Der Sommer 2012. Ohne große Vorbereitung breche ich zu einer Reise durch Westeuropa auf.  Wie üblich die Karte mit Route. Auf der hat mich mein Mitsubishi über viele Kilometer treu begleitet

1. Woche vom 1.Juni bis 7.Juni 2012
Freitag der Beginn einer Reise die wie alle anderen ist - und irgendwie doch anders. Das Transportmittel für diese Reise: mein Mitsubishi Colt GTi. Nach ungefähr 35.000 km mit öffentlichen Verkehrsmittel auf den letzten Reisen durch Asien und Amerika gönne ich mir somit ein wenig Luxus und Freiheit. Mein erstes Ziel ist Bremen, vor allem weil es auf dem Weg nach Holland liegt. Eine gute Wahl. Ich finde ein passendes Hostel etwas außerhalb und streife durch die Stadt. Bremer Stadtmusikanten, der Roland und die Schlachte sind einige Highlights der Stadt. Man kann sich problemlos in den Gassen des Schnoorviertels verlieren oder aber in der Böttcherstrasse den Geburtsort des Kaffee Hag besuchen (wozu eigentlich Kaffee ohne Koffein?). Einzig das Wetter spielt selten recht mit und so konkretisiere ich einen Tag lang bei Regen und gefühlten 8°C den Reiseplan.

Willkommen an der Küste   

   Bremen, an der Schlachte

 Kaffee Hag, wo alles begann

die vier müssten bekannt sein

Montag geht es weiter nach Holland. Groningen als erster Stopp, doch diese Stadt kann im Regen kaum punkten. Besser wird es in Sneek, wo ich auch übernachte. Das Hostel groß, neu, modern - und herrlich am Wasser gelegen. Am nächsten Tag dann über den unheimlich langen und hohen Damm des IJsselmeeres nach Enkhuizen, ein Geheimtipp der sich lohnt. Die kleine Stadt am Meer ist wunderschön, mit vielen Ecken, Gassen, kleinen Kanälen und Booten.

Sneek, Wassertor von 1613

  Strasse, auch mal senkrecht

  Blick von der Hostelterrasse

     malerisches Enkhuizen

Ich nutze das schöne Wetter und schaffe es noch bis Amsterdam. Der Verkehr nimmt sprunghaft zu und ich bin überglücklich mit dem Navigationssystem unterwegs zu sein. Die Strassen sind eng und vollgestopft. Bei Bedarf wird sogar der erhöhte Damm der Straßenbahn mit genutzt. Amsterdam selbst ist für mich der Hammer. Anscheinend endlos kann man an den tollen Grachten entlang laufen, hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu sehen. Und wem Museen, Gassen, alte Häuser, Kanäle und Schiffe nicht reichen der kann sich nachts noch rot beleuchtete Schaufenster mit mehr oder weniger interessantem Inhalt ansehen…

                 Amsterdam: Schifffahrtsmuseum, Grachten über Grachten und die Häuser größtenteils senkrecht

Ansonsten scheint sich ganz Holland per Fahrrad zu bewegen. Die Chinesen haben bestimmt mehr Räder, dafür ist der pro Kopf Besitz hier höher. Häufig wurde der Bürgersteig zu Gunsten von Radwegen stark verkleinert oder gleich ganz wegrationalisiert. Man sieht auch Lastenräder mit denen sich locker zwei Sack Zement oder auch drei Kinder STVO gerecht transportieren lassen. Wahrscheinlich liegt es auch am Rad fahren das die Einheimischen dermaßen rank und schlank sind. Nach zwei Tagen reicht es mit Großstadt, denn das liegt über meinem Budget. Die Übernachtungen sind recht teuer, vor allem am Wochenende. Parken schlägt aber alle Rekorde. Im Zentrum sind wir bei 5 € DIE STUNDE und selbst weiter außerhalb sind es wenigstens noch 3,5 €. Da erscheint Luzern auf einmal recht günstig. Mein nächstes Bett findet sich in Heemskerk, im Schloss Assumburg. Sehr nobel.

wie das Land-so seine Boote    Fiets (Räder) so weit das Auge reicht, auch als Nutzfahrzeug

  mein Schloss für eine Nacht

2.Woche vom 8. bis 14.Juni 2012
Freitag ein Besuch vom Käsemarkt in Alkmaar. Nach wie vor werden hier wöchentlich um die 30 Tonnen Gouda gehandelt, in traditioneller Uniform und nach traditionellen Richtlinien. Toll das mal live sehen zu können. Dann weiter nach Süden. Ein Halt  in Leiden, dem Geburtsort von Rembrandt. Eine hübsche Stadt. Am Nachmittag fahre ich nach Den Haag. Der Regierungssitz des Landes bietet wenig für mich und nach drei Stunden ist das Zentrum gesehen. Geschlafen wird im schönen Strandbad Schevenningen. Ich wollte mir eigentlich dort noch die Seebrücke anschauen, die 300 m ins Meer hinaus ragt, aber stürmische Winde machen einen Besuch am Strand praktisch unmöglich, es sei denn man steht auf so was wie sandstrahlen.

Frau Antje                    

     Käsemarkt in Alkmaar

     Den Haag, Innenstadt

       Kunst in Den Haag

Samstag nach Osten. Ein Halt in Delft, dem Geburtsort Vermeer’s, holländischer Maler, und Ursprung des Porzellanmusters. Wir bleiben also kulturell. In Europa ist es wirklich so das wir durch unsere Geschichte und die vielen Völker mit unterschiedlicher Kultur hinter jeder Ecke etwas neues finden. Weil es regnet fahre ich an Rotterdam vorbei nach Dordrecht, wo ich außerhalb in einem wunderschönen Haus Unterschlupf finde. Heute gibt es dort einen Grillabend und Fußball auf der Großleinwand im Hostel, was ich mir mit 40 anderen anschaue. Als einziger Deutscher dort bekomme ich Glückwünsche für das 1:0 gegen Portugal. Der Sonntag mit Sonne satt. Ich beginne mit dem verschobenen Programm von gestern. Kinderdijk erscheint mir als wäre die Welt stehen geblieben. Nach wie vor sorgen Windmühlen dafür das das Land unterhalb des Deiches und des Meeresspiegels trocken bleibt. Hat was von Romantik. Dann nach Rotterdam, Kontrastprogramm. Im Zweiten Weltkrieg ähnlich wie Dresden komplett zerbombt, hat sich die Stadt erholt und erstrahlt heute mit einer modernen Architektur. Ich laufe mit einem Plan durch die Stadt der eben solche Gebäude hervorhebt. Die Erasmusbrücke, die Kubushäuser und der noch nicht fertige Wolkenkratzer “De Rotterdam” sind einige Beispiele davon. Am besten und einfachsten zu betrachten vom 186 m hohen Euromast, auf dem man von der Aussichtsplattform mit einem Drehlift, der Euroscoop, weitere 50 m Höhe gewinnen kann. Ganz zufällig kommen dann im nahen Park die ganz Reichen auf einen Kaffee zusammen. Ferrari, BMW und Co als Sonderedition, das Autofahrerherz lacht.

Delfter Porzellan           

Kubushäuser, Rotterdam    

     alles Käse - oder was?

