Meine Reiseroute

Südamerikareise, November 2009 bis März 2010

1. Woche vom 10. bis 16. November 2009
Dienstag geht es los. Die Anfahrt zum Flughafen Frankfurt mit der Deutschen Bahn einfach, recht günstig, nur mit etwas mehr Zeitaufwand. Der Flug mit einer Boeing 777 der TAM ohne viel Worte. Zuverlässig und gut. Nach 12 Stunden Flug umsteigen in Sao Paulo, Brasilien, und weitere 6 Stunden im Flieger bis Lima, Peru. Ich werde offiziell mit Schild erwartet und ins vorgebuchte Hostel gebracht, wollte zum Reisestart kein Risiko eingehen. Die Hauptstadt hat 7 Millionen Einwohner, wovon ich abgesehen von  verstopften Strassen wenig spüre. Donnerstag ins Zentrum mit Plaza de Armas, Monasterio San Francisco, Archbishop Palace. Sehr schön, wie auch die hiesigen Frauen. Bin positiv überrascht

 ein erster Blick auf die Anden

   Lima, Palast vom Erzbischof

 Lima, Shopping Mall am Meer

                 Lima

Am Freitag zu den Ruinen von Pachacamac. Netter Ausflug, leider ist bis auf Überreste von Grundmauern wenig zu sehen. Auch die Landschaft ringsum, flach und trocken, kaum erwähnenswert. Samstag mit dem Bus, das einzig relevante Transportmittel im Land für mich, nach Nazca. Das Dorf wurde durch uralte, überdimensionale Scharrbilder in der nahen Wüste bekannt. Sinn und Zweck derer sind nach wie vor umstritten, auch weil man sie eigentlich nur aus der Höhe erkennen kann. Ein Überflug im kleinen Propellerflugzeug ist, wenn auch nicht billig, für mich drin. So gewinnt man einen phantastischen Eindruck, wobei der Pilot Manöver fliegt die im Empfinden einer Fahrt auf der Achterbahn gleich kommen. Noch am Sonntag geht es mit einem recht günstigen Nachtbus weiter nach Arequipa. Auch “die weiße Stadt” genannt, punktet sie mit sehenswerten kolonialen Bauten. Bereits eingefasst von den Bergen der Anden liegt die Stadt in einer Höhe von 2.300 m. Die Landschaft ringsum nach wie vor eher ein Grau in Grau, sprich viel Wüste mit nur wenigen Oasen dazwischen. Keine Ahnung wie man unter solchen Bedingungen Einheimische und auch Touristen satt bekommt. Ein Wort zum Essen: das ist preiswert, wenn man bei den einfachen Leuten isst. Das einfache Menu mit Suppe und Hauptgang macht für 2 € durchaus satt. Mein Magen verträgt bisher alles problemlos.

in Nazca

     einige der Nazcalinien, gesehen vom Kleinflugzeug aus

   Arequipa, die Kathedrale

2. Woche vom 17. bis 23. November 2009
Dienstag will ich weiter nach Cabanaconde, ein kleines Dorf im peruanischen Hinterland. Leider gab es bei der Reservierung ein zeitliches Missverständniss (12am/12pm). Mein Bus fuhr Mitternacht, doch man bucht mich am Nachmittag kostenlos auf die nächste Verbindung. Die Strasse der Hit, wir werden durchgeschüttelt wie ein Cocktail, ganz zu schweigen vom aufgewirbelten Dreck. Für die 240 km braucht der Bus 6 Stunden, das sagt alles. Während der Fahrt lerne ich Remi kennen, ein 46jähriger Bergführer von hier. Wir führen interessante Gespräche und nach der späten Ankunft kann ich sogar in seinem kleinen Haus übernachten. Mittwoch suche ich mir ein Hostel und mache eine Tagestour auf den Grund des Colca Canyon, beworben als 2. tiefste Schlucht der Welt. Steil führt der Pfad im trockenen Gelände 1.000 Höhenmeter hinunter, wobei einige Ansiedlungen am Weg liegen. Unten in der Oase Sangalle im Pool baden und pausieren, bevor der harte Aufstieg wieder nach Cabanaconde führt

der Weg hinab

Das war eine durchaus anstrengende Wanderung, wobei ich in 9 Stunden eine Strecke lief die als zwei-Tages-Tour gedacht ist. Wirklich aufregend war das für mich aber nicht. So komme ich auf Remi zurück. Schnell sind wir uns einig und ziehen am Freitag los. Es wird, das kann ich schon verraten, ein sehr abenteuerliches Trekking. Glücklicherweise hatte mich Remi überredet einen Packesel zu nehmen, anders wäre die 4tägige Strecke im Hochgebirge der Anden kaum machbar gewesen. Wir starten am VVormittag bei 32°C auf 3.200 m Höhe und treffen hinter Cabanaconde die letzte Menschenseele für Tage

         im Colca Canyon

Freitag Abend schlagen wir unser Lager auf 4.800 m Höhe auf. Das war eigentlich zu viel für einen Tag, auch weil der Körper neben der Höhe den Verlust von 30°C hinnehmen muss - es sind nur noch 2°C. Egal, ich vertraue auf meine Physis und Psyche. Die Symptome der Höhe bleiben für mich glücklicherweise bisher eher mild und sind mir aus dem Himalaya bekannt. Sonnabend queren wir im trockenen Gelände einen 5.200 m hohen Pass und lagern nach 5 Stunden Gehzeit erneut auf 4.900 m, umgeben von der Weite der peruanischen Anden. Sonntag starten wir um 3.30 Uhr den Gipfelsturm auf den 6.288 m hohen Ampato. Mein erster 6.000er! Erst kämpfen wir uns im Licht der Kopflampen durch ein Felsenlabyrinth, dann folgt ein Mix aus steilen Passagen über teils gefrorenen Schotter und verblockte Felder. Ein harter Aufstieg. Es braucht keine spezielle Ausrüstung, doch die Luft ist so dünn, die Anstrengung dabei so groß, das ich teilweise alle 10 m pausieren muss. Der Triumph dann auf dem Gipfel zu stehen, herabzublicken auf die Welt und all die “kleinen” Berge ringsum, ist unbeschreiblich. Nicht darüber reden das wir nach dem Abstieg unsere Sachen packen und weiter 3 Stunden laufen. Heute ging ich weit über die Grenze meiner Belastbarkeit und bin trotzdem glücklich. Montag laufen wir an der riesigen Laguna Mucurca entlang und erreichen nach einem langen Abstieg Cabanaconde. Das war ein Abenteuer der Extraklasse. Zugegeben, ich bin ziemlich fertig nach diesem körperlichen Martyrium.  

Trekking, so begann es

1.Basislager auf 4.800 m

       meine zwei Begleiter

der 6.288 m hohe Ampato 

           steiler Aufstieg

bizarre Eisforman unterm Gipfel

   Basislager 2, rechts unten

 es ist geschafft, ich bin oben

3. Woche vom 24. bis 30. November 2009
Richtig Zeit zum Regenerieren bleibt nicht. Einer Idee folgend sitze ich Dienstag früh (2 Uhr! Was haben die für Abfahrtszeiten hier) schon im Bus nach Arequipa. Dort nach 5 Stunden umsteigen. In weiteren 10 Stunden sind dann die fehlenden 500 km bis Cusco geschafft. Angekommen in der ehemaligen Hauptstadt des Inka Reiches bin ich wirklich fertig mit der Welt und todmüde. Der Mittwoch findet im Prinzip nur im Bett statt. Donnerstag organisiere ich den Transport nach Aguas Caliente, Machu Picchu Village genannt. Auf der Fahrt lerne ich zwei Jungs (19) aus den USA und Neuseeland kennen. Wir suchen eine gemeinsame Unterkunft und stehen Freitag 3.30 Uhr auf, um zu Fuß den Machu Picchu zu besteigen. Das gelingt und wir stehen ganz vorn am Eingangstor in der sich bald bildenden Schlange. 6 Uhr wird geöffnet und nur 5 Minuten später stehe ich als erster an der Hütte vom Wächter und kann das bekannte Postkartenmotiv fotografieren. Die beiden Jungs haben zur Feier des Tages, mein Geburtstag, heimlich eine Flasche kolumbianischen Rum organisiert und wir stoßen erst mal an. Nicht nur wegen mir, sondern auch wegen Machu Picchu. Hier auf die Ruinen der historischen Inka Stadt zu blicken ist der Hammer. Schwer zu beschreiben was mir da durch den Kopf geht, doch das Empfinden ist einfach nur stark. Wir stromern herum, bewundern Architektur, Statik (das meiste steht trotz Erdbeben seit ca. 800 Jahren) und umgebende Natur (alles grün, steile Klippen und Felsen zu welcher Seite man auch schaut). Was für ein Traum. Das früher Erscheinen sichert uns auch die zahlenmäßig begrenzte Erlaubnis den nahen Wayna Picchu zu besteigen um mehr Perspektiven zu erleben. Der Pfad ist steil und schmal, manchmal muss man fast kriechen. Mittag steigen wir ab und feiern am Abend meinen Geburtstag in einer Bar. Toll das alles so perfekt geklappt hat. 

