Bogota vom Cerro Monserrate

     Bogota ganz nah  

 Am 3. Januar 2014 zum zweiten Mal nach Südamerika,  mit     Kolumbien und Ecuador diesmal nur zwei Länder. Strecke und Übernachtungsorte auf der Karte neben an.

1.Woche vom 3. bis 9. Januar 2014
Mitten aus dem stressigen Weihnachts- und Sylvestergeschäft im Luzerner Hotel hinein in die Reise. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb nicht, aber wer braucht das schon...
Am Freitag mit dem Zug von Crimmitschau nach Frankfurt und von dort mit Lufthansa nach Bogota, Kolumbien. Bei der Ankunft ist es schon dunkel und aus Sicherheitsgründen nehme ich lieber das Taxi zum reservierten Hostel. Am Samstag erste Erkundungen in Bogota Die Stadt ist überraschend ruhig für ihre 7,5 Millionen Einwohner. Heutiger Wetterbericht: bewölkt und nur 18°C. Ich laufe durch die Strassen, versorge mich am Bankautomaten mit einheimischer Währung (kolumbianische Pesos, 1€ = 2.625 COP) sowie nötigen Informationen. Dann in das Nationalmuseum, das von mir nur eine mittlere Note bekommt. Am Abend fein kolumbianisch essen: Dicker Eintopf mit Huhn, Mais, Kartoffeln und Kapern; Reis und Avocado neben an - das macht satt. Sonntag bei schönstem Sonnenschein auf den nahen Cerro de Monserrate (3.150 m hoch), der Hausberg von Bogota. Es wird keine Wanderung, mehr eine Prozession. Mit tausenden von Einheimischen laufe ich zum Gipfel, wo neben Markt und Restaurants eine Vergnügungsmeile wartet. Vom Berg runter brauche ich bei dem Betrieb für 100m schon mal zehn Minuten. Danach quer durch die Stadt zum Busbahnhof, was schwierig ist bei dem hiesigen “System”. Die tollen Trans Milenio Linien fahren nicht an mein Ziel und die alten, klapprigen Stadtbusse machen ihre eigene Route, das Fahrziel dabei mehr oder weniger lesbar in der Windschutzscheibe auf Karton geschrieben. 

Am Montag verlasse ich Bogota, was nicht sonderlich schwer fällt. Die Stadt hat in meinen Augen wenig zu bieten, selbst das Zentrum hinkt weit hinter anderen südamerikanischen Metropolen hinterher. Das Stadtbild ist zergliedert und recht gesichtslos, die wenigen Sehenswürdigkeiten weit verstreut. Auf der positiven Seite steht ein tolles Verkehrskonzept mit extra Autobahnen für Trans Milenio Busse und Radfahrer (!). Der Montag war gut gewählt, denn es ist Feiertag und auf den Strassen wenig los. Trotzdem braucht der Bus anderthalb Stunden ehe er das Stadtgebiet von Bogota verlässt. Nach einem Pass (2.800 m) geht es langsam nur noch bergab bis ich fünf Stunden später in Neiva umsteige. Die Temperaturen auf 600 m Höhe bei gut 32°C. In Villavieja vom Colectivo ins Taxi umsteigen und mit etwas beginnen was die wenigsten in Kolumbien erwarten - mit Wüste. Die Tatacoa Wüste liegt im Regenschatten der umgebenden Bergketten und ist einfach nur trocken und heiß. Ihr Abschnitt Cuzco bietet fotogene rote Lehmerde die sich durch Erosion zu einem Labyrinth kleiner Canyons entwickelt hat. Meine Unterkunft liegt mitten drin: einfach, selten Strom, kaum Wasser, trotzdem gut. Erste tolle Fotos entstehen bei letztem Tageslicht. Dienstag ein ausgedehnter Besuch der Wüste. Es sind einige Kilometer bis Los Hoyos (spanisch: Gruft, Grube). Die Farbe grau dominiert in allen Schattierungen. Interessant, aber Cuzco ist besser, weshalb nach einer Siesta dort eine weitere große Runde ansteht.

die Tatacoa Wüste, der Abschnitt Cuzco mit einem Labyrinth von roten Canyons      

  Tatacoa, Gebiet Los Hoyos

Mittwoch zurück nach Neiva und von dort nach Süden. Der Minibus fährt wie vom Teufel gejagt und manches Überholmanöver ist ganz schön knapp. in Pitalito nach einem Colectivo suchen und damit hinein in die Berge nach San Agustin (1.700 m). Das Dorf hat Charme und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Eine verschwundene Zivilisation hat Gräber hinterlassen die neben steinernen Sarkophagen auch gemeißelte Grabfiguren bieten. Und das zu einer Zeit ohne nennenswerte Werkzeuge, sprich vor 1.000 bis 2.500 Jahren. Am Donnerstag der interessante archäologische Park mit vielen Statuen gleich neben San Agustin und weiter zu einigen nahen Grabstätten, von denen eine, La Chaquira, grandios am steilen Abhang zum Rio Magdalena liegt. Was mir seit der Ankunft in Kolumbien auffällt ist die starke Präsenz der Sicherheitskräfte, egal ob Militär, Polizei oder auch privater Schutzdienst. Das in Bogota genau so wie im Dorf San Agustin. Ganz zu schweigen von den vielen Kontrollpunkten an den Strassen, von denen manche mit Sandsäcken zu kleinen Festungen ausgebaut sind. Und überall haben die Soldaten die Waffe  schussbereit in der Hand. Das verstört auf der einen Seite, schafft aber bei der Vergangenheit des Landes auch Vertrauen.
2.Woche vom 10. bis 16. Januar 2014
Und mit diesem Vertrauen mache ich mich am Freitag auf zu einer Wanderung. Entlang einsamer Pfade geht es durch Plantagen und Regenwald hinunter in den Canyon des Rio Magdalena um ein paar Kilometer später in Isnos die “Alto de los Idolos” zu besuchen, ein weiterer heiliger Ort mit Grabkammern und Steinfiguren bis 7m Höhe, von denen zwei Krokodile darstellen, ein Tier welches in der Gegend nie existierte... Auf dem Rückweg weicht mich der Regen bis auf die Haut ein. Ungewöhnlicherweise bekommt die Gegend im Moment mehr Niederschlag ab als in der Regenzeit. Zu meinem Glück passiert das fast immer nachts. 

San Agustin, der archäologische Park mit aller Art von Grabstatuen                                

       Alto de los Idolos

Samstag. Es hat die Nacht hindurch geregnet und hört erst nach dem Frühstück auf. Meine Sachen sind immer noch nass von gestern. Egal, trotzdem packen und weiter. Mit dem ersten Colectivo (für alle die nicht wissen was das ist: ein Kleinbus bzw. Pickup der auf einer meist festen Route fährt und unterwegs Leute einsammelt oder absetzt; kann eigentlich immer und überall angehalten werden) geht es schnell nach Pitalito. Das nächste Colectivo startet 10 Minuten später nach La Plata. Unterwegs sammeln wir so viele Leute ein das es richtig eng wird, und die Strasse verkommt bald zu einem recht schlechten Feldweg. Die Ankunft in La Plata ist dann eine Erlösung. Wetter: Sonne, 28°C. Noch bei Tageslicht hinein in die Berge nach San Andres de Pisimbala. Im Pick-up dahin: 1 Fahrer, 14 Erwachsene, 4 Kinder und Gepäck. Ohne Worte! Ich muss das aber nur zwei Stunden aushalten. Angekommen im Dorf lockt mich Martha (82) in ihr Haus. Das ist einfach, sauber und kostet mich nur 5 € die Nacht.

der Weg hinab                     

         die Gräber von Tierradentro, teils ohne Beleuchtung

   Gräberplateau Aguacate

Sonntag. Das Wetter wird besser. Nur noch ein paar Wolken und trotz Höhe (1.700 m) über 25°C. Die Gegend (Tierradentro) ist bekannt für ihre Gräber einer verschwundenen Kultur (wie auch in San Agustin über 1.000 Jahre alt). Die Gräber sind bis zu 6m tief in den Boden und Fels gehauen, meist wenigstens Zimmer groß und teils mit Originalbemalung. Verstreut sind diese auf kleinen Plateaus rund um das Dorf. Für mich heute die große Runde bis rauf auf 2.000 m. Die Pfade teils recht schlammig (der viele Regen), dafür die Gegend herrlich. Mitten in den kolumbianischen Bergen, alles grün und mit zunehmender Höhe bessere Ausblicke. Die Gräber sind beeindruckend und ich kann der spanischen Erklärung der “Grabwächter” schon recht gut folgen. Montag sehr früh raus, der Bus fährt 6 Uhr los. Quer durch die Berge muss der auf schlammigen Strassen über manch 3.300 m hohen Pass. Der Abgrund dabei teils nur einen Meter weit weg - nur nicht drüber nachdenken. Mittag die Ankunft in Popayan, blauer Himmel und Sonne satt. Mein Hostel am Hauptplatz ohne Straßenverkehr direkt neben der Kathedrale, toll. Spaziere am Nachmittag durch Popayan, die ihren Spitznamen, weiße Stadt, den gekalkten Häusern zu verdanken hat. Zufällig wird heute der 477. Geburtstag gefeiert und alle sind auf den Beinen. Am Abend dann noch ein tolles Feuerwerk als Zugabe.

auf dem Weg nach Popayan

   die weiße Stadt am Tag...

       ...und in der Nacht

         fahrender Laden

Dienstag früh mit dem Bus ins 45 km entfernte Silvia. Dort erst einmal ein kleines Frühstück. Beim Bäcker kostet das mit einem Kaffee und vier Gebäckstücken mittlerer Qualität 1.400 COP, ungefähr 0,60 €. Ein gutes Geschäft für mich. Immer Dienstag ist in Silvia großer Markt, vor allem wichtig für die umliegenden Dörfer die noch zum Großteil von Guambianos bewohnt werden. Die Volksgruppe trägt nach wie vor ihre Tracht und kommt unserer Vorstellung eines Andenbewohners sehr nah. Klein von Wuchs, dunkler Teint und der obligatorische Hut. Fotografieren ist bei ihnen verpönt und so muss ich es heimlich mit dem Teleobjektiv tun. Ums Eck parken die wirklich uralten Busse ohne Glasfenster und ohne Türen (Chivas), die nach wie vor im abgelegenen Hinterland unterwegs sind. Das Foto sagt wohl mehr als alle Worte. Ein äußerst gelungener Tag mit vielen neuen Eindrücken.

Markt in Silvia                 

   Volksgruppe Guambianos

die Busse aus dem Hinterland (Chivas), bunt und abenteuerlich

Mittwoch klingelt der Wecker erneut schon vor 6 Uhr. Mit dem ersten Bus weiter in den Süden nach Pasto. Die Straße ist meist asphaltiert, aber teils so heruntergekommen das es nur so schüttelt. Dazu geht es durch gefühlt 1.000.000 Kurven die Pässe rauf und runter. Die vielen LKW schaffen bergauf wegen den Haarnadelkurven oft nur 20km/h. Entsprechend langsam sind wir, auch wenn der Bus manchmal gewagt überholt. Wenigstens der Ausblick entschädigt. Endlose Bergketten, tief eingeschnittene Täler und alles in einem satten Grün. Kurz nach dem Mittag die Ankunft in Pasto. Schnell ein Hostel suchen und gleich wieder los. Mit dem Colectivo, in dem Fall ein Taxi, über einen kleinen Pass zur Attraktion der Gegend: die Laguna de la Cocha. Obwohl so beworben ist es nicht der allerschönste See, aber an seinem Ufer steht sehenswert ein bunt zusammengeschustertes Dorf. Donnerstag wieder früh raus. Nach einem Frühstück beim Bäcker wieder in den Bus und recht schnell die 82 km bis Ipiales hinter mich bringen. Dort das Gepäck am Busbahnhof abgeben und ein paar Kilometer weiter zur “Santuario de las Lajas”. Viel spektakulärer kann man eine Kirche wohl kaum bauen. Mitten in einer Schlucht gelegen überspannt der gotische Bau aus dem frühen 20. Jahrhundert einen wilden Fluss. Wahrlich beeindruckend. An diesen Wallfahrtsort kommen viele Pilger und bitten die Jungfrau mit Kerzen und Gaben um das eine oder andere Wunder. Das diese auch teilweise eintreten, davon zeugen tausende am umliegenden Fels befestigte Danksagungen in allen Formen und Farben. Weiter im Tag. Gleich südlich von Ipiales liegt die Grenze. Meine erste Zeit in Kolumbien ist damit um. In einer ruhigen und sehr reibungslosen Prozedur hole ich mir zuerst den Ausreisestempel von Kolumbien, laufe über die Brücke und reise offiziell nach Ecuador ein. Neues Land, neue Gewohnheiten. Der US Dollar ist nun Zahlungsmittel, und obwohl es Nachbarländer sind treten bald Unterschiede zu Tage. Heute komme ich bis Otavalo, eine Kleinstadt nördlich von Quito an der Panamericana, die ihren Ruf als breite Autobahn erst hier in Ecuador verdient

an der Laguna la Cocha, ein buntes Treiben am Kanal 

 Santuario de las Lajas - stark

Dankschreiben an die Jungfrau

3.Woche vom 17. bis 23. Januar 2014
Freitag das etwas andere Programm. Mit dem alten und klapprigen Fahrrad vom Hostel erkunde ich die Umgebung von Otavalo. Gleich zu Beginn muss ich zwei Mal umkehren, es existieren nur selten Hinweisschilder und leider haben mich die Leute falsch geschickt. Egal, ich finde schließlich den Weg. Durch das Dorf Quiroga geht es hinauf bis zur Laguna Cuicocha, ein Kratersee in dessen Mitte durch spätere Eruptionen zwei Inseln entstanden. Obwohl noch ganz außer Atem, der See liegt auf 3.100 m Höhe, kann ich den Ausblick genießen. Weiter dann in hügeligem Gelände durch Cotacachi zurück zur Panamericana. Seltsames Gefühl auf einer dreispurigen Autobahn mit dem Rad unterwegs zu sein. Schnell wieder runter auf normale Strassen und durch weitere Dörfer sowie an einem sehenswerten Wasserfall vorbei zurück nach Otavalo. Der schöne Tag ging voll in die Beine!

Otavalo am Abend    

         das Dorf Quiroga

         Laguna Cuicocha

       Wasserfall Peguche

Samstag früh in die Stadt. Otavalo richtet samstags einen der größten Märkte in ganz Südamerika aus. Neben dem Marktplatz sind praktisch alle Strassen im Zentrum mit Ständen vollgestopft. Etwas außerhalb der Tiermarkt, wo von Kuh bis Meerschwein alles angeboten wird was laufen kann. Einige der Tiere wissen wohl was ihnen bald blüht und wehren sich entsprechend. Dazu tragen die meisten Leute ihre Tracht, weswegen man manchmal gar nicht weiß wohin zuerst schauen. Nach ein paar Stunden habe ich genug und fahre weiter nach Quito. Angedroht war ein schwieriges Zurechtfinden, da der Busbahnhof weit außerhalb liegt, aber am Wochenende geht es. Ich finde schnell in die Altstadt, wo das Hostel meiner Wahl in einer ruhigen Seitenstrasse steht. Nur zehn Fußminuten weiter liegt das koloniale Zentrum der Stadt und ich muss sagen: Quito ist von Anfang an meins! Kleine Kopfsteinpflaster Gassen die zu den Talseiten hin steil ansteigen. Das Stadtbild von Hügeln durchbrochen und viel alte Bausubstanz. Recht genial und sehenswert. Heute schaffe ich noch einen kleinen Bummel bis hinauf auf den Hügel El Panecillo.

                   auf dem Tiermarkt in Otavalo, geprägt von landestypischen Trachten      

     der Markt - schön bunt

Ein bewölkter Sonntag. Vormittag laufe ich hinüber in den Stadtteil La Mariscal, wo viele Reisebüros ihre Dienste anbieten. Wie festzustellen ist aber nicht am Sonntag. Schade. Wenigstens hängen einige Angebote im Schaufenster und ich weiß nun für morgen wohin zuerst. Beim Rückweg durch die Stadt fällt auf wie ruhig es ist. Nun, ein Großteil der Innenstadt ist am Sonntag für motorisierte Fahrzeuge gesperrt und nur Fahrräder erlaubt. Da können sich europäische Städte mal ein Beispiel nehmen. Am Nachmittag mache ich “Hausaufgaben”, sprich Infos sammeln für die nächsten Ziele. Das ermüdet einen mehr als man glauben will. Montag erstrahlt der Himmel herrlich blau. Eigentlich Bergwetter, aber da gibt es im Moment wichtigeres. Erneut zuerst in den Stadtteil Mariscal. Angebote einholen, vergleichen, abwägen. Zwei Stunden später habe ich alles unter Dach und Fach. Mit einem Last Minute Angebot geht es morgen nach? GALAPAGOS. Selbst jetzt ist noch ordentlich Geld zu zahlen, aber dafür eine einmalige Chance die Inseln zu sehen. Bin so glücklich und voller Vorfreude das ich mit meiner Energie irgendwo hin muss. Also umziehen und zu Fuß los. Zuerst zur TeleferiQo, eine Seilbahn am Stadtrand von Quito. Von 2.850 m hinauf auf 4.100 m. Die Berg- und Talfahrt für 8,50 US$ ein Schnäppchen. Leider zieht es zu und die Ausblicke von oben sind begrenzt. Dafür besteht die Möglichkeit den Gipfel des Rimu Pichincha zu erstürmen, was ich auch tue. Mir war klar das vom Gipfel auf Grund der Wolken nichts zu sehen sein wird, aber es war ein tolles Gefühl auf 4.693 m Höhe zu stehen. Bin rechtzeitig zurück bevor der Regen beginnt und sehe auf dem Weg ins Hostel eine tolle Laser-, Licht- und Musikshow an einem Springbrunnen in Quito.

Willkommen in der Hauptstadt Quito, die vor allem eine tolle Altstadt zu bieten hat   

       Reiseroute Galapagos

Dienstag Morgen beginnt das Abenteuer sehr früh. 4 Uhr holt mich das Taxi zum Flughafen ab, der weit außerhalb liegt. Das übliche Prozedere da und kurz nach sieben der Start. Ein Zwischenstopp in Guayaquil und mit einer Stunde Zeitverschiebung 10 Uhr die Landung in Baltra auf Galapagos, 1.000 km westlich von Südamerika. Ein schräges Gefühl so weit weg vom Festland auf einer kleinen Insel zu landen. Wegen der Komplettbuchung werde ich vom Flughafen abgeholt und mit einer Bus-Boot-Bus Kombination nach Puerto Ayora auf Santa Cruz gebracht. Was auffällt: die sehr trockene Insel mit Lavaboden, aber viel Nebel im Hochland, so 600 m hoch. Dort ist alles grün und voller Bäume. In Puerto Ayora eine Pause im Hotel und dann zum Schiff. Auf der “Flamingo” haben max. zehn Gäste Platz, wovon heute sieben zu einer Familie mit drei Generationen aus Frankreich gehören. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Bald kommt der letzte Gast an Bord, mein neuer Kabinennachbar Yamamoto aus Japan. Am Nachmittag ein erster Ausflug in das Hochland von Santa Cruz. Wir besuchen eine Farm auf der Riesenschildkröten frei herumlaufen. Das sind Brocken! Bis zu 250 kg schwer bewegen sie sich überraschend schnell. Sie leben hier frei ohne jegliche Zäune. Der Farmer schaut nach ihnen und hat eine künstliche Lagune gebaut in der die Tiere Schlammbäder nehmen können. Außerdem existieren auf dem Gelände alte Lavatunnel, die wir dank künstlicher Beleuchtung bestaunen können. Nach dem leckeren Abendessen an Bord startet unser Kapitän die Motoren und wir fahren die Nacht hindurch zur Insel San Cristobal. Erklärung zu den folgenden Fotos: es ist kein chronologischer Verlauf, mehr ein Versuch sie thematisch zu ordnen. Die Auswahl fiel unheimlich schwer, denn ich habe auf Galapagos mehr Tierfotos geschossen als auf allen vorherigen Reisen zusammen.

der Hafen von Puerto Ayora

     die Insel Isla Plaza Sur

   das Inselchen Mosquera

  Pinguine? am Äquator? Ja!

Mittwoch. Trotz lautem Schiffsdiesel, der lief die ganze Nach, habe ich gut geschlafen. 7 Uhr Frühstück. Eine  Stunde später zum Tagesprogramm. Wir landen am sandigen Strand von Cerro Brujo, der Himmel leider grau in grau. Beim Spazieren begegnen wir ersten Seelöwen. Denen kann man sich hier problemlos bis auf einen Meter nähern, außer es ist ein Bulle oder eine frisch gebackene Mutter. Zwischen den Felsen auch hunderte von bis zu 20 cm große Krabben, meist feuerrot. Dann vom Strand weg Schnorcheln, aber bis auf ein paar Fische ist da wenig zu sehen. 10 Uhr mit dem Schiff weiter. Um Galapagos laufen 94 Schiffe, wobei die “Flamingo” zu den kleinsten zählt. Dabei ist es nur an circa 60 Stellen erlaubt an Land zu gehen, zu schnorcheln oder zu tauchen. An jeder der Stellen gilt es ein enges Zeitfenster einzuhalten, sprich grob von 8 Uhr bis 12.30 Uhr oder von 14.30 Uhr bis 18 Uhr. Wir sind manchmal das einzige Schiff an einer Stelle oder aber maximal drei. So wird versucht den Einfluss der Besucher auf die Natur möglichst gering zu halten. Unser nächster Halt in Punta Pitt. Der Himmel reißt auf, ab zum Schnorcheln ins Wasser. Bei guter Sicht ein buntes Treiben unter Wasser. Verschiedenste Fische und zwischen den Felsen ist auch viel los. Der steinige Grund ist längst nicht so farbig wie an Korallenriffen, aber die hier unerschrockenen Meeresbewohner machen das mehr als wett. Ich kann lange mit jungen Seelöwen spielen, die neugierig teils erst 30 cm vor mir abtauchen, noch näher wäre es wohl zu einem Küsschen gekommen ;-). Toll mit ihnen zu tauchen und unter Wasser Blasen zu machen, dann schwimmen sie nur so um dich herum. Daneben sehe ich auch eine Meeresschildkröte, mehrere Rochen und große Schulen von Galapagos Doktorfischen mit mehr als 200 Tieren. Am späten Nachmittag der nächste Landgang, bei dem es auf hartem Lavaboden ein Stück durch die Insel geht, sehen vereinzelt Tieren hier und da. Nachts erneut eine lange Schiffsfahrt bei der ich gut schlafe.   

Insel Bartolome           

Strand der Insel Rabida   

Abtauchen auf Santiago

       Blume, Morning Glory

150 Jahre alte Lava, mal wie Kleckerschlamm, mal wie Strasse

           Kakteen überall  

  Sombrero Chino - so schön

Donnerstag Morgen erreichen wir Isla Plaza, allerdings schlafe ich da noch. Frühstück 7 Uhr. Bewölkter Himmel, doch man sieht das es wohl ein schöner Tag werden wird. Wir landen trockenen Fußes auf Plaza Sur, wo schon am Anlegesteg neugierig junge Seelöwen warten. Die Insel ist klein, aber interessant. Neben Seelöwen treffen wir auf viele Iguanas. Das sind wirklich schräge Kreaturen. Bis zu 1 Meter lang sehen sie aus wie Dinosaurier. Sie hocken unter den Kakteen und warten als Vegetarier darauf das Blüten oder Pflanzenteile herunterfallen. Sie sehen schlecht, haben aber ein ausgezeichnetes Gehör. Keine Reaktion auf fallende Steine, aber wenn eine Blüte zu Boden fällt laufen sie sofort in diese Richtung. Kommuniziert wird mit heftigem Nicken des Kopfes. Die Männchen viel größer und bunter als Weibchen, farbiger vor allem in der Paarungszeit. Ansonsten Kakteen und trockene Gräser, die kleine Steilküste bewohnt von vielen Seevögeln. All die Kreaturen lassen uns praktisch links liegen, eine ganz neue Erfahrung. 10 Uhr Aufbruch mit dem Schiff. Zwei Stunden später nördlich von Baltra am Inselchen Mosquera, mehr ein Sandhaufen. Mittag, Siesta und 14.30 Uhr zum Schnorcheln. Gleich zu Beginn sehen wir zwei Meeresschildkröten, die auf Grund ihrer gern ungestörten Beschäftigung (bis zu drei Stunden am Stück!) bald verschwinden. Dazu sehe ich wieder viele Fische und weit entfernt zwei kleine Haie. Nach Kaffee und Snack der Landgang auf Isleta Mosquera. Ein genialer Strand mit Seelöwen, Pelikanen und einem gut erhaltenen Walgerippe. Herumspazieren und die Seele baumeln lassen. Zum Abendessen gibt es ausgezeichnetes Kassler. Die Nacht ohne Schiffsmotor oder Generator sehr still, nur mit dem Geräusch der Ozeanwellen.

Galapagos Riesenschildkröten, bis zu 250kg schwer

auch die können kämpfen 

             Ohne Worte

kleine Giganten die Spielberg zum Gesicht von E.T. inspirierten

   Krabben, nur die eigene Art oder Austernfischer als Feind

4.Woche vom 24. bis 30. Januar 2014
Freitag weckt mich 6 Uhr der Schiffsdiesel. Das Frühstück mit Blick auf die kleine Felsinsel Daphne Mayor. Einmal herum um das Leben an der felsigen Steilküste zu bestaunen. Hinterher nach Baltra, wo wir im Militärhafen ankern. Ich verabschiede mich von der französischen Familie und dem Japaner. Unser Schiff bietet sogenannte “gefälschte” 8 Tage Kreuzfahrten an, sprich man kann auch Teile buchen da das Schiff zwischendurch in Flughafennähe ist. Ich bin der einzige der bleibt und kann später neue Gäste begrüßen. Nun ist es ein richtiges Backpackerschiff. Wir neun verstehen uns sehr gut. Am Nachmittag eine gute Stunde entfernt zum Strand Los Bachas. An dem ist mal eine amerikanische Fregatte gestrandet, die rostigen Überreste noch sichtbar. Leider ziehen Wolken auf und es regnet etwas. Von den versprochenen Flamingos ist nichts zu sehen, dafür aber viele Spuren von Schildkröten, die hier in der Nacht ihre Eier ablegen. Nachts sind die Strände für Touristen tabu. Abends in Baltra Proviant, Wasser und Diesel aufnehmen. Abendessen und nachts unter einem schöne Sternenhimmel der Transfer zur Insel Bartolome.

Iguanas unter dem Kaktus

       eine Nahaufnahme

vor allem die Männchen sehen aus wie vorsintflutliche Drachen

Samstag früh Landgang auf Santiago, oder auch James. Den Inseln gab man in der jeweiligen Epoche unterschiedliche Namen. Darwin sah Santiago 1859 anders, ein Vulkanausbruch 10 Jahre später hat die Küstenlinie stark verändert. Der Strand wurde zum Lavafeld, das mit 140 Jahren noch recht frisch ist. Pechschwarz, aber bereits mit ein wenig Vegetation. Begrüßt werden wir an Land von drei Pinguinen. Die Tiere kommen mit dem kalten Humboldtstrom zum Äquator. Neben viel Infos und Eindrücken machen wir etwas Blödsinn, das Foto weiter oben belegt es. Gleich hier ein Schnorchelgang. Zu den bereits bekannten Tieren kommt ein Krake, Pinguine die unter Wasser pfeilschnell jagen und manch Reiher dazu. Es ist eine ganz neue Perspektive Vögel praktisch von der Wasserlinie aus zu betrachten. Am Nachmittag sind wir an der Insel Bartolome im Wasser, aber die See ist unruhig und die Sicht nur mäßig, kein wirkliches Erlebnis. Der Landausflug später macht das dann wieder wett. Wir steigen auf der Insel Bartolome zum erloschenen Krater rauf und werden mit einem der schönsten Ausblicke auf Galapagos belohnt. Auch zu erwähnen: ein sichtbarer Unterwasserkrater, sowie Tiere wie Eidechse oder Möwe die sich der Umgebung (Lava) angepasst haben, sprich im Laufe der Evolution grau geworden sind. Nachts einen genialer Sternenhimmel mit Millionen von Lichtern.

Typ Seelöwe: der Denker     

der Treue                       

             der Träumer

           der Verspielte

         die Neugierigen

         die Kuscheligen

             der Faule

       die Gemischt-WG

Sonntag Start 3 Uhr morgens, der Schiffsdiesel unüberhörbar. Doch ich schlafe wieder ein. 7 Uhr wie üblich Frühstück, dann der nächste Landgang am Playa Espumilla an der Westküste von Santiago. Ein schöner Strand mit Mangroven gleich dahinter. Wieder viele Spuren von Meeresschildkröten, am Himmel manch Galapagos Habicht, der gern Iguanas jagt. Außerdem sehen wir Blaufußtölpel jagen. Sie schweben 5 bis 20 m über dem Meer, knicken dann plötzlich ab und sausen im Sturzflug ins Wasser, wo sie bis zu 4 m Tiefe erreichen. Sie brauchen einige Versuche einen Fisch zu fangen, genau wie ich beim Versuch sie dabei zu fotografieren. Bei tollem Sonnenschein schnorcheln wir 500 m weiter, wo die Szenerie eine ganz andere ist. Tiefe Klippen, Felstürme und leider eine raue See mit wenig Tiersichtungen. Nach dem Mittag fahren wir eine Stunde bis Puerto Egas. Erneut können wir eine andere Landschaft bestaunen. Schichtfelsen, Durchbrüche und dank Ebbe viele Gezeitenpools. Drin und drum herum viel Leben. Kindergarten der Seelöwen, unzählige Iguanas auf die man dank ihrer Tarnung fast tritt, Seehunde, Krabben und dazwischen Austernfänger die erst unschuldig herumlaufen und sich dann eine Krabbe herauspicken. Ein toller Ausflug. Am kleinen Boot, das uns zum Strand brachte, der nächste Schnorchelgang. Bald begegnen mir drei Seelöwen, mit denen ich eine vergnügliche Zeit habe. Tauchen und spielen ohne Unterlass. Wenig später eine Meeresschildkröte die ich vorsichtig begleiten kann. Meist nur 2 Meter entfernt treibt sie zwischen den Klippen manchmal bis auf einen halben Meter an mich heran, wobei sie mich verwundert aber keineswegs erschrocken anschaut. Genial. Zum Abschluss jagt noch ein Pelikan nach Fischen, was ich von Unterwasser aus sehe. Erstaunlich. Nach Kaffee und Snack die Schiffsmotoren starten. Auf rauer See werden wir in den drei Stunden bis zur Insel Rabida ordentlich durchgeschüttelt und haben an Bord erste Fälle von Seekrankheit zu beklagen. 

Blaufußtölpel           

       selbiger bei der Jagd

     majestätischer Pelikan

   ein Strandspaziergänger

Montag der letzte volle Tag an Bord - und was für einer. Schon am Morgen strahlend blauer Himmel. 8 Uhr Landung auf Rabida. Der hohe Eisenanteil in der Erde lässt den Strand in leuchtendem Rot erstrahlen. Tolle Farben! Wir drehen eine Runde auf der Insel und sehen mehr Flora und Fauna. Das Abholen vom Strand klappt dann nicht, der Außenbordmotor vom Boot streikt. Die Reparatur dauert länger und wir müssen das Schnorcheln leicht verschieben. Der Ausweichplatz bietet wenig Neues, bis der Guide taucht und alle möglichen Seesterne und Seeigel zur Oberfläche bringt. Wieder an Bord ab zur nächsten Insel. Unterwegs schließen acht Fregattvögeln auf, die Piraten der Lüfte. Die großen Vögel, bis zu 2,50 Meter Spannweite, jagen anderen die Beute ab, da sie mit ihren ungeölten Feder nicht tauchen können. Einige Vögel aus der Gruppe lassen sich an Bord nieder, was für eine Fotogelegenheit. Mittag Ankunft in Sombrero Chino, ein karibischer Ort. Nach der Siesta unser letzter Schnorchelgang. Das Wasser klar und türkis, der sandige Grund gepflastert mit Seesternen. Nahe der steinigen Küste tausende von Fischen in allen Größen und Farben. Papageifische, jagende Pinguine, Seelöwen und - Haie. Das die ungefährlich sind hat uns der Guide mehrfach erklärt, doch wenn ein 1,50 m großer Galapagoshai nur zwei Meter an dir vorbei schwimmt klopft das Herz mächtig. Ein einprägsames Erlebnis. Später begleite ich eine große Schule von Galapagos Doktorfischen, 20 bis 30 cm große Fische, grau gefärbt mit leuchtend gelber Schwanzflosse. Um die 200 von ihnen schwimmen teils nur 30 cm unter mir, würdiger Abschluss eines tollen Abenteuers. Am Nachmittag liegen noch sechs Stunden Fahrt vor uns, kein Vergnügen bei heftigem Wellengang. Ich habe keine Probleme, bin aber trotzdem froh als wir spät abends endlich in den ruhigen Hafen von Puerto Ayora einlaufen.

Fregattvogel, Pirat der Lüfte

 das Männchen mit roter Kehle

     was für ein Schnabel

         Gold Waldsänger

Dienstag 5.30 Uhr Frühstück, packen und der Abschied von Bord. Ein früher Besuch der Darwin Research Station, wo mit viel Erfolg Riesenschildkröten aufgezogen werden. Unser Guide führt herum und erzählt zum letzten Mal von den geheimnisvollen Inseln. 8 Uhr der Transfer zum Flughafen und pünktlich 10.15 Uhr der Flug mit Aero Gal nach Quito. Aufrechnung: die Flüge für 500 US$, die Cruise im Last Minute Angebot 1.150 US$, Eintritt im Nationalpark Galapagos 100 US$, Schnorchelsachen 40 US$, Trinkgelder und sonstiges 120 US$, macht insgesamt 1.910 US$ für 8 Tage. Damit blieb ich im Limit, aber mit dem Geld könnte man auch für zwei Monate durch Ecuador und Kolumbien reisen. Doch Galapagos war es definitiv wert, vor allem die Kreuzfahrt, auf der es viel zu sehen und erleben gab. Für mich bekommen die Inseln 5*.
Im Flugzeug den weiteren Plan zwei Mal umgestellt, steht er schließlich bei der Ankunft 14.30 Uhr in Quito. Mit all den frischen Eindrücken und Erlebnissen im Kopf ist dringend eine kleine Pause nötig. Also mit dem Bus in zwei Stunden quer durch die Stadt zum südlichen Busterminal Quitumbe und von dort in weiteren zwei Stunden nach Latacunga. Da im Hostel zur Ruhe kommen. Mittwoch passiert wenig. Wäsche waschen, den grauen Himmel anschauen und für die nächsten Tage planen. Nebenbei macht die Fotoauswahl für die Homepage viel Arbeit. Donnerstag mit leichtem Gepäck zum Busbahnhof und nach einer Stunde Fahrt in der Kleinstadt Saquisili. Dort findet heute der wöchentliche Markt statt und viele Leute aus den umliegenden Dörfern sind da. Ein buntes Gewühl von Leuten, Tieren, Obst, Gemüse und Waren des täglichen wie nicht-so-täglichen Bedarfs. Macht Spaß da mitten drin zu sein. Mittag die Weiterfahrt ins Dorf Chugchilan, wo ich beim Aussteigen den Schweizer Phillipe kennen lerne. Mit ihm suche ich das “Cloud Forest Hostel”, welches sich bald als das bisher Beste auf der Reise entpuppt. Am Nachmittag ein Spaziergang durch die von Plateaus durchzogene Canyonlandschaft. Leider zieht es dann zu und es fängt später an zu regnen.

der Markt in Saquisili, immer einen Besuch wert           

 auf dem Weg zum Kraterrand

       die Lagune Quilotoa

5.Woche vom 31.Januar bis 6. Februar 2014
Freitag brennt die Sonne beim Frühstück gerade die letzten Wolken und Nebelreste weg. Voller Entdeckerdrang ziehen Philippe und ich los. Vom Dorf führt der Pfad in den 400 m tiefen Canyon eines kleinen Flusses, schon mal eine abenteuerliche Sache. Unten angekommen geht es genau so steil wieder rauf zur anderen Seite des Canyons. Quer durchs Dorf Guyarama hat der Weg danach nur noch eine Richtung: aufwärts. Ziel ist die Kraterlagune Quilotoa, gelegen auf 3.900 m und eine der schönsten im Land, was wir bestätigen können. Bei Sonnenschein von einem leuchtenden Blau, aber nicht trinkbar, da schwer alkalisch. Wir hängen ein paar Kilometer ran und umlaufen den Krater. Das wird schwerer als gedacht, der Weg zieht sich und unterwegs geht es immer wieder steil auf und ab. Am Nachmittag die Ankunft im Dorf Quilotoa, wo uns ein Pick-up für 1 US$ ins 15 km entfernte Zumbuhua bringt, ein Dorf im Hinterland. Unterkunft suchen, was essen und früh ins Bett. Samstag früh geschäftiges Treiben. Vom Hostelfenster aus können wir beobachten wie der Markt aufgebaut wird, in Zumbuhua immer samstags. Fast alle hier tragen ihre bunte Tracht, schön anzusehen und fern ab der immer westlicher geprägten Zivilisation. Bei herrlichem Wetter nehmen wir Mittag den Bus ins 65 km entfernte Latacunga. Im Hostel Tiana warten meine zurückgelassenen Sachen sowie ein neuer Bekannter, der Holländer Maarten. Ich hatte mich vor Tagen für den 2. Februar eintragen lassen um auf den Cotopaxi zu klettern. Pro Guide sind dafür zwei Kletterpartner nötig, Maarten wird meiner. Die Sachen für morgen packen und ausruhen.

Quilotoa Loop: ein Lama 

   Kaktus: auch wie ein Lama

   Markt in Zumbuhua, so wie wahrscheinlich seit 100 Jahren

Sonntag Vormittag stattet man uns mit allem aus was man für den Gipfelsturm auf 5.897 m braucht. Dicke Schuhe, Steigeisen, warme Sachen, Eispickel usw. Aufregend derart vorbereitet zu werden. 11 Uhr mit dem Guide Julian aufbrechen. Von Anfang an stimmt die Chemie nicht und es wird keine gute Tour. Laut Plan heute auf 4.800 m steigen, Ausrüstung und Zusammenspiel testen. Julian findet das unnötig und wir verplempern den Nachmittag. 19 Uhr in der Hütte auf 3.800 m hinlegen, so wie alle  Kletterer. Die Hütte auf 4.650 m wird derzeit neu gebaut. 22 Uhr aufstehen und ein kleines “Frühstück”. Danach mit dem Jeep auf 4.550 m Höhe und 23 Uhr loslaufen. 300 m höher in die Steigeisen. Das und das Laufen am Seil fällt zu Beginn schwer, wir hätten es gestern üben sollen. Julian ist ungehalten, ich werde es langsam auch. Schon bei 5.100 m bekommt Maarten leider Höhenprobleme und 250 m höher wird es so schlimm das wir umkehren müssen. So eine Sch... Ich kann und will es am Anfang nicht begreifen. Aber Julian kennt keine Gnade: wieder runter. Montag. 4.30 Uhr sind wir wieder in der Hütte. Etwas schlafen und wieder nach Latacunga. Bin immer noch stinksauer. Im Hostel Sachen packen und nichts wie weg. Zuvor die Beschwerde über den Guide, die bringt mir 50 US$ der bezahlten 180. Nur ein Trostpflaster, denn es war ein Traum von mir den höchsten AKTIVEN Vulkan der Welt zu besteigen. Übermüdet nehme ich den Bus nach Banos, wo ich Nachmittag eintreffe. Bett suchen und finden, essen, duschen und etwas umsehen. Nach dem Abendessen bin ich praktisch seit 36 Stunden wach und falle fast bewusstlos ins Bett. Dienstag sieht die Welt schon wieder etwas freundlicher aus. Ich bummle durch den Ort, wo recht viele Touristen unterwegs sind. Die spektakuläre Lage und viele Freizeitmöglichkeiten erklären das. Nachmittag heißt mein Stück vom Spaß Canyoning. Wir sind zu dritt, plus Führer, und fahren ein Stück außerhalb zum Rio Blanco. Dort zu Fuß schweißtreibend durch den Wald steil bergan. Wir wurden schon zuvor ausgerüstet und üben vor Ort zuerst trocken. Als das klappt kommen wir zum nassen Teil, nämlich Stück für Stück den kleinen Fluss hinunter. Wir folgen in der engen Schlucht dem Wasser, rutschen den Fels hinunter, seilen uns in einem 25 Meter hohen Wasserfall ab und müssen so manches Mal unserem Guide vertrauen wenn wir an seinem Seil über dem Abgrund hängen. Für mich ein lohnender Adrenalinschub. Nebenbei rumort im Hintergrund der Vulkan Tungurahua. Der spuckt nur wenige Kilometer entfernt Rauch und Asche. Abgesehen von einer kleinen Sperrzone kratzt das hier niemanden. Von verschiedenen Punkten aus, leider nicht vom Ort selbst, sieht man die Aktivitäten. Allerdings bleibt das Meiste in den Wolken verborgen. Mittwoch bringt mich die Wettervorhersage dazu im Affentempo zu packen und den Bus nach Riobamba zu nehmen. Zwei Stunden später bin ich dort, suche mir ein Zimmer und klappere Agenturen ab. Das war es an diesem regnerischen Tag. Der Donnerstag beginnt mit schönem Wetter und ich plane einen kleinen Ausflug. Das Dorf Colta ist einen Besuch wert, sei es wegen der Kirche Balbanera (älteste Kirche Ecuadors, erbaut 1534) oder dem schönen See gleich nebenan. Ich laufe durch ein Dorf in dem die Zeit teilweise stehengeblieben zu sein scheint und erklimme einen nahen Berg um im Training zu bleiben. Nachmittag in Riobamba die zweite Runde durch die Tourbüros bis mein Abenteuer für morgen steht.    

Canyoning, was für ein Spaß

     an der Laguna de Colta

 das Dorf Colta, teils scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

6.Woche vom 7. bis 13.Februar 2014
Freitag lasse ich einen Großteil vom Gepäck im Hotel zurück und werde mit einem Paar aus Brasilien in den nur 40km entfernten Chimborazo Nationalpark gefahren. Das Wetter durchwachsen, der nahe Berg versteckt sich in den Wolken. Unser Führer ist Manuel, ein Einheimischer. Er führt uns über eine trockene Graslandschaft immer höher in die Berge hinein. Das dabei wenig von der umgebenden Landschaft zu sehen ist stört mich kaum, wichtig ist die Akklimatisierung in der Höhe. Am späten Nachmittag bleibe ich als einziger im nahen Dorf auf 3.800 m. Ein paar Stunden Ruhe, doch an Schlaf ist um diese Zeit kaum zu denken.   18 Uhr reißen die Wolken auf und der erloschenen Vulkan Chimborazo zeigt seine ganze Größe. Bei diesem imposanten Anblick kommen Zweifel auf ob ich das Richtige vorhabe. 22 Uhr holt mich Manuel ab und wir fahren durch dicken Nebel bis zum Refugio in 4.800 m Höhe. Unterwegs reißt der Nachthimmel auf und zeigt die Silhouette des Berges. Komplett ausgerüstet machen wir uns im Schein der Kopflampen 23 Uhr auf den Weg. Über Geröll und Steine kämpfen wir uns nach oben und legen bei 5.300 m die Steigeisen an. Dabei erste Fotos. Die gelingen mit der neuen Kamera und dem Mondlicht sehr gut. Wir kommen gut voran, auch wenn das Terrain schwieriger wird. Bei 5.600 m der erste Schnee. Laufen wird nur kurzzeitig leichter, denn der Schnee ist neu und nicht verdichtet. Wir brechen immer wieder ein oder rutschen zurück. Selbst der Eispickel hilft kaum und versinkt im Schnee. Ab 6.000 m muss ich kämpfen. Der Körper will hier oben kaum noch und Steigungen von 50% verlangen das Letzte. Doch wir halten durch und stehen 5.15 Uhr auf dem Gipfel des Chimborazo in 6.319 m Höhe. Genial. Geplant waren acht bis neun Stunden, wir brauchten nur sechs. Dafür bekomme ich ein extra Lob von Manuel. Das ist mir im Moment allerdings egal, denn ich bin fertig und mein Körper rebelliert. Der herrliche Sonnenaufgang motiviert dann aber. Ein paar Fotos vom Gipfel und von uns, allerdings steigt die kleine Kamera bei -15°C bald aus. Mehr Bilder machen geht eh kaum, denn die Finger werden ohne Handschuh schnell steif. Langsam wieder runter. Beim Abstieg sehe ich im Tageslicht wo wir entlang geklettert sind und mir wird bewusst wie gefährlich das war. Egal - ich war oben! Was mir auch klar wird: der Cotopaxi ist die Geldmaschine, mit bis zu 100 Leuten die pro Tag aufsteigen, wobei kein Wert darauf gelegt wird wie fit und akklimatisiert sie sind. Am Chimborazo ist die Ausrüstung besser, die Vorbereitung intensiver und man muss diesen Berg im wahrsten Sinne des Wortes: bezwingen. So standen am Morgen des 7.Februar 2014 nur Manuel und ich auf dem Gipfel des höchsten Berges von Ecuador, das sagt alles

der Chimborazo bei Nacht

   Gipfel bei Sonnenaufgang

       Gipfelfoto muss sein

 Chimborazo mit unserer Route

Letzter Fakt zum Berg: Durch die Ausbeulung der Erdkugel am Äquator ist der Gipfel des Chimborazo der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Ort, sprich ich war der Sonne so nah wie nirgends sonst auf der Welt. Samstag Nachmittag sind wir zurück in Riobamba. Ich bin müde, schleppe mich ins Hotel, esse was und gehe schlafen. Sonntag hat sich mein Körper schon etwas erholt. Nach dem Frühstück mit dem Bus nach Banos. Der bedeckte Himmel reißt bei der Ankunft gerade auf. Hostel suchen,  Sachen in die Wäscherei und was essen. Am Nachmittag zu Fuß hinauf zur Casa del Arbol (Baumhaus), steile 800 Höhenmeter, was nach gestern erstaunlich gut geht. Von oben hat man theoretisch einen guten Blick auf den aktiven Tungurahua, doch meist verdecken Wolken den Krater. Ab und an klärt sich der Blick, genug für einige Fotos. Nebenan steht am Abhang der Casa del Arbol eine lange Schaukel mit der man praktisch ins Nichts hinein schwingt. Ein lohnender Ausflug. Runter bringt mich ein freundlicher Einheimischer auf der Ladefläche seines Pick-up. Abends ist der Hunger riesengroß, und ich entscheide mich für eine Pizzeria. Viele teilen sich dort die “Grande” zu dritt, ich brauche eine für mich allein, was der Chefin ein Lächeln entlockt.

Banos, schön gelegen        

  Schaukel am Casa del Arbol

       der Tungurahua, dauernd unruhig, dauernd rauchend

Montag eine Radtour. An der leicht abschüssigen Strecke hinunter nach Puyo liegt ein schöner Wasserfall neben dem anderen. Es macht Spaß dem langen und tiefen Tal des Rio Pastaza zu folgen an dessen Seiten die sattgrünen Berge steil aufsteigen. Die Wasserfälle unterscheiden sich stark und es kommt keine Langeweile auf. Gleich zu Beginn der Schönste: Aguyan. Später das Doppel des Manto de Novia und das Donnergebrüll vom Pailon del Diablo, bei dem man durch niedrige Tunnel nah heran kriechen kann. Zum Abschluss der Machay, der mehr als 100 m in die Tiefe stürzt. Zurück nach Banos per Pick-up, denn viel Verkehr und einige Tunnel verleiden das Radfahren in der Richtung. Abends Wohlfühlprogramm: eine Stunde Ganzkörpermassage für 20 US$, genau richtig nach den harten Tagen. Noch was: heute gab es ein Erdbeben in Banos, ein paar Sekunden lang wackelte alles.

der Agoyan, für mich der   Schönste in der Gegend

   das Tal des Rio Pastaza

die Schlucht des brüllenden Pailon del Diablo und der namensgebende Fels in Form eines Teufelskopfes

Dienstag ein Abstecher Richtung Dschungel. Zuerst nach Puyo, dort umsteigen, und weiter nach Macas. Der Bus ist schneller als geplant und ich komme schon 14 Uhr an. Die Vegetation hat sich verändert. Immer noch intensiv grün, nun aber tropischer, trotz der Höhe von 1.000 m. Häuser bestehen nun öfter aus Holz, vor allem in den Dörfern. Die Stadt Macas enttäuscht von Anfang an. Laut, stressig, schmutzig. Der Versuch eine Tour zu buchen scheitert kläglich. In einer Reiseagentur/Laden fällt es der Dame schwer für mein Anliegen aus der Hängematte zu kommen. Schade drum, aber dieses Desinteresse ist mir nicht neu im Land. Mittwoch das Wetter grau in grau. Kein Grund für mich in Macas zu bleiben. Nach dem Frühstück in den Bus. Leider hängen die Wolken tief und wir verschwinden ab 1.800 m komplett in ihnen. So verbirgt sich die wahrscheinlich sehenswerte Gegend im Nebel. Die Strasse folgt dem Landschaftsverlauf in unzähligen Kurven und in einem ständigen auf und ab über viele Pässe. Zwei Stunden vor Cuenca reißt es auf und zeigt ein wenig von dem was bis dahin verborgen war: Grüne Berge, tief eingeschnittene Täler mit Flüssen, Seen und immer wieder kleine Dörfer oder einzelne Höfe. Mit der Dämmerung die Ankunft in Cuenca. Schnell ein Hostel suchen und mir was zu essen kochen. Das übrigens zum ersten mal auf dieser Reise, da Küchen in südamerikanischen Hostels selten sind. Donnerstag bummeln in Cuenca. Bald steht für mich fest: wenn eine Stadt in Ecuador, dann Cuenca. Viel gut erhaltene Bausubstanz, herrliche Kirchen, Pflasterstrassen, Charakter und Charme. Die halbe Million Einwohner merkt man kaum, kein Druck, kein Stress. Ich bin beeindruckt und schlendere stundenlang durch die Gassen. Dabei komme ich auch an einem privaten “Museum für verbotene Kunst” vorbei. Das ist mal was anderes. Sehr morbid, recht gewagt. 

     die Strassen der Stadt

 das etwas andere Museum

  die Kathedrale von Cuenca

   die Ruinen von Ingapirca

7.Woche vom 14. bis 20. Februar 2014
Freitag ein Tagesausflug nach Ingapirca, zu den bedeutendsten Inka Ruinen von Ecuador. Für die 70 km braucht der Bus über zwei Stunden, wobei vor allem das Ende landschaftlich sehenswert ist. Die Ruinen liegen strategisch auf einer Hochebene von 3.160 m und waren als Tempel für die Inka wie für die ortsansässigen Kanari in Gebrauch. Auf einer geführten Tour gibt es viel Neues zu erfahren bzw. altes Wissen aus Peru Zeiten aufzufrischen. Die noch längere Rückfahrt verbraucht den Rest vom Tag, was bei einer Stadt wie Cuenca schade ist. Samstag früh 7 Uhr im Bus sitzen. Der Ausflug heute zum Parque Nacional Caja, 30km westlich von Cuenca. Der Bus muss sich ein wenig quälen um auf die Höhe zu kommen. 8 Uhr bin ich im Park und kann nach der Registrierung loslaufen. Die Landschaft ist hier eine ganz andere: praktisch baumlos, mit hunderten von kleinen Seen und Teichen, wovon viele miteinander verbunden sind. Die Berge weniger schroff mit vielen “Beulen” von Hügeln und Senken. Ein echter Hingucker. Schotten würden sich wohl wie zu Hause fühlen, nur das ihnen auf einer Höhe von 4.000 m die Luft dünn werden würde. Das einzige Manko: viele niedrige Wolken und dicker Nebel. Doch das verleiht manchen Fotos etwas mystisches. Entgegen der Empfehlung vom Parkbüro besteige ich einen Berg und werde oben mit Ausblicken belohnt als die Wolken immer wieder aufreißen. Gegen Mittag unfreiwillig ein zweistündiger Umweg, als ich im dichten Nebel eine Abzweigung verpasse. Dafür reißt nach 13 Uhr die Wolkendecke auf und verschafft mir einen wundervollen Nachmittag. Nach 7 Stunden über Stock und Stein mit viel Wasserkontakt bin ich müde und geschafft. Zurück nach Cuenca per Anhalter auf der Ladefläche eines Pick-up.

der Parque Nacional Cajas, eine unwirkliche Landschaft auf 4.000 m Höhe, viel Wasser und interessante Farben

Sonntag 6 Uhr wecken. Kann ja später weiterschlafen, denn heute ist Bus-Tag. Nach dem Nationalpark Cajas führt die Strasse von 4.200 m Höhe viele Kilometer hinunter auf Meeresspiegelniveau. Fast die ganze Zeit halten uns dabei die Wolken gefangen. Nach dreieinhalb Stunden in Guayaquil. Dort unter Polizeischutz (?!) an abgegrenzten Schaltern eine Fahrkarte lösen (?!) und 10 Minuten später nach Santa Elena, an der Küste von Ecuador. Dort nach zwei Stunden umsteigen und an der Küste entlang  weitere 90 Minuten bis nach Montanita. Das reicht. Immerhin brennt nun die Sonne ein Loch in die dicken Wolken. Ungewohnt für mich sind die feuchtwarmen 33°C hier. Montanita ist das reinste Urlauberzentrum. Ein Hotel am anderen, Restaurants, kleine Läden. Ein schöner Strand, nur leider viel zu voll. Montag. Nach kurzer Überlegung Sachen packen. Montanita ist mir zu voll, zu überrannt, zu künstlich. Mit dem Bus 40 km weiter ins nördlich gelegene Puerto Lopez. Es regnet und das Dorf macht zu Beginn keinen guten Eindruck. Die Strassen unbefestigt eine Schlammwüste, die Häuser im grauen Licht alt und abgewohnt. Mein Bauchgefühl rät mir trotzdem zu bleiben. Ein Hotel findet sich in der ersten Reihe neben dem Strand. Einzelzimmer, großes Bett, Privatbad mit warmen Wasser, Wifi und Meerblick für 10 US$. Genau richtig für eine Pause vom Reisen. Es nieselt den ganzen Tag, also nur ein Strandbummel und gut Essen. Die Garnelen so frisch, so lecker. Dienstag verziehen sich die grauen Wolken. Es trocknet schnell ab und die Strassen ringsum werden wieder passierbar. Puerto Lopez entpuppt sich Stück für Stück als große Bucht mit einem, bei Ebbe, 100 m breiten Strand. Wie fast überall ist der leicht vermüllt. Viele blaue Fischerboote liegen an der Küste, dazu eine schöne Seebrücke und freundliche Einheimische. Montanita empfand ich als Themenpark, Puerto Lopez IST Ecuador. Fühle mich wohl. Die Sonne kommt raus und ich faulenze, bade, esse und trinke gut. Mittwoch sehr früh raus. An der Seebrücke bringen die Fischer ihren Fang an Land, sehr sehenswert. Überraschend ist die Vielfalt. In der Kategorie 1 m und größer: Kofferfisch, Hammerhai, Thunfisch, Rochen, Raubfische. Die kleineren Exemplare werden vor Ort filettiert, die großen nur ausgenommen. Das allerdings hätte bei einem Hygienebeauftragten Schnappatmung verursacht. Entweder geschieht das auf alten, abgewirtschafteten Holztischen oder gleich am Strand im Sand - um danach das Objekt kurz abzuwaschen und auf Eis zu legen. Die Gerüche sind entsprechend und das ganze Areal wird dicht von Seevögeln umkreist, wobei sich Fregattvögel schon mal aus einer Kiste mit kleinen Fischen bedienen. Nach dem Frühstück bei ungetrübten Sonnenschein in den Machalilla Nationalpark, 10 km nördlich. Zu Fuß durch tropische Trockenwälder hin zu den Stränden Playa Prieta, Tortuga Bay und Los Frailes, der wohl schönste Strand hier, obwohl er es in meinem weltweiten Ranking nur in die Top 50 schafft. Baden und faulenzen, herrlich. Donnerstag. Zeit das Bündel zu schnüren. Tagsüber faulenze ich und werde Zeuge der letzten Aktivitäten der Einheimischen vor der Kommunalwahl am Sonntag. Die Leute nehmen die Sache wichtig. Häuser werden entsprechend der Parteifarbe angemalt, überall hängen Fahnen draußen und ein Autokorso mit lauter Musik folgt dem anderen. Das ist Wahlkampf Am Abend der Nachtbus nach Quito. Wir starten 19 Uhr und es wird eine überraschend ruhige Busfahrt mit sogar etwas Schlaf.

Puerto Lopez am Strand  

                 der Fischumschlagplatz direkt am Strand, alles sehr einfach gehalten

Playa Prieta im Machalilla Nationalpark, wie Playa Los Frailes

       Chill out Puerto Lopez

   Wahlkampfkorso im Dorf

8.Woche vom 21. bis 27. Februar 2014
Freitag Morgen 5 Uhr in Quito, das war der erste Streich. Schön das der Stadtbus schon fährt und mich bis zur letzten Station Ofelia bringt. Von da mit einer weiteren Verbindung bis zum großen Busbahnhof Carcelen. In zweieinhalb Stunden bis Ibarra und noch Mal die selbe Zeit zur Grenzstadt Tulcan. Eine Taxi/Colectivo Kombination bringt mich zur Grenze bei Rumichaca. Mittag ist überraschend wenig los und ich bin in 20 Minuten mit beiden Grenzposten fertig. Nun wieder Kolumbien. Mit dem Colectivo nach Ipiales und dort der Bus nach Popayan. Die Strecke zieht sich, wie immer in den Bergen. Für die 330 km brauchen wir sieben Stunden und ich sehne mir das Ende der Fahrt entgegen. 21 Uhr - endlich Popayan. Das waren in 26 Stunden NEUN (!) Busse und Colectivos in Folge, persönlicher Rekord. Samstag spüre ich schon am Morgen das es kein guter Tag wird. 10 Uhr mit dem Bus nach Cali. Eigentlich eine Sache von zwei Stunden, aber es kommt anders. Der Bus erwischt in einer Kurve mit dem Außenspiegel eine Frau, die mitten in der Pampa halb auf der Strasse läuft. Anscheinend Gehirnerschütterung und der Arm verstaucht. Anhalten, Polizei und Ambulanz rufen. Eine halbe Stunde später stehen 50 Leute herum, sechs Polizisten nehmen alles auf, diverse Zeugenaussagen müssen mit Fingerabdruck bestätigt werden. Im nächsten Dorf darf der Bus nicht weiter, wir werden in einen anderen gepresst und kommen erst nach mehr als fünf Stunden in Cali an. An der Touristeninfo am Busbahnhof keine Infos von der unfreundlichen Dame, muss mich durchfragen. Nehme die richtige Buslinie, aber sie hält nicht dort wo ich hin will. Schlecht beschriftete Haltestellen, im Bus kein Plan, keine Durchsagen. 18 Uhr endlich im Hostel, 5 Stunden später als geplant. Sonntag. Neuer Tag, neues Glück. Ich stehe früh auf, bin 8 Uhr am Busbahnhof und sitze kurz darauf im Bus nach Armenia. 11.30 Uhr dort, umsteigen und eine Stunde später im Dorf Salento. Das gefällt mir sofort. Klein, bunt und mitten in den grünen Bergen gelegen. Am Wochenende ist der Teufel los, aber das sind meist Tagesausflügler aus der Umgebung. Ich schlendere stundenlang mit der Kamera durchs Dorf und drum herum, wobei mir immer wieder was Neues vor die Linse kommt.

Salento am Sonntag    

 etwas andere Strassenmusik

     Salento, bunt und sicher

   mit vielen schönen Ecken

Montag früh raus und mit einem “Willy” (kleine offene Jeeps, in der Gegend überall anzutreffen) ins nahe Tal Cocora. Dort zu Fuß weiter in die Berge hinein. Bereits im Jeep lerne ich einen Engländer und einen Kanadier kennen. Wir sind dann den Tag über gemeinsam unterwegs. In einer Finca auf dem Weg schauen häufig Kolibris vorbei, die ich noch nie so nah in der Wildnis sehen konnte. Schwierig sie mit der Kamera zu erwischen, denn bei bis zu 50 Flügelschlägen PRO SEKUNDE sind sie blitzschnell. Ansonsten lugen aus dem dichten Regenwald immer wieder Wachspalmen hervor, die teils 60m hohen Palmen sind die höchsten der Welt. Am besten sieht man sie auf gerodetem Land, als Nationalbaum Kolumbiens blieben sie verschont. Sehr eindrücklich.

die bunten Willys           

       den Kolibris ganz nah

   Waxpalmen im Nebelwald und bei schönstem Sonnenschein

Dienstag weiter, die Zeit wird knapp. Mit dem 6 Uhr Bus nach Armenia und gleich weiter durch die Kaffeezone des Landes, wo viele Plantagen bis an die Strasse reichen. Da ist die Bohne schon am Zweig durch den Dieselruß geröstet. 13 Uhr in Medellin. Vor 20 Jahren ein no-go Gebiet für Ausländer, hat sich die ehemalige Drogenmetropole gemausert. Modern, in einer schönen Landschaft gelegen, aber als Autostadt mit Dauerstaus sehr fußgängerfeindlich. Beim Stadtbummel werden die schönen Blicke vom Cerro Nutibara nur vom Dunst getrübt. Mittwoch eine “Tour” mit der Metro. Für 1.900 COP (0,65 €) kann man stundenlang umherfahren und umsteigen, wenn man nicht den Bahnhof verlässt. Teile der Metro sind Seilbahnen, die in den Vororte steil am Hang hinauf führen. Als Ausländer soll man dort auch tagsüber nicht aussteigen. Schwebend über den Dächern kann man sich leicht vorstellen wie hier die Drogenkartelle geherrscht haben, und das heute bestimmt noch immer tun. Gegen Mittag der Bus nach Santa Fe de Antioquia, die frühere Hauptstadt der Region. Gegründet 1541 steht ein Teil der nicht ganz so alten Stadt noch immer. Schön anzusehen. Etwas außerhalb die erste Spannbrücke Südamerikas, gebaut 1895 und immerhin 291 m lang.

Kaffeeplantagen bei Armenia

  Medellin vom Cerro Nutibara

             in Medellin

       die Barrios (Vororte)

Donnerstag mit Gepäck zum nördlichen Busbahnhof, wo ich den großen Rucksack für den Tag aufbewahre. Dann mit dem Bus zwei Stunden östlich zum Dorf Guatape, wo der Felsen El Penjol liegt, der einsam 200 m hoch in der Landschaft ragt. Schon von unten imposant, führen 740 Stufen in einem Wirrwarr von Treppen zur Aussichtsplattform. Von der hat man einen tollen Blick über den nahen Stausee mit vielen Inseln. Stark. Das ist noch nicht alles. War Kolumbien bisher ausgesprochen bunt, ist Guatape bunt im Superlativ. Einer fing mal an sein Haus mit farbenfrohen Reliefs zu schmücken um die Kinder vom Fußballspielen abzuhalten, woraus sich eine Kunst entwickelt hat die inzwischen viele Häuser schmückt. Von Alltagsszenen bis Kitsch ist alles dabei. Nach dem geglückten Ausflug kehre ich gegen Abend nach Medellin zurück. Am Bahnhof stehen harte Verhandlungen an bis eines der Unternehmen den Preis fürs Ticket von 105.000 COP auf 80.000 COP reduziert. 19 Uhr startet Copetran die lange Fahrt nach Santa Marta. In den ersten Stunden benutzt der Bus Nebenstrassen, vielleicht um Maut zu sparen die sich auf einer Strecke von 850 km ganz schön summiert. Hunderte von Kurven, dazu bergauf, bergab. Auch große LKW benutzen die Strecke, und als sich zwei in einer engen Haarnadelkurve begegnen braucht es mit Glück und Geschick eine Stunde bis sich der Stau langsam wieder löst. Als der Bus normale Strassen erreicht wird die Fahrt ruhiger. Gegen Mitternacht holt mich der Schlaf ein.

Santa Fe de Antioquia   

Guatape, ein bunter Cocktail

     Brücke Punta Occidente

     das Rathaus in Guatape

   El Penol, was für ein Fels

       der Blick von oben

               farbenfrohe Reliefs an den Häuserwänden

9.Woche vom 28. Februar bis 6. März 2014
Freitag. Nach 16 Stunden im sehr bequemen Bus, bei 32 Sitze mit viel Platz, erreichen wir 11 Uhr die Küstenstadt Santa Marta.  An die 33°C muss ich mich erst gewöhnen. Hostel suchen, Informationen einholen und die nächsten Tage planen. Dann Essen  einkaufen und den Rucksack mit dem Nötigen für zwei Tage packen. Samstag lasse ich die meisten Sachen im Hostel und fahre mit dem Bus eine Stunde nach El Zaino, dem Eingang zum Tayrona Nationalpark. Der Eintritt ist mit 38.000 COP recht happig, doch es lohnt sich. Ich laufe an der Küste die Strände ab, einer schöner und karibischer als der andere. Palmen, Sand und blaues Meer. Baden ist leider meist verboten, starke Unterströmungen kosteten schon einige das Leben. Weil fast alle mit dem Colectivo ins Zentrum des Parks fahren habe ich diese Strände praktisch für mich allein. Der zu zahlende Preis dafür: wandern bei 35°C mit 15 kg auf dem Rücken, ein guter Teil davon Wasser und Essen. Nachmittag Ankunft in Arrecife, eine Anhäufung von Campingplätzen. Als Schlafplatz nehme ich eine Hängematte, eine preiswerte Alternative die dazu angenehm luftig ist. Nur ist es ein großer Unterschied ob du in der durchhängenden Position eine Stunde liegst oder die ganze Nacht. Meine Knochen fühlen sich am Sonntag keineswegs erholt an. Trotzdem weiter im Programm. Eine Stunde brauche ich zum Strand von Cabo, wo man baden darf. Dazu ist er einer der schönsten. Nach einer langen Pause dort laufe ich durch die nahen Berge zur Strasse Teils steil bergan und über viele Felsen führt der Pfad zum Pueblito, einem alten Dorf von dem Ruinen und in Stein gefasste Terrassen übrig sind. Bei der Hitze eine schweißtreibende Angelegenheit da hin zu kommen. Strecke und Ziel ist wohl wie eine Bruchmenge im Vergleich zum sehr beworbenen 5-Tage Trek zur Ciudad de Perdida. Den halte ich, vor allem bei diesem Klima, für überflüssig. 16.30 Uhr bin ich an der Hauptstrasse und anderthalb Stunden später unter der Hosteldusche in Santa Marta.

Tayrona Nationalpark    

         der Strand Cabo

 Äffchen im trocknen Regenwald

 das Pueblito im Nationalpark

Montag ein Kontrastprogramm. Mit dem Bus von Santa Marta ins zwei Stunden entfernte Barranquilla, wo nach Rio de Janeiro der zweit größte Karneval von Südamerika abgehalten wird. Mein Zeitplan war so gelegt das ein Besuch von diesem möglich ist Ich ergattere einen bezahlbaren Platz auf einer überdachten Tribüne und erlebe den großen Rosenmontagsumzug. Karneval in Südamerika, was soll ich sagen: bunt, laut, voller Temperament, Musik und Tanz. Die Clubs und Schulen ziehen stundenlang durch die abgesperrten Strassen, alle farbenfroh und doch verschieden. Auf der Tribüne findet eine ganz eigene Party statt, wo viel Schaum aus der Spraydose zum Einsatz kommt. Den gibt es an allen Ecken zu kaufen. Ein toller Tag, an dem ich jedoch noch nach Santa Marta zurückkehren muss, weil während dem Karneval eine Übernachtung in Barranquilla schier unmöglich ist.

         Karneval in Barranquilla, der Rosenmontagsumzug, bunt, mit viel Musik und Tanz      

           Tribünenparty

Dienstag. Nach dem Programm der letzten Woche brauche ich eine Pause. Mit dem Colectivo hinein in die nahe Sierra Nevada, nur eine Stunde entfernt von Santa Marta, ins malerische Dorf Minca. Auf 700 m Höhe weht eine sehr angenehme Brise, eine Wohltat nach der stickigen Hitze in der Stadt. Ich finde ein toll gelegenes Hostel, Casa Antonio, mit Blick von den Bergen bis hinunter nach Santa Marta. Ein Ort zum Entspannen. Schön ruhig, abgesehen von den Stimmen der Natur. Einige der Geckos und die großen Zikaden schaffen ordentlich Lärm. Ein schöner Spaziergang zum nahen Wasserfall und durch dichten Wald mit hohem Bambus bis hinauf zur Kaffeeplantage La Victoria. Später auf der Terrasse den Sonnenuntergang genießen während Kolibris umher schwirren und schließlich Abendessen mit Blick auf die Lichter von Santa Marta. Der Mittwoch knüpft nahtlos an. Ein weiterer Spaziergang durch den Wald. Der ist durchzogen mit abgelegenen Höfen, Baumriesen, Ruinen und manch schönem Flusstal. Ein wirklich gelungener Aufenthalt den man problemlos erweitern könnte, doch so viel Zeit bleibt leider gar nicht mehr.

Kolibris am Futternapf, ich könnte ihnen ewig zuschauen   

         Bismarckpalme

       Flusstal nahe Minca

Donnerstag so früh wie möglich am Frühstückstisch, dann packen und auschecken. Der Zeitplan kommt ins wanken als in Minca für eine Stunde kein Colectivo auftaucht. So dauert es bis ich zurück in Santa Marta bin und dort im Bus nach Cartagena sitze. An der Küste entlang in die 240 km entfernte Hafenstadt, was mit dem Halt in Barranquilla fünf Stunden dauert. Am Bahnhof nehme ich den Stadtbus ins Zentrum, ein äußerst langsamer Transport durch schlimme Viertel mit Müll, Dreck und Chaos. Die  80 Minuten dafür sind rekordverdächtig. Nahe der Altstadt brauche ich einige Versuche um ein gutes und freies Bett zu finden.
10.Woche vom 7. bis 13. März 2014
Freitag. Auf in die laut Werbung schönste Stadt Kolumbiens. Und sie ist schön, das steht außer Frage. Alte Architektur aus der Kolonialzeit, als Besonderheit mit winzigen Dächern über den Fenstern, dazu eine Menge leuchtender Farben. Schön restauriert, viele Kirchen und neben der Stadtmauer ein beeindruckendes Fort. Die Kehrseite: praktisch von Touristen eingenommen wirkt vieles künstlich, ganze Scharen von Kreuzfahrtleuten ziehen durch das Zentrum und die Preise liegen ein ganzes Stück über dem kolumbianischen Durchschnitt. Die Straßenverkäufer sind penetrant und tagsüber staut sich die Hitze ohne ein Lüftchen in den engen Gassen. Gleich vor den Toten liegt der Müll bergeweise und stinkend. Keine Gründe für mich noch länger zu bleiben.

die Altstadt von Cartagena, zu Recht als schöne Stadt beworben                                  

   beschämender Gegenpol

Samstag 6 Uhr aufstehen. Trotz früher Stunde bleibt der Stadtbus im Stau stecken und ich verpasse den einzigen Bus direkt nach Mompox. Alle Alternativen klingen halbseiden oder brauchen viel Zeit, also Planänderung. Mit Copetran, wieder ein toller Bus nebst günstigem Preis, in dreizehn Stunden nach Bucaramanga. Da wollte ich nach Mompox eh hin. Der Tag vergeht recht angenehm, auch wenn die Landschaft auf der 700 km langen Strecke selten abwechslungsreich ist. Wenigstens herrscht im Bus normale Temperatur. Bei vielen läuft die Klimaanlage auf vollen Touren, was vor allen in den Nachtbussen zu Temperaturen um 15°C führt. Warme Sachen im Handgepäck sind also trotz Äquatornähe nützlich. Die Ankunft in Bucaramanga erst 22 Uhr. Ich finde mit einheimischer Hilfe schnell ein gutes Hotel (11 €) und liege bald im Bett. Sonntag nach dem Frühstück gleich weiter, für Touristen bietet Bucaramanga wenig. Das sieht 50 km später schon ein Stück besser aus, als wir durch den eindrucksvollen Chicamocha Canyon fahren. Den erklimmen wir in einer endlosen Zahl von Serpentinen und kommen bald darauf in San Gil an. Das Sam’s Vip Hostel dort ist wirklich so gut wie beschrieben. Schöne Mehrbettzimmer mit eigenem tollen Bad, zwei komplett ausgestattete Küchen und auf einer der zwei Terrassen steht sogar ein Pool. Da bleibe ich gern. Ein sehr ruhiger Stadtbummel, denn am (Wahl) Sonntag hat fast alles geschlossen und die meisten Einwohner sitzen mit Eis und Bier bei Sonnenschein im Park

der Chicamocha Canyon   

   Sam’s Vip Hostel, San Gil

     Paragliding mit Christian

   wie ein Vogel in der Luft

Montag Mittag schönes Wetter und der spontane Entschluss zum Paragliding. Wir werden mit dem Auto abgeholt und ins 15km entfernte Curiti gebracht. Dort herrschen am Berg perfekte Bedingungen und wir heben praktisch aus dem Stand ab. Ich habe eine schöne Zeit da oben, schwebe angehängt an Christian über der Landschaft wie ein Vogel und Dank S-Kurven und Spiralen ist auch Action mit dabei. Dienstag Vormittag ein Besuch des Parque El Gallineral. Kostet Eintritt (5.000 COP), ist es aber wert. Am Eingang warten große Papageien und flinke Eichhörnchen. Sonst hängen an vielen Bäumen graue Tillandsien wie alte Bärte, ein beeindruckendes Bild. Mittag Sachen packen und mit dem Bus in 40 Minuten nach Barichara. Das kleine Dorf ist eines der schönsten in Kolumbien und fühlt sich an wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die Häuser 300 Jahre alt, weiß getüncht und mit uralten roten Dachziegeln. Die Strassen fast autoleer und kaum Strommasten. Trotzdem nur wenige Touristen und ich laufe staunend mit der Kamera durch die Gassen. Die Bürgersteige schmal und wo es sich ergibt sind sie kniehoch. Was auffällt: kein Müll, kein Dreck, eine willkommene Abwechslung zu so vielen Orten hier. Das Hostel die logische Fortsetzung zum Dorf, gut das ich zwei Nächte bleiben will. Vom Dorfrand der weite Blick ins Tal des Rio Suarez, leider durch den Dunst der Hitze getrübt. Spät der Weg zum Salto del Mico (Affensprung), ein zur Zeit winziger Wasserfall an einer beeindruckend steilen Canyonwand.

im Parque El Gallerinal, am Eingang zur Begrüßung ein Eichhörnchen, sonst viele graue Tillandsien, toll anzuschauen

Barichara, ein 300 Jahre altes Dorf das praktisch so gelassen wurde, die Kirche von innen und viele tolle Strassen

Mittwoch früh raus aus den Federn. Frühstück beim Bäcker und los. Bei herrlichem Sonnenschein laufe ich nach Guane, ein weiteres kleines Dorf 10 km entfernt. Der Weg dahin die alte Camino Real, ein Reitweg der Spanier. Durch trockene Landschaft mit rötlich gelber Erde zieht sich die teils noch sehr gut erhaltene Steintrasse. Guane beeindruckt dann weniger und ich bin zum Mittag zurück in Barichara, glücklich über eine Siesta im Schatten. Am Nachmittag im Dorf spazieren, Eis schlecken und die Spezialität der Region probieren: geröstete Ameisen. Hat was nussiges und ist keineswegs eklig. Donnerstag zurück nach San Gil, wo ich länger hängen bleibe weil mein Bus im Stau eines Unfalls steckt. So erst 10 Uhr der Start ins 250 km entfernte Sogamoso, wo wir erst 16 Uhr ankommen, kolumbianische Realität auf schlechten und überfüllten Strassen. Ich bin hier etwas neben der üblichen Touristenroute unterwegs und finde in der Nähe vom Busbahnhof ein kleines einfaches Hotelzimmer für 7 €.

Camino Real, ein alter Reitweg

       trockene Landschaft

       das Dörfchen Guane

  Ameisen essen, recht lecker

11. und letzte Woche vom 14. bis 20. März 2014
Freitag ein Ausflug. Von Sogamoso mit dem Bus ins nur 15 km entfernte Mongui. Auf schlechten Strassen und ständig bergauf dauert das 45 Minuten. Mongui ist nur ein Dorf, hat aber, warum auch immer, eine florierende Industrie für Sportbälle aller Art. Ich breche praktisch sofort in die Berge auf. Von 2.800 m Höhe geht es hinauf bis 4.000 m. Ziel ist die Paramo de Oceta, eine Graslandschaft in den Hochanden in der viele Frailejones, Schopfrosetten, wachsen. Nach wenigen Kilometern sind die ersten der interessanten Pflanzen zu sehen. Sonst habe ich von den Gipfeln einen weiten Blick ins Land, ganz abgesehen von einer friedlichen Ruhe die die Gegend ausstrahlt. Andere Wanderer sind bisher nicht zu sehen. Die Informationen zur Gegend hatte ich mir aus dem Internet geholt (coole Sache: everytrail.com). Ohne Wegweiser und mit nur fadenscheinig sichtbaren Pfaden hilft mir hier der Kompass gut weiter (danke ans Nokia Outdoorhandy). So stoße ich letztlich auf den gesuchten kleinen Canyon Ciudad de Piedra (Stadt der Felsen) genannt. Sieht mit etwas Phantasie wirklich aus wie die Ruinen einer Stadt. Dazu immer wieder die Frailejones, manche sind so weiß das sie in der Landschaft leuchten. Spät die Rückkehr nach Mongui und Sogamoso.

Paramo de Oceta         

der Canyon Eingang            

             Frailejones, zu deutsch Schopfrosetten, recht fotogen und ungewöhnlich

         Ciudad de Piedra

         starke Farben

 leuchtend weißer Pflanzenteppich

Samstag das Frühstück beim Lieblingsbäcker, ausgesprochen gut und günstig. Dann mit dem Bus nach Tunja, umsteigen und weiter nach Villa de Leyva. Nettes Dorf, wenn auch recht touristisch. Der Hauptplatz ist mit 12.000 m² der größte befestigte Platz in ganz Kolumbien. Im Zentrum sind nur Hotels mit, für mich, zu hohen Preisen. Etwas außerhalb finde ich das Hostel eines Österreichers. Klein, nett und mit Familienanschluss. Ein nachmittäglicher Stadtbummel wird leider von heftigen Regenschauern unterbrochen. Der Sonntag beginnt erneut mit blauem Himmel. Hinter dem Dorf führt ein Pfad nett ein Stück in die Berge hinein, Ausblicke auf Villa de Leyva inklusive. Ich folge dann in einer kleinen Schlucht einem Bach der sich mit Wasserfällen und kleinen Kaskaden seinen Weg nach unten bahnt, hübsch anzusehen. Am Nachmittag ein größerer Stadtbummel, lecker Eis und Kaffee.

Villa de Leyva, von der Ferne und mit dem riesigen Platz  

       ein Wasserfall in der Nähe

Montag nach Bogota. Gegen Mittag bin ich am Portal del Norte, der nördlichen Endhaltestelle des Transmilenio Bussystems. Da geht es zu wie im Bienenschwarm. Ein älterer Herr nimmt sich gleich meiner an, steigt mit in den richtigen Bus und “übergibt” mich bei seiner Haltestelle der Sitznachbarin, damit ich ja gut im Stadtteil La Candelaria ankomme. Ich klappere einige Hostels da ab, bis mit dem “Bellavista” das passende gefunden ist. Klein, urig und ohne Verkehrslärm vor der Tür. Bogota ist nach den letzten Tagen auf den Dörfern gewöhnungsbedürftig. So viele Menschen, Stress, Druck und Lärm. Am Nachmittag protestieren Minderheiten im Zentrum. Der Staat ist bereit für mehr, denn Armee und Polizei stehen voll ausgerüstet in 20ger Gruppen recht angespannt an den Kreuzungen. Jedes Land hat wohl eigene innere Konflikte zu bewältigen. Dienstag ein letzter Tagesausflug. Dafür muss ich zuerst zum Portal del Norte. Dabei zeigt sich die Schwäche des Transmilenio Systems. Es mag an Wochenenden und zu ruhigen Zeiten funktionieren, aber zu Stoßzeiten wäre es unmöglich mit Gepäck in den Bus zu kommen. Ich presse mich irgendwie in den dritten Bus, denn in die ersten beiden zu kommen war unmöglich. Nun, Bogota hat mit seinen sieben Millionen Einwohner als öffentliches Verkehrsmittel nur den Bus, Berlin z.B. ist nur halb so groß und hat vier Transportsysteme. Zurück zum Tag. Vom Portal del Norte die einstündige Fahrt nach Zipaquira. Ein schönes Zentrum, doch fast jeder kommt wegen der Salzkathedrale hier her. In einer alten Salzmine, die inzwischen mit modernster Technik tief unten im Berg weiter ausgebeutet wird, wurde ein Teil der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Weg unter die Erde führt an den vierzehn Kreuzwegstationen Jesu vorbei bis sich schließlich die letzte große Halle öffnet, und was für eine! 8.000 Leute würden da rein passen, dazu ein in die Felswand gefrästes 30 m hohes Kreuz, in dem lichttechnisch sogar ein Herz schlägt. Ein Erlebnis, 180 m unter der Erde.

der Gang unter die Erde 

  eine der Kreuzwegstationen

  Hauptschiff der Kathedrale

Hauptschiff mit Michelangelo Relief

Mittwoch, 19.März 2014, mein letzter Tag in Kolumbien. Letzte Souvenirs kaufen, den Rucksack flugtauglich packen und als kleines Highlight der Besuch vom Museo del Oro. Dort geht es um Goldgewinnung, Verarbeitung und zahllose Objekte die dem Einschmelzen durch die Spanier entgangen sind. Erstaunlich wie filigran und detailgetreu manche der über tausend Jahre alten Objekte sind. Ein Gänsehautgefühl vermittelt der “Goldraum”, wo mit einer Licht- und Akustikshow, das Dolby Surround vom Feinsten, die Verbindung Gold und Schamane eindrücklich vermittelt wird. Den Rest des Tages in der Innenstadt bummeln. Am frühen Abend mit dem Transmilenio hinaus zum Flughafen, was schnell und günstig gelingt. Es gab bisher noch in keinem Land den Transfer zum Flughafen für 0.70 €. Um 21 Uhr startet der Airbus A340-600 von Lufthansa fast pünktlich und landet mit Zeitverschiebung einen Tag darauf um 14.15 Uhr in Frankfurt, wo mich eine angekündigte Überraschung abholt, so schön. Der Transfer nach Hause mal anders. Mit Meinfernbus.de nach Leipzig und die letzten Kilometer mit dem Zug nach Crimmitschau.    

im Goldmuseum in Bogota   

Bogota, Plaza de Bolivar    

       eine 4 cm hohe Figur

       mobile “Telefonzelle”

             sehr filigran

 auch die Kaffeebar ist mobil

           im “Goldraum”

der etwas längere Trans Milenio

Kolumbien und Ecuador:
Ein Fazit? Ein Fazit. Ein Fazit!
Der Kontinent Südamerika am Anfang diesen Jahres für mich zum zweiten Mal, nach einer Pause von fünf Jahren. Diese Reisen miteinander zu vergleichen bringt wenig, es war eine andere Zeit mit anderen Voraussetzungen. Bei der Größe des Kontinents sind die Kulturen erwartungsgemäß so wie so sehr unterschiedlich. Die Vorbereitung meinerseits auf diese Reise war dürftig. Zum einen fehlte auf Grund des (der) Jobs die Zeit, zum anderen war da das Wissen das ich das Kind schon schaukeln werde. Ein grober Ländervergleich: Der Transport mit dem Bus ist in beiden Ländern das einzig zählbare Fortbewegungsmittel, jedoch vor allem in den Bergen langsam und manchmal Nerv tötend. In Ecuador billig (pro Stunde 1 US$, gleichzeitig auch offizielles Zahlungsmittel), in Kolumbien drei Mal so teuer und damit der größte Budgetposten im Land für mich. Die Nächte fast gleich und günstig, ab 4 € im ländlichen Raum. Auch Hotels sind für Backpacker bezahlbar (Doppelzimmer 8 €). Die Hostels ganz okay, auch wenn nur wenige dabei waren die in Erinnerung bleiben. Das Essen war für mich in Kolumbien besser und nahrhafter. In Ecuador kann man billig essen, es taugt aber nur wenig, so das ich in 5 Wochen 3 kg Gewicht verloren habe. Die Anbindung an die große weite Welt, sprich Internet, ist in beiden Ländern überdurchschnittlich gut, selbst oder gerade im Vergleich mit sogenannten Hochtechnologieländern wie Australien oder Großbritannien. Das war das nüchterne, nun zur emotionalen Seite: Beide Länder suchen den Anschluss zur westlichen Welt und haben ihn teilweise auch gefunden. Teilweise bedeutet, das es nicht nur den Unterschied zwischen arm und reich gibt, sondern auch den Spagat vom Gestern ins Morgen. Sprich auf einer Straßenseite die Familie mit Porsche Cayenne, schicken Klamotten und I-Phone, auf der anderen der Eselskarren mit armen Bauern aus dem Hinterland, bei denen der wöchentliche Markt noch als Höhepunkt im sozialen Austausch steht. Probleme sind damit vorprogrammiert, die Landflucht lässt Städte explodieren und Identitäten verlieren. Die Freundlichkeit ist vieler Orts noch natürlich und umwerfend. Die persönliche Sicherheit ist keine unbeantwortete Frage, sondern unter Einbeziehung gesunden Menschenverstandes fast garantiert.
Die Länder wurden schon längst von den Reisenden angenommen, mit all den guten und schlechten Seiten. Der immer besser werdenden Infrastruktur steht das Problem gegenüber das manche Orte komplett überrannt sind (z.B. der Vulkan Cotopaxi oder das Dorf Montanita an der Küste von Ecuador). Den teils ausgetretenen Pfaden zu entfliehen ist nicht einfach, erfordert Mut und Erfahrung. Was ich manchmal vermisst habe sind die coolen Backpacker vergangener Jahre. Klar, ich werde älter und sehe vieles mit anderen Augen. Doch es fiel auf das so manche gestrandete oder ihren Weg suchende Persönlichkeit unterwegs war.
Zu sehen und zu erleben gab es mehr als genug. In punkto Abenteuer und Outdoor gab es das volle Programm ohne Abstriche (okay, nehmen wir den Cotopaxi da heraus). Vielfältige und einigartige Landschaften, egal ob damit Strände, Berge, Gletscher oder Wüsten gemeint sind. Als absoluter, und bis zum Besuch dort völlig unerwarteter, Höhepunkt gilt für mich der Besuch der Galapagos Inseln. Die Vielfalt und Unbekümmertheit der Tierwelt dort wird wohl auf allen kommenden Reisen ungeschlagen bleiben. Ich kann jedem nur empfehlen: wenn Galapagos - dann eine Kreuzfahrt. Diese sind schon verhältnismäßig günstig zu haben und man kann damit die gesamte Einzigartigkeit dieser außergewöhnlichen Gegend erleben.
Schlusssatz: Das sind schöne Länder mit viel Potential, die es aber trotzdem nicht in die Liste meiner Top 5 schaffen.