ich das Restprogramm und bleibe heute hier.

bei Svolvaer                      

   bei Svolvaer            

   *Panorama Austnesfjord  

   *Panorama Austnesfjord

Der Dienstag erneut sonnig. So viel gutes Wetter in Skandinavien ist selten, nehme ich aber gern. Mein Frühstück am Strand, dann weiter. Hurtigruten und andere bewerben den Trollfjord, praktisch nur per Schiff erreichbar. Laut Karte führt jedoch die 868 den Raftsundfjord entlang bis in die Höhe einiger Inseln und dem dahinter liegenden Trollfjord. Das schaue ich mir mal an. Schon von der Strasse aus beeindruckt ein tolles Panorama, ein Wunder das hier kaum einer herkommt. Bei Tennstrand befrage ich Einheimische, die mir einen Pfad auf den Kariknausan zeigen. Von da oben ist die Aussicht ein absoluter Traum. Weil aus diesem Blickwinkel die Insel Ulvøya nicht mehr stört gelingt auch der tiefe Blick in den Trollfjord. Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Der Ort, das Licht, der Tag - einfach perfekt. Am Storvatnet, ein schöner See, dann eine späte Mittagspause die sich bis weit in den Nachmittag zieht. Da stehen übrigens Wegweiser zum Moysalen, 1262 m hoch, von wo man einen sagenhaften Blick haben soll..., aber nein, irgendwann ist auch mal gut. Ich mache noch 100 km auf der E10 und biege nach der Tjeldsund Brua auf die ruhigere 825 ab. In Sandstrand, norwegischer Dorfname, findet sich bei der alten Kapelle ein toller Platz fürs Zelt. 

Raftsundfjord mit Trollfjord  

   was für eine Landschaft     

     Pause am Storvatnet   

 *erstes Panorama von Senja

Am nächsten Morgen frühstücke ich ein paar Kilometern weiter am sehr schönen Fjord. Die Landschaft toll, das Wetter ebenso. Hinter Gratangsbotn kurz auf die E6, ehe es bei Fossbaken auf der ruhigeren 84 bzw. der 86 weiter geht. An der Strasse immer wieder einzelne Gehöfte oder kleine Weiler, schwer vorstellbar von was die Leute hier leben. Meist ist es wohl Fischfang oder Fischzucht, jedenfalls sind da öfters große schwimmende Wasserfarmen. In Finnsnes über die Gisundbrua auf die Insel Senja. Laut Werbung ähnelt die Landschaft hier den Lofoten, nur mit weniger Touristen als dort. Letzteres kann ich bestätigen, denn es wird auf der rumpeligen 86 sehr ruhig. Die Gegend vorerst eher unspektakulär. Bei Senjatrollet ein Besuch bei der weltweit größten Trollfamilie. Die ist aus Beton und 15m hoch, Drumherum ein Sammelsurium an Trollsachen. Kurz darauf erreiche ich Hamn und bekomme vom Utsikten ein erstes Panorama der Insel zu sehen. Das beeindruckt dann schon. Leider zieht es zu und beginnt abends zu regnen. Donnerstag strahlt die Sonne zum Frühstück, verzieht sich dann jedoch hinter die Wolken. Trotzdem präsentiert sich bald darauf Bergsbotn und der Fjord eindrücklich. Noch besser wird es ein paar Kilometer weiter am Rastplatz Tungeneset, wo man auf den runden Klippen herumklettern kann und einen tollen Blick auf die schroffen Gipfel gegenüber hat. Die Werbung hat Recht, das ist Lofoten Liga. In der langen Mittagspause am sehenswerten Strand von Ersfjord warte ich auf Wetterbesserung, die ab 14 Uhr langsam eintritt. An Senjahopen vorbei fahre ich durch dunkle und schmale Tunnel mit teils engen Kurven, stelle das Auto ab und besteige den Grytetippen. Vom Gipfel ein herrlicher Rundumblick. Bei dem nun schönen Wetter kehre ich danach gern zum Strand Ersfjord zurück und zelte da.     

Senjatrollet                

           Bergsbotn              

       Rastplatz Tungeneset   

  *Panorama vom Grytetippen

Der zunächst sonnige Tag trübt sich bald ein. Durch einige Fotostopps bei Botnhamn verpasse ich die Fähre nach Brensholmen knapp und habe vier Stunden Pause. Immerhin kann ich die gut nutzen. 14 Uhr die Überfahrt. Der Nieselregen hört bald auf, es bleibt aber trüb. Bei Brensholmen laufe ich auf den Ømfloya, ein Hügel mit toller Sicht auf das Meer, die Berge, viele Inseln und alles was dazwischen liegt. Keine 3 km weiter eine schöne Bucht mit Sandstrand, ein guter Platz zum Zelten. Der Samstag eher gemütlich. Das Wetter wechselt mehrfach von Sonne zu Schauern und wieder zurück. Am Nachmittag gelingt in einer längeren Schönwetterphase die Wanderung auf den Nattmalsfjellet. Was soll ich schreiben, ein Foto sagt mehr als 1000 Worte. Danach sind es 15 km bis zum Stadtrand von Tromsø, wo ich einen ruhigen Parkplatz für die Nacht finde.

12.Woche vom 5. bis 11. August 2018
Am Sonntag Tromsø erkunden. Zu berichten gibt es da wenig. Die Stadt ist weder schön noch strahlt sie was aus, von Charme ganz zu schweigen. Der Botanische Garten mit seiner nordischen Flora schneidet noch am besten ab, wenn er auch recht klein ist. Der Rest ein Mix aus phantasielosem Beton und in die Jahre gekommene Holzhäuser. Dazu hat am Sonntag ALLES zu, ein Novum in einer norwegischen Stadt dieser Größe. Vorräte auffüllen: Fehlanzeige. Montag früh eine nette Überraschung, als an meinem Frühstücksplatz, der Schutzhütte eines kommunalen Versorgers, ein paar Rentiere vorbei schauen. Ansonsten versinkt Tromsø in grauen Regenschleiern. Ohne Grund länger zu bleiben verlasse ich nach dem Einkauf die Stadt.