Machu Picchu

         Blick in die Tiefe     

         gefährliche Pfade

             Smile :-)             

Trotz einer kurzen Nacht reise ich bereits Samstag Morgen mit einer Kombination aus Zug und Colectivo zurück nach Cusco. Da treffe ich auf bekannte Reisende wie auch auf neue Gesichter. Nach dem Programm der letzten Woche trete ich nun kürzer und bummel nur etwas durch das Gewirr der Gassen. Cusco ist schön wie auch interessant. Für die sehenswerten spanischen Kirchen wurden vielfach Steine der Inka Tempel wiederverwendet, die passgenau und ohne Mörtel auskamen. Montag dann ein Ausflug zu nahen Inka Ruinen. Saksaywaman (Spitzname: sexy woman, weil ähnliche Aussprache) war eine wehrhafte Anlage, dann kommen im Laufe des Tages Qenqo, Pukapukara und Tambomachay dazu. Nach Machu Picchu können diese nicht wirklich begeistern, aber es ist erstaunlich mit wie wenig Mitteln/Werkzeugen diese perfekten Wände und Gebäude entstanden sind.

Cusco, Plaza de Armas

     die Gassen von Cusco

Festungsanlage Saksaywaman

           Tambomachay

4. Woche vom 1.  bis 7. Dezember 2009
Der Dienstag ziemlich kühl und verregnet, leider wechselt um diese Jahreszeit das Wetter auf der Westseite der Anden recht häufig. Ich kann erst in der Nacht weiter reisen, weil Streikende die Strecke nach Süden blockieren. Mittwoch Morgen 6 Uhr die Ankunft in Puno, gelegen am Titicacasee an der Grenze zu Bolivien. Am Nachmittag mache ich einen geführten Kurzausflug nach Sillustani zu einem alten Friedhof der Inka und Colla. Die Fremdenführerin kann richtig begeistern und die Natur zeigt uns ihr aufregendes Gesicht. Donnerstag der unspektakuläre Wechsel hinüber nach Bolivien, begleitet von sichtlich gelangweilten Grenzposten. Mein nächster Halt kurz hinter der Grenze in Copacabana. Nein, nicht der berühmte Strand. Das Städtchen kann sich sehen lassen. An einer Bucht des riesigen Titicacasees auf 3.820 m Höhe gelegen, begeistert vor allem die Kathedrale. Gleich nebenan ein kleiner 4.000er, von dem aus ich einen herrlichen Sonnenuntergang erlebe. Freitag bringt mich ein Boot auf die nahe Isla del Sol, laut Überlieferung der Geburtsort der Inka Legende. Tolles Wetter zaubert herrliche Aussichten an den Ruinen. Das Licht hier oben hat etwas spezielles und in Verbindung mit verkehrsloser Ruhe prägt sich der Aufenthalt tief ein. 

Puno                          

  Isla del Sol, Titicacasee 

             Sillustani

             Inkaruinen

           Copacabana

             Isla del Sol

             Copacabana

         was guckst du???

Nach einer Nacht auf der Isla del Sol und einem Kurzaufenthalt in Copacabana nehme ich einen Bus nach La Paz. Die äußeren Umstände machen die Eile nötig, denn morgen fährt auf Grund der Präsidentschaftswahlen kein Bus. So erreiche ich schon am Samstag Nachmittag die Haupstadt Boliviens. Das erwartete Chaos vor Ort bleibt aus und die Metropole überrascht mich sehr positiv. Schon der erste Anblick atemberaubend. Auf 3.600 m Höhe liegt La Paz trotzdem wie in einem Canyon, wo die Häuser zu allen Seiten die steilen Hänge hinauf klettern. Dazu zeigt sich im Hintergrund häufig der 6.400 m hohe Illimani, Hausberg von La Paz. Am Sonntag wie gesagt die Präsidentschaftswahlen. Tolles Wetter, wie für diesen Tag gemacht. Die Stadt selbst erscheint wie leer gefegt. Fast alles hat geschlossen und die sonst verstopften Strassen benutzen einige um gefahrlos Ball zu spielen. Ich ziehe meine Runden in und um das Zentrum mit dem Plaza San Pedro. Das ist anstrengend, bei der Höhe und den steilen Anstiegen hat der Körper ordentlich zu kämpfen. Am Abend stehe ich mit am Präsidentenpalast, wo ein gut aufgelegter Vizepräsident nach dem erfolgreichen Ausgang der Wahl inmitten von Einheimischen ein Interview nach dem anderen gibt. Mein Montag dann geht für die weitere Planung, Buchung und all die kleinen Dinge drauf die man unterwegs nun mal erledigen muss.

La Paz

     Wahlsonntag in La Paz

 warten auf das Wahlergebnis

           Tiwanaku Kultur

5. Woche vom 8.  bis 14. Dezember 2009
Dienstag bringt mich das Unternehmen Vertigo zusammen mit einer kleinen Gruppe Waghalsiger zu der angeblich gefährlichsten Strasse der Welt. Die alte Schotterstrecke führt von La Cumbra, 4.700 m Höhe, über 64 km hinab nach Coroico, 1.100 m hoch gelegen. Nach kurzer Einweisung steigen wir, ausgerüstet mit Helm, Handschuhen und Protektoren, auf die Mountainbikes. Die Strasse ist mehr ein Weg, teils nur 3 m breit und hinter vielen der nicht einsehbaren Kurven lauert ohne die geringste Barriere ein bis zu 600 m tiefer Abgrund. Ein toller Nervenkitzel. Nach 15 km verschwinden wir in den Wolken, nun wird es wie es sein soll: nass, schlammig und voller Spaß. Weil nur noch wenige diese Strecke nutzen passiert nun viel seltener etwas. Auch wir kommen heil, wenn auch total verdreckt, unten an und müssen die dortige Hitze und Luftfeuchtigkeit erst mal verkraften. Zurück nehmen uns Kleinbusse auf einer neu gebauten Strasse mit. Die ist asphaltiert und definitiv breit wie auch sicher genug.

Hausberg La Paz, der Illimani

       der lange Weg hinab

Vorbereitung zur Tour

  ein bisschen Spaß muss sein

Mittwoch steht mal wieder eine lange Strecke per Bus an. Mittag steige ich in Oruro um und erreiche nach weiteren 6 Stunden das 550 km entfernte Potosi. Im 16. Jh. durch reiche Silbervorkommen in den Fokus gerückt, blieb die Stadt dem Bergbau treu. Handarbeit ist weiterhin das Maß aller Dinge und unter miesen Bedingungen schuften noch heute 5.000 Kumpel unter Tage. Ich nehme tags darauf an einer Tour in die Tiefe teil, ein schockierendes und prägendes Abenteuer. Unsere kleine Gruppe von vier Leuten wird mit Helm, Grubenlampe und Schutzsachen ausgerüstet. Dann bringen uns zwei Führer unter Tage. Wir folgen den niedrigen Gängen, klettern von einem “Stockwerk” ins nächste, krabbeln teilweise auf allen vieren und treffen bei steigenden Temperaturen und größerer Staubentwicklung auf manchen “Kumpel”. Wie die das hier unten aushalten ist mir rätselhaft. Kein festes Licht im Schacht, keine technische Ausrüstung außer der teils funktionierenden Belüftung und als ingenieurtechnisches Wissen nur die Praxisschulung durch die Älteren. Den Presslufthammer ersetzt nach wie vor Dynamit, welches auch wir auf dem Markt für Bergarbeiter erstehen. Die Stange mit Zündschnur kostet nur 2 €. Kaufen darf das hier jeder, doch außer im Berg wird nirgendwo gesprengt. Wir sind die Ausnahme: zwei Stangen lassen wir auf einer Halde hochgehen, geniale Erfahrung.

Eingang zur “Hölle” 

  einzige Technik unter Tage

   nichts für Klaustrophoben 

 echtes Dynamit, Lunte brennt

Das Wetter in Potosi ist leider ziemlich durchwachsen, was auf Grund der Höhe etwas unangenehm ist. In einem Cafe lerne ich Shannon aus Neuseeland kennen. Überraschend schnell kommen wir überein gemeinsam nach Sucre zu reisen. Bis 1899 war das die Hauptstadt Boliviens und blieb es auf dem Papier bis heute. Die Stadt ist hübsch, vor allem das Zentrum, und es herrscht eine lockere und entspannte Atmosphäre. Von Regenzeit kaum eine Spur, liegt es am Klimawandel? Wir bleiben eine Nacht und brechen Samstag früh in die nahen Berge auf. Der Transport schwierig, seltene und falsche Infos begleiten uns die ganze Zeit. Doch so wird es ein Abenteuer welches lange in Erinnerung bleibt. Wir erleben in zwei Tagen tolle Landschaften, uralte Inka Malereien, steinzeitalte Dinosaurierabdrücke und einen 18 km weiten Vulkankrater. Abgesehen davon ist unser verfügbares Kartenmaterial nur selten etwas wert. So klettern wir durch kleine Canyons, Schluchten, kreuzen einen schlammigen Fluss und müssen viele Höhenmeter bewältigen. Samstag erreichen wir das Dorf Maragua erst im Dunkeln, nur meine Kopflampe spendet Licht. Ohne Straßenlampen bzw. irgendwelchen “sichtbaren” Einwohnern die Unterkunft zu finden bringt uns an den Rand von Kraft und Nerven. Erst ein altes Paar kann helfen und treibt jemand mit Schlüssel auf. Essen, geschweige denn ein Restaurant, gibt es keines und (Trink)Wasser erst am nächsten Morgen. Eine Packung mitgebrachte Kekse ist alles was wir haben. Sonntag müssen wir ein ganzes Stück bis nach Potolo laufen, was vor allem für Shannon sehr hart ist. Unterwegs gibt es noch einiges zu sehen und ich bin recht zufrieden. Leider fährt heute kein Bus mehr, aber eine Familie nimmt uns trotz vollem Auto mit nach Sucre. Puh, nun ist erst mal ein Tag Pause notwendig. Ich esse viel und bringe meine Ausrüstung wieder auf Vordermann.