Blick vom Euromast, Rotterdam

                   Windmühlenromantik pur in Kinderdijk

 ganz normaler Autowahnsinn

   der Frauen bester Freund

Mit müden Füßen und der Metro zurück an den P+R Parkplatz außerhalb von Rotterdam. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und plane jeden Großstadtbesuch mit Google und Quellen wie Parkopedia. Anders kommt man mit einem begrenzten Budget wohl kaum über die Runden. Habe ich erst einmal eine Adresse, schafft mich das Becker-Navi problemlos dorthin. Früherer kein Freund von Navigationssystemen, ich kann ja nach dem Weg fragen, erweist sich mein gesprächiger Begleiter als zuverlässiger Helfer in allen Verkehrslagen. Zurück zum Sonntag. Das Wetter trübt sich ein und mit dem Eintreffen in Zeeland,südwestlichster Zipfel von Holland und Namensgeber von Neuseeland, gehen Regenschauer nieder. So bleibt es auch tags darauf, an dem mein Hollandbesuch mit einem Halt in Middelburg seinen Abschluss findet. Über die Grenze führt die Strecke an Antwerpen vorbei bis nach Mechelen, wo ein dringender Besuch im Waschsalon ansteht. Ich brauche die Hilfe einer Einheimischen, um mit störrischen Maschinen und der flämischen Gebrauchsanleitung zurecht zu kommen. Nach anderthalb Stunden findet alles seinen sauberen und trockenen Abschluss. Montag. Ein Spaziergang durchs hübsche Mechelen und gegen Mittag nach Antwerpen, DIE Stadt der Diamanten. Noch werden über 60%, es waren mal 80%, des weltweiten Handels von Rohdiamanten hier getätigt. Das sieht man auch! Bei einem Besuch im Diamond Land lerne ich viel über Diamanten, kann Schleifern bei der Arbeit zusehen und lese die Geschichten der wertvollsten Exemplare - nur kann ich noch immer keinen Unterschied zwischen einem, sagen wir, Swarovski Armband und den hier gezeigten für 11.000 € sehen. Muss ich ja auch nicht. Ansonsten wäre da noch einiges über belgische Schokolade zu erzählen oder aber dem 570 m langen, schnurgeraden Fußgängertunnel unter der Schelde. In Antwerpen finde ich einen Campingplatz von dem aus man die Lichter der Stadt sieht. Dienstag nach Brüssel, eigentlich die Hauptstadt Europas. Nun, ich sehe mehr Anzüge pro Fußgänger als je zuvor :-) Ansonsten eine schöne Stadt die von allem etwas hat. Auch, das an jeder Ecke gebaut wird. Was mir neu ist: Manneken Pis hat eine Schwester: Janneken Pis. Ist ja niedlich. Ich komme bis Leuven und kann dort im Hostel den zweiten Sieg der deutschen Mannschaft ansehen. Nach einem morgendlichen Gang durch Leuven. mit der theoretisch längsten Bar der Welt - dem Marktplatz, der bei schönem Wetter zu einer einzigen Bar wird, zum nächsten Stück europäischer Geschichte: Waterloo. Vom Löwenhügel aus, ein im nachhinein aufgeschüttetes Denkmal, gelingt ein guter  Blick über das ehemalige Schlachtfeld, auf dem sich am 18.Juni 1815 fast 300.000 Mann gegenüberstanden. Letzten Endes war es der preußische Generalfeldmarschall Blücher, der hauptsächlich zur Niederlage Napoleons beigetragen hat.

Scheldetunnel, gebaut 1932

     Geschwister in Brüssel

       der Markt in Leuven

           bei Waterloo

3.Woche vom 15. bis 21.Juni 2012
Nach einer ruhigen Nacht im Hostel in Laarne, mit nur zwei Gästen bei Platz für über 100, ein Besuch in Gent. Die nächste tolle Stadt in der man sich stundenlang in kleinen Gassen verlieren kann. Ich bleibe einen halben Tag bevor mich der Weg vorbei an Brügge bis nach Blankenberge führt. Das sehr schöne Hostel dort verlangt für die Übernachtung mit Frühstück gerade mal 13 € und hat dazu die bisher am besten ausgestattete Küche. Weil ich auf Grund der wenigen Gäste wieder ein Zimmer für mich habe wird um eine Nacht verlängert. Samstag nach Brügge. Der Reiseführer hatte gewarnt, doch nachdem es bisher überall recht ruhig war bin ich von den Touristenmassen in der Stadt überrascht! Okay, Brügge ist schön, aber Städte wie Gent zeigen fast das Selbe. Ich verlasse bald das hektische Zentrum und finde noch so manche sehenswerte Ecke mit weit weniger Trubel.

malerisches Gent              

     man beachte die Flagge!

   welches Bier darf es sein?

     Brügge, eine ruhige Ecke

Sonntag ein dunkles Kapitel europäischer Geschichte. Im südlichen Flandern fahre ich nach Ypres, Ieper, einer der schlimmsten Schauplätze des 1. Weltkrieges. Der Besuch im Deutschen Soldatenfriedhof in Langemark zeigt das unglaubliche Ausmaß der Schlachten in der Gegend. Da verballerte man im Sommer 1917 in zwei Wochen über 4,2 Millionen Geschosse. Um die Frontlinie in 100 Tagen gerade mal 8 km zu verschieben wurden unter schrecklichen Umständen 460.000 Soldaten getötet, verwundet oder gelten als vermisst. Das ist eine der Gründe, warum auf dem Friedhof in Langemark nur 12.000 Namen Gräbern zugeordnet werden konnten, 35.000 Namen sind ohne Zuordnung in große Wände eingraviert. Das selbe in Tyne Cot, dem größten Friedhof alliierter Streitkräfte auf europäischem Boden. Das lässt einen nachdenklich werden. Abends als letzte Ehre für die Gefallenen ein Besuch bei “The last Post” in Ypres. Hinterher in der Stadt eine Bar mit Fernseher suchen. Als die gefunden ist kann ich bei gutem belgischen Bier, welches durchaus 9,2% Alkohol enthält, den dritten Sieg der deutschen Mannschaft feiern.

Deutscher Sodatenfriedhof in Langemark, bei Ypres           

         Friedhof Tyne Cot

         Ypres bei Nacht

Nach einer Campingnacht verlasse ich am Montag Belgien und fahre in Frankreich bis Calais. Vom dortigen Zeltplatz kann man schon das Fährterminal und die großen Fähren sehen. Ein Bummel durch die Stadt und nachts wiegt mich das dunkle Donnern der Schiffsdiesel in den Schlaf. Dienstag Morgen bringt mich DFDS Seaways hinüber nach Dover, wo bei tollem Sonnenschein die weißen Klippen von England grüßen. Irgendwie ist es so als würde das Abenteuer jetzt erst so richtig beginnen. Als erstes gilt es sich einzubläuen das ab sofort LINKS gefahren werden muss, was erstaunlich schnell gelingt. Mein nächstes Ziel ist Canterbury mit seiner berühmten Kathedrale. Ein eindrücklicher Bau. Vorbei an Maidstone und Leed’s Castle fahre ich auf teils winzigen Strassen, die praktisch ins Grün hineingeschnitten wurden, bis Winchester. Dort die dritte trockene Campingnacht in Folge. Mittwoch das erste ganz große Highlight: Stonehenge. Man darf nur auf 50 m an die Steinkreise heran, es sind Hunderte von Menschen dort und ein Highway führt in der Nähe vorbei, und trotzdem wirkt dieser magische Ort. Ein, praktischerweise in deutsch erhältlicher, Audioguide erzählt alle Geschichten und Geschichte. Nebenbei bleibt genug Zeit und Raum alles auf einen wirken zu lassen. Genial. Heute besuche ich noch Old Serum und Hungerford Castle, bevor der Weg bis nach Bristol führt. Matt und Nikki hatten mich zu einem Besuch eingeladen. Wir trafen uns 2010 in Südamerika und stehen seit dem in Kontakt. Bristol hat einiges zu bieten, nur schlägt der kalte und nasse Sommer wieder zu, was selbst für britische Verhältnisse eher unüblich ist

Calais und Kunst                  

Hungerford Castle

     die Klippen von Dover

   Kunst in Bristols Strassen  

             Stonehenge

                 Oxford

     Fotos und ich - na ja

         eine Uni in Oxford

4.Woche vom 22. bis 28.Juni 2012
Freitag gelingt es mir trotz Wetterkapriolen fast trocken durch Bristol zu kommen und den Hafen, die riesige Hängebrücke aus dem 19. Jahrhundert und ein paar Museen zu sehen. Abends ein Pubbesuch zusammen mit Freunden von Matt und Nikki, wo es typisch britisch zugeht. Samstag geht es mit dem Auto weiter. Durch kleine Dörfer in Cotswold bewege ich mich langsam auf London zu, mit Halt im traditionsträchtigen Oxford. Unis, Büchereien und jede Menge Touristen die sich die Kaderschmiede der Führungskräfte von morgen anschauen. Geschafft von dem Tag ein spätes Eintreffen in London Heathrow. Das Hostel entpuppt sich als indisch (?!) geführter Pub in einem arabisch moslemischen Viertel. Sauberkeit? Na ja. Die Gegend? Na ja. Aber günstige Zimmer, ich kann das Auto kostenlos abstellen und die U-Bahn ins Zentrum von London startet 300 m weiter. Mein einziger Zimmerkollege entpuppt sich als italienischer Kellner. Na das passt doch. Sonntag und Montag Sightseeing in London. Die Stadt hält was sie versprochen hat. Ich bin froh mit der U-Bahn unterwegs zu sein, abgesehen von umgerechnet 10 € Einfahrtsmaut ins Zentrum werden bis zu 8 € pro Stunde Parkgebühr fällig. Sonntag zeigt sich die Innenstadt erstaunlich ruhig und ich flaniere ohne Stress vorbei an: St. Pauls Kathedrale, Tower, Tower Bridge, London Eye, Big Ben, Westminster Abbey, dem Buckingham Palace und, und, und. Das Wetter zeigt sich von der schönsten Seite und meine Haut bekommt eine leichte Urlaubsbräune.