*Panorama vom Ømfloya          

   *Panorama Erstfjord                 

                   Tromsø                

       Botanischer Garten Tromsø

Um weiter nach Norden zu gelangen ist erst ein ordentlicher Haken nach Süden nötig. Die E6/E8 umgeht dabei den Lyngenfjord und die Lyngenalpen. Letztere ein wildes Terrain voller Berge und Gletscher, ohne Infrastruktur nur für Abenteurer geeignet. Ich erhoffe mir wenigstens einen Blick darauf. Als erste Voraussetzung dafür hört es 50 km hinter Tromsø auf zu regnen, kleine Wolkenlücken entstehen. Ab Oteren direkt am Lyngenfjord entlang. Die Farbe des Meeres erstrahlt selbst ohne Sonne intensiv türkis. Mir bleibt Muse das zu bewundern, an einigen Tunnelbaustellen wartet man länger bis einen das Führungsfahrzeug als Konvoi hindurch führt. Abends findet sich bei Djupvik eine geeignete Campingstelle, wobei das Bergpanorama auf der anderen Fjordseite stückweise aus den Wolken auftaucht. Der nächste Morgen beginnt bewölkt, aber ich vertraue auf die Vorhersage und warte ab. Gegen Mittag reißt es langsam auf. Hinter Djupvik führt ein Pfad zum gar nicht mal so hohen Hammersletta, für eine phantastische Sicht auf den Fjord und die Berge ausreichend. Nebenbei von den inzwischen reifen Blaubeeren naschen. Beim Wandern habe ich nun immer eine kleine Plastikbox dabei und sammle frische Vitamine. Ein Teil der leckeren Beeren gleich vom Strauch in den Bauch. Nachmittag weiter nach Alta. Die Landschaft bleibt dramatisch und sehenswert, der Wind weht, passend zum hohen Norden, kräftig und kalt.

morgendlicher Besuch          

         am Lyngenfjord          

*Panorama vom Hammersletta  

  *Strecke nach Alta

Die Nacht habe ich am Kafjord verbracht, wo sich vor 75 Jahren die Tirpitz, das zu seiner Zeit größte Schlachtschiff der Welt, versteckt hatte. Ein örtliches Museum ist ganz diesem Thema gewidmet. Beim Spazieren die nächste persönliche Rekordmarke: ein Freiluftbad im See auf 70° nördlicher Breite. Luft 13°C, Wasser 11°C. Nennen wir es erfrischend. Als sich am Nachmittag die Sonne durchsetzt ein Bummel durch Alta. Die Ortschaft ist eher funktionell, was die hypermoderne Architektur der Kirche, die Kathedrale des Nordens, nur bestätigt. Mir bleibt Zeit für einen Ausflug 30 km nach Süden. Das letzte Stück übler Schotter, wovon das örtliche Touristenbüro nichts erwähnt hat. Vom Parkplatz sind es zu Fuß 8 km zum Sautso Canyon. Die Schlucht ist sehenswert, doch was viel mehr überrascht ist die Landschaft ringsum. Nach all dem schroffen auf und ab ist es nun plötzlich fast eben. Das gehört zum Finnmarkplateau, welches sich über große Teile des Nordens erstreckt und ungefähr 400 m über dem Meeresspiegel liegt. Meist baumlos und ohne nennenswerte Erhebung beschränkt einzig der Horizont den weiten Blick.

Alta, Kathedrale des Nordens  

         Sautso Canyon           

         Finnmarkplateau     

  da schaut jemand neugierig

Am Donnerstag schafft das Wetter die Rolle rückwärts, sprich es regnet immer wieder leicht. Vom Sonnenschein verwöhnt kann ich mit dem, für hiesige Verhältnisse normalen, Wetter leben. Vorräte auffüllen und auf der E6 weiter Richtung Norden streben. In Olderfjord auf die E69 abbiegen. An der Küste entlang wird die Landschaft immer karger, wobei sich der Eindruck durch das graue Wetter noch verstärkt. Am späten Nachmittag durch den Nordkaptunnel, der mit 9 % Gefälle bis zu 212 m unter den Meeresspiegel führt. Ein mulmiges Gefühl so viel Wasser über einem zu wissen. So erreiche ich die große Insel Magerøya, auf der auch das Nordkap liegt. Übernachtet wird auf dem sehr guten Rastplatz gleich hinter dem Tunnel. Am Freitag ist es vorerst trocken, aber neblig trüb. Nach dem Frühstück spaziere ich auf den kleinen Berg hinter dem Rastplatz, begegne Rentieren und habe einen guten Blick auf die nähere Umgebung. Nachmittags wird es etwas schöner und ich fahre bis 6 km vor das Nordkap. Selbiges lasse ich aus. Gründe: Massentourismus, ein inzwischen saftiger Eintrittspreis von 30 €, die hohe Chance auf dem Fels stehend in den Nebel zu schauen und - es ist NICHT der nördlichste Punkt in Europa. Den erreicht man nur über einen 9 km langen Pfad über Stock und Stein. DAS gefällt mir. Am Schluss markiert ein flaches steiniges Kap, Knivskjellodden, das nördliche Ende von Europa (ohne Spitzbergen). Damit wäre nach 88 Tagen und 10.000 Straßenkilometern mein Wendepunkt erreicht. Auf einem direkteren Weg käme man laut Routenplaner mit 3.100 km aus, nur hätte ich dabei vieles versäumt. Es ist etwas ganz besonderes für mich da zu stehen, auch wenn man wenig sieht. Das bessere Wetter kommt erst als ich wieder im Auto sitze. Persönlicher Eindruck: Im Vergleich passen Wolken und Nebel besser als Sonnenschein zu der Landschaft hier.

Insel Magerøya               

 sieht man öfter als Einheimische 

                 das Nordkap

   Knivskjellodden, nördlichster Punkt Europas

Samstag bleibt das Wetter trüb. Ich fahre auf der E 69 bis Olderfjord zurück und wechsle dort zur E6. Was bleibt ist die Nähe zur Küste mit neuen Eindrücken nach jeder Kurve, jedem Tunnel. Im Naturreservat Stabbursnes mache ich eine lange Pause und laufe eine Runde. Im schönen Fjord liegen einige Inseln und, nur mit wenig flachen Bewuchs bedeckt, steigt eine hügelige Landschaft langsam zum Inland hin an. Nachts bleibe ich in Lakselv, ein kleiner und sehr funktionellen Ort am Ende vom Fjord.