Potosi

Maragua

     der Pfad ins Ungewisse

     im Krater von Maragua  

Inka Malerei in Pachamachay

   geniale Vulkanlandschaft

     echte Dinosaurierspuren

               bei Potolo

6. Woche vom 15. bis 21. Dezember 2009
Der Dienstag steht mal wieder ganz im Zeichen einer langen Busfahrt. Von Sucre zurück nach Potosi, dann weiter in Richtung Südwesten. Die Straßen werden zunehmend schlechter, so das der Bus für die 220 km geschlagene Sechs Stunden benötigt. Einziges Highlight während der Fahrt: am sonst strahlend blauen Himmel leuchten ein paar Wolken in den Regenbogenfarben. Mein Ziel in der Wüste ist das Dorf Uyuni, übersichtlich und mit gitterähnlichem Straßennetz. Mittwoch die Tourbüros für ein mehrtägiges Abenteuer in der Salzwüste abklappern. Schon am nächsten Morgen geht es los. Zu sechst sitzen wir Backpacker in einem Landrover Jeep. Der Fahrer ist gleichzeitig unser Guide. Der erste Halt gleich außerhalb von Uyuni am Lokfriedhof. Da rotten und rosten zig alte, teils ausgeschlachtete, Dampfloks und Waggons vor sich hin. Hat was fotogenes. Danach hinein in die Salzwüste Salar de Uyuni. Die ist spektakulär. Flach wie ein Brett, knapp 100 km Durchmesser und so leuchtend weiß das ein Abnehmen der Sonnenbrille schmerzt. Mittendrin eine Vulkaninsel mit Kakteen. Sonst halten wir um über Salzgewinnung bzw. -verwendung informiert zu werden. Nachts schlafen wir in einem Salzhotel, genialerweise aus eben jenem Material erbaut.

Lokfriedhof Uyuni 

       Salzwüste Uyuni 

         Insel Incahuasi 

         enjoy the silence

Freitag fahren wir mit dem Jeep weiter. Es geht auf teils sehr holprigen Pisten vorbei an scheinbar ausgestorbenen Dörfern und durch Wüste hin zu zauberhaften Lagunen. Zum Baden ungeeignet, haben hohe Konzentrationen von Mineralien und Bakterien das Wasser gefärbt. Leben gibt es darin anscheinend genug, denn Flamingos gehen fotogen auf Beutefang. Skurrile Formen der Wüste begleiten uns auf dem Weg in höhere Gefilde und damit näher zu den Vulkanen. Die Nacht auf 4.700 m ist kalt und die Unterkunft hinkt um Welten dem Salzhotel von gestern hinterher. Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon 4.30 Uhr. Wir brauchen warme Sachen und besuchen zum Sonnenaufgang ein vulkanisch aktives Gebiet mit kleinen Geysiren und Fumarolen. Da blubbert und raucht es nur so. Nach einem sehr angenehmen Bad in heißen Quellen besuchen wir weitere Lagunen. Für die anderen steht dann die lange Fahrt zurück nach Uyuni an. Ich lasse mich wie abgesprochen in Sichtweite vom knapp 6.000 m hohen Vulkan Licancabur absetzen, wo mitten im Niemandsland ein kleiner Grenzübergang nach Chile existiert. Der Übergang ins andere Land könnte nicht kontrastreicher sein. Neue Busse, dazu asphaltierte Straßen und sogar Straßenschilder. Das bin ich seit Wochen nicht gewohnt. Schnell ist San Pedro die Atacama, das mitten in der gleichnamigen Wüste liegt, erreicht.

Salz, wohin man auch schaut

 Vulkanlandschaft 

       im Salzhotel Atulcha

       knietiefe Lagunen 

   ein Dorf am Ende der Welt

   wunderschöne Flamingos

     Gebilde der Wüste

         Vulkan Licancabur

Nun also Chile. Das ist wirklich ein Wechsel vom dritte Welt Land in die westliche Gegenwart. Nichts gegen Länder wie Bolivien, die viel echtes Abenteuer für kleines Geld bieten, aber hier und nun macht alles einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck. Das hat natürlich seinen Preis und ich komme längst nicht mehr mit dem Budget der letzten Zeit hin. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Hitze, es herrschen nun tagsüber locker 30°C. Immerhin belastet das einen in der trockenen Luft nicht so sehr. Am Sonntag leihe ich ein Mountainbike aus und drehe eine Runde in der Atacama Wüste, als einer der trockensten Flecke der Erde bekannt. Im Durchschnitt regnet es hier 15 mm pro Jahr. Ich erlebe staubtrockene Landschaft, tolle Singletreks durch manch schmalen Canyon und das eindrückliche Val de Luna (Mondtal). Ganz nebenbei muss entschieden werden wie die Reise weiter gehen soll und wo ich Weihnachten und Sylvester verbringen will. Bei der Vielzahl von Möglichkeiten keine leicht zu treffende Entscheidung. Letztendlich gewinnt das Motto “Berge” gegen “Ozean”, was bei meiner Vorliebe wenig verwunderlich ist.

bei San Pedro de Atacama

         Radtour Mondtal

   Mondtal, Atacamawüste

         Wüstenlandschaft

7. Woche vom 22. bis 28. Dezember 2009
Der Dienstag geht mal wieder komplett für eine Busfahrt drauf. Es sind ganze 600 km Straßenkilometer bis hinüber nach Salta, Argentinien. Die Straße ist ziemlich neu, der Aufenthalt an der Grenze zwecks Formalitäten recht kurz. Der Transport ist nicht mehr so günstig wie zuvor. Für die 35 € hätte ich in Bolivien eine Woche lang den Bus nutzen können. Auf der Fahrt ergeben sich tolle Ausblicke auf eine interessante Landschaft, die zwar trocken aber trotzdem farbig und vielfältig erodiert ist. Hinter einem 4.300 m hohen Pass schlängelt sich das Asphaltband hinunter auf 1.700 m. Wetterbericht: Sonne, tags um die 30°C und nachts sinkt das Thermometer kaum unter 25°C. Salta ist überraschend schön und erobert mein Herz im Sturm. Alles macht einen sehr entspannten Eindruck und kommt typisch spanisch rüber: sprich von 13 Uhr bis 17 Uhr eine ausgedehnte Siesta, wobei praktisch alles geschlossen hat, sowie das Abendessen erst ab ungefähr 21 Uhr. Zu Beginn ist das für mich noch recht gewöhnungsbedürftig. Schnell gewöhnen kann man sich dagegen an das argentinische Eis. An jeder Ecke steht ein Laden, die Preise sind günstig und unzählige Geschmacksrichtungen, allein bis zu fünf Schokoladen, warten darauf probiert zu werden.

Salta, typische/s  Bar/Cafe

                   die Kirche des heiligen Franziskus

           Salta, Zentrum

Über einen Aushang lerne ich Anne und Julien aus Frankreich kennen. Gemeinsam mieten wir ein Auto und brechen Donnerstag auf. Durch das Hinterland geht es über Cachi nach Molinos, ein 400 Seelendorf. Da an Heilig Abend spanischer Gottesdienst und im einzigen Hotel der Gegend ein leckeres Essen mit lokalem Wein. Nachts tobt ein heftiges Gewitter, dessen Nachwirkung  wir am nächsten Tag spüren. Die Schotterstrasse ist durch den Regen arg in Mitleidenschaft gezogen. Wir treiben den Gol, VW vertreibt ihn in Südamerika ohne “f”, über Steinfelder, durch Flussbetten und schlammige Spurrinnen, fast eine richtige Rallye. Richtig hart wird es als die Strasse mehrfach bis über 100 m mehr einem Teich ähnelt, das Wasser schlammig und recht tief. Wir kommen überall durch, graben allerdings einmal einen Kanal um zig tausende Liter Wasser von der Strasse zu bekommen. Für die Strecke bis Cafayate brauchen wir so 6 Stunden statt der geplanten 2,5! Ganz “Nebenbei” fahren wir durch eine tolle Landschaft. Überall farbige Felsen und eine sichtbar gefaltete Geologie mit phantastischen Formen. Dann Cafayate: hübsch, umgeben von Winzereien. Wir essen gut, 300 g Rindsentrecote für 4 €, und trinken leckeren Malbec. Das nenne ich Weihnacht.

Park Los Cardones

     Quebrada de Flecha

       Quebrada de Flecha

           Friedhof Cachi

Samstag erkunden wir südlich von Cafayate die Quedraba de Cafayate. Die Strassen sind nun wieder asphaltiert und wir sehen einige Tourbusse, sprich wir sind wirklich zurück in der Zivilisation. Die rote Felsenlandschaft lässt uns staunen. Es braucht nur wenig Phantasie um Formationen wie: Burg, Amphitheater oder die Garganta del Diablo zu erkennen. Mittag trennen wir uns wie geplant. Die beiden fahren zurück nach Salta, ich bleibe in Cafayate. Weil mein Versuch dahin zurück zu trampen so gut geklappt hat, soll das Abenteuer am nächsten Tag weiter gehen. Leider stehe ich mir dabei die Beine in den Bauch. Vielleicht liegt es an der Gegend, oder weil Sonntag ist, denn keins der seltenen Fahrzeuge hält. Nach drei Stunden ein kleines Stück per Bus, dann wieder stundenlang Frust. Entnervt gebe ich nach 200 km in Tucuman auf und nehme den Nachtbus nach Mendoza, was ganze 1.200 km sind. Auf der Strecke bleiben damit zwei Nationalparks und ein Regionalpark. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Eigentlich schade, aber der Aufwand wäre enorm. Trampen war ja recht erfolglos, wegen der Feiertage sind Busse selten bzw. ausgebucht und mit dem Besuch der Nationalparks käme ich wohl erst am 31.12. nach Mendoza. Dann wäre kaum Zeit zum Ausspannen und es gäbe auch Probleme ein freies Bett zu finden. Also eine 16stündige Busfahrt, die überraschend angenehm und bequem verläuft. Am Montag in Mendoza, DIE Weinregion von Argentinien. Die Stadt nett, wenn auch weniger schön wie erhofft. Keine grüne Hügellandschaft, sondern eine eher flache, trockene Gegend in der viel bewässert wird.

Quebrada de Cafayate

             die “Burg”    

 erstaunliche Felsformationen

       im “Amphitheater”

8. Woche vom 29. Dezember 2009 bis 4. Januar 2010
In Mendoza ausruhen, die Gegend genießen und ein paar Tage keinen Rucksack packen, das gefällt. Übrigens: der Flughafen für den Rückweg nach Deutschland, Buenos Aires in Argentinien, liegt nur 1.000 km östlich. Eine recht kurze Strecke, denn bis zum Wendepunkt meiner Reise, Ushuaia in Argentinien, sind es noch mehr als 3.300 km. Sylvester in Mendoza macht Spaß. Im Hostel feiern dreißig Backpacker aus aller Welt mit den Angestellten an einer langen Tafel. Müde steige ich an Neujahr in den  Bus nach Puente del Inca, in Grenznähe zu Chile. Das war nötig, denn tags darauf blockiert ein Friedensmarsch die Strecke.

Mendoza

     Mendoza, Cerro Gloria

         Puente del Inca

         Puente del Inca

Samstag lasse ich einen Teil meiner Sachen im Hostel und breche zu Fuß in den Aconcagua Parque Provincial auf. Ich campe und wandere zwei Tage lang am Fuße des Berges, mit 6.920 m der höchste Gipfel außerhalb des Himalaya. Ein Gipfelsturm fällt aus, ich bräuchte einen Führer, jede Menge Ausrüstung wie auch Essen, mehr Zeit und Geld, denn allein die Erlaubnis für den Berg kostet 500 USD. Ich tröste mich bei traumhaftem Wetter mit tollen Blicken auf den eisigen Gipfel aus rund 4.000 m Höhe. Auf dem Zeltplatz lerne ich unter anderem den Schweizer Alex kennen. Wir verstehen uns auf Anhieb und reisen am Montag gemeinsam weiter. Er hat einen Mietwagen, was mehr Unabhängigkeit und vor allem Komfort verspricht. Nach einem kalten Morgen mit nur 5°C wird es wieder ein schöner Tag. Leider stehen wir wie alle anderen vier Stunden am Grenzübergang nach Chile. Die Beamten kontrollieren sehr genau, das braucht nun mal Zeit. Die Straße führt dann in unzähligen Serpentinen bergab. Wir kommen weiterhin nur langsam voran. Der dichte Verkehr mit vielen LKW und Mautstellen sorgen dafür das wir erst abends nach 230 km das von Alex angestrebte Vina del Mare an der Pazifikküste erreichen. Die Stadt ist ziemlich groß und gefällt uns nicht, also folgen wir meiner Idee mit Valparaiso, keine 20 km weiter. Dort finden wir ein angenehmes Hostel in Zentrumsnähe.

der Aconcagua aus der Ferne

   Aconcagua und Gletscher

   langer Stau an der Grenze

     endlose Serpentinen

9. Woche vom 5. bis 11. Januar 2010
Die nächsten Tage bleibe ich in Valparaiso, zu Beginn gemeinsam mit Alex. Die Stadt überzeugt fast durchweg positiv. Direkt am Meer verteilen sich auf steil ansteigenden Hügeln viele kleine und überaus bunte Häuser. Darin herum zu spazieren ist mit steilen Treppen und Gassen anstrengend. Hier und da helfen alte “Ascensores”, ein Mix aus Bergbahn und Lift, nach oben zu kommen. Vorsicht ist jedoch in manch ärmeren Viertel geboten, einmal bewahrt mich, allein unterwegs, nur Glück und Geschick davor ausgeraubt zu werden. Aber das war nur eine Randnotiz, denn ich fühle mich wohl und sicher hier. Auf dem Fischmarkt gibt es eine riesige Auswahl an frischen Produkten und kulturell punktet das Meeresmuseum oder das von Pablo Neruda. Ganz nebenbei gilt es, sich intensiv Gedanken über den weiteren Reiseverlauf zu machen. Vor allem die erwünschte Schiffspassage im Süden Chiles muss rechtzeitig gebucht werden. Mit solch Dingen im Kopf reise ich am Freitag weiter nach Santiago de Chile. 

Valparaiso  

schöne Häuser,kräftige Farben

   der Hafen von Valparaiso

       die Hügel der Stadt

Die Fahrt dauert keine zwei Stunden. In der Hauptstadt des Landes brauche ich dann die U-Bahn und einen längeren Weg zu Fuß bis zum empfohlenen Hostel. Das ist gut gelegen und unter anderem mit einem Pool ausgestattet. Nur an den Trubel hier muss ich mich gewöhnen. Bald die erste Erkundungstour zu Fuß. Kathedrale, Plaza de Armas und besonders schön: der Cerro Santa Lucia mit Castillo. Samstag ergänze ich meine Campingausrüstung, sammle viele Infos über Nationalparks weiter südlich und buche die Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales. Somit muss ich spätestens am 29. Januar dort sein, um 3 Tage lang durch die Fjorde von Südchile zu crusien. Lerne im Hostel nette Leute kennen, vor allem die Deutsche Lena. Zusammen ziehen wir durch die Stadt. Vom Cerro Cristobal ein weiter Blick, der leider vom Smog begrenzt wird. Der gigantische Friedhof hat die Größe eines Dorfes und Gräber die mehr einem Schrein oder einer Kirche ähneln. Nachts zeigt “die Feuervögel”, eine deutsche Theatergruppe, ein tolles Programm in den Strassen, bevor der Nachtclub “Blondie” bis weit in den Morgen rockt. Einzig die Dakar Rallye, die diesen Winter ausnahmsweise durch Chile und Argentinien führt, verpasse ich. Montag treibt mich das Abenteuer weiter. Nach tagsüber 30°C in Santiago verblüfft der schnelle Klimawechsel. In Chillan, 400 km südlicher, sind die Nächte trotz geringer Höhe sehr frisch und am Tage mit Sonne nur 13 °C. Die Landschaft ringsum ist eher flach, doch im Osten ragt ein perfekt geformter Vulkankegel neben dem anderen eisbedeckt bis zu 3.100 m hoch in den Himmel.

Santiago de Chile, Friedhof  

       Cerro Santa Lucia

     Show der “Feuervögel”      

  Museum: prekolumbianisch

10. Woche vom 12. bis 18. Januar 2010
Nach nur einer Nacht in Chillan gleich weiter. Die Gegend nun weniger touristisch, aber sehenswert. Am Saltos del Laja steige ich als einziger aus dem Bus. Toller Wasserfall, der einige Fotos wert ist. Nach dem Mittag weiter. Das Umsteigen von Bus zu Bus klappt wie am Schnürchen über Los Angeles bis zum Nationalpark Laguna del Laja. Da versuche ich es gezwungenermaßen als Anhalter, was nun bei recht kurzen Strecken fast problemlos klappt. Im Nationalpark ein schöner, wenn auch teurer Campingplatz. Von ihm aus starte ich einige Wandertouren in die Bergwelt. Wälder, Felsen, Lavafelder und Wasserfälle prägen die Landschaft, was mir außerordentlich gut gefällt. Mittwoch Nachmittag trampe ich zum Bus und fahre mit dem nach Temuco

Wasserfall Saltos del Laja

Nationalpark Lagunas del Laja

   Lavafelder und hohe Berge

       Wasserfall mal anders

Ein Tag in Temuco geht mit Vorbereitung der nächsten Etappe und Pflege der Ausrüstung, sprich Wäsche waschen, drauf. Am Freitag nehme ich den Bus nach Melipeuco. Dort ein Besuch am Truful-Truful Wasserfall, bevor es per Anhalter in den schönen  Conguillio Nationalpark geht. Am gleichnamigen See, Laguna Conguillio, campiere ich auf dem Zeltplatz und wandere durch die Gegend. Toller Araucaria Wald, glasklare Seen und herrliche Blicke auf den Vulkan Llaima (3.125 m hoch) machen glücklich. Leute sind nur wenige unterwegs. Leider zieht Samstag Nachmittag der Himmel zu und in der Nacht regnet es. Sonntag packen und mit Anhalterglück zurück nach Temuco. Mein letztes Hostel dort hat anscheinend grundlos geschlossen. Mies, schließlich liegen da Sachen die ich zurückgelassen hatte. Ganz nebenbei sei erwähnt das am Sonntag die Stichwahl zur Präsidentschaft in Chile stattfindet. Die gewinnt Pinero knapp gegen Frei. Abends ist deswegen in Temuco die Hölle los. Autokorso, Gehupe und Party an praktisch jeder Ecke. Für mich ist es eine durchaus verblüffende Erfahrung zu sehen wie Chilenen abgehen können.

Truful-Truful Wasserfall  

tolle Kulisse

         Laguna Verde

         junger Araucaria

  Conguillio Nationalpark mit Araucaria Wald und Vulkan Llaima

                         einheimische Tierarten

Montag früh kann ich meine Sachen aus dem gestern geschlossenen Hostel holen und schaffe es bis Mittag mit dem Bus nach Pucon. Der Ort wird stark beworben und im Reiseführer gelobt. Allerdings kann ich das persönlich nicht nachvollziehen. Gut, da ist ein hübscher See mit einem Strand aus dunklem Lavasand, dahinter der perfekt geformte Vulkan Villarica (2.582m). Dessen Besteigung ist nur per Tour möglich, die wenigstens 60 € kostet. Solch eine Vermarktung ist gar nicht nach meinem Geschmack

11. Woche vom 19. bis 25. Januar 2010
Ich tue was kein anderer tut und umrunde am Dienstag mit einem MTB den Vulkan. Das werden 140 anstrengende Kilometer auf teils haarsträubenden Tracks, wobei sich die Frage stellt ob es das wert war. Im “Rap Burger” in Pucon esse ich den bis dato größten Hamburger meines Lebens: 20 cm Durchmesser und 15 cm hoch. Nicht nur groß, auch lecker. Apropos Lebensmittel: in Asien sind die Bierflaschen teils 640 ml groß. Hier in Südamerika hat die Normflasche EINEN Liter Inhalt, das nenne ich ein Bier. Geschmack? Glücklicherweise gab es deutsche Auswanderer. Mein Favorit: Austral Bier, gegründet 1896 von einem Deutschen. Bei Wein sind meine hiesigen Favoriten chilenischer Carmenere oder argentinischer Malbec. Den Mittwoch braucht mein Körper zur Erholung. Förderlich dabei sind feiner Kaffee und Kuchen, serviert im Cafe “Rostock”. :-). Donnerstag bin ich früh am Bus und mache einen Tagesausflug in den Nationalpark Huerquehue. Abenteuerliche Pfade führen auf den Gipfel des San Sebastian, 1.900 m hoch. Vom Gipfel ein herrlicher Blick auf insgesamt vier Vulkane und sieben Seen, was ich ganz allein genießen kann.

der Mega Burger in Pucon

             bei Pucon

     im Nationalpark Huerquehue: Vulkane, Seen und Wald

Am Freitag der Wechsel ins 160 km entfernte Valdivia. Mit dem Bus dauert das über drei Stunden, was für Südamerika ziemlich normal ist. Die Stadt macht einen netten Eindruck, ist für mich aber nur eine Zwischenstation. Tags darauf sind die Strecken mit dem Bus noch länger. Wird Zeit mal eine Pause von diesem Transportmittel zu bekommen. Nach dem Umsteigen in Puerto Montt mit der Fähre auf die nur 3 km entfernte Isla Grande de Chiloe übersetzen. Danach sind es weitere 80 km bis zum Ziel Castro, an der Ostküste der Insel gelegen. Sonntag ist es dann nur ein Katzensprung ins Dorf Chonchi, ein Ort mit kaum 5.000 Einwohnern. Das Leben geht hier einen sehr entspannten Weg. An kaum einem der Läden stehen feste Öffnungszeiten, sprich man öffnet nach Belieben. Mein Hostel liegt am Wasser, mit Blick zum kleinen Hafen. Ich bewohne ein eigenes Zimmer in einem ruhigen Bungalow gleich neben dem Haupthaus, Küche und Terrasse inklusive. Genau richtig zum Ausruhen und Erholen.

Promenade in Valdivia 

     Zentrum von Chonchi

     am Hafen von Chonchi

 Chiloe Nationalpark am Pazifik

12. Woche vom 26. Januar bis 1. Februar 2010
Ich erkunde die Gegend, laufe durch kleine Dörfer mit alten, meist von Deutschen erbauten Holzkirchen, und wandere im Chiloe Nationalpark am Pazifik. Vier Nächte an einem Ort, das hat es bisher kaum gegeben. Donnerstag ist es an der Zeit der Insel den Rücken zu kehren. Nach einer Pause in Ancud mit Stadtbummel geht es wieder über den Kanal nach Puerto Montt. Eine Nacht dort und etwas die Zeit vertreiben, das Schiff hat 9 Stunden Verspätung. 23 Uhr können wir an Bord der großen Fähre. In unserem 4er Abteil treffen sich: Sarah aus Kanada, Matt und Nicky aus UK, sowie meine Wenigkeit. Wir verstehen uns auf Anhieb und haben drei schöne Tage an Bord. Die “Evangelista” der Navimag bringt uns durch eine Fjordlandschaft 1.000 km weiter nach Puerto Natales. Das Essen an Bord ist besser als erwartet und man sorgt auch für Entertainment. Filme, Vorträge und sogar ein lustiger Bingo Abend. Während dessen zieht eine interessante Landschaft vorbei. Wir haben gutes Wetter, ein Tag mit Sonnenschein und insgesamt recht ruhige See. Zu passierende Engstellen zwischen den felsigen Inseln geben nur 80 m Platz, bei 40 m Breite von unserem Schiff eine haarscharfe Angelegenheit. Wir fahren sogar zu einem Gletscher der bis in den Ozean reicht. Genial, nur leider war das im Halbdunkel morgens um 6 Uhr. Ansonsten dürfen wir auf dem Schiff in fast allen Ecken rumschnüffeln, sogar die Brücke besuchen und dem Kapitän bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Als wir Montag in Puerto Natales ankommen wollen wir gar nicht vom Schiff. Zum einen gefällt es uns an Bord, zum anderen begrüßt uns das Wetter mit für hier typischen 8°C, Regenschauern sowie einem eiskalten und stürmischen Wind. Willkommen in Patagonien!

Kirche in Ancud       

     Blick über Puerto Montt

         die “Evangilista”     

schönes Wetter, ruhige See, ab und an ein Vulkan in der Ferne und sogar ein Regenbogen

  beim Kapitän auf der Brücke

     windiges Puerto Natales

13. Woche vom 2. bis 8. Februar 2010
Dienstag Informationen sammeln und mit der Wettervorhersage einen Plan schmieden. Ich entscheide mich mit Matt und Nicky im Torres del Paine Nationalpark, eines der großen Highlights in Patagonien, zelten zu gehen. Zur Vorbereitung ein Besuch bei “Erratic Rock”, wo uns Profis auf das Abenteuer einstimmen. Die Wanderroute, genannt das große “Q” sieht 7 bis 9 Tage unabhängiges campen vor, was Sorgfalt beim Packen erfordert. Vor allem das Essen muss stimmen und jeder von uns schleppt zu Beginn um die 5 kg davon mit sich herum. Am nächsten Vormittag mit dem Bus zum Eingang des Parks. Die Sonne scheint und wir laufen los, motiviert bis in die Zehenspitzen. Donnerstag 4 Uhr aufstehen und bei Minusgraden und leichtem Schneefall zu den “Türmen” laufen um dort den Sonnenaufgang zu erleben. Ein tolles Erlebnis. Im Laufe des Tages der Abschied von Matt und Nicky. Ich habe einen schnelleren Rhythmus und bin längere Laufzeiten gewohnt. Freitag überschreite ich einen Pass, wo sich mir ein spektakuläres Panorama mit dem Dickson Gletscher bietet. Das Wetter ist erträglich. Durch fast unberührte Natur mit teils Moorwiesen auf denen man bis über den Knöchel einsinkt gelingt es mir bis zum Campingplatz Los Perros zu kommen.

Patagonien      

     im Torres del Paine NP

   morgens an den Türmen

 fast schon kitschig: ein Hotel

Samstag wird das Wetter schlechter. Im Nieselregen über den Gardner Pass, wobei auf 1.200 m Höhe Schneefelder zu kreuzen sind. Es ist teils kalt und ungemütlich, was neben dem riesigen Grey Gletscher, sozusagen ein gigantischer Kühlschrank, nicht besser wird. Der gehört zum patagonischen Eisfeld, in der Fläche ungefähr so groß wie die Neuen Bundesländer. Erstaunlich wie blau sein Eis auch ohne Sonnenschein leuchtet. Der Sonntag beginnt mit Sturm und Regen. Wie ich später höre war es heute die Hölle auf dem Gardner Pass, mein Glück das schon hinter mir zu haben. Ich kämpfe mich durch Schlamm, teils steil auf und ab, bis zum Campamento Italiano. Die Landschaft zeigt sich dabei wunderschön und wild zugleich. Montag lasse ich Zelt wie Ausrüstung stehen und wandere mit leichtem Gepäck ins Valle del Francia. Es stürmt, womit die gefühlte Temperatur nahe dem Gefrierpunkt liegt, doch unter teils blauem Himmel zeigt das Tal seine ganze Schönheit. Ich kämpfe mich weiter rauf als bis zum Mirador Britanico, die Sicht auf Granithörnern, Granittürmen und vom Wind geformter Flora sind einzigartig auf dieser Welt. Am Nachmittag komme ich mit Gepäck bis zum Campamento Carreterra. Derweil versinken hinter mir die Berge in dichten Wolken.

Grey Gletscher

         im Valle Francia

             Lago Pehoe

     ein letzter Blick zurück

14. Woche vom 9. bis 15. Februar 2010
Dienstag früh regnet es erneut. Frühstück wie auch Rucksack packen unter einem Schutzdach. Da ist es trocken, wenn auch nur bedingt windgeschützt. Dann die Zähne zusammen beißen und die letzten 10 km in Angriff nehmen. Wenn der Wind mit dir und deinem Rucksack spielt, dich fast umwirft und dabei den Regen waagerecht durch die Gegend treibt, du durch Pfützen und Schlamm läufst, auf weiten Wiesen keinen Schutz findest und dabei von einem warmen und trockenen Ort träumst, dann bist du in Patagonien ;-). Gegen Mittag beende ich im strömenden Regen nach sieben Tagen den mehr als 180 km langen Trek und kehre nach Puerto Natales zurück. Trotz der Anstrengung und des teils schlechten Wetters, wobei das so weit im Süden eher normal ist, war es ein tolles Abenteuer mit Eindrücken die mir lange in Erinnerung bleiben werden. Der Körper braucht erst mal zwei Tage Pause um die Strapazen zu verarbeiten. Freitag nehme ich den Bus nach Punta Arenas. Die Strecke führt durch die flachen Steppen von Südpatagonien, recht trist an einem regnerischen Tag. Die Stadt dann ansprechend, mit einem hübschen Zentrum und Gebäuden aus der guten, alten und damals recht reichen Zeit. Unbedingt erwähnenswert ist der hiesige Friedhof. Einfallsreiche Gärtner und fantasievolle Architektur schufen einen Ort zum Wandeln und Staunen. Samstag treffen Matt und Nicky ein, die für den Trek zwei Tage mehr als ich gebraucht hatten. Gemeinsam lassen wir die letzte Woche Revue passieren.

Punta Arenas, Villa Braun

                       auf dem Friedhof in Punta Arenas

               Ushuaia

Sonntag Aufbruch in Richtung Ushuaia. Aus Abenteuerlust und Spargründen auf den Bus verzichtend trampe ich. Recht spät die Erkenntnis das Sonntag ist, denkbar ungünstig als Anhalter auf den wenig frequentierten Strecken in Patagonien. Letztlich wird mein Mut belohnt. 8 Autos und eine Fähre bringen mich 300 km weiter bis Rio Grande auf Feuerland in Argentinien. Zwar muss ich teils lange im kräftigen und kalten Wind ausharren, doch das bringt nun mal das Abenteuer mit sich. Autos sind selten und 130 km führen sogar auf schlechten Schotterstrassen durch die Steppe. Trucker, wilde Gauchos, ganz normale und auch ein wenig unnormale Leute sind meine Helden des Tages. Das letzte junge Paar bringt mich sogar bis zur Haustür eines guten Hostels. Montag die restlichen 200 km bis Ushuaia. Erneut steht mir das Glück zur Seite und ich schaffe es in einem Ritt, wenn auch der Fahrer ein, vorsichtig gesagt, skurriler Typ ist. Ushuaia: die südlichste Stadt der Erde und das Ende landgebundenen Transportes. Die Umgebung wie erträumt. Schroffe schneebedeckte Berge, kleine Inseln im Beagle Kanal und viele Schiffe.

der Hafen von Ushuaia

       bei idealen Bedingungen gelingen solche Reflexionen

         ein altes Wrack

15. Woche vom 16. bis 22. Februar 2010
Dienstag treffe ich, wie gestern Abend besprochen, Matt und Nicky in ihrem Hostel. Überraschung: auch Sarah ist hier, womit unsere Navimag Truppe wieder komplett wäre. Gemeinsam mieten wir ein Auto und erkunden die Umgebung. Das Wetter wird dabei immer besser, nach dem Mittag sogar traumhaft. Unser Besichtigungsprogramm: Passo Garibaldi; eine alte Farm, Estancia Haberton (Buchtipp: Lucas Bridges, The uttermost part of the earth); Puerto Almanza und anderes. Ein richtig toller Tag, der noch besser ist weil wir ihn gemeinsam erleben. Um so schwerer fällt der Abschied. Ich bleibe zwei weitere Tage im Hostel in Ushuaia. Toll, mein Bett steht an dem wandgroßen Fenster mit Blick auf den Hafen und die Bucht. Einziger Wermutstropfen: aus dem heimlichen Traum “Antarktis Cruise” wird nichts. Last Minute sind nur 2er Kabinen zu haben - 10 Tage zu 3.950 USD pro Person und damit echt günstig im Verhältnis zum Normalpreis von heftigen 12.000 USD. Mein Budget gibt das nicht her, das von Matt und Nicky schon. So trennen sich vorerst unsere Wege. Mein Traum in die Antarktis zu reisen bleibt aber bestehen.

Kreuzfahrer im Beagle Kanal

     das Leben im Süden

windgeformte “Flaggenbäume” 

             Kingfisher

Freitag trampe ich gen Norden. Sonniges Wetter, nur der Wind ist recht kalt. Kein guter Tag, bin erst 16 Uhr an der Grenze zu Chile. Dort stehe ich erfolglos ganze zwei Stunden. Problem: vor mir liegt der einsamste Abschnitt. Also im Nirgendwo zelten? Ohne Essen, man darf kein Lebensmittel über die Grenze bringen, kein schöner Gedanke. Fortuna zeigt sich als röhrender VW mit Ivan und seinem Kumpel, beides Argentinier. Wird wohl DAS Anhalter Erlebnis schlechthin. Wir brettern in Rallye Manier mit teils 120 km/h über die Schotterstrecke. Dabei wird Mate, Tee aus der Stechpalme, serviert. Die 300 km nach Rio Gallegos schaffen wir trotz Fähre und Grenzkontrolle in rekordverdächtigen 4 Stunden. Samstag gleich weiter nach El Calafate. Im Bus der Luxusklasse habe ich den besten Platz, obere Etage ganz vorn, und genieße so den Wechsel aus der Steppe in die Berge. Nach einem Tag Pause, an dem ich viel organisieren kann, mache ich Montag einen Tagesausflug zum Gletscher Perito Moreno. Als ich vor zwei Jahren Bilder davon sah war klar, wenn Südamerika, dann möglichst auch zum Lago Argentina. Der Gletscher schiebt seine ca. 50 m hohe Eiswand in den türkisfarbenen See, umrahmt von den Bergen und tiefgrünen Wäldern. Er “kalbt” Tonnen von strahlend blauem Eis ins Wasser und verursacht Wellen oder Fontänen, teils 15 m hoch. Was für ein Schauspiel.

Strecke nach El Calafate

     Gletscher Perito Moreno

       ein Gebirge aus Eis

   was für eine kalte Wand

16. Woche vom 23. Februar bis 1. März 2010
Dienstag mit dem Bus nach El Chalten. In einem Bogen führt die Strecke um den Lago Argentino und Lago Viedma herum zum nächsten Höhepunkt in den Bergen. Die scharf gezackte Felsenkette des Cerro Torre grüßt schon von weitem. Mittwoch bleibt mal wieder ein Teil vom Gepäck im Hostel. Nur mit dem Nötigsten im Rucksack wandere ich zum Campingplatz an der Laguna Torre. Tolles Wetter, herrliche Bergwelt. Am nächsten Vormittag wandere ich an einigen Lagunen, wie Capri oder Madre, vorbei zum Campamento Poincenot. Die 10 km sind bis Mittag geschafft. Später hinauf zur Laguna Sucia, im Hintergrund der 3.400 m hohe Granitfelsen Fitz Roy. Während ich da oben bin reißt der zuvor bedeckte Himmel komplett auf und zeigt ein berauschend schönes Panorama. Was für ein Glück mit dem Wetter. Beim Zelten das zufällige Wiedersehen mit einem bekannten Paar aus Belgien, wir trafen uns vor Monaten am Titicacasee in Bolivien. Freitag klingelt der Wecker bereits 5 Uhr. Im Halbdunkel laufe ich erneut zu der Lagune und erlebe einen fantastischen Sonnenaufgang mit teils feuerroten Felsen. Das Leben ist schön :-). 

kurz vor El Chalten

           Laguna Torres

           Laguna Sucia 

         imposante Felsen

Um weiter nördlich nach Perito Moreno (wie ein Gletscher und ein Nationalpark nach dem argentinischen Entdecker benannt) zu kommen, muss ich erst zurück nach Rio Gallegos (800 km Umweg) oder die meiner Meinung nach überteuerte Direktverbindung, fährt nur alle zwei Tage, nehmen. Ich versuche das schier Unmögliche: Trampen auf der Ruta Nacional 40. Einheimische die vorbei laufen lächeln, als ich Samstag Morgen an der Strasse stehe. Sehr wenig Verkehr hier, doch nach einer Stunde hält ein Citröen C3. Das junge Paar ist auf dem Heimweg nach Rosario, ungefähr 3.000 km entfernt, und nimmt mich die ganzen 600 km bis Perito Moreno mit. Ich kann mein Glück kaum fassen. Es ist zwar eng im Auto, doch wir nehmen es mit Humor. Achteinhalb Stunden kämpfen wir uns auf harten Schotterpisten durch die Steppenlandschaft Patagoniens, teils sind nur 35 km/h möglich. Andere Autos sehen wir alle halben Stunden, viel häufiger dagegen Njandus (eine Art Strauss) und Guanacos (schlanke Lamas) sowie manch fremde Kreatur. Bei einer Pause in Bajo Carcoles hören wir vom schweren Erdbeben in Zentral Chile bei Valparaiso

Sonnenaufgang am Fitz Roy

           ein letzter Blick

     Gürteltier gesichtet

meine Helden auf der Ruta 40

Am Sonntag gleich weiter. Da fährt am Wochenende kein Bus, also muss ich es als Anhalter probieren. Das klappt leidlich und mittags ist mal wieder die chilenische Grenze erreicht. Die Beamten drücken den inzwischen 13. Stempel von Argentinien bzw. Chile in meinen Pass. Ziel des erneuten Länderwechsels ist die Carretera Austral (offiziell Ruta 7), eine abenteuerliche Straße durch den wilden und sehr dünn besiedelten Süden des Landes. Gebaut unter Pinochet kommt man nur über Argentinien oder eine Fähre darauf. Ich bleibe heute gleich hinter der Grenze im Dorf Chile Chico. Da findet gerade ein kleines Volksfest mit für hier typischem Rodeo statt. Super Sache. Als einziger Ausländer weit und breit darf ich sogar kostenlos zusehen. Am Montag stehe ich, leider, nicht allein an der Straße. Da versucht es auch eine kleine Gruppe aus Israel. Bei so vielen Leuten schrumpft die Wahrscheinlichkeit mitgenommen zu werden gegen null, vor allem bei dem wenigen Verkehr. Mit viel Geduld und gegen Ende mit dem heute eigentlich gar nicht fahrendem Bus schaffen wir bei tollem Wetter 170 km bis Puerto Rio Tranquilo. Dabei häufig in Sicht ist der Lago General Carrera, in Argentinien Lago Buenos Aires genannt, der 3,5 mal so groß ist wie der Bodensee.

Rahmenprogramm beim Rodeo

       chilenisches Rodeo 

     ausgewaschene Marmorhöhlen, die Capella de Marmol 

17. Woche vom 2. bis 8. März 2010
Dienstag Vormittag zu siebent eine Fahrt im kleinen Boot auf dem See zur Capella de Marmol (Marmorkirche). Das leuchtend blaue Wasser des riesigen Sees hat über die Jahrtausende Höhlen in den sehenswerten Marmorfels gewaschen. Das vom Wind aufgewühlte Wasser schmälert leider ein wenig das Erlebnis. Gegen Mittag packe ich und fahre mit dem Bus in fünf Stunden ins 220 km entfernte Coyhaique. Während dem Aufenthalt dort geht so einiges schief und ich bin am Donnerstag richtig gehend froh weiter zu trampen. Auf der Carretera Austral sind nur Teilstücke asphaltiert, sonst meist üble Schotterstrasse, wobei sich die LKW bei 3 m Breite aneinander vorbeiquetschen. Dafür ist die Strecke landschaftlich reizvoll und für sich schon eine Reise wert. Nach 200 km erreiche ich den Queulat Nationalpark. Dort hängt der Ventisquero Colgante als kleines sichtbares Stück eines großen Gletschers über einem steilen Tal. Geniale Landschaft. Gerade brechen größere Stücke ab und erzeugen beim Sturz einen Höllenlärm. Bin für eine Nacht der einzige Camper und zelte allein fern ab der Zivilisation. Der Samstag zeigt wie schwer es manchmal als Anhalter ist. Lange Wartezeiten, immerhin bei schönem Wetter. Am späten Nachmittag kann ich auf Nachfrage bei einem Militärtransport mitfahren und komme bis Villa Santa Lucia. Tagesausbeute: nur 135 km :-(. Sonntag das gleiche Bild. Immerhin verkehrt nachmittags ein Bus ins angestrebte Dorf Futaleufu. Der gleichnamige Fluss bietet Rafting der Extraklasse, hier fanden schon Weltmeisterschaften statt. Es ist derzeit ruhig hier, doch zusammen mit drei Amerikanern finde ich ein Unternehmen das uns einen ganzen Tag auf den Fluss bringt. Im Verhältnis eine teure Tour, die sich jedoch über alle Maßen lohnt. Trotz Erfahrung auf dem Gebiet erlebe ich hier den absoluten Kick. Auf dem kristallklaren Futaleufu gibt es kein ruhiges Stück und wir brauchen viel Kraft, Glück und Geschick um im Raft zu bleiben. Die mehr als 20 (!) Stromschnellen tragen zurecht Namen wie Terminator oder Casa del Piedra und haben oft einen Schwierigkeitsgrad von 4 oder 5 (Maximum ist 6). Das war mit Abstand das beste Rafting meines Lebens. Montag mit dem Bus über die Grenze nach Esquel, gelegen in Argentinien.

auf der Carreter Austral        

     Ventisquero Colgante  

       ein Campingmorgen

     Mate, Mate über alles

18. Woche vom 9. bis 15. März 2010
Dienstag bleibt ein Teil der Ausrüstung im Hostel in Esquel um mit leichtem Gepäck zwei Tage im Parques Nacional Los Alerces zu campen. Da ist es wunderschön. Berge, Wälder, Seen, manch Condor. Mittwoch erstürme ich den 1.800 m hohen Cerro Alto el Petizo. Mir ist klar, das ist mein letzter richtiger Hike in den Bergen auf dieser Reise. War das schön. Donnerstag komme ich als Anhalter recht schnell 160 km weiter bis El Bolson. Dort geht komischerweise gar nichts mehr und ich nehme für die 120 km bis Bariloche einen Bus. Die Stadt erscheint wie ein Äquivalent zu Pucon in Chile. Touristisch, aber toll gelegen. Am Freitag ein MTB ausleihen und die Gegend erkunden. Die Strecke rauf zum Cerro Otto ist anstrengend und hart, wird aber mit einer toller  Aussicht belohnt. Weiter um Berge, Hügel, Seen und Lagunen herum bis zum berühmten Hotel Llao Llao. Dabei ist zu verstehen warum Bariloche auch die Schweiz von Argentinien genannt wird. So manche Ecke hier erinnert stark an die Voralpenlandschaft  Sonntag Abend nutze ich ein für hiesige Verhältnisse ungewöhnliches Transportmittel: den Zug. Die Nachtfahrt wird zu einer einprägsamen Geschichte. In der sehr einfachen und preiswerten Klasse ein Platz gleich neben der Tür an einem nicht komplett schließenden Fenster, nebenan eine Großfamilie mit sage und schreibe sechs kleinen Kindern. So eine Reise vergisst man nicht. Mein Ziel an der Küste, San Antonio de Oeste, wirbt mit einem tollen Strand und interessanten Grotten, doch am Saisonende hat schon fast alles zu. Das gefällt mir gar nicht und so fahre ich nur Stunden nach der Ankunft weiter nach Puerto Madryn.

Nationalpark Los Alerces

         Lago Menendez 

       Cerro Alto el Petizo

   Bariloche, Llao Llao Hotel

19. Woche vom 16. bis 22. März 2010
Nach einem Tag Informationen sammeln, planen und organisieren folgt am Mittwoch eine geführte Tagestour auf die Halbinsel Valdes, die komplett als Naturreservat ausgewiesen ist. Dort tummeln sich recht ungestört Seehunde, Seelöwen und Pinguine. Größere Vertreter aus der Meeresfauna, wie Orcas oder Seeelefanten bekommen wir leider nicht zu Gesicht. Das Innere der Halbinsel bedeckt vor allem eine trockene Steppe, in der wir unter anderem Fuchs, Nandu, Guanaca, Wildhase und Gürteltier beobachten können. Das war interessant und mal ein ganz anderes Programm. Mit Puerto Madryn gehen mir nun die Ziele im Süden von Argentinien praktisch aus. Nach reiflicher Überlegung und dem Abwägen verfügbarer Transportmöglichkeiten fällt die Entscheidung eine sehr lange Busreise zu machen. Donnerstag Abend steige ich in einen recht bequemen Nachtbus und fahre 1.300 km bis Buenos Aires. Dort nach einem kurzen Aufenthalt gleich in den nächsten Bus steigen, der mich weitere 1.300 km bis in den letzten Zipfel des Landes nach Puerto Iguazu bringt. In 43 Stunden bin ich so durch mehr als das halbe Land gereist. 

Nandu

   der Boss ist gut sichtbar

             Tag am Meer

             Small Talk

Nach dem eher angenehmen Klima im Süden von Argentinien treffen mich die hiesigen Verhältnisse mit mehr als 30°C und einer Luftfeuchtigkeit von gefühlt 100 % knüppelhart. Man schwitzt schon vom Nichtstun. Wenigstens verfügen die Hostels meist über einen Pool und eine Klimaanlage. Nah an den Tropen ist die Landschaft von Dschungel bedeckt, unzählige Schmetterlinge schwirren einem dauernd um den Kopf und so manch kurioses Tierchen läuft mir über den Weg. Die Hauptattraktion der Gegend und Grund meines Besuches sind die Wasserfälle am Rio Iguazu. Nüchterne Statistik: 2,7 km breit, 64 bis 82 m hoch, 1.500 bis 10.000 m³ Wassermenge. Sonntag schaue ich mir dieses grandiose Naturschauspiel an. Das ist der Hammer! Über zig Wege stürzt sich das Wasser mit donnerndem Getöse über ein Plateau inmitten des Dschungels. Im Zentrum von Dauerregenbögen und Gischtwolken steht man in/an der Garganta del Diablo, eine U-förmige Schlucht. Montag will ich mir das auch noch von der brasilianischen Seite aus anschauen, die Landesgrenze führt mitten durch den Fluss, doch kräftiger Regen vermiest mir das. Mit dem Bus ins 250 km südlich gelegene San Ignacio. Dort ein Wiedersehen mit Matt und Nicky, wir blieben seit Patagonien in Kontakt. Zusammen erkunden wir Jesuitenruinen aus dem 17./18. Jh. Am Abend bieten die eine tolle Tour, bei der im künstlich erzeugten Wassernebel mittels Laser Personen, Gebäude und Geschichten in 3D zum Leben erweckt werden. Genial gemacht. 

ein kleiner Teil der Iguazu Fälle

       Garganta del Diablo

       putzige Nasenbären

       viele Schmetterlinge

20. Woche vom 23. bis 29. März 2010
Dienstag der endgültige Abschied von Matt und Nicky, deren Reiseplan in anderer Richtung weiter geht. Nach einem Ruhetag gebe ich wieder richtig Gas. Und das sieht so aus: Vormittag mit dem Bus ins nahe Posadas. Das Gepäck deponieren und über die Grenze nach Encarnacion, Paraguay, womit es das nächste Land in meinen Reisepass schafft. Mit dem nächsten Bus nach Trinidad und Jesus. Dort treffe ich ein Schweizer Paar das ich aus Iguazu kenne. Gemeinsam schauen wir uns die Überreste der alten spanischen Missionen an. Am Nachmittag zurück nach Posadas. Mit dem Nachtbus 600 km nach Süden, wo ich morgens halb sechs auf freiem Feld abgesetzt werde. Erst zu Fuß, dann mit dem Vorortbus rein nach Concordia und ohne Pause zum Rio Uruguay, um mit einer kleinen Fähre nach Salto, Uruguay, überzusetzen. Dann braucht es noch zwei Busse zum Endziel des Tages, die 500 km entfernte Hauptstadt Montevideo. Puh, das war ganz schön anstrengend, aufregend und auch aufreibend. Freitag ein großer Stadtbummel. Montevideo bietet in meine Augen wenig große Highlights, dafür aber eine sehr entspannte Atmosphäre und viele nette Menschen. Für eine Stadt dieser Größe geht hier alles einen sehr gemächlichen Gang, wobei fast jeder mit gefülltem Mate Becher unterwegs ist. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los das hier wirklich jeder jeden kennt. 

Paraguay, an den Ruinen von Trinidad und Jesus

         Uruguay, unterwegs in der Hauptstadt Montevideo

Samstag ziehe ich 130 km weiter. Die Idee war am Meer zu faulenzen, Punta del Este schien mit dem Ruf eines internationalen Strand Resorts genau das Richtige zu sein. Vor Ort ist da zwar ein breiter Strand, doch gleich dahinter reiht sich ein Hochhaus ans andere. Das hält mich keine 24 Stunden. Sonntag fahre ich mit dem Bus 180 weitere Kilometer an der Küste entlang bis ins Dorf Punta del Diablo. Das entpuppt sich schnell als Volltreffer. Die asphaltierte Strasse endet am Dorfeingang, der Rest sind Sandwege. Keine Hotels, keines der Häuser hat mehr als zwei Stockwerke. Dazu locken von Felsen eingefasste Buchten mit Stränden die den Namen auch wirklich verdienen. Mein gewähltes Hostel hat ein Sonnendeck mit Blick über die Bucht und zum Meer sind es gerade mal 100 m. Alles in allem ein Traum. Ich schalte ab, fahre das Tempo runter und mache entspannt Urlaub.

noch einmal Montevideo

 Hostelbalkon Punta del Diablo

   Strand in Punta del Diablo

  Sonnenuntergang in Colonia

21. Woche vom 30. März bis 5. April 2010
Mittwoch wird es leider Zeit sich auf den Weg zu machen. Ein früher Bus bringt mich nach Montevideo, umsteigen und gleich weiter die Küste entlang bis Colonia del Sacramento. Da stehen auf einer kleinen Halbinsel im Barrio Historico alte Häuser aus der Kolonialzeit, Kirchen und Ruinen. Nach einer Nacht im Hostel der fällige Länderwechsel. Mit einer Kombination aus Bus und Fähre, die erste Brücke über den breiten Rio Plata liegt viel weiter nördlich, die Einreise nach Argentinien. Wer wie ich einen “normalen” Transport erwartet, wird mit so etwas wie einem Ausflug überrascht. Zuerst der Bus in die kleine Hafenstadt Nuevo Palmira, wo man nach unkomplizierter Grenzabwicklung ein kleines Schiff, mehr ein schmales Boot, besteigt. Das bringt uns Passagiere durch das Delta des Rio Plata, wobei ein Kanal bald schmaler ist als der andere. Inseln, Einheimische, Fischer und  Boote machen die Fahrt zu einem echten Erlebnis. Vom Hafen in Tigre ist es dann ziemlich einfach mittels Vorortzug und Metro hinein nach Buenos Aires zu kommen. Mein Bett suche und finde ich im Stadtteil San Telmo. Das ist Zentrumsnah und als einer der älteren Bezirke sind die Straßen angefüllt mit jeder Menge schöner Architektur, kleinen Märkten und netten Menschen.

Buenos Aires, Casa Rosada

     Congreso de la Nacion

           Buenos Aires

     Hafen Puerto Madero 

Freitag beginne ich Buenos Aires zu erkunden. Die Avenida de Mayo ist dafür wie geschaffen. Da steht unter anderem die Casa Rosada, der Sitz des Präsidenten, wo schon Evita, Eva Peron, auf dem Balkon stand. Am anderen Ende der Prachtstraße steht das Capitol, ähnlich dem in Washington, als Sitz des Parlaments. Weil es am Nachmittag regnet verschiebe ich alles andere auf Samstag. Vormittag mit der sehr preiswerten U-Bahn in den Stadtteil Recoleta. Am Weg ein Wissenschaftstunnel, gesponsert von Deutschland, wo es anschaulich und verständlich um Atome, Quarks, Weltall, Medizin und Nanotechnologie geht. Weiter zum alten Friedhof, auf dem wohl alle wichtigen Persönlichkeiten des Landes begraben liegen, und zur Florales Generica, eine stilisierte Blüte aus Metall mit erstaunlichen 18 Meter Durchmesser, die sich je nach Tageslicht öffnet bzw. schließt.

Friedhof in Recoleta

  don’t cry for me Argentina

         Florales Generica

       La Boca, Caminito         

Dazwischen lockt ein Kunstmarkt zum Stöbern ein und überall, wie es scheint, ist da Tango, Tango, Tango. Auch wenn ich da schon pflastermüde bin noch der Weg zum sehenswerten Hafen Purto Madero. Sonntag lockt es mich in den Stadtteil La Boca. Bekannt als ein armes Viertel, sollte man da etwas vorsichtiger sein. Die Idee an einem der wohl sehr einprägsamen Heimspiele der Boca Juniors dabei zu sein scheitert am ausverkauften Fußballstadion. Macht nichts, in und um Caminito, eine schrullige und farbenfrohe Gasse, kann man sich gut die Zeit vertreiben. Höhepunkt am Montag ist ein Besuch bei “La bomba del tiempo”, wo Trommlergruppen mit Rhythmus für ausgelassene Stimmung sorgen. Ansonsten packe ich schon langsam meinen Rucksack.

Balkon mal anders 

       La Bomba del Tiempo    

       Tango steht auch für Melancholie - so wie Abschied

22. Woche vom  6. bis 8. April 2010
Dienstag, der 148. und letzte Tag meiner Südamerikareise. Letzte Souvenirs kaufen und das Gepäck reisefertig machen. Am Abend gehe ich mit Bekannten in den La Catedral Club zum Tango Tanz. Der alternative Nachtclub erinnert mich stark an eine alte Scheune, doch das passt so. Alles macht einen ziemlich authentischen Eindruck. Das Tanzen überlasse ich anderen und schaue lieber nur zu. Tango? Hübsch anzusehen, aber für mich zu langsam in der Bewegung und zu melancholisch. Mittwoch starte ich kurz nach dem Mittag mit dem Stadtbus zum Flughafen. 16.30 Uhr hebt die kleine Maschine mit Ziel Sao Paulo ab. Dort, wie schon am 11. November letzten Jahres umsteigen. Ein problemloser Flug bringt mich durch die Nacht und damit noch rechtzeitig vor der isländischen Aschewolke zurück nach Deutschland. Dort warten Familie, Freunde, Termine und so einige Überraschungen. Trotzdem wird es dauern bis ich in den Alltag zurück finde, denn die Monate hier haben mich stark geprägt.