               London           

Job in London, Teil 1

Westminster Abbey mit Big Ben

     Riesenrad London Eye      

Montag: mehr London. Trafalger Square, Hyde Park, Britisches Museum (genial) und Naturkundemuseum, mit einem Blauwal in Originalgröße. Dienstag nach London Gatwick umziehen, wo ich am Abend Besuch aus der Schweiz vom Flughafen abhole. Da kann ich am Mittwoch gleich Stadtführer in London spielen. Tags darauf als Kontrastprogramm raus zum schönen Arundel Castle. Danach bringe ich meine Besucherin zum Flieger nach Gatwick, so endet die schöne Zeit in London. Abends ist noch einiges zu tun, denn ich muss die gesamte Ausrüstung neu packen um für das morgen beginnende Abenteuer bereit zu sein: Island.

  alt und neu an der Themse

       Job in London, Teil 2

5.Woche vom 29. Juni bis 5.Juli 2012
Freitag startet der Tag grau und regnerisch. Ich breche südlich von London auf und habe 100 km bis zum Flughafen Stansted vor mir. Das Navi schickt mich doch tatsächlich mitten durch London, was auf Grund des massiven Verkehrs zeitweise nervig ist. Um die Metropole herum wäre aber kaum besser gewesen und mein technischer Helfer verhindert haarscharf das ich in die zu bezahlende Innenstadt muss :-). Am Nachmittag stelle ich den Mitsubishi auf den vorab gebuchten Langzeitparkplatz bei Stansted ab (nur 130 € für 4 Wochen!) und vertrödele die Zeit bis zum Abflug mit Iceland Express gegen 22.40 Uhr.

Hier eine kleine Unterbrechung der Reiseschreibung dieser Tour. Die nächsten vier Wochen verbringe ich in Island, wofür es eine extra Seite gibt. Um auf diese zu gelangen einfach die isländische Flagge hier oder auf der Hauptseite anklicken.

9.Woche vom 27.Juli bis 2.August 2012
Freitag komme ich aus Island zurück, lande in Stansted und bin 23 Uhr am Auto, was nach einem Monat Stillstand rum bockt. Mit gut zureden geht es dann. Mitternacht erreiche ich Cambridge. Die Orientierung fällt schwer, es ist meine erste dunkle Nacht seit einem Monat. Das Hostel ist leider voll und der nahe Campingplatz exklusiv für Wohnmobile. Also im Auto schlafen, was bequemer ist als erwartet. Samstag nach Saffron Walden, eine hübsche Stadt mit alten Häusern, dem altherrschaftlichen Audley End House und einem lustigen Heckenlabyrinth. Das Hostel dort hat vor sechs Monaten geschlossen, also wird auf einem Campingplatz in der Nähe übernachtet. Bei Super Wetter kann ich dort große Wäsche machen. Sonntag nach Leicester, wo ich Pjotr besuche. Ich hatte 2009 drei Polen in Nordvietnam getroffen, siehe Reisebericht Asien, und den Kontakt gehalten. Na das war eine Wiedersehensfreude. Zur Überraschung ist sogar Kami 200 km aus Südengland gekommen, das geht sogar mir ans Herz :-). Ich bleibe bis Mittwoch bei Pjotr und seiner Freundin, ruhe aus und plane grob die weitere Reise. Das Wetter typisch englisch, also recht nass. Immerhin kann ich mit Pjotr eine schöne Radtour ins Umland von Leicester machen. Mittwoch auf nach Norden. Seit Stonehenge bin ich für ein Jahr Mitglied von English Heritage. Der Beitrag von 47 brit. Pfund berechtigt zum kostenlosen Eintritt in 400 Kulturstätten von England und Wales, für weitere 100 gibt es Rabatt. Dazu gab es ein Buch mit Beschreibung nebst Landkarte, auf der ich nun alle Stätten links und rechts vom Weg abgrase. Dank Navi, das Ding ist genial, findet auch Campingplätze, Hostels und bestimmte billige Tankstellen, gebe ich nur den jeweiligen Postcode ein und plane so die Route. Mittwoch am Weg: die Ruine Kirby Muxloe Castle (hübscher roter Backstein), die Hardwick Old Hall (okay) und das Bolsover Castle (beeindruckend gut erhalten). Genug Kultur für heute. Vom Hostel in Hathergate eine Wanderung zum Win Hill.

Saffron Walden        

         Audley End House

       Kirby Muxloe Castle

         im Bolsover Castle

Donnerstag Morgen geht die Kulturreise bei schönstem Wetter weiter. Zuerst ein Besuch des Friedhofs von Hathergate. Little John liegt da begraben, engster Vertrauter von Robin Hood (also kein Märchen). Dann zur Burgruine von Peveril nebst dem hübschen Dorf, die Grundschule in einem Haus aus dem 19. Jh., und der Schlucht gleich neben an. Vor dem Mittag die Ruine der Roche Abbey in einem versteckten Tal. Nachmittag das Conisbrough Castle, im Mittelalter so was wie ein Überlebensbunker Viel Mauer, viel Aufwand für zwei mittelgroße Zimmer, ehemals herrschaftlich. Da war kein Luxus. Der dann im zauberhaften Boldsworth Hall and Garden. Bis in die 1950ger Jahre bewohnt, ist das Haus vollgestopft mit Luxus, ohne überladen zu wirken. Leider ist fotografieren verboten und alle 10 m (!) sitzt ein Aufpasser. Draußen eine Grünanlage die ihresgleichen sucht, da hat sich ein Gärtner seiner Leidenschaft hingeben dürfen. Ich komme heute noch bis York, das letzte Stück nur im Stopp und Go.

noch mal Bolsover Castle  

   das Grab von Little John

           Roche Abbey

  Brodsworth Hall and Garden

10.Woche vom 3.August bis 9.August 2012
Freitag die schöne Stadt York, die ihrem guten Ruf gerecht wird. Schmale Gassen, alte Fachwerkhäuser die längst nicht mehr gerade stehen und das riesige York Minster. Dazu eine komplett erhaltene Stadtmauer, auf der man die Innenstadt umrunden kann. Später Proviant aufstocken und lange nach einer Selbstwaschanlage suchen. Die sind selten in England, doch mein Auto hat Pflege dringend nötig. Abendessen im chinesischen Restaurant, mit einem all-you-can-eat Bufett für 9,95 Pfund (13 €). Schön mal so satt zu sein. Samstag mehr Kultur. England ist voll mit “alten” Dingen. Ohne größere Kriege auf eigenem Boden blieb vieles erhalten. Bei schönstem Wetter die Ruine der Kirkham Priory, dann das Helmsley Castle, die gut erhaltene Rievaulx Abbey der weißen Mönche und schließlich noch die der Glaubensbrüder in der nahen Byland Abbey. Nach so viel Kultur, Ruinen, Steinen und alten Sachen wird es Zeit für einen Wechsel. Quer durchs Land nach Cumbria, in den Lake District. Die Strassen dahin sind typisch englisch. Schmal, unübersichtlich, ohne Seitenstreifen und ohne wirkliche Gelegenheit zu überholen (für mich noch schwieriger, da ich ja links sitze). Dazu begrüßt mich die Gegend ihrem Ruf entsprechend mit Regen. Cumbria bekommt in England den meisten Niederschlag ab. Doch die Schauer hören bald auf und ich finde einen Farmzeltplatz für 6 Pfund (7,50 €).

mitten in York                

     York - römisches Erbe

       am Helmsley Castle

       die Rievaulx Abbey

Sonntag frisch und mutig den Scafell Pike erklimmen, mit knapp 1.000 m der höchste Berg Englands (nicht von Großbritannien). Die zahlreichen Wolken am Himmel sehen ungefährlich aus, doch das ändert sich als ich mitten im Aufstieg bin. Den tiefgrauen Wolken folgt bald Regen. Die Entscheidung umzukehren war richtig, denn bald donnern gefährliche Gewitter durch die Berge. Trotzdem werde ich in den nötigen zwei Stunden zurück zum Campingplatz bis auf die Haut eingeweicht. Weil keine Besserung in Sicht ist baue ich das Zelt ab. Bei Ambleside finde ich zum Hawkshead Hostel, wo, warum kann keiner erklären, die nächste Nacht laut Computer nur 5 Pfund (6 €) kostet. Und wir reden hier von einem tollen Haus, in dessen tollen Trockenraum meine Ausrüstung wieder Normalzustand erreicht. Montag regnet es am Vormittag, doch ich bleibe bei der geplanten Wanderung fast trocken. Leider versperren Wolken den Blick vom Gipfel des Helvellin, aber am Nachmittag reißt es beim Abstieg komplett auf und ich kann die Landschaft in ihrer ganzen Schönheit bewundern.

Blick über den Lake Grasmere

       viel Regen - viel Grün

   der Lake District - so schön

       oh diese Strassen...