13.Woche vom 12. bis 18. August 2018
Der Sonntag bleibt trüb und regnerisch, doch auch so hält mich nichts in Lakselv. Straßentechnisch bleibt es bei der E6 in südlicher Richtung. Das Tagesziel, Karasjok, liegt 80 km entfernt und fungiert als Hauptstadt der “Samen” (Eigenbezeichnung: Sami), früher als “Lappen” bezeichnet. Die indigene Volksgruppe lebt verteilt in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Trotz gleicher Geschichte und Herkunft unterscheiden sich die Samen in Kultur, Tracht und vor allem der Sprache. Das macht ein Auftreten nach Außen schwierig. Geblieben ist deren Geschäft mit Rentieren, heutzutage mit moderner Technik vereinfacht und durch Tourismus ergänzt. Karasjok hat keine 3.000 Einwohner und macht wenig her. Höhepunkt meines Besuches ist am Montag ein geführter Rundgang durch das hiesige Parlament der Samen, architektonisch dem Tipi des nomadenhaften Lebens nachempfunden und im Inneren mit der Verwendung von nordischen Hölzern wie auch Rentierprodukten nah an ihrem Leben.

im hohen Norden               

   Stabburnes Naturreservat     

     Torfhütte der Samen       

     *Parlament der Samen

Nachmittag die kurze Fahrt zur finnischen Grenze. Auf die weist nur ein Schild hin, praktisch ändert sich aber einiges. Finnland liegt in einer anderen Zeitzone, also die Uhr eine Stunde vor stellen. Zahlungsmittel nun der gute, alte Euro. Die Preise, egal ob an der Tankstelle oder im Supermarkt, auf gewohntem deutschen Niveau. Was bleibt ist das schlechte Wetter und die flache Landschaft mit wenigen Bäumen. Der Regen verleidet mir den Aufenthalt am Inari See, also auf nach Saariselka. An der Grenze zum Urho Kekkonen Nationalpark steht ein Hostel. Da schlafe ich zum ersten Mal seit vier Wochen wieder in einem Haus, ein irgendwie komisches Gefühl. Die Anlage bietet dazu ein Hotel, ein Restaurant, zahlreiche Bungalows und eine Sauna, bei dem Wetter ein Genuss. Am Dienstag rein in den Nationalpark laufen, vom 546 m hohen Kiilopää einen guter Ausblick. In der kargen Landschaft halten sich Bäume nur in geschützten Bereichen, daneben bedecken flache Blaubeersträucher den Boden. Etwaige Eintönigkeit unterbrechen kleine Seen und Schluchten. Am nächsten Tag fahre ich weiter. Es bleibt bewölkt, aber trocken. Bei wenig Verkehr auf der E75/4 muss man trotzdem die Augen offen halten, denn da sind immer wieder Rentiere auf der Strasse. Unerschrocken vor Autos, rennen sie weg wenn man anhält und aussteigt. Südlich von Sodankylä biege ich nach Luosto ab. Dieser Ort erwacht vor allem im Winter zu Leben, wenn Skifahrer den steilen Hügel Ukko-Luosto in Beschlag nehmen. Als Berg würden ihn Mitteleuropäer mit seinen 514 m Höhe kaum bezeichnen, aber der langgezogene Rücken ist die einzig nennenswerte Erhebung im weiten Umfeld. Geologisch ungefähr 2.000.000.000 Jahre alt, waren das mal mächtige Berge. Dank ihres äußerst harten Gesteins stehen heute immerhin noch Reste. Erde oder Vegetation sucht man fast vergeblich. Tags darauf erkunde ich  im nahen Pyhätunturi die Schluchten Isokuru und Aittakuru. In letzterer steht ein Amphitheater, wohl ein ganz besonderes Flair

*Panorama vom Ukko-Luosto 

       Isokuru Schlucht          

*Amphitheater in der Aittakuru

       *der weite Horizont

Bei der Weiterfahrt stoße ich auf die 5/E63 in Richtung Süden. In Kemijärvi meine Vorräte auffüllen und 60 km später an einem Rastplatz am See übernachten. Samstag brennt die Sonne schnell die Wolken weg und es wird ein schöner Tag. Nach 25 km stelle ich das Auto ab und starte auf dem Karhunkierros (Bärenweg). Die Wanderung ist ganze 84 km lang, wovon ich mir einige sehenswerte Kilometer heraus picke. Bald komme ich zu den schönen Klippen von Ristikallio, später die Flussinseln Taivalköngäs und die eindrückliche Schlucht des Oulankajoki. Es macht Spaß hier zu Laufen und obwohl die Landschaft eher flach ist, muss man öfters steil bergan oder bergab. Ich laufe schließlich wieder ein Stück des heutigen Weges zurück und übernachte weiter südlich am Fluss. Blaubeeren gibt es hier derzeit wie Sand am Meer und meine Finger färben sich zusehends violett.

Karhunkierros - Weg des Bären 

       die Klippen Ristikallio      

         Oulankaschlucht        

     Mühle bei Juuma

14.Woche vom 19. bis 25. August 2018
Am Sonntag Kaiserwetter. Nach dem Frühstück packe ich und laufe weiter auf dem Karhunkierros. Erst am Fluss Oulanka, dann durch den Wald. Neben einigen Wanderern begegnen mir selbst im dichten Wald Rentiere. Richtig sehenswert wird es ab Mittag mit dem Abstieg zum Kitkajoki. Wunderschöne Landschaft am Fluss, Hängebrücken über spiegelglatte Seen und eine friedliche Ruhe. Mit der ist ab dem Pieni Karhunkierros (kleiner Bärenweg) vorbei. An einem so schönen Sonntag war damit zu rechnen, und ich brauche ja auch eine Mitfahrgelegenheit zum Auto, das 30 km weiter steht. Zuvor die herrliche Landschaft genießen. Der Fluss verändert sich hinter jeder Biegung, ist mal wild, mal friedlich. Dazu Stromschnellen, ein imposanter Wasserfall und Wald, Wald, Wald. Den verlasse ich bei Juuma und schaffe es Dank freundlicher Finnen in einer Stunde wieder zu meinem Auto. Zum Glück findet sich bei Käylä eine Möglichkeit zum Baden und Übernachten, ich bin ganz schön erschöpft. Montag biege ich bei Ruka kurz von der 5/E63 ab und laufe ein weiteres Stück auf dem Karhunkierros. Von den hier steil aufragenden Hügeln hat man einen imposanten Ausblick auf schier endlose Wälder, einzig durchbrochen von Seen und kleinsten Siedlungen. Was mir in den letzten Tagen zu Fuß klar geworden ist: in Norwegen zu wandern war aufregend, Finnland dagegen wirkt eher beruhigend, ohne jedoch langweilig zu sein. Am Nachmittag fahre ich weiter und finde 60km südlich von Kuusamo einen tollen Rastplatz am See mit einer ausgesprochen weichen Wiese fürs Zelt. Genau richtig um etwas zu Faulenzen.   

               unterwegs auf dem (Pieni) Karhunkierros            

             bei Ruka                

       bei Kuusamo

Dienstag halte ich recht bald an einer künstlerischen Installation, genannt “Das stille Volk”. Hunderte unterschiedlich gekleidete “Vogelscheuchen” machen als Gruppe einen interessanten Eindruck. Als nächstes Suomussalmi. Die Stadt bleibt blaß, doch im nahen Wald haben Künstler überdimensionale Instrumente gebaut, an denen sich jeder austoben kann. Nebenstrassen bringen mich dann an die russische Grenze nach Raatteen zu einem Kriegsdenkmal vom finnisch-russischen Winterkrieg 1939. Auf einem Feld liegt für jeden gefallenen Soldaten ein Felsbrocken, dazu steht in der Mitte ein windgetriebenes Glockenspiel mit so vielen Glocken wie es Kriegstage gab. Die Finnen sind stolz auf ihre damalige Verteidigung, wie man heute vielerorts sieht. Trotz der Kriege führen beide Nationen nun eine überraschend freundschaftliche Beziehung. Ausdruck dessen ist die gleichberechtigte Verwendung beider Sprachen. Weiter geht es dann parallel an der Grenze entlang bis zur Übernachtung südlich von Kuhmo.    

Das stille Volk                     

  Landschaft bei Suomussalmi

       kleinste Insel ever         

     herrliche Seenlandschaft

Tags darauf bei schönstem Wetter auf der 75 weiter nach Süden. Das Gebiet gehört zu Karelien, einst eine Republik, die heute größtenteils in Russland liegt. Erkennbar ist ein recht spezieller Baustil. Beispiele dafür sehe ich in Nurmes, wo mit dem Bomba Haus eines der größten Holzhäuser in dieser Art steht. Die beworbene Altstadt, mehr ein Dorf, lohnt darüber hinaus kaum und ich fahre weiter. Enttäuschend das 30 km entfernte Juuka, dessen Dorfkern eher verwahrlost und heruntergekommen ist. In den Kriegen der 30ger, 40ger Jahre wurde leider viel alte Bausubstanz zerstört. Der Aufbau danach geschah augenscheinlich vor allem praktisch und selten schön. 20 km weiter biege ich zum Weiler Koli ab und steige dort auf den 350 m hohen Ukko-Koli. Vom Gipfel entfaltet sich eine der poetisch verklärten und in vielen Bildern kopierten Seenlandschaft Finnlands. Wirklich schön. Ich durchquere fahrend den hiesigen Nationalpark, doch außer Schotterstrassen durch dichten Wald wird kaum etwas geboten. Donnerstag komme ich in Kontiolahti vorbei, Freunden des Biathlon Sports ein Begriff. Als Fan lasse ich es mir nicht nehmen das Stadion unter die Lupe zu nehmen. Man kann überall herumlaufen und sich auch die Schießstände aus der Nähe anschauen. Es ist aufregend dort zu stehen wo Dahlmeier, Fourcade & Co. Wettkämpfe bestreiten. Um die Ecke Joensuu. Seit Wochen mal wieder eine richtige “Stadt”, dazu eine die gefällt. Ihren Anteil an der guten Atmosphäre hat die große Zahl von Studenten. Ein  Manko: die Touristeninformation! Schlecht informierte und übellaunige Mitarbeiter wurden wohl gezwungen hier zu arbeiten.

karelischer Hausstil            

  *Panorama vom Ukko-Koli     

     Ukko-Koli Nationalpark     

     in Joensuu

Der Freitag wettermäßig strahlend schön. Ich fahre auf der 9/23 westlich nach Käsämä. Der Reiseführer empfiehlt eine Radtour bis Sotkuma, um eine der schönsten Landstriche Finnlands zu genießen. Ich bezweifle das vor Ort, was die 15 km lange Fahrt leider bestätigt. Enttäuscht auf der 482, 476 und 474 nach Süden. Erhoffte Panoramen, ich fahre mitten durch die Seenplatte des Landes, verstecken sich hinter Wald und Feld. In Kerimäki steht die größte Holzkirche der Welt. Der Pastor der 10.000 Seelengemeinde fand 1848 das am Sonntag jeder Dritte zum Gottesdienst erscheinen sollte, also bietet die Kirche 3.400 Sitz- bzw. 5.000 Stehplätze! Gigantisch, nur im Winter trotz vier großer Öfen kaum zu beheizen. Nachmittags zum Punkaharju Grat, der sich, als märchenhaft beschrieben, durch die Seenlandschaft windet. Für mich enttäuschend, da es keinen freien Ausblick gibt. Von der schmalen Strasse aus sieht man durch die Bäumen nur Teile der Seen. Auch Spaziergänge verschaffen keinen besseren Eindruck. Nach einem langen Tag im Auto treffe ich abends in Savonlinna ein und - man mag es ahnen, frage mich warum der Ort im Fokus steht. Bei dieser Meinung bleibt es auch am Samstag nach einem Besuch der Burg, die jeden Sommer eines der größten Opernfestivals der Welt austrägt. Äußerlich recht beeindruckend, sind die Mauern innen kalt und leer. Die fünfzigminütige Tour, einzige Zutrittsmöglichkeit, hätte man auf die Hälfte kürzen können. Und hier soll Putin im Kreise der finnischen Regierung gespeist haben? Ich ärgere mich über die letzten 24 Stunden. Die 250 km Umweg waren sinnlos, aber so was passiert eben beim Reisen. Der Rest des Tages geht für die Fahrt nach Jyväskylä drauf, wo ich etwas außerhalb ein super Waldgebiet mit Parkplatz, See und Picknickausstattung finde.
15.Woche vom 26. August bis 1. September 2018
Sonntag bleibe ich in Jyväskylä, wo es einiges, wenn auch nichts spektakuläres, zu sehen gibt. Tags darauf liegen kleinere Sehenswürdigkeiten und ein hübscher Badesee an der Strecke. Tampere, wo ein zentrumsnaher Parkplatz schnell gefunden ist. Ganz im Gegensatz zu anderen Ländern auf dieser Reise kann man in Finnland oft stundenlang sein Auto kostenlos abstellen. Tampere? Eine schöne und interessante Stadt. Vor allem die umgebaute und neu genutzte Textilfabrik von Finlayson aus dem 19. Jh. beeindruckt. Die präsenten Backsteinbauten beheimaten heute Restaurants, Läden, Cafes und kleine Start-up Firmen. Weiter draußen gefällt mir vor allem die Hatanpää Villa mit einem herrlichen Rosengarten und schön angelegten Parkanlagen.    

Kerimäki, riesige Holzkirche  

       die Burg Savonlinna      

   Tampere, an der Villa Hatanpää und den Finlayson Fabriken  

Dienstag weiter nach Turku. In der Stadt geht es hektisch zu, da reicht mir ein kurzer Bummel. Immerhin versorgt mich die gut organisierte Touristeninformation mit Prospekten und Ideen. Lange brüte ich darüber um eine Aland-Insel-Runde zu planen. Schwierig, die seltenen Fähren fahren zur Unzeit. Auch eine gekürzte Runde funktioniert auf Grund einer bereits eingestellten Route nicht. Den Kopf frei zu bekommen schafft ein Ausflug ins nahe Naantali, ein hübsch restauriertes Dorf mit Holzhäusern. Die späte Stunde (18 Uhr) ist perfekt. Es sind kaum noch Leute unterwegs und ich spaziere ungestört in den schönen Gassen. Gezeltet wird am See, mit exklusiver Lage zwischen noblem Viertel und Golfplatz. Inzwischen steht ein Plan für die Schärenwelt vor der finnischen Küste mit seinen fast 10.000 Inseln. Am nächsten Morgen kreuze ich Turku und parke in Kaarina. Weiter per Anhalter und Fähre auf die Insel Houtskär, was mit etwas Geduld bis zum Nachmittag klappt. Auf dem Zeltplatz gleich neben dem Anleger bin ich zwei Tage vor Saisonschluss der einzige Gast. Es bleibt noch Zeit die Insel zu erkunden. Vom 56 (!) m hohen Borgberg ein Rundblick, in der “Stadt” Nasby ein Rundgang und dazwischen viele Wege zu Fuß in friedlicher Umgebung. Empfehlenswert für jemand der sich mal rausnehmen will aus Gesellschaft, Druck und Stress. Donnerstag der Weg zurück, wobei mir vor allem ein seit 2004 (!) Studierender nach Kaarina hilft. Bei schönstem Sonnenschein fahre ich mit dem Auto nach Teijo und übernachte im schönen Nationalpark auf einer Insel, die man nur per Mini Seilfähre erreicht. Coole Geschichte.  

Naantali                          

     die Welt der Schären        

           auf Houtskär          

         Kirche in Nasby

Der Freitag mit ein paar schönen Dingen. Auf Nebenstrassen nach Fiskars, einem Weiler der im 19. Jh. eine große Bedeutung für die Eisenindustrie hatte. Die alten Fabrikgebäude stehen noch immer malerisch am Fluss. Dann die Burgruine bei Roseborg, ein weiterer historischer Weiler, Fagervik, und Inga mit eindrucksvoller Kirche. Die Strassen winden sich dabei über abgeschliffene Felsrücken gen Osten und basieren auf teils uralten Routen. So wird die Fahrt an sich zur Attraktion. Am frühen Abend erreiche ich mit Espoo die Außenbezirke von Helsinki. Die Nacht bricht inzwischen schon gegen 20 Uhr herein und ich sitze abends öfters im McDonalds, nutze dort WLAN, Licht und Steckdose. Der späte Zeltaufbau im Dunkeln geht schnell und findet am See Bodom statt. Samstag: Helsinki. Erneut bewährt sich der Besuch einer Großstadt am Wochenende. Weniger Verkehr, ein problemloses Parken und entspannte Einheimische. Wahnsinnig viele Sehenswürdigkeiten sollte man nicht erwarten, doch die Lage am Meer, ein Mix aus Stil Epochen und schöne Kirchen verschiedener Konfessionen lassen keine Langeweile aufkommen.

16.Woche vom 2. bis 8. September 2018
Am Sonntag eine weitere und größere Runde durch Helsinki. Sehr hilfreich dabei: mein Klapprad. Das Sibelius Denkmal, einige Parks, das Olympiagelände und der große Friedhof stehen unter anderem auf dem Programm. Nach dem Abendessen fahre ich hinunter zum Hafen und nehme 21.30 Uhr die vor Tagen gebuchte Fähre nach Tallin. Die Überfahrt dauert nur zwei Stunden.

in Fagervik                       

         mitten in Helsinki           

   orthodoxe Kirche, Helsinki  

   der Abschied aus Finnland

Nach Mitternacht finde ich außerhalb von Tallin in Strandnähe einen Platz zum Übernachten und kann den Morgen mit einem Spaziergang an der Ostsee beginnen. Kurios: Estland ist auch nicht fremder als die anderen Länder auf dieser Reise, trotzdem brauche ich wenigstens einen Tag um “anzukommen”. Immerhin finde ich neben der historischen Altstadt ein gutes Hostel und mache mich mit der Gegend vertraut. Dienstag das volle Touristenprogramm. Tallin entpuppt sich als wahre Perle. Die Altstadt, klein und überschaubar, bietet in ihren Gassen hinter jeder Ecke etwas Neues, wie die gut erhaltene Stadtmauer mit Türmen, alte Gildehäuser und sehenswerte Kirchen. Große Limousinen quetschen sich an Passanten und den zahlreichen Reisegruppen vorbei, anscheinend haben alle Nationen ihre Botschaft im historischen Stadtteil. Am Nachmittag ein Gang durch die Neustadt bis raus zum Kadriorg Park. Das dortige Schloss eine Augenweide, mit sehenswerter Außenanlage. Apropos sehenswert: Tallin erfreut mit auffallend vielen schönen Frauen. Das ist nach dem, auch in der Hinsicht, kargen Norden ein Fest für meine Sinne ;-) Der Tag endet in der “Depeche Mode” Bar, wo Einrichtung, Musik und Getränkekarte in Bezug zur verehrten Band stehen.

Schloss Kadriorg                

   Stadtmauer Tallin             

         Gildehaus Tallin            

   in den Gassen der Altstadt

Mein Zeitplan drängt, also Mittwoch weiter. Es ist schwierig weitere Ziele heraus zu suchen. Laut Reiseführer bietet Estland so einiges, doch ich will möglichst direkt weiter in Richtung Heimat. 50 km südwestlich von Tallin liegt Paldiski an schönen Klippen. Das Dorf daneben ist nur für “richtige” Westeuropäer interessant und erinnert eher an brandenburgische Kleinstädte Mitte der 80ger Jahre. Im nahen Padis besuche ich eine sehenswerte Klosterruine und entdecke von deren Turm einen ungewöhnlichen Hügel. Der gehört zu einem Steinbruch in Rumu in welchem die Elemente den Kalksteinfels außergewöhnlich geformt haben. Die Grube nebenan ist inzwischen mit Wasser gefüllt, Gebäude und Technik sind teils darin versunken. Ein Abenteuerspielplatz für Große, doch der Besitzer lässt nur Wenige aufs Gelände und ich muss mir einen Pfad hinten herum suchen um dieses Highlight zu sehen. Dann auf die Autobahn nach Süden. Ich komme bis zum alten Seebad Pernau:übersichtlich, authentisch und hübsch. Donnerstag der Wechsel von der geschäftigen 4 auf die ruhige 6. Da sind kleine Städte und Dörfer, wie auch die unscheinbare Grenze nach Lettland. Gegen Mittag in Mazsalaca. Am stillen Fluss Salaca erwarten mich schöne Holzskulpturen, Höhlen und die “Werwolfkiefer”. Am Nachmittag die Kleinstädte Valmiera und Cesis. Bei beiden hätte ich mehr erwartet. Bei schwülen 30°C ein Besuch am Araisi See und später bei Sigulda campen. Tags darauf ein ausgiebiger Bummel durch die “Schweiz Lettlands”. Das Tal des Gauja windet sich sehenswert durch grüne Hügel, die mit Höhlen, Schlössern und Burgruinen punkten können. 

     Steinbruch bei Rumu   

 die Klippen von Paldiski

         am Fluss Salaca       

  Höhle Maza Velnala, Sigulda

Freitag Nachmittag auf der A2 nach Riga. Das Teilstück eine so schlimme Holperstrecke, das man automatisch maximal 70 km/h fährt. In Riga wird es mit üblem Kopfsteinpflaster noch schlimmer und ich leide mit meinem Auto. Das Parken in der Innenstadt ist schwierig und im ersten Hostel erlebe ich die schlechteste und überheblichste Rezeption dieser Reise. Gut das ich dort nicht reserviert habe. Immerhin findet sich bald ein besseres Haus, noch dazu mit sicherem Parkplatz. Trotz des langen Tages gelingt mir noch ein schöner Abendspaziergang durchs Zentrum, bei dem Riga einen guten Eindruck macht. Samstag lockt wieder tolles Wetter, doch ich kümmere mich erst mal um meine berufliche Zukunft. Gegen Mittag hinein in die Hauptstadt Lettlands. Gleich um die Ecke einer der größten (Lebensmittel-) Märkte Europas, teils in 1930 dafür umfunktionierten Luftschiffhallen. Darüber hinaus besticht die Stadt durch einen ausgewogenen Mix aus Neu und Alt, auch mit Häusern aus dem 15. Jh. Und sonst? Wo Tallin klein und verspielt daher kam, erscheint Riga eher großzügig und pompös. Kleine Überraschung an der Petrikirche: eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, Geschenk der Partnerstadt. Am Abend ist scheinbar die ganze Stadt auf den Beinen und man hört in den Gassen viel gute Live Musik verschiedenster Stilrichtungen.

   Ensemble: Drei Brüder 

 Schwarzhäupterhaus 

       in den Gassen Rigas

 es geht auch modern

17.Woche vom 9. bis 15. September 2018
Sonntag Morgen ist es still auf Rigas Strassen. Ich verlasse die Metropole auf der A7 nach Süden. Wie üblich gibt es von der Autobahn aus wenig zu sehen. Nach 60 km ein Halt in Bauska. Die Burg dort, teilweise noch eine Ruine, liegt sehenswert auf einem Hügel am Fluss. 10 km weiter das Schloss Rundale. Es wird überschwänglich als “Versailles von Lettland” bezeichnet und wird dem voll gerecht. Im 18. Jh. von der russischen Zarin für einen deutschen Herzog gebaut, gleicht schon das Äußere dem französischem Vorbild im Stil von Barock und Rokoko. Innen wird es dann richtig prunkvoll. Der goldene Saal mit viel Glanz und Farbe, der weiße Saal als Tanzsaal für große Feiern vorstellbar. Dazu Themenräume die wuchtig und farbig Eindruck schinden. Die Gärten dahinter stehen dem keinesfalls nach. Geometrisch unterteilt sorgen hohe Hecken dafür das man sie nur Stück für Stück erkunden kann. Erst kleine Tore geben den Blick auf das abwechslungsreiche Innere frei. Im Frühling oder einem nicht so trockenen Sommer zeigt sich Rundales Parkanlage bestimmt noch prächtiger. Schön das sich am Mittag die Besucherströme im Rahmen halten, so macht der Schlossbummel richtig Spaß.     

Schloss Rundale               

         der Goldene Saal         

         das Grüne Zimmer         

     verblüffende 3D-Malerei

Gegen 16 Uhr fahre ich weiter und überquere kurz darauf die Grenze nach Litauen. Derzeit jagt wirklich ein Land das andere. Gut das überall im Baltikum der Euro Zahlungsmittel ist. Auf der A12 komme ich gut voran und bin bald bei Siauliai. Das sind die Landesnamen, ich verzichte weitestgehend auf die häufig parallel verwendeten deutschen Bezeichnungen. 12 km nördlich von Siauliai liegt der Berg (Hügel) der Kreuze. Seit dem 14. Jh. Opferstätte, errichtete man später Kreuze verschiedener Bedeutung. Je nach Herrscher/Regierung wurden diese mehrfach komplett entfernt, doch, teils unerlaubt, immer wieder aufgestellt. Derzeit zieren um die 100.000 Kreuze jeglicher Größe den Wallfahrtsort. Selbst für mich, als Atheist, hat dieser Ort etwas Spirituelles. Mein Nachtlager schlage ich dann in einem Vorort von Siauliai am See auf. Montag cruise ich auf ruhigen Nebenstrassen und nehme später die A1. Was auffällt: ich bin wohl der Einzige der sich wenigstens grob an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält und werde, egal wo und wie, überholt. Mir egal, die Fahrt an sich soll Genuss sein. Bei tollem Wetter ziehen Felder, Dörfer und schöne Landschaften vorüber. Nordwestlich von Kaunas ein Kontrastprogramm. Das Neunte Fort, eine Befestigungsanlage von 1902, diente später dem jeweiligen Regime als Konzentrationslager oder auch Gefängnis. Ein 1958 errichtetes monumentales Denkmal nebenan ist zwar sowjetisch expressionistisch, macht aber was her.  

           der Berg der Kreuze in der Nähe von Siauliai              

   auf dem Weg nach Kaunas  

   das Neunte Fort, Kaunas

Mittag im Zentrum von Kaunas, von 1920 bis 1940 provisorische Hauptstadt Litauens. An den Flüssen Memel und Neris gelegen macht vor allem die Altstadt von sich reden. Überreste der Burg, Kirchen wie auch Klöster und als Höhepunkt der im Inneren phantastisch hergerichtete Dom. Hell und farbig abgestimmt gehört er für mich zu den schönsten dieser Reise. Die Neustadt ist spürbar den modernen Metropolen Westeuropas angepasst. Ganz nett, aber auch irgendwie austauschbar. Den Rest des Tages verbringe ich am schönen Stausee. Dienstag am See frühstücken und weiter auf leeren Landstrassen nach Gruto Parkas, das etwas andere Freilichtmuseum. Champignon Millionär Malinauskas bekam Ende der 90er den Zuschlag für die Zweitverwendung sozialistischer Denkmäler. So stehen nun Stalin, Lenin und andere zwischen den Bäumen, genau wie einige Baracken gefüllt mit Orden, alten Zeitungen und anderen Zeugnissen kommunistischer Zeiten.  Nebenan der Kurort Druskininkai, in Grenznähe zu Weißrussland. Schönes Städtchen, welches dem angestaubten Image mit modernen Wellnesstempeln entgegentritt. Einige Heilquellen sind öffentlich und ich trinke aus der “Quelle ewiger Schönheit”. Mal sehen ob es hilft ;-). Nur Übernachten kann ich hier nicht und fahre weiter bis Veisiejai. Mittwoch über die Grenze nach Polen. Nördlich von Suwalki liegt mit dem Hancza der tiefste und anscheinend klarste See des Landes. Schön dort durch die Hügellandschaft zu wandern. Später nach Stanczyki, wo aus preußischen Zeiten zwei große Bahnbrücken stehen, praktisch bedeutungslos und nie in Betrieb. Immerhin bietet so eine abgelegene Ecke Polens ein touristisches Ziel. 20 km weiter finde ich am See Loyer einen tollen Platz zum Zelten. Tags darauf weiter nach Westen, wo mitten im Wald Geschichte steht: Mamerki (Mauerwald), Bunkeranlangen aus den 40ger Jahren vom Oberkommando des Heeres. Wahnsinn, wenn man die Größe der Bunker im Verhältnis zu den kleinen Innenräumen sieht. Etwas weiter die “Wolfsschanze”, Führerhauptquartier im 2. Weltkrieg. Versteckt im tiefen Wald, bis zu 8 m dicke Bunkerwände aus Stahlbeton, neben natürlichem Bewuchs professionell getarnt und mit tausenden von Minen geschützt. Der Versuch die Bauten zu sprengen verursachte teils nur Risse in den Wänden - so massiv wurde damals gebaut.  

im Dom von Kaunas             

           Gruto Parkas            

           Wolfsschanze          

             Mauerwald

Ich schaffe es heute bis Swieta Lipka (Heilige Linde). Der Wallfahrtsort, einer der bekanntesten in Polen, scheint Donnerstag Abend so gut wie ausgestorben. Neben der sehenswerten Kirche ein überaus friedlicher See. Am nächsten Morgen weiter auf Nebenstrassen. Schöne Landschaft, herrliches Wetter. Bereits am Mittag bin ich in Olsztyn und finde schnell ein gutes Hostel. Es ist ein kurzer, aber angenehmer Aufenthalt hier. Samstag tauche ich hinter Ostroda und Buczyniec in den dichten Wald ab. 

Kopernikus in Olsztyn

Da versteckt sich der Elblaski (Oberlandkanal). Als besondere Technik hier werden die Höhenunterschiede mit sogenannten Rollbergen überwunden. Interessant zu sehen wie die Schiffe per Standseilbahn von einem Kanalteil in den nächsten gelangen. Sonst rollt es sich leicht auf den Strassen und ich erreiche am frühen Nachmittag Malbork. Dort steht, gebaut aus rotem Backstein, die Mutter aller Burgen: Marienburg. Im 13. Jh. vom deutschen Orden (Kreuzritter) errichtet, war es der Sitz des Hochmeisters und in seiner Fläche gerade mal ein Drittel kleiner als der Vatikan.

   Rollberg am Oberlandkanal

Den Rundgang verschiebe ich, denn für eine Anlage dieser Größe ist heute die Zeit zu knapp. Außerdem drängen sich derzeit Massen von Besuchern in und um die Burg. Da spaziere ich lieber ein wenig durch die Stadt.

18.Woche vom 16. bis 22. September 2018
Am Sonntag Morgen gehöre ich kurz nach Öffnung der Burg zu den ersten Besuchern. Einen Führer brauche ich nicht, wer will bekommt einen Audioguide in passender Sprache mit auf den Weg. Der weis per GPS genau wo man steht und unterstützt das Finden des Weges mit Wort und Bild. Eine geniale Technik, die jedem erlaubt im selbst gewählten Tempo die weitläufige Anlage zu erkunden. Dank frühem Start kreuzen nur wenige Touristen und Gruppen meinen Weg. Marienburg, das wird schnell klar, ist der Hammer. Architektur, Geschichte und eine interessante Ausstellung neben der anderen. Waffen, Rüstungen, Bernstein, Geschichte aus dem Mittelalter und manch amüsante Begebenheit würzen den Besuch und lassen die Zeit verfliegen. Letztlich verbringe ich geschlagene fünf Stunden in den roten Mauern und bereue keine Einzige davon. Am Nachmittag ist der Burghof dann so voll mit Menschen das fast kein Blatt mehr zu Boden fallen kann. Ich fahre weiter und erreiche problemlos Gdansk, wo ich am Rande der Stadt im “Mamas und Papas” absteige, ein sehr ursprüngliches Hostel in dem ich mich sofort wohl fühle.

die Marienburg                  

   das Hochschloss der Burg   

   altes Toilettenzeichen ;-)  

     die Hochmeister der Burg

Montag mit dem Rad ins Zentrum von Gdansk. Schön am Kanal entlang weiche ich so dem geballten Verkehr aus. Am Hohen Tor parke ich und erkunde die Altstadt zu Fuß. Es ist erstaunlich wie gut das Häuserensemble nach der kompletten Zerstörung am Ende des zweiten Weltkrieges wieder aufgebaut wurde. Meine Hochachtung vor dieser Leistung. Trotzdem bleibt ein wenig das Gefühl eine Kopie zu sehen, und nach den Perlen der Ostsee mit Tallin und Riga beeindruckt mich Gdansk kaum. Vieles ist zwar schön, aber auch nicht mehr als das. Vielleicht waren auch meine Erwartung zu hoch. Dienstag im Hostel ein Bürotag, wo ich mich intensiv um die berufliche Zukunft kümmere. Tags darauf packen und die Ostsee hinter mir lassen. Auf der 91 herrscht überraschend viel Verkehr und es geht nur langsam voran. Anscheinend weichen so viele der mautpflichtigen Autobahn aus. Bei schönem Wetter nehme ich das gelassen und kann die Fahrt mit Pausen in sehenswerten Kleinstädten wie Gniew und Chelmno unterbrechen. In Torun suche ich mir nach guten Erfahrungen wieder ein Schulheim. Die haben kein Bett frei, bieten mir aber eine 3-Raum-Wohnung für 50 Zloty (12 €) die Nacht. Toller Deal. Donnerstag Vormittag ein Bummel durch Torun. Bei herrlichem Wetter laufe ich Teile der alten Stadtmauer am Flussufer der Wisla ab und begutachte die Altstadt, ein lohnender Besuch.Dann auf teils üblen Schlaglochpisten durch polnisches Hinterland zum Dorf Biskupin, wo man 1933 ein Wehrdorf aus der Eisenzeit entdeckte. Als viele in Europa unorganisiert in Höhlen lebten, stand hier vor 3.000 Jahren eine durchdachte Siedlung. Meine Vorfreude wird leider schon auf dem Parkplatz ausgebremst. Da stehen mehr als 50 Busse, deren Fahrgäste, junge Schüler, lärmend das gesamte Freiluftmuseum in Beschlag genommen haben. Dazu geht es eher um das Mittelalter als um die Eisenzeit, Plastikwaffen und Rüstungsgerassel inklusive. Manchmal bekommt man etwas ganz anderes als erwartet. Danach ist es nicht mehr weit bis Poznan, wo ich im Feierabendverkehr für die letzten 5 km eine geschlagene Stunde brauche - reine Nervensache. 

Hafen Gdansk mit Krantor    

       Gdansk - Zeughaus      

     Wehrsiedlung Biskupin     

   mittelalterliches Spektakel

Am Freitag schaue ich mir Poznan an - und werde positiv überrascht. Die Stadt kann sich wirklich sehen lassen. Vor allem der Marktplatz macht viel her und gehört zu den schönsten die ich bisher gesehen habe. Schmucke Fassaden, viel Raum, in jeder Ecke des Platzes ein schöner Springbrunnen und mitten auf dem Platz das schmucke Rathaus samt farbenfroher Häuschen. In den Gassen ringsum setzt sich der verspielte Charme nahtlos fort. Da steht auch die Marienkirche, deren Fassade man in den engen Strassen gar nicht richtig anschauen, geschweige denn bewundern kann. Umso mehr deren Inneres, welches locker in einer Liga mit dem Dom in Kaunas spielt. Gehalten in dunklen Tönen, mit viel Ornamenten, Gemälden und Deckenmalerei.

Poznan, eine Marktecke    

bunte Häuschen auf dem Markt

       gelungene 3D Malerei

das Innere der Marienkirche in Poznan

Ebenso erwähnenswert ist die sehr gelungene 3D Malerei an einer Häuserwand. Abends zieht leider schlechtes Wetter auf und der Plan eines gemütlichen Abends auf dem Markt löst sich in Regen auf. So fahre ich weiter und campiere 20 km südlich am Wielkopolski Nationalpark. Den besuche ich dann am Samstag, auch wenn es kühl, windig und regnerisch ist. Schöne Gegend mit einigen Seen. Als der Himmel gegen Mittag aufreißt, besuche ich das nur wenige Kilometer entfernte Schloss Rogalin.


uralte Stieleichen

Sehr interessiert mich der Schlossgarten mit seinen 700 Jahre alten Stieleichen, die einen Stammdurchmesser bis zu 9 m haben. Was die wohl schon alles erlebt haben. Mit diesen Gedanken im Kopf fahre ich am frühen Nachmittag weiter nach Süden. Den letzten Abend auf polnischem Grund verbringe ich  in Legnica. Ein ruhiges Ausklingen der Reise wird mir aber leider vergält, denn alle Häuser, vom höherklassigen Hotel bis zum Schulheim, sind ausgebucht. Erst spät finde ich außerhalb ein kleines Hotel, in dem noch genau ein Einzelzimmer frei ist.

           Schloss Rogalin

19.Woche, der 23. September 2018
Sonntag endet meine Skandinavienreise. Nach dem Frühstück zum letzten Mal die Sachen ins Auto räumen und auf fast leeren Strassen die fehlenden 130 km bis Deutschland einsammeln. Exakt 18 Wochen nachdem ich die Heimat bei Flensburg verlassen habe, betrete ich in Görlitz wieder deutschen Boden. Dort kann ich einen Teil meiner Familie besuchen und fühle mich damit sofort wieder wie zu Hause.