Dienstag Sachen packen. Ich fahre zuerst nach Westen und nehme schmalste Strassen mit teils 30% Steigung den Hardknot Pass hinauf. Auf dem Pass bauten die Römer vor 2.000 Jahren ein Fort. Wer hier stationiert war hatte wohl das Gefühl bestraft zu sein. Eine wilde und unbarmherzige Gegend, menschenleer und windumtost. Auf dem Weg runter begegnen mir mehr Autos und es braucht Glück wie Geschick aneinander vorbeizukommen. Wie auf dem Foto zu sehen, da war die Strasse im Verhältnis noch breit, säumen meist Mauern die Ränder, ein Ausweichen ist da kaum möglich. Gemütlich durchfahre ich den Lake District nach Norden und raste an einem schönen See. Südlich von Penrith ein paar Steinzeitmonumente, wie Arthur’s Round Table und Mayburgh Henge, sowie die Burgen Penrith Castle, Brougham Castle und Carlisle Castle. Das Wetter nun sonnig und trocken. Die Zeit reicht für die sehr eindrückliche Lanercost Priory bevor ich mich praktisch auf den Ruinen eines römischen Forts in Birdoswald zur Ruhe lege. Mittwoch am Hadrians Wall entlang, der von Carlisle bis Newcastle führte. 122 AD ließ der römische Feldherr Hadrian aus Furcht vor den Schotten den 5 m hohen Schutzwall auf 120 km von Küste zu Küste errichten. Wachtürme und Forts standen in definierten Abständen, wovon immer noch einiges zu sehen ist. Über eine hügelige Landschaft führen Mauerabschnitte, heute teils als Grundstücksbegrenzung genutzt und als Baustofflieferant wenigstens zur Hälfte abgetragen.

Carlisle Castle                     

           Hadrian’s Wall

                   Warkworth Castle mit Burgspektakel

Selbst von den uralten Forts sieht man teilweise mehr als die Fundamente und erkennt noch immer die Fußbodenheizung, oder die Gemeinschaftslatrine ;-). Vor Newcastle biege ich nach Norden ab und fahre die Küste entlang. Plötzlich sind Tausende von Leuten unterwegs. Ganze Dörfer sind zugeparkt und ich halte seltener und kürzer als geplant. Warkworth Castle, Almwick Castle (Drehort von Harry Potter), Dunstanburgh Castle und Bamburgh Castle liegen alle neben der Küstenstrasse. Als letztes an diesem vollgepackten Tag ein Besuch von Holy Island. Mit dem Auto nur bei Ebbe erreichbar, liegt vor der Küste eine kleine Insel mit Dorf, Klosterruine und einer auf den Felsen thronenden Burg: Lindisfarne Castle und Priory, wer das nachschlagen will. Wirklich schön, eindrücklich und Dank der späten Ankunft mit nur wenigen Besuchern. Abends Ankunft in Berwick-upon-Tweed. Donnerstag eine dringend notwendige Pause in Berwick. Nur auf der gut erhaltenen Stadtmauer spazieren und voraus planen.

                 Eindrücke von Berwick-upon-Tweed                  

 die Klippen von St.Abb’s Head

 mein Hostel am Loch Lomond

11.Woche vom 10.bis 16.August 2012
Freitag Vormittag überschreite ich die Grenze nach Schottland. Es hat bis hier her länger gedauert als geplant, aber mir bleiben noch knapp drei Wochen bis zur Fähre nach Irland. Ab Berwick führt die Strecke entlang der Küste. Ein Halt in St. Abb’s Head, wo ein 5 km langen Rundweg an herrlichen Klippen vorbei führt. Das Wetter meint es ausgesprochen gut und die Farben sind einfach nur gigantisch. Wie richtiger Urlaub am Meer (Wassertemperatur 15°C). Mit dem Gefühl geht es hinein nach Edinburgh. Oh je, schnell holt mich der Stress ein. In der Stadt tobt ein Festival (den ganzen August) und es ist die Hölle los. Menschen über Menschen, kein Parkplatz, keine Übernachtungsmöglichkeit und falls doch dann überteuert. So hat diese Stadt nicht die Spur einer Chance und fällt bei mir durch. Schade. Ich fahre weiter und finde ein Bett am schönen Loch Lomond in einem tollen alten Landsitz. Samstag die Erstürmung des Ben Lomond, dessen Namensvetter bei Queenstown, Neuseeland, steht. Eigentlich hat man oben einen schönen Blick, doch der Gipfel hüllt sich in Wolken und es reißt erst auf als ich wieder unten bin. Sonntag eine kurzfristige Streckenänderung. Zuerst nach Stirling. Eine sehr schöne Stadt die es locker mit Edinburgh aufnimmt, aber viel weniger Touristen sieht. Weiter nach Perth, wo heute die schottischen Highland Games stattfinden. Toll da dabei zu sein. Alle, auch die starken Männer, in Röckchen - wie niedlich. Auf dem abgesperrten Grasstadion wird gerannt, Rennrad gefahren (wie gesagt,auf Rasen) und der stärkste Mann bei Hammerwerfen, Kugelstoßen und Baumstammwerfen gesucht. Dazu Wettbewerbe in landestypischen Tänzen, Dudelsackgruppen und auch Solisten. Ich wusste manchmal gar nicht wohin zuerst. Ein Bett ist unter diesen Umständen nicht in der Nähe zu finden und ich fahre am Abend bis Pitlochry, am Fuße der Cairngorm Mountains.

Dudelsackgruppen beim Gang auf den Übungsplatz, bzw. beim Einspielen auf der Wiese

weitere Wettbewerbe, Farbe und Muster der Kilts sind übrigens clanabhängig und zeigen die Zugehörigkeit zur jeweiligen Familie, wovon es in Schottland mehrere hundert gibt

Montag bei tiefgrauen Himmel die Fahrt nach Norden. Auf dem Weg liegt Dalwhinnie, eine der bekannteren Whisky Destillerien in Schottland. Schön nach und nach eine Verbindung mit Namen wie Talisker, Glenfiddich, Lagavulin und Oban zu bekommen. Bei den Cairngorm Mountains finde ich ein Hostel in Glenmore und kann noch eine kleine Wanderung unternehmen. Hinauf auf den 800 m hohen Meall a Bhuachaille (die Namen sind hier teils gälisch). Abgesehen von der tollen Landschaft ringsum stürmt der Wind auf dem Gipfel jenseits der 100 km/h. Ich kann mich problemlos gegen den Wind lehnen und falle nicht um :-). Dienstag eine mehr professionelle Wanderung. Mitten hinein in die Cairngorm Mountains führt der Weg bis durch die Schlucht Lairig Ghru. Um den selben Weg zurück zu vermeiden erklimme ich eine Seite der Schlucht, auch wenn da kein Pfad existiert, und ziehe in einer Schleife bis zum Gipfel des Cairn Gorm (1.245 m). Unterwegs begegnen mir nur einige Rentiere. Ein toller Tag, der mit der Fahrt ins 50 km entfernte Inverness endet, wo ich die nächste Nacht verbringe.

Dalwhinnie Destillerie            

           die Lairig Ghru

           wilde Rentiere

         Inverness Castle

Mittwoch durch Inverness spazieren und dann am legendären Loch Ness entlang zum Urquhart Castle. “Nessie” tauchte dabei leider nicht auf. Später ein Bogen hinein in die Berge zum Glen Affric. Müde breche ich den Tag früher als geplant ab und zelte in Cannich. Ausgeruht geht es am Donnerstag weiter nach Norden. Hinter Beauly treffe ich auf die Küste und bleibe in ihrer Nähe. Tain, älteste Königsstadt Schottlands und das hübsche Dornoch liegen am Weg. In Ulbster führen die 320 Stufen der Whaligoe Steps dramatisch die Klippen hinunter und in Wick stehen die Ruinen des Sinclair Castle malerisch auf den Felsen. Mit John O’Groats erreiche ich die nordöstliche Ecke von Schottland und laufe zum Duncansby Head bevor ich in der Nähe zelte.
12.Woche vom 17.bis 23.August 2012
Der Freitag beginnt mit Regen, und am nördlichsten (Festland) Punkt von Großbritannien sieht man keine 50 m weit. Doch die Wolken verschwinden auf der Fahrt nach Westen. So wie die Sicht besser wird steigt auch mein Erstaunen. Die letzten Tage waren nett und interessant, aber jetzt zeigt sich der Stoff aus dem meine Träume sind. Da sind tief eingeschnittene Fjorde mit Klippen, Sandbänken und einer tollen Bergwelt dahinter. Ich halte häufig für Fotos, was bei dem wenigen Verkehr leicht fällt. Die Hauptstrasse (A9!) ist nur ein breiter asphaltierter Feldweg mit Ausweichstellen, gern von Schafen als Standplatz genutzt. Ein langsames Vorankommen funktioniert. Am Abend die Ankunft in Durness, im äußersten Nordwesten. Der Campingplatz dort liegt grandios an der Steilküste. Ich habe vom Zelt eine fantastische Aussicht auf die Bucht. Als wäre das nicht genug liegt um die Ecke die Höhle Smoo Cave, in der ein Wasserfall die Szenerie bestimmt. Eine spektakuläre Kombination die neu für mich ist.

am Fuße der Whaligoe Steps

in den Highlands                  

         Duncansby Head

           Kyle of Durness

   Durness, Blick vom Zelt

             Loch Eribou

           die Smoo Cave

  A9 - Autobahn des Nordens

Samstag gilt es früh aufzubrechen, am Himmel keine Wolke. Die ersten Kilometer sind ein Traum und ich sauge die Landschaft förmlich in mich auf. Leider tauchen bald Wolken auf, ich bekomme aber den ganzen Tag keinen Regen ab. Von Blairmore eine Wanderung zur wundervollen Sandwood Bay, wo nur die Wassertemperatur verhindert das man sich in der Karibik wähnt. Das braucht einige Stunden und am Nachmittag bleibt nur Zeit für einen ermüdenden Weg über Felsen, Steine und viel Schlamm quer durch die Bergwelt zu einem Wasserfall. An dem Abend sieht mich das Bett sehr früh. Tags darauf ideales Wetter um einen Berg zu erstürmen. Die Munro’s (schottische Bezeichnung, mind. 3.000 Fuß, 914 m, hoch) Conival und Ben More Assynt liegen am Weg. Der Aufstieg ist recht anstrengend, doch die Sicht vom Gipfel heute absolute Spitze. Ich kann den gesamten Norden der Highlands sehen, was vielleicht zehn Mal im Jahr möglich ist. Glücklich vom Berg kommend stört der Benzinpreis in Ullapool nur wenig (1,47 Pfund/Liter = 1,86 €, sonst im Schnitt 1,30 Pfund). In Dundonnell finde ich ein sehr schönes Hostel und schaffe es vor den Midges zu fliehen. Diese Mücken, kleiner als Obstfliegen, tauchen in wahren Wolken auf sobald es windstill oder auch bedeckt ist. Heute Abend ist es so schlimm das keiner vor die Tür geht. Zelten wäre unter den Bedingungen die absolute Hölle.

Loch Inchard                  

           Sandwood Bay

           Sandwood Bay

   Blick vom Ben More Assynt

Montag soll ein ruhiger Tag werden, es wird wieder Zeit für eine Pause. Das Wetter zeigt heute von Sonne bis Regen alles. Ich fahre langsam an der schönen Küste nach Süden, halte für Fotos und kurze Spaziergänge. Vor Kyle of Lochalsh ein Abstecher zum Eilean Donan Castle, eines der meistfotografierten in Schottland. Danach über die Brücke nach Skye (norwegisch: Insel der Wolken), wo ich in Broadford bleibe. Der nächste Morgen mit Regen, und der Wetterbericht meldet mehr davon. Der Empfehlung eines Italieners folgend fahre ich an die Westküste nach Elgol. Das Warten dort auf den Klippen wird belohnt: sind die Berge am Anfang noch in Wolken, reißt es später auf und das Panorama der Cuilin Mountains zeigt sich. Herrlich. Am Nachmittag mehr in den Westen der Insel, nach Carbost. Magnet hier: die Talisker Distillerie, der ich einen interessanten Besuch abstatte. 200 m weiter findet sich mit dem Old Inn der perfekte Ort für eine Pause. Ruhig an einem Loch (in deutsch: Fjord) gelegen. Hübsches Haus in einer netten Gegend. Gern bleibe ich zwei Nächte hier und tue praktisch nichts, außer mich zu erholen.

Eilean Donan Castle             

     auf dem Weg nach Elgol

           Blick von Elgol

  Strandleben auf schottisch

Der Ausruhtag tat gut und ich starte am Donnerstag wieder voll durch. Das Wetter ist besser als gemeldet (anscheinend wird immer schlecht gemeldet und jeder freut sich wenn dem nicht so ist), genau recht für draußen. Wandern in Schottland: meist existiert ein Pfad, nie ein Hinweisschild. Die Wege und Wiesen sind sumpfig, matschig und schlammig. Im Gegensatz zu Island, wo im porösen Lavaboden alles versickert, besteht Schottland aus massivem Fels und das Wasser bleibt an der Oberfläche. Der Tag beginnt mit dem Sgurr Mhairi. Der Pfad auf den 775 m hohen Gipfel verschwindet später und ich laufe wie es mir gefällt, bei Steigungen von über 60%. Das schafft, doch der Blick vom Gipfel ist genial. Runter vom Berg, ins Auto und weiter. Über Portree an der Ostseite der Insel entlang. Einige Sachen auf dem Weg, wie the Old Man of Storr, ein einzeln stehender Felsen, oder am Nachmittag die Quiraing. Diese erodierte Wand bietet Felsformationen wie “die Nadel” oder “das Gefängnis”. Dort muss ich einen heftigen Schauer überstehen, finde jedoch Schutz zwischen den Felsen. Übernachten an der Küste in Flodygarry.

Jungs, mal größere gesehen? 

   Vogelscheuche mal anders

         der Sgurr Mhairi

       the Old Man of Storr

13.Woche vom 24.bis 30.August 2012
Freitag scheint am Morgen noch die Sonne, man sieht aber schon das sich das Wetter bald ändern wird. Ich nutze die letzten Sonnenstunden und fahre an der Küste entlang um die Nordspitze von Skye. Dort kann man bei guter Sicht bis zu den Äußeren Hebriden nach Lewis und Harris schauen. Kurz vor Uig holt mich der Regen ein und bleibt mir auch auf dem Festland erhalten.

Flodygarry                  

     die Nordküste von Skye

             ohne Worte

         Blick nach Lewis

Nachmittag Ankunft in Fort William. Viel Verkehr, Stau und kaum freie Betten. Eines finde ich im Ben Nevis Bunkhouse, genau am Aufstieg zum höchsten Berg von Großbritannien. Das Wetter hat sich beruhigt, und da sich der Ben Nevis meist in Wolken hüllt folge ich einem Gefühl und steige gleich auf, auch wenn es schon 17 Uhr ist. Hunderte von Leuten kommen mir entgegen, da weiß man was hier abgeht. Die 1.300 Höhenmeter rauf schaffe ich in 1:45:00 Stunden, das klingt wie in besten Zeiten. Auf dem Gipfel nur 5 Leute und der Ausblick besser als gedacht. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit bin ich zurück und sinke glücklich ins Bett. Samstag ein Bummel durch Fort William. Dabei finde ich einen Laden der mich zum Schotten macht - komplett bis ins Detail. Wert der Kleidung: 1000 €. Die Wettervorhersage fürs Wochenende recht gut, also zelten in Glencoe, 30km weiter. Den harten Aufstieg von gestern noch in den Knochen spaziere ich am Nachmittag nur hinauf ins schöne Lost Valley. Sonntag der würdige Abschluss meiner Wanderzeit in Schottland: auf dem schmalen Aonach Eagach Grat entlang. Der zieht sich über einige Kilometer und hat vier Munro’s: Sgurr nam Fiannaidh (967 m), Stob Coire Leith (940 m), Meall Dearg (953 m) und Am Bodach (943 m). Das Wetter trocken und windstill, sonst wäre dieser Weg auch zu gefährlich. Häufig ist der Grat nur einen Meter breit und zu beiden Seiten fällt die Wand ganze 300 m senkrecht ab. Das ist nichts für schwache Nerven. Dazu versperren immer wieder Felstürme den Weg, über oder um die man unter Zuhilfenahme beider Hände herumklettern muss. So manches Mal ist das schon Bergsteigen, und mir begegnen Leute in Bergsteigerausrüstung. Meine Grenze des Machbaren ist damit erneut nach oben verschoben. Am Abend zur Feier des Tages in den Pub bei ein paar schottischen Bieren und Live Musik mit Dudelsack.

  schottischer Wetterbericht

 “Mc Kossack”, ein echter Schotte ;-)

         das Tal Glen Coe

   Gipfelgrat Aonach Eagach

Montag Morgen weckt mich nach einer stürmischen Nacht beginnender Regen, also die Campingsachen in Rekordzeit packen und nach Glasgow fahren. Die 130 km sind schnell Geschichte. Weil der Regen mir und dem Tag erhalten bleibt verschiebt sich der Stadtbummel durch Glasgow auf Dienstag. Na ja, abgesehen von der Uni und dem tollen Park ist die Stadt zergliedert und ich bin schnell durch damit. Bei schönem Wetter auf nach Cairnryan, im Südwesten von Schottland. Der Ort besteht praktisch nur aus einem Fährhafen, doch genau deshalb bin ich hier. 4 Uhr Mittwoch Morgen bringt mich P & O nach Irland, wo die Fähre zwei Stunden später in Larne anlegt. Die Nacht war ungeeignet zum Schlafen, also hole ich am Strand ein paar Stunden nach. Mittwoch an der Küste lang nach Norden. In Ballycastle hole ich mir im Touristenbüro Informationen über Nordirland und bin so um einen Stapel Papier reicher. Dann ein Abstecher nach Armoy, wo die für mich schönste und eindrücklichste Landstrasse der Welt liegt. “Dark Hedges” ist eine unwichtige Nebenstrasse und nur ein paar hundert Meter lang, aber schaut sie euch an!

Glasgow                         

                 Larne

                 Dark Hedges, ein alter Buchenbestand

Die nächste Unterkunft findet sich in Ballytoy, ein Dorf an der Küste. Es bleibt noch genug Zeit für einen schönen Spaziergang am Steilufer entlang. Donnerstag werden nach einem kräftigen Frühstück die Wanderschuhe gebraucht. Von Carrick-A-Rede, wo eine schmale und abenteuerliche Hängebrücke hoch über dem Meer zu einer kleinen Insel führt, geht es westlich am Meer entlang. Der Tag ist ideal und die Sonne scheint wie im Hochsommer. Sandige Buchten laden zum Baden ein, aber erst mit dem Zeh probieren, ist ganz schön kalt. Grüne Klippen, Felsen und Steilküsten wechseln sich ab bis hin zum Giant’s Causeway - dem Besuchermagnet in der Gegend. Als hätten Riesen einen Fußweg gepflastert, liegen an der Küste regelmäßige Basaltformationen  die langsam zum Meer hin abfallen. Sieht interessant aus und als wäre das mit Absicht so konstruirt worden.

Carrick-A-Rede Hängebrücke  

         die Küste im Norden 

             am Meer

         Giants Causeway

14.Woche vom 31.August bis 6.September 2012
Freitag vom schönen Sheep Island View Hostel Abschied nehmen und weiter durch Nordirland. Unterwegs in Portbradden an der kleinsten Kirche Irlands vorbeischauen, in die nur 8 Menschen passen. Nächster Halt:Bushmills, wo die älteste (offizielle) Whisky Destillerie der Welt steht. King James I vergab 1608 die Lizenz. Am frühen Nachmittag Eintreffen in Londonderry - oder Derry, je nachdem auf welcher Seite der Nationalisten man steht. Die Stadt macht auf mich den selben trüben Eindruck wie das Wetter. Samstag über die unsichtbare Grenze nach Irland (Republik) in die Eurozone. Visiere den nördlichsten Punkt der Insel an - Malin Head. Das Hostel dort ein Knüller: ruhig, überfreundliche Besitzer, gemütlich wie bei Oma und direkt am Meer. Das Wetter wird schnell schlechter und ich bleibe den restlichen Tag im Sessel vor dem großen Fenster sitzen. Der Torfofen spendet mir wohlige Wärme und mit einem Tee in der Hand schaue ich zu wie der aufziehende Sturm das Meer ans Ufer peitscht. Sehr eindrücklich.

kleinste Kirche Irlands 

   Derry, noch immer streitbar

war schwieriger als es aussieht

   Sturm - vom Sessel aus

Sonntag beruhigt sich das Wetter und ich kann um die Halbinsel spazieren. Am Nachmittag die Fahrt durch das halbe County Donegal bis Malinbeg. Unterwegs liegen ein paar Kleinigkeiten an der Strecke und der Tag vergeht wie im Flug. Montag war ein Besuch der Steilküste geplant, doch das Wetter spielt nicht mit. Zu windig, zu regnerisch und damit zu gefährlich. Dienstag Morgen blauer Himmel, das Signal zum Aufbruch nach Slieve League. Diese Klippen erheben sich fast 600 Meter senkrecht aus dem Meer und gehören zu den höchsten dieser Art in Europa. Dazu sind sie farbenfroh und recht fotogen. Häufig am schmalen Grat entlang führt der Pfad, der in Teilen zu Recht den Namen “One Man Pass” trägt. Nach Aonach Eagach in Schottland kann mich das kaum schrecken. Vier Stunden dauert es bis ich wieder am Auto bin, wo das Navi erzählt das für die nächsten 260 km sage und schreibe vier Stunden Fahrt nötig sind. So ist Irland. Die schmalen Strassen recht schlecht und häufig keine 100 m gerade aus führend, das schafft. Abends hole ich lieben Besuch vom Flughafen Dublin ab. Wir übernachten in Drogheda und schauen uns am Mittwoch gemeinsam Dublin an. Die Hauptstadt zeigt sich freundlich, entspannt und schöner als gedacht, was vielleicht auch an meiner Gesellschaft liegt. Donnerstag bei erneut herrlichem Wetter (kommt etwa der Sommer zurück?) noch die kleinen Städte Skerrie und Malahide besuchen, bevor der Flughafen zum Ziel wird. Nun bin ich wieder allein unterwegs und stecke gleich darauf komplett im Feierabendverkehr von Dublin fest. So schaffe ich es nur noch bis in die südlichen Vororte.

Abend in Malinbeg       

 die Klippen von Sleave League, auch andere lieben die Gefahr

               Dublin

15.Woche vom 7. bis 13.September 2012
Freitag in Küstenähe entlang nach Süden. Das Wetter tut so als will es Herbst werden, doch nach dem Morgennebel reißt es auf, wenn auch bei niedrigen Temperaturen. Eine Pause in Glendalough, ein alter Klosterstandort in einem versteckten Tal. Die nächste Nacht in Kilkenny, ein hübscher kleiner Ort, rund 80 km von Dublin entfernt. Samstag besuche ich die Ruinen von Kells. Besonders hübsch und eindrücklich weil auf dem Grund noch Schafe weiden. Dann ist es nicht mehr weit bis Cork. Ich hatte wenig erwartet, aber die Stadt macht Eindruck. Lebendig, mit Geschichte und irgendwie richtig irisch. Das sich die Saison dem Ende neigt merke ich daran das die Hostels immer leerer werden, auch in Cork habe ich ein Zimmer mit 10 Betten für mich allein. Sonntag regnet es und ich breche eher missmutig auf, doch wie in Irland typisch scheint nur 15 km weiter die Sonne. Ideal um Kinsale zu besuchen. Bunt, überraschend und verspielt sind die Attribute die mir an diesem ruhigen Vormittag bei einem Bummel durch die engen Gassen einfallen. Hinterher fahre ich weiter an der Küste entlang, doch es zieht sich wieder zu und die Gegend macht einen recht deprimierenden Eindruck. Nachdem mir zwei Hostels nicht gefallen haben schlafe ich schließlich auf der Beara Halbinsel, wo ich ein Hostel auf der grünen Wiese für mich allein habe. Montag begleitet mich das unangenehme Wetter nach Kilarney. Der Ort ist schön und vor den Toren liegt ein Nationalpark. Die Berge ringsum lasse ich in Ruhe, ein Aufstieg würde sich nicht lohnen, denn alles versteckt sich in den Wolken. Für den See und die angrenzenden Wälder ist es aber schön genug und es bleibt trocken. Lange Spaziergänge geben mir die Gelegenheit intensiv über das Ende der Reise hinaus nachzudenken, keine einfache Geschichte. Nach einem persönlich harten Schnitt wurde eine Idee geboren. Ich arbeite an einem Plan, doch mehr dazu später. Zurück zu Kilarney. Im Nationalpark steht eine alte Abtei, Herrenhäuser und einige hübsch angelegte Gärten. Dazu gibt es sehenswerte alte Waldbestände, die ich mit etwas Phantasie durchaus als “Märchenwald” bezeichnen würde.

Wald bei Glendalough          

                 Cork

           buntes Kinsale

   im Kilarney Nationalpark

Mittwoch nehme ich den “Ring of Kerry” in Angriff. Dieser “Ring” ist die Strecke um die Halbinsel Kerry herum, ungefähr 180 km lang und praktisch von jeder Reisegruppe besucht. Die Strecke ist hübsch, aber in meinen Augen selten atemberaubend. So bin ich schneller als geplant herum, übernachte an der Spitze der Halbinsel in Ballingskellig und fahre am Dienstag bei erneut sehr trübem Wetter auf die Dingle Halbinsel etwas weiter nördlich. Im Örtchen Dingle finde ich das sehr schöne Rainbow Hostel und erlebe eine frische Nacht, wenn es dunkel wird bewegen uns bereits im niedrigen einstelligen Temperaturbereich.   

Friedhof am Meer        

       gelungene Symbiose

     Ringfort, 3000 Jahre alt

     typische alte Bauform

16.Woche vom 14. bis 20.September 2012
Freitag zeigt mir Petrus und die Gegend wie schön es hier ist. Morgens ziehen noch dunkle Wolken und Schauer durch, doch danach bleibt es sonnig und ich erlebe eine atemberaubende Strecke entlang der Küste. Die Spitze der Dingle Halbinsel ist vom Wind umtost, aber die Strände und Klippen entschädigen mehr als genug. Auf winzigen Strassen, bei denen auf Schafe und Gegenverkehr zu achten ist, erlebe ich ein Irland wie aus dem Bilderbuch. Tralee und Limerick sind nur Durchgangsstationen, denn das nächste vernünftige Hostel steht in Ennis. Samstag ein Stück weiter durch das County Clare (die Iren haben mehr und kleinere Counties als die Schweiz Kantone) in Richtung Küste. Doolin wird zur Basis meiner Wahl. Die geplante Wanderung zu den Cliffs von Moher breche ich nach einer Stunde ab, mancher mag es ahnen - wegen dem Wetter. Sturm, dunkle Wolken und aufziehender Regen vermiesen den Aufenthalt im Freien, aber am Torf gefeuerten Ofen sitzt man trocken und bequem.

westlich von Dingle               

             Slea Head 

         Dunquin, der Hafen

     wilde Küste von Kerry

Sonntag beginnt der Tag mit Wolken und Schauern. Doch die ziehen schnell durch und nach dem Mittag beruhigt sich alles. Ich fahre mit dem Auto zu den Cliffs of Moher, meide aber das Besucherzentrum und nähere mich über abgelegene Strassen. Das lohnt sich, denn startend von einem Wachturm aus Napoleons Zeiten aus kann ich fast die gesamte Steilküste einsehen, ohne beschränkende Mauern und ohne Massen von Touristen. Das dieser Teil den Besuchern verschwiegen wird hat seinen Grund. Der Pfad führt teilweise genau am Rand der Steilküste entlang, bei stürmischen Böen ein gefährliches Abenteuer welches mir aber Freude macht. Montag das übliche wechselhafte Wetter. Man gewöhnt sich daran und ich plane nur kurze Aufenthalte im Freien. Nach dem achten Schauer höre ich auf zu zählen, auch wenn noch kein Mittag ist. Die sonnigen Abschnitte reichen um die Landschaft “Burren” zu genießen. Nachdem in der Gegend vor hunderten von Jahren fast der gesamte Wald gefällt wurde, hat die Erosion den Rest besorgt und fast nur den nackten Kalksteinfels zurückgelassen, was auf besondere Art sehenswert ist

Cliffs of Moher, 200 m hoch

     der Pfad am Abgrund

     Landschaft “The Burren”, im Prinzip eine Kalksteinwüste

Am Weg durch “The Burren” liegt manch eindrucksvoller Friedhof, alte Ringsiedlungen und Begräbnisstätten aus der Steinzeit. Dienstag mein letzter Tag auf der Insel. Von Galway aus fahre ich quer durchs Land. Unterwegs Fotostopps, bis der Besuch in Irland mit einem Paukenschlag endet. In Newgrange liegt die größte und besterhaltene Kultstätte der Steinzeit: Bru na Boinne - der Boyne Palast. “Nur” ein künstlicher Erdhügel mit 80 m Durchmesser, wofür 200 Tonnen Baumaterial bewegt werden mussten Ein schmaler, 20 m langer, Gang führt ins winzige Innere zu einem kreuzförmigen Raum mit Platz für 20 Leute. Gebaut vor 5.000 Jahren und damit älter als Stonehenge oder die Pyramiden. Die schon damals konstruierte Dränage hält seit all den Jahren die mit Kuppeldach versehene Kammer trocken. Den intensivsten Moment erlebe ich als mit künstlichem Licht ein Sonnenaufgang simuliert wird wie zur Zeit der Wintersonnenwende. Dabei “wandert” das Licht, gespeist von einem kleinen Fenster über dem Eingang, den leicht gewundenen Gang entlang bis in die Kammer, die danach wieder in Dunkelheit versinkt. Was für Baumeister!

“The Burren” aus der Nähe

   irischer Friedhof: heute...

     ...und vor 2.000 Jahren

             Newgrange

In der Nacht zu Mittwoch bringt mich die Fähre von Dublin nach Holyhead, am Nordwestzipfel von Wales. Ohne viel Schlaf starte ich durch, denn das Wetter ist Klasse. Schöne Buchten und Strände, eine kleine Kirche auf den Felsen vor der Küste und ein Besuch der Stadt mit einem unaussprechlichen Namen: das Foto vom Bahnhof beweist es. Noch ein Besuch von Conwy, mit Burg und mittelalterlicher Stadtmauer bevor ich in den Bergen des Snowdonia Nationalparkes hundemüde in die Federn sinke. Donnerstag war eine Wanderung auf den höchsten Gipfel von Wales geplant, doch schlechtes Wetter treibt mich zurück. Aber mein Hostel ist angenehm und hübsch an einem Bergsee gelegen, da lässt sich der Rest des Tages gut drinnen verbringen.

Aberffraw 

 längster Stadtname weltweit

     die lies mich nah heran

   Watkin Pfad, Snowdonia

17.Woche vom 21. bis 27.September 2012
Freitag sieht das Wetter besser aus. Mittag erstürme ich den Snowdon (1.085 m). Der Watkin Pfad lässt sich angenehm laufen und auf dieser Seite des Berges sind kaum Leute unterwegs. Die Ausblicke von unterwegs sind bereits schön, vom Gipfel aus sind sie dann berauschend. Einige graue Wolken umrahmen den Blick über die umliegenden Gipfel bis hinaus aufs Meer. Ein herrlicher Tag. Der Samstag schließt nahtlos daran an. Wolkenloser Himmel, kein Lüftchen weht - wir befinden uns im Zentrum eines Hochdruckgebietes. Ideal für die Berge. Die Gipfelrunde über Tryfan, Glyder Fach und Glyder Fawr ist recht kurz, doch es wird mehr eine Kletterparty als eine Wanderung. Schon den Tryfan hinauf braucht es beide Hände und der Aufstieg zum Gipfel des Glyder Fach führt durch ein Labyrinth von Felstürmen senkrecht rauf und runter. Die ungewöhnlichen Gipfelfelsen “Adam und Eva”, die spitzen Felsblöcke vom “Palast der Winde” sowie die Schlucht “Teufels Küche” würzen die lohnenden Kilometer. Danach wird es langsam Zeit den Snowdonia Nationalpark zu verlassen. Das nächste Bett finde ich an der Küste in Borth.

Blick vom Snowdon           

   Teile des Watkin Pfades

         Blick vom Tryfan

  wonach sieht der See aus?

Sonntag hält der Herbst mit kaltem stürmischen Wind und grauem Himmel Einzug. Ungewöhnliche Stadtnamen wie Aberyswyth oder Cwmgwrench liegen auf meinem Weg. Aberteifi, zu englisch Cardigan, klingt etwas besser, bedeutet aber auf deutsch: Strickjacke. An der Küste entlang nach St Davids, der kleinsten City von England. Nur wer eine Kathedrale vorweisen kann darf sich City nennen, auch wenn z.B. St Davids nur ein paar Strassen und 1.800 Einwohner hat. Ich bleibe nur kurz und lasse mich 50 km weiter in Manorbier nieder. Das Hostel dort im ehemaligen Gebäude des Verteidigungsministeriums, das für Schießtraining gesperrte Gelände gleich nebenan. Montag entfaltet das Pembrokeshire bei schönem Wetter seine ganze Schönheit. Die Küste wild, die Klippen farbig und die sandigen Buchten dazwischen karibisch. Shrinkle Beach, Barafundle Bay, Bosherston und nach 16.30 Uhr St Govans Head, weil das Militär pünktlich Feierabend macht und das gesperrte Gebiet öffnet. In den Nachrichten übrigens die ersten Berichte von heftigem Regen und Überschwemmungen, glücklicherweise nicht dort wo ich unterwegs bin.

Strassenschilder in Welsh     

           bei Manorbier

         bei Bosherston

       am Stackpole Head

Dienstag ein Besuch von Tenby. Ideal an der Küste gelegen mit malerischer Bucht, breitem Strand und toller Architektur aus mehreren Epochen. Den Rest des Tages verbringe ich auf der Strasse, geplante Besuche auf der Strecke fallen teils heftigem Regen zum Opfer. Ziel ist Bristol, wo ich nach Matt, Nicki und ihrem am 8.8.2012 geborenen James Donovan schaue. Ein kurzer Besuch, am Mittwoch weiter nach Cornwall. Mir rennt die Zeit davon, ich will unbedingt diese Ecke von England sehen. Der späte Aufbruch lässt wenig vom Tag übrig. Ich fahre zum Hostel in Tintagel, das am Ende einer fürs Auto gefährlich schlechten Strasse liegt. Dafür entschädigt die Lage genau auf den Klippen mit Blick aufs stürmische Meer. Donnerstag Tintagel Castle besuchen, die Ruine liegt ganz nett auf den Felsen. Nach all den eindrucksvollen Küsten in letzter Zeit halte ich mich nun mehr ans Landesinnere. Bodmin Moor überrascht mit einer ganz anderen Landschaft. Fast baumlos, flache Hügel und ein weiter Blick. Noch mehr Staunen im Dartmoor Nationalpark. Einzelne Granitgipfel schauen aus der sanften und manchmal doch überraschend steilen Landschaft hervor. Die Gegend außergewöhnlich: schmalste Strassen und kaum Bewohner. Man kann sich gut vorstellen wie Nebel über dem Moor alle Konturen verwischt und Geschichten wie “Der Hund von Baskerville” aufkommen. Das angepeilte Hostel in Widecombe-in-the-Moor entpuppt sich dann alt, abgewirtschaftet, dunkel und kalt. Aber ich finde ein weiteres im nahen Moretonhampstead, wo ein Schild dazu auffordert sich selbst einzuchecken, die Besitzerin kommt erst spät abends heim.

mitten in Dartmoor            

         Launen der Natur

             Hallo Locke

     lang keiner telefoniert?   

18.Woche vom 28. September bis 4.Oktober 2012
Freitag kommt nach dem Frühstück die Sonne raus. Vom Hostel ausgerüstet mit einer detaillierten Karte der Gegend wage ich mich ins Moor. Die Strassen nur so breit wie das Auto, viele Kurven und kleine Kreuzungen, zu beiden Seiten Mauern und Hecke 3 Meter hoch. Irgendwo das Auto abstellen und zu Fuß über Weiden und durch Farne auf die Hügel der Gegend, “Tor” genannt. Die 400 m hohen Gipfel bieten weite Blicke, immer wieder gekrönt durch Granitfelsen, wobei Werke der Natur wie “Cheesewring” (Bodmin Moor) und Bowermans Nose herausstechen. Beim Versuch einem nicht existierenden Pfad zu folgen versinke ich einmal fast bis zum Knie, Moor eben. Spät am Nachmittag reiße ich mich von der Gegend los und fahre zu Matt und Nicki nach Bristol. Samstag ist mein letzter Tag in Großbritannien. Bei wundervollem Wetter fahren wir mit Klein-James nach Bradford-on-Avon, ein hübsches Städtchen. Am Abend Abschied nehmen und schnell nach Portsmouth, um die Fähre von LD Lines nach Le Havre zu bekommen. 23 Uhr legen wir ab und sind Sonntag 8 Uhr in Frankreich. Le Havre wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut, die Betonarchitektur war damals in Frankreich genau so furchtbar wie z.B. in Dresden. Die moderne Kirche sieht von außen aus wie ein Silo, allerdings zaubern tausende von kleinen Fenstern ein tolles Licht im Inneren. Langsam fahre ich bei erneut traumhaften Wetter die Küste der Normandie entlang, mit einigen Stopps an historischen Plätzen vom D-Day. Bunkeranlagen der Deutschen und Teile künstlicher Hafenmolen der Alliierten widerstehen seit 70 Jahren Wind und Wetter. Der letzte Halt am Soldatenfriedhof in La Cambe, beklemmender Schlusspunkt des schönen Tages. Zwei angepeilte Hostels haben schon Saisonende, also Camping. Montag nach Mount St Michel, einer der Gründe warum ich in die Bretagne wollte. Das Kloster auf dem Felsen vor der flachen Bucht grandios, nur rauben Baufahrzeuge Ruhe und Grandesse. In den 60gern baute man ein Damm mit Strasse um Touristen  gezeitenunabhängig zum Kloster zu lassen. Die fehlende Wasserzirkulation führte zu Sedimentablagerung, der Mount ist nun also keine Insel mehr. Jetzt wird mit Millionenaufwand versucht die Fehler zu revidieren und die ganze Bucht ist eine Baustelle.

die Kirche von Le Havre       

     Dörfer in der Normandie

 deutsche Verteidigungsanlage

         Mount St Michel

Dienstag ein Stadtbummel in St Malo, schön am Meer gelegen mit einer existenten Stadtmauer. Nach Meer und Strand führt der Weg ins Land nach Dinan. Die Stadt im Kern noch aus dem Mittelalter. Fachwerk, Feldsteine und nichts wirklich gerade, doch genau deswegen sehenswert. Dann verlässt mich das Glück. Hostels zu, wenn auch laut Internet bis Ende Oktober offen, mieses Wetter und kleine Geschichten die zweifeln lassen ob ich hier willkommen bin. Camping ist kein Thema mehr, die haben teils schon zu und abgesehen vom Wetter wird es vor acht dunkel. Hotels würden mein Budget sprengen, also kürze ich ab. Mittwoch ein langer Tag im Auto um ohne Maut die 500 km bis Paris zu schaffen. Zusammen mit vielen LKW trotze ich Sturm, Regen und Bezahlstrassen. Donnerstag gehöre ich zu den Ersten die das Chateau von Versailles betreten - der frühe Vogel fängt den Wurm (war nicht schwer, ich habe auf dem Parkplatz nebenan übernachtet). Versailles? Klasse! Prunk, Pomp und Extravaganz. Das beschreibt Schloss, Gärten und Parks am besten. Allein der Spiegelsaal ist ein Traum in Marmor, Kristall und Gold. Danach beziehe ich mein mit Mühe ausgesuchtes Hostel in Paris. Bezahlbar, ruhig gelegen und mit kostenlosem Parkplatz.

               Dinan   

             in Dinan

             Versailles

   Versailles, der Spiegelsaal

19.Woche vom 5. bis 11.Oktober 2012
Freitag spielt das Wetter mit, also Stadtbummel. Was soll ich sagen: Paris ist Paris, ist Paris. Viele von euch waren schon hier, und allen die es noch nicht geschafft haben kann ich einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Ich fühle mich von Anfang an wohl und Paris bekommt den ersten Platz im “Großstadtwettkampf” diesen Sommers. Auch wenn die Hauptattraktionen förmlich von Menschen überrannt sind, so finden sich doch ein paar kleine Gassen weiter nette Cafes, etwas Ruhe und ein entspannter Lebensrhythmus. Zu Fuß erkunde ich das Zentrum und auf dem Weg liegen: die Inseln in der Seine: Ile de St Luis, Ile de la Cite mit der Kathedrale Notre Dame, danach die Sorbonne, das Pantheon, der botanische Garten, Palais de Luxembourg, Friedhof Montparnasse, Hotel des Invalides, Parc du Champs de Mars, der Eiffelturm, Palais du Trocadero, Arc de Triomphe, Champs Elysees, Grand Palais, Petit Palais, Jardin des Tuileries und Louvre! So vergeht der Tag und ich habe am Abend qualmende Füße

Paris, Eiffelturm               

     Kathedrale Notre Dame

           Hotel des Invalides...     ...und von der anderen Seite

Samstag bleibe ich außerhalb vom Zentrum und spaziere lange durch den sehr sehenswerten Friedhof Pere Lachaise. Die Gräber teils hunderte von Jahren alt, verwachsen, grün und die gesamte Anlage von Hügeln durchzogen. Nachmittag der Bummel in den Stadtteil Montmartre: überdachte Boulevards, die Oper, Place de la Madeleine, Pigalle und die Basilique de Sacre Coeur. Leider fängt es dann an zu regnen. Im Hostel ein frühes Abendessen, dann starte ich erneut in die Stadt. Heute ist eine “Nuit Blanche” - eine weiße Nacht. Die Museen öffnen kostenlos die halbe oder ganze Nacht und auf den Strassen rund um die Seine soll einiges los sein. Nun, nicht nur ich werde von der angepriesenen Nacht herb enttäuscht. Die Museen die ich sehen möchte haben trotz anders lautender Information geschlossen und an den anderen steht man im Regen bis zu einer Stunde an um rein zu kommen. Auch auf den Strassen kann man außer vielen Autos nichts erleben, was aber auch am Regen liegen kann. Nach Mitternacht breche ich ab und ziehe mir ein trockenes und warmes Bett vor. Sonntag endet mein Besuch in der französischen Metropole und ich peile Deutschland an. Einen halben Tag besuche ich Reims in der Champagne, sehe die sehr eindrucksvolle Krönungskathedrale von 36 europäischen Oberhäuptern und gebe mich dann zwei Etagen tiefer in den Kellern von Taittinger dem Genuss von Champagner hin. Der Gang durch das angesehene Haus führt vorbei an zig tausend Flaschen jeder Größe in denen das wertvolle Gesöff langsam vor sich hin reift. Die ältesten Keller stammen von den Römern aus dem 4. Jahrhundert!

der Louvre bei Nacht        

     Friedhof Pere Lachaise

     Taittinger überirdisch

     Taittinger unterirdisch

Montag verlasse ich Frankreich und statte Luxemburg einen Besuch ab. Die Stadt ist übersichtlich und in nur wenigen Stunden abgelaufen. Hervorzuheben sind die tolle Lage und die noch immer eindrucksvollen Wehranlangen auf den Felsen, hauptsächlich entworfen und gebaut von Österreichern. Damit endet meine Reise durch den Nordwesten von Europa. Dienstag den 9.Oktober mache ich mich bei wundervollem Herbstwetter auf in die Heimat. Ich habe viel gesehen und erlebt, bin aber trotzdem schon in der Planung für das nächste große Abenteuer. Das führt mich schon in wenigen Wochen nach Australien. Ich bin gespannt...

Kathedrale in Reimes...

   überarbeitete Bildhauerei

         hübsche Details

     Kathedrale Luxemburg

Ein Schlußwort
Freitag spieltdas Wetter